Lebensthemen verbasteln

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    • Lebensthemen verbasteln

      Ich hab neulich über ein privates Problem nachgedacht und hatte die verblüffende Erkenntnis, dass ich fast die selbe Frage auch schon als ein Grundthema issoyanischer Philosophie formuliert hatte. Nun hab ich das nicht bewusst so gebastelt, aber ich denke immer mal wieder nach, was das Weltenbasteln für mich persönlich bedeutet - und bin mir da recht sicher, dass ich meine Welten manchmal wie einen Spiegel verwende, in den ich blicke, um mich selbst zu erkennen, in der einen oder anderen Weise, oder um mich generell mit Fragen, die mich sonst auch beschäftigen (z.B. ästhetische oder moralische) auseinanderzusetzen.

      Nun will ich mal in die Runde fragen:

      - Habt ihr bestimmte Aspekte eurer Welt, wo ihr euch erinnern könnt, sie im Zusammenhang mit Lebensabschnitten oder Fragestellungen aus dem Alltag gebastelt zu haben?
      - Gibt es Aspekte eurer Welt, wo ihr sagt, "ja, die Person, die ich damals war, hat das so gebastelt, heute würde das gar nicht mehr zu mir passen"? (Also abgesehen davon, einfach mehr Fachwissen zu haben und Fehler zu vermeiden.)
      - Baut ihr vielleicht manchmal ein Thema bewusst ein, weil es gerade Wichtigkeit im Leben erlangt hat?
      - Spiegeln Geschichten Aspekte eures Lebens wider?
      - Wenn ja, habt ihr das Gefühl, das ihr was mittels Basteln gelernt habt?

      Das sind natürlich eher ins Private gehende Fragen; da hab ich manchmal das Gefühl, dass es im Forum zu kurz kommt, aber natürlich kann man sich ja auch zurückhalten, mag ja nicht jeder öffentlich privat sein und so. Ich schmeiß den Post jetzt mal hin und muss dann vllt selber erst mal nachdenken.^^
      Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable. / / / You're forcing your norms on everyone else: You are normal. I am a freak: I will make you freak out.

    • Ich bastel nahezu ausschließlich so. Deshalb bin ich auch seit fast drei Jahren dabei, ohne viel veröffentlicht zu haben. Das meiste ist mir zu privat (gut, der Faktor Faulheit spielt auch eine große Rolle). Ich habe mich ja erst vor ein paar Monaten dazugezwungen überhaupt etwas von meiner Welt hier zu posten. Den Aufruf mal mehr über private Gedanken in seinen Welten zu schreiben finde ich sehr gut, denn da liegen 99% meiner Basteleien. Hier erzähle ich ja meistens nur über verrückte Universenideen. Gerade im letzten dreiviertel Jahr habe ich einen ganz neuen Blick auf meine Genderidentität und Sexualität erhalten und das spiegelt sich maßgeblich in meinen Basteleien wieder. Jedoch fühle ich mich nicht wohl hier über Sexualität zu schreiben, zum einen weil ich selbst relativ prüde bin, zum anderen weil ich wenige andere Bastler dazu basteln sehe. Logan und Hans stellen da die Ausnahme dar.

      Beispiele vom Lebensthemen verbasteln:
      -Aktuell bin ich nicht mehr so einsam wie vor zwei Jahren und deshalb habe ich auch nicht mehr an der "Zukunftstadt mit Portalen" gebastelt. Das ist sogar ziemlich direkt aus meinem Alltag gewesen. Alleine in einem Raum sitzen und Portal spielen.
      -Dafür bin ich oft recht selbstkritisch. Was ich vor kurzem wohl recht absurd und lustig fand, da ich eine Stadt (Zutaling) umgebastelt habe, damit sie nicht mehr von Feinden, sondern von ihren eigenen Bürgern belagert wird. Die belagern die Stadt, damit sie, falls sie tatsächlich mal von Feinden belagert werden sollten, darauf vorbereitet sind.

      Ich möchte hier auch den "Weltenbasteln als Therapie" Thread verlinken.
      Danke für den Thread Jundurg.
      Menschen sind großartig. Wir alle haben unterschiedliche Eigenschaften, Fähigkeiten und Schmerzen. Wir sollten von einander lernen und uns gegenseitig helfen, damit jeder Mensch großartig sein kann.
    • Ist auf jeden Fall eine interessante Fragestellung.

