[Zr'ton] Der letzte Philosoph

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    • [Zr'ton] Der letzte Philosoph

      Der folgende Text war eigentlich für den Adventskalender gedacht, Veria konnte ihn aber leider nicht mehr unterbringen. Da ich nicht ein ganzes Jahr warten wollte, habe ich mich entschlossen, ihn jetzt hier zu veröffentlichen. Ein paar von euch werden wissen, was das für ein wichtiger Text ist für meine Welt. Viel Spaß!


      Der letzte Philosoph

      „Dann ist es jetzt vorbei, oder?“

      „Was meinst du?“

      Ein Moment Stille.

      „Ja, alles irgendwie…“

      „Alles nicht, oder? Wir sind ja zum Beispiel noch da, immerhin.“

      „Du weißt schon, wie ich es meine!“

      Chton’s’chr.

      S’thos musste sich eingestehen, dass es sich scheute, das Offensichtliche laut auszusprechen. Und Tho’rch schien das genau zu wissen und sich einen Spaß daraus zu machen, es aus S’thos herauszulocken. Oder vielleicht wollte auch Tho’rch der Wirklichkeit noch nicht ins Gesicht sehen

      „Ja, natürlich“, sagte es schließlich, „Aber ich finde, S’thos, du siehst das alles etwas zu pessimistisch. Klar wird in der Stadt in nächster Zeit nicht mehr wirklich viel passieren. Aber im Grunde genommen war Chton’s’chr doch schon die letzten vier Zyklen tot. Das war jetzt halt der finale Schritt und wenn du mich fragst: Es ist besser so!“

      „Aber war es wirklich notwendig, so weit zu gehen?“

      „Lieber das als weiter von denen in Rtho’rnr’sts’th ausgebeutet zu werden, oder? Ganz ehrlich: Um das, was vom Oberen Rat noch übrig war, ist es wirklich nicht schade.“

      „Z’sor ist auch gestorben“

      Dies immerhin schien Tho’rch etwas in Verlegenheit zu bringen.

      „Das hätte eigentlich nicht passieren dürfen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es Bescheid wusste. Aber ganz fehlerfrei läuft so was eben nie ab.“

      „Trotzdem“, setzte S’thos an, „So hätte es nicht enden dürfen. Weißt du, wir waren doch die, die es richtig machen. In Chton’s’chr hatten wir alles, um die ganzen Fehler, die Lasten der Vorfahren, abzulegen und ganz von vorne alles so aufzuziehen, dass es für alle funktioniert. Das war der Gedanke der Erleuchtung und das war immer das Ziel. Und jetzt ist das alles vorbei und wir sind gescheitert. Wir haben es nicht geschafft, den Verrat an unseren Gründern zu verhindern. Wir waren nicht gut genug!“

      „Das stimmt schon irgendwie. Aber überleg mal: Über 100 Zyklen hat das System gehalten. Ich glaube, das ist gar nicht so schlecht. Und am Ende sind wir doch daran gescheitert, dass wir zu erfolgreich waren. Nur weil sich unser Grünstein so gut verkauft hat und die Stadt so gewachsen ist, haben sich die Leute in Rtho’rnr’sts’th überhaupt für uns interessiert.“

      „Aber wenn es schon in Chton’s’chr schon nach ein bisschen mehr als 100 Zyklen vorbei war, wie soll es denn irgendjemand irgendwo schaffen? Wie kann es jemals ein System der Freiheit und Gerechtigkeit für alle geben?“

      „Ich weiß es nicht.“, gab Tho’rch zu, „Aber unsere Ideen sind ja nicht vergessen. Die Gründererklärung und die großen Manifeste wurden alle mehrfach kopiert und machen, was man so hört, ihren Weg durch die Welt. Und das große Archiv ist, wie ich erfahren habe, angeblich immer noch da. Ich weiß zwar nicht, wie sie es genau gemacht haben, aber R’on’o hat mir gesagt, dass sie sichergestellt haben, dass da nichts beschädigt wird. Ich habe sogar Gerüchte von ihm gehört, dass einer von den Verschwörern als Archivhüter in den Gängen dort bleiben will. Aber das hat es selbst nicht so genau gewusst.“

