"Lowtech"-Kolonien

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • "Lowtech"-Kolonien

      Das große Zeitalter der Kolonien kam erst mit Spaniern und Portugiesen auf, die zu dem Zeitpunkt allerdings schon Feuerwaffen und Co hatten.... und umfasste zum einen den Kontakt mit den Hochkulturen Mittel- und Südamerikas, als auch später die Unterwerfung diverser kleiner (und großer) Stämme in Amerika und Afrika.

      Die Ersten, die in Amerika gelandet sind, waren aber die Wikinger.... Wie hätte wohl eine "Wikingerkolonie" ausgesehen, wenn diese sich dort hätten halten können? Oder Kolonien anderer mittelalterlicher Mächte?

      Zumindest die Hochkulturen in Mittel- und Südamerika wären imho wohl nicht unterworfen worden.... selbst wenn sie es geschafft hätten, Pferde auf den amerikanischen Kontinent zu schiffen...

      Aber abgesehen davon, wie sehr hätten sie sich wohl assimiliert, in welchem Ausmaß Indianerstämme unterworfen und wie stark wäre wohl die Kultur beider Seiten beeinflusst worden? Hätten sie es überhaupt schaffen können, sich auf einem anderen Kontinent festzusetzen? (Die kurzzeitige Präsenz der Europäer in der Levant während der Kreuzzüge war ja nur durch die relative Nähe zum Mutterland bzw. Byzanz sowie durch die innere Uneinigkeit der Araber möglich... Chinas Expansion mit den Schatzschiffen hätte wohl etwas anders ausgesehen, wenn sie das Projekt nicht abgebrochen hätten...)

      Und was für Vorraussetzungen sind überhaupt nötig, um Kolonien zu gründen? Ein großer, geeinter Staat? Bevölkerungsüberschüsse? Soziale/Religiöse Randgruppen, die gegebenenfalls auswandern würden? Bündnisse mit Staaten auf dem Weg, die als Versorgungsposten dienen? Gründung von Versorgungsposten auf dem Weg? Lukrative Ressourcen im zu kolonisierenden Land?

      Ich hoffe, ihr könnt mir hier weiterhelfen ;)
      Es gibt Straßen, denen du nicht folgen, und Städte, die du nicht belagern darfst. - Sun Tzu, Die Kunst des Krieges
    • Naja, dass Spanier und Portugiesen als erste Kolonien hatten, stimmt so aber nicht. Die Griechen haben im großen Stil an der gesamten Mittelmeerküste Kolonien gehabt und die Wikingerkolonie(n) in Amerika haben sich auch recht lange gehalten. Mal ganz davon abgesehen, dass sich die Wikingerkolonien auf Island ja nun auch sehr lange gehalten haben. Also wenn du bei den Griechen und Wikingerkolonisation guckst, solltest du schon recht genaue Vorstellungen von so einer Low-Tech Kolonie haben.

      Also ich denke, dass die Hauptvorraussetzung ist, dass es im Zielgebiet genug und so geartete Ressourcen gibt, dass man sich selbst versorgen kann. Bei den Griechen waren es eben diese internen politischen Konflikte, wobei manche auch Überpopulation vermuten, wahrscheinlich ist beides nicht falsch. Bei den Wikingern waren es wohl vor allem Versorgungsprobleme, aber im Falle von Erik dem Roten auch politische.
    • Ich dachte eher an die "klassischen" Kolonien... Griechenland und Phönizien erfüllen dieses Schema nur sehr unzureichend, da deren Kolonien ja keinesfalls abhängig vom "Mutterland" bzw. von der "Mutterstadt" waren... und genausowenig eine Erweiterung von deren Staatsgebiet darstellten.

