Völkerbau: Vertrautheitsgrad, Methoden, Immersion etc.

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    • Ich hatt ein paar Tage zu tun, sry für die Verzögerung. Der Wiedereinstieg hier ist (für mich gerade) auch nicht so leicht mit viel Nachlesen, also hoff ich mal, dass wir das hinbekommen o.o .. ich schreib mal die Bezugsbeiträge dazu falls was unklar sein sollt.


      Immersion zu Beitrag #14
      Ich glaub bei der Immersion reden wir immer noch aneinander vorbei. Da Welten erstmal auf Bekanntem aufbauen (Gravitation, Licht, Bla), gibt es natürlich Überschneidungen beim Abrufen.

      Man stelle sich hier die Welten als Mengen vor, die mit dem Bekannten eine Schnittmenge besitzen. - Wenn dann aber beim Vorstellen einer Geschichte in der fiktionalen Welt eine Referenz auf die Realität (oder eine andere Fiktion) gezogen wird, die sich außerhalb der Fiktion, also auch nicht in einer Schnittmenge befindet, ist das eben ein Inhalt außerhalb der Fiktion. Gerade wenn eine Geschichte innerhalb der Fiktion stattfindet und dort so ein Spruch mit Echtweltreferenz oder Alternativweltreferenz eben außergewöhnlich präsent ist um diese Referenz zu ziehen.

      Ich glaub soweit sind wir uns einig. Meine Position ist, dass du in diesem Moment in eine andere Welt eintauchst oder eben aus der Fiktion auftauchst, weil im Präsentationsfluss etwas außerhalb des Weltkontextes hervorgehoben wurde.

      Zu deinem Argument, dass wir immer außerhalb seien und mit der Realität vergleichen, gibt es das Gegenargument, dass eine ausreichend gefüllte mediale Weltpräsentation uns eben so sehr vereinnahmt, dass unser Gehirn eben von der Erfahrung überwältigt mitfiebert, dass da kein Raum für Fremdweltassoziationen bleibt, solang die eben nicht durch die Präsentation erzwungen werden. Das ist für mich eben auch das Secondary-Belief vs. Suspension-of-Disbelief-Argument.

      Was das unbewusste Wahrnehmen vs. Allegorie einprügeln angeht #19, hat sich Tolkien bei der immersiven Weltschöpfung 'secondary belief' eben gegen Allegorien ausgesprochen, eine mitgehörte Busunterhaltung hingegen darüber beschwert, dass die meisten Matrix nicht ausreichend verstehen um auch den Transfer auf unsere eigenen Sozialverhältnisse zu leisten.


      Zum Immersionsbruch durch Realitätsbezug aus persönlicher Erfahrung #17: Geschichten versuchen ja durch Charakteridentifikation und Einfühlungsmöglichkeit zu fesseln, also ist ein unbeabsichtigter Realitätsbezug zu einer persönlichen Publikumsrealität womöglich sogar noch fesselnder. Zumindest ich kenne das eher so, dass ich mich dann zunächst mehr auf das Setting einlasse und sehe wie die das lösen, anstatt über mein Leben nachzudenken, wobei das Grübeln vielleicht in weniger Aktionsreichen, ruhigeren Momenten einsetzt. Aber auch da gefühlt eher Settingbezogen.

      Vielleicht kann man so auch das Pratchett-Beispiel verstehen (zumindest tu ich mich damit noch schwer), laut dem Herausreißen auf ein interessantes Echtwelt-Thema hinweist, woraufhin man dann interessierter seine Ursachen/Symptome/Lösungen ergründet, also dem Autorenkommentar dazu folgt. Hier würde ich aber argumentieren, dass diese Art von Hook mehr interessant als immersiv ist, die Immersion folgt dann aber womöglich gleich hierauf wieder in den Tiefen des Settings. (Noch ein schönes Beispiel für: Ich möcht auf immersiv, auch wenns nicht die Krone der Schöpfung ist. Pacing/Spannung und Interesse sind für mich dagegen auch wichtig, aber nachrangig.)


      Hier sind wir mit der Diskussion aber vielleicht schon im Immersions-Thread, wenn wir den losgelöst vom Völkerbau aufmachen möchten o.ó ..