      Ich bastel nicht unbedingt so, dass ich gewisse Aspekte meines Lebens in meine Welten verarbeite. Einzig reale Personen, die ich auf meinem Lebensweg getroffen habe, sind oft Vorbilder für irgendwelche Charaktere in meinen Welten. Und es gibt natürlich sehr viele Dinge auf Gaia oder anderen Welten, zu denen Jundurgs Aussage "Ja, die Person, die ich damals war, hat das so gebastelt, heute würde das gar nicht mehr zu mir passen." passt. Allerdings sind gerade auf Gaia viele dieser Aspekte entfernt worden. Wenn ich Gaia jetzt mit dem Gaia von damals vergleiche, habe ich zwei unterschiedliche Welten mit zwei vollkommen unterschiedlichen Bastelarten. Sowas nennt man halt einfach auch Entwicklung. Eine Weltenevolution sozusagen.

      Ich hatte mal mit einer Traumwelt begonnen, die ich aus der Sicht eines Mädchens geschrieben hatte, die von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht wurde. Damals hatte ich relativ frisch mit einem Ereignis zu kämpfen gehabt, das mein Leben per se stark beeinflusst hat. In diese Traumwelt sind viele meiner Kindheitserinnerungen mit eingeflossen, doch irgendwann hatte ich den Punkt erreicht, an dem ich nichts mehr dazu schreiben konnte. Das lag vor allem daran, dass ich die meiste Zeit dann nur noch verheult vor dem Rechner saß und einfach keinen Satz mehr zu Ende gebracht hatte, weil mich die ganze Thematik einfach vollkommen fertig gemacht hat. Das war damals eine interessante, wenn auch verstörende Erfahrung. Wahrscheinlich auch ein Grund, warum ich nicht mehr tiefgreifende psychologische Themen in meinen Welten diskutiere.

      Ist zwar jetzt nicht so direkt Weltenbasteln, aber es passt von der Thematik in die Richtung: Einst hatte ich auch mal damit begonnen Horror-Kurzgeschichten im Stil von Clive Barkers "Hellraiser" zu schreiben und dabei die Hauptcharaktere durch Personen darzustellen, die mich in diese Phase meines Lebens einfach ankotzten. Es war im Gunde nichts anderes als eine virtuelle Abrechnung mit diesen Personen. Ein verbaler Amoklauf. Mein gewünschter Effekt war Abreagieren. Einfach mit diesen Personen abschließen. Aber irgendwie war der reelle Effekt genau das Gegenteil. Ich regte mich nur noch mehr über diese Personen auf und spürte immer mehr Wut im Bauch. Deswegen schreibe ich auch keine solchen Geschichten mehr.

      Effektiv ist der Einfluss den meine Realität auf meine Welten hat ein recht zerstörerischer, weswegen ich eben - bis auf wenige Ausnahmen - solche Aspekte nicht bebastel. Stattdessen sind viele meiner Welten einfach eher ein "Idealzustand" - BITTE NICHT FALSCH VERSTEHEN!!
      Gaia ist für mich zum Beispiel einfach die Überlegung, wie eine bunte, exotische und coole Sci-Fantasy-Welt aussehen könnte. Und bei Cimorra ist es ein ähnlicher Gedanke. Auch in meinen Nebenprojekten gibt es keine solche Psychospiele mehr. Selbst bei "Rememberance", was ja doch einen recht düsteren, wohl auch psychologischen Aspekt hat, habe ich auf eine private Note verzichtet, um eben diese Welt für mich nicht zu verderben.
      "Barbarism is the true nature of mankind. Civilisation is unnatural!" - Conan
      "Das ist KEIN Müll! Das ist MEINE WELT!" - Rilli
      Gaia | Cimorra | Brainfarts
      Deviant Art | Logan's Fantastische Welten

    • Das klingt echt heftig, was du beschreibst, Logan. In einer solch drastischen Form hatte ich das wohl noch nicht.

      Es war im Gunde nichts anderes als eine virtuelle Abrechnung mit diesen Personen. Ein verbaler Amoklauf. Mein gewünschter Effekt war Abreagieren.

