Rüstungsdesign

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Wozu braucht man eine Rüstung?
Ganz einfach - man will zwischen seinem Luxuskörper und einer Waffe etwas haben, das den Kontakt letzterer mit ersterem verhindert. Hier wird dann auch gleich klar, warum sich Rüstung und Waffen gegenseitig beeinflussen. Wenn eine Waffe nicht mehr durch die Rüstung des Gegners dringt, muss man aufrüsten. Umgekehrt muss man seine Rüstung an neue Waffen anpassen.

Materialien
Rüstungstaugliches Material basiert eigentlich auf zwei Prinzipien:
1. Dicke - je dicker, umso weniger Schaden entsteht
2. Kraftverteilung - je größer die Fläche, auf die Schaden verteilt wird, umso geringer ist ihre Wirkung
Stoff, Leder, etc. basiert allein auf dem 1. Prinzip. Metall, Hartleder, Holz, etc. vor allem auf dem 2.

Historische Rüstungen

1. Stoffpanzer

Die wohl grundlegendste Rüstung, die man beinahe überall finden kann, ist die aus Stoff. Leinen, Wolle oder Baumwolle wird hierbei entweder in mehreren Schichten vernäht oder mit Füllmaterial gestopft. Als Alleinrüstung oder unter einer anderen Rüstung getragen, vermindert sie effektiv die Schlagwucht von Waffen.
Gambeson, Aketon, Rüstwams, etc. wurden vom Frühmittelalter bis in die Renaissance hinein getragen - oft als Grundlage für andere Rüstungen.
Die Azteken kannten Stoffpanzer, die mit Salzwasser behandelt waren um sie steifer und härter zu machen. Ohne einen Gambeson drunter ist z.B. ein Ringelpanzer ziemlich nutzlos. Man kann ihn zwar nicht durchschneiden, die Wucht des Hiebes drückt jedoch die Ringe tief ins Fleisch.

2. Lederpanzerung
Dieser Punkt ist wohl mehr als umstritten. Dickes Leder kann einen Hieb abdämpfen, einen Schnitt eventuell mildern, aber das wars auch schon. Scharfe Klingen durchtrennen Leder, harte Hiebe zerstören das Gewebe darunter.
Ein wenig anders sieht es bei Hartleder aus. Das Leder wird hierzu in Wasser gekocht, was dazu führt, dass es steif und hart wird. Der Fachbegriff dafür nennt sich "cuir bolli" - was nichts anderes als "gekochtes Leder" heißt. Auch mit Wachs kann man Leder härten, dies ist aber historisch eher umstritten.
Und hier kommen wir auch schon zur Streitfrage: Gab es Lederpanzer oder nicht?
Belegt ist es für Griechen, Perser und Römer, die Körperpanzer aus "cuir bolli" herstellten. Bei den Römern wurden diese von der Lorica segmentata abgelöst, man vermutet allerdings, dass Offiziere noch Prunkharnische aus Leder hatten. Byzantiner benutzten lederne Armschienen und Lamellenpanzer, ebenfalls aus Hartleder.
In Asien scheinen Lederpanzer wesentlich häufiger im Gebrauch gewesen zu sein. Besonders die Reitervölker dürften das leichtere Leder dem Metall vorgezogen haben, bzw. Metall nur als Verstärkung gesehen haben.
Im 17. Jahrhundert kommen wieder dicke Lederjacken auf - für die "Ironsides", die britische Kavallerie. Hier haben sich die Taktiken und Waffen aber schon so weit geändert, dass Rüstung als solches ziemlich obsolet wird.

Leder hat zwei Probleme. Erstens seine vergleichsweise geringe Schutzwirkung und zweitens seinen Preis. Lederherstellung ist nicht billig und vor allem zeitaufwendig. In Europa waren die Gerbergilden auch recht einflussreich und scheinen ihre Hand drauf gehalten zu haben, was die Menge an Leder reduziert haben dürfte. Somit wurden lederne Rüstungsteile vor allem als Verstärkung von Metallrüstungen benutzt. Über Ringelpanzer getragen, erhöhten sie deren Schutz ein wenig. Als Basis für Metall wurde es ebenfalls benutzt (Brigantine) und natürlich für die ganzen Riemen an der Rüstung.

