Konjugation in konstruierten Sprachen

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    • Konjugation in konstruierten Sprachen

      So, um den Erfolg des Deklinationsthreades fortzusetzen (Ja, ich weiß, ich habe diesen zugespammt mit Fragen : ), aber er steht ja immer noch anderen offen g*), wollte ich mal auch einen für die Verben eröffnen. Also, zeigt her eure Konjugationen!

      Ich fange mal an.
      • Tempus: Es gibt zwei Hauptzeiten und zwei Nebenzeiten, die auf diversen Ebenen agieren. Die erste Hauptzeit ist das Präsens (die einfahce Gegenwart) und die erste Nebenzeit ist die zukünftige Gegenwart (auch Präsens, aber wird meistens für etwas zukünftiges verwendet...). Die zweite Hauptzeit ist die einfache Vergangenheit und die frühe Vergangenheit (habe mich da vom italienischen inspirieren lassen...). Damit haben wir vier zeitformen. Um die Tüte aber noch komplett zu machen, gibt es zeitformen, die aus dem Partizipen hergestellt werden.

        Weil es nur Gegenwart und Vergangenheit gibt, gibt es auch nur diese beiden Partizipen (hüfend PI, gehüpftPII). Diese Zeitformen werden mit einer Form von sein in der Vjeweiligen zeit und dem Partizip gebildet. Damit wachsen die zeitformen auf 16 an.


      • Die Verwendung der Tempi: Generell wird die normalform verwendet. Von dieser leitet sich die Benutzung der weiteren Zeiten ab. Wird in der Vorzeitigkeit geredet, so werden PII-Konstruktionen verwendet, in einer Gleichzeitigkeit PI-Konstruktionen. Dadurch leitet sich folgendes Schema ab

        Quellcode

        1. zukünftiges Präsens Präsens Vergangenheit frühe Vergangenheit
        2. Zeitform 1 ich hüpfe (bald) ich hüpfe ich hüpfte ich hüpfte früher
        3. Zeitform VZ ich bin bald hüpfend ich bin hüpfend ich war hüpfend ich war früher hüpfend
        4. Zeitform NZ ich bin bald gehüpft ich bin gehüpft ich war gehüpft ich war früher gehüpft


        Verwendet werden zumeist das Präsens und die vergangenheit. Die Frühe Vergangenheit wird mit mit der entsprechenden Zeitform gebildet, jedoch könnte man dies auch mit der normalen machen. Die Zukunft wird generell in einem Modus ausgedrückzt und keiner Zeitform, allerdings wird manchmal das Präsens verwendet und um ganz sicher zu gehen das zukünftige Präsens, was aber immer noch die Gegenwart ausdrückt...

      • Modus: Der Modus ist gänzlich getilgt. Dafür werden umschreibungen mit Modalverben + Infinitiv verwendet. Auch für die Zukunft gibt es einen Modus

        --> Ersetzungen von Modus und Zeitformen
        Indirektheit, Möglichkeit___würde(ersetzt Konjunktiv)
        Bedingung___würde(ersetzt konditional, im deutschen Identisch mit Konjunktiv...)
        Zukunft___werde (ersetzt Zukunft, ist im übrigen auch schon ähnlich wie im deutschen...)
        -->klassische Modalverben
        Möglichkeit, Fähigkeit___ können, wissen zu...
        Notwendigkeit___müssen (ersetzt den Imperativ)
        Wille/ Wunsch___wollen, möchten, wünsche zu
        Bitte___mögen, bitten zu
        Erlaubnis___dürfen
        Forderung___sollen(ersetzt Auch Imperativ)
        -->weitere
        Gewohnheit__pflegt zu
        Vermutung___scheint zu
        Versprechen___ versprach zu
        Glauben, Vermutung___ wird wohl
        (wird ergänzt)

        Da stehe ich aber noch vor einen Problem, wie ich das konditional und das konjunktiv wirklich vernünftig einbaue... Vielleicht habt ihr Ideen? Und habt ihr Ideen, welche Modi man noch nehmen könnte?

      • Numerus, Person: Ganz klassisch 1., 2., 3., Person jeweils im Singular, Paucal und Plural (mit exklusivem und inklusivem Wir). Wird immer als Pronom vorangestellt..

