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Die bunt gefärbten Schmuckfedern

© Sturmfaenger

Das in den Tangwäldern der Meere lebende Volk der Uoquokkiq schätzt die Federn der möwenähnlichen Allett-Seevögel. Die Allett leben in Schwärmen und verbringen fast ihr ganzes Leben über und auf dem Wasser. Sie ruhen gerne aus, indem sie sich zu Hunderten auf dem Wasser niederlassen und sich von den Wellen tragen lassen.

Hebt ein Schwarm wieder ab, so schwimmen danach nicht wenige Federn auf dem Wasser herum, denn die Allett sind ein zänkischer Haufen, und rupfen sich mit Vorliebe gegenseitig die Federn aus. Die Uoquokkiq schwimmen zu diesen Stellen und fischen sie mit Netzen von der Wasseroberfläche.

Im Wasser gibt es viele Pflanzen und Tiere, die Farbstoffe liefern, und die Uoquokkiq schmücken sich gerne mit Armbändern, in denen die unterschiedlich großen Federn mit eingebunden werden, die in allen möglichen Farben gefärbt sind.

Die Federn zu färben ist im Wasser allerdings nicht ganz einfach, da die Farbstoffe ebenfalls flüssig sind. Das Problem wurde gelöst, indem die Färberei außerhalb des Wassers vorgenommen wird. Es gibt viele, nur den Uoquokkiq zugängliche Inselchen, auf denen man das tut. Mangels Beinen kriechen die Uoquokkiq dort an den vom Wasser glattgeschliffenen Felsen hinauf, wo schon ihre Vorfahren hinaufgekrochen sind, und mit Steinwerkzeugen unterschiedlich große Kuhlen im Fels geschlagen haben. Hier werden die Körperflüssigkeiten und Pflanzensäfte der Farblieferanten aufgefangen und gemischt, und hier werden die Federn gefärbt. Aus Treibholz wurden Konstruktionen entwickelt, in die die frisch gefärbten Federn eingespannt werden, damit sie trocknen können ohne davonzuwehen. Nachdem der Farbstoff auf den Federn mit anderen Mittelchen fixiert wurde, wird zusätzlich Kuioqq, ein aus der gleichnamigen Pflanze gewonnenes, durchsichtiges und wasserresistentes Klebeharz, auf die Federn aufgetragen. Dadurch wirken sie zwar etwas zerrupft, doch halten sie dem Salzwasser länger stand. Trotzdem müssen die Schmuckfedern alle paar Monate erneuert werden.

Als Vorbereitung zu Feierlichkeiten lassen sich die Uoquokkiq in den Stunden davor von Freunden und Familienmitgliedern feine Tangnetze in verschiedenen Mustern auf den Leib knüpfen, in welche die bunten Schmuckfedern eingeknotet werden. Die Priester der heiligen Qualle Yqyuqrr tragen gar blaugefärbte Federstolas und Federmäntel, die so aufwendig herzustellen und kostbar sind, daß sie im Trockenen aufbewahrt werden müssen. Ein Uoquo, der eine solche Kostbarkeit trägt, wirkt beim Schwimmen sehr elegant, denn die Federn wehen gleich den Tentakeln Yqyuqrrs hinter ihm her.

Am begehrtesten sind allerdings die Allett-Schwungfedern, deren Flügelspitzen von Natur aus rötlich gefärbt sind. Diese werden an den Schäften durchbohrt und mühsam auf dünne Schnüre aufgezogen, welche sich großer Beliebtheit als Glücksbringer erfreuen, stammen sie doch von Vögeln, jenen Wesen, die in der wasserlosen Leere über dem Meer schwimmen können. Es heißt, daß sie ihre Flügelspitzen versengten, als sie der Sonne, dem großen Himmelsvulkan, zu nahe kamen. Daher werden ihre Federn gerne von Uoquokkiq getragen, die ihre nasse Wasserheimat für wenige Stunden verlassen müssen, um am Strand bestimmte Aufgaben zu erfüllen oder Rituale zu vollziehen. Es heißt, die Amulette helfen, die schreckliche Trockenheit im wasserlosen Freien besser zu ertragen, und die Anzahl der Hautkrankheiten zu reduzieren, die durch das Austrocknen des schützenden Körperschleims auftreten können.

Da die Farbstoff liefernden Pflanzen und Tiere nicht überall vorkommen, herrscht zwischen den verschiedenen Uoquokkiqsiedlungen ein reger Handel mit verschiedenfarbigen Schmuckfedern. Sind längere Strecken zurückzulegen, werden die Federn zum Schutz vor dem Meerwasser so wasserdicht wie möglich verpackt und zusammen mit anderen Gütern auf kleinen Flößen transportiert, die von den Uoquokkiq gezogen werden. Dadurch halten sie länger, und die Uoquokkiqstämme für die sie bestimmt sind, haben länger etwas von der bunten Pracht.