3. Holz, Horn, etc.
Bevor ich zum komplexen Bereich der Metallrüstungen komme, noch ein kleiner Einschub. Holzrüstungen sind durchaus real. Lamellenpanzer aus Hartholzplatten auf Leder sind z.B. für Vorderasien belegt. Ebenso gibt es welche aus Hornplatten und die japanischen Rüstungen bestehen oft aus Bambusteilen.
Solche Materialien eignen sich aber immer nur als Platten oder Schuppen, die auf eine Basis aufgebracht werden, entweder genäht oder genietet. Ihre Schutzwirkung ist durchaus gut, verteilen die Platten (die überlappen sollten) doch die Schlagwucht auf eine größere Fläche. Allerdings sind sie auch Verschleißteile, die nach ein zwei harten Hieben brechen und dann ausgewechselt werden müssen.
Zu den Absonderlichkeiten gehört auch eine chinesische Steinrüstung aus Steinplättchen - deren Gewicht dürfte allerdings einen Kampfeinsatz ziemlich unwahrscheinlich machen. Jadeplättchen findet man ebenfalls an chinesischen Lamellenpanzern - dies sind aber reine Prunkrüstungen, die nie einen Kampf gesehen haben.
Ebenfalls in diesen Bereich fallen Rüstungen, die extrem harte Lederlamellen haben. Diese werden so spröde, dass sie wie Holz zerbrechen können, weshalb sie diesem bereits ähnlicher sind als einfachem Hartleder.

4. Metall
So, nun sind wir bei dem Material angelangt, das die meisten unter "Rüstung" verstehen. Metall hat sich quer über die Welt als bestes Material für Rüstungen erwiesen und wurde in vielerlei Formen gebraucht.

Formen

1. Platten

Platten verteilen die Schlagwucht und mindern sie so. Die Größe der Platten ist hierbei ausschlaggebend.

2. Ringe
Ringe, die untereinander verwoben sind, verhindern Schnitte, werden jedoch von Stichen auseinandergedrückt. Auch gegen durchschlagskräftige Geschosse sind sie eher wenig erfolgreich.

3. Schuppen, Lamellen
Kleinere Metallplatten, die überlappend auf einer Basis angebracht sind, verteilen die Schlagwucht etwas weniger als "echte" Platten, sind aber einfacher herzustellen und beweglicher.

Nun haben wir also die Grundform für eine Rüstung. Unsere Vorväter haben diese nicht nur erfunden sondern auch untereinander kombiniert, um zum perfekten Ergebnis zu kommen - dem spätmittelalterlichen Feldharnisch. Aber dazu später mehr.

4. 1. Ringelpanzer
Ja, die Kettenrüstung heißt eigentlich Ringelpanzer. Sie besteht aus vielen, vielen Stahlringen, die ineinander verwoben und einzeln vernietet sind. Unvernietete Ringe bieten einen ziemlich mäßigen Schutz.
Schon die Römer benutzten diese Rüstung, sie löste die Lorica segmentata ab und wurde zuerst von der Kavallerie getragen (iirc). Die Germanen übernahmen sie und sie blieb die Standardrüstung bis ca. 1350. Ergänzt durch einen Gambeson darunter kann sie Schnitten und Hieben recht gut widerstehen, sogar Beschuss hält sie einigermaßen stand. Allerdings wurde der Ringelpanzer auch meist mit einem Schild und einem Helm ergänzt - daher die Linkswendelung der Burggänge, damit einem die Angreifer die rechte Seite (vom Schild ungedeckt) zuwenden müssen.
Kettenhemden waren anfangs knielang, vorne und hinten geschlitzt und hatten lange Ärmel. Später wurden sie kürzer und es kamen Kettenbeinlinge dazu, die man wie mit Strapsen an einem Gürtel befestigte.
Die Hände schützte man mit gepolsterten Kettenfäustlingen, die am Ärmel befestigt waren, sodass man sie auch ausziehen konnte, ohne sie zu verlieren.

