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Die goldene Kröte von Durgaban

© Taipan

Die große Goldene Kröte vor dem Katzenpalast ist das Wahrzeichen der Kleinstadt Durgaban mitten im sumpfigen Mendhakdjangal. Laut Legende handelt es sich dabei um den Krötenkönig aus dem nahen Wald, der einst – mit der Hilfe von Jh’taraiths Diener Phi’amoth

– die Stadt vor dem tyrannischen Djajelraasha MakhJau befreit hatte.


Die Goldene Kröte von Durgaban (Legende)

Vor langer Zeit, wenige Jahre, nachdem die Bürger von Durgabans ihre Stadt errichtet hatten, kamen der der Djajelraasha MakhJau, der Schreckliche mit seinen Truppen, griff die Stadt an und eroberte sie nach wenigen Tagen Belagerung. Da ihm die Stadt so gefiel, befahl er den Bürgern Durgabans, ihm mitten in der Stadt zu einen Palast zu errichten was die armen Bürger – egal ob Mann oder Frau, ob Kind oder Greis – auch machen mussten, denn alle, die nicht mit Hand anlegten, ließ der Raasha verprügeln. So war der Palast bald fertig und MakhJau zog ein. Von nun an hatten die Bürger auch noch unter den hohen Steuern zu leiden und bald war Durgaban bitterarm.

Da kam eines Tages Phi’amoth, der alte Diener des schrecklichen Dämonenraashas Jh’taraith, in die Stadt, um geeignete Seelen für seinen Herrn zu finden. Weil ihm alle Menschen hier so arm erschienen, verkleidete er sich als Bettler. Phi’amoth war aber bald so über die Armut der Bürger entsetzt und gleichzeitig über ihre Mildtätigkeit gerührt – eine arme, alte Frau hatte ihm zwei Daris zugesteckt, dass er den Grund dafür erfahren wollte. So ging er zu dem Palast des Raashas, klopfte ans Tor und bat um Almosen. Weil der Raasha gerade in guter Stimmung war, bekam Phi’amoth sogar etwas, eine einzige Dari.

Da rief Phi’amoth: „Ist der große Raasha von Durgaban denn so arm, dass er nur eine einzige Dari entbehren kann? Dann will ich diese Dari nicht, denn er brauch sie wohl eher als ich.“ Und mit diesen Worten gab er dem Raasha nicht nur seine Dari zurück und zusätzlich auch noch eine der beiden Daris der alten Frau.

Daraufhin wurde MakhJau sehr böse und ließ den verkleideten Diener verprügeln. Phi’amoth verließ trotzdem das Schloss mit den Orten: „Habt Dank für alles! Ich komme bald wieder.“

Wieder zurück in der Stadt ging er zu einem kleinen Jungen, der gerade eine Idariherde aus der Stadt führen wollte, und sprach. „Ich will dir diese Münze geben, wenn du für mich auf dem Krötenkönig vom Mendhakdjangal reitest.“

„Aber es gibt doch gar keinen Krötenkönig“, rief der Junge aus.

„Oh doch, sogar sehr viele, aber der nächste ist der vom Mendhakdjangal“, sagte Phi’amoth.

„Doch auf einer Kröte kann man doch nicht reiten“, zweifelte der Junge weiter.

„Es ist keine Kröte, sondern ein Krötenkönig, und der ist groß genug, dass nicht nur du, sondern auch ich auf ihrem Rücken Platz hätten.“

„Und wer passt auf die Idaris auf?“

„Die wirst du einfach mitnehmen“, schlug Phi’amoth vor und daraufhin verwandelten sich die mageren Idaris ist kleine Figürchen aus purem Gold, die der Junge nach einigem Staunen einfach in seine Tasche stecken konnte.

Xyz und der Junge gingen gemeinsam in den Mendhakdjangal und bald stießen sie auf einen großen See, in und um den es von Kröten und Fröschen nur so wimmelte. Mitten im See war eine Insel und auf der Insel saß eine riesige Kröte mit einer goldenen Krone auf dem Kopf.

„Du musst rüber schwimmen und dich auf ihren Rücken setzen“, sagte Phi’amoth. „Dann wird sie dich überall hintragen, wohin du willst. Und all ihre Untertanen werden ihr folgen. Lass dich von ihr zurück in die Stadt tragen, dann werden sie den bösen Raasha schon vertreiben. Es ist alles ganz einfach und ich würde es gerne machen, doch dafür bin ich schon zu alt.“

Der Junge tat wie ihm geheißen. Er schwamm durch den See, trat auf die Insel uns setzte sich auf den breiten Rücken der riesigen Kröte mit der Krone auf dem Kopf. Und da begann sich die Kröte zu bewegen und marschierte – wie ihr der Junge befahl – nach Durgaban, gefolgt von abertausenden Kröten und Fröschen.