      Was die Wikinigerkolonie betrifft, so hat sich diese in Amerika meines Wissens nach kaum länger als eine Generation gehalten. Und Island fällt meiner Meinung nach genausowenig unter "klassische Kolonie", wie es England, die Normandie oder Süditalien waren.... Selbst die Kreuzfahrerstaaten entsprechen kaum den Kriterien einer "klassischen" Kolonie...
      Es gibt Straßen, denen du nicht folgen, und Städte, die du nicht belagern darfst. - Sun Tzu, Die Kunst des Krieges
    • Bei den Römern, Kelten und einigen anderen Völkern der Antike war die Gründung einer Kolonie eine Art unblutiges Menschenopfer. Reinhard Schmöckel vermutet, dass dieser Brauch schon bei den Ur-Indoeuropäern bestand und maßgeblich zur Ausbreitung der indoeuropäischen Sprachfamilie beitrug. Demnach sind wir alle Nachkommen Geopferter!
      ... brought to you by the Weeping Elf
    • Ich weiß jetzt nicht ganz was du unter einer "klassichen" Kolonie meinst... die wenigsten Kolonien waren vom Mutterland abhängig, eigentlich ist es im Normalfall eher andersrum: das Mutterland ist von den Kolonien zu einem gewissen Teil abhängig, sei es durch Versorgung mit Rohstoffen oder mit Luxusgütern. Das ist ja normalerweise der Grund dafür dass man eine Kolonie gründet... man will etwas aus der Kolonie haben was das Mutterland nicht oder nicht ausreichend hat. Wenn man es so definiert sind die griechischen und römischen Kolonien genauso "klassisch" wie die britischen. Was nicht drunter fällt sind die nordischen Kolonien, weil die im Normalfall nicht gegründet wurden um an Waren zu kommen.


      Aber aus geographischer Sicht (Push-Pull-Modell) braucht man Faktoren im Mutterland die für ein Auswandern sprechen und Faktoren am Zielort die für eine Wanderung da hin sprechen. Das sind eigentlich die einzigen Grundvoraussetzungen, neben einem gewissen Zusammengehörigkeitsgefühl damit man nicht sein eigenes Ding durchzieht, sondern sich zum Mutterland gehörig fühlt.

      Faktoren fürs Auswandern sind:
      Überbevölkerung, politische und religiöse Gründe, Unzufriedenheit mit dem sozialen System, und, und, und...

      Faktoren fürs Einwandern sind:
      Wieder das Sozialsystem, Aufstiegschancen, Abenteuerlust... und, und, und...
      Selbst wenn man sagt dass man außerhalb von Schubladen denkt, bestimmen immer noch die Schubladen das Denken. Erst wenn man sich bewusst ist dass die Schublade selbst nicht existiert kann man wirklich Neues erfinden

      INDEX DER THREADS ZU LHANND
    • Unter einer "klassischen" Kolonie verstehe ich eine Kolonie, wie sie zwischen dem 15. und dem 20. Jahrhundert auftraten, dh.:
      • Politisch und militärisch abhängig vom Mutterland
      • Besitzt meist irgendeine Art von Ressourcen, die im Mutterland wertvoll/begehrt/benötigt sind
      • Hat eine mehr oder minder große Distanz zum Mutterland
      • Verschafft dem Mutterland ein gewisses Prestige
      • Wurde schon zuvor besiedelt, die Eroberer müssen sich nun mit Eingeborenen beschäftigen
      • etc.


      Und ganz abgesehen davon frage ich nicht nur nach den historischen Gegebenheiten, sondern auch, wie ein solches Szenario in einer fiktiven Welt ablaufen würde und wie sich Kolonien auf eine mittelalterliche Kultur auswirken würden ;)
      Es gibt Straßen, denen du nicht folgen, und Städte, die du nicht belagern darfst. - Sun Tzu, Die Kunst des Krieges
    • Ich würde sagen, dass solche Kolonien es wesentlich schwerer hätten gerade zum Anfang. Die Waffentechnik der Kolonialmacht wäre dann ja nicht so sehr überlegen, und bei Reibereien zwischen Ureinwohnern und Konolisten, die meiner Meinung nach zwangsweise irgendwann auftreten, wären die Ureinwohner auch schnell in der Lage die Kolonisten ins Meer zu jagen. Nachschub an Mensch und Material wäre auch langsamer zur Stelle, da die Hochsee-Schiffahrt im Mittelalter allgemein weniger fortgeschritten war.
      Es wäre also sehr wichtig was für einen Umgang beide Parteien mit Fremden im Allgemeinen pflegen, aber das wäre ja den Weltenbastler zu überlassen. Wie das im "Mutterstaat" aufgenommen wäre ist glaub ich jeweils von der Kolonie und den Ureinwohnern abhängig. Fruchtbares Land mit friedlichen Ureinwohnern die ein Tricks im Überleben in der ungewohnten umgebung beibringen oder unwirkliche Einöde mit feindseligen "Barbaren"?
      Im ersten Fall würden sicher so mancher gerne einen Neuanfang versuchen, wenn der zuständige Graf, Vogt, oder was auch immer das in dem Feudalsystem zulässt. Grade wenn es z.B. sowas wie große Pestseuchen im Mutterland gibt, oder langanhaltende/häufige Kriege.
      Im zweiten Fall würde wohl kaum jemand hinwollen, und die Kolonie verfällt bald wieder. Oder es wird sowas wie eine Strafkolonie.
      Let there be fog
      And let there be monsters
      And fantastic sights to all
      Who follow you

