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Malachiton und Kupfertag

© Sturmfaenger

In Morkandors Provinz Canror in den Bergen bei Lashmiin gibt es zwei dicht aufeinanderfolgende Feiertage zu Beginn und gegen Ende des Herbstes: das Malachiton und den Kupfertag. Beide sind untrennbar miteinander verwoben, haben sie doch einen gemeinsamen Ursprung:

In der Gegend gab es vor sechzig Jahren ein Erdbeben, das viele Dörfer zerstörte. Die Überlebenden wanderten in versprengten Grüppchen durch die Berge und errichteten schließlich ein Notlager. Der Winter nahte und sie hatten wenig zu essen, und Aldhin, der Verlobte der neuen Dorfvorsteherin Jaide, nahm sich ein paar Männer mit und versprach, in den Bergen das versprengte Vieh zu finden, oder zumindest soviel Fleisch zu erjagen, daß sie bis zum Frühjahr überleben würden.

Auf der Suche nach Kräutern und Beeren fanden die Frauen unterdessen in der Nähe des neuen Dorfgeländes grünliche Gesteinsbrocken. Jaide erkannte, daß es sich dabei um rohen Malachit handelte. Die Freude war groß, denn der Verkauf des Schmucksteins würde beim Neuanfang helfen. Jaide wartete voll Ungeduld auf Aldhin, um ihm die gute Nachricht mitzuteilen, doch er kam nicht wieder. Tagelang wartete sie, und dann kehrte ein einzelner Jäger aus der Gruppe zurück. Ein Erdrutsch hatte alle anderen Mitglieder der Gruppe mitgerissen, und er war als einziger entkommen.

Jaide, verzweifelt und stur, fühlte tief in ihrem Herzen daß Aldhin noch am Leben war und stieg mit den Jünglingen des Dorfes hinauf in die Berge, um ihn zu finden. Sie suchten und fanden die Stelle des Erdrutsches, und schließlich auch den verletzten Aldhin. Er war schwach, doch er lächelte Jaide an und streckte ihr einen grün angelaufenen Erzklumpen entgegen. Aldhin hatte eine Kupferlagerstätte gefunden, die größte in der ganzen Provinz.

So brachten Aldhin und Jaide durch Kupfer und dessen Verwitterungsprodukt Malachit den Wohlstand in das neue Dorf Lashmiin und seine Umgebung. Lashmiins Wahrzeichen sind seine grünlich schimmernden Kupferdächer, und die beiden moosbewachsenen Statuen die sich Hände haltend in der Mitte des Dorfplatzes gegenüberstehen. Die eine ist eine Frau aus Malachit, die andere ein Mann aus grün angelaufenem Kupfer.

Das Malachiton ist ein Festtag, der den Frauen gewidmet ist. Sie winden immergrüne Kränze für ihr Haar, schmücken sich mit Malachitketten, färben sich die Lippen mit Beerensaft und tanzen im Kreis um die beiden Statuen herum. Den Männern, die nicht mittanzen dürfen, überreichen sie kleine, selbstgeschnitzte Figürchen aus Malachit als Glücksbringer. Viele Ehen werden an diesem Tag beschlossen, zugleich kommen viele Händler ins Dorf, um die neusten Schmuckstücke zu erwerben und Bestellungen bei den talentiertesten Schnitzerinnen zu tätigen. Beerenwein und süße Speisen dominieren dieses Fest.

Der Kupfertag ist den Männern vorbehalten. Sie tanzen ebenfalls, jedoch mit kupfernen Zeremonienspeeren. Dieser Feiertag wird etwas grimmiger gefeiert, denn die Kupferminen sind nicht mehr Eigentum des Dorfes. Sie werden inzwischen durch Sklaven ausgebeutet, und das Kupfer wird für den Münzbedarf der Hornandenherrscher verwendet. Im Dorf gab es anfangs Widerstand dagegen, und einige Männer wurden damals zur Abschreckung hingerichtet. Am Kupfertag kochen die Emotionen hoch, und die Männer können sich abreagieren, indem sie auf den aufgeschütteten Erdrutsch-Sandhaufen und die Jagdtier-Heufiguren einstechen. Am Kupfertag gibt es Wildbret und deftiges Essen, und an diesem Tag werden winzige, selbst geprägte Kupfermünzen geworfen, um herauszufinden, ob das kommende Jahr mehr gute oder schlechte Seiten haben wird.