      Ich glaube, dass das prinzipiell schon geht, sich mit solchen Konflikten auf eine Weise auseinandersetzen, die nicht nur eine Verstärkung der Wut ist - aber das erfordert dann halt echt schon eine Menge emotionale Arbeit, und das kriegt man alleine vielleicht nicht so hin.

      Ich würde das aber eigentlich auch so nicht machen wollen - also Menschen, die ich nicht mag, extra noch wo einbauen. Das würde ja eben bedeuten, sie in ihrer Unart anzunehmen. Meine Welten sollen ja doch auch irgendwie gedanklicher Rückzugsort bleiben können.

      Was ich mir eher vorstellen kann, ist, Aspekte von mir selbst, mit denen ich weniger gut klarkomme, extra wo einzubauen - denn die hole ich mir ja nicht herein, die sind ja schon da, und man kann sie vllt dann besser verstehen oder aus einer anderen Perspektive betrachten. Da muss ich mal wieder was in die Richtung versuchen...

      Effektiv ist der Einfluss den meine Realität auf meine Welten hat ein recht zerstörerischer, weswegen ich eben - bis auf wenige Ausnahmen - solche Aspekte nicht bebastel.


      *Spitzfindigkeit on*

      Genaugenommen ist das ja auch ein Effekt, den die Realität hat - eben die bewusste Entscheidung, sie draußenzuhalten, und etwas anders zu machen. :thumbup:

      *Spitzfindigkeit off*

      Dafür bin ich oft recht selbstkritisch. Was ich vor kurzem wohl recht absurd und lustig fand, da ich eine Stadt (Zutaling) umgebastelt habe, damit sie nicht mehr von Feinden, sondern von ihren eigenen Bürgern belagert wird. Die belagern die Stadt, damit sie, falls sie tatsächlich mal von Feinden belagert werden sollten, darauf vorbereitet sind.

      Hm, klingt nach einer logischen Metaffer.^^ In diesem Sinn hat selbstkritisch sein ja eh was Positives. Es müssen halt die Bürger auch schlau genug sein, zwischen den Sachen, die man angreifen kann (Türme) und denen, die man eher in Ruhe lässt (Wohnhäuser?) zu unterscheiden. ;)

      - - -

      Was mich selber betrifft, so hab ich mir vorgenommen, mir einfach mal anzusehen, was ich eigentlich wann so hauptsächlich gebastelt habe.

      Bei der Magietheorie ist mir das sehr klar - das kommt unmittelbar aus meiner langwierigen Auseinandersetzung mit diversen Weltbildern, beginnend mit Radikalem Konstruktivismus, Multiversentheorien (konkret fällt mir da Terry Pratchetts "Johnny and the bomb" ein), Klarträumen (für das Praktische), Okkultismus, Chaosmagie (woraus ich am Anfang ne Menge übernommen hab). Und als sich mein Weltbild dann doch noch mal ziemlich radikal verändert hat, blieb vieles davon erst einmal irgendwie im leeren Raum hängen. Eine zeitlang hab ich damit gerungen, dass ich Sachen, an die ich mal tatsächlich geglaubt hab, nochmal als Fiktion re-gebastelt hab. Das kann etwas verwirrend sein. :meh: Inzwischen geht's aber. Ich kann aber immer noch das Vorhaben nicht loslassen, im Grunde etwas zu basteln, an das ich auch glauben könnte, das zumindest mit meinem jeweiligen Wissensstand zu Geistesphilosophie/Psychologie kompatibel ist.

      Ich hab aber immer noch leichte Schwierigkeiten, offen zuzugeben, was ich mal für ein esoterischer Spinner war.^^ Vllt auch, weil ich's in manchen Dingen noch bin? ;D