So ein Kettenhemd (hüftlang) wiegt ca. 14 kg, manchmal auch mehr, je nach Ringzahl. Die Beinlinge nochmal ca. 4 kg, dazu der Helm (ca. 2 kg) und der Gambeson hat auch seine 1,5 - 3 kg. Macht in Summe ca. 23 kg Rüstung, die noch dazu der Schwerkraft folgt und runterzieht. Hinzu kommt der Wärmestau darunter, der schon beim Gambeson allein ausreicht, einen im Winter ins Schwitzen zu bringen. Natürlich gewöhnt man sich an das Gewicht, aber dennoch ist das Zeug einfach schwer und laugt auf Dauer aus. Dennoch war es die Rüstung der Kreuzfahrer - die damit unter der glühenden Sonne Palästinas kämpften.

Zum Ringelpanzer gehören auch drei typische Helme.
1. Eisenhut: Der Helm des einfachen Fußsoldaten. Wirklich ein Hut aus Stahl mit Krempe.
2. Nasalhelm: Ein konischer Helm, der auch als "Normannenhelm" bekannt ist und oft einen Nasenschutz aufweist.
3. Topf- oder Kübelhelm: Der immer gern gesehene "Ritterhelm" in Kübelform mit Sehschlitz und Luftlöchern. Die Luftzirkulation darunter ist mehr als besch...eiden, weshalb immer wieder ein Kreuzfahrer wegen Sauerstoffmangel umkippte. Unter dem Helm wurde eine gepolsterte Haube getragen, darüber eine Kettenhaube, darauf eine stählerne "Hirnhaube" (eine Art Kappe) und dann der Helm. Den Kopf schützte man also besonders.

Panzerung war und ist teuer. Deshalb wurde sie den Gefallenen ausgezogen und weitervererbt. Daher hatte sich um 1300 schon soviel angesammelt, dass die meisten Soldaten darüber verfügten. So eine komplette Rüstung eines Wehrknechts oder Ritters stellte einen Wert von ca. 30 Rindern dar. Fußvolk musste sich natürlich mit weniger zufrieden geben.

4. 2. Kleine Platten
Die Vorstufe zu echten Plattenpanzern sind Lamellen, Schuppen, etc. Besonders in Asien blieb es auch dabei. Bis auf einige japanische Brustharnische findet man hier meist nur Schuppenpanzer aus diversen Materialien, auch aus Metall. Bereits die Lorica segmentata bestand aus querliegenden Eisenbändern, die ähnlich wie ein Schlangenbauch wirken. Diese wurde aber vom Ringelpanzer abgelöst und taucht auch nicht mehr auf.

Im Hochmittelalter hingegen tauchen "Plattenröcke" auf, die Bekanntesten aus den Gräbern von Visby. Hierbei handelt es sich um Stoff- oder Lederwämser, die an der Innenseite mit überlappenden Metallplatten versehen sind. Sie wurden über dem Kettenhemd getragen, als Schutzverstärkung.
Mit dem Aufkommen der Plattenharnische scheinen sie wieder zu verschwinden, allerdings tauchen sie dann Ende des 15. Jahrhunderts in neuer Form wieder auf - die Brigantine ist entstanden. Beliebt bei Italienern, Engländern und Franzosen, stellt die Brigantine die billigere Rüstung für die leichte Reiterei dar. Die Außenseite besteht oft aus edlen Stoffen wie Samt und die Nieten werden dekorativ angebracht. Das Prinzip ist aber dasselbe wie beim Plattenrock.
Brigantinen werden mit Arm- und Beinteilen von Plattenharnischen kombiniert, oder auch nur über einem Aketon getragen. Sie sind etwas leichter als Plattenkürasse und entsprechend der herrschenden Mode tailliert. Einer Lanze halten diese Panzer keinesfalls stand, aber gegen Klingen und Hämmer bieten sie recht guten Schutz.

