Warum gibt es keine realistische Science Fiction?

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    • Aber einen Raketenantrieb realistisch zu gestalten hat meines Wissens keine Auswirkungen auf den Verlauf und den Ausgang einer Geschichte.
      Als Hermann Oberth seine Dissertation "Die Rakete zu den Planetenräumen" schrieb, dachte auch noch niemand an die V2. Entschuldige, aber den konnte ich mir nicht verkneifen.

      Das ist cool zu wissen, dass es so ein Buch gab. :) Laut Wiki ist es allerdings eine Dissertation (die ihrer Zeit voraus war) und keine Geschichte.

      Raketenantriebe können in einem Roman noch so realistisch sein. Zur Charakterentwicklung, zum Spannungsanstieg/zur Dramatik und zur Katharsis trägt der Realismus des Raketenantriebs an und für sich nichts bei --->"einen Raketenantrieb realistisch zu gestalten hat meines Wissens keine Auswirkungen auf den Verlauf und den Ausgang einer Geschichte". (es gibt da sicher Ausnahmen...aber im Großen und Ganzen sehe ich den storytechnischen Sinn von realistisch beschriebenen Raketenantrieben nicht --außer als atmosphärisches Detail--, sorry).
      Willkommen im Kreis der willfährig leichtgläubigen und begeistert abseitigen Phantasten. --- Entropie
    • Ich finde die Grundfrage des Threads immer noch gut, wenn man sie als "Warum gibt es nicht mehr realistische Science-Fiction?" interpretiert. Denn technische Details und Realismus haben durchaus ihre Daseinsberechtigung: Vielleicht bringen sie die Charakterentwicklung oder den Plot einer Geschichte nicht als literarisches Werkzeug voran, aber sie sind ein Thema für Geschichten. Es können Visionen für die Verwendung aktueller Technologien entwickelt werden, bedenkliche Entwicklungen können kritisiert werden, usw. Und das ist auch schon oft geschehen. Viele Utopien und Dystopien, die man kennt, lassen sich hier einordnen, u. a. "Gattaca". Wenn Jules Verne aus bestehenden Kenntnissen die Zukunft extrapoliert, halte ich die Behauptung, dass das gefährlich sei, weil jemand dann ausgedachte Panzer bauen könnte und dann gibt es Krieg und Verderben, für ein Scheinargument. Da Vinci hat auch über Waffensysteme nachgedacht und das nicht, um einen Roman zu schreiben. Gebaut hat sie (zunächst) trotzdem niemand.

      Ja, bei Raketen und deren Entwicklung denkt man schnell an die V2 der Wehrmacht und generell den Einsatz von Raketen als Waffe. Dabei hatten einfach einige Raketenenspinner, unter anderem ein gewisser Wernher von Braun und Hermann Oberth, den Traum, ins All zu fliegen: Seit 1927 gab es nämlich den Verein für Raumschiffahrt, inklusive eigenem Testgelände. Das Programm des Vereins wurde dann in die Wehrmacht überführt. Es begann also mit einer sehr zivilen Idee. Nach dem zweiten Weltkrieg war die V2 jeweils die Grundlage für die Raumfahrtprogramme der USA und der Sowjetunion, die die Weltraumforschung und die Erkundung des Universums eingeleitet haben. Wir haben heute Raketen als Waffensysteme - aber wir können auch zum Mond fliegen und Sonden bis ans Ende des Sonnensystems schicken.

      Die ISS begann also, wenn man so will, mit einer Vision von ein paar Raumfahrtenthusiasten, die vielleicht wiederum von Jules Verne und Co. inspiriert wurden. Gute Science Fiction, gern auch technisch und realistisch, hat sicher auch heute noch das Potenzial, Menschen für diese Themen zu begeistern. Viele Leute haben etwas übrig für die Funktion von technischen Geräten, die wissen gut hergeleitete Technologien in einem Buch sicher zu schätzen, da können dann die Geschmäcker auseinandergehen.
    • Wenn Jules Verne aus bestehenden Kenntnissen die Zukunft extrapoliert, halte ich die Behauptung, dass das gefährlich sei, weil jemand dann ausgedachte Panzer bauen könnten, für ein Scheinargument. Da Vinci hat auch über Waffensysteme nachgedacht und das nicht, um einen Roman zu schreiben. Gebaut hat sie (zunächst) trotzdem niemand.

