Was gibt es für Klischees in Welten. Kann/will man sie vermeiden?

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    • Óðinn schrieb:

      ich möchte solche 1:1 Klischees aus der Realität, wie eben Steppennomaden, eigentlich eher vermeiden, nicht weil ich sie irgendwie schlechter finde, sondern einfach weil es mir mehr Spaß macht was alternatives zu erdenken, als einfach alt herrgebrachte Elemente zu übernehmen. :) Aus dem Grund hab ich auch bisher keine anderen kulturschaffenden Spezies außer homo sapiens. :D

      Irgendwie erschliesst sich mir nicht, wie du vom ersten Satz auf den zweiten kommst. Immerhin ist Homo sapiens auch ein Klischee aus der Realität und nichts alternativ Erdachtes.
      Don't diagnose and drive.

      Dieser Bastler hat sich freiwillig dazu verpflichtet, ab sofort je Woche einen wertvollen Bastelpost mehr zu verfassen als bisher. Er möchte damit das Forum zu mehr Aktivität anregen. Hilf ihm und mach einfach mit!
    • Meiner Meinung nach gibt's beim Weltenbasteln eigentlich kein "Sollen".
      Für mich ist das kein Wettbewerb um die originellste Idee, sondern eine
      Möglichkeit, wirklich die Freiheit zu haben, die eigene Fantasiewelt zu
      erschaffen, ohne an irgendwelche Vorgaben von außen gebunden zu sein.
      Fuer mich auch nicht, sorry scheinbar ist der Titel immernoch etwas kontrovers. Und das ganze Thema um "jeder soll/kann/macht/will was er moechte" haben wir ja schon ausfuehrlich diskutiert... ;)



      Zitat von »Óðinn«





      ich möchte solche 1:1 Klischees aus der Realität, wie eben
      Steppennomaden, eigentlich eher vermeiden, nicht weil ich sie irgendwie
      schlechter finde, sondern einfach weil es mir mehr Spaß macht was
      alternatives zu erdenken, als einfach alt herrgebrachte Elemente zu
      übernehmen. :) Aus dem Grund hab ich auch bisher keine anderen kulturschaffenden Spezies außer homo sapiens. :D

      Irgendwie erschliesst sich mir nicht, wie du vom ersten Satz auf den
      zweiten kommst. Immerhin ist Homo sapiens auch ein Klischee aus der
      Realität und nichts alternativ Erdachtes.
      Sorry, ich vergesse gerne, dass Leute nicht meine Gedanken lesen koennen. In meinem Kopf macht das alles total Sinn :lol: Ich meinte solche altbewaehrten fiktiven Voelker wie Elfen/Elben, Zwerge, Orks, usw. die oft mehr von Klischees behaftet sind als Menschen. Aus irgendeinem Grund finde ich hat man bei Menschen mehr Moeglichkeiten beim Gestalten. Ist homo sapiens ein Klischee? Ich denke, wenn man will kann man das so sehen, ich seh es anders. :D Ich will ja nicht alles komplett auf Teufel komm raus neu und alternativ machen... %-)


      Die "exotischeren" Kulturen bei mir sind alle ziemlich gemischt,
      zumindest für mich scheint es aber in sich schlüssig zu sein und ich
      bemühe mich um Verbesserungen, falls mir da doch irgendwelche Fehler
      auffallen. Übrigens habe ich auch eine Welt mit kaltem Süden und warmem
      Norden, das war aber keine bewusste Entscheidung, sondern hat sich in
      der Weltentwicklung so ergeben.
      Interessant. Darf ich fragen wieso die Weltenentwicklung einen kalten Sueden ergab? Und was fuer "exotischere" Kulturen hast du denn? Du sagst "ziemlich gemischt" was darf ich mir darunter vorstellen? :)
      Let there be fog
      And let there be monsters
      And fantastic sights to all
      Who follow you

      - Svan, Njall's Saga -
    • Óðinn schrieb:

      Um aufs Ursprungsthema zurückzukommen, ich möchte solche 1:1 Klischees aus der Realität, wie eben Steppennomaden, eigentlich eher vermeiden, nicht weil ich sie irgendwie schlechter finde, sondern einfach weil es mir mehr Spaß macht was alternatives zu erdenken, als einfach alt herrgebrachte Elemente zu übernehmen. :) Aus dem Grund hab ich auch bisher keine anderen kulturschaffenden Spezies außer homo sapiens. :D
      Um das nochmals aufzugreifen: Ist das denn so ein Klichee? Mir fallen da gleich mehrere Nomadische Kulturen auf der Erde ein (neben den Mongolen z.B. die Araber, Arier und einige nordamerikanische Indianerstämme), die sich teils ähnlich, teils komplett anders verhalten haben...

      Ein fremdes kulturschaffendes Volk ist natürlich eine nette Herausforderung, da kämpfe ich im Moment auch mit. Das Problem das ich mit den meisten Klicheerassen habe, ist, das sie normalerweise einfach Menschen mit ein paar überspitzen Eigenschaften sind. Menschen sind dann tatsächlich oft die vielfältige, multitalentierte Rasse. Wohl weil man da weiß wie vielfältig die Menschen sein können während man sich speziell bei den Klicheerassen auf einige bestimmte Fähigkeiten fixiert.

      Vom Konzept des "alles anders machen" bin ich inzwischen auch wieder etwas abgekommen, einfach da man da vor so einem gigantischen Berg steht, den man eigentlich kaum bewältigen kann. Ich suche nun einfach ein noch nicht allzu abgenutztes Setting und versuche es irgendwie in meine Vorstellung der Welt zu pressen in dem ich Teile wegschneide oder hinzufüge. Ob sich die Menschen in dem Prozess dann irgendwie wandeln und nicht mehr MEnschen sind wird sich zeigen, aber man kann sich auch einfach besser mit Menschen identifizieren als mit grünen Schleimblasen die durch eine Welt aus rotalgigen Höhlensystemen treiben in der Absicht das große Blasenblub zu finden. :lol:
      Falken haben doofe Ohren
    • Darf ich fragen wieso die Weltenentwicklung einen kalten Sueden ergab?

      Dafür gab's keinen wirklich "vernünftigen" Grund. Ich habe mit zwei getrennten Welten angefangen, eine mit Magie und eine, die eher Parallelwelt-artig war, wobei letztere eben auch die heißeren Länder enthalten hat. Dann habe ich die beiden irgendwann zusammengelegt und wollte aber die Südküste so behalten wie sie war und das magische durch die beiden gemäßigten Länder ersetzt, im Norden ließ sich dafür eher noch was anbauen. ;)
      Bis in die wirklich polarnahen Regionen reicht die Landmasse nicht, das Klima ist also gemäßigt bis tropisch.

