[Myroth] Syns Weltreise

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    Vom 7.-8. März 2020 findet der WELTENWerker Konvent in Gießen statt. Wenn wir bei der Veranstaltung Workshops, Vorträge etc. anbieten wollen, müssten wir diese bis spätestens zum 15. Januar anmelden. Wer mitplanen möchte und konkrete Vorschläge hat, ist eingeladen, sich im Planungsthread zu melden.

    • [Myroth] Syns Weltreise

      Ich habe mir gedacht ich schreibe mal sowas wie einen Beschreibungstext zu meiner Weltkarte. Also zu den Landschaften und ein par allgemeinen Infos zu anderen Sachen. Vielleicht ist es für andere interessant zu lesen, für mich ist es eine gute Hilfe um Details auszuarbeiten.

      Dazu lasse ich Syn, die Tochter Magera So´Dans über die Karte fliegen und erzählen was sie so sieht. Der Vollständigkeit halber: Sie ist eine Wechselgängerin die sich zwischen Elfen und Drachengestalt verwandeln kann, Reisende und Kartographin, und trägt den Titel Wachsdrache.

      Hier der Link zur Karte

      Syn startet links oben. Weil das der Flecken der Karte ist mit dem ich ebenfalls angefangen habe.

      Was den Schreibstil angeht, keine Ahnung, ist einfach unterm Schreiben so entstanden.
      ____

      Spoiler anzeigen

      Mein Name ist Syn, und man nennt mich
      den Wachsdrachen. Lange ist es her seit dem mein Vater mich wieder
      auf Streifzug schickte. Ich genieße es in meiner Drachengestallt
      durch die Lüfte zu gleiten. Ich genieße die kühlen Winde und die
      endlose Landschaft die unter mir liegt. Was gibt es schöneres für
      eine Kartografin als die Welt mit den Augen eines Drachen zu sehen?

      Um meine Reise so lange wie möglich
      auszukosten beginne ich meine Aufzeichnungen im entferntesten Winkel
      des Kontinents. Dem Kap Karazar. Ich nähere mich ihm vom offenen
      Meer her und die Winde laden mich dazu ein tiefer zu fliegen. Hier,
      wo der Skanische Ozean beginnt, türmen sich die Wellen unglaublich
      hoch. Die Gischt, die sie emporschleudern, trifft meine Flügel. Es
      ist wundervoll!

      Der Skanische Ozean breitet sich zu
      meiner Linken mit seinem dunklen Wasser aus. Weit in der Ferne kann
      ich die immerwährende Sturmfront nur erahnen, selbst mit meinen
      scharfen Drachenaugen. Doch das interessiert mich jetzt nicht. Das
      Land ist es dem ich meine Aufmerksamkeit widmen will. Vor mir liegen
      die ersten namenlosen Inseln an der Spitze Karazars. Sie bestehen nur
      aus Eis und schroffem Fels. Falls es hier irgendeine Art von Fauna
      gibt muss sie sich in Höhlen und Felsspalten verstecken. Die raue
      See und die Kälte erlauben hier kein Leben im Freien.


      Was mochte der Altdrache Karazar einst
      gedacht haben als er dieses Land, als erster seiner Art, fand und ihm
      seinen Namen gab? Als er tagelang den Skanischen Ozean überquerte um
      schlussendlich diese von Eis überdeckten Felsmassen zu finden? Für
      mich wäre es eine herbe Enttäuschung nach einer beschwerlichen
      Reise hier zu landen, doch Karazar und seinen Nachkommen schien es
      hier wohl zu gefallen.

      *

      Ich erreiche bald das Festland des
      Kaps. Die ersten Berge erheben sich hier aus dem kalten Meer. Das
      Gelände ist schroff und ich sehe keinen ebenen Flecken. Dort wo der
      Fels nackt ist, ist er von Wind, Eis und Salz zerfressen. Zwischen
      den Bergen verstecken sich Fjorde und Kanäle voller Eisschollen. Es
      ist ein wahrlich ungastlicher Ort, doch für manche dürfte diese
      raue Seite der Natur höchst inspirierend sein. Meine Schwester Skoen
      sollte sich diesen Flecken mal ansehen.

      Bald überfliege ich das Inland
      Karazars. Noch immer besteht die Landschaft unter mir aus Fels, doch
      sind es nun wahrlich große Gebirge über denen ich dahingleite. Die
      Länder der Feurigen werden sie genannt. Ein Name für den mein Vater
      nur ein müdes Lächeln übrig hätte. Ich sollte achtgeben solange
      ich hier bin sagte er. Diese schneebedeckten Berge sind die Heimat
      von Drachen. Echten Drachen, und dazu noch sehr alten. Zum Glück
      sind es keine Verwandten von mir. Tief in den Bergen hausen sie und
      kümmern sich nur selten um das was in der restlichen Welt geschieht.


      Diese Gegend ist vielleicht der beste
      Ort um Teil der Welt zu sein, und sie gleichzeitig zu ignorieren. Die
      Massen an Schnee und Eis, die sich um die Berge um mich herum
      schmiegen, würden selbst erfahrenste Wanderer abschrecken. Nur
      Drachen können sich hier wohl fühlen.


      Meine Neugier übermannt mich und ich
      fliege gen Norden. Wenn ich schon im Land der Feurigen bin, dann muss
      ich einen Ort unbedingt sehen. Einen Berg der selbst in den ältesten
      Karten meines Vaters eingezeichnet ist. Der Kalte Wind lässt mich
      auf meinem Flug erschauern, als würde er mir raten fern zu bleiben.
      Ich schüttle meine Unsicherheit ab und ziehe weiter. Als ich mein
      Ziel erreiche belohnen mich die Wolken über mir. Sie brechen auf und
      die Sonne strahlt auf mein Ziel herab. Die Drachenkrone. Die steilen
      Hänge dieses Berges strahlen im Licht der Sonne. Mehrere Gipfel
      ragen hoch empor und bilden die Krone. Könnte ich bloß landen um
      dieses Bild länger in mich aufzunehmen!

      In den Tiefen dieses Berges schlummern
      die Feurigen. Drei mächtige Drachen, selbsternannte Götter und
      gefürchtete Tyrannen aus alter Zeit. Reagzar, Dorendazar und
      Grakazar. Sie sind natürlich nicht die Einzigen hier, doch ihre
      Herrschaft ist absolut. Nördlich der Drachenkrone begrüßt mich
      wieder der Skanische Ozean mit seinem dunklen Wasser. Es dauert nicht
      lange bis mich eine Warnung erreicht. In der stillen Bergwelt ist sie
      unmöglich zu überhören. Es ist das Brüllen eines Drachen, und ein
      Zeichen für mich weiter zu ziehen.


      Ein Eindringling sollte wissen wann er
      sich zu verabschieden hat, also lege ich mich in den Wind und fliege
      nach Osten.

      *

      Karazars Küste zieht unter mir dahin,
      während die Wellen mit dem Eis spielen. Riesige Schollen werden von
      den Gezeiten umhergetragen, und manchmal sogar aufeinander geschoben.
      Als der Wind stärker wird erkenne ich dass ich mein nächstes Ziel
      erreicht habe. Eine langgezogene, freie, Fläche zieht sich von der
      Küste bis tief ins Landesinnere. Sie zerschneidet die umliegenden
      Gebirge und erlaubt es dem Wind mit ganzer Kraft hindurchzuwehen. Es
      fröstelt mich selbst in meiner Drachengestallt als ich mir eine
      Windströmung suche und auf ihr meine Reise fortsetze.


      Die Drachen nennen den hiesigen Wind
      Dakar, und so bekam auch dieser Landstrich den Namen Varen Dakar, der
      Weg des Immerwinds. Auch wenn gerade kein Schnee fällt, glitzert es
      hier in der Luft. Der Dakar hebt nämlich ununterbrochen
      Schneeflocken und Eisstückchen vom Boden auf und lässt sie im
      Sonnenlicht tanzen. Ein Schauspiel das seinesgleichen sucht! Ich
      schnappe nach den Eisstückchen und freue mich wie ein Kind.

      Varen Dakar stellt die Grenze zwischen
      den zwei großen Gebirgen Karazars da. Den Ländern der Feurigen und
      den Glühenden Bergen. Die Strömung trägt mich mit Leichtigkeit so
      dass ich die Reise genießen kann. Der Weg des Immerwinds
      durchschneidet Karazar fast vollständig. Nur an seinem südlichen
      Ende wird er von einigen Bergen blockiert. Diese bilden eine Brücke
      zwischen den großen Gebirgen und schützen das dahinterliegende
      Gebiet vor dem Dakar.

      *

      Während ich
      diese Berge überwinde, und von Varen Dakar Abschied nehme, steigt in
      mir bereits wieder die Vorfreude auf das was mich erwartet. Von
      weitem erblicke ich etwas dass ich auf meiner bisherigen Reise
      vermisste, Bäume. Der Wald von Kjialdar. Einst war dies die Heimat
      des weisen Drachen Kjialdar, eines der ersten Drachen die mein Vater
      kennenlernte. Die Bäume hier sind beinahe ganzjährig in Frost
      gehüllt, und doch leben sie.

      Eine Stille liegt über dem Wald. Vögel
      und Nagetiere leben hier, doch sie schonen ihre Kräfte und
      verursachen keinen Lärm. Die Sonne gewährt mir ein weiteres Mal
      einen wundervollen Anblick. Ihr Licht trifft auf die vereisten
      Blätter und Stämme und lässt sie glitzern. Ein zauberhaftes Bild.
      Ich kann nicht anders, hier muss ich landen.

