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Sihsetrahaar

© Taipan

Das geheimnisvolle Sihsetrahaar kommt zwar in vielen Gebieten in Alaton vor, ist aber trotzdem überall eine sehr seltene Pflanze. Bekannt ist sie nicht nur für ihren sonderbaren Wuchs, sondern auch für ihre stark schmerzstillende und beruhigende Wirkung.


Vorkommen

Das Sihsetrahaar hat in Alaton ein sehr großes Verbreitungsgebiet und vor zweihundert Jahren wurde laut Aufzeichnungen die Pflanze auch noch im Osten von Itayan gefunden. Warum sie dort verschwand oder ob sie sich in Itayan nur in unzugängliche Gebiete zurückgezogen hat, ist bis heute ein großes Rätsel. Die mehrjährige Pflanze ist wegen ihrer parasitischen Lebensweise recht anspruchslos, was Feuchtigkeit, Temperatur und Nährstoffversorgung betrifft. Angewiesen ist sie lediglich auf Pflanzen aus der Familie der Birkengewächse wie Birken, Erlen und Haseln, auf denen sie schmarotzt. Tatsächlich zu finden ist sie daher hauptsächlich in Laubmischwäldern, Auwäldern, Waldsäumen, Hochmooren bis hin zu Geröllhalden. Trotz der Häufigkeit ihrer Wirtspflanze ist das Sihsetrahaar nur sehr selten und verstreut anzufinden.


Aussehen

Das Sihsetrahaar ist eine sehr einfach gebaute Pflanze, der als erwachsene Pflanze die Wurzeln fehlen und die nur einmal im Jahr Blätter ausbildet, nämliche Blütenblätter. Das, was übrig bleibt, ist eine bleiche Pflanze, die wie verfilztes weißes Haar in den Kronen der Wirtspflanzen hängt und sich ums Geäst windet. Da die Pflanze sehr alt werden kann, kommt es durchaus vor, dass nach etlichen Jahren die meist schon stark geschwächte Wirtspflanze vollständig von einem weißen Gespinst überzogen ist. Die gesamte Pflanze ist von feinen Drüsenhärchen überzogen, die vor allem bei Wärme und Sonnenlicht stark giftige Substanzen an die Luft abgeben, die vom Wind oft mehrere Kilometer weit verfrachtet werden und unter anderem keimhemmend auf andere Sihsetrahaarpflanzen wirkten, bei Menschen und anderen Kulturschaffenden aber starke Entzündungen verursachen. Mit der Wirtspflanze verankert ist die parasitische Pflanze durch besonders feine Sprosse, die sich in die Wirtspflanze bis zu den Leitbündeln graben und sowohl Wasser und anorganische Nährstoffe, als auch Kohlenhydrate aufnehmen, denn das Sihsetrahaar betreibt selbst keine Photosynthese.


Vermehrung

Einmal im Jahr – kurz nach der Schneeschmelze und noch bevor die Wirtspflanze Blätter austreibt – bildet das Sihsetrahaar dunkelviolette bis (fast) schwarze, kugelartige Blüten mit einem Durchmesser von 2 Zentimeter aus, die ganz allein aus Staubblättern bestehen und die zu kompakt wirkenden Dolden angeordnet sind. Bestäubt werden die Blüten von kleinen Käfern und Hautflüglern. Bis zum Herbst bilden sich kleine Schötchen, die beim Reifen trocken und aufspringen. Die dabei heraus fallenden Samen besitzt Elaiosome, fleischige Anhängsel, die sehr eiweiß- und fettreich sind und gerne von einigen Insekten – vor allem Ameisen – gefressen und daher mit dem Samen verschleppt werden. Die Samen lassen sie Tiere nach einiger Zeit meist liegen und tragen nur das Elaiosom in ihr Nest, womit sie für die Ausbreitung der Pflanze sorgen.

Jene Samen, die keimen können – was sehr schwierig ist – bilden zuerst eine feine Wurzel und einen noch grünen, Photosynthese betreibenden, fadenförmigen Spross, der sich die erstbeste Pflanze hinaufrankt. Handelt es sich dabei um ein Birkengewächs, verzweigt sich der Spross und bohrt die feineren Sprosse in die Leitbündel der Pflanze. Gelingt das der Jungpflanze, baut sie ihr Chlorophyll und ihre Wurzel ab und lebt von nun an als Vollparasit.

Den Sihsetrahaarjungpflanzen macht es weniger aus, ob die zukünftige Wirtspflanze gesund oder geschwächt ist. Schädlich sind nur andere Sihsetrahaarpflanzen in der Nähe, die mit ihren Ausdünstungen die Pflanzen an der Keimung hindern. Das ist der Hauptgrund, warum das Shisetrahaar zwar so weit verbreitet, aber überall sehr selten anzutreffen ist.


Besonderes

Das Sihsetrahaar verdankt seinen Namen dem Volkslauben, dass die Pflanze überall dort wächst, wo die Göttin Sihsetra Lyvd betritt und sich ihr Haar im Geäst von Birken und Erlen verfängt. Die Pflanze ist daher natürlich den Göttern Sihsetra und auch Noradon heilig.

Warum die Pflanze ausgerechnet mit der Göttin Sihsetra assoziiert wird, liegt an ihren Inhaltsstoffen, die eine stark schmerzstillende und beruhigende Wirkung haben. Diese Inhaltsstoffe, die eigentlich als Fraßschutz dienen, müssen in Fett gelöst werden, da sie sonst schnell ihre Wirkung verlieren, weshalb es fast ausschließlich Salben gibt und die Pflanze immer nur äußerlich angewandt wird. Gefährlich für eine Anwendung ist eventuell das starke Gift, das die Pflanze bei Wärme und Sonnenlicht abgibt. Dieses führt bei Hautkontakt zu schweren Entzündungen, die bei starkem Hautkontakt mitunter sogar großflächige, bleibende Hautschäden verursachen, die nach dem Abheilen an Brandnarben erinnern. In Einzelfällen ist es sogar schon zum Tod gekommen. Besonders gefährlich ist, dass die ersten Vergiftungserscheinungen erst nach einigen Tagen auftreten, dann, wenn die Salbe schon fertig und verkauft ist. Die Salbe hat dann oft eine genauso verheerende Wirkung wie die Rohpflanze, nur dass der Patient vor allem bei regelmäßiger Anwendung noch viel stärker betroffen ist, als der Sammler und Zubereiter. Umsichtige Heiler testen die Salbe daher meist an einer nur sehr kleinen Körperstelle – meist an sich selbst – und warten einige Tage ab. Erst dann wird sie großflächig angewandt, natürlich vorausgesetzt, es treten keine Vergiftungserscheinungen auf. Um das Risiko schon von vorhinein zu minimieren, wird die Pflanze nicht selten in der Nacht oder zumindest bei kaltem und trüben Wetter gesammelt oder besser gesagt soll zu diesen Zeiten gesammelt werden.


Lexikon

Alaton: Kontinent

Itayan: Kontinent

Menaismus: Religion

Noradon: Gott des Todes und des Schlafes im Menaismus

Sihsetra: Göttin der Trauer und des Trost im Menaismus; rechte Hand des Gottes Noradon