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Die Veshaten

© Sturmfaenger

Hierbei handelt es sich zweifelsohne um einen der geheimnisumwittertsten Geheimbünde, die unser Kontinent in seiner wechselhaften Geschichte gesehen hat. Sie bewahren das gefährliche Erbe unserer Geschichte, denn einer muß es tun. Sie bewahren es im Geheimen, und sie bewahren es gut. Viel Unheil ist durch sie verhindert worden, und doch sorgen Abtrünnige alle paar Jahrhunderte dafür, daß das Mißtrauen ihnen gegenüber niemals erlischt. Ist es da ein Wunder, daß sie den Mantel der Verborgenheit noch enger um sich ziehen?

DER AUSLÖSER 
Nachdem uns Menschen durch den Gott Illanu die Gabe der Magie zuteil geworden war, lernten unsere Ahnen mit ihr umzugehen. Sie benutzten sie zum Guten, und sie benutzten sie zum Schlechten. Die Zeit der Magiekriege war eine der dunkelsten Epochen der Menschheitsgeschichte, wie sie uns überliefert ist. Die Aufzeichnungen berichten von Schwelfeuer und gelenkten Blitzen, von Saugfallen, Schmerzbringern und Magierkriegern, die ihre Feinde geistig vergewaltigten, ihnen ihre Geheimnisse entrissen und sie zu Dingen zwangen, die unaussprechlich sind.
Damals gelang es unseren Vorfahren unter großen Mühen, dieses Grauen zu beenden. Die überlebenden Königreiche einigten sich auf den Verzicht von Kampfmagie - niemals wieder sollte die göttliche Gabe auf diese Weise mißbraucht werden. 
Es war verboten, das Wissen auch nur zu lehren, von seiner Anwendung ganz zu schweigen. Jeder der es doch tat wurde bestraft und verfolgt, und nach ein paar Jahrzehnten glaubte man das Übel ausgemerzt zu haben.
Die Ächtung aller Kampfmagie machte die Altlasten des Krieges jedoch nicht zunichte. 
Die rastlosen Seelen wahnsinnig gewordener Magiekrieger bildeten eine Bedrohung die erst lange nach dem Ende der Kriege als solche erkannt wurde, als die ersten Besessenen Unheil anrichteten. Diese sogenannten Wandergeister zogen von Mensch zu Mensch, nährten sich von den Energien ihrer Opfer und verfolgten ihre eigenen Ziele. 
Sie waren jedoch nicht die einzige Gefahr, welche die Menschen bedrohte, die versuchten, die Schrecken der Vergangenheit zu vergessen. Viele Gebiete konnten nur mühsam neu besiedelt werden, spielten sich hier doch seltsame Dinge ab, die auf die magieverzerrenden Wirkungen von immer noch aktiven Fallen, Schilden und anderen Hinterlassenschaften des Krieges zurückzuführen waren. 
Hinzu kamen versprengte Kampfmagier, die ihre Macht nicht aufgeben wollten, und ihre Künste im Verborgenen weiter ausübten. Unsere Vorfahren, damit beschäftigt, die Vergangenheit zu verdrängen, wurde zunehmend wehrloser gegen diese Bedrohungen.