      Die Bäume stehen nicht besonders dicht
      beieinander, und es gibt nur wenig Unterholz. Ich finde einen
      perfekten Landeplatz und wirble zum Spaß etwas Schnee auf. Ein
      weißer Vogel beobachtet von einem gefrorenen Ast aus. Meine
      Anwesenheit erschrickt ihn gar nicht, ob das an der Ruhe dieses Ortes
      liegt? Für die Fauna Karazars muss der Wald von Kjialdar wohl ein
      Ort der Erholung sein, wo es keinen Grund gibt ängstlich zu sein.


      Ein letztes Mal schlage ich mit den
      Flügeln und sinke gen Boden. Ich verwandle mich in meine
      Adesegestallt, und statt Krallen berühren Füße den weichen Schnee.
      Der Vogel zwitschert und wechselt auf einen anderen Ast. Angst hatte
      er noch immer nicht, aber so etwas sah man wohl selbst in
      Drachengebiet nicht oft. Ich spüre die Sonne auf meiner Elfischen
      Haut intensiver als auf den Schuppen des Drachenkörpers zuvor, doch
      der kalte Schnee zwischen meinen Zehen erinnert mich an etwas. Als
      Wechselgänger sollte man auf Reisen nie vergessen Kleidung
      mitzunehmen, ich habe es vergessen.



      Das wird noch lange weitergeführt. Würde mich freuen eure Eindrücke zu erfahren.
      Und auserwählt wurde Dafuggi, um zu herrschen auf ewig, als König der Wollratten, denn er war flauschig.
    • Hier kommt noch ein bisschen. Es schließt direkt an den vorherigen Text an.

      Spoiler anzeigen



      Ich beschließe noch etwas zu bleiben und den Wald zu
      erkunden. Um mich herum wirken der Schnee und das Eis nahezu unberührt. Hin und
      wieder raschelt es irgendwo in den Bäumen wenn ein kleines Tier vorbei huscht.
      Auch der weiße Vogel begleitet mich und beobachtet interessiert den
      Neuankömmling. Je weiter ich den Wald nach Norden hin durchquere desto steiler
      wird der Weg. Die Glühenden Berge ragen bald über den Baumwipfeln auf.


      Durch puren Zufall entdecke ich eine Felsspalte dort wo Wald
      und Gebirge aufeinandertreffen. Der Stein wirkt teilweise behauen, als hätte
      jemand den Durchgang mit Werkzeug erweitert. Neugierig taste ich mich am Felsen
      entlang. Von draußen gelangt noch genügend Licht herein damit ich mich umsehen
      kann. Nach einigen Schritten gelange ich in eine kleine Höhle in die von Oben
      etwas Licht hereinfällt.


      Hier hatte einst jemand gelebt. Ich entdecke die alten
      Überreste eines Lagerfeuers und etwas Holz. Darüber hinaus finde ich leider
      nichts Nennenswertes. Es muss bereits viel Zeit vergangen sein seitdem der
      Bewohner des Lagers es verließ. Gerade als ich mich dazu entscheide zu gehen
      bleibt mein Blick an einem eigenartigen Haufen hängen. Eis und Schutt haben
      irgendetwas unter sich begraben. Ich kniehe mich hin und beginne mit meinen
      Händen zu graben. Etwas Spitzes lugt aus dem Schutt hervor.


      Einige Augenblicke später halte ich nicht nur das Horn,
      sondern auch den Schädel zu dem es gehört in Händen. Der Knochen ist verwittert
      und beschädigt, aber man kann noch vieles erkennen. Ein länglicher massiver
      Schädel, der in zwei gebogene Hörner ausläuft. Auf der Nasenspitze befindet sich
      ebenfalls ein kleineres Horn. Die leeren Augenhöhlen starren mich an ohne mir
      ihre Geschichte zu verraten. Dies war der Schädel eines Draganers.


      Die Draganer sind ein drachenähnliches Volk. Kein Wunder,
      wurden sie doch der Sage nach einst von Reagzar, einem der Feurigen,
      erschaffen. Genauer gesagt erschuf er den Urvater dieses Volkes, Kagorus.
      Anders als Drachen besitzen Draganer keine Flügel und laufen auf zwei Beinen.
      Sie sind große, grobschlächtige, Kreaturen die die Feurigen als Götter
      verehren. Mich würde es sehr interessieren lebendige Draganer zu sehen wenn ich
      über die Gühenden Berge fliege.


      Ich lege den Schädel wieder in seine Ruhestätte und ziehe
      mich zurück. Dieser Ort sieht eigentlich nicht aus wie ein Grab, und die
      Schäden an den Knochen lassen darauf schließen dass der Draganer nicht
      friedlich starb. Als ich wieder durch den sonnenbeschienenen Wald gehe erinnere
      ich mich wieder an eine Geschichte die mir mein Vater erzählte. Kjialdar, der
      Herr über diesen Ort, war zwar auch ein Drache, aber kein Freund der Feurigen.
      Letztere hatten sogar recht viele Feinde unter ihresgleichen. Die Draganer
      hingegen waren schon immer treue Diener Reagzars. Als Anhänger der Feurigen in
      das Gebiet eines verfeindeten Drachen einzudringen war wahrscheinlich ein Fehler
      der den Draganer in der Felsspalte mit seinem Leben bezahlte.


      Ich weiß nicht ob Kjialdar seinerseits noch lebt. Deshalb
      entschließe ich mich weiter zu ziehen. So sehr es mich auch interessieren würde
      ihn zu sehen, ein Treffen mit einem derart alten Drachen könnte unangenehm
      werden.


      *


      Meine Drachengestallt verleiht mir wieder Flügel und ich
      erhebe mich in die Lüfte. Hoch über dem Wald von Kjialdar blicke ich nochmals
      in alle Richtungen. Weit im Westen sieht man einen Streifen vereistes Land, die
      Einsame Küste. Sie liegt im Süden der Länder der Feurigen und bildet dort den
      Übergang zum Meer. Die Drachen gaben ihr diesen Namen wohl zu Recht. Außer Schnee
      und Eis gibt es dort nichts.


      Ein Stück weiter liegt eine langgezogene Insel vor der
      Küste. Argund. Der unermüdliche Wind des Meeres weht über das flache Land dieses
      Ortes. Es ist unmöglich zu sagen wo hier das Festland aufhört und die
      Eisschollen anfangen. Bis auf einige Seevögel lebt dort soweit ich weiß nichts.
      Für mich gibt es auf Argund nichts interessantes, also fliege ich weiter nach
      Nord-Osten, über die Glühenden Berge.


      *


      Starke Windböen tragen mich über das Gebirge. Soweit das
      Auge reicht breiten sich schneebedeckte Gipfel aus. Hier verbinden die
      Glühenden Berge das Kap Karazar mit Myroths Kontinent. Die Sonne scheint, und
      hier und da erkennt man woher diese Gegend ihren Namen hat. Hier vermischt sich
      an vielen Stellen der übliche graue Fels mit rötlichem Gestein. Dort wo der
      Fels zu steil ist um von Schnee bedeckt zu werden, oder wo ihn der Wind frei
      weht, dort sieht man den roten Stein. Und wenn dann, wie heute, die Sonne
      draufscheint, erstrahlen die Berge in glühendem Rot. Das umliegende Weis des
      Schnees bildet einen hübschen Kontrast dazu. Eine wahrlich malerische
      Landschaft.


      Ich erfreue mich der schönen Farben und verlangsame meinen
      Flug. Es gibt hier noch etwas anderes zu sehen, nur finden muss man es. Die
      Glühenden Berge sind die Heimat der Draganer, und hier irgendwo muss eine ihrer
      Festungen sein. Die meisten Draganer halten es wie die Drachen, die sie
      verehren, sie leben in Höhlen und Kammern innerhalb der Berge. Doch manche
      dieser Stätten wurden im Laufe der Zeit immer größer und breiteten sich auch
      außerhalb des Berges aus.


      Unter einem der rötlichen Gipfel entdecke ich was ich suche.
      An einem eher flachen Hangabschnitt erheben sich große Wälle gen Himmel. Sie
      bilden einen einfachen, aber massiven Ring. Das ist die Festung Bursor. Ich sinke
      etwas tiefer um einen besseren Blick auf das Geschehen dort zu erhaschen. Die
      Gebäude sind alle aus grauem Stein, teilweise direkt aus dem Berg gehauen. Ich
      schätze dass ich nur einen Bruchteil der Siedlung sehe und der Rest innerhalb
      des Berges verborgen liegt.


      Nun erkenne ich auch einzelne Bewohner. Es sind gar nicht
      mal so wenige unterwegs, wohl um die angenehmen Sonnenstunden auszunutzen.
      Draganer sind zwar keine Kaltblüter, aber sie mögen die Wärme der Sonne. So wie
      ich selbst ja auch. Bullige Krieger stehen auf den Wällen und beobachten mich
      von unten. Was sie wohl denken? Sie tragen massive Lanzen und Äxte als Waffen. In
      meiner Adesegestallt könnte ich die wahrscheinlich gar nicht erst heben. Die
      über zwei Meter hohen Draganer scheinen damit jedoch keine Probleme zu haben. Im
      Innenbereich der Festung sehen Arbeiter zu mir auf. Ich entdecke Schmiede,
      Gerber und Steinmetze bei der Arbeit. Mich würde es interessieren welche Tiere
      hier in dieser eisigen Berglandschaft für die Ledergewinnung genutzt werden. Leider
      kann ich aus dieser Höhe nicht viele Einzelheiten erkennen, und auch nicht ob
      es sich bei den Arbeitern um Frauen oder Männer handelt. Die Draganer scheinen
      allesamt groß, muskulös und gehörnt zu sein.