      Und was fuer "exotischere" Kulturen hast du denn? Du sagst "ziemlich gemischt" was darf ich mir darunter vorstellen?

      Ich verwende eben Elemente aus verschiedenen historischen/zeitgenössischen und mythologischen Quellen und baue daraus etwas Neues. Am extremsten ist es wohl mit meinen Sarilern, die inspiriert sind von den Irokesen, dem Balkan, faschistischen und kommunistischen Systemen des 20. Jahrhunderts und diversen Amazonenlegenden. Je länger ich an einem Volk bastle, desto mehr verschiedene Elemente landen dort, während die bisher weniger bebastelten doch deutlich stärker an ein reales Vorbild angelehnt sind. Die Sariler sind eins meiner ersten Völker, die habe ich schon seit 10, 15 Jahren, wenn auch noch in anderen Welten teilweise. Da spielt vieles rein, was ich irgendwie aus Büchern oder Nachrichten aufgeschnappt habe.

      Thema Abwechslungsreichtum: Gerade bei Orks und Zwergen sehe ich wirklich das Problem, dass da nicht viel geht, schonmal damit angefangen, dass es bei beiden Gruppen meistens weder Frauen noch Kinder gibt. Natürlich könnte man das alles selber machen, aber ich arbeite dann doch lieber gleich mit Menschen. Bei Elfen gibt es schon etwas mehr Varianten, auch je nachdem welche mythologische Grundlage jetzt genutzt wurde. (Wenn man jetzt alles englischen "Fairies" als Elfen bezeichnet, was sicher auch wieder Stoff für Diskussionen sein könnte.)
      Gerade Zwerge scheinen mir in der Mythologie meistens eher nicht als volksähnliche Gruppe aufzutreten, sondern als Einzelpersonen, genau wie viele andere Wesen auch. Deswegen habe ich mich mit meinen "Lerca" auch für diese Variante entschieden. Die lassen sich am ehesten als Nymphen/Naturgeister oder sowas beschreiben.
    • Amanita schrieb:

      Thema Abwechslungsreichtum: Gerade bei Orks und Zwergen sehe ich wirklich das Problem, dass da nicht viel geht, schonmal damit angefangen, dass es bei beiden Gruppen meistens weder Frauen noch Kinder gibt. Natürlich könnte man das alles selber machen, aber ich arbeite dann doch lieber gleich mit Menschen. Bei Elfen gibt es schon etwas mehr Varianten, auch je nachdem welche mythologische Grundlage jetzt genutzt wurde. (Wenn man jetzt alles englischen "Fairies" als Elfen bezeichnet, was sicher auch wieder Stoff für Diskussionen sein könnte.)
      Gerade Zwerge scheinen mir in der Mythologie meistens eher nicht als volksähnliche Gruppe aufzutreten, sondern als Einzelpersonen, genau wie viele andere Wesen auch. Deswegen habe ich mich mit meinen "Lerca" auch für diese Variante entschieden. Die lassen sich am ehesten als Nymphen/Naturgeister oder sowas beschreiben.


      Das sehe ich aber nicht so. Warum sollten denn Zwerge und Orks weniger Individualität besitzen als Menschen? Warum sollen Zwerge und Orks keine Frauen und Kinder haben? Ich kenne genug Settings wo es Zwergen- und Orkkinder bzw. Frauen gibt. Beispielsweise bei Shadowrun oder die Orks und die Zwerge. Letztendlich muss es doch auch nicht DIE Orks geben, genauso wenig wie DIE Zwerge oder DIE Menschen. Ich sehe auch nicht warum man sich bei Zwergen an die Mythologie halten muss oder warum ein Zwergen- oder Orkvolk schwieriger zu basteln sein soll als ein menschliches.

      aber man kann sich auch einfach besser mit Menschen identifizieren als mit grünen Schleimblasen die durch eine Welt aus rotalgigen Höhlensystemen treiben in der Absicht das große Blasenblub zu finden. :lol:


      Darf ich diese Idee haben, wenn du sie nicht verwenden willst? :lol:
    • Da Du mich hier als Beispiel für schlechte Argumentation herausziehst. "Viele" bedeutet nicht "Für alle gilt".
      Das war der Teil meines Beitrages, in dem ich von Mythen und Legenden redete und deutlich sagte, dass ich mir nicht sicher bin. Dass das kein moderner Mythos ist sollte offensichtlich sein.

      Ist notiert. Die Argumentation ist und bleibt wackelig, aber ich entschuldige mich, falls es schroff rüberkam. :)

      Ich hab keine Klischee-Aversion und bin auch nicht frustriert, und nö, hab auch keinen konkreten Bastelwunsch :) War einfach nur neugierig, und die besten Ideen fürs basteln kriegt man (ich), wenn ich einfach mal dumm nachfrage, und die Gedankengänge anderer nachvollziehe ;D

      Tut mir leid, das so unterstellt zu haben. Aber du hast durchaus Ziele beim Basteln (Leitlinien, die ich als "konkreten Bastelwunsch" auffasse) und darum bist du auf Input neugierig. Mehr habe ich damit gar nicht sagen wollen. :)

      Ich meine z.B. die Reiter von Rohan, die ja einen deutlichen skandinavischen Einschlag haben, aber als Reitervolk eigentlich so ziemlich das Gegenteil und eher "mongolisch" sind. Um es etwas provokant zu formulieren: Ist das einfach ein billiger Trick oder eine gute Möglichkeit die Welt aufzupäppen? :D

      Das kommt auf die Qualität der Weltbeschreibung an. Es kann als billiger Trick rüberkommen, aber manchmal wird die Welt durch solche Völkerkombinationen besser. :)

      Was die Ausrichtung meiner Karten angeht, wirst du allerdings keine inworld-Karte finden und selbst wenn ich mich mal dazu aufraffe, sind die großen Kartenzeichner meiner Welt eher die Seefahrer, die weiter Richtung Äquator leben. :)

      :D Danke für die Info.

      Ähm ja hier bitte :D

      Ich finde vor Weihnachten vermutlich keine Zeit dafür... aber ich mache dann nochmal ein paar Listen (notfalls muss ich dran erinnert werden, sorry). :)

      Die einzige Ausnahme sehe ich bei grob rassistischen und sexistischen Klischees. (Damit meine ich jetzt nicht weltinterne Vorurteile sondern Situationen, wo der Bastler wirklich seine Überzeugung auf diesem Gebiet vertritt.)

