Linguistik (Lautwandel) Regeln dafür wie Phoneme zu anderen Phonemen werden

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    • Linguistik (Lautwandel) Regeln dafür wie Phoneme zu anderen Phonemen werden

      Hallo allerseits an die Linguisten unter euch hätte ich mal eine Frage sofern das nicht zu spezifisch ist.


      Ich versuche mich gerade an einer Kunstsprache, die ich zum Teil vom Proto-Indoeuropäischen ableiten möchte und dafür würde ich gerne eine klassische Tabelle darüber erstellen, welche Phoneme sich bei der ‚Ableitung‘ meiner Sprache vom Proto-Indoeuropäischen zu anderen Phonemen umwandeln. Nun zu meiner Frage:

      Nehmen wir zunächst mal ein kurzes Beispiel, damit auch ganz klar ist, was ich meine.


      Das Proto-keltische Wort kʷennom wandelt sich:

      Im irischen zu:ceann
      Im walisischen zu: pen


      Die Regel das protokeltische K/W durch [c] im irischen und [p] im walisischen zu ersetzen hat mich auf die Frage gebracht, ob es eben allgemeine Regeln dafür gibt, in welche Laute sich Laute wandeln können. Warum das [kʷ] zum Beispiel nicht zu [t] wurde. [t] gehört immerhin auch in die Klasse der Plosive. Dass Phoneme vermutlich eher dazu tendieren zu Phonemen in ihrer Klasse zu werden kann ich mir schon denken, ein [k] wird sich vermutlich nicht in ein [j] wandeln und Konsonanten werden wohl nie Vokale werden, aber gibt es da noch spezifische Regeln oder Tendenzen in was sich bestimmte Phoneme verwandeln und wenn ja, kennt jemand vielleicht eine Liste? Im Internet bin ich nicht wirklich fündig geworden…


      Ich hoffe ich habe mich hier halbwegs verständlich ausgedrückt. :lol:
    • Ne, das ist nicht zu spezifisch. :)

      Also ich bemühe beim Sprachbasteln gerne diesen Herrn:

      David Peterson

      Als Erfinder einiger Sprachen für GoT und andere Serien ist er ziemlich gut.

      Dieses Video ist schon mal eine gute Stelle für deine Frage.


      Ich glaube, eine wie von dir beschriebene Tabelle gibt es nicht. Wenn man genug Zwischenschritte einfügt, kann man vermutlich jeden Konsonanten in jeden anderen überführen.


      Von [k] zu [j] zum Beispiel: [k]->[g]->[gh]->[⁠ʒ⁠]->[j]


      Für Einzelsprachen gibts dann wiederum die Tabellen für die Lautwandel. Zum Beispiel fürs Deutsche.
      Ég Tarcailém inranum sui Tarecés insorum.
      -Wahlspruch des Schwarzen Rings


      Plan. Act. Reflect. Repeat 'til finish.
    • Dem gibt es nicht viel hinzuzufügen. Grundsätzlich ist es hilfreich, in Merkmalen zu denken. Merkmale sind zum einen Artikulationsstellen (labial, dental, alvelolar usw.), zweitens Artikulationsarten (Verschlusslaut, Reibelaut, Nasal usw.), Kategorien wie "stimmlos/stimmhaft" usw. Grundsätzlich scheint es so zu sein, dass in einem Lautwandelschritt ein Merkmal verändert wird, und zwar in der Regel in allen Phonemen, die dieses Merkmal teilen. Wenn also in einem bestimmten Kontext (etwa nach einem Vokak) /t/ zu /d/ wird, dann ändert sich nur ein Merkmal, nämlich stimmlos zu stimmhaft, und man wird erwarten, dass in dem gleichen Kontext alle stimmlosen Verschlusslaute entsprechend verändert werden, also /p/ zu /b/ und /k/ zu /g/.
      ... brought to you by the Weeping Elf
    • Eld schrieb:

      David Peterson

      Als Erfinder einiger Sprachen für GoT und andere Serien ist er ziemlich gut.

      Dieses Video ist schon mal eine gute Stelle für deine Frage.
      Wow dass sieht wirklich nützlich aus, damit sind meine nächsten Wochen dann wohl verplant. ;D Danke für den Tipp!