DIE VORGÄNGER 
Verschiedene Gruppen, von denen uns heute nur noch einzelne Namen wie "Naerius' Speer" und "Brithils Atemhauch" bekannt sind, bildeten sich in den Jahren der Verleugnung, die auf die Magiekriege folgten. Sie rekrutierten sich aus alt gewordenen Magierkriegern, die dem Übel der Kampfmagie zunächst abgeschworen hatten, und nun begreifen mußten, daß Feuer manchmal mit Feuer bekämpft werden muß, um einen Flächenbrand zu stoppen. Sie begannen ihr Werk, und sie hatten Erfolg.
Sie besiegten ein paar Wandergeister in den magischen Sphären, zerstörten Fallen und legten einigen Möchtegerntyrannen das Handwerk. 
Bald schon eilte die Kunde von den hilfreichen Kampfmagiern durch das Land, und alarmierte Tempel und Obrigkeit. Die einen fürchteten den Tabubruch und den Zorn der Götter, die anderen sahen sich durch die steigende Popularität der Magiergruppen in ihrer Machtposition bedroht. Dieser vorgelebte verantwortungsvolle Umgang mit Kampfmagie beschleunigte zudem die Aufarbeitung der Kriege, und warf schlechtes Licht auf die Taten der damals Beteiligten, die teilweise immer noch an der Macht waren. Man verbot die Magiergruppen und ließ sie ebenso gnadenlos verfolgen wie jene, die sie ausmerzen wollten. So hatten die Vorgänger der Veshaten von jeher zwei gute Gründe, geheim zu operieren: um die von Wandergeistern Besessenen in Sicherheit zu wiegen und um am Leben zu bleiben.

DIE GRÜNDUNG 
Von unseren heutigen Schriftgelehrten wird zumeist der Einiger des Reiches, Jalakar der Erste, als Gründer der Veshaten genannt, und tatsächlich ist er es auch gewesen, der die versprengten Einzelgruppierungen der Vorgängerorganisationen der Veshaten zu einer Gemeinschaft zusammenführte.
Anfangs war er ein Gegner von ihnen, wie sein Vater und Großvater zuvor.
Erst als er, bereits zum König gekrönt, selbst von einem Wandergeist besessen ward und von dem berüchtigten Xyastan von Rhenien aus dieser geistigen Knechtschaft befreit wurde, änderte sich seine Meinung dazu. 
Unter Jalakars Regie wurden die verschiedenen Gruppen zu den Veshaten vereint und ihre Position mit einem stabilen gesetzlichen und finanziellen Unterbau ausgestattet.
In Zusammenarbeit mit den Tempeln wurde ein strenges Paket an Reglements verabschiedet, auf welches jeder neue Rekrut eingeschworen wurde. Der strenge Verhaltenskodex band und verpflichtete sie dazu, das Wissen um die Kampfmagie nicht zu mißbrauchen und mit keinem zu teilen, der nicht Teil der Organisation war.
Dabei wurde besonders darauf geachtet, sämtliche politischen Ambitionen aus ihren Reihen zu verbannen. Ihr einziges Augenmerk sollte die Vernichtung von Kampfmagie sein. 
Die Veshaten arbeiteten im Hintergrund wo immer es möglich war, doch ihre Erfolgsquote bei der Säuberung des Landes war einer der Faktoren, die es Jalakar ermöglichten, in den folgenden Jahren sein Jelenachreich zu gründen, die Keimzelle unseres heutigen Morkandor.

GESCHICHTE BIS IN DIE GEGENWART 
Während der ganzen Zeit, in der das Reich der Jelenach existierte, widmeten sich die Veshaten ihrer Aufgabe. Dazu zählte auch, abtrünnigen Veshaten das Handwerk zu legen. Bei diesen Gelegenheiten drangen auch die meisten Fakten über den Bund in das öffentliche Bewußtsein, darum wissen wir so viel von ihnen. 
Doch irgendwann waren die meisten auffindbaren Fallen beseitigt, und nur die schlausten Kampfmagier und Wandergeister noch übrig, die sich versteckten und schwer fangen ließen. Nicht nur das, einige der Gegner der Veshaten versuchten nun ihrerseits aktiv, sie zu vernichten. 
Dies machte die Aufgabe umso schwieriger, und die Veshaten wurde reformiert, um mit den geänderten Bedingungen besser fertigzuwerden. Sie wurden offiziell aufgelöst, und es wurden keine Mühen gescheut, um sie in Vergessenheit geraten zu lassen. Nicht einmal der neue Herrscher erfuhr vor seiner Krönung von ihnen, die Finanzierung erfolgte durch viele geheime Kanäle. 
Die Invasion durch die Hornanden änderte daran nichts. Einige verzweifelte Veshaten setzten die verbotene Kunst gegen die neuen Feinde ein, und wurden von ihren eidestreuen Mitbrüdern gestellt. Die Meinungen über diese Vorfälle sorgten für rege Diskussionen unter den Magiebegabten, dies geriet jedoch bald in den Hintergrund, als die Hornanden begannen, jeden zu verfolgen, der Magie wirken konnte. 
Die Verfolgung zwang uns Magiebegabte, enger zusammenzuarbeiten, und so finden die Veshaten ihre Rekruten heute meistens in den Lagern der Uranach. Sie sind aber weiterhin eine eigenständige Gruppe, die sich selbst finanziert und nur in einigen Teilbereichen eng mit den magischen Widerstandskämpfern zusammenarbeitet, beispielsweise bei der Unterbringung von Flüchtlingen oder dem Sammeln gewisser Informationen.