      Diese Textstelle hat bei mir gemischte Gefühle ausgelöst "grob rassistische und sexistische Klischees" oder "vertretene Überzeugung" waren mir sehr vage formuliert und du nimmst es hoffentlich nicht persönlich, das ich diese Kritikpunkte konkreter haben will. Denn an sich stimmen wir ja beide überein, dass menschenverachtendes Gedankengut eindeutig gefährlicher ist als Klischees. ;)
      Aber mich störte ein wenig, dass von "Überzeugung" und von "grob rassistischen und sexistischen Klischees" gesprochen wurde. Denn ich weiß ja auch ohne Kritik an deren Welten, dass Nazis nicht ins Forum gehören. Im Einzelfall kann ich niemandem eine Überzeugung vorwerfen, er muss diese Überzeugung schon offen vertreten oder diese Ansicht äußern. Und in Zeiten von ghost skins, codiertem Rassismus und einer Gesellschaft, die sich zwar in Geschichtsaufarbeitung vertieft aber den status quo nicht kritisiert... naja, da müssen andere Hilfsmittel ran, da können wir nicht den Rassisten vorher fragen "ey sag mal, bist du Rassist?"...im Zweifelsfall sagt er (oder denkt er sogar) "nein". Nur wird durch diese Aussage die Ideologie nicht ungefährlicher. ;)

      Außerdem fand ich, dass das Erwähnen von Rassismus und Sexismus nicht ausreichen. Menschenverachtendes Gedankengut richtet sich oft genug gegen behinderte Menschen, gegen die LGBTIA-Community, gegen arme Leute und...aufgrund von codierter Menschenverachtung gibt es halt auch konkrete Probleme mit Gruppen wie Asylanten, "illegalen" Immigranten, Sexarbeiterinnen, Analphabeten, alleinerziehenden Müttern, magersüchtigen Models, Bettlern, Alkoholikern, etc., die dadurch zu besonders offen attackierten Teilgruppen werden.

      Die Überzeugungen von Menschen sind zwar wichtig, aber wir können keine Gedanken lesen. Und die menschenverachtenden Ideologien im Text sind auch dann gefährlich, wenn die Autoren keine überzeugten Bösewichter sind.
      Ein allgemeines Verbot für solche Weltinhalte wäre aber auch nicht wünschenswert, da die meisten Forenmitglieder Marginalisation nicht ihr Fachgebiet nennen. Wir würden eine elitistische Hackordnung riskieren, in welcher private Vendettas und Gruppenzwang vorherrschen und es den Leuten nicht mehr wirklich um die menschenverachtenden Ideologien geht. Das lässt sich bei einigen Aktivisten beobachten, die im Namen von "Solidarität" oder "Freundschaft" menschenverachtende Ansichten unter den Teppich kehren und ganze Communities ausgrenzen oder mundtot machen, um in ihrem Wolkenkuckucksheim zu leben und sich für besonders "revolutionär" und "radikal" zu halten.

      Die Diskussionskultur unseres Forums sollte berücksichtigen, dass niemand perfekt ist, dass jeder Fehler macht, dass Perfektion allerdings erstrebenswert sein kann, auch wenn es ein unerreichbares Ziel bleibt. Das es kein Untergang der künstlerischen Freiheit ist, wenn gefährliche Ideen kritisiert werden. Und es sollte berücksichtigt werden, dass es eben einen fundamentalen Unterschied zwischen der Verbreitung gefährlicher Ideen und der bewussten, offenen und stolzen Verherrlichung und dem Herbeisehnen von Unterdrückung und Verfolgung gibt. Denn in die erste Kategorie fallen alle Menschen auf dieser Welt..."alle tun es" enthebt uns allerdings nicht der Verantwortung für die Verbreitung dieser Ideen. Und die zweite Gruppe werden wir nie so in ihrer Gesamtheit dingfest machen, aber wenn wir das gefährliche Gedankengut selbst permanent kritisch sehen, von vielen Seiten beleuchten, die Vor- und Nachteile gewisser Denkweisen unter die Lupe nehmen, dann werden wir auch mit diesen Problemen fertig werden. Und dann werden wir auch eine Form der Prophylaxe haben...die nie perfekt sein wird, aber wie das mit der Perfektion so ist...(siehe weiter oben in diesem Absatz) ;)

      Kurzum, das Forum sollte ein Ort für produktive Diskussionen zu diesem Thema sein. :)

      Sorry, ich vergesse gerne, dass Leute nicht meine Gedanken lesen koennen. In meinem Kopf macht das alles total Sinn :lol: Ich meinte solche altbewaehrten fiktiven Voelker wie Elfen/Elben, Zwerge, Orks, usw. die oft mehr von Klischees behaftet sind als Menschen. Aus irgendeinem Grund finde ich hat man bei Menschen mehr Moeglichkeiten beim Gestalten. Ist homo sapiens ein Klischee? Ich denke, wenn man will kann man das so sehen, ich seh es anders. :D Ich will ja nicht alles komplett auf Teufel komm raus neu und alternativ machen... %-)

      Naja, in den Beschreibungstexten zu den Menschen sind trotzdem reichlich altbackene Ideen vorhanden. Die "anpassungsfähigen, vielfältigen Tausendsassa" die in jedem Klima und auf jedem Kontinent leben, erfindungsreich sind und die Bevölkerungsmehrheit bilden...und die meisten Religionen, Sprachen, Länder und Technologien erfunden haben. Die ohne angeborene Magie zur Welt kommen. Deren Aussehen und Verhalten nicht aus einer Außensicht beschrieben wird, stattdessen werden Unterschiede zwischen dem Aussehen und Verhalten verschiedener Menschengruppen beleuchtet. Bei Menschen gehört die Tatsache, dass sie "mehr Moeglichkeiten beim Gestalten" offen lassen, zum Klischee. ;)
      Willkommen im Kreis der willfährig leichtgläubigen und begeistert abseitigen Phantasten. --- Entropie
    • Diese Textstelle hat bei mir gemischte Gefühle ausgelöst "grob rassistische und sexistische Klischees" oder "vertretene Überzeugung" waren mir sehr vage formuliert und du nimmst es hoffentlich nicht persönlich, das ich diese Kritikpunkte konkreter haben will.

