Sinn und Unsinn des Weltenbastelns

©Dorte (Gründungsmitglied)

Warum in aller Welt sollte ein geistig normal bestückter Mensch eine neue Welt mit Geschichte, Landkarten, Völkern und Politik entwickeln? Auf unserer Erde gibt es doch schon genug Probleme! Anstatt also Stunden mit Träumerei zu verbringen, sollte ein Weltenbastler lieber im Hier und Jetzt leben. Und überhaupt sollten sich diese Menschen mal der Realität stellen.

Irgendwie ist das Hobby des Weltenbastelns nicht sehr bekannt, auf jeden Fall wird es skeptisch betrachtet. Wenn ich jemanden im Chat treffe und darüber rede, halten mich die meisten für ein kleines, verhuschtes Computermäuschen, das einfach kein Leben hat und so in eine Traumwelt flieht. Wenn ich jemanden im wirklichen Leben treffe, glaubt mir meistens keiner, dass ich überhaupt Fantasy-Geschichten lese, geschweige denn in meiner Welt entstehen lasse.

Man hat also anscheinend ein bestimmtes Bild im Kopf, wenn man an Weltenbastler denkt.

Dabei sind die Welten von richtigen Weltenbastlern weit mehr als ein Rückzug von der Wirklichkeit. Im Gegenteil, ein Weltenbastler muss eigentlich ganz schön viel Ahnung von unserer Welt haben, um eine andere erstellen zu können. Er muss sich Gedanken machen über Geologie (bei Fantasy-Welten) und Astronomie (bei Science-Fiction-Welten). Er muss Völker und Nationen erschaffen und sie mit einer angemessenen Geschichte bestücken, was eine zumindest leichte Ahnung unserer Geschichte voraussetzt. Er muss sich über den technologischen Stand seiner Völker im Klaren sein und daher ungefähr wissen, wann auf unserer Erde welche Technologie erfunden wurde. Nein, Weltenbasteln ist nicht einfach, sondern erfordert viel Denken und Brüten.

Sicher ist Weltenbasteln auch eine Art Rückzug vom Alltag, denn Weltenbasteln ist ein Hobby, und was sind Hobbys anderes als Ablenkung? Zugegeben, Weltenbasteln ist ein vergleichsweise unproduktiver Freizeitvertreib: Es stärkt nicht die Gesundheit, macht einen nicht beliebt, bringt einen nicht unter Leute und lässt auch nicht regelmäßig Schecks ins Haus flattern. Aber es ist nun mal eine Beschäftigung, die anscheinend mehrere Leute als ihren Freizeitinhalt erkoren haben (es wäre mal sehr interessant, einige Weltenbastler über die Gründe dieser Wahl zu befragen).

Was tut man nun mit den selbstentworfenen Welten? Das ist sehr unterschiedlich. Einige tun gar nichts damit, sondern freuen sich im Stillen über einen neuentdeckten Kontinent, den sie dann mit neuen Pflanzen bevölkern können. Andere (und das scheinen recht viele zu sein) lassen in ihren Welten Geschichten entstehen, von denen viele auch aufgeschrieben werden. Doch die meisten Welten werden (leider!) nie der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Irgendwie sind Weltenbastler recht scheu. Man wird eben leicht als etwas verschroben angesehen. Ein Zitat von einem Besucher meiner Homepage: "Wow, du hast da ja echt ein großes Projekt laufen. Ich habe auch eine Welt, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, daraus ne Homepage zu machen. Schauen sich das überhaupt Leute an?" Nach meinen Erfahrungen als Ringmaster des Weltenbastler-Webrings kann ich sagen: ja, es schauen sich wirklich Leute diese Seiten an. Sogar recht viele. Meine Homepage ist noch keine zwei Jahre alt und bald erreicht der Counter die 3000. Das finde ich viel für eine Seite, die sich mit so einem komischen Hobby beschäftigt.

Weltenbasteln ist also, wie viele Hobbys, Unsinn. Aber es ist unterhaltsamer Unsinn. Und es gibt auch Leute, die es geschafft haben, mit diesem Unsinn Geld zu verdienen – George Lucas, Terry Pratchett, Gene Roddenberry und J. R. R. Tolkien seien hier nur als einige Beispiele angeführt. Aber ich denke nicht, dass das die grundlegende Motivation zum Weltenbasteln ist. Bei den meisten steht doch der Spaß im Vordergrund, etwas vollkommen Neues, Einzigartiges erschaffen zu haben, und vielleicht auch das stille Vergnügen, mal etwas anderes zu machen als die große Masse.