Protektorate

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    • Protektorate

      Ich habe die Suche bemüht, aber nicht das passende gefunden, deswegen ein neuer Thread. Aber nicht hauen, wenn ich was übersehen habe *duckt sich vorsichtshalber schon mal*

      Gerade bin ich dabei, ein Protektorat zu gründen. Das Problem ist nur: Ich habe zu wenig Anhaltspunkte, was genau eigentlich die Rechte und Pflichten eines solchen Protektorates sind. Außerdem erschließt mich durch die Wikipedia auch nicht, wo die Grenze zwischen Protektorat und Kolonie ist, bzw. was der Unterschied zu sein scheint.

      Deswegn hoffe ich, dass es einer von euch weiß, denn ich bräuchte möglichst detailierte Informationen über die politische Lage eines Protektorats. Haben die ein eigenständiges Militär? Wenn man ein Protektorat einer Großmacht angreift, ist das eine Kriegserklärung der Großmacht gegenüber, oder ist das dann ein Problem für das Protektorat?
      Ich weiß, dass ein Protektorat ihre Unabhängigkeit verliert. Was kommt da bei dem kleinen Bürger an? Muss man extra Steuern an das Großreich zahlen, eine Art Ausbeutungssteuer?

      Jede Menge Fragen und es kommen sicher noch einige dazu. Wer also detailierte Informationen vorliegen hat, dem wäre ich sehr dankbar, sie mir zu übermitteln, oder einfach auch, sein Wissen zu teilen. Wie gesagt, die Wikipedia half mir in diesem Fall mal nicht weiter, was eine Seltenheit ist.
      Ich danke euch schon mal im Voraus für die Mühe :)
      Dieses Zitat braucht in meine Welt noch einen Platz: Spuck mir in die Suppe und ich schlage dir den Kopf ab

      In Ermangelung an geschlechtlichen Optionen, zogen meine Eltern mich als Jungen auf :lol:
    • Hast Du Dir schon die entsprechenden englischen Wikipedia-Artikel angeschaut?

      Protectorate:

      Wikipedia schrieb:

      In history, the term protectorate has two different meanings. In its earliest inception, which has been adopted by modern international law, it is an autonomous territory that is protected diplomatically or militarily against third parties by a stronger state or entity. In exchange for this, the protectorate usually accepts specified obligations, which may vary greatly, depending on the real nature of their relationship. However, it retains formal sovereignty, and remains a state under international law. A territory subject to this type of arrangement is also known as a protected state.

      A second meaning came about as a result of European colonial expansion in the nineteenth century. Many colonized territories (mentioned on this page) came to be referred to as "colonial protectorates", but were not regarded as separate states under international law. Entities referred to as "international protectorates" can become so subordinated to the protecting power that in effect they lose their independent statehood, though there are exceptions.

      Colony:

      Wikipedia schrieb:

      In politics and history, a colony is a territory under the immediate political control of a state.

      A colony is mostly ruled by another state or can be run independently. Unlike a puppet state or satellite state, a colony has no independent international representation, and its top-level administration is under direct control of the metropolitan state.

      Ich finde, das macht die Sache zumindest ein Bisschen klarer.
      Ich glaube, für eine französische Hure ist Elatan ein bisschen zu provinziell.

      Kann man eigentlich mit Fäkalien töpfern? -- Tö.
    • Assantora schrieb:

      Gerade bin ich dabei, ein Protektorat zu gründen. Das Problem ist nur: Ich habe zu wenig Anhaltspunkte, was genau eigentlich die Rechte und Pflichten eines solchen Protektorates sind. Außerdem erschließt mich durch die Wikipedia auch nicht, wo die Grenze zwischen Protektorat und Kolonie ist, bzw. was der Unterschied zu sein scheint.