      Ach Merlin, irgendwie hört sich das für mich gerade so an, als ob es von meinem Prof im Seminar oder beim Vortrag zu einer Examensarbeit oder so kommen würde. Ich hoffe, du verzeihst mir, wenn ich jetzt doch nicht ganz auf diesem Niveau antworte und meine Forumsbeiträge auch allgemein nicht unbedingt so gestalte.
      Meiner Meinung nach können Weltenbewohner so beispielsweise rassistisch sein wie "sie möchten", aber wenn sie damit recht haben, wird das zum Problem. Wenn es tatsächlich ein Volk von beispielsweise "östlichen Untermenschen" gibt, die keine Zivilisation kennen, dauernd blind morden und vergewaltigen und denen jede menschliche Regung fremd ist, dann sehe ich das als so ein "grob rassistisches Klischee." Wenn ein Volk so über ein anderes denkt, wobei der Bastler aber weiß, dass das nur die Einschätzung dieses Volkes ist, habe ich damit kein Problem, sonst müsste ich auch eins mit meiner eigenen Welt haben. ;) Mir sind auch schon, ich bin jetzt nicht sicher ob hier oder anderswo, Welten bzw. Texte begegnet, die sich in ausführlichen Darstellungen von brutaler Gewalt gegen Frauen ergangen haben, ohne dass sie damit ein Problem zu haben schienen. Gor ist ja dafür ein Beispiel, das ich allerdings nur vom Hörensagen kenne, wobei ich es wohl auch belassen werde.
      Das Ganze war jetzt auch nicht als umfassende Zusammenfassung aller möglichen Ausdrucksformen von Vorurteilen beim Bastler gedacht, sondern ich habe mich auf die zwei in Fantasiewelten häufigsten bezogen.
      Ich würde jetzt ehrlich gesagt auch in Frage stellen, ob die offene Kritik an allen von dir genannten Gruppen tatsächlich nur auf "codierter Menschenverachtung beruht." Um mal ein Beispiel rauszugreifen, bei den "magersüchtigen Models" spielt der Faktor Neid von Seiten bestimmter Damen sicherlich eine nicht zu unterschätzende Rolle und deswegen wird sich begeistert auf etwas gestürzt, was an dieser Perfektion rüttelt. "Manager" und "Banker" könnte man auch noch der Liste der häufig kritisierten Personengruppen hinzufügen.
      Ich weiß nicht, ob ich deine Ausführungen da richtig verstanden habe, aber ich sehe da eine gewisse Gefahr der Übertreibung, wenn man dann zum Beispiel den bei Bauern aufgewachsenen Königssohn, der die Welt rettet als Beispiel dafür interpretiert, dass arme Menschen verachtet werden und wirklich arme Menschen selbst nie etwas erreichen können. Das kann man vielleicht tun, aber für diesen Archetypus gibt es sicher auch noch jede Menge andere Interpretationen. Deswegen war mein Kommentar auf die eher offenen Beispiele mit wenig Interpretationsspielraum gemünzt, deswegen auch die Beschreibung "grob".
    • Merlin schrieb:

      Die Diskussionskultur unseres Forums sollte berücksichtigen, dass niemand perfekt ist, dass jeder Fehler macht, dass Perfektion allerdings erstrebenswert sein kann, auch wenn es ein unerreichbares Ziel bleibt.
      Diese Textstelle hat bei mir gemischte Gefühle ausgelöst, "das Perfektion erstrebenswert sei", wenn auch "ein unerreichbares Ziel". Ich hoffe du nimmst es nicht persönlich, doch Perfektion, Schönheit und ja, sogar was als gut und böse gilt, sieht jeder Mensch in unzähligen Schattierungen anders. Und selbst die Gesellschaft verändert immer wieder ihre Ansichten dazu.
      Perfektion in der Kunst, denn in gewisser Weise ist das Weltenbasteln Kunst, ist nicht erstrebenswert, sondern der Tod der künstlerischen Freiheit. Wer will denn entscheiden, was "Perfekt" ist? Auch wir zwei beide stimmen sicherlich überein in unseren Ansichten, dass der Nationalsozialismus gelinde gesagt finster war. (Sehr simplifiziert und keinesfalls in seiner ganzen Breite perfekt ausgedrückt. %-) ) Ich möchte nicht den "-ismus" vom Perfektionismus mit Rassismus gleichsetzen. Doch bei dieser Wortwahl rieseln mir Schauder den Rücken hinab.
      Wie du schon richtig sagtest, Menschen sind nicht perfekt. Wir sind vielschichtig und völlig individuell. Ich für meinen Teil möchte besser werden. Toll wäre es, wenn ich dereinst gut würde in dem, was ich mache. Doch es wäre mir ein Graus, würde jemand meine Welt oder mich perfekt nennen. Leben heißt Veränderung - Stillstand bedeutet Tod. (Woher das auch stammen mag.) Perfektion ist für mich gleichbedeutend mit dem Tod. Eine starr vorgegebene Form, die weder etwas gleichberechtigt neben sich duldet, noch die Möglichkeit einräumt, dass es noch etwas Besseres geben könne.
      Entschuldige bitte, dass ich Eingangs deine Wortwahl nachahmte. Doch das war einfach ... zu verlockend. :pfeif:

      Merlin schrieb:

      Außerdem fand ich, dass das Erwähnen von Rassismus und Sexismus nicht ausreichen. Menschenverachtendes Gedankengut richtet sich oft genug gegen ...
      Welcher "-ismus" wäre denn deiner/eurer Meinung nach akzeptabel? Sollte man Sadismus nicht auch hinzuzählen? Doch dann müsste Masochismus streng genommen ebenfalls einbezogen werden. Und immer so weiter. Ebenso deine Aufzählung, die sich beliebig erweitern ließe, wie es Amanita bereits zeigte. Das Verhüten von "-ismen" birgt die Gefahr in sich, sich zu verselbständigen und selbst zu einer Hexenjagd zu verkommen. Eine Auseinandersetzung mit den Themen gehört imho durchaus in die Welten hinein. Und ob der Bastler da irgend welche eigenen Meinungen vertritt, weiß man als Leser in aller Regel nicht. Allenfalls fehlende inworld-Reflektion oder eindimensionale unglaubwürdige Antagonisten könnten das nahe legen.
      Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht doch hinter dir her sind! (Frei nach Terry Pratchett)

      Damokles-Sternenring - meine kleine Galaxie
      Rollenspiel-Anekdoten
    • Ich hoffe, du verzeihst mir, wenn ich [...] meine Forumsbeiträge auch allgemein nicht unbedingt so gestalte.

      Eben. :) Sowas sollte von niemandem erwartet werden... und darum habe ich mich auch so vorsichtig wie möglich formuliert. :)


      Meiner Meinung nach können Weltenbewohner so beispielsweise rassistisch sein wie "sie möchten", aber wenn sie damit recht haben, wird das zum Problem. Wenn es tatsächlich ein Volk von beispielsweise "östlichen Untermenschen" gibt, die keine Zivilisation kennen, dauernd blind morden und vergewaltigen und denen jede menschliche Regung fremd ist, dann sehe ich das als so ein "grob rassistisches Klischee." Wenn ein Volk so über ein anderes denkt, wobei der Bastler aber weiß, dass das nur die Einschätzung dieses Volkes ist, habe ich damit kein Problem, sonst müsste ich auch eins mit meiner eigenen Welt haben. ;) Mir sind auch schon, ich bin jetzt nicht sicher ob hier oder anderswo, Welten bzw. Texte begegnet, die sich in ausführlichen Darstellungen von brutaler Gewalt gegen Frauen ergangen haben, ohne dass sie damit ein Problem zu haben schienen. Gor ist ja dafür ein Beispiel, das ich allerdings nur vom Hörensagen kenne, wobei ich es wohl auch belassen werde.