      Ziemlich viele von Da Vinci's Entwürfen für Schußwaffen wurden militärisch umgesetzt.
      Aber ansonsten muss ich dir Recht geben. Neue gefährliche Waffen werden mit oder ohne literarische Vorlage gebaut. ;) (Mir ist zwar immer noch nicht wohl bei dem Gedanken, der Armee beabsichtigt oder unbeabsichtigt dabei unter die Arme zu greifen... aber wir haben heutzutage sowieso schon Massenvernichtungswaffen, insofern kann es nicht mehr viel schlimmer kommen) :-/.

      Wir haben heute Raketen als Waffensysteme - aber wir können auch zum Mond fliegen und Sonden bis ans Ende des Sonnensystems schicken.

      Das rechtfertigt die Waffensysteme nicht, wissen wir doch alle. Das ist aber ein Thema für sich und hat mit der Frage nach realistischer Sci-Fi nicht viel zu tun. ;)
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    • Caspar schrieb:

      Wenn Jules Verne aus bestehenden Kenntnissen die Zukunft extrapoliert, halte ich die Behauptung, dass das gefährlich sei, weil jemand dann ausgedachte Panzer bauen könnte und dann gibt es Krieg und Verderben, für ein Scheinargument.
      Bevor hier ein falsches Bild entsteht - das lag nicht in meiner Absicht. Doch das realistisch beschriebene Raketenantriebe u.ä. keine Auswirkungen auf die Geschichte haben, reizte mich zu diesem etwas provokativen Einwurf.


      Caspar schrieb:

      Es begann also mit einer sehr zivilen Idee. Nach dem zweiten Weltkrieg war die V2 jeweils die Grundlage für die Raumfahrtprogramme der USA und der Sowjetunion, die die Weltraumforschung und die Erkundung des Universums eingeleitet haben.
      Über den kleinen Zwischenschritt, dass die ersten Raketen des Raumfahrtprogramms auf militärischen Interkontinentalraketen basierten. (Siehe R-7, die u.a. den Sputnik in den Orbit brachte.)


      Merlin schrieb:

      Mir ist zwar immer noch nicht wohl bei dem Gedanken, der Armee beabsichtigt oder unbeabsichtigt dabei unter die Arme zu greifen... aber wir haben heutzutage sowieso schon Massenvernichtungswaffen, insofern kann es nicht mehr viel schlimmer kommen
      Noch stärkere Massenvernichtungswaffen? Biolog. Waffen mit begrenzter Zielgruppe/Lebensdauer? Massenvernichtungswaffen, die nicht zu orten sind?
      Ein wenig ins Grübeln kam ich schon, als mir erstmals die Idee zur "Kalten Fusionsbombe" kam.


      Caspar schrieb:

      Gute Science Fiction, gern auch technisch und realistisch, hat sicher auch heute noch das Potenzial, Menschen für diese Themen zu begeistern.
      Diesen Satz kann man mMn nicht dick genug unterstreichen. :thumbup: Mag es auch begrenzte dramaturgische Freiheiten geben, so lange das Gros korrekt bestehende Kenntnisse verwendet + extrapoliert. <3
      Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht doch hinter dir her sind! (Frei nach Terry Pratchett)

      Meine Welten und Geschichten
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    • Noch stärkere Massenvernichtungswaffen? Biolog. Waffen mit begrenzter Zielgruppe/Lebensdauer? Massenvernichtungswaffen, die nicht zu orten sind?
      Ein wenig ins Grübeln kam ich schon, als mir erstmals die Idee zur "Kalten Fusionsbombe" kam.