      Deswegn hoffe ich, dass es einer von euch weiß, denn ich bräuchte möglichst detailierte Informationen über die politische Lage eines Protektorats. Haben die ein eigenständiges Militär? Wenn man ein Protektorat einer Großmacht angreift, ist das eine Kriegserklärung der Großmacht gegenüber, oder ist das dann ein Problem für das Protektorat?
      Ich weiß, dass ein Protektorat ihre Unabhängigkeit verliert. Was kommt da bei dem kleinen Bürger an? Muss man extra Steuern an das Großreich zahlen, eine Art Ausbeutungssteuer?
      Ich packe hier mal mein ganzes Amateur- und Geschichtsleistungskurswissen aus ;)
      Eine Kolonie wird von einem Abgesandten der Kolonialisten direkt regiert. Ein Beispiel wären hier die spanischen Vizekönigreiche in Südamerika oder das kolonisierte Afrika. Diese Länder wurden von einem Kolonisten (z.B. Spanier) regiert und hatten sich vollends dessen Willen zu beugen.
      Ein Protektorat ist quasi schon etwas edles. Es war bei Weltreichen stark verbreitet. Als Beispiel nehme ich hier einmal das (uralte) Ägypten. Die haben nach Kriegen nicht nur anektiert, sondern auch protektoriert. Das ging dann einher mit Tributzahlungen (welche jedoch zumeist peinlichst genau geprüft wurden und mehr symbolisch waren. Die ägyptischen Herrscher bzw. die Tradition wollte es nämlich , dass der Protektor dem Protektorat 1:1 Geschenke im Werte des Tributes zurück gab), sowie intensiven Handelsbeziehungen, militärischer Unterstützung und soweit vorhanden Steuererleichterungen. Protektorate dienten meist zur Befriedigung der Grenzen. Wenn nun z.B. Land A das Land B als Protektorat hat und Land C wiederum Land A angreifen will muss es erst durch Land B. Ggf pflegen nun aber B und C eine lange Freundschaft und der Krieg war abgewand. Oder aber das Überaschungsmoment schwand, da Land B sich an den großen Freund Land A wandte und dieser mobil machte; zusammen konnte man sich dann gegen Land C behaupten. |Soweit aus meiner Wissenskammer - ich erhebe keinen Anspruch auf genaue Richtigkeit, aber das System sollte man verstehen können.

      Zu deinen Detailfragen:
      Ja Protektorate haben zumeist ein eigenständiges Militär, da sie im Grunde als eigenständiges Land weiter existieren und zumeist nur Zwergstaaten wie Andorra oder der Vatikan keine Armee haben werden sie dieses auch behalten.
      Zur 2. Frage siehe oben :P
      Was bei dem kleinen Bürger ankommt weiß ich leider nicht. Zu Zeiten des Weltreiches Rom kam die Einnahme des Landes bzw. das Protektorieren (?) eher einer Aufstufung gleich, da man in erster Linie von deren Erungenschaften profitierte. Als Protektorat Roms war man zudem Außenpolitisch abgesichert (außer man hatte halbselbstmörderische Völker wie die Gallier vor der Nase :P) und wurde nicht länger als Barbar verspottet (Barbarus: Der dessen Sprache man nicht versteht). Falls Rom jedoch hohe Tribute verlangte musste man da sicherlich mitgehen und ggf mehr Steuern zahlen. Ich muss jedoch zugeben, dass ich mich hier eher bei annektierten Gebieten gut auskenne. In diesen hatten man z.B. teilweise sogar die Chance Bürger Roms zu werden, was in etwa die größte Ehre der damaligen Zeit war.

      Hoffe ich konnte helfen
      Ysamaru
    • Also soweit ich das verstehe, ist es eigentlich recht einfach:

      Kolonie im Sinne des 19. Jh. - unselbstständiges Herrschaftskonstrukt, das von einem Staat in einem mehr oder minder entfernten Gebiet errichtet und unterhalten wird, um das Gebiet zu kontrollieren. Soweit ich das sehe, werden Kolonien außerdem von dem beherrschenden Staat gegründet.

      Protektorat - ein Staat/selbstverwaltetes Gebiet, das von einem anderen Staat beschützt wird. Das Protektorat wird daher nicht von dem Beschützer verwaltet und wurde auch nicht von diesem gegründet. Aber es tanzt ein wenig nach seiner Pfeife, um den Schutz zu erhalten.

      Kennt jemand Ausnahmen davon? Gibt es Einsprüche?
      Weil Inspiration von oben kommt und Arbeit von unten.
      -Elk (20.10.18, 23:02)



      Plan. Act. Reflect. Repeat 'til finish.
    • Assantora schrieb:

      Wenn man ein Protektorat einer Großmacht angreift, ist das eine Kriegserklärung der Großmacht gegenüber, oder ist das dann ein Problem für das Protektorat?
      Das ergibt sich jetzt imho eigentlich aus den Beiträgen meiner Vorredner, aber ich würd mal sagen, dass das auf jeden Fall einer Kriegserklärung an die Großmacht gleichkommt, auch wenns nicht unbedingt direkt eine sein muss. Protegere heißt ja beschützen, also ist die Großmacht gezwungen zu intervenieren, weil sie ja dem eigentlichen Wortsinn nach das Protektorat auch gegen feindliche Angriffe beschützen sollte. (was ja im Koreakrieg tatsächlich so passiert ist: der Angriff Nordkoreas auf Südkorea kam ner Kriegserklärung an den "Protektor" USA gleich, die daraufhin in den Krieg zwischen den beiden Koreas eingriffen; der US-Angriff auf Nordkorea provozierte wiederum China zum Eingreifen)
      Auf jeden Fall bietet so ein Angriff natürlich einen perfekten casus belli, den sich wohl kaum eine Großmacht entgehen ließe, wenn sie denn den Krieg will. Es wird also wahrscheinlich nie bei einem Krieg ohne Einmischung der Großmacht bleiben
      Wenn dir was nicht passt, dann aendas
    • Kaum eine Großmacht wird es sich leisten können ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren, wenn sie ein Protektorat NICHT beschützt, so ungelegen der Krieg auch kommen mag. Großbritannien hat ja auch nicht um die Falklands krieg geführt, weil die Inseln wirtschaftlich oder strategisch irgendwie wichtig gewesen wären, oder weil ein Krieg gegen Argentinien dem Königreich gerade irgendwie in den Kram passte.
      Man musste so handeln, um die eigene Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren und um andere nicht zu ermutigen, sich eigene Teile vom verbliebenen Empire zu sichern.
      SEESTERN LIEBT DICH!
    • Ein Protektorat ist quasi schon etwas edles. Es war bei Weltreichen
      stark verbreitet. Als Beispiel nehme ich hier einmal das (uralte)
      Ägypten. Die haben nach Kriegen nicht nur anektiert, sondern auch
      protektoriert. Das ging dann einher mit Tributzahlungen (welche jedoch
      zumeist peinlichst genau geprüft wurden und mehr symbolisch waren. Die
      ägyptischen Herrscher bzw. die Tradition wollte es nämlich , dass der
      Protektor dem Protektorat 1:1 Geschenke im Werte des Tributes zurück
      gab), sowie intensiven Handelsbeziehungen, militärischer Unterstützung
      und soweit vorhanden Steuererleichterungen. Protektorate dienten meist
      zur Befriedigung der Grenzen. Wenn nun z.B. Land A das Land B als
      Protektorat hat und Land C wiederum Land A angreifen will muss es erst
      durch Land B. Ggf pflegen nun aber B und C eine lange Freundschaft und
      der Krieg war abgewand. Oder aber das Überaschungsmoment schwand, da
      Land B sich an den großen Freund Land A wandte und dieser mobil machte;
      zusammen konnte man sich dann gegen Land C behaupten. |Soweit aus meiner
      Wissenskammer - ich erhebe keinen Anspruch auf genaue Richtigkeit, aber
      das System sollte man verstehen können.
      Als angehender Fachmann müsste ich da aber etwas einhaken :P Ägypten hat nicht nur einfach protegiert, sondern wie du sagst annektiert und die unterworfenen Kleinstaaten im levantinischen Raum, also dem heutigen Israel, Palästina, Jordanien bis hoch nach Syrien, zu seinen Vasallen gemacht. Die Könige mussten den ägyptischen Pharao als ihren "Vater" anerkennen und sich ihm unterwerfen. Jegliche außenpolitische Aktivität musste über ihn verlaufen, zusätzlich entsandte der der Pharao Gesandte, die als eine Art Gouverneure dienten und ein Auge auf die Könige hatten, sowie sich ihre Sorgen anhörten, den Befehl des Pharaos ausführten und ihm wieder Bericht erstatteten. Durch die große Entfernung war den Königreichen aber natürlich eine gewisse Autonomität gegeben.
      Die Geschenke wiederum gehören zum ganz normalen Hofetikett des antiken Orients. Hierbei geht es jedoch nicht um Bereicherung, sondern explizit um die nette Geste, denn man erwartete stets Gleichwertiges wieder zurück, was aber auch regelmäßig als eine Art staatlich angeregter Handel ausgenutzt wurde. Eine Karawane voll feinster Stoffe gegen entsprechend viel Gold für den Palast. Teilweise schenkte man sich auch gegenseitig dasselbe.

      Die levantinischen Kleinstaaten befriedeten die Region auch ganz und gar nicht. Die Region war im 2 Jt. v.Chr geprägt vom Machtkampf des hethitischen Großreiches und Ägyptens um diese Region, später zwischen Ägypten und dem assyrischen Großreich, wobei die Kleinstaaten ihre Fahne nach dem Wind drehten und auch mal gemeinsam gegen die Fremden vorgehen wollten. Hierbei ging es immer nur um Eroberung, auch wenn man sich natürlicherweise gern als "Beschützer" darstellen wollte, doch Realität und Fiktion liegen eben oft zumindest oberflächlich nah beeinander.
    • Hallo! :)

      Ich sehe ein Protektorat auch immer eher als eine "idelle" Entscheidung/Pflicht einer Großmacht, denn sonst wäre eine Kolonie und anektierte Terretorien die Alternative.