      - Svan, Njall's Saga -
    • Fafnir schrieb:

      Und was für Voraussetzungen sind überhaupt nötig, um Kolonien zu gründen?
      Eine genügend große Motivation (dringend benötigte Ressource, Vertreibung unliebsamer Zeitgenossen, Prestigegewinn, "göttlicher Auftrag", Flucht vor massiv lebensbedrohender Situation, etc.) ist stets eine Voraussetzung. Ein geeinter Staat hingegen nicht. Auch Überbevölkerung keineswegs. Versorgungsposten auf dem Weg sind sicherlich hilfreich, könnten aber auch im Nachhinein errichtet werden, wenn höherer Warentransport notwendig würde.
      Im Zielgebiet bedarf es genügend Platz, dass sich etwaige Einwohner von den Neuzugängen nicht bedrängt fühlen. Ebenso ausreichend Ressourcen, damit sich a) die Kolonie mit ihren mitgebrachten Mitteln (z.B. Werkzeuge) zu versorgen + halten vermag, und b) sich die Kolonisten und Ureinwohner nicht ins Gehege kommen.
      Ohne den Vorteil einer weit überlegenen militärischen Ausrüstung verlangt es weit mehr diplomatisches Fingerspitzengefühl, damit die Kolonie im fremden Gebiet über lange Zeiträume toleriert wird. Denn die bisherigen Einwohner werden mit großer Wahrscheinlichkeit deutlich in der Übermacht sein + die Option weitere Kräfte aus dem Inland zu organisieren. So dies gelingt, man also offener und toleranter aufeinander zugeht, käme es imho automatisch zu einem stärkeren beiderseitigen kulturellen Austausch.
      Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht doch hinter dir her sind! (Frei nach Terry Pratchett)

      Damokles-Sternenring - meine kleine Galaxie
      Rollenspiel-Anekdoten
    • Im Zielgebiet bedarf es genügend Platz, dass sich etwaige Einwohner von den Neuzugängen nicht bedrängt fühlen.
      Oder das Zielgebiet ist so klein, dass es nur wenige Einwohner von den Kolonisten relativ einfach unterdrückt/besiegt/zahlenmäßig über troffen werden können. Zum Beispiel kleine Inseln oder Oasen oder so.
      Let there be fog
      And let there be monsters
      And fantastic sights to all
      Who follow you

      - Svan, Njall's Saga -
    • Wenn man sich eingehender mit Kolonien beschäftigt (oder auch einfach mal in den Wikipediaartikel guckt), stellt man fest, dass es die "klassische" Kolonie in dem Sinne eigentlich gar nicht gibt. Vielmehr gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Kolonietypen. Das was Fafnir unter "klassische" Kolonie versteht, ist ein ziemlicher Spezialfall und trifft selbst in der Kolonialzeit nur auf wenige Kolonien zu. Am ehesten trifft wohl die Herrschaftskolonie den Kern Fafnirs (wirtschaftliche Ausbeutung, Prestigegewinn). Dieser Kolonietyp hat sich aber entweder nur eine Zeit lang gehalten oder ist in andere Kolonietypen übergegangen, sodass zwar viele Kolonien als Herschaftskolonie begonnen haben, aber am Ende zu einem anderen Kolonietyp, wie der Siedlungskolonie, wurden.

      Dazu hier mal die Kolonietypen in Kürze:
      Herrschaftskolonie - Ziel dieser Kolonie waren, wie oben schon erwähnt die wirtschaftliche Ausbeutung und der Prestigegewinn. Die Kolonisten blieben dort nicht auf Dauer sondern waren immer nur zeitweise dort stationiert.
      Stützpunktkolonie - Dieser Kolonietyp wurde etabliert, um von dort aus weitere Länder militärisch oder wirtschaftlich zu "erschließen". Vor allem Kaufmannsunternehmen wurden hier gegründet.
      Siedlungskolonie - Viele Kolonisten sind ausgezogen, um in Kolonien zu siedeln. Durch die Entfernung zum Mutterland etablierten sich hier oft eigene Regierungen und führten dadurch auch oft zu Problemen mit dem Mutterland. In vielen Fällen (z. B. Neuengland) mündete das schließlich in einer Loslösung der Kolonie vom Mutterland.
      Strafkolonie - Im Gegensatz zu Herschaftskolonien steigerten Strafkolonien natürlich nicht das Prestige, sondern waren Militärbasen, die lediglich dazu dienten, Straftäter zu verwalten. Die Straftäter selbst mussten sich selbst versorgen und durften i.d.R. keine Waffen besitzen.