      Da nehmen wir die selbe Position ein.



      Das Ganze war jetzt auch nicht als umfassende Zusammenfassung aller möglichen Ausdrucksformen von Vorurteilen beim Bastler gedacht, sondern ich habe mich auf die zwei in Fantasiewelten häufigsten bezogen.
      Ich würde jetzt ehrlich gesagt auch in Frage stellen, ob die offene Kritik an allen von dir genannten Gruppen tatsächlich nur auf "codierter Menschenverachtung beruht." Um mal ein Beispiel rauszugreifen, bei den "magersüchtigen Models" spielt der Faktor Neid von Seiten bestimmter Damen sicherlich eine nicht zu unterschätzende Rolle und deswegen wird sich begeistert auf etwas gestürzt, was an dieser Perfektion rüttelt. "Manager" und "Banker" könnte man auch noch der Liste der häufig kritisierten Personengruppen hinzufügen.

      Die "Codierung" der Menschenverachtung ist ja deshalb so erfolgreich, weil sie damit auch Menschen anspricht, die auf die Codierung hereinfallen und dadurch hat z.B. ein Misogyniker eine grössere Plattform.
      Das Manager und Banker sich mit Kritik herumschlagen müssen hat mit dem Schaden zu tun, den Banken und der Kapitalismus im Allgemeinen anrichten. Die Kritik ist manchmal auch unberechtigt, fehlinformiert usw. aber es ist Kritik an einer sehr mächtigen Gruppe. Genauso wie die Kritik gegenüber Politikern oder Anwälten und Richtern oder die Vorurteile gegenüber bourgeoisen Aertzten und Wissenschaftlern resultiert sie aus der Beobachtung oder aus der Angst vor Mismanagement, vor Machtmissbrauch, vor Korruption und vor "Gefahr von Oben".



      Ich weiß nicht, ob ich deine Ausführungen da richtig verstanden habe, aber ich sehe da eine gewisse Gefahr der Übertreibung, wenn man dann zum Beispiel den bei Bauern aufgewachsenen Königssohn, der die Welt rettet als Beispiel dafür interpretiert, dass arme Menschen verachtet werden und wirklich arme Menschen selbst nie etwas erreichen können.

      Das habe ich nicht behauptet.
      Hm, es gibt aber erstaunlich viele Märchen, in denen ausgerechnet (wie kommt das nur?) der Königssohn, der unter den Armen gelebt hat, am Ende der Geschichte seine Königswürde zurückerhält und dann ein weiser König wird, der das einfache Volk milde behandelt. Und viele viele dieser Märchen stammn aus der Zeit, in der ein Bauerssohn nie ein König hätte werden können und den Launen der Herrschenden ausgesetzt waren. Das heist, wir können in so einer Geschichte durchaus eine "wish fulfillment fantasy" des Mittelalters sehen, des einfachen Volkes. (Chimamanda Adichie hat in ihrer TED-Rede "the Single Story" davon erzählt, dass sie ursprünglich nur Geschichten über kleine weisse Mädchen und Jungs geschrieben hat*, weil es in Nigeria keine anderen Medien gibt... und dieser Kulturimperialismus hat definitiv mehr Ursachen als "Menschenverachtung", aber die Geschichten reflektieren halt dennoch dieses Phänomen).


      Diese Textstelle hat bei mir gemischte Gefühle ausgelöst, "das Perfektion erstrebenswert sei", wenn auch "ein unerreichbares Ziel". Ich hoffe du nimmst es nicht persönlich, doch Perfektion, Schönheit und ja, sogar was als gut und böse gilt, sieht jeder Mensch in unzähligen Schattierungen anders. Und selbst die Gesellschaft verändert immer wieder ihre Ansichten dazu.

      Jedes Ideal ist unerreichbar. Ideale werden in der Regel angestrebt, also für erstrebenswert gehalten.
      Das du und ich und alle anderen Mitglieder des Forums unsere jeweils eigenen Vorstellungen von richtig und falsch, gut und schlecht, schoen und hässlich haben, streite ich nicht ab. Und das sich diese Ansichten für Einzelne aber auch für Gruppen ändern, ist mir ebenso klar.

      Perfektion in der Kunst, denn in gewisser Weise ist das Weltenbasteln Kunst, ist nicht erstrebenswert, sondern der Tod der künstlerischen Freiheit.

      Da Perfektion unerreichbar ist, geht mir das sowas von am Arsch vorbei. Und mein Satz war wirklich nicht als Werbematerial fuer irgendein präskriptives Normensystem gedacht. :P

      Wer will denn entscheiden, was "Perfekt" ist?

      Für uns selbst müssen wir das alle unweigerlich entscheiden. Du brauchst einen Perfektionsbegriff, sonst kannst du gar nicht über Perfektion reden. ;)


      Perfektion ist für mich gleichbedeutend mit dem Tod. Eine starr vorgegebene Form, die weder etwas gleichberechtigt neben sich duldet, noch die Möglichkeit einräumt, dass es noch etwas Besseres geben könne.

      Mein Kommentar "dann werden wir auch eine Form der Prophylaxe haben...die nie perfekt sein wird" war wohl nicht so aufschlussreich, wie ich hoffte. :autsch: Das last sich unerfreulicherweise auch interpretieren als "und dann wird es immer imperfekten Widerstand geben" auch wenn ich damit "und fuer uns alle wird Perfektion ewig unerreichbar sein" zum Ausdruck bringen wollte. Ich haette statt "auch wenn es ein unerreichbares Ziel bleibt" einfach "obwohl sie fuer niemanden erreichbar ist" schreiben sollen. Das ist mein Fehler gewesen, dadurch habe ich Dinge impliziert, die ich nicht implizieren wollte. :)

      Entschuldige bitte, dass ich Eingangs deine Wortwahl nachahmte. Doch das war einfach ... zu verlockend

      Pfft, Schwamm drüber. Ich war dir ne Minute lang sauer, aber dann ist mir klar geworden, dass ich selber Schuld bin, wenn das so rüberkommt, als würde ich irgend ein komisches übermenschliches Ideal anstreben, dass ich auch noch für erreichbar und universellgültig halte. %-) ;D
      Also gut das ihr zwei was gesagt habt, sonst hätte ich da vielleicht unbedarfte Neulingen gefährliche Flausen in den Kopf gesetzt.