      Gebrauch von Etabliertem, Genre-Konventionen #14
      "Welten mit Elfen sind scheiße und die Autoren dahinter einfach nur faul und unkreativ" - In meiner Welt gibt's auch Elfen, Zwerge und Trolle, insofern diffamier ich mich ja erstmal selbst ;D - Wobei Zwerge, Trolle und Riesen ja auch schon umgangssprachlich für klein, schadbringend und groß gebraucht werden, also für alles mögliche darauf zutreffende gebraucht werden können.. der GoT-Imp wird ja auch so geschimpft.

      bewußt mit der Vertrautheit zu arbeiten und mich darauf konzentrieren, wie ich entweder für mich oder für einen Konsumenten dieses Konzept interessant gestalten kann
      - Das klingt doch schön. Wobei ich da wieder bei den Kernthemen wäre, also auch was thematisch verfolgt werden soll und wo da die narrative Daseinsberechtigung für den Elf ist. (Also ISSO weil Autorenwunsch kann man auch als Daseinsberechtigung betrachten, die Unterteilung in innerweltlich, narrativ und außerweltlich zumindest nach #11 finde ich da trotzdem sinnvoller zum Arbeiten am Konzept)

      Hier am Beispiel von abstrakt vs. vertraut wieder die Erwähnung, ob man als Kunstprojekt bereit ist viel Publikum zu verlieren, wobei das auch möglichst aus gutem Grund und nicht nur weil man anders sein möcht (#15), oder doch mehr massentauglich sein möchte und beim Vertrauten bleibt.

      Spannend ist vielleicht auch nochmal, ob man ein Thema eines bekannten Volkes mit einem anderen Volk genauso oder auch besser aufgreifen kann und das funktioniert. Vermutlich aber eher weniger, weil sich die bekannten Völker auf ihren Themen so ja nicht ohne Grund etabliert haben, also evolutinär bereits dahingewachsen sind.


      Definition Fantastik #19
      Die Gesellschaft für Fantastikforschung mit den Worldbuilding-Tagen in Wien bald (Thread ist bekannt) definiert die Fiktionspole SciFi vs. Fantasy als Erkundung eines Möglichkeitsraumes (technologisch vielleicht irgendwann mal machbar) gegenüber der Erkundung eines Unmöglichkeitsraumes (Dämonenbeschwörung wissenschaftlich ausgeschlossen). Das find ich schon eine recht allgemeingültige unsprengbare Definition, .. o.ó

      Zum Abholen eines Massenpublikums kann man Massenthemen behandeln, aber.. joahr, das sind dann die dramatischen Soaps in südamerikanischen Telenovelas, in denen man sich zum Eskapismus in ärmsten Häusern Großbildfernseher aufstellt.. oder so o.x ..aber ja, Geschmäcker gibt es viele.


      Publikum abholen #19
      Wenn Menschen das Volk selbst kennenlernen müssen hab ich da oft wenig Lust darauf. Insgesamt gibt es mir zu oft als Identifikationsfigur oft den menschlichen Charakter in der fremden Welt. Eine Elfengeschichte die nur mit Elfenprotagonisten in der Elfengesellschaft und -welt spielt, eine solche Zwerggeschichte oder Trollgeschichte klingen doch gleich viel spannender. Das bisschen Befremdlichkeit zum Einstieg sollte durch die recht humanoide Lebensweise der Figuren schnell etablierbar sein, so wie halt Mittelalter- und Westernfilme ihre Gesellschaft schnell etablieren können. Dass Protagonisten auch mal Hobbits sein können ist ja schon eher die Ausnahme.


      Kultufokus #20
      Obwohl Kultur einen wesentlichen Bestandteil des Volkes ausmacht, resultiert sie irgendwo aus Biologie & Umweltbedingungen. Naja, getrennt sollte man sie vielleicht doch nicht behandeln, kann also vielleicht ein narratives Thema biologisch und kulturell hervorheben.

      Die Idee besteht wieder darin den Themenfokus als Autor erstmal bewusst zu setzen und sich in diesem Bewusstsein besser darauf fokusieren zu können und den Welten- und Völkerbau dahingehend auszurichten (ohne zur Allegorie zu verkommen.. also hier weiterhin weltenbauerisch konsistent zu arbeiten).
      > Möchte in Fantasy-Ausrichtung an den Erfolg von Scientology anknüpfen.
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