DIE ORGANISATION ZUM HEUTIGEN ZEITPUNKT 
Über die Spitze der Veshaten ist uns nicht viel bekannt. Vermutlich handelt es sich um eine Gruppe von hochrangigen Mitgliedern. Die innere Struktur der Veshaten scheint eher dezentralisiert zu sein, große überregionale Versammlungen sind selten. Wir wissen nicht, wie ihr Informationsnetz funktioniert, und die Standorte ihrer Ausbildungslager und Bibliotheken sind gut gehütete Geheimnisse.
Veshaten tarnen sich als Kaufleute, Gastwirte, umherziehende Söldner, Freudenmädchen... - all jene Berufe, in denen man viel reist oder viele Menschen trifft. Sie achten auf all die kleinen Seltsamkeiten, die einen Besessenen verraten oder auf eine immer noch aktive Magiefalle hindeuten. Veshaten operieren die meiste Zeit alleine, auch wenn sich oft mehrere am selben Ort aufhalten, um im Falle eines Kampfes eine magische Linse bilden zu können. Untereinander halten sie nur locker Kontakt, sie treffen sich nur, wenn einer meint, konkrete Hinweise entdeckt zu haben, denen man nachgehen muss.
Die Kontaktaufnahme erfolgt unauffällig, und scheinbar wird die Art, wie dies geschieht, in unregelmäßigen Abständen verändert. Wir wissen, daß die Veshaten in den letzten Jahren mit Düften gearbeitet haben. Sie erwerben von den Tshaerd ein seltenes Öl, das einen leichten, aber unverkennbaren Geruch hat, der noch lange in der Luft hängt und selbst aus anderen Gerüchen gut herauszuschnuppern ist. Jedes Mitglied der Veshaten sucht regelmäßig einen Tempel oder Schrein der Allheit auf, um den Segen aller Götter zu erlangen. Wer ein Treffen wünscht, träufelt ein paar Tropfen Öl in die Opferschale. Beim nächsten Tempelbesuch benutzt derjenige das Öl dann als dezentes Parfum, damit die anderen herausfinden können wer ein Treffen wünscht. Bei dieser Person trifft man sich dann am Abend. Je nach Dringlichkeit mischt man andere Duftnoten zu. 
Auch vielversprechende Magiebegabte werden auf diese Weise rekrutiert. Tatsächlich stellt es so etwas wie eine Prüfung dar, zum ersten Treffen zu finden. Ein Veshate - meist ein eigens angereister Ortsfremder, um die örtlichen Agenten nicht zu enttarnen - tritt an den Kandidaten heran, erzählt ihm ein paar neugierig machende Informationen und läßt ihn am Öl riechen. In den nächsten paar Tagen wird jemand in seiner Umgebung diesen Duft aufgelegt haben, und dieser Person soll er dann zum ersten Treffpunkt folgen. Hat ein Neuling das geschafft, ist er der Novizenschaft ein Stück näher gekommen. Um jedoch Zugang zu einer der geheimen Ausbildungsstätten zu bekommen, muß er noch eine Reihe anderer Tests bewältigen und einer Gedankenprobe zustimmen, damit man sichergehen kann daß der Neuanwärter nicht von einem Wandergeist oder ungesundem Ehrgeiz besessen ist.