      Ok. Der Kommentar von mir war eindeutig nicht auf Massenvernichtungswaffen im Weltraum ausgelegt. Daran hatte ich überhaupt nicht gedacht. :autsch:
      (Wir lernen daraus: schlimmer geht immer? O.o :o )
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    • Caspar schrieb:

      Gute Science Fiction, gern auch technisch und realistisch, hat sicher auch heute noch das Potenzial, Menschen für diese Themen zu begeistern.


      So sehe ich das auch. Natürlich sollte man den Leser nicht mit technischen Details zuschütten, aber wenn alles plausibel ist, dann weckt das Interesse.
      ... brought to you by the Weeping Elf
    • Nemedon schrieb:

      Sah gestern zum ersten Mal den Film Gravity. In sehr vielen Dingen wird sich da an die reale Physik und Technik gehalten. Wäre das ein Beispiel nach deinem Geschmack, fluchtigerBesucher, oder stören dich auch darin die dramaturgischen Abweichungen?


      Ich hatte mir Gravity im Kino angesehen weil der Film die Grenzen von realitätsnaher Science Fiction auslotet
      sowohl was die verwendung von spärlichen Mitteln in der Handlung betrifft als auch die Kommerzialisierbarkeit.
      Der Film Gravity hat mir auch so wie er ist gefallen.

      Zu dem spärlichen Mitteln in der Handlung ist zu sagen Gravity findet im "niedrigen Erdorbit" statt, es gibt keine Außerirdischen, keinen Krieg, es geht nicht um den Fortbestand des Universums oder der Menschheit und trotzdem funktioniert der Film. Zwar wurden vermeidbare Fehler gemacht und damit die Realitätsnähe vermindert, aber es wird deutlich das ein Film mit ähnlicher Handlung auch ohne diese Ungenauigkeiten möglich wäre.

      Die Kommerzialisierbarkeit ist wichtig wie man an diesem Interview mit dem Macher von Babylon 5 sieht.
      Bei den Geldgebern muß er sich Sachen anhören wie: "...es ist Science Fiction, es muss keinen Sinn machen."

      Gravity könnte im kleinen Rahmen für realitätsnahe Science Fiction das bewirken was Avatar für die 3D Technik im Film bewirkt hat.
      James Cameron soll von Gravity ja begeistert gewesen sein.
    • fluchtigerBesucher schrieb:

      Nemedon schrieb:

      Entschuldige, doch wir bewegen uns im Kreis. Und zwar nunmehr über zwei Threads hinweg. Viel interessanter finde ich es, weshalb du so besessen auf diesem Thema herumreitest. Denn das ich deine drei Punkte aus dem anderen Thread nur zum Teil nachzuvollziehen vermag, schrieb ich bereits dort.

      Doch vielleicht sehe nur ich das so, dass wir uns im Kreis bewegen. Denn wenn man weiß, woher oder wieso unrealistische Elemente ("Fehler") in Science Fiction auftreten, dann ist die Vermeidung derselben, so man das will, recht einfach.


      Wenn du dir den Warum gibt es keine realistische Science Fiction? - Thread nochmal ansiehst wirst du feststellen, das dort ein paar Beispiele genannt worden, warum unrealistische Elemente ("Fehler") in Science Fiction verwendet werden, obwohl sie zu dem Zeitpunkt als solche schon bekannt sind.


      Zur Motivation:

      Science Fiction macht doch gerade aus das eine realistische Grundlage angestrebt oder zumindest behauptet wird.
      Dafür steht das Science in Science Fiction. Deshalb stellt sich natürlich die Frage wieso die Realitätsnähe weit unter dem Möglichen zurückbleibt (dieser Thread). Und wie man eine realistischere Science Fiction erreicht (der andere Thread).

      Diese Fragen ergeben sich aus dem Anspruch der Hard Science Fiction von selbst.
    • Science Fiction macht doch gerade aus das eine realistische Grundlage angestrebt oder zumindest behauptet wird.
      Dafür steht das Science in Science Fiction.


      Wissenschaftlichkeit != Realismus.