      In meiner Drachengestallt könnte ich es mir vielleicht sogar
      leisten bei ihnen zu landen. Aber da ich weder ihre Sprache, noch ihre
      Gepflogenheiten kenne lasse ich das lieber sein. Sollen sie doch denken ich
      wäre ein Anhänger der Feurigen und auf der Durchreise. Ich entschließe mich die
      Glühenden Berge noch etwas länger zu bestaunen und ziehe daher nach Norden
      weiter.


      *


      Und auserwählt wurde Dafuggi, um zu herrschen auf ewig, als König der Wollratten, denn er war flauschig.
    • Weiter gehts. Falls ich auf irgendwas mehr eingehen soll bitte ich um Kritik ;)

      Spoiler anzeigen

      Der Wind trägt mich mit seiner Kraft immer weiter. Hier und da erblicke ich Stellen im Gebirge wo das schöne Rot durchscheint. Die Berge ziehen unter mir dahin wie die Wellen eines steinernen Meeres. Je weiter ich in den Norden komme desto stärker werden die Windströmungen und zwingen mich niedriger zu fliegen. Ich halte mich zwischen den Gipfeln und nutze Schluchten zu meinem Vorteil.

      Durch das Pfeifen des Windes glaube ich etwas zu hören. Ich versuche mich genauer darauf zu konzentrieren aber es gelingt mir nicht. Ohne den guten Hörsinn meiner Drachengestalt hätte ich es wohl gar nicht erst bemerkt. Ich drehe einige Kreise in der Luft und lausche, da ist doch was. Es kratzt nur andeutungsweise an meinem Gehör, aber es ist eindeutig da. Unter mir liegen in einer breiten Schlucht einige schneefreie Felsen. Ich entschließe mich zu landen und der Sache auf den Grund zu gehen. An einer geschützten Stelle setze ich auf den Boden auf und blicke mich um. Die Schlucht ist tief und führt zwischen den Bergen hindurch. Es ist leicht möglich das sie irgendwo noch viel weiter in die Tiefe führt.

      Da ist es wieder. Ich lege meinen Kopf auf den Boden und konzentriere mich. Irgendwas ist unter der Erde und macht diese Geräusche. Sie klingen wie regelmäßige Schläge eines großen Werkzeugs. Was es tatsächlich ist kann ich mir nicht vorstellen, aber wer seine Urheber sind sehr wohl. Vater erzählte mir Geschichten über ein Volk das versteckt unter diesen Bergen lebt. Er nannte sie die Akhtul Kyren. Sie sollen kleine sehnige Kreaturen mit spitzen Ohren und grünlicher Haut sein. Leider habe ich bis heute nicht einmal eine Zeichnung von ihnen gesehen. Welch Wunder sie wohl tief unter mir verstecken? Sie sollen begnadete Handwerker und Forscher sein, und durch ihre Erfindungen diesem harten Lebensraum trotzen. Vater sagte die Akhtul währen ursprünglich Seefahrer gewesen die vor langer Zeit an der Küste im Norden ankamen, nur um gleich darauf von den Drachen versklavt zu werden. Der Begriff Kyren war das Drachenwort für Sklave.

      Ich folge vorsichtig der Schlucht und lausche ob ich dem Geräusch näher komme. Viele Kyren mussten damals für die Drachen arbeiten und dienten als niedere Handlanger. Über die Jahrhunderte hinweg gelang es wohl einigen zu entkommen und sich im Schutze der Berge eine neue Heimat zu erschaffen. Irgendwo unter meinen Drachenklauen muss sich die Kyrenstadt Taszes verstecken. Ein Hort des Wissens und der Sicherheit. Weiter im Osten liegt demnach das große Ikiptur, ebenfalls verborgen vor der Oberfläche.

      Nach einem großzügigen Spaziergang durch die Schlucht finde ich eine kleine Spalte in der Felswand. Meine Ohren verraten mir dass dahinter ein Tunnel nach unten führt. Unschlüssig schaue ich in die Dunkelheit. Es wäre schon sehr interessant das Reich der Akhtulzu erforschen. Aber in meiner Drachengestalt ist das nicht möglich, und als nackte Elfe wäre es auch nicht gerade ein angenehmer Ausflug. Ich muss gerade einen lustigen Eindruck erwecken, ein frustriert grummelnder Drache der vor einer Felswand hockt. Wie eine Katze vor dem Mäuseloch.

      Nun gut. Ich versuche mir die Stelle zu merken um sie ein anderes mal zu erkunden. Ein Drache ist hier ohnehin sicher kein gern gesehener Gast. Ich schlendere durch die Schlucht zurück und präge mir alles ein. Die Glühenden Berge besitzen hier nur sehr wenig des roten Steins. Als ich mich in die Luft erhebe muss ich aufpassen nicht gegen die Felswände geweht zu werden, selbst ein Drache kann zum Spielball der Winde werden.

      *

      Mein Weg führt mich weiter in den Norden, und bald sehe ich meinen guten Freund, den Skanischen Ozean wieder. Die Wellen scheinen mir jedes Mal zuzuwinken wenn ich mich in die Nähe dieses Ozeans begebe. Eine große Halbinsel streckt sich hier vom Kontinent ins dunkle Wasser. Man nennt sie die Wyvernfaust. Berge und kahler Fels überdecken sie und bilden einen natürlichen Schutz gegen die Stürme des Skanischen Ozeans.

      Ich drehe weite Kreise und beobachte was unter mir vor sich geht. Man hört das Kreischen der namensgebenden Bewohner, der Wyvern. Sie sind weit entfernte Verwandte der Drachen, doch sind sie einfachen Tieren viel näher als ihren hochintelligenten Verwandten. Sie haben mich natürlich bemerkt und halten sich von mir fern. Sie sind weit kleiner als ein Drache, aber dennoch groß genug um z.B. Ziegen zu jagen. Zwischen den Felsen kann ich große Nester erkennen. Es scheint eine raue, aber sichere, Kinderstube hier auf der Wyvernfaustzu sein.

      Als ich bemerke dass einige der Eltern nervös werden und den Abstand zu mir verringern, drehe ich ab und lasse sie in Ruhe. Dies war die letzte Stelle die man noch zum Kap Karazar zählte, jetzt kann ich mich aufmachen um den Kontinent zu erkunden.

      *
    • Hey, diese tolle Geschichte ist mir damals wohl durch die Lappen gegangen... Ich mag den Stil der Erzählung. Irgendwie fantastisch. Ich hab die ganze Zeit im Hinterkopf, dass das Land doch sicher viel zu groß ist, um einmal so überflogen zu werden, aber die Reise wirkt trotzdem so schön malerisch wie ein Spaziergang. :)
      Du hast um Kritik gebeten, wenn du auf etwas genauer eingehen sollst: Geh doch bitte genauer auf den Rest des Kontinentes ein. :D
      (Und falls du magst vielleicht auch ein bisschen auf die Erzählerin und ihre Familie. Oder gibt's dazu schon eine Geschichte?)
    • Mittlerweile hab ich ein bisschen mehr anzubieten :)


      Nikedah schrieb:

      Hey, diese tolle Geschichte ist mir damals wohl durch die Lappen gegangen... Ich mag den Stil der Erzählung. Irgendwie fantastisch. Ich hab die ganze Zeit im Hinterkopf, dass das Land doch sicher viel zu groß ist, um einmal so überflogen zu werden, aber die Reise wirkt trotzdem so schön malerisch wie ein Spaziergang. :)
      Du hast um Kritik gebeten, wenn du auf etwas genauer eingehen sollst: Geh doch bitte genauer auf den Rest des Kontinentes ein. :D
      (Und falls du magst vielleicht auch ein bisschen auf die Erzählerin und ihre Familie. Oder gibt's dazu schon eine Geschichte?)
      Ihr Wunsch ist mir Befehl^^ Ich habe ohnehin vor mich durch den ganzen Kontinent zu arbeiten. Unten im Spoiler gehts auch schon los damit. Ich versuche die Reise relativ langsam weitergehen zu lassen, damit ich mehr Details unterbringen kann.

      Ich halte es mit Absicht so das ich manche Zusammenhänge zwischen den Personen usw nicht genau beleuchte, damit genug für eigene Texte bleibt. Über Syn und ihre Familie könnte ich aber gerne mal eine Zusammenfassung schreiben. In meinem Kopf sind sie auch schon in Geschichten verwickelt, aber bis ich die geschrieben habe dauert es sicher noch.

      Spoiler anzeigen



      Ich schlage einen weiten Bogen von der Küste im Norden bis in den Osten des Landesinneren. Die für mich typische Vorfreude steigt in mir hoch. Auf mich wartet ein Gebiet in dem ich so einige an interessanten Orten finden werde.

      Die Glühenden Berge begleiten mich noch ein gutes Stück meines Weges. Für mich wird es zu einem lustigen Zeitvertreib nach Flecken des roten Felsens Ausschau zu halten. Je weiter ich nach Osten gelange desto niedriger werden die Berggipfel. Ich lasse mich in ein langgezogenes Tal herab und gleite dahin. Die Glühenden Berge liegen nun zu meiner Rechten und zu meiner Linken erscheinen die imposanten Ausläufer des Sturmgebirges. Dieses Felsmassiv wirkt schon von weitem beeindruckend. Obwohl es viel an Schnee und Eis hat, sieht es grau und streng aus. Es scheint so aus als ob jederzeit einer der namensgebenden Stürme heraufziehen könnte. Ich muss mich schütteln um das Kältegefühl welches dieses Gebirge in mir weckt los zu werden. Zum Glück führt mich mein Weg in andere Gefilde.

