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Die Idha

© Sturmfaenger

Auf der Oberfläche des Weltenbrösels Arseyya leben die nomadischen Adhi, welche den lebenswichtigen, wasserspendenden Wolkenfressern mit ihren Herden folgen. In den wenigen Oasen siedeln die Ahda, die sich außer der Seßhaftigkeit und der daraus resultierenden anderen Kultur nicht von den Ahdi unterscheiden, jedoch naserümpfend auf ihre nomadischen Vettern herabsehen.

Die Nomaden leben in einer Gesellschaftsstruktur, in der der einzelne wenig gilt, und der Stamm alles. Sonderlinge, die sich nicht unterordnen können, sind unerwünscht, und wer sich nicht anpassen kann, rutscht in der Rangordnung der Nomaden immer weiter nach unten. Einige werden wegen Nichtigkeiten ausgestoßen, andere verlassen die Ahdi freiwillig. Genau wie verstoßenen Verbrechern, Schwitzern (deren hoher Wasserhaushalt durch genetische Variation untragbar für die Gruppe ist) und anderen unerwünschten Stammesmitgliedern bleibt ihnen nur eines, um nicht zu verdursten: sie müssen ihr Nomadendasein aufgeben bei den Ahda in den Oasen leben.

Das war noch nie leicht für sie. In den Dörfern und Städten gibt es keine Stammesstruktur mehr, die Dorfgemeinschaften halten jedoch fast genauso eng zusammen. Nomaden auf der Durchreise sind zwar wegen der mitgebrachten Neuigkeiten und Handelswaren willkommen, man begegnet ihnen aber auch stets mit Mißtrauen. Es gibt immer wieder Spannungen, wenn es um das lebenswichtige Wasser geht, daher sind die Adha selten begeistert von den Neulingen, denen nur das Leben in den Randzonen der Siedlungen erlaubt ist.

Die verstoßenen Ahdi, die sich bei den Ahda ansiedelten, lebten stets am Rande der Gesellschaft. Da sie von vielen unterschiedlichen Stämmen waren, die oft verfeindet waren, hatten sie auch untereinander wenig Kontakt. Sie wurden für die niedrigsten Arbeiten angestellt und schlecht bezahlt, was sie sich an eigener Kultur bewahrt hatten wurde verspottet, und jedesmal wenn es mit Stämmen auf der Durchreise Probleme gab, und diese sich durch Weiterwandern aus der Schlinge zogen, wurden die zwangs-sesshaften Ahdi zu Sündenböcken gemacht. Man machte sie für Verbrechen aller Art, Seuchen und Hungersnöte verantwortlich, und beschimpfte und beleidigte sie als Abschaum und Gesindel.

Einige der Ahdi wurden genau so, wie sie von den Ahda dargestellt wurden. Sie ließen sich für Verbrechen anheuern und sorgten dafür daß diese mit grausamer Genauigkeit ausgeführt wurden. Für manche dieser Verbrechen mußten mehrere Ausgestoßene zusammenarbeiten, und dies waren die Anfänge der Ihda. Es blieb nicht aus, daß auch einige dieser Verbrecher der Ihda vom Dorfpöbel schikaniert und gedemütigt wurden, doch sie wollten sich das nicht mehr gefallen lassen.

Ahilbalah der Feuchthändige erkannte schließlich die Möglichkeiten, welche die in allen Siedlungen verstreuten Verstoßenen darstellten. Die einzige Gemeinsamkeit der vielen vertriebenen Adhi war die Diskriminierung, und dagegen konnten sie sich nur wehren, indem sie sich die Gleichberechtigung als gemeinsames Ziel suchten. Dabei sollte jedoch niemand aufgeben, was ihn ausmachte: seine Eigenständigkeit.

Gerade durch die Erhaltung der Individualität war die Ihda so erfolgreich. Jeder konnte ihr so dienen wie es seinen Talenten entsprach, und man verpflichtete sich nur für die Dauer des jeweiligen Verbrechens zu Zusammenarbeit und Gehorsam. Ahibalahs Talente lagen in der Koordination des ganzen, daher akzeptierten ihn die anderen in dieser Position. Er rekrutierte fleissig neue Mörder, Diebe und Spione unter ihnen, und wer Schutz oder Rache wollte, zahlte einen Beitrag oder gewährte den aktiven Mitgliedern Unterschlupf. Wer schikaniert wurde, verständigte die Ihda, und diese ließ den betreffenden Ahda ein genau festgesetztes Strafmaß zukommen.

Zugleich wuchsen die Ausgestoßenen mehr und mehr zu einer Organisation zusammen, die sämtliche Leichen in den Kellern der Ahda kannte. Dieses Wissen nutzte Ahilbalah Feuchthand, um die einflussreichen Ahda in seinem Sinne zu manipulieren und zu erpressen.

Dieser Weg war nicht einfach, er und seine Nachfolger hatten damit jedoch langfristig Erfolg: Die Mißhandlungen ließen nach, die Rechte der Vertriebenen wurden langsam weiter ausgebaut. Die Idha wirkte so lange im Geheimen, und baute sich eine solide Machtbasis aus, ehe sie schließlich offiziell die Existenz eines Bundes namens Ihda unter den Vertriebenen Ahdi bekanntgab. Der Titel des gewählten Anführers der Ihda ist zu Ahilbalahs Ehren ‚Feuchthand’. Dies hat nun allerdings nichts mehr mit Schwitzen zu tun, sondern mit Macht über Geheimnisse, die beinahe ebenso wertvoll wie Wasser sind. Die offiziellen Mitglieder tragen Armreife als Erkennungszeichen.

Feuchthand Condahil, mittlerweile der vierte in der Reihe von Ahibalahs Nachfolgern, hat heute einen Platz im Stadtrat inne. Er setzt sich für die Rechte und Interessen der Vertriebenen ein, während die dunkle Seite der Organisation sicherstellt, daß seine Argumente die nötige Überzeugungskraft haben. So profitieren auch die Verstoßenen Nicht-Idha davon.