      *sie erklärt das in dem Video beträchtlich besser als ich das jetzt auf die Schnelle könnte.
      Willkommen im Kreis der willfährig leichtgläubigen und begeistert abseitigen Phantasten. --- Entropie
    • Also, ich kann hier nur für mich sprechen und möchte hierzu meinen Senf abgeben :D . Zwar ist der letzte Post schon etwas älter, aber ich hoffe das das noch nicht als Nekroposting gilt?

      Ich schreibe meine Welt, damit sie mir gefällt. Mein Antrieb zum Weltenbasteln war in grauer Vorzeit, das es immer etwas gab, was mir an 'existierenden' Fantasy-Welten gefehlt oder nicht gefallen hat. So wurde das 'Ziel' meiner kreativen Aktivität eine quasi für mich perfekte Welt zu erschaffen, deshalb hab ich auch kein großes Problem auf Klischees zurückzugreifen, wenn sie mir gefallen.
    • Zwar ist der letzte Post schon etwas älter, aber ich hoffe das das noch nicht als Nekroposting gilt?

      Der Dezember 2013 ist doch erst 3 Monate her? ;D
      (Und Nekroposting/Threads abstauben/Threads ausgraben ist hier voll erlaubt, so weit ich weiß --- lieber einen alten Thread ausgraben als einen neuen Thread zum selben Thema aufmachen. :) )
      Willkommen im Kreis der willfährig leichtgläubigen und begeistert abseitigen Phantasten. --- Entropie
    • Im Allerwelts-Board und in der Weltenbastel-Theorie ist das Ausgraben alter Threads kein Problem und ohne weiteres möglich, in anderen Unterforen sollte man sich vielleicht vergewissern, ob es sinnvoll ist, z.B. einen sechs Jahre alten Weltenkunsthread auszugraben, der nicht nur keine besonders spektakulären Beiträge enthält, sondern dessen Ersteller überhaupt nicht mehr im Forum registriert ist. Das nur mal als Beispiel, wie man es besser nicht machen sollte. %-)
      Sinnvolle Beiträge zu älteren Diskussionen, deren Inhalte immer noch interessant und aktuell sein können sind aber generell gerne gesehen, manchmal wird dann ein alter Stein wieder ins Rollen gebracht und dem Ganzen eine völlig neue Richtung gegeben.
      Dein Beitrag hier ist in dieser Hinsicht völlig in Ordnung, würde ich sagen. ;)
    • Ich finde Klischees toll.
      Man kann so schön damit "herumspielen".
      Ja, ich habe z.B. Feen und sie entsprechen in bestimmten Bereichen auch Klischees, in anderen Punkten jedoch sind sie aber doch anders. Obs mir gelingt, weiß ich überhaupt nicht, aber das ist irgendwie auch nicht gar so wichtig. ;)

      Z.B.: haben seit Tolkien viele das Bild großgewachsener, schlanker Elfen; oder stolze und schlanke Einhörner (nur mal so als Beispiel), meine "Elfen" sind eher klein (sie sind ungefähr gleich groß wie meine Zwerge) und meine "Einhörner" orientieren sich am mittelalterlichen Bild eines Einhorns. Die sind eher Ziegenähnlich als Pferde oder Eselähnlich und sind nicht gerade elegant, aber auch scheu, leben im Wald und haben ein Horn am Kopf.
      Ja, ich gebe es zu, ich grife gerne auf ältere Sagen und ähnliches zurück und gebe dem Ganzen dann noch eine Priese eigenes dazu.

      Auch interessant ist eine bunte Mischung aus Klischees. Ein Zwerg ohne Bart, und Bergbau, dafür aber als Freund der Einhörner oder dergleichen...
      Jetzt hab ich eine Idee! :arbeit:
      Inhaltsverzeichnis zu Bioka und Zuflucht K

      Der Tag an dem einem langweilig wird, ist der Tag an dem man verlernt hat seine Fantasie zu nutzen. ~Efyriel~
    • Ich denke, dass man Klischees nicht vermeiden kann, selbst wenn man versucht bewusst gegen Klischees zu arbeiten. Und dann gibt es noch die "Klischees", die unbewusst in unserem Kopf existieren. Einfach weil sie zu unserer Kultur dazugehören (man denke da nur an das Konzept "Ehe" - selbst heutzutage wird es noch als Mann+Frau gedacht; also auch ein Klischee? ;) ).
      @Efyriel
      Elfen sind seit jeher für mich kleine fiese (manchmal auch flatternde) Biester... Hmmm - hab wohl zu viel keltische Mythologie gelesen... :)
      "Mein Kopf entscheidet, er informiert mich dann nur davon" die Kuh Moobius aus Topologica

      "Jede hinreichend fortschrittliche Magie ist von Technologie nicht zu unterscheiden." L. N.
    • Ich würde in der Diskussion gern auf der kreativen Ebene weitermachen und an Óðinns Grundfrage bezüglich Abwechslungsreichtum und Merlins Gedanken zur Hilfestellung für Neulinge anschließen. Ob und wie gut das Brechen von Klischees funktioniert, hängt ja nicht nur vom Bastler der Welt ab, sondern auch von seiner "Leserschaft". Auch wenn einige "nur für sich" basteln, ist doch die kleinste gemeinsame Öffentlichkeit dieses Forum und auch beim Feedback zu Welten können sich die Forumsmitglieder nicht völlig von ihrem eigenen Hintergrund lösen. Einige kulturhistorische Betrachtungsweisen sind sehr tief in unserem Sprachgebrauch verankert, beispielsweise der "hohe Norden" (kalt) und der "tiefe Süden" (warm und exotisch). Lohnt es sich also, diese Klischees bewusst zu brechen? Aus meiner Sicht gibt es da drei spannende Blickwinkel, die ich mit Beispielen erläutern will: die historische Perspektive, bewusste Verkehrung ins Gegenteil und die Kraft der Assoziation.