      Ich folge dem langen Talweg und nutze wie gewohnt die Strömungen des Windes. In der Sprache der Oger des Sturmgebirges heißt diese Gegend Asgun gol Morra, der Weg ans Meer. Da Darator, das Reich der Oger, sehr alt ist, konnte ich in der Sammlung meines Vaters so einiges darüber erfahren. Asgun gol Morra war lange Zeit der einfachste Weg für die Oger des westlichen Sturmgebirges um ans Meer zu gelangen. Auf dieser Route konnten sie sich viele Tage an beschwerlichem Marsch übers Gebirge ersparen. Anscheinend ist ihnen dieser Weg nun schon längere Zeit zu gefährlich. Zwischen den Ogern und den Draganern herrschte schon immer Streit. Sie bekämpfen sich immer wieder und dass seit Jahrtausenden. Asgun gol Morra ist dabei zu einem Teil einer natürlichen Grenze geworden. So wie er die zwei Gebirge voneinander trennt, so trennt er auch die Draganer von Darator.

      In dieser kargen Gegend sehe ich aus der Luft nur vereinzelt Bäume zwischen den Felsen stehen. Die wenigen die sich hier gegen Eis und Kälte behaupten können sehen dick und knorrig aus. Hin und wieder erkenne ich einige Wyvern in der Luft. Sie scheinen hier ihre Jagdgründe zu haben und nach etwas essbarem Ausschau zu halten. Viel Glück, bringt etwas Leckeres mit zurück in die Kinderstube.


      *


      Das Tal führt mich zu einem Ort der so wohl kein zweites Mal existiert. Ein Wald, besser gesagt ein toter Wald. Man nennt ihn Tumran. Bereits aus der Luft lässt sich erkennen, dass hier die meisten Bäume verkohlt sind. Eigenartig in einem so kalten Landstrich. Es hängen nahezu keine Blätter an den schwarzen Ästen. Sie wirken als würden sie mit knorrigen Händen in die Luft greifen. Meine Drachensinne verraten mir, dass hier wo der Wald steht, die Temperatur etwas höher ist. Auch wenn mich ein beklemmendes Gefühl festhält seitdem ich hier bin kann ich nicht anders als hier zu landen. Dieser Wald ist einzigartig und muss erkundet werden.

      Einen Flügelschlag später landen meine Elfenfüße auf dem Felsgestein. Der Boden hier ist nur an einigen Flecken mit Schnee bedeckt. Hier und da sieht man Pfützen. Ich kniehe mich nieder und lege meine Finger an den Stein. Er ist warm. Was für ein wundersamer Ort. Ich wandere etwas durch den verkohlten Wald und lasse ihn auf mich wirken. Es ist schwer zu beurteilen wann die Bäume hier verbrannten. Ich komme zu dem Schluss das hier öfters etwas geschehen sein muss. Nach einem einzigen Brand währen doch sicher wieder einige Pflanzen nachgewachsen. Doch hier finde ich keine Zeichen von lebenden Bäumen oder Büschen. Was mochte hier gewütet haben? Drachenfeuer oder alchemistische Erfindungen der Kyren?

      Ich plantsche mit meinen Füßen etwas in einer Pfütze herum. Sie ist lauwarm und fühlt sich angenehm an. Eine willkommene Abwechslung in diesem kalten Land. Kurz darauf blicke ich hoch zu den östlichen Ausläufern der Glühenden Berge und es fällt mir wie Schuppen von den Augen. Die Berge, natürlich! Der eine Berg den ich ohnehin hier besuchen wollte. Jetzt habe ich eine vage Vorstellung davon wie es hier zugegangen sein könnte. Voller Motivation verwandle ich mich in meine Drachengestallt und lasse ein zufriedenes Brüllen erschallen. Die verkohlten Äste erzittern während ich aufsteige und mich auf den Weg mache. Es wird Zeit einen noch wärmeren Ort zu finden.


      *


      Während ich wieder die Glühenden Berge überfliege denke ich an die Geschichte dieser Gipfel. Hier kam es zu den heftigsten Kämpfen zwischen Ogern und Draganern. Ihre Kriege dauerten nicht wie die der jüngeren Völker nur ein par Jahre, sondern Jahrhunderte. Beide Völker waren kämpferisch und konnten durchaus brutal sein. Meine Drachenaugen inspizieren die Berge genau, ich bin auf der Suche nach etwas. Mein Vater besitzt nur eine verwischte Kohlezeichnung davon, daher muss ich es mit eigenen Augen sehen. Der Himmel ist bewölkt, aber zumindest erspart er mir den Schnee und lässt mich weit in die Ferne blicken. Schlussendlich finde ich an einer Bergflanke wonach ich suche. Riesige Malereien auf dem nackten Felsen. Dort wo er zu steil war, um von Schnee und Eis bedeckt zu werden.

      Hier kam es einst zu einer großen Schlacht zwischen dem Ogerreich Darator und den Draganern. Die Details sind mit der Zeit vergessen worden. Obwohl es in den Städten Darators wohl sicher noch Aufzeichnungen darüber geben dürfte. Ich fliege näher an den Berg heran. Die Schlacht musste Tage gedauert haben. Die Oger verloren irgendwann die Oberhand und wurden oberhalb dieser Hänge eingekreist. Auf den Felsen war eindeutig zu sehen was dann geschah. Die triumphierenden Draganer stießen die überlebenden Oger mit Äxten und Lanzen den Berg hinunter. Einen nach dem anderen. Noch heute kann ich die grimmige Entschlossenheit der Anbeter der Feurigen erkennen, und den Schrecken der fallenden Ogerkrieger. Letzteres gab diesem Berg auf den Namen Ogerfall. Ein Schauder überkommt mich, wenn ich daran denke wie es damals hier war. Ich mag den Krieg überhaupt nicht und werde ihn wohl nie verstehen.


      *


      Mein Weg führt mich weiter in den Süden. Bald liegt ein besonderer Geruch in der Luft. Er zeigt mir, dass ich mich meinem nächsten Ziel nähere. Der Wind wird wärmer, und bald sehe ich ihn. Das Feurige Herz dieses Landstrichs, den Vulkan Feuerschlund. An Größe überragt er alle Vulkane die ich bisher in meinem Leben gesehen habe. Sein Gipfel hat sich zu einem breiten Lavakessel geöffnet und beherbergt einen See aus flüssigem Stein. Die Lava leuchtet in allen Tönen von Orange bis Rot. Die Hänge des Kraters hingegen sind grau oder schwarz vor Ruß und frei von jeglichem Eis. Der warme Wind lädt mich dazu meine Kreise weit über dem Krater zu ziehen. Wenn ich mir so die Ausmaße dieses Vulkans ansehe komme ich zu dem Schluss das er irgendwie mit dem Geschehen in Tumran zu tun haben muss. Vulkane können unterirdische Lavakessel entwickeln, vielleicht liegt ja ganz Tumran über so einem Gebilde. Gelegentliche Ausbrüche könnten die verbrannte Flora erklären.

      Während ich in der Wärme schwelge und meinen Gedanken nachsinne bemerke ich etwas Wichtiges erst sehr spät. Ich bin nicht alleine hier. Voller Schreck beäuge ich das andere Ende des Kraters. Dort fliegt ein Drache! Fieberhaft überlege ich was zu tun ist. Es ist eindeutig kein Altdrache, aber dennoch ein großes Exemplar, größer als ich. Seine Schuppen sind dunkelrot gefärbt, so wie bei vielen Bergdrachen. Er scheint nicht beunruhigt, obwohl er mich mit Sicherheit bemerkt hat. Ich zwinge mich zur Gelassenheit, Größe ist nicht alles und ich bin bei weitem nicht wehrlos. Noch ein par runden über dem Krater, dann ziehe ich mich zurück. Kaum bringe ich den Gedanken zu Ende, macht mir der rote Drache einen Strich durch die Rechnung. Ein leichter Hauch von Angst überkommt mich. Ich habe schon gekämpft, aber bei weitem nicht so viel wie meine Geschwister Skoen oder Giralgar. Mein ist die Feder und das Wort, nicht das Schwert oder Mord. In so einer Situation zu reimen, ich könnte gerade über mich selbst lachen! Der Drache nähert sich mir völlig furchtlos und beginnt mich zu umkreisen. Ich korrigiere meine Flugbahn und beobachte ihn. Sein gesamter Körperbau deutet auf einen Kämpfer hin. Von den Klauen, über die dicken Schuppen, bis hin zum scharfen Blick seiner Augen.


      *


      Er nähert sich mir weiter und zwingt mich ihm auszuweichen. Eine legere Aktion, die nicht unbedingt aggressiv wirkt. Plötzlich ertönt in meinem Kopf eine raue Stimme.


      „Man riecht das du ein Falschdrache bist. Auch wenn du dich körperlich wie ein echter gibst.“




      Die Stimme verblüfft mich kurz. Ich habe schon oft Telepathie genutzt, aber nur selten mit einem Drachen. Jüngere Drachen beherrschten sie meistens gar nicht. Ich versuche freundlich zu sein.


      „Du hast Recht, ich bin eine Wechselgängerin. Die Drachengestalt ist mir die Liebste.“






      „Dann besitzt du guten Geschmack Falschdrache. Was suchst du hier im Reich der echten Drachen?“






      „Ich bin auf der Durchreise. Mein Ziel ist es alles Schöne dieser Landschaft mit eigenen Augen zu sehen. Man nennt mich Syn, wie ist dein Name?“




      Der Bergdrache peitscht mit seinem Schwanz durch die Luft und stößt ein Schnauben aus das einem Lachen gleichkommt.


      „So so. Du bewunderst also die Drachengestalt und die Länder der Drachen. Da komme ich mir ja fast doppelt geschmeichelt vor. Mein Name ist Basgellir und ich bin der Herr dieses Sees.“




      Ich bin zunächst erleichtert über den Verlauf des Gesprächs, doch Basgellir erinnert mich allzu schnell daran das ich hier nicht willkommen bin.


