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Gelbe Muschelsammler von Nermak

© Taipan

In der meselethischen Stadt Nermak, die mitten in der Namarr und am Thinsee liegt, ist das legendäre Seeungeheuer Quorwynn allgegenwärtig, obwohl es zum Glück der Nermakäer so gut wie nie gesichtet wird. Doch das Abbild von Quorwynn ziert das Stadtwappen genauso wie Kunst- und Alltagsgegenstände der Nermakäer. Ebenfalls allgegenwärtig ist das Bild des Magiers Sadryn Volos, der einst jenes Geschöpf, bei dem es sich eigentlich um einen gefährlichen Dämon handeln soll, als letzte Verteidigung für die Stadt zu Hilfe gerufen hat. Dass auf nicht wenigen dieser Bilder gelbe Muscheln zu sehen sind, fällt hingegen nur wenigen Eingeweihten auf, die allesamt zu den Gelben Muschelsammlern von Nermak gehören.

Ursprung und Entstehung: 
Die Gelben Muschelsammler von Nermak sind eine uralte Gruppierung in Nermak, zwar nicht so alt wie die Stadt selbst, wie ihre Mitglieder manchmal behaupten, aber es gibt sie, seit dem Ende des Seenkriegs und seit Quorwynn im Thinsee haust, also seit etwas 180 v. MF. Wie jedes Kind in Nermak weiß, hatte die Stadt den Seenkrieg (192 - 179 v. MF.) mit dem Kumischen Reich eigentlich schon längst verloren und feindlich Truppe rückten immer näher zur Stadt, um sie zu überrennen und zu plündern. Da beschwor Sadryn Volos Quorwynn, ein Wesen, so groß wie einen Berg, mit dem Schwanz eines Wals, vergleichsmäßig schlanken Armen, die jedoch in geschickten Händen endeten, und zahlreichen kräftigen Tentakeln, die aus dem unheimlich menschenähnlichen Schädel der Kreatur wuchsen und mit denen es ganze Schiffe in die Tiefe des Thinsees ziehen konnte. Volos wusste, dass ihn das Wesen töten würde, doch bevor es ihn verschlang, konnte er der Kreatur das Versprechen abringen, die Feinde Nermaks zu vernichten und die Bewohner der Stadt zu schützen. Weil das Wesen ein Dämon war, musste es dieses Versprechen einhalten, und so konnten die Kumischen Truppen nicht in die Stadt eindringen, denn diese war nur über den See einzunehmen und dort wütete Quorwynn schrecklich unter den Angreifern. So verlor Nermak zwar den Großteil seines ehemaligen großen Reichs, doch die Stadt blieb unabhängig. 
Lange Zeit blieb Quorwynn friedlich im Thinsee, doch irgendwann vergaß er das Abkommen mit Sadryn Volos und begann auf Menschenjagd zu gehen, bis die Verluste unter den Fischern zu groß waren, um von den Stadtherren einfach ignoriert zu werden. Auch der See selbst litt unter dem Seeungeheuer und nicht nur Fische wurden rar, auch viele einfache Lebensformen wurden selten oder begannen sich zu verändern. So färbten sich auch die sonst blassrosa Krippmuscheln gelblich und wurden ungenießbar. Alle Versuche Quorwynn zu verbannen scheiterten kläglich und machten den Dämon noch aggressiver, bis ein einfacher Maler ein Bild des mittlerweile legendären Magiers nahm, an den See trat, dem unter der Wasseroberfläche verborgenen Ungeheuer zurief, das Versprechen an jenen Mann auf dem Portrait zu erfüllen, und das Bild ins Wasser warf. Wie durch ein Wunder hörte Quorwynn auf zu wüten, für ungefähr ein Jahr, bis sich wieder die Muscheln verfärbten und daher - aus der Vergangenheit klug geworden - wieder ein Bild von Sadryn Volos versenkt wurde. Nachdem man dies einige Jahre hindurch gemacht hatte, entwickelte sich daraus das Volos-Fest, ein großes Volksfest, das nun jährlich am 11. bis 12. Fimad gefeiert wird.
Parallel zum Volos-Fest entwickelte sich eine Gruppe - Gründungsmitglieder sind heute nicht mehr bekannt - die heute unter dem Namen "Gelbe Muschelsammler von Nermak" bekannt ist und ähnlich wie beim Volos-Fest das Ungeheuer vom See mit Bildern an das einst gegebene Versprechen erinnert. Doch gab es da einige Unterschiede, denn die Muschelsammler versenkten ihre Bilder nicht an einem bestimmten Tag im Jahr, sondern achteten auf Veränderungen bei den Krippmuscheln. Tauchen vermehrt gelbe Muscheln auf, ein Zeichen für eine zunehmende Feindseligkeit Quorwynns, wurden diese gesammelt und an öffentlichen Plätzen unauffällig, aber für Eingeweihte leicht zu erkennend, platziert. In der ersten Vollmondnacht, nachdem die ersten Muscheln platziert worden waren, trafen sich die Muschelsammler in der Sirgan-Bucht, wo sie feierlich ihre selbstgemalten Bilder versenkten. Anders als die normalen Bilder beim Volos-Fest, sind diese zumindest Teilweise mit Menschenblut gemalt, denn man war bei der Gründung der Gruppe der Meinung, dass man ein solch mächtiges Wesen nur mit Menschenblut, wenn auch in bescheidenen Mengen, besänftigen konnte, und nicht nur mit normaler Farbe.