      1. Die historische Perspektive

      Óðinn schrieb:

      In vielen Welten findet man immer wieder die selben Grundstrukturen. Irgendeine untergegangende Hochkultur als geschichtliche Grundlage [...]
      Wir leben in der Gegenwart, aber das tolle an fiktiven Welten ist, dass der Bastler absolute Kontrolle hat und Geschichte relativ wird. Die Gegenwart einer fiktiven Welt ist dort, wo der Bastler seine Welt gerade beschreibt (meine Fantasy-Welt hat vielleicht eine Sci-Fi-Zukunft? Mind: blown). Das heißt, dass die "untergegangene Hochkultur" auch eine mögliche Gegenwart ist. Zumeist bevorzugt ein Bastler aber eine bestimmte Gegenwart, weil sie das Setting ist, das er spannend findet. Die Hochkulturen gibt es meistens, weil jungsteinzeitliche oder bronzezeitliche Settings für viele nicht so spannend sind und die spätere Gegenwart glaubwürdiger wird, wenn sie auf einer längeren Historie aufsetzt. Man könnte aber auch einfach mehrere dominante Hochkulturen entstehen und untergehen lassen, um diese historische Textur zu erhalten. Das schöne an der Geschichte der Erde ist, dass man Schlüsselelemente auswählen und verändern kann. Was, wenn die Inkas Pferde gehabt hätten und die Spanier nicht? Was, wenn Karthago gegen Rom gewonnen hätte? Was, wenn China nach Westen expandiert wäre...?). Geschichte hat genug Spielraum, um Klischees zu vermeiden, wenn an den richtigen Schrauben gedreht wird.

      2. Das Gegenteil-Prinzip

      Amanita schrieb:

      [...] Übrigens habe ich auch eine Welt mit kaltem Süden und warmem Norden, das war aber keine bewusste Entscheidung, sondern hat sich in der Weltentwicklung so ergeben.
      Das geografische Selbstbild der Nordhalbkugel auf den Kopf zu stellen, liegt nahe, um von Klischees abzurücken und hilft vermutlich, sich auch selbst weniger an bekannten historischen Kategorien abzuarbeiten und andere logische Zusammenhänge zu entwickeln. Das muss dann aber auch passieren. Ein prominentes Beispiel von "auf den Kopf gestellt, aber immer noch dasselbe" ist das Rollenspiel DragonAge. Hier liegen die exotischen dampfenden Dschungel auf Inseln im Norden, das Rom/Byzanz-Äquivalent an der Nordspitze einer Halbinsel und die mitteleuropäisch/nordisch geprägten Kulturen im Süden kurz vor Taiga, Tundra und ewigem Eis:
      [IMG:http://static4.wikia.nocookie.net/__cb20110826013736/dragonage/de/images/2/21/Thedasmap_wallpaper_1600x1200.jpg]
      Wenn man also die Umkehrung von geografischen oder historischen Zusammenhängen und Beispielen nutzt, um sich selbst und seine Leser von Klischees loszumachen, muss man auch liefern. "Meine Ritter wohnen auf der Südhalbkugel" reicht nicht aus. Aber vielleicht wollten das die DragonAge-Macher auch gar nicht, siehe:

      3. Die Kraft der Assoziation
      Klischees sind (negative) Schemata und Schemata sind Teil unserer Wahrnehmung der Welt. Wir kategorisieren und assoziieren Dinge, damit wir sie besser einordnen können. Beim Basteln ist es daher empfehlenswert, den Zweck der eigenen Welt mitzudenken: Wenn jemals jemand anderes Zugang zu dieser Welt gewinnen soll und dieser Zugang wichtig ist, um ein weiteres Ziel zu erreichen (zum Beispiel die Welt zu bespielen oder Geschichten dort anzusiedeln), können Klischees auch helfen. Besonders prominent (mit allen Stärken und Schwächen) ist hier Das Schwarze Auge: Für den zentralen Kontinent Aventurien kopiert das Rollenspiel alle historischen Vorlagen, die nicht niet- und nagelfest sind und etikettiert sie um. Das geschieht oft eher unglücklich, aber der Vorteil liegt auf der Hand: Wenn die Spieler wissen, ob sie sich gerade in einem Renaissancesetting oder einer orientalischen Umgebung befinden, können sie ihre Handlungsoptionen leichter abschätzen. Der Spielleiter muss deutlich weniger Details erklären, weil die Spieler von vorneherein mit einer Wunderlampe Dschinns assoziieren können.

      Óðinn schrieb:

      Was haltet ihr übrigens von Mischungen bekannter Elemente? Ich meine z.B. die Reiter von Rohan, die ja einen deutlichen skandinavischen Einschlag haben, aber als Reitervolk eigentlich so ziemlich das Gegenteil und eher "mongolisch" sind. Um es etwas provokant zu formulieren: Ist das einfach ein billiger Trick oder eine gute Möglichkeit die Welt aufzupäppen? [...]
      Die Mischung von bekannte Kategorien funktioniert genauso, erlaubt aber natürlich mehr Nuancen. Ob und wie weit man diesen Kompromiss der Zugänglichkeit gehen möchte, ist freilich Geschmackssache. Am Ende hängt die Glaubwürdigkeit immer von der Bastelqualität ab.

      Klischees können am Ende also ein Werkzeug sein, man kann sie bewusst einsetzen oder bewusst brechen. "Bewusst" ist hier das Stichwort.
    • *huscht rein* Ich stöbere seit langer, langer Zeit mal wieder hier rum (Hallo an alle, die mich überhaupt hier noch kennen! :)), bin gerade auf diesen Thread gestoßen und muss jetzt hier mal kurz was zu sagen:

      Amanita schrieb:


      Meiner Meinung nach können Weltenbewohner so beispielsweise rassistisch sein wie "sie möchten", aber wenn sie damit recht haben, wird das zum Problem. Wenn es tatsächlich ein Volk von beispielsweise "östlichen Untermenschen" gibt, die keine Zivilisation kennen, dauernd blind morden und vergewaltigen und denen jede menschliche Regung fremd ist, dann sehe ich das als so ein "grob rassistisches Klischee." Wenn ein Volk so über ein anderes denkt, wobei der Bastler aber weiß, dass das nur die Einschätzung dieses Volkes ist, habe ich damit kein Problem, sonst müsste ich auch eins mit meiner eigenen Welt haben. ;)

      Da kann ich mich einfach nicht zurückhalten und muss mal fragen: Gibt es außer mir noch irgendjemanden, der bei dieser Beschreibung sofort "Orks" dachte? Ich meine der mit dem dauernd blind mordenden, zivilisationslosen und zu keiner menschlichen Regung fähigen Untermenschen ...
      Warum stört das da offenbar niemanden? Ich würde sagen: Weil es nämlich nicht so einfach ist, wie es auf den ersten Blick klingt - wenn man eine Welt hat, in der es Böse und Gute gibt, die gegeneinander kämpfen, dann dürfen die Bösen keine menschlichen Regungen mehr haben, sonst sind die Guten nicht mehr vollkommen gut, um es mal plakativ zu formulieren ...
      Aus diesem Grund stört mich persönlich das Gut-Böse-Klischee deutlich mehr als jede Elfe oder jedes an Mongolen oder nordamerikanische Indianer (genauer gesagt: Lakota, Comanche etc., da gab es ja auch ganz andere Lebensweisen), angelehnte Nomadenvolk. Weil es dazu führt, dass ganzen Völkern der freie Wille und die Möglichkeit, moralisch oder unmoralisch zu handeln, abgesprochen wird. Es dient nur dazu, es dem Spieler eines Rollenspiels oder dem Leser eines Romans leicht zu machen, als Held irgendwas abzumetzeln, ohne dass er darum Gewissensbisse haben muss. Und das nähert sich für mich provokant gesagt doch ein bisschen dem an, was in unserer Welt dazu führt, dass Völkermorde passieren. Es ist die gleiche Geisteshaltung, die die Kavallerie-Soldaten bei Wounded Knee antrieb, die Hutu dazu brachte, die Tutsi umzubringen und so weiter ...