4. 3. Echte Plattenharnische
Der Plattenharnisch als Vollrüstung ist eine rein europäische Entwicklung. Man vermutet, dass aufgrund der durchschlagskräftigen Langbögen die Ringelpanzer von Rittern immer mehr gegen Platten ausgetauscht wurden. Doch die Herstellung solcher Rüstungen ist teuer, zeitaufwändig und erfordert echte Spezialisten - die Plattner.
So ein Harnisch ist ein überaus komplexes Gebilde. Beinahe wie ein Roboter, denn alle seine Teile müssen perfekt ineinandergreifen, die Schiftungen und Geschübe beweglich sein und dennoch stützen.
Ein kompletter Feldharnisch wiegt ca. 35 - 40 kg. Durch die Maßfertigung aber ist so ein Teil subjektiv leichter als ein Ringelpanzer. Die Stützwirkung der Teile hebt viel von der Schwerkraft auf - es zieht nicht alles nach unten. In einem wirklich guten Harnisch kann man laufen, rollen und - laut Guy Windsor von der HEMAC - Techno tanzen. NIEMALS wurde ein Ritter mittels Kran auf sein Pferd gehoben, zumindest nicht im Feldharnisch. Er lag auch nur deshalb nach einem Sturz wie ein Käfer am Rücken, weil der Sturz ihn benommen gemacht hat.
Die schweren Teile, die man heute in den Museen meist sieht, sind Turnierrüstungen aus dem späten 15. und 16. Jahrhundert. Damit SOLLTE man sich aber auch nicht wirklich bewegen, sie sollten nur beim Tjost vor der gegnerischen Lanze schützen - ein Sportgerät.
Ein Plattenharnisch hüllt den Träger in Stahl, was es eigentlich unmöglich macht, ihn mittels Hieben noch zu verletzen. Kriegshämmer kamen auf, um die Rüstungen zu verbeulen. Schwerter wurden spitzer und steifer, um die Schwachstellen (Gelenke) angreifen zu können.
Das Ende des Plattenharnisches brachte aber die Muskete. Damit konnten auch Harnische durchschossen werden - das Ende der schweren Reiterei war gekommen. Erst im 17. Jahrhundert sollte es wieder Kürassiere geben, die mit Plattenrüstungen in den Kampf ritten - diesmal beschusssicher.

Helme

Der Helm dürfte generell eines der ersten Rüstungsteile gewesen sein. Von den Spangenhelmen der Germanen über die der Römer bis in die heutige Zeit wird der Kopf besonders geschützt. Das Prinzip dahinter ist aber immer gleich - eine möglichst glatte, gerundete Oberfläche, an der Hiebe abgleiten und die Schlagwucht verteilt.

Beim Ringelpanzer habe ich ja schon drei früh- bis hochmittelalterliche Helmformen genannt. Asiatische Helme besitzen eigentlich immer eine halbkugelige oder konische Grundform, mit angesetzten Wangen-, Nacken- und Nasenschutz. Oft weisen sie auch eine Spitze auf, die aber eine Modeerscheinung ist, ebenso wie die Geweihe oder Hörner japanischer Helme.

Grundsätzlich muss man zwischen Kampf- und Prunkhelmen unterscheiden. Kampfhelme sind immer sehr einfach gehalten und möglichst glatt. Prunkhelme können mit riesigen Aufbauten (Helmzier) versehen sein, die im Kampf aber nur belasten und sogar Hiebe wunderbar auf den Helm leiten können. Wikingerhelme hatten KEINE Hörner!
Europa hat auch bei den Helmformen die Nase vorn. Während Fußvolk meist mit Eisenhüten ausgestattet wurde, kommen zum Vollharnisch auch komplexere Helmformen auf.

Hundsgugel: Ein Vollvisierhelm, dessen Visier schnauzenartig geformt ist.
Barbuta: Eine venezianische Helmform des 15. Jahrhunderts, die stark an korinthische Helme der Antike erinnert, ohne Visier.

Der Schaller
Dieser Helm entstand in Deutschland und wurde in ganz Europa übernommen, daher etwas mehr darüber.
Der Schaller besteht aus einem kugeligen Helmteil, das zum Nacken ausgezogen ist. Spätere Formen besitzen Nackengeschübe. Der Schaller wurde oft mit einem Klappvisier ausgestattet, welches einen schmalen Sehschlitz aufweist. Der Hals wurde mit einem separaten "Bart" gerüstet. Schützen trugen visierlose Schaller oder solche, bei denen das Visier nur bis zur Nase reicht, um beim Schuss nicht zu behindern.

Viele Helme besaßen einen Nacken- und/oder Halsschutz aus Ringgeflecht, der am Helmrand angebracht war und locker über Schultern und Brust fiel. Unter dem Helm trug man immer eine gepolsterte Bundhaube - so ein Helm drückt ohne Haube ziemlich und Schläge werden auch heftig transportiert.

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