      „Die Feurigen bestrafen jeden Eindringling mit dem Tod kleiner Falschdrache. Dein Leben liegt in meiner Klaue.“




      Stille erfüllt unser telepathisches Gespräch und ich überlege nervös wie ich reagieren soll. Weiterreden? Flüchten? Einen Zauber vorbereiten? Hier wäre ich auf jeden Fall im Nachteil sollte es zur Konfrontation kommen. Basgellir schnaubt wieder sein Drachenlachen und dreht sich entspannt in den Wind.


      „Verschwinde junge Syn. Das Gesetz der Feurigen gilt hier, doch sie schlafen weit weg in der Drachenkrone. Ich bin gerade nicht in der Stimmung ihren Handlanger zu spielen. Verlasse diese Länder und kehre nicht zurück. Man riecht deine Verwandtschaft zum König der Schlangen. Richte ihm aus das er sehr wohl hierher zurückkehren kann. Damit ich ihn lebendig im Feuerschlund begraben kann.“




      Ohne ein weiteres Wort wendet sich Basgellir ab und gibt mir die Gelegenheit abzuhauen. Ich verlasse den Vulkankrater so schnell wie mich meine Flügel tragen. Also das nenne ich einen Tanz über dem Feuer! Mein Drachenherz schlägt mich bis zum Hals. Ich brauche einige Meilen bis ich mich wieder sicher fühle. Mit einem telepathischen Gespräch mit einem Drachen hatte ich nicht gerechnet. Noch weniger damit das er offen über einen Angriff reden würde. Und noch viel weniger damit das er meinen Vater kannte.

      Während ich dahingleite überdenke ich das vergangene Erlebnis. Es war eine sehr interessante Erfahrung einen hiesigen Drachen zu treffen. Zum Glück war es keiner der Feurigen. Er nannte mich die ganze Zeit einen Falschdrachen. Echte Drachen schienen Wechselgänger wohl als schlechte Nachahmer zu empfinden. Wer könnte es ihnen auch verübeln, sind sie doch von Geburt an die Könige der Luft.


      *


      Ich mache mich auf die Glühenden Berge zu verlassen und nach neuen Abenteuern zu suchen. Die Winde tragen mich über die südlichen Ausläufer des Gebirges. Bald erkenne ich von weitem die dunkelgrünen Baumwipfel der Tauwälder. In Gedanken versunken drehe ich ein par Kreise in der Luft und überlege wie ich meine Reise weiterführen möchte. Das Land das vor mir liegt hat viel Sehenswertes zu bieten, und nicht alles davon kann man aus der Luft bestaunen. Südlich der Glühenden Berge leben die Argon. Sie sind zwar weit entfernte Verwandte der Draganer, aber viel zivilisierter als diese. Ich würde gerne versuchen mit einigen von ihnen Kontakt zu knüpfen. Langsam wende ich mich nach Westen, mit den Glühenden Bergen zu meiner Rechten. Ich will mich langsam an die bevölkerte Gegend herantasten und dabei nichts auslassen was interessant sein könnte.

      Unter mir erstreckt sich Skantun, ein kaltes Gebiet voller Wälder und Hügel. Es ist ein Land des Übergangs zwischen den Glühenden Bergen im Norden und den großen Tauwäldern im Süden. Die Winde hier machen sich einen Spaß daraus mit mir zu spielen. Mal sind sie ruhig und angenehm, und manchmal wild und unvorhersehbar. Aber mir macht es nichts aus, und wie ich freudig sehe auch vielen Vögeln nicht. In großen Schwärmen fliegen sie wie ich nach Westen. Dort lockt die Meeresküste. Hin und wieder bemerke ich wie einer dieser Schwärme hinabstürzt und zwischen den Ästen der verschneiten Bäume Schutz sucht. Alte Bekannte sind auf der Jagd. Elegante Skaedas patrouillieren hier durch die Lüfte, Die gibt es auch bei mir zuhause und es freut mich sehr hier etwas Vertrautes zu sehen. Skaedas sind, so wie die Wyvern, weit entfernte Verwandte der Drachen. Sie besitzen einen leichten Körperbau und sind mit großen ledernen Schwingen versehen. Die meisten Arten sind schnell und wendig, also perfekt darauf ausgelegt um in der Luft zu jagen. Sie werden zwar bei weitem nicht so groß wie ein Drache, aber im Vergleich zu anderen Lufträubern durchaus imposant. Diese hier haben graue Haut und jagen in kleinen Gruppen.

      Auch wenn es für die Tiere eine ernsthafte Angelegenheit ist, für mich ähnelt es eher einem kleinen Schauspiel. So wie die Vögel immer wieder in die Wälder abtauchen, und die Skaedas ihnen hinterherjagen, erinnert es mich an einen Tanz. Einer mit einem ganz eigenen Rhythmus. Der graue Fels, der weiße Schnee und das Grün der Bäume bilden dazu eine schöne Kulisse. Bei nächster Gelegenheit will ich mir etwas zum Zeichnen besorgen. Ich muss Skoen unbedingt zeigen was ich alles unterwegs entdeckt habe. Die Künstlerin in ihr wird aus meinen Notizen sicher wunderschöne Gemälde zaubern können.

      Je weiter ich fliege desto stärker wird der Meeresgeruch. Bald erreiche ich die Küste mit ihren flachen Kiesstränden und kleinen Baumgruppen. Das dunkelblaue Wasser hier ist ruhiger als es im Norden, hinter den Bergen, war. Der Grund dafür liegt darin das dies hier annähernd eine riesige Bucht darstellt. Man nennt sie Mangteren. Im Norden wird sie vom langgezogenen Kap Karazar begrenzt und im Süden von der Halbinsel Jakharas. Ich lasse mich auf dem Strand zu Boden sinken und schaue mich um. Es ist ruhig, nur die Vögel leisten mir hier Gesellschaft. Langsam nehme ich meine Adesegestallt an. Es ist kühl, aber nicht unangenehm. Der Kies kitzelt mich unter meinen nackten Füßen während ich am Strand entlang gehe. Ich mache unterwegs ein par Schritte im Wasser, es ist eindeutig zu kalt für ein Bad.

      Mein Plan ist es an der Küste entlang zu gehen bis ich jemanden treffe und hoffentlich irgendwie mit ihm kommunizieren kann. Ich hoffe das sich die Sprache der Argon nicht zu sehr von der Drachensprache unterscheidet. Immerhin sind sie ja Verwandte. Unterwegs überlege ich mir wie ich das Auftauchen einer nackten Adese in dieser Gegend erklären könnte. Das wird mit ziemlicher Sicherheit für Stirnrunzeln sorgen. Wahrscheinlich sind Adese in diesem Teil des Kontinents völlig unbekannt. Könnte ich mich doch nur in eine Argon verwandeln. Das würde so einiges einfacher machen. Leider müsste ich mich dafür zuerst längere Zeit unter ihnen aufhalten um mich an das Aussehen und die körperlichen Eigenschaften zu gewöhnen. Und da spreche ich von Jahren. Das ist einer der Gründe wieso Wechselgänger wie ich meist nur eine humanoide Form nutzen. Es ist einfach zu viel Arbeit sich mehrere anzueignen. Mein Vater würde mich bei diesem Gedanken auslachen, der hat ja die Geduld Jahrhunderte für so etwas aufzuwenden.


      *


      Der Himmel ist von grauen Wolken bedeckt, aber ich empfinde es hier an der Küste trotzdem angenehm. Man spürt das es ein rauer Landstrich ist, doch im Moment gibt er sich ruhig und still. Nach einigen Stunden Wanderschaft erregt etwas meine Aufmerksamkeit. In der Ferne sehe ich bunte Farben unweit des Strandes. Als ich näher komme merke ich das es eine Hütte ist. Ihre Holzwände sind mit bunten Farben bemalt. Gespannt sehe ich mich um ob ihre Bewohner in der Nähe sind. Als ich die Hütte erreiche wirkt sie jedoch irgendwie verlassen. Die Holzläden sind geschlossen und draußen liegt weder Werkzeug noch sonst irgendwas. Ich gehe einmal die Wände entlang und betaste das Holz. Es ist alt, die Farben von Wind und Wetter bereits angegriffen. An vielen Stellen finde ich einfache Zeichnungen und bunte Handabdrücke von Kindern. Hier muss glückliche Familie gelebt haben. Wo sie wohl hin sind? Als ich an der Tür ankomme halte ich nochmal inne. Es fühlt sich nicht gut an einfach so in ein fremdes Heim zu treten. Die Hütte ist definitiv verlassen, das sagt mir mein Gefühl und die Tatsache das die Tür von außen verriegelt ist. Ich sehe mich nochmal um und klopfe, der Höflichkeit halber, an das Holz. Während ich warte komme ich mir irgendwie dumm vor. Als sich nichts zu rühren scheint schiebe ich den Riegel zur Seite und trete ein.