      • Genus verbi: Da denke ich, das habe ich gut gelöst. Ich gehe nicht wirklich von Aktiv und Passiv aus, sondern stelle einzig und allein die Beziehung zwischen Objekt und Subjekt. Es gibt keine seperaten Zeitformen, sondern es werden einfach eine Silbe eingefügt (an Verb angehängt, im Verb drin, vor dem Verb, nach dem Verb?). Es gibt eine Subjekt-->Objekt (Aktiv), Objekt-->Subjekt(Passiv), Subjekt=Objekt(Reflexiv), Subjekt-->Objekt-->Subjekt(Reziprok). Insegesamt gibt es vier Formen...




      Fehlt ein Aspekt? Habe ich was übersehen? ist etwas unlogisch? Nun seid ihr dran, zerreißt das, oder postet eure eigenen...

      ​​
      Wo ein Waldgott steht wächst grünes Gras,
      wo ein Waldgott ruht, sprießen Wälder,
      wo ein Waldgott weint, entstehen Sümpfe,
      wo ein Waldgott blutet, ist das Land geheiligt
      und wo ein Waldgott stirbt, wird leben sein.​
    • Vys schrieb:

      Tempi
      Ohne jetzt pingelig sein zu wollen, aber es heißt Tempora ;) Verwirrend, diese lateinischen Substantive, oder? Mal ist der Nominativ Plural -i, mal -us und manchmal auch -ora :)

      Vys schrieb:

      Wird immer als Pronom vorangestellt..
      Bedeutet das dann, dass das Verb selbst gar nicht nach Person und Numerus konjugiert wird? Also wie im Englischen, wenn man mal von der 3. Person Sg. absieht?

      Vys schrieb:

      wie ich das konditional und das konjunktiv wirklich vernünftig einbaue...
      Da du diese beiden Modi ja eh grammatikalisch nicht ausdrückst, musst du ja das, was sie bedeuten, auch nicht unbedingt in deiner Sprache ausdrücken. Vielleicht ist es den Sprechern auch egal, ob etwas nur möglich oder eine Bedingung für etwas anderes ist ...

      Als Beispiel Hebräisch: Die kamen früher komplett ohne wirkliche Tempora aus, einzig das Partizip hatte meines Wissens ne Präsens-Sinnrichtung, kann aber auch sein, dass es lediglich eine Gleichzeitigkeit zu den anderen Ereignissen ausdrückte. Auch Modi existierten nicht.
      Alles was das Verb ausdrücken konnte, war der Aspekt: Imperfekt und Perfekt. Bitte missversteh das nicht als unsere Zeitformen gleichen Namens, hier kann sich Imperfekt->Unvollendetheit und Perfekt->Vollendetheit auf Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart beziehen.
      Ebenso haben die dann meines Wissens nicht im Konjunktiv oder im Konditional von Möglichkeiten/Bedingungen gesprochen, sondern im Imperfekt, also in gewisser Weise gar nicht, weil ja zunächst nicht erkennbar ist, ob man von etwas zu einem vergangenen Zeitpunkt unvollendeten, von der sicher eintretenden Zukunft (die ja zum jetzigen Zeitpunkt unvollendet ist) oder von einer Möglichkeit spricht.

      Spoiler anzeigen
      Übrigens stehen auch die Zehn Gebote (als Regeln für die Zukunft o.ä.) im hebräischen Originaltext der Bibel im Imperfekt.



      Zu meinen eigenen Ideen für Konjugationen:
      Es handelt sich hierbei um eine ursprünglich für die Zwerge gedachte, nun aber als für diese unpassend verworfene und daher heimatlose "Konjugation" (bisher allerdings ohne Endungen). Ich hab ihr möglichst viele unterschiedliche Markierungsmöglichkeiten gegeben; bin eben sowohl Kasus- als auch Verbformenfanatiker:

      • Tempus: Es gibt drei Zeiten Präsens, Präteritum und Futur, also stur Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Diese werden noch mit einem Aspekt verknüpft, der entweder jetzt gerade, immer/wiederholte Handlung oder einmalige Handlung ausdrückt. "Jetzt gerade" im Bezug auf Zukunft/Vergangenheit ist wohl eher so wie das past progressive oder das future progressive im Englischen zu verstehen, dass also die Handlung mit dem "jetzt gerade"-Aspekt bereits im Gange ist, wenn eine Handlung mit "einmalig"-Aspekt sich ereignet. Ich bin mir aber selbst noch nicht ganz im Klaren darüber.
      • "Zeitfolge": Zusätzlich zum Tempus wird noch durch ein Affix ausgedrückt, ob die Handlung zeitlich vor, nach oder gleichzeitig zu einer anderen Handlung stattfindet. Das bietet eine Feinabstimmung der Zeitfolge der jeweiligen Handlungen innerhalb eines Tempus sowie weitere "Tempora" (die ich aber wegen ihrer Bildung durch eine Änderung des "Zeitfolge-Affixes" nicht so nennen will) wie zum Beispiel eine Art "Plusquamperfekt" durch Präteritum+"Zeitfolge" Vorzeitigkeit oder ein Futur II mit Futur+"Zeitfolge" Vorzeitigkeit
      • Numerus: Singular, Paral (normalerweise paarweise), Paukal (mehrere, aber mit Sicherheit wenige), Plural (mit Sicherheit viele oder komplett unbekannt) Person kann bei dieser Sprache im Verb selbst nicht zum Ausdruck gebracht werden, muss also über verpflichtende Pronomen erfolgen.
      • Als Genera verbi hatte ich bisher mal Aktiv sowie Passiv/Reflexiv. Wie ich drauf komme, Passiv und Reflexiv durch dasselbe Affix darzustellen? Das ist ne Idee, die mir bei Betrachtung des Spanischen gekommen ist. Da heißt es z.B. als Ersatzkonstruktion für das Passiv "la casa se construye" - wörtlich: Das Haus baut sich
      • Des weiteren hätte ich noch fünf Modi im Angebot, nämlich Indikativ (Realität), Potentialis (wahrscheinliche Möglichkeit), Irrealis (umwahrscheinliche [bzw. Un-]Möglichkeit), Negativ (Verneinung) und Imperativ (Befehlsform). Natürlich sind diese Modi nicht immer in allen Zeiten verfügbar, was macht es denn beispielsweise für einen Sinn,, wenn ich von einer wahrscheinlichen Möglichkeit in der Vergangenheit berichte?
      Und das wollte ich nur über Affixe ausdrücken, also ohne Partizipialkonstruktionen o.ä. Mal schauen, ob es dabei bleibt, wenn ich erstmal die Affixe bastel ...
      Wenn dir was nicht passt, dann aendas
    • Aendas schrieb:

      Natürlich sind diese Modi nicht immer in allen Zeiten verfügbar, was macht es denn beispielsweise für einen Sinn,, wenn ich von einer wahrscheinlichen Möglichkeit in der Vergangenheit berichte?
      "Womöglich war mein Grossvater mal in Dresden."
      Warum soll es die Form nicht geben? Historiker können damit prima diskutieren und auch vor Gericht dürfte eine solche Form gern verwendet sein.

      Veria
      Man kann gar nicht so rundum stromlinienförmig sein, dass es nicht irgendeine Pappnase gibt, die irgendetwas auszusetzen hat.
      - Armin Maiwald
    • Aendas schrieb:

      Da du diese beiden Modi ja eh grammatikalisch nicht ausdrückst, musst du ja das, was sie bedeuten, auch nicht unbedingt in deiner Sprache ausdrücken. Vielleicht ist es den Sprechern auch egal, ob etwas nur möglich oder eine Bedingung für etwas anderes ist ...


      Da magst du recht haben, aber dennoch existiert eine solche Möglichkeit, schon allein im deutschen. Wir haben keinen eigenen Modus für eine Fähigkeit und dennoch drücken wir das aus "Ich kann gehen" und zwar mit einer Hilfskrücke... Dementsprechend sollte man eine Möglichkeit haben, über eine Möglichkeit zu sprechen.

      Achja, wie kann man sich den Modus der Verneinung vorstellen? Schließlich gibt es die Verneinung in allen Modera ( : ) ), sodass ich es mir ziemlich kompliziert vorstellem, diese zum Beispiel im Imperativ zu verwenden... oder im Konjunktiv... und ganz genau genommen ist er auch nicht im Indikativ zu verwenden...

      ​​
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      wo ein Waldgott ruht, sprießen Wälder,
      wo ein Waldgott weint, entstehen Sümpfe,
      wo ein Waldgott blutet, ist das Land geheiligt
      und wo ein Waldgott stirbt, wird leben sein.​
    • Veria schrieb:

      "Womöglich war mein Grossvater mal in Dresden."