Gelbe Muschelsammler von Nermak heute: 
Heute hat sich bei den Muschelsammlern so einiges geändert und das Hauptziel, nämlich Quorwynn zu besänftigen, ist immer mehr in den Hintergrund gerückt. Weil auch gelbe Krippmuscheln so gut wie überhaupt nicht mehr zu finden sind, begnügen sich die Mitglieder mit alten Krippmuscheln, die zu diesem Zweck nicht mehr fortgeworfen werden, oder einfach mit Muschelbildern, um zu einem Treffen zu laden. Diese Einladungen finden mehrmals im Jahr, aber recht unregelmäßig statt und hängen mehr oder weniger davon ab, wer bereit ist, für die Verpflegung an diesem Abend zu zahlen. An der Art der Einladung hat man trotz aller Veränderung festgehalten, genauso wie an dem feierlichen Versenken eines mit Menschenblut gemalten Bildes tief in der Nacht. In der restlichen Zeit unterhält man sich im Nebenraum einer Schenke über Alltägliches, Klatsch und Kunst und vor allem Malerei, denn heute sind die meisten Muschelsammler Künstler (vor allem Maler), Mäzene und Kunstsammler. Viele Künstler hier sind von den Freundschaften, die hier geschlossen werden, finanziell abhängig, und viele gut betuchte Kunstliebhaber kommen hier an die Kunstwerke und Künstler ihrer Wahl - oder bekommen solche vermittelt. Über Politik wird seit 220, als die Gruppe kurzfristig wegen angeblicher Umstürzungspläne verboten wurde, nicht mehr gesprochen, um nicht wieder Schwierigkeiten mit dem Hohen Rat zu bekommen, und obwohl zumindest ein Teil der Mitglieder reich und daher (für Nermak typisch) politisch mächtig ist, hält man bis jetzt daran fest. Mittlerweile hat man sich auf ein Symbol angeeignet, das auf fast allen selbst gemalten Bildern der Muschelsammler zu sehen ist, eine einfache gelbe Muschelschale.

Das Ungeheuer im Thinsee: 
Quorwynn gibt es tatsächlich (noch), wie einige lebensmüde Generäle und ihre Soldaten aus Kaduin auch in letzter Zeit einige Male schmerzhaft feststellen mussten, und es handelt sich dabei tatsächlich um einen Zha, einen leibhaftigen Ekegg, wenn auch um einen, der infolge des Eingesperrtseins in einen kleinen See - klein für ein Wesen, das schon einen ganzen Ozean brauch, um so halbwegs glücklich zu werden - träge, faul und langsam beim Denken geworden ist und daher viele jener Eigenschaften verloren hat, die einen Ekegg so gefürchtet machen. Die Bilder vom Volos-Fest sind schon lange nicht mehr notwendig, um die Bürger vor seinen Zorn zu schützen, denn Quorwynn hat längst gelernt, Nermak und seine Bewohner in Ruhe zu lassen, genießt er doch die fast göttliche Verehrung von Seiten der Nermakäer. Anders sieht es mit den Bildern der Muschelsammer aus, denn die Tatsache, dass sie mit Menschenblut gemalt worden sind - in der Regel mit dem Blut des Künstlers - schafft eine magische Verbindung zwischen Maler und Ekegg, eine Verbindung, die sich ein Ekegg, selbst ein so schwacher wie Quorwynn durchaus von Nutzen machen könnte, um die Maler unter seine magische Kontrolle zu bringen. Den heutigen Mitgliedern der Muschelsammler ist diese Gefahr anders als den Gründungsmitgliedern, unter denen wohl auch einige Magier waren, überhaupt nicht mehr bewusst. Zum Glück hat Quorwynn bis jetzt kaum Gebrauch von diesem Band gemacht, in den letzten dreihundert Jahren überhaupt nicht mehr, was wohl an seinem mangelnden Ehrgeiz liegt.