      Das Licht das durch die Tür kommt reicht um mir einen kleinen Wohnraum zu zeigen. Mit allem was man so braucht, Feuerstelle, Tisch und Stühle, Regale und Truhen. Es sieht aufgeräumt aus. Die Argon die hier wohnten schienen ein einfaches Leben zu führen. Ich schau mich etwas um. Der meiste Hausrat ist zwar noch da, aber sorgfältig verräumt. Es wirkt als wären die Bewohner geordnet, aber nur mit dem nötigsten, abgereist. Vom Hauptzimmer aus führen Türen zu einer Vorratskammer und zwei Schlafräumen. Nach etwas Suchen finde ich in einer Truhe etwas Gewand. Es scheint schon länger nicht getragen worden zu sein. Aber fürs erste wird es reichen. So muss ich zumindest nicht nackt herumlaufen bis ich auf Argon treffe. Meine neue Bekleidung besteht aus einer purpurfarbenen Stoffhose und einem Tuch das ich mir auf Brusthöhe umwickle. Es ist nicht gerade die Mode die ich von zuhause gewohnt bin, aber gar nicht mal so unpraktisch. Die Kälte des Landes macht mir ja sowieso nichts aus. Von daher ist das ganze ja nur Formsache um keine peinliche Szene heraufzubeschwören. In einer anderen Truhe finde ich noch ein altes Paar Stiefel aber die Argon scheinen viel größere Füße als ich zu haben. Also bleibe ich barfuß. Es gefällt mir noch immer nicht das ich hier in einem fremden Haus herumwühle. Hoffentlich richte ich nicht zu viel Schaden an indem ich die par alten Sachen an mich nehme. Es wird Zeit zu gehen.

      Von weitem blicke ich nochmals zurück zu der alten Hütte und präge mir die Farben ein. Dieser Ort birgt eine Geschichte die ich liebend gerne erfahren würde.


      *


      Nur wenig später erreiche ich ein Dorf. Es ist eine kleine Fischersiedlung an der Küste und ihre Hütten gleichen der von vorhin. Nur sind sie nicht so bunt bemalt. Während ich mich nähere erreicht ein kleines Boot den Strand. Einer der Fischer entdeckt mich und deutet in meine Richtung. Ich gehe noch ein Stück weiter und warte dann geduldig ab was passiert. Die Fischer ziehen ihr kleines Boot an den Strand und behalten mich dabei im Auge. Sie sind in braune und grüne Stoffe gekleidet, mit eher wenig Schmuck oder dergleichen. Stiefel tragen sie auch keine, was mich aber bei Fischern auch nicht wundert. Derjenige der mich zuerst entdeckt hat kommt nun auf mich zu und betrachtet mich verwundert. Sein Gesicht und Körper sind von dicken dunkelgrünen Schuppen bedeckt. Der Kopf erinnert an den einer Meeresechse, aber ohne gefährlich wirkende Fänge. Der Argon ist viel schlanker als ein Draganer und steht aufrechter. Er ist um zwei Köpfe größer als ein Adese so das ich zu ihm hochblicken muss. Der Geruch von Salz und Fisch steigt mir in die Nase. Ich versuche ihn in der Drachensprache zu grüßen aber ohne Erfolg. Er runzelt nur die schuppige Stirn, zumindest interpretiere ich seinen Gesichtsausdruck so. Es folgen mehrere Versuche einer Antwort aber ich verstehe ihn nicht. Ich kann heraushören das seine Sprache mit der der Drachen verwandt ist, aber das bringt mich nicht weiter. Ich versuche ihm mit Gesten zu verstehen zu geben das ich seine Sprache nicht spreche. Nach einem Moment der Ratlosigkeit kratzt er sich am Kinn und ruft seinen Freunden etwas zu. Sie besprechen etwas. In der Zwischenzeit bemerke ich das das Dorf aufgewacht ist. Mehrere Argon sind aus den Hütten gekommen um die Fischer zu begrüßen oder mit dem Fang auszuhelfen. Einige haben auch mich entdeckt und tuscheln unter sich. Der Argon vor mir scheint zu einem Ergebnis gekommen zu sein und spricht mich wieder an. Er deutet mir ihm zu folgen und führt mich zu einer der größeren Hütten. Unterwegs laufen uns einige Argonkinder hinterher und bestaunen mich mit großen Augen. Das entlockt mir ein Lächeln. Neugier ist wohl völkerübergreifend. Mein Führer öffnet die Tür und wartet geduldig das ich mich herein traue. Das Innere der Hütte gleicht vom Aufbau her derjenigen die ich bereits gefunden habe. Nur ist diese viel größer und ihre Fensterläden sind offen. Das hereinfallende Licht lässt alles gemütlicher aussehen. Nahe der Feuerstelle sitzt eine alte Argon auf einem Berg voll Kissen. Zumindest sagt mir mein Gefühl das es eine Frau ist. Ich kann die Argongesichter noch nicht wirklich einschätzen. Rund um die alte Argon tummeln sich weitere Kinder aller Altersstufen und schauen mich an. Mein Begleiter verscheucht sie mit ein par Worten und führt mich zur Feuerstelle. Er deutet mir mich zu setzen und spricht lange mit der Alten. Ihre Stimme ist im Vergleich zu seiner etwas höher und kratzig. Jetzt bin ich ziemlich sicher dass es eine Frau ist.


      *


      Mit schweren Liedern betrachtet sie mich und sagt zunächst etwas das ich nicht verstehe. Als ich nicht antworte räuspert sie sich und sagt in gebrochener Drachensprache:


      „Du verstehen Trakan?“




      Mir ist bewusst das es viele Fragen aufwerfen könnte aber ich entschließe mich dazu so ehrlich wie möglich zu sein. Ohne zu viel von mir zu verraten natürlich. Ich will das Vertrauen dieser Argon gewinnen.


      „Ja, ich spreche die Drachensprache.“




      „Woher du kennst? Du viel zu klein für Drache.“




      Das ist jetzt eindeutig ein Lächeln auf ihrem Gesicht.


      „Ich habe es von meinem Vater gelernt. Er liebt exotische Sprachen.“




      Es scheint das sie nicht jedes Wort versteht aber genug um etwas damit anfangen zu können.


      „Du von zuhause weit weg Zafan. Was hier du suchst?“




      Ich lasse mir etwas Zeit um eine gescheite Antwort zu formulieren. Plötzlich wird der Blick der Alten böse und ich spüre ein Zupfen an meinem rechten Ohr. Ich drehe mich langsam um und sehe in ein belustigtes Kindergesicht. Der kleine Argon musste sich auf die Zehenspitzen stellen um an mein spitzes Ohr zu kommen. Während die Alte ein scheltendes Zischen von sich gibt und damit den Kleinen vertreibt kann ich ein Lachen nicht zurückhalten. Das war so süß!


      Magben entschuldigt sich. Kinder einfach kein Benehmen haben.“




      „Das macht mir nichts. Mein Name ist Syn. Ich bin hier um zu lernen.“




      Magben betrachtet mich skeptisch.


      „Du hier in Kataur nur Fischen lernen kannst Zafan.“




      Als ich bereits nachfragen will was sie mit Zafan meint trifft es mich wie ein Gedankenblitz. Zhalfan! Ich Dummkopf. Magben hält mich für einen Menschen. Weit im Süden liegt hinter einem großen Gebirge das Menschenreich Zhalfan. In meiner Adesegestallt ähnle ich ihnen mit Sicherheit sehr. Die Argon hier halten mich für eine Zhalfanerin. Das werde ich in Zukunft als Reisetarnung gut nutzen können. Ha! Wer braucht schon Wechselgängerkünste. Ich nehme mir Zeit mit Magben ins Gespräch zu kommen und erkläre ihr das ich neugierig auf die Kultur der Argon bin, ihre Sprache und ihr Land. Die alte Argon wundert sich zwar immer wieder aber scheint sich im Grunde nicht an meiner Erzählung zu stören. Es dauert sicher einige Stunden während wir sprechen und die Kinder ringsherum ihre Scheu vor mir verlieren. Irgendwann fasst Magben zusammen.


      „Sprache (Name folgt noch) lernen musst du und viel reisen durch Land. Nur so kannst viel über Argon lernen.“




      Damit trifft sie ziemlich genau was ich denke.


      „Hilfst du mir eure Sprache zu lernen?“




      Magben überlegt kurz und spricht mit ein par der Kinder. Ein Grinsen stiehlt sich in ihr altes Gesicht und sie sagt:


      „Wir machen Handel. Ich dir beibringen Sprache (Name folgt noch) und solange du bist hier, du hilfst mit Kinder.“




      Jetzt fühle ich mich übertölpelt. Magben ist ein gewiefter Handel eingefallen. Ich schaue hin und her, und sehe überall große Kinderaugen. Eigentlich hatte ich nicht vor auf meiner Reise Kindermädchen zu spielen. Aber wenn ich schon etwas lernen will sollte ich wohl auch bereit sein etwas dafür zu tun. Ich hatte es ja nicht unbedingt eilig.


      „Abgemacht.“




      Magben nickt zufrieden und sagt etwas in ihrer Sprache. Es folgt ein freudiger Aufschrei der Kinder der mich zum lächeln bringt. Mein erster Aufenthalt bei den Argon beginnt.


      *


      Es ist ein sonniger Tag unter dem Himmel von Skantun. Ich komme gerade vom Strand zurück an dem ich mit Magbens Kinderschar gespielt habe. Die alte Argon scheint eine Art Aufpasserin für alle Kinder des Dorfes zu sein. Es macht dabei wohl keinen Unterschied ob es sich um ihre eigenen Enkel, die Kinder von Eltern die gerade arbeiten, oder vereinzelte Waisen handelt. Magben ist bereits zu alt um irgendeine körperliche Arbeit im Dorf zu erledigen, also achtet sie auf den Nachwuchs und bringt ihm bei was sie weiß. So einige Wochen auch mir. Es ist erstaunlich wie schnell mich die Bewohner Kataurs akzeptiert haben. Sie kennen Zhalfan nur vom Hörensagen und außer Magben hat noch keiner von ihnen einen Menschen zuvor gesehen. Die alte Argon hat mich in den letzten Wochen auf meine weitere Reise vorbereitet. Sie hat mir so gut es in der kurzen Zeit ging die hiesige Sprache beigebracht und mir eine Karte des Landes gezeigt. Jetzt weiß ich wo die größeren Städte liegen und die ein oder andere Sehenswürdigkeit. Von den Kindern habe ich einige interessante Sagen aufgeschnappt und gelernt wie sie in dem kleinen Dorf leben. Skantun gilt im großen Reich der Argon noch als Wildnis. Erst wenn man die Tauwälder erreicht ist man im eigentlichen Reich.