      Auf diese Möglichkeit bin ich erst gar nicht gekommen... :D Du hast recht, so funktionierts. Ich hab halt eher an Möglichkeit im Sinne von "wahrscheinlich passierts so"=> "aber das lässt sich nicht sagen weils noch nicht bekannt ist" gedacht. Aber natürlich ist eine Vermutung, die ja auch über die Vergangenheit sein kann, auch ne Möglichkeit. Danke für den Hinweis.

      Vys schrieb:

      Achja, wie kann man sich den Modus der Verneinung vorstellen?

      Ich hab mir das so gedacht, dass "Verneinung" hier eher eine definitive Unwahrheit ausdrücken sollte, also quasi ein Gegenstück zum Indikativ, der eine definitive Wahrheit ausdrückt. Ein verneinter Konjunktiv bzw. Potentialis (wahrscheinlicher Konjunktiv), da der Konjunktiv als solcher bei mir gar nicht existiert, wäre dann beispielsweise der Irrealis, der ja eine Unwahrscheinlichkeit ausdrückt. Die Verneinung bildet also bei mir einen Modus, der von den anderen Modi losgelöst ist und quasi ein Gegen-Indikativ ist.

      Über verneinte Imperative hab ich mir bisher wenige Gedanken gemacht, aber ich könnte mir vorstellen, dass am Ende etwas ähnliches wie im Spanischen/Französischen rauskommt mit einer Imperativ-Ersatzform, vielleicht im Modus Negativ: Dann würde du machst nicht wohl eher mach nicht! bedeuten. Ich halte Aussagesätze über die gegenwärtige Situation mit du als Subjekt sowieso nicht für besonders sinnvoll. Meines Erachtens enthalten Sätze mit dem Subjekt du sowieso meist Vermutungen, die wirklichen Aussagen wird die mit du bezeichnete Person wahrscheinlich ohnehin oft besser wissen.
      Wenn dir was nicht passt, dann aendas
    • Aendas schrieb:

      Vys schrieb:

      Achja, wie kann man sich den Modus der Verneinung vorstellen?

      Ich hab mir das so gedacht, dass "Verneinung" hier eher eine definitive Unwahrheit ausdrücken sollte, also quasi ein Gegenstück zum Indikativ, der eine definitive Wahrheit ausdrückt. Ein verneinter Konjunktiv bzw. Potentialis (wahrscheinlicher Konjunktiv), da der Konjunktiv als solcher bei mir gar nicht existiert, wäre dann beispielsweise der Irrealis, der ja eine Unwahrscheinlichkeit ausdrückt. Die Verneinung bildet also bei mir einen Modus, der von den anderen Modi losgelöst ist und quasi ein Gegen-Indikativ ist.

      Über verneinte Imperative hab ich mir bisher wenige Gedanken gemacht, aber ich könnte mir vorstellen, dass am Ende etwas ähnliches wie im Spanischen/Französischen rauskommt mit einer Imperativ-Ersatzform, vielleicht im Modus Negativ: Dann würde du machst nicht wohl eher mach nicht! bedeuten. Ich halte Aussagesätze über die gegenwärtige Situation mit du als Subjekt sowieso nicht für besonders sinnvoll. Meines Erachtens enthalten Sätze mit dem Subjekt du sowieso meist Vermutungen, die wirklichen Aussagen wird die mit du bezeichnete Person wahrscheinlich ohnehin oft besser wissen.
      EDIT: Eine andere Idee für verneinte Imperative wäre, einen weiteren Modus namens Prohibitiv speziell für verneinte Imperative einzuführen. Das ermöglicht auch, sowohl Imperativ als auch Prohibitiv auf die 3. Person auszudehnen (Also "er/sie/es soll/muss..."). Der verneinte Imperativ in der 3. Person kann ja schließlich nicht einfach nur durch verneinte Aussagesätze verdeutlicht werden...
      Wenn dir was nicht passt, dann aendas
    • Aendas schrieb:

      Zitat von »Veria«

      Ich halte Aussagesätze über die gegenwärtige Situation mit du als Subjekt sowieso nicht für besonders sinnvoll. Meines Erachtens enthalten Sätze mit dem Subjekt du sowieso meist Vermutungen, die wirklichen Aussagen wird die mit du bezeichnete Person wahrscheinlich ohnehin oft besser wissen.