      Unter der Annahme, dass Science Fiction ein Genre ist, das um naturwissenschaftliches Herangehen bemüht ist, können manche Werke der Fantasy dazugezählt werden (Magie wird zuweilen mit naturwissenschaftlicher Methodik erforscht), jedoch vieles, was im Weltall spielt, nicht. Das würde also in erster Linie eine Herangehensweise sein, also eben wissenschaftliche Methode, Experimente, usw.

      Realismus ist für fiktive Welten imho ein etwas unglücklicher Begriff, da andere Welten sich einfach physikalisch anders verhalten können.
      Nights are deep when days are long. / / / Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
      »Aus den Nacken waren Kehlköpfe geworden.« (2019)
    • Ich steh ja eigentlich auf ISSO, aber bei dem neuen Film Interstellar hab ich mich doch gefragt, warum man etwas mit Liebe lösen muss. Wie hast du sie gefunden? Mit … Liebe! Was? Oo
      Und wie schwarze Löcher einen nicht zermalmen, sondern zu einem Zeitreiseportal geworden sind :D
      Trotzdem tat das den schönen Bildern und der Atmosphäre keinen Abbruch. ^^

      Andererseits hab ich mal ein Buch geschenkt bekommen, ich schau später nach wie es heißt. Mal davon abgesehen, dass man sich mit dutzenden Hauptcharakteren herumschlagen muss, will ich keine wissenschaftlichen Abhandlungen über X Themen lesen, zu denen ich mir Sachbücher kaufen würde, wenn es mich interessiert. Da hab ich lieber weniger Realismus haha ^^

      Außerdem können wir nicht in die Zukunft sehen: wenn der Autor meint, irgendeine technische Erfindung sei im Jahr 2200 möglich, weil es etwas gibt, das wir noch nicht wissen, ist das durchaus legitim und in seiner Welt darf man ohnehin alles tun, was man möchte, ohne dass es zwangsläufig Sinn ergeben muss. (Auch wenn ich bezweifle, dass man je mal irgendjemanden mit Liebe finden kann haha :D)
    • Realismus ist für fiktive Welten imho ein etwas unglücklicher Begriff, da andere Welten sich einfach physikalisch anders verhalten können.

      Kunstwerke müssen sowieso nie wirklichkeitsgetreu sein.
      Aber Realismus ist einfach keine anstrebenswerte Sache, egal wie eine Welt physikalisch funktioniert.

      Wenn ich ein groteskes Stück von Dürrenmatts lese oder einen von Terry Pratchetts Scheibenwelt-Romanen, dann ist dort "Wirklichkeitsnähe" und im Fall von Pratchett auch "Ernst" völlig fehl am Platz. Wenn einer der beiden Gesellschaftskritik übt oder eine gute Geschichte erzählen will, ist ein Nahekommen an den Alltag oder die "Realität" hinderlich.

      Das jetzige Wissenschaftsverständnis kann definitiv Anregungen geben, was in einer Geschichte oder auf einer Welt passiert. Wenn sich zum Beispiel jemand darüber Gedanken macht, ob die Alieninvasoren nicht durch betreten der Atmosphäre schutzlos unseren, ihnen neuen Krankheiten ausgesetzt sind--- dann kann "Krieg der Welten" ein ungewöhnliches Ende vorweisen. Aber ich würde nicht behaupten, dass Mass Effect ein besseres Spiel wäre, wenn die Menschheit auf der Citadel an fremdartigen Viren krepiert. Das heutige Wissenschaftsverständnis bietet uns nur Anregungen. Wenn wir eine Geschichte schreiben wollen, in der Astronauten auf einem Dschungelplaneten ein Heilmittel für dortige Infektionen finden müssen, dann könnte das eine ziemlich coole Geschichte sein. Aber wenn jemand stattdessen Fanfiction über Data auf der Enterprise schreiben will, ohne sich über etwaige Krankheiten der Redshirts Gedanken zu machen, ist nicht nur legitim... sondern die Qualität der Geschichte ist einfach nicht niedriger deswegen. Klar kannst du eine Geschichte schreiben, in der sich Data einen fremdartigen Computervirus einfängt. Klar ist das eine coole Geschichte. Aber dann musst du keine Programmiersprachen und Xenobiologie büffeln, wenn du mit der Geschichte auf etwas ganz anderes hinaus willst.

