Sageninterpretation 1: Yusun am Wasser

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    • Sageninterpretation 1: Yusun am Wasser

      [Der folgende Text entstammt einer Sammlung