      Natürlich muss ein Protektorat wirtschaftliche Interessen nicht ausschließen. Es könnten aber auch Faktoren wie Heirat eines Thronfolgers oder sonstige familiäre Verpflichtungen der Herrscherkaste ein Grund für ein Protektorat sein.

      Gruß, Solenoid
    • Danke an all eure Antworten. Das hilft mir sehr weiter und vor allem verhindert es einen folgenschweren Fehler zu machen.

      Protektorate scheinen also im Prinzip Gebiete zu sein, die sich unter den Schutz einer Großmacht stellen, weil das Gebiet alleine zu schwach ist, sich allein zu verteidigen. Und die Großmacht bekommt dafür einen guten Zugang zu Goldminen, oder so. Und verwalten tun die auch noch sich selbst. So weit richtig?

      Aber was passiert, wenn das Protektorat anfängt eine Entscheidung zu treffen, die nicht im Sinne der Großmacht ist? Klassisches Beispiel: Ein Krieg.
      Das Protektorat hatte vorher immer Probleme mit einfallenden Truppen aus Land A. Dann wurden sie zum Protektorat und haben seitdem Ruhe vor ihren Nachbarn. Nun stellt das Protektorat Truppen auf und attackiert Land A (man weiß ja den militärischen Schutz der Großmacht hinter sich) und die Großmacht steht daneben und fragt sich wahrscheinlich, was dieser ganze Blödsinn soll.
      Ist die Großmacht nun verpflichtet das Protektorat zu unterstützen? Kann es sich aus der Sache raus halten, oder ist dies sogar ein Grund, dem Protektorat seine Stellung wieder zu entziehen, kurzum, wird wieder ein normales Land draus und muss alleine mit dem Krieg fertig werden?
      Dieses Zitat braucht in meine Welt noch einen Platz: Spuck mir in die Suppe und ich schlage dir den Kopf ab

      In Ermangelung an geschlechtlichen Optionen, zogen meine Eltern mich als Jungen auf :lol:
    • Assantora schrieb:

      Danke an all eure Antworten. Das hilft mir sehr weiter und vor allem verhindert es einen folgenschweren Fehler zu machen.

      Protektorate scheinen also im Prinzip Gebiete zu sein, die sich unter den Schutz einer Großmacht stellen, weil das Gebiet alleine zu schwach ist, sich allein zu verteidigen. Und die Großmacht bekommt dafür einen guten Zugang zu Goldminen, oder so. Und verwalten tun die auch noch sich selbst. So weit richtig?

      Aber was passiert, wenn das Protektorat anfängt eine Entscheidung zu treffen, die nicht im Sinne der Großmacht ist? Klassisches Beispiel: Ein Krieg.
      Das Protektorat hatte vorher immer Probleme mit einfallenden Truppen aus Land A. Dann wurden sie zum Protektorat und haben seitdem Ruhe vor ihren Nachbarn. Nun stellt das Protektorat Truppen auf und attackiert Land A (man weiß ja den militärischen Schutz der Großmacht hinter sich) und die Großmacht steht daneben und fragt sich wahrscheinlich, was dieser ganze Blödsinn soll.
      Ist die Großmacht nun verpflichtet das Protektorat zu unterstützen? Kann es sich aus der Sache raus halten, oder ist dies sogar ein Grund, dem Protektorat seine Stellung wieder zu entziehen, kurzum, wird wieder ein normales Land draus und muss alleine mit dem Krieg fertig werden?

      Hi Assantora!
      Wenn man ein Protektorat als stabilisierung der Region begreift (Großmacht sorgt da etwas für Ordnung), dann hat das Protektorat nicht x-beliebige Freiheit einen Krieg selber anzuzetteln. Ich denke, dass die Großmacht das sogar unterbinden würde oder eben mit dem Entzug des Schutzes drohen würde. Nimm aktuell Syrien und wie hier USA vs. China+Russland Sanktionen gut oder eben schlechtheissen. Gleicher Mechanismus.

      Gruß

      Solenoid
    • Also wäre es inhaltlich falsch, wenn ein Staat, der andere Gebiete beschützt, sich den Namen Protektorat gibt, oder?