      Bevor es den Begriff "Science Fiction" gab, wurden solche Werke als wissenschaftliche Romanzen bezeichnet. Jules Verne's Werke zum Beispiel wurden aufgrund ihrer romantischen Natur im 19. Jahrhundert "von rational denkenden Menschen" zurückgewiesen. Warum sollte sich die Sci-Fi viktorianischen Ansprüchen gerecht zu werden versuchen? Und damit meine ich nicht "die Ansprüche des 19. Jahrhunderts sind längst überholt", sondern damit meine ich...es ist extrem kleingeistig, die wissenschaftlichen Spielereien von Mary Shelley oder Jules Verne und anderen Querköpfen von damals und heute als Bedürfnis auszulegen, durch Kunst die Zukunft vorauszuahnen. In Wirklichkeit sind auch Nemo und Uhura Charaktere, die einen Kommentar auf die damalige Wirklichkeit abgeben sollten. Ob Asimov oder Clarke sich an die Realität der Zukunft annähern ist nicht nur, wie Bastet sagt, unmöglich vorherzusagen...sondern diese Vorhersagen lassen sich eben auch nicht verbessern, indem jemand versucht, "realistischer" zu schreiben als andere Leute oder das Genre in eine "realitätsnähere" Richtung zu drängen versucht.
      Willkommen im Kreis der willfährig leichtgläubigen und begeistert abseitigen Phantasten. --- Entropie
    • Merlin schrieb:


      Kunstwerke müssen sowieso nie wirklichkeitsgetreu sein.
      Wenn der Künstler selbst den Anspruch hat, dann schon (jedenfalls, soweit der Künstler die Wirklichkeit kennt - man weiss einfach nicht alles)
      Aber Realismus ist einfach keine anstrebenswerte Sache, egal wie eine Welt physikalisch funktioniert.
      Wie gesagt, es hängt sehr davon ab, was mit dem Kunstwerk bezweckt wird. Es gibt sicher Künstler, die das anstreben, und dann ist das auch legitim. Aber vorschreiben würde ich das sicher niemandem.
      Du solltest nicht so absolut schreiben.

      Ich selbst strebe in manchen Aspekten Realismus an, in anderen wieder nicht. Der Überlichtantrieb funktioniert ausgezeichnet. Wie? Na, ausgezeichnet, sag ich doch. Aber dafür habe ich ausgearbeitete Dienstpläne und es hat nicht wie in Startrek immer dann, wenn was wichtiges passiert, die Truppe Hauptpersonen zufällig gerade Dienst.
      Sehr viel wichtiger als Realismus finde ich persönlich ja die innere Konsistenz. Es ärgert mich, wenn ein und dieselbe Technobabbel-Strahlung in zig Folgen Startrek zig verschiedene Auswirkungen hat. Klar, Startrek hat den Anspruch nicht und die Folgen machen so auch Spass, aber selber vermeide ich solche Widersprüche tunlichst.
      (Aber manchmal denk ich mir schon, die hätten einfach vor dem Dreh einen begeisterten Trekkie fragen sollen: Du sag mal, hatten wir schonmal was mit der und der Strahlung und was hat das damals gemacht? Oh, das passt ja gar nicht dazu, geben wir unserer Strahlung jetzt halt einen neuen Namen. Das löst die Widersprüche ja auch schon - führt halt zu einer Wagenladung Strahlungen zur Einmalverwendung.)
      Wer das liest, ist auch nicht schlauer als vorher.
    • Wenn der Künstler selbst den Anspruch hat, dann schon (jedenfalls, soweit der Künstler die Wirklichkeit kennt - man weiss einfach nicht alles)

      Müssen und dürfen sind sehr unterschiedliche Wörter. :)

      Du solltest nicht so absolut schreiben.