      So, und jetzt noch zur Klarstellung: Ich will natürlich niemanden als Rassisten bezeichnen, der Orks in seiner Welt hat! Ich habe es nur sehr überspitzt formuliert, was mich an diesem Klischee so stört, dass ich es um jeden Preis vermeiden möchte. Vielleicht habt ihr ja auch eine gute Erklärung, warum es nicht in die Schiene laufen muss, in der ich das immer sehe? Ich lasse mich da sehr gerne von überzeugen, dann kann ich nämlich auch den Herrn der Ringe wieder mit mehr Genuss lesen/gucken ...
      I'm one of many, I speak for the rest, but I don't understand... (Genesis - Man Of Our Times)
    • Ich habe vor ein paar Jahren mal damit angefangen, eine Modern-Fantasy-Welt (also eine Fantasywelt mit Magie, aber auch mit moderner Technologie und Kultur) zu basteln, die ich Kanda nannte (das sollte das lirische Wort für "Welt" sein; Lirisch war das - nie ausgearbeitete - "Latein" dieser Welt). Kanda sah der Erfahrungswelt ziemlich ähnlich, es gab ein "Europa", ein "Mittelmeer" (das kreisrund war - ein riesiges Einschlagsbecken) usw. Da sieht man schon das Problem: alles war im Prinzip "so wie hier".

      Meine Konsequenz war, Kanda (von dem eh nur vage Skizzen existierten) mit einer Alternativwelt, der sog. "UKW-Welt" (nach dem United Kingdom of the Westlands) zusammenzulegen, die auf Eis lag, weil ich nicht so recht wusste, was ich damit anfangen sollte. Das Ergebnis ist Rosæ Crux, eine Modern-Fantasy-Welt, die die reale Geographie und bis ca. 500 n. Chr. auch überwiegend den realen Geschichtsablauf übernimmt. Diese Welt ist aber auch noch sehr skizzenhaft. Es gibt Elben und Zwerge, die aber "nur" Menschenvölker mit den entsprechenden Kulturen sind. Ich weiß noch nicht, ob ich überlebende Neandertaler als Orks und Trolle (die aber NICHT "von Natur aus böse" sind) reinnehmen soll, ich hatte sie zu Anfang drin, dann wieder rausgeschmissen, aber wenn ich Magie drin habe, kann ich doch auch mit Kryptozoologie kommen, oder nicht?

      Zweifellos sind da viele Dinge drin, die man vielleicht als "Klischee" bezeichnen kann, aber ich hoffe, diesen Dingen doch eine gewisse Eigenständigkeit abgewinnen zu können bzw. abgewonnen zu haben.
      ... brought to you by the Weeping Elf
    • Hallo :) Mein erster Beitrag hier ^^

      Óðinn schrieb:


      Eigentlich wäre es geographisch ja nicht schwer das ganze etwas umzugestalten, z.B. wenn man das ganze auf der Südhalbkugel ansiedelt. Meine Frage ist: wieso macht das keiner?
      Also meine Welt ist so konzipiert, dass sich die größte Bevölkerungsdichte am Äquator angesiedelt hat.

      Der rote Faden meiner Welt ist aber die nordische Mythologie ^^

      Insofern gibt es durchaus konträre Klischeebilder bei mir, aber, wie ich an deinem Beitrag sehe, auch scheinbar klassische, die mir selber gar nicht so aufgefallen sind. Zb die gefallene Hochkultur, die es bei mir auch gibt, sogar zwei davon. :-/

      Wobei es bei mir allerdings keine Unterteilung in Ost und West gibt. Nicht in dem klassischen Sinne, zumindest. Es gibt "Böse" im Westen, wie es auch "Gute" im Osten gibt, was ja wider des klassischen Ost-West Bildes sein dürfte.

      Aber, schon allein den klimatischen Bedingungen zugrundeliegend, habe ich natürlich Völker, die eher in Wäldern, eher in kalten oder gemäßigten Zonen und eher in Steppen/Wüsten leben. Und solche Völker ähneln natürlich in den Grundzügen jenen auf unserer Welt. Ich denke das ist weniger ein Klischee, sondern nicht vermeidbar.
      In der Wüste laufen halt eher gebräunte Menschen umher, die sich in weite weiße/schwarze Kleidung hüllen und nicht mit Pelzmänteln und wilden Bärten Äxte gegen Kakteen schwingen ^^
    • Ich glaub weil man das nicht gewohnt ist. Das ist genauso wie die Tatsache dass eigentlich alle Welten mindestens einen Mond wie unseren haben, obwohl Monde dieser Größe ein extremer Sonderfall sind. Aber wir sind es halt nun mal gewohnt dass ein großer Mond am Himmel steht, der durch Zufall genau so groß und so weit entfernt ist dass es Sonnenfinsternisse geben kann, da wird nicht wirklich drüber nachgedacht wie ungewöhnlich das überhaupt ist. Es gab das Gedankenspiel einmal warum Aliens die Erde besuchen sollten und eine Antwort drauf war: weil es bei uns Sonnenfinsternisse gibt, das ist astronomisch eine extreme Seltenheit und sicher eine Reise wert.

      Genauso mit der Nordhalbkugel. Wir sind es nun mal gewohnt dass die größten Landmassen auf der NHK sind und schon von Kindesbeinen an ist es im Norden immer kalt und im Süden immer warm. Eine Weltkarte wo es im Süden kalt und im Norden warm ist würde am Anfang erst mal seltsam wirken.
      Selbst wenn man sagt dass man außerhalb von Schubladen denkt, bestimmen immer noch die Schubladen das Denken. Erst wenn man sich bewusst ist dass die Schublade selbst nicht existiert kann man wirklich Neues erfinden

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