      Eld schrieb:

      Für Einzelsprachen gibts dann wiederum die Tabellen für die Lautwandel. Zum Beispiel fürs Deutsche.
      Jup, ich dachte nur vielleicht gibt es irgendwelche Tendenzen aufgrund der Physiologie der menschlichen Sprachorganen oder solche Späße.

      Eld schrieb:

      Von [k] zu [j] zum Beispiel: [k]->[g]->[gh]->[⁠ʒ⁠]->[j]
      Stimmt über das [g] kann man zum [j] kommen! Aber ich glaub so weit will ich die Sprachen nicht auseinander entwickeln. :)

      @WeepingElf
      Danke auch dir für den Tipp. Bei den Merkmalen klingelt 2. Deutsche Lautverschiebung bei mir wäre hilfreich gewesen, wen unser Prof das so einfach erklärt hätte wie du.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Annwn ()

    • Also zumindest der Wandel [g] zu [j] ist tatsächlich ziemlich häufig! Siehe z.B. den Wandel von urgermanisch *daga (bzw. auch im Deutschen: Tag) zu englisch day oder dänisch dag [dεj]. ;D

      Ich muss mal in meinen alten Unterlagen aus meiner Indogermanistik-Zeit wühlen. Ich meine mich da an irgendwas tabellenartiges zu erinnern... :kopfkratz:
      Ich glaube, für eine französische Hure ist Elatan ein bisschen zu provinziell.

      Kann man eigentlich mit Fäkalien töpfern? -- Tö.


      Über meine Welt Lacerta:
      Die Welt Lacerta -- Das Reich Fálorej
    • Nikedah schrieb:

      Oder auch über dieses ktj, wie im Lettischen.
      Man patīk 'Ķ'. :D

      Bei mir entwickeln sich Lautverschiebungen, indem ich Wörter öfter ausspreche und sich mein Geschmack über die Jahre hinweg ändert. Leider schaffe ich es nie, ein "j" wie im Deutschen auszusprechen, dieser Buchstabe rutscht mir mit der Zeit immer irgendwoandershin...
      Nights are deep when days are long. / / / Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
    • Eine intuitive Methode kann es sein, Wörter ganz schnell mehrmals hintereinander auszusprechen.

      Natürlich hat das auch Nachteile:

      • Es setzt voraus, dass die Sprecher einen Artikulationsapparat haben, der dem menschlichen entspricht.
      • Du drängst den Sprechern damit die Aussprache nach Deiner Muttersprache und Deinem Training auf.
      • Es beschränkt sich auf Phänomene aufgrund einfacherer Aussprache.
      Nett ist auch, zu schauen, welche Änderungen zu sprechen, Spaß macht.
    • Mal eine Wortmeldung von einem Phonetiker:

      Die bisher hier gemachten Annahmen sind so ziemlich alle korrekt. Soviel dazu schonmal.

      Für den Lautwandel kann man tatsächlich am besten mit der Merkmalsphonetik arbeiten, wie Eld bereits erwähnt hat. Wichtig ist dabei neben den Merkmalen aber auch der Kontext. Es wird beim Lautwandel also immer ein Merkmal in eine Richtung verändert, aber nie besonders weit. Beispielsweise kann aus einem [t] leicht ein [p] werden, aber kaum ein [k] (zumindest nicht ohne Zwischenschritte), weil dieses zu weit weg ist.
      Merkmale verändern sich aber immer zum Kontext hin. Entweder gleichen sie sich an ([ft]->[st]) oder sie werden deutlicher voneinander getrennt ([kt]->[xt]).
      Neben dem Ändern von Merkmalen gibt es aber auch noch andere Lautwandelprozesse. So können Laute getilgt, eingefügt oder vertauscht werden. (Aber auch hier spielt immer der Kontext eine wichtige Rolle.)

      In dem leider nicht mehr fertig gestellten großen Sprachentut hatte ich dazu mal etwas Ausführlicheres geschrieben. Vielleicht finde ich den Text noch irgendwo...
      -10,5 23 ∑ π
    • Heinrich schrieb:

      In dem leider nicht mehr fertig gestellten großen Sprachentut hatte ich dazu mal etwas Ausführlicheres geschrieben. Vielleicht finde ich den Text noch irgendwo...
      Hab grad nachgeguckt. Die Daten sind durchaus noch da, aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund werden sie im Frontend nicht angezeigt. Ich stell das bei Gelegenheit als Download zur Verfügung, okay?
      Don't diagnose and drive.

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