      Ja, Gerüchte hörte man überhaupt viele. Von dem Plan zur Zerstörung des ganzen Ratstraktes hatte S’thos erst einen Tag vorher erfahren, als Ch’thor sn O’to’ro ihm nahe gelegt hätte, die Philosophensitzung am nächsten Tag nicht zu besuchen und sich stattdessen bereits frühzeitig zu den Feierlichkeiten zum Mittjahrstag auf das Feld vor der Stadt zu gesellen. S’thos hatte aus der Eindringlichkeit von Ch’thors Worten durchaus herausgehört, dass es wichtig war, deswegen, war es der Aufforderung gefolgt. Auf dem Feld draußen hatte man kurz vor der Mittagsstunde das Geräusch einstürzenden Felsen gehört und dann hatten ein paar Verwalter alle Bürger von der Stadt weg zum Tunnel Richtung Thon’ch’thon’s getrieben. Alles war sehr schnell gegangen, anscheinend hatten eine ganze Menge Leute Bescheid gewusst sodass es kaum Widerstand gab. In Thon’ch’thon’s dann hatte T’chor sn Z’z’tr’chs’ts auf dem Hafenplatz der versammelten Menge verkündet, dass Chton’s’chr nicht mehr bewohnbar sei und alle Bürger frei seien zu entscheiden, wohin sie gehen wollten, nur nicht in die Stadt zurück. Die meisten hatten den Weg in den Tunnel Richtung Rtho’rnr’sts’th eingeschlagen, wie auch S’thos und Tho’rch. Sie hatten sich ein wenig zurückfallen lassen, um nicht in der großen Menge gehen zu müssen. Die Nacht brach gerade draußen herein und sie waren nur noch wenige Wegstunden von Rtho’rnr’sts’th entfernt.

      S’thos war noch nie dort gewesen. Genau genommen hatten sie bereits vor ein paar Stunden die Grenze passiert, über die es in seinem Leben nie hinaus gekommen war. Als Philosophenschüler war es nie notwendig gewesen Chton’s’chr zu verlassen, das überließ man den Händlern, Verwaltern und Bootsbauern. Tho’rch hatte als Steinmetzlehrling einige mehr Erfahrungen mit Reisen gemacht, trotzdem wusste S’thos, dass es auch Tho’rch schwer fiel, die Heimat so ganz zu verlassen. Es versuchte zwar, sich da nichts anmerken zu lassen, aber S’thos kannte es gut genug. Sie waren gemeinsam in der Schreiberkaste aufgewachsen und die Entscheidung für verschiedene Kasten vor einem halben Zyklus hatte an ihrem guten Verhältnis keinen Abbruch getan. Tho’rch hatte sich als eins der wenigen Gleichaltrigen nicht lustig darüber gemacht, dass S’thos am ersten Tag des neuen Zyklus als Einziges des Jahrgangs die Philosophen gewählt hatte. S’thos fiel in diesem Moment auf, dass ja jetzt nie mehr die Kastenwahl stattfinden würde und es folglich das letzte Trch‘zon überhaupt war, das der Philospohenkaste beigetreten war. S’thos wusste nicht, ob es darauf stolz sein sollte.

      Die Stille, die auf Tho’rchs letzte Antwort gefolgt war, schien nun im selbst unangenehm zu sein. „Weißt du, ich bin ja auch nicht glücklich darüber, wie es alles gelaufen ist.“, riss es S’thos aus seinen Gedanken, „Aber wir hätten nun wirklich nichts machen können. Und jetzt haben wir selbst in der Hand, was wir mit unserem Leben machen.“

      „Du hast leicht reden!“, antwortete S’thos, „Steinmetze braucht man auf der ganzen Welt. Was soll aber jetzt ein Philosoph außerhalb von Chton’s’chr anfangen?“

      „Wir sind jetzt nicht mehr in Chton’s’chr, S’thos! Du musst jetzt nicht mehr Philosoph sein, du kannst machen, was du willst! Das bisschen Vorsprung, was ich als Steinmetz habe, könntest du mit deinem Geschick vermutlich sogar aufholen. Aber auch so, in Rtho’rnr’sts kann man alles Mögliche machen. Ch’chos hat sich schon vor zwei Jahren aus dem Staub gemacht, und weißt du, was es jetzt macht? Es lebt in der Lehranstalt am Algenkanal dort und unterrichtet reiche Trch’zon, wie man Blitzkreise baut. Und einige unserer Schreiber sind schon vor Jahren zu einer der Dynastien aus der Sonnenstadt abgewandert. Nur weil solche Geschichten von unseren lieben Oberen Ratsmitgliedern immer totgeschwiegen werden, heißt das nicht, dass nicht eine ganze Reihe an Möglichkeiten auf uns wartet. Ich weiß ja, dass du am Rumphilosophieren und Diskutieren Spaß hast, S’thos, und dass es für dich eigentlich nichts Besseres gäbe, als ein richtiger Philosoph zu werden, aber wer weiß, wo du dieses Talent noch einbringen kannst?“