      Magben weiß das ich weiterziehen möchte und hat dies zum Anlass genommen eine kleine Handelsgruppe mit mir nach Südosten, nach Mataur, zu schicken. Um mir auf dem ersten Stück des Weges Gesellschaft zu leisten. Narban und sie erwarten mich am Dorfrand mit drei weiteren Argon. Narben ist derjenige Fischer der mich damals zu Magben gebracht hat und mir seitdem geduldig alles im Dorf gezeigt hat.

      Bevor wir abreisen nimmt mich die alte Argonfrau zur Seite und spricht noch etwas mit mir. Zum Abschluss holt sie aus einem ihrer weiten Ärmel ein purpurnes Kopftuch hervor und drückt es mir in die Hand. In der Drachensprache sagt sie:

      „Nimm das. Du wollen doch aussehen wie echte Zafan.“

      Dabei deutet sie auf ihr Ohr und zwinkert mir zu als ich mich ertappt zeige. Hat sie die ganze Zeit gewusst das ich etwas anderes bin? Nachdem ich mich von meiner Gastgeberin verabschiede mache ich mich für den schweren Teil bereit. Zwischen mir und Narbans Reisegruppe stehen sämtliche Kinder des Dorfes. Manche wirken freudig und aufgeregt, andere als wären sie kurz davor loszuweinen. Irgendwie fällt es mir jetzt schwer sie zu verlassen. Immerhin war ich die letzten Wochen ja dauernd in ihrer Gesellschaft. Ich nehme mir die Zeit jedes einzelne zu umarmen und mich zu verabschieden. Es auszusprechen vermeide ich, aber insgeheim nehme ich mir vor irgendwann hierher zurück zu kommen um zu sehen wie es ihnen geht. Ich breche mit der Reisegruppe auf.


      *


      Wir nutzen einen alten Pfad oberhalb des Küstenstreifens und haben während der Reise das Meer von Mangteren zu unserer Rechten. Narban und seine Freunde sind diesen Weg schon oft gegangen und erzählen mir etwas über das Meer. Die Argon verehren es als den Ursprung des Lebens und glauben das alles, selbst die Zeit und das Schicksal, von den Wogen des großen Wassers an Land gespült wurde.

      Ich erinnere mich an eine Sage die mir die Kinder Kataurs erzählt haben. Laut ihr wurde der erste Argon einst vom Drachengott Grakazar erschaffen. Er sollte für ihn das gesamte Land zwischen den Bergen erobern. Dieser Argon hieß Armodan und gründete für diese Aufgabe das Volk der Argon. Er tat wie es ihm befohlen wurde und eroberte alles zwischen den Tauwäldern und dem Sonnengebirge, zwischen der Küste Mangterens und dem heutigen Tarben. Armodan war ein großer und weiser Herrscher. Die Argon blühten unter ihm auf und wurden eine große Zivilisation. Doch irgendwann kam es zum Streit zwischen dem Drachengott und dem Urvater der Argon. Grakazar wollte die Argon zu weiteren Eroberungen drängen, doch Armodan erkannte das sein Volk dies nicht musste. Sie hatten genug Land und sonst alles was sie brauchten. Er weigerte sich. Der Drachengott war außer sich vor Wut und ließ Fluten und Stürme über seine Diener kommen. Schlussendlich verbannte er Armodan in die Tiefen des Meeres. Der Urvater dachte davor lange nach und kam zu einer weisen Entscheidung. Er beugte sich der Strafe des Gottes und stieg ins Meer. Niemand sah ihn seitdem mehr. Doch mit seiner Entscheidung trickste er den Drachengott auf unglaubliche Weise aus. Durch seine Verbannung war das Band zwischen dem Drachengott und dem Volk der Argon zerrissen. Die Argon würden nie mehr einem Gott folgen der seinen eigenen Spross verbannte und sein Volk strafte. Die Argon waren fortan keine Diener mehr.

      Ich wusste schon vor meinem Aufbruch zu diesem Abenteuer einige Geschichten über die Feurigen, aber es ist etwas völlig anderes sie von Einheimischen erzählt zu bekommen. Ihre Überlieferungen haben meist viel mehr Tiefe. Ich befrage unterwegs Narban noch etwas und erfahre noch ein par Details.

      Armodans Verbannung war nicht nur Ende, sondern auch Anfang, einer Geschichte. Als er verschwand war das Meer tagelang stürmisch. Die Ältesten der Küstendörfer sahen Wellen, Blitze und Meeresvögel in ungeahnter Zahl und spürten das selbst Land und Himmel sich aufbäumten. Irgendwann, eines Morgens, war der Sturm vorbei. Drei der Ältesten traten in die frühe Sonne und besahen sich die Schäden. Als sie den Strand erreichten fanden sie etwas Ungewöhnliches vor. Es erstreckte sich weit über die Küste entlang. Eine Botschaft aus Schwemmholz, Meeresschaum und Furchen im Kies. Keiner von ihnen wusste woher, doch jeder einzelne der drei Argon konnte sie lesen. Eine Botschaft, eine Anweisung, ein Versprechen. Lange grübelten die Alten darüber nach und sprachen dann aus was in den folgenden Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten nie vergessen werden würden. Die Prophezeiung von Gischt und Welle. Durch die Zeit würde sie viele Formen annehmen, aber ihr Kern würde überdauern. Würde das Volk der Argon jemals am Abgrund stehen und seiner Hilfe bedürfen, so würde das Meer Armodan freigeben. Er würde aus den Wellen steigen und sein Volk durch die Stürme die vor ihm lagen führen. Dies war das Versprechen des Urvaters.


      *


      Nach ein par Tagen erreichen wir die alten Mauern Mataurs. Diese Stadt blickt nach Norden hin auf die Hügel Skantuns und schmiegt sich gleichzeitig an den Rand der Tauwälder. Etwas westlich der Stadt liegt ein kleiner Hafen an der Küste. Noch während wir auf das Stadttor zugehen fallen mir viele Details auf. Bis auf das Hafenviertel und ein par kleine Häusergruppen liegen alle anderen Stadtteile hinter den schützenden Mauern. Diese Mauern wirken ein bisschen anders als die welche ich aus meiner Heimat kenne. Sie sind aus ziemlich grobem Stein gemacht. Er ist dunkelgrau, so wie der den man in den Glühenden Bergen findet. Die Blöcke sind enorm und wirken uralt. Die Architektur der Wälle wirkt einfach aber robust und zeitlos. Es würde mich nicht wundern, wenn diese Stadtmauern Jahrhunderte, wenn nicht sogar Jahrtausende, alt wären.

      Wir erreichen das Tor und Narban erklärt den Wachen wer wir sind. Mich stellt er als eine Besucherin aus Zhalfan vor und bürgt sozusagen für mich. Die Wachen beäugen mich zunächst kritisch, aber dann lassen sie mich trotzdem passieren. Die Argon hatten noch keine schlechten Erfahrungen mit dem Menschenreich gemacht und besaßen daher keinen Grund zur Abneigung. Während dieses Gesprächs bemerke ich etwas Besonderes. Die Rüstungen der Torwächter sind hervorragend gemacht. Sie bestehen aus eisernen Panzerplatten, Lamellen, Ringen und Kettenhemden. Alles ist von robuster Machart und gleichzeitig voller feiner Verzierungen. Sie wirken wie Ritter. Ich zupfe Narban am Ärmel und frage ihn ob das die übliche Rüstung der Argon ist. Er bejaht. Die Eisenverarbeitung, so erklärt er mir, sei im ganzen Land von hoher Qualität. Und gerade Mataur wäre die Schmiedehochburg der Argon. In Skantun gibt es viele kleine Minen die die Stadt mit dem nötigen Erz versorgen. Als ich ihm meine Bewunderung für die schönen Arbeiten gestehe sagt er mir ich solle damit noch warten bis ich die Reiterei und deren Rüstungen sähe.

      In der Stadt herrscht reges Treiben. Überall sehe ich Händler, Arbeiter und einfache Bewohner. Zwischen all den Argon fühle ich mich in meiner Adesegestallt klein und fremd. Dieser Eindruck verstärkt sich noch etwas als ich zum ersten Mal einen der hiesigen Pferdekarren sehe. Das Tier das ihn zieht ist riesig. Es ist eindeutig ein Pferd, und dazu ein sehr schönes, aber von der Größe her perfekt geeignet um von einem Argon geritten zu werden. Ich hätte wohl meine Mühe damit ohne Hilfsmittel aufzusitzen.

      Etwas später lässt Narban seine Begleiter ihre Handelswaren alleine weiter zu ihrem Ziel bringen und nimmt sich netterweise Zeit mir etwas von Mataur zu zeigen. Es macht mich froh hier auf so viel Hilfsbereitschaft zu stoßen. Mataur schmiegt sich nicht nur an die Tauwälder an, viele Teile der Stadt befinden sich sogar mitten im Wald. Zwischen den steinernen Gebäuden und hölzernen Verkaufsständen stehen ausladende Bäume und spenden Schatten. Immer mal wieder durchbricht ein Sonnenstrahl die dünnen Wolken und verursacht ein schönes Lichtspiel in den Straßen. Ja genau Straßen, keine engen gewinkelten Gassen wie es sie in anderen Städten gibt. Mataur hat genug Platz um zu einer ordentlichen Handwerksstadt heran zu wachsen, die aber auch schön für das Auge war. Es gibt nicht viele Statuen oder dergleichen, aber das macht der Wald mit seiner natürlichen Schönheit wieder wett.