      Da die Diskussionsbeiträge im "Wie sieht realistische Science-Fiction aus" Thread in die Richtung abgedriftet sind, wo unrealistische Elemente als "Fehler" eingestuft wurden, fand ich die absolute Aussage, dass Geschichten von Realismus nicht per se profitieren und das die visionären Qualitäten, die vermeintlich wirklichkeitsnaher Sci-Fi auch in diesem Thread angedichtet werden, nicht durch diesen Versuch der Wirklichkeitsannäherung zustande kommen.

      Es ist okay, realistische Elemente zu haben. Es ist okay, sie zu meiden. Es ist okay, das mal so mal so zu machen.
      Aber Realismus macht niemanden besser als den Rest. Das ist eine absolute Aussage und ich stehe zu dieser absoluten Aussage.

      (Und was Star Trek angeht, ist es einfach nicht das Ziel der Filmemacher gewesen, konsequent dieselben Regeln für ihre Technobabbel-Strahlen zu verwenden. Das Fans da mehr Konsequenz gefallen würde, kann ich verstehen...aber ich glaube auch nicht, dass es in Star Trek um die Funktion von Strahlungsarten geht EDIT: gut, das ist dir schon klar gewesen :) ).
      Willkommen im Kreis der willfährig leichtgläubigen und begeistert abseitigen Phantasten. --- Entropie
    • Merlin schrieb:

      Wenn der Künstler selbst den Anspruch hat, dann schon (jedenfalls, soweit der Künstler die Wirklichkeit kennt - man weiss einfach nicht alles)

      Müssen und dürfen sind sehr unterschiedliche Wörter. :)

      Wenn der Künstler den Anspruch an sein Werk hat, dann muss das Werk so sein - wenn es nicht so ist, ist es misslungen. Kann trotzdem echt toll sein und wenn der Künstler die Klappe hält und nicht verrät, dass er den Anspruch hatte ...
      Wenn in einer Doku über den ersten Weltkrieg Mikhail Gorbatschow rumrennt, ist es nunmal misslungen. Wenn der Regisseur dazu aber sagt: Och, ich wollte halt ein Zeitreisedrama machen. Okay, blödes Beispiel. Ich hoffe, du verstehst trotzdem.

      Merlin schrieb:


      Aber Realismus macht niemanden besser als den Rest. Das ist eine absolute Aussage und ich stehe zu dieser absoluten Aussage.
      Nur hast du diese Aussage nicht getätigt.
      Dein
      Aber Realismus ist einfach keine anstrebenswerte Sache, egal wie eine Welt physikalisch funktioniert.

      klingt mehr danach, als wäre Realismus zu vermeiden.
      Wer das liest, ist auch nicht schlauer als vorher.
    • Ich habe das Fettnäpfchen nicht bemerkt. :-[
      Ärgerliche Sache.

      Was ich eigentlich an der Stelle ausdrücken wollte, war Folgendes:
      Realismus, als Ästhetik, ist völlig okay und für viele Leute eine erstrebenswerte Sache. Ich habe aus unerfindlichen Gründen leider das Gegenteil behauptet, das ist aber Unsinn.

      Allerdings denke ich nicht, dass die physikalischen Regeln einer Welt die Herangehensweise bestimmen sollten. Ob eine Welt physikalisch "unrealistisch" ist, sollte meiner Meinung nach nicht dazu führen, dass die Leute sich nie mehr mit Realismus auseinandersetzen. Und wenn eine Welt zum Beispiel keine Magie hat, dann steht auch offen, ob sie "realitätsnah" werden soll oder nicht.

      Es gibt viele Gestaltungsmöglichkeiten und keine davon ist absolut unumgänglich. :)
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    • Jundurg schrieb:

      Unter der Annahme, dass Science Fiction ein Genre ist, das um naturwissenschaftliches Herangehen bemüht ist, können manche Werke der Fantasy dazugezählt werden
      Wenn man der Science Fiction dieses enge Korsett anlegen will, dann fallen imho 99% der Romane und Filme raus aus der Kategorie und wechseln zur 'Science Fantasy'. Doch die allgemein übliche Kategorisierung widerspricht an diesem Punkt leider dem Wunsch von fluchtigerBesucher. Ein vergeblicher Kampf gegen Windmühlen in meinen Augen.


