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Das Cinalgija (Grünmeerfest, gespr: Kinalgischa)

© Shay

Das Cinalgija wird von den Aleandon jedes Jahr am 17. Mai und am 20. September gefeiert. Auch die Zeit dazwischen, die Grünmeerzeit, gilt als gute Zeit für Feste, doch ist sie mit keinen speziellen Traditionen verbunden.


Ursprung

Das Cinalgija geht zurück auf die allerersten Tage des Neuen Reiches. Die letzten Flüchtlinge des Alten Reiches, angeführt von Königin Neâr, erreichten die rettende Küste Andûmales am Abend des 16. Mai, bereits nach Sonnenuntergang. Nach all den schrecklichen Erlebnissen der Flucht waren sie müde und niedergeschlagen und auch die Tatsache, daß sie ihr Ziel erreicht hatten, konnte sie kaum aufmuntern. Doch als sie am nächsten Morgen erwachten, hatte sich das ganze Meer mit dem strahlenden Grün einer Algenblüte überzogen, die in diesen Gewässern in unregelmäßigen Abständen auftaucht. Die Aleandon nahmen dies als gutes Zeichen, und tatsächlich gab es in den darauffolgendenden Jahren weder Hunger noch Missernten. Doch auch wenn das Ereignis nie vergessen wurde, wurde es damals noch nciht gefeiert.

Siebzehn Jahre später, als es darum ging, den Ort für die neue Hauptstadt festzulegen, segelte Königin Neâr mit ihren Beratern die Küste hinab nach Süden, um eine geeignete Stelle zu finden. In der Bucht, in der heute Tiluvo liegt, ankerten sie und diskutierten lange, denn einige der Berater wollten die neue Hauptstadt hier, gut geschützt unter dem Wasser erbauen. Die anderen aber hielten diesen Plan für zu gefährlich. Schon bei den Bauarbeiten würde es zu schweren Unfällen kommen, und letztendlich würde das Vorhaben scheitern, so prophezeiten sie. Sie redeten bis tief in die Nacht hinein. Schließloch entschied Neâr sich dafür, den Bau der Stadt hier zu wagen. Am nächsten Morgen war das Wasser grün, es war der 20. September. Und wieder was es ein Zeichen der Hoffnung. Niemand kam während der Bauarbeiten zu schaden, und über allem schien ein glücklicher Segen zu liegen.

Als die neue Hauptstadt - wie die alte trug sie den Namen Tiluvo - vollendet war, ließ Neâr verkünden, daß von nun an die beiden Tage als Tage der Freude und der Hoffnung vom ganzen Volk der Aleandon gefeiert werden sollten, und so geschieht es bis auf den heutigen Tag.


Das Fest

Cinalgija ist ein Fest des Neubeginns. Es heißt, jedes Unterfangen, das an diesen Tagen begonnen werde, stehe unter einem guten Stern, und auch wenn die meisten erwachsenen Aleandon das als Aberglauben abtun, ist es doch üblich, zu diesem Fest Neues zu beginnen. Schon Tage und Wochen vorher werden Pläne geschmiedet, Skizzen erstellt, doch alles unter größter Geheimhaltung. Am Cinalgija dann kommt man dann mit seinen Lieben zusammen, um sich gegenseitig die Pläne vorzustellen und den ersten Schritt zu tun. Freundinnen treffen sich, um den ersten Stich an einem neuen Gewand oder einer neuen Stickerei zu tun, Schreiner rufen Gesellen und Lehrlinge zusammen und sägen das erste Brett für einen neuen Schrank, ein Bildhauer macht den ersten Schlag vor seinen Kollegen...

Bei diesen Zusammentreffen spricht man über die Zukunft und die Päne, die man für sie hegt, man lacht und feiert. Da die meisten aber viele solcher Verabredungen haben, sind sie oft nur kurz und man zieht von Feier zu Feier. Nur wer einen großen Neubeginn zu begehen hat - eine Hochzeit etwa oder eine Grundsteinlegung - richtet ein Fest aus, das den ganzen Tag dauert. Bei diesen Festen dann kann man auch die einzigen hören, die am Cinalgija nichts Neues beginnen, sondern Altes darbieten, die Musiker und Dichter nämlich, die in ihren Werken die Taten vergangener Zeiten zum Leben erwecken. Wer aber diese Geschichten hören will und zu keiner entsprechenden Feier eingeladen ist, der kann so manche Darbietung in den Häusern des Hochadels hören, die zu diesem Zweck für alle geöffnet sind. Und nicht wenige Dichter suchen sich auch einfach einen schönen Platz oder einen Park, um ihre Kunst dem Volk anzubieten.

Doch prägender als die Lieder der Sänger sind die Stimmen der Kinder, wenn sie mit lauten Rufen "Sinenas! Sinenas! - Ich beginne! Ich beginne!" ihre Eltern und Geschwister, Onkel und Tanten und wer auch immer sonst zugegen sein mag zusammenrufen, um mit großem Zeremoniell ein weiters kindliches Projekt zu beginnen und sich in der Aufmerksamkeit und Zuneigung der anderen zu sonnen.