      Was Ngiana betrifft, das ist ja eine Welt, deren Wurzeln in meiner Kinderzeit liegt, und da bin ich immer mal wieder dran interessiert, in alten Sachen herumzuwühlen. Zu versuchen, mich in mein früheres, mein siebenjähriges Ich hineinzuversetzen, ist nicht immer so leicht. Bei manchen Themen, die da auftauchen, habe ich aber das Gefühl, dass da noch "ein cooles Gefühl" dahintersteckt, das irgendwann quasi verschütt gegangen ist, darum würde ich das eben gerne wieder in die neu-gebastelte Welt übernehmen, und vllt rauskriegen, um was es eigentlich geht. Tendentiell könnten so tieferliegende Schichten ja auch eine tolle Bastelmotivation sein, weil sich dann plötzlich ungeahnte Querverbindungen auftun, andere Perspektiven, usw.
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    • Ich habe bislang noch keine konkreten Lebenssituationen verbastelt (obwohl: eine lebensgeschichtlich eher unbedeutende Episode aus meinem Leben hat mich mal zu einer Kurzgeschichte inspiriert, die aber nie fertig wurde), aber meine Basteleien reflektieren meine Sichtweise auf das Leben, das Universum und den ganzen Rest. So entwerfe ich im Globaler-Frühling-Projekt eine Zukunft, die ich für lebens- und erstrebenswert halte, und die Elben auf dem Elbenpfad sind ein Spiegelbild meiner persönlichen Philosophie und Glaubenshaltung.
      ... brought to you by the Weeping Elf
    • Bei Silaris bringe ich bisher nicht bewusst irgendwelche Aspekte aus meinem Leben ein. Unterbewusst wird sicher einiges beeinflusst, aber das kann ich nicht benennen, weil es halt unterbewusst ist. Na gut, ein paar Kleinigkeiten manchmal schon, so wie Professoren, die sich beim Anblick der Prüfungsergebnisse über die immer dümmer und fauler werdenden Studenten aufregen. :dozier:
      Ansonsten schreibe ich zu dem Zweck aber lieber Geschichten, die in der realen Welt spielen und wo es natürlich keinerlei Ähnlichkeiten zu lebenden Personen gibt. ;) Wobei das auch in ganz seltsame Richtungen gehen kann. Beim letzten Mal, wo ich das gemacht habe, wurde aus der verhassten Person, die vergiftet wurde ein Protagonist und der Geliebte der Erzählerin. Da ist dann also eher die reale Situation der Ausgangspunkt, an dem sich meine Fantasie dann weiterhangelt.
      In Silaris verarbeite ich auch so einiges aus dem politischen Weltgeschehen, aber meistens nicht ganz aktuell. Trump wird dort in absehbarer Zeit sicher nicht auftauchen, die Silaris-Bürger haben so schon genug Probleme.
    • Also, meine Welt hat schon einige sehr persönliche Aspkete, obwohl ich konkrete eigene Erlebnisse nur wenig oder nur als nebensächliche Details einbaue. Ich würde meine Bastelei eher so wie WeepingElf einschätzen, in dem Sinne, dass ich damit eine persönliche Philosophie entwickle und verusche, teils positive Beispiele zu entwerfen, teils Dinge satirisch zu kritisieren.

      Da sich meine Sicht auf manche Dinge im Laufe der Zeit geändert hat, gibt es auch einige Dinge, die sich auf Sapphiria geändert haben:

      Ein Beispiel dafür wäre, dass ich mal einen Nebencharakter in meiner Welt geschrieben habe, den ich mittlerweile als schlechten Witz auf Kosten von Trans- und Intersexuellen einschätzen würde. Heute würde ich die ursprüngliche Beschreibung höchstens jemandem mit entsprechenden Vorurteilen in den Mund legen.
      Eine zweite Änderung wäre, dass ich Internet-Selbstjustiz mit "Hacktivisten", Trollen und Ähnlichem mittlerweile wesentlich kritischer gegenüberstehe. Entsprechend hat sich auch das Bild der durch sie inspirierten Personen und Parteien geändert.

      Tö. schrieb:

      Ich bastel nahezu ausschließlich so. Deshalb bin ich auch seit fast drei Jahren dabei, ohne viel veröffentlicht zu haben. Das meiste ist mir zu privat (gut, der Faktor Faulheit spielt auch eine große Rolle). Ich habe mich ja erst vor ein paar Monaten dazugezwungen überhaupt etwas von meiner Welt hier zu posten. Den Aufruf mal mehr über private Gedanken in seinen Welten zu schreiben finde ich sehr gut, denn da liegen 99% meiner Basteleien. Hier erzähle ich ja meistens nur über verrückte Universenideen. Gerade im letzten dreiviertel Jahr habe ich einen ganz neuen Blick auf meine Genderidentität und Sexualität erhalten und das spiegelt sich maßgeblich in meinen Basteleien wieder. Jedoch fühle ich mich nicht wohl hier über Sexualität zu schreiben, zum einen weil ich selbst relativ prüde bin, zum anderen weil ich wenige andere Bastler dazu basteln sehe. Logan und Hans stellen da die Ausnahme dar.