      Aber trifft das nicht auch auf die die 3. Person zu? Klar, wenn ich sage "Du bist hungrig.", dann ist das eine Vermutung meinerseits, weil DU ja besser wissen musst, als ich, ob du hungrig bist. Aber das trifft doch auch auf die Aussage "Er ist hungrig." zu, da vermute ich ja mit der gleichen Genauigkeit, nur dass ich ihn nicht direkt darauf anspreche, sondern mit dir darüber rede.

      Es ist jedoch ein interessanter Gedanke, dass eine Sprache zumindest für die gegenwärtige Situation berücksichtigt, dass man anderen Personen nichts ins Denken und Fühlen schauen kann.
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    • Nharun schrieb:

      Aber trifft das nicht auch auf die die 3. Person zu? Klar, wenn ich sage "Du bist hungrig.", dann ist das eine Vermutung meinerseits, weil DU ja besser wissen musst, als ich, ob du hungrig bist. Aber das trifft doch auch auf die Aussage "Er ist hungrig." zu, da vermute ich ja mit der gleichen Genauigkeit, nur dass ich ihn nicht direkt darauf anspreche, sondern mit dir darüber rede.
      Das stimmt natürlich, aber trotzdem finde ich, dass man in der dritten Person viel häufiger in eine Situation kommt, wo es dann eben eine (vermeintliche oder tatsächliche) Sicherheit ist, mit der ich etwas sage, z.B. Er lebt jetzt in Dresden.
      Natürlich weiß das Er im Zweifelsfall besser, aber wenn ich dir davon erzähle, dann tu ich das ja aus einer gewissen Sicherheit heraus, dass es auch stimmt.
      Vor allem ist es ein Vorsprung an Gewissheit, den ich bei der 3. Person durchaus gegenüber demjenigen, mit dem ich rede, haben kann. Vllt. weißt du ja noch nicht, dass Er nach Dresden umgezogen ist. Das ist m E der große Unterschied, den das zu Sätzen wie Du lebst jetzt in Dresden macht. In dem Fall kann ich nämlich nur Dinge vermuten, die du eh schon weißt, während ich bei Verben in der 3. Person Dinge sagen kann, die du weniger sicher weißt als ich, und somit ergibt hier ein Aussagesatz mehr Sinn als in der 2. Person.
      Wenn dir was nicht passt, dann aendas
    • Ihr vergesst aber, dass alle aussagen in Beziehung zu anderen Aussagen stehen, denn normalerweise haben sie immer einen Anhaltspunkt auf dem sie gerichtet sind. So kann dies zum Beispiel lauten: " Hi, schon lange nicht mehr gesehen. Weißt du was ich letztens gehört habe? DU lebst jetzt in Dresden! Da dachte ich, komm ich dich mal besuchen"

      Ich denke, hier ist man sich sicher und kann auch den Satz gut gebrauchen. Es ist wichtig, dass man die Möglichkeit hat, sich so auszudrücken.

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      und wo ein Waldgott stirbt, wird leben sein.​
    • Vys schrieb:

      Ihr vergesst aber, dass alle aussagen in Beziehung zu anderen Aussagen stehen, denn normalerweise haben sie immer einen Anhaltspunkt auf dem sie gerichtet sind. So kann dies zum Beispiel lauten: " Hi, schon lange nicht mehr gesehen. Weißt du was ich letztens gehört habe? DU lebst jetzt in Dresden! Da dachte ich, komm ich dich mal besuchen"

      Ich denke, hier ist man sich sicher und kann auch den Satz gut gebrauchen. Es ist wichtig, dass man die Möglichkeit hat, sich so auszudrücken.
      Das stimmt. Mir ist auch noch ein weiteres Beispiel eingefallen, wo es der Sprecher sogar besser weiß und eine größere Sicherheit hat als der Zuhörer, wenn es sich nämlich um Arzt und Patient o.ä. handelt (Sie haben Krebs etc.)