      Die Kolonien sind meistens Mischungen aus mehreren Kolonietypen gewesen und haben sich im Laufe der Zeit auch gewandelt. Übertragen auf das Thema dieser Diskussion können Kolonien weniger entwickelter Kulturen nur dann etabliert werden, wenn niemand Anspruch auf das Land erhebt, der militärisch überlegen ist. Ansonsten dürfte der Unterschied zu den Kolonien der Kolonialzeit IMHO nicht viel anders sein.

      Fafnir schrieb:

      Und was für Vorraussetzungen sind überhaupt nötig, um Kolonien zu gründen?
      Um Kolonien zu gründen sind unterschiedliche Vorraussetzungen nötig, je nach Kolonietyp. Für die Herrschaftskolonie ist definitiv nötig, dass sich das Land als Nation versteht, die mit anderen Nationen konkurriert. Politische Verflechtungen sind nötig, damit ein gewisser Austausch stattfindet, wodurch überhaupt der Gedanke an Prestige etabliert werden kann. Stützpunktkolonien werden mit dem Gedanken gegründet, zu expandieren und dadurch vor allem in finanzieller Hinsicht stärker zu werden (das heißt nicht, dass das auch funktioniert). Es muss also die Absicht der Eroberung bestehen, ohne gleich komplett übernehmen zu wollen. Hier spielt vor allem auch eine Rolle, inwieweit sich die kolonisierende Kultur als besser gegenüber bereits bestehenden Kulturen vor Ort empfindet.

      Ein großer, geeinter Staat? Bevölkerungsüberschüsse? Soziale/Religiöse Randgruppen, die gegebenenfalls auswandern würden? Bündnisse mit Staaten auf dem Weg, die als Versorgungsposten dienen? Gründung von Versorgungsposten auf dem Weg? Lukrative Ressourcen im zu kolonisierenden Land?
      Wenn es um Herrschaftskolonien geht, ist nichts von den aufgezählten Dingen nötig. Das Land kann verhältnismäßig klein sein, wie die Niederlande. Bevölkerungsüberschüsse gab es zu beginn der Kolonisation nicht. Durch Hungersnöte, Seuchen und Kriege waren die Europäer zu der Zeit gut dezimiert. Randgruppen haben die Kolonien zwar zur Auswanderung genutzt, aber erst spät, da die Kolonien und entsprechende Unternehmen erst bestehen mussten, um eine Überfahrt zu ermöglichen. Bündnisse mit außereuropäischen Ländern waren während der Kolonialzeit eher selten, da allein schon die Basis aufgrund der Überheblichkeit der Europäer fehlte. Je nach Entfernung war auch die Frage nach Versorgungsposten nicht nötig, außerdem handelt es sich dabei dann meistens um Stützpunktkolonien und sind damit auch nichts anderes als Kolonien. Viel zu holen gab es bei den meisten Kolonien jedenfalls nicht, sie kosteten sogar oft deutlich mehr als sie einbrachten. Die einzige deutsche Kolonie, die Gewinn erwirtschaftete, war die Goldküste.
      -10,5 23 ∑ π
    • @Heinrich: Dass Kolonien mehr kosteten, als sie einbrachten, traf zwar definitiv auf die dt. Kolonienen zu, aber sicher nicht auf Kolonien wie Indien, die Molusken (Gewürzinseln), westindische Inseln oder die spanischen Kolonien in Süd und Mittelamerika (es sei denn, man betrachtet die Abwertung der spanischen Währung durch übermäßige Silberimporte als Verlust ;) )
      Wieviel Kolonien wie Kanada, die 13 Kolonien der Ostküste oder Frz. Indochina einbrachten weiß ich leider nicht... Und Australien, Ägypten, Südafrika u.ä. fallen ja, wie von dir richtig bemerkt, unter einen ganz anderen "Typ" von Kolonie....
      Es gibt Straßen, denen du nicht folgen, und Städte, die du nicht belagern darfst. - Sun Tzu, Die Kunst des Krieges
    • Benutzer online 1

      1 Besucher