      Hmm... Mir geht es irgendwie ähnlich, dass ich vieles meiner Welt nicht veröffentlicht habe, weil sich dort persönliche Gedanken und Gefühle zu Sexualität und Erotik offenbaren würden. Auch wenn ich bisher noch nicht direkt darüber geschrieben habe, waren solche Dinge schon von Anfang an ein Thema auf Sapphiria.
      Trotzdem sind die wenigen Dinge, die ich über die Sexualität meiner Weltenbewohner veröffentlicht habe, allesamt solche, die man recht schnell als einfache Kuriositäten abtun kann.
      Vielleicht schreibe ich demnächst mal mehr dazu.
      "Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen."
      - Douglas Adams, "Das Restaurant am Ende des Universums"

    • Logan schrieb:

      und dabei die Hauptcharaktere durch Personen darzustellen, die mich in diese Phase meines Lebens einfach ankotzten. Es war im Gunde nichts anderes als eine virtuelle Abrechnung mit diesen Personen. Ein verbaler Amoklauf. Mein gewünschter Effekt war Abreagieren. Einfach mit diesen Personen abschließen.
      Als sich die mobbingähnliche Struktur auf meiner Arbeit immer stärker abzeichnete, verfiel ich in eine regelrechte Schreibwut. Die erste Version meiner Gegendarstellung wurde dadurch elf Seiten stark! (Nicht mitgerechnet die Anhänge. %-) ) Es half über die Wochen ein wenig meine Gedanken zu ordnen, die z.T. doch recht konfus waren. Ich muss gestehen, eine solche schriftstellerische Abrechnung übt gerade durchaus einen gewissen Reiz auf mich aus. :diablo:


      Jundurg schrieb:

      Ich hab aber immer noch leichte Schwierigkeiten, offen zuzugeben, was ich mal für ein esoterischer Spinner war.^^ Vllt auch, weil ich's in manchen Dingen noch bin? ;D
      Das kenne ich bei mir ebenfalls nur zu gut. :nick:


      PolliMatrix schrieb:

      Hmm... Mir geht es irgendwie ähnlich, dass ich vieles meiner Welt nicht veröffentlicht habe, weil sich dort persönliche Gedanken und Gefühle zu Sexualität und Erotik offenbaren würden. Auch wenn ich bisher noch nicht direkt darüber geschrieben habe, waren solche Dinge schon von Anfang an ein Thema auf Sapphiria.
      Ich begann mal vor 2 Jahren etwas in der Art zu schreiben, recherchierte dafür sogar mehrere Wochen, beendete die Geschichte aber nie. :autsch: Vielleicht ist es mal Zeit, das alte Manuskript + die Notizen wieder hervor zu holen. :hmm:
      Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht doch hinter dir her sind! (Frei nach Terry Pratchett)

      Meine Welten und Geschichten
      Rollenspiel-Anekdoten
    • Das ist ein sehr interessantes Thema, weil man über diese Fragestellung
      so doch von sich aus gar nie nachdenkt. Dass die Gefühle und gewisse
      Charakterzüge der Weltenbastler/Autoren in ihre Schöpfungen einfliesst,
      ist ja schon fast logisch. Aber alles darüber hinaus ist entweder
      unbewusst und man setzt seine Ideen eher nach technischen Möglichkeiten
      um. Oder es ist bewusst eingebaut und damit eine eigenart dieser Welt,
      da 99% der anderen dieses bewusste Einbauen von Gefühlen oder
      persönlichen Erlebnissen nicht kennen.