      In der Diskussion ist aber verlorengegangen, dass es ursprünglich darum ging, einen verneinten Imperativ nur durch Indikativ- bzw. Negativ-Formen auszudrücken, also durch einen Modus, der Realität (oder eben deren Gegenteil) ausdrückt.
      Das ging auch bei meinen Beiträgen zum Thema verloren, mein Beispiel war diesbezüglich vllt. auch schlecht gewählt. Es kommt ja eher selten vor, dass man den Befehl bekommt, irgendwo zu wohnen (auch wenn das durchaus in früheren Zeiten vorgekommen sein soll)

      Ich glaube, dass es möglich ist, sowohl die von dir angesprochene Situation sprachlich zu verwirklichen als auch einen "Imperativ" durch Indikativ-Formen auszudrücken. Wenn man nämlich deinen Zusammenhang hat, dann ist klar, dass es sich wohl kaum um eine Anweisung handelt. Wenn der Satz aber in einem anderen Zusammenhang oder in keinem konkreten Zusammenhang steht, dann wird er als richtiger Aussagesatz möglicherweise hinfällig und kann somit auch die Bedeutung einer Befehlsform tragen.
      Blöder Beispielsatz, um das mal im Deutschen auszuprobieren: "es ist kalt. du machst das Fenster zu." => da sollte dadurch, dass die Aussage in diesem Zusammenhang geradezu sinnlos erscheint, eigentlich klar sein, dass es um einen Auftrag geht

      Inzwischen neige ich aber sowieso eher mehr zur Einführung eines speziellen Modus Prohibitiv für die verneinten Imperative, der macht das ganze vermutlich wesentlich klarer und eindeutiger
      Wenn dir was nicht passt, dann aendas
    • Ich denke, zuviel grammatikalische FUnktionen durch einen Kontext einzuarbeiten ist auch nicht der richtige Weg. Was ich mir, um den Imperativ zu vermeiden, vorstellen kann, ist folgendes: Eine Satzkonstruktion wie "Du hast schlafen zu gehen" Form (Indikativ haben + Inf). Ich denke damit kann man das ganz gut umgehen.. dazu braucht man aber ein Modalwort...

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    • Aendas schrieb:

      Inzwischen neige ich aber sowieso eher mehr zur Einführung eines speziellen Modus Prohibitiv für die verneinten Imperative, der macht das ganze vermutlich wesentlich klarer und eindeutiger
      Nur wenn du die Bildung eines Prohibitivs aus einem Imperativ und einem Negationswort wie "nicht" ausschließen willst. Die deutschen Prohibitive wie "Geh nicht dahin!" sind ja auch relativ eindeutig. Die Negation eines Imperativs ließe sich ja auch nur einen Negationsaffix regeln ("Ungehe dahin!" ;) ), den man vielleicht auch in anderen Modi zum Einsatz bringen könnte.
      Interessant wäre auch ein Bildungselement vom Negativ oder Irrealis abzuwandeln und es als Negationswort für Imperative zu verwenden. Du wolltest ja Affixe für deine Modi verwenden, da wäre es doch sehr interessant wenn der Negationsaffix zu einem eigenen Negationswort geworden ist, mit dem man dann leicht Verbote aussprechen kann. Der Affix könnte in der Sprachgeschichte dann in diese Funktion gewandert sein, weil man einen einfacheren Weg brauchte um Verbote auszusprechen. Darüber findet man dann sogar noch einen Ansatzpunkt für die Frage: Wofür brauchte man plötzlich eine bequeme Art für Verbote? Kam diese Sprachregel auf, als die ersten Gesetze fixiert wurden? Oder gab ein religiöser Prophet die neusten 10 Dinge die erlaubt und 1000 Dinge die Verboten sind heraus?
      Naja, je nachdem wie eng man den Begriff fassen will, hättest du ja mit einem Negationswort + Imperativ schon eine recht starre Formel, die man auch als eigenen Modus bezeichnen könnte, auch wenn das Negationswort kein direktes Affix ist.
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    • Diogenes schrieb:

      Warum willst du den Imperativ als eigene Form vermeiden? Oder hab' ich da wasa flasch verstanden?
      Das ursprüngliche Problem war, dass ich einen eigenen Modus für Negationen in einer meiner Sprachen eingeführt hab (d.h. eigentlich nur für den verneinten Indikativ), allerdings nicht drüber nachgedacht hab, wie das dann mit verneinten Imperativen laufen soll. Und eine Lösungsmöglichkeit war eben, den verneinten Indikativ in der 2. Person je nach Zusammenhang als verneinten Imperativ umzudeuten. Inzwischen neige ich aber eher zu der Lösungsmöglichkeit, einen weiteren Modus speziell für die Verneinung der Imperative zu verwenden.
      Wenn dir was nicht passt, dann aendas