      S’thos sagte auch darauf zunächst einmal nichts. Die alten Bücher zu studieren und sich Reden von Größen wie Tor’stn sn Roch’z oder Zchot’to sn Thn’sr’zt anzuhören, hatte es, seit es denken konnte fasziniert. Die beiden lebten jetzt auch nicht mehr. Der Tod von Thn’sr’zt vor vier Jahren hatte im Grunde das Ende der Stadt eingeläutet, wie viele sich einig waren. Die Gerüchte besagten, dass er von Rtho’rnr’sts’th ergebenen Verschwörern ermordet worden war, was S’thos sofort glaubte. Und Tor’stn sn Roch’z war vor siebzehn Tagen bei einer Rede in der Ratskammer umgekippt und nicht mehr aufgestanden. S’thos war nur wenige Meter entfernt gestanden und die Schockwelle, die durch den Raum gegangen war, hatte einen tiefen Eindruck auf es gemacht. Als S’thos sich zurück erinnerte, war ihm nun allerdings, als wäre noch etwas anderes zu spüren gewesen, fast so, als hätte man auf diesen Moment gewartet. S’thos äußerte seinen Verdacht:

      „Meinst du, sie haben mit der Zerstörung des Ratstraktes extra den Tod von Roch’z abgewartet?“, fragte es Tho’rch.

      „Das kann ich mir schon vorstellen“, antwortete dieses. Einige von den Anschlagplanern sind ziemlich glühende Anhänger von ihm gewesen. Roch’z hätte bei einer solchen Aktion nie mitgemacht, und ziemlich sicher sofort alles verraten, wenn es irgendwas mitgekriegt hätte. Deswegen war vielleicht die einzige Lösung, seinen Tod abzuwarten, wenn man es nicht mit umbringen wollte.“

      „Jedenfalls gut, dass Roch’z das Ende nicht miterleben musste“, fügte S’thos hinzu.

      Jetzt waren sie an der Stelle, wo der Tunnel ins offene Feld auslief. Wind und Regen peitschten durch die Ebene. In einiger Entfernung waren ein Dorf und ein paar verstreute Gehöfte zu sehen. Am Horizont konnte man den Grünhügel erkennen und S’thos wusste, dahinter lag Rtho’rnr’sts’th. Dort würde sein Leben also ab heute weitergehen. Eins stand fest: Es würde ganz anders sein, als alles, was es bisher erlebt hatte. Aber vergessen, wo es herkam, würde es ganz sicher nicht.

      Der letzte Philosoph von Chton’s’chr

      S’thos gestand sich ein, dass diese Bezeichnung, trotz aller Tragik, die dahinter steckte, gar nicht so schlecht klang.
      Genrekonstruktivist, Weltformeltheoretiker und professioneller Es-sich-selbst-kompliziert-Macher

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    • Th'orch wusste auf jeden Fall schon früher, dass etwas im Busch war, was aber eher an einer besseren Beobachtungsgabe und Position lag. Zum engsten Kreis der Verschwörer gehörten beide nicht, auch weil sie ja erst ziemlich jung sind. Th'orch ist sicher pragmatischer eingstellt und hat durch den Handwerksberuf (um für das Einstürzen eines Höhlenteils zu sorgen kann sicher nicht auf das Wissen der Steinmetze verzichtet werden) sicher einiges mehr mitbekommen als S'thos, das in seiner philosophischen Welt doch eher naiv und eher mit sich selbst beschäftigt unterwegs war.
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    • Hey, ich habe nun auch mal die Zeit gefunden deine Geschichte zu lesen. ^^' Ich habe das Gefühl um sie ganz zu verstehen muss ich deine Welt dazu kennen, gerade mit den Namen war ich ein bisschen überfordert. Aber gute Gegenüberstellung der Charaktere, der eine mit einem handwerklichen Beruf und der andere mit einem geisteswissenschaftlichen Beruf. Ein Ende ist auch immer ein Anfang von etwas Neuem, das trifft wohl ziemlich auf diese Szene zu.