      Ich habe mir gerade das erste Mal Gedanken darüber gemacht und komme für mich persönlich zu folgenden Schlüssen:

      Jundurg schrieb:

      Nun will ich mal in die Runde fragen:

      1. Habt ihr bestimmte Aspekte eurer Welt, wo ihr euch erinnern könnt, sie im Zusammenhang mit Lebensabschnitten oder Fragestellungen aus dem Alltag gebastelt zu haben?
      2. Gibt es Aspekte eurer Welt, wo ihr sagt, "ja, die Person, die ich damals war, hat das so gebastelt, heute würde das gar nicht mehr zu mir passen"? (Also abgesehen davon, einfach mehr Fachwissen zu haben und Fehler zu vermeiden.)
      3. Baut ihr vielleicht manchmal ein Thema bewusst ein, weil es gerade Wichtigkeit im Leben erlangt hat?
      4. Spiegeln Geschichten Aspekte eures Lebens wider?
      5. Wenn ja, habt ihr das Gefühl, das ihr was mittels Basteln gelernt habt?
      1.) Nein, so direkt kenne ich das nicht. Aber, dass Emotionen meine Entscheidungen massiv beeinflussen, ist mir schon länger bewusst. Beispielsweise wenn ich gerade an geschichtlichen Daten einzelner Völker arbeite dann agiert ein Volk in einer aggressiven Diktatur vielleicht seinen Nachbarn gegenüber kriegerischer, wenn ich schlecht drauf bin, als wenn ich gute Laune habe.
      Ich hoffe es ist ungefähr klar, was ich meine.

      2.) Ja definitiv. Die Anfangszeit meines Universums erinnert z.B. sehr an das alte Testament der Bibel. Dort hat sich einfach alles gegenseitig zerlegt oder wenn es friedliche Lösungen gab, dann nur mit starken Befestigungen. In jüngeren Jahren war es also zwangsläufig, dass meine Bewohner eine starke Armee hatten. Mit fortschreitendem Alter werden die Entscheidungen komplexer, da ja auch das Fachwissen wächst. Daher ist gerade die politische Situation viel komplexer geworden und ich frage mich machmal ob die Anfangszeit meines Universums nicht eher ein anderes Universum ist, als das wie es aktuell ist. Aber schlecht muss das ja nicht sein. Die reale Menschheitsgeschichte hat schliesslich auch sehr primitiv angefangen und sich dann weiterentwickelt. Also ist meine geistige Entwicklung auch nur "Evolution" und damit menschlich :thumbup:

      3.) Manchmal baue ich reale Situationen aus dem Weltgeschehen (Politik, Wirtschaft, Gesellschaftsentwicklungen etc) ein, falls es meine Konstellation erlaubt und es im Universum Sinn macht. So, dass ich mir Gedanken machen muss, was für Konsequenzen diese Situation hat und wie ein Problem ggf. zu lösen ist.
      Das ist vor allem dann nützlich wenn man gerade eine kreative Pause (Schreibblockade) hat. Aus dem realen Weltgeschehen und der echten Geschichte unserer Erde kann man so Unmengen an Ideen holen, die die eigene Welt dann weiter verändern. Vielleicht sogar entscheidend, obwohl man sich das am Anfang nicht vorstgestellt hat.

      4.) Nein, und wenn ja, dann nicht bewusst.

      5.) Siehe Punkt 3. Aber aus meinen eigenen Erfahrungen und Erlebnissen eher nicht, nein.
    • keeper1992 schrieb:

      Manchmal baue ich reale Situationen aus dem Weltgeschehen (Politik, Wirtschaft, Gesellschaftsentwicklungen etc) ein, falls es meine Konstellation erlaubt und es im Universum Sinn macht.

      Mir geht es im Moment gerade umgekehrt: Meine Welt ist ja in weiten Teilen eine magische Parallelwelt zu unserer Realität. Dort hat es in den späten 1960er-Jahren in den USA einen neofaschistischen Putsch gegeben, weil gewisse Kreise wegen des zunehmenden Einflusses von Bürgerrechtsbewegungen in Panik geraten sind. Das Ganze hat in eine reaktionäre Phase und schließlich in einen Bürgerkrieg geführt, in den auch andere Völker hineingezogen worden sind (den Großen Amerikanischen Zwergenkrieg, 1981-1987) und dessen Folgen bis heute spürbar sind. Diesen Aspekt meiner Welt habe ich so vor vier, fünf Jahren gebastelt, damals ohne jeden bewussten Bezug zu irgendwelchen realen Vorkommnissen.

      Angesichts der aktuellen Entwicklung in der realen Welt fange ich allmählich an, an meine prophetische Gabe zu glauben und hoffe gleichzeitig, dass sich die Realität nicht allzu genau an meine gebastelte Vorlage hält. :(