      Für meine eigene Welt wäre das wichtig, da es dort bislang ein ganzes Sternenreich mit Protektorat als Namen gibt. An sich ist Dieses aber eher imperialistisch geprägt, will sich aber nach außen hin den Anschein des großen Beschützers geben.
      Ich muss gestehen, dass ich mich mit manchen meiner Reiche noch nicht detailliert auseinander gesetzt habe. Konzentrierte mich bislang erst mal auf ein Bündnis von Planeten und dessen nähere Vergangenheit. Die Herrschaftsgebiete drum herum skizzierte ich eher grob. :seufz:
      Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht doch hinter dir her sind! (Frei nach Terry Pratchett)

      Meine Welten und Geschichten
      Rollenspiel-Anekdoten
    • Nemedon schrieb:

      Also wäre es inhaltlich falsch, wenn ein Staat, der andere Gebiete beschützt, sich den Namen Protektorat gibt, oder?
      IMHO sind/waren manche reale Staatsnamen inhaltlich falsch, "Deutsche Demokratische Republik" oder "Volksrepublik China" z.B. (zumindest nach westlichem Verständnis von Demokratie und Republik). Das macht meiner Meinung nach nicht so viel aus.

      Aber du hast natürlich recht, "Protektorat" für ein imperialistisch ausgerichtetes Staatswesen gehört auch zu den inhaltlich falschen Staatsnamen, was aber an der lateinischen Grammatik liegt => protectoratum = das Beschützte, sogenanntes Partizip Perfekt Passiv *Besserwisser* :dozier: .
      Solltest du dich entscheiden, diesen Namen ändern zu wollen, und willst weiterhin beim Wortstamm "protect-" (bzw. "proteg-") bleiben, gäbe es da beispielsweise die lateinischen Formen protegens = beschützend oder protector = der Beschützer, aus denen sich sicher viel machen lässt.
      Wenn dir was nicht passt, dann aendas
    • Übrigens, nicht ganz zu vernachlässigen: Nicht immer, wenn eine Großmacht einen kleineren Staat schützt, handelt es sich automatisch um ein Protektorat, denn nach modernem Völkerrecht hat das eine Reihe von diplomatischen Konsequenzen und bringt Verpflichtungen mit sich. Manchmal handelt es sich auch "einfach nur" um diplomatische Entscheidungen. Die Großmacht kann auch ganz andere, eigene Interessen verfolgen. Die Stellvertreterkriege in Asien zum Beispiel waren - vereinfacht gesagt - durch den Konflikt der beiden Systeme Kommunismus und Demokratie mit freier Marktwirtschaft geprägt. Die Schutz des staates Israel durch die USA und auch Deutschland hat historische, moralische und wirtschaftliche Wurzeln, trotzdem würde bei Israel niemand von einem Protektorat sprechen.
    • Caspar schrieb:

      Die Schutz des staates Israel durch die USA und auch Deutschland hat historische, moralische und wirtschaftliche Wurzeln, trotzdem würde bei Israel niemand von einem Protektorat sprechen.

      Da hast du durchaus recht. Wobei sich mir allgemein die Frage stellt, ob ein Land, das selbst eine nicht gerade unbedeutende Regionalmacht mit immerhin der stärksten Streitmacht des Nahen Osten ist, überhaupt für ein Protektorat infrage kommt, mal ganz abgesehen davon, dass entsprechende vertragliche Grundlagen fehlen und die Protektoren das "freiwillig" ohne irgendeine vertragliche Bindung machen.
      Historisch gesehen sind ja die meisten Protektorate und vermeintlichen Protektorate, die in Wirklichkeit Kolonien waren, eher regional unbedeutende Mächte gewesen
      (Die deutschen Schutzgebiete in Afrika bspw. oder die 1. Slowakische Republik als faktisches Protektorat des nationalsozialistischen Deutschland 1938-45).
      Und als solche waren sie viel mehr von der Großmacht abhängig und sehr viel mehr durch diese beeinflussbar als dies bei einem Staat, der selbst eine bedeutende Macht ist, überhaupt der Fall sein kann.
      Ich würde, ergänzend zu deiner These, sagen, dass Israel nicht nur wegen der nicht vorhandenen diplomatischen Konsequenzen nicht als Protektorat betrachtet werden kann, sondern auch weil es des Schutzes durch eine Großmacht überhaupt nicht bedarf, da selber stark und wehrhaft. (evtl könnte man sogar so weit gehen, zu behaupten, dass diese eigene Stärke der Grund dafür ist, dass die diplomatischen Verpflichtungen fehlen)
      Wenn dir was nicht passt, dann aendas