      Während mich Narban herumführt hört man überall das Hämmern der Schmieden. Viele der Werkstätten sind zu einer Seite hin offen, so dass ich beobachten kann was darin vor sich geht. Als ich einem der Schmiede etwas länger zusehe erinnert mich Narban an die Torwächter und ihre Rüstungen. Er fragt mich ob ich das Symbol von Amboss und Schwert an ihren Brustpanzern gesehen habe. Das hatte ich. Dies ist das Wappen Mataurs. Der Amboss steht natürlich für die Schmiedekunst. Das Schwert jedoch für etwas ganz anderes. Narban erzählt mir das diese Stadt die nördlichste Verteidigung gegen die Draganer der Glühenden Berge darstellt. In früheren Zeiten kam es hier oft zu entscheidenden Kämpfen in denen die Mataurer bewiesen das sie ihre Schwerter nicht nur schmieden, sondern auch zu führen wussten. In letzter Zeit kommt es nur selten zu ernsten Kriegen mit den Draganern. Das liegt wahrscheinlich vor allem daran das sie ihre Blicke wohl auf andere Gegenden werfen. Nichts desto trotz sind die Wachen Mataurs immer bereit auf Angriffe zu reagieren.

      Schlussendlich bringt mich Narban zu so etwas wie einer Handelsgilde. Es scheint der Moment des Abschieds zu kommen. Die Kataurer werden bald wieder in ihr Heimatdorf zurückkehren. Davor muss ich mich noch entscheiden wie ich selber weiterreisen will. Narban macht mich mit einigen der Händler bekannt und findet eine Reisegesellschaft für mich. Ihr Anführer heißt Brebek und scheint schon ein par Jahre auf dem Buckel zu haben. Er reist mit seinen Waren regelmäßig zwischen Mataur und den Städten im Osten hin und her. Als der Aufbruch bevorsteht spreche ich ein letztes Mal mit Narban und bedanke mich für alles was er und sein Dorf für mich getan haben. Zu meiner Überraschung drückt er mir einen kleinen Beutel mit einer Hand voll Kupfer und Silberbrocken in die Hand. In den Argonstädten gab es zwar sehr wohl Münzen als Zahlungsmittel, aber in den entfernteren Dörfern wurden auch rohe Metalle genutzt. Ich kann dieses Geschenk einfach nicht annehmen. Für jemanden wie Narban muss das einiges an Wert haben. Als ich aufbegehren will stutzt er mich regelrecht zusammen. Er hat sich schon lange Gedanken über mich und meine Reise gemacht. Wie und warum ich ausgerechnet im Norden des Landes aufgetaucht bin will er gar nicht hinterfragen, es ginge ihn ja nichts an. Aber er ist sich sicher dass ich meinen Weg nicht fortsetzen kann ohne etwas zum Tauschen zu haben. Als ich ihn frage ob es nicht zu viel ist winkt er ab. Es sei angemessen und würde sein Gewissen beruhigen. Wenn ich irgendwann vielleicht wiederkehre sollte ich was aus meiner Heimat zum Tauschen mitnehmen. Es ist schon unglaublich wie schnell man Freundschaften schließen kann, wenn man in einem fremden Land ist. Ich bedanke und verabschiede mich nochmal von Narban, dem Fischer.


      *


      Brebeks Reisegruppe wartet auf mich. Diesmal sind es gleich einige Dutzend Argon die zu Fuß oder per Pferdewagen reisen. Brebek erklärt mir das wir zunächst über einen Wald Pfad nach Süden reisen und in Hillat, der Hauptstadt des Reiches, halt machen. Danach ginge es nach Osten zu den Städten im Landesinneren. Ich bin unglaublich aufgeregt als wir und auf den Weg machen. Als Drache könnte ich zwar in wenigen Stunden die Strecke hinter mich bringen, die zu Fuß Tage oder Wochen benötigen würde, aber so ist es viel erfüllender. Ich sehe viel mehr Einzelheiten und lerne Dinge die ich aus der Luft nicht mal bemerken würde. Und vor allem ist es die Vorfreude neue Orte zu entdecken die ich zu Fuß viel besser genießen kann. Einfach unbeschreiblich.

      Es ist das erste Mal das ich die Tauwälder voll und ganz betrete. Wir folgen einem sauber freigelegten Weg nur eine Stunde von der Küste entfernt. Bald erkenne ich woher die Wälder ihren Namen haben. Einen Großteil des Tages haftet überall an den Blättern und Ästen klarer Tau. Bei jedem Sonnenstrahl funkelt es irgendwo in meinem Blickfeld. Als ich Brebek danach frage erklärt er mir das sich entlang dieser Wälder das Klima stark ändert. Die Kälte aus dem Norden geht in gemäßigtere Temperaturen über. Durch die Winde die aus allen Richtungen heran wehen sammelt sich viel Feuchtigkeit und diese setzt sich überall im Wald als Tau ab. Hin und wieder leiste ich mir einen kurzen Ausflug zwischen die Bäume um sie zu bestaunen. Ihre dunklen Stämme wirken durch den Tau fast immer feucht. Es sind nahezu ausschließlich Laubbäume und sie erfüllen die Luft mit dem Rascheln ihrer Blätter. Ich gehe auch weiterhin barfuß und trete mit Absicht in das feuchte Laub. Wenn ich die Augen schließe und meine Stirn an einen Stamm lehne spüre ich die Kraft die in diesen Wäldern fließt. Die Argon haben ein Glück hier leben zu können.


      *


      Etwas später sitze ich auf einem der Wägen, die uns begleiten. Zwei der mächtigen Argonpferde ziehen ihn, eines schwarz, das andere braun. Neben diesen Rössern würden die Pferde in meiner Heimat wie kleine Fohlen aussehen.

      Ich leiste dem Kutscher etwas Gesellschaft während der Fahrt. Er heißt Taran und ist ein eher stiller Zeitgenosse. Trotzdem kommen wir bald in ein entspanntes Gespräch. Er erklärt mir, dass er einige Zeit alleine gelebt hat, und die Gesellschaft so vieler Argon nicht mehr gewohnt ist. Er ist schon etwas älter und stammt aus einem der Dörfer im Norden Skantuns. Ich lausche seiner angenehmen Stimme gerne. Es ist die Art von Stimme, die gut zu Vätern, oder auch Großvätern, passt. Meine ungeschliffenen Sprachkünste stören ihn nicht im Geringsten. Taran hatte eines Tages einfach genug von der Einsamkeit. Er beschloss los zu ziehen und noch etwas von der Welt zu sehen solange er noch dazu in der Lage war. Und auch um seine verstreuten Söhne zu finden. Sie alle waren irgendwann los gezogen um ihr eigenes Leben zu führen. Den ersten hatte er bereits in Mataur gefunden. Danach entschied sich Taran sich Brebeks Karawane anzuschließen um seinen Weg fortzusetzen. Mir imponiert das Vorhaben des alten Argon sehr. Es benötigt sicher viel Mut um in seinem Alter noch die Zelte abzubrechen und sich in ein Abenteuer zu stürzen.

      Während unserer Reise spreche ich mit vielen der mitreisenden Argon und erfahre einiges über die Gegend durch die wir ziehen. Die Tauwälder versorgen das Reich der Argon mit vielen Rohstoffen die es zum Leben braucht. Verschiedene Arten von Holz, Früchte, Wild und Kräuter zum Beispiel. Im gesamten Wald gibt es kleine, weit verstreute, Holzfällerdörfer die nur durch Trampelpfade erreichbar sind. Es dauert oft Wochen bis bestimmte Waren aus diesen Dörfern die Städte erreichen.

      Als ich ein weiters Mal bei Taran sitze und ihm zuhöre, bemerke ich das das Gehölz um uns herum etwas lichter wird. Kurz darauf höre ich das Rauschen von Wasser. Gebannt lausche ich dem Geräusch als Taran sagt:


      „Wir haben die Eristalen erreicht.“


      Mir sagt der Begriff nichts und ich recke mich auf dem Sitz des Kutschbocks so gut wie möglich um zu sehen was uns erwartet. Vor uns öffnet sich eine helle Lichtung über die ein Fluss fließt. Er ist sehr breit und wälzt sich träge dahin. Ich frage Taran wieso er in der Mehrzahl sprach und er erklärt es mir. Dies ist nur einer von Dutzenden Flüssen die die Eristalen bilden. Im Grunde stellen sie das Delta des großen Flusses Eristel dar. Dieser fließt von den Bergen weit im Osten her, die gesamten Tauwälder entlang, und wächst dabei immer weiter. Je näher er jedoch dem Meer kommt, desto flacher wird das Land, so dass sich sein Strom in viele, vergleichsweise flache, Läufe teilt. Trotzdem stellen sie ein Hindernis für uns dar und mir ist nicht ganz klar wie wir diesen ersten Fluss überqueren sollen. Kurz darauf beantwortet mir Taran die Frage indem er ein Stück flussabwärts deutet. Dort erkenne ich eine Reihe von Flößen, lang und groß genug um einen Wagen mitsamt den Pferden zu transportieren.

      Fortsetzung folgt...

    • Wow, das ist ein schönes Format!

      Hab ich bisher übersehen und auch noch nicht alles gelesen, aber ich freu mich schon, weiter darin zu schmökern.

      Die zugehörige Karte kann ich leider nicht in groß betrachten, weil das Forum da nur Fehlermeldungen ausspuckt. Aber es wäre vielleicht auch cool, hier am jeweiligen Beitrag auch immer direkt eine Karte zu haben, wo zB eine gestrichelte Linie zu sehen ist, die die Reise und aktuelle Position anzeigt? :)
      nobody.