Als der Junge auf dem Rücken des Krötenkönigs die Stadt betrat und zum Palast ritt, hüpften die unzähligen kleinen Kröten und Fröschen in jede Ritze des Palasts und erschreckten alle Bewohner so sehr – vor allem den Raasha – dass sie sofort die Flucht ergriffen.

Der Junge und die Kröte wurden genauso wie Phi’amoth groß gefeiert. Dämonendiener gab natürlich dem Jungen die versprochene Münze, doch hatte er sie verzaubert, sodass er von nun an immer genug Geld in seinem Geldbeutel hatte.

Dem Krötenkönig gefiel es aber so sehr in der Stadt, dass er nicht mehr zurück wollte, und auch sein ganzer Hofstaat blieb bei ihm, was die Bürger von Durgaban mit der Zeit verärgerte, nisteten sich die Kröten und Frösche doch schon bald in jedem Haus ein. Da verwandelte Phi’amoth den Krötenkönig in eine goldene Statue und die meisten Kröten und Frösche kehrten wieder in den Mendhakdjangal zurück. Weil aber die Bürger Durgabans den vergoldeten Krötenkönig nicht wieder zurück zum See trugen und ihn vor dem Katzenpalast stehen ließen, sind auch noch heute ungewöhnlich viele Kröten und Frösche in der Stadt zu finden. Dafür hat aber der schreckliche Dämonenkönig Jh’taraith niemals einen Fuß in die Stadt gesetzte. Ob ihm sein Diener die Existenz von Durgaban verschwiegen hat oder ob er sie wegen Phi’amoth verschonen will, ist unbekannt.


Von nassen Ländern, Dämonendienern, Kröten und Wappen

Die Legende von der Goldenen Kröte von Durgaban erinnert sehr an ein Märchen, doch verstecken sich in ihr viele historische Tatsachen. So deutet tatsächlich vieles darauf hin (wie der gut erhaltene Katzenpalast), dass die Stadt in der Vergangenheit nicht nur zeitweise von Djajels bewohnt worden ist, sondern dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit von ihnen auch erbaut worden ist, und zwar – falls es sich tatsächlich um den Mgaraut MakhJau handelt, von dem die Legende spricht – vor über 3.500 Jahren, was Durgaban nach Bandiwar zur zweitältesten Stadt in Uttarand machen würde. Selbst der Name scheint noch von den Djales zu stammen – Duarr Ghan – das später zum heutigen Durgaban wurde. Während Durgaban übersetzt „Krötenwald“ bedeutet, was sehr zu der Legende passt, wird Duarr Ghan mit „Nasses Land“ übersetzt, was nur sehr wenig mit Kröten zu tun hat, aber den Mendhakdjangel beschreibt, in dem Durgaban liegt.

Auch Phi’amoth, der alte Diener des Jh’taraith, kommt nicht nur in der Legende von Durgaban vor, sondern ist in vielen Regionen auf ganz Lyvad bekannt und scheint daher tatsächlich zu existieren oder zumindest existiert zu haben. Dazu kommt natürlich auch noch Jh’taraith selbst, dessen Existenz von praktisch keiner Kirche geleugnet wird, auch wenn er anders als in Märchen, Sagen und Legenden kein „Dämonenkönig“ ist.

Interessant ist auch die Beziehung von Jh’taraith zu dem Wappen von Durgaban. So findet sich anders, als man vielleicht nach der Legende vielleicht vermuten möchte, keine Kröte auf dem Stadtwappen, sondern auf goldenem Grund auf halber Höhe eine blaue Krone mit drei Zacken, darunter der rote Buchstabe JH, der auch für Jh’taraith stehen kann. Ob es aber dazwischen tatsächlich eine Verbindung gibt, mag getrost bezweifelt werden.


Lexikon

Bandiwar: Stadt in Uttaran

Dari: Münze von geringem Wert

Djajels: aufrecht gehende, katzenähnliche Kulturschaffende

Durgaban: Stadt in Uttarand (bedeutet Krötenwald)

Jh’taraith: Seelen sammelnder, mächtiger Dämon als (sehr beliebte) Märchen-/Sagenfigur der König der Dämonen

Idaris: lamaähnliche, ziegengroße Haustiere; liefern Wolle, Milch und Fleisch

Mendhakdjangal: sehr sumpfiger Wald

Meseleth: Kontinent

Mgaraut: Herrschertitel für Djajels

Phi’amoth: Diener von Jh’taraith; soll ein Mensch sein

Raasha: Bezeichnung für Könige (in Uttarand)

Uttarand: waldreiches Land im Norden von Meseleth