      Bastet schrieb:

      Außerdem können wir nicht in die Zukunft sehen: wenn der Autor meint, irgendeine technische Erfindung sei im Jahr 2200 möglich, weil es etwas gibt, das wir noch nicht wissen, ist das durchaus legitim und in seiner Welt darf man ohnehin alles tun, was man möchte, ...
      Gerade bei SF-Storys, die in fernerer Zukunft spielen, muss man davon ausgehen, dass es ein paar überraschende Errungenschaften und allgemeine Entwicklungen gegeben dürfte. Das lehrt uns bereits die Geschichte. Spielt eine Story hingegen nur ein paar Jahre in der Zukunft, sollte man sich dicht am Horizont des aktuellen Wissensstands bewegen. Meine Meinung.


      Merlin schrieb:

      Das jetzige Wissenschaftsverständnis kann definitiv Anregungen geben, was in einer Geschichte oder auf einer Welt passiert.
      Doch die wenigsten Autoren setzen sich detailliert mit wissenschaftlicher Forschung auseinander. Allenfalls mit ein oder zwei für sie gerade interessanten Dingen, die sie gerne verwursten möchten. Und wenn es ihrem Plot nicht passt, wird selbst dieses Quäntchen Wissenschaft verfälscht, bis es ihren Wünschen genehm wird. Hauptsache es verkauft sich am Ende gut. >:(


      Merlin schrieb:

      ...es ist extrem kleingeistig, die wissenschaftlichen Spielereien von Mary Shelley oder Jules Verne und anderen Querköpfen von damals und heute als Bedürfnis auszulegen, durch Kunst die Zukunft vorauszuahnen.
      Ja, doch Vorausahnen ist imho nur die eine Seite. Was ich bereits im anderen Thread zu bedenken gab, ist die inspirierende Fantasie, die viele Leser dazu beflügelt, mutig selbst die Welt und bestehende anerkannte Konzepte zu hinterfragen. Natürlich gibt es nach heutigem Wissensstand keinen "Überlichtantrieb". Doch mit einer so rigiden Einstellung der Science Fiction gegenüber, würden wir noch heute glauben auf einer Scheibe zu leben und Bader ließen weiterhin die Menschen zur Ader, um deren 4-Säfte-Haushalt auszugleichen.
      Ich stimme durchaus mit unserem flüchtigen Besucher überein, dass sich SF-Autoren mehr Anregungen in der Wissenschaft holen sollten. Doch im Spielraum für potentielle Ausmaße in deren weiterer Entwicklung sollte man sie nicht beschränken. Statt dessen empfinde ich solche Near-Future-Storys als angenehme Gedankenspiele, im Sinne von "was wäre wenn". Ergo eine künstlerische Möglichkeit uns mit eventuellen zukünftigen Entwicklungen auseinanderzusetzen.


      Doch noch einmal zurück zur der Grundfrage dieses Threads: Warum gibt es keine realistische Science Fiction?
      Beispiel 'Shadowrun'. Eine Welt wird populär, so dass diverse Romane und womöglich weitere Dinge (RPG-System usw.) dazu veröffentlicht werden. Doch schon einige Jahre später wird diese Welt von den Entwicklungen in der Realität überrollt, so dass gerade die schwer vorhersehbaren technischen Neuerungen eingefügt werden müssten, damit die Interessenten nicht abspringen. Dieses Problem dürfte ein Graus für viele Weltenbastler sein, weshalb die meisten Science Fiction Storys in etwas fernerer Zukunft spielen.
      Natürlich zieht dieses Argument nicht, wenn man von vornherein beabsichtigt eine für sich stehende near future Geschichte zu schreiben. Doch mit solch einem one-shot verschließt man sich selbst die Möglichkeit in dieser 'fiktiven' SF-Welt %-) eine weitere Geschichte anzusiedeln.
      Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht doch hinter dir her sind! (Frei nach Terry Pratchett)

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