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Ngaggan, der Steinsaft

© Sturmfaenger

NgagganAuf jedem gut sortierten Markt Morkandors bekommt man die kleinen, etwa faustgroßen Ngagganfläschchen in verschiedenen Güteklassen zu kaufen. 
Öffnet man solch ein Fläschchen, so wird man in seinem Inneren eine Substanz entdecken, die zäh wie fast abgekühlte Karamellmasse aussieht, und harzig riecht. Sie kann von bernsteingelb über honigbraun bis zu mahagonirot reichen. Läßt man sie einfach trocknen, so wird sie stumpf in der Farbe bleiben. Erwärmt man die Substanz jedoch vor dem Trocknen, so wird sie zwar flüssiger, wird jedoch beim Trocknen halbtransparent und gewinnt an farblicher Leuchtkraft.

HANDHABUNG 
Wer mit dem Umgang mit der Substanz nicht vertraut ist, sollte vor allem darauf achten, sofort danach Hände und Kleidung zu reinigen, denn Ngaggan wird nach wenigen Stunden an der Luft steinhart. Keine Seife, kein Erhitzen vermag ihn wieder aus der Kleidung zu lösen, es gibt nur wenige Lösungsmittel, die in der Lage sind, die steinharte Substanz soweit zu erweichen, daß man sie wieder abkratzen kann. Da diese auch Kleidung und Haut angreifen, ist beim Umgang mit Ngaggan eine gewisse Vorsicht geboten. Wer magiebegabt ist, vermag die Substanz mit viel Geschick ganz leicht zum Vibrieren zu bringen, das kann bei der Entfernung auch hilfreich sein. Ansonsten hilft nur, die Kleidung zu flicken oder wegzuwerfen bzw auf das natürliche Abschilfern der Haut zu setzen.

HERKUNFT
Wenn man zum Ursprung eines jeden Tropfens Ngaggan zurückkehren, so wird man sich in einem der großen Wälder der Tshaerd wiederfinden, denn von diesem Volk bezieht das ganze restliche Reich sein Ngaggan.

HERSTELLUNG 
Die Grundsubstanz des Ngaggans besteht aus dem Harz verschiedener Bäume. Die Tshaerd ernten die Harzklumpen, indem sie der Rinde leichte Verletzungen zufügen und die ein paar Stunden später hervortretenden Harzklumpen abkratzen. 
Die gesammelten Harzklumpen werden veredelt, indem man sie erhitzt und von Verunreinigungen befreit. Anschließend werden die Harze in einem Verfahren, das mehrmaliges Erhitzen und Abkühlen beinhaltet vermischt, und es werden verschiedene Pülverchen hinzugefügt. Was dies für pflanzliche und mineralische Zutaten sind, behalten die Tshaerd gern für sich.

VERBREITUNG
Die Tshaerd verkaufen den Steinsaft im Allgemeinen an jeden Händler, der ihn haben will, nur für die höheren Güteklassen treffen sie Abkommen, die mehrere Jahre gelten. Luftdicht verschlossen kann man es bis zu zwei Jahre lang aufbewahren. Altes Ngaggan das in Flaschen hart wurde wird gern von Künstlern gekauft, die daraus kleine Figürchen schnitzen.

VERWENDUNG
Die Tshaerd benutzen den Stoff seit jeher als wasserdichten Überzug: Von Tonkrügen über metallische Gegenstände bis zu den geflochtenen nichtlebendigen Teilen ihrer Korbhausbäume schützt Ngaggan zuverlässig vor Wasser. 
Auch die Bewohner des restlichen Reiches haben die Substanz als Handelsgut zu schätzen gelernt. Schneider schmücken ihre Kleidung als Hingucker mit bernsteinfarbenen Tropfmustern. Szurische Schmuckmacher nehmen Ngaggan gern zu Hilfe, um die von ihren Geschäftspartnern geschmiedeten Gürtelschnallen, Metallvasen, Kelche, Türklopfer und viele andere Gegenstände mit einer ganz eigenen Art von Einlegearbeiten zu verzieren. 
Daerlon'sche Handwerker benutzen Ngaggan zum Verschönern von Truhen, Schränken, Türrahmen und Bettpfosten, die Töpfer schwenken ihre Töpfe innen oder außen mit Ngaggan, dies hebt sie von ihrer glasierten restlichen Ware durch einen hauchdünnen honigfarbenen Überzug ab, der warm und freundlich wirkt. 
Und der ganz normale Bürger benutzt ihn, um Risse in Töpfen zu flicken, in einigen Teilen des Landes gilt es als schick, mit Ngaggan überzogene Fingernägel zu haben, möglichst noch mit darin eingebetteten winzigen Schmucksteinchen. 
Von den etwas grausamen aber phantasiebegabten Landesherren wird die Substanz auch schon mal als Folter- oder Strafmaßnahme eingesetzt, indem man den Mund oder andere Körperöffnungen damit verschließt. Nur eine äußerst vorsichtige magische Befreiungsaktion, oft in Verbindung mit der Anwendung der Lösungsmittel, kann einen solcherart Bestraften wieder von seinem Ngagganpfropfen befreien. Liebende die sich eine Weile lang nicht sehen werden tropfen sich die Anfangsbuchstaben ihrer Namen auf den Arm oder andere geeignete Körperstellen, dies soll sie stets an den anderen erinnern und hat gegenüber Tattoos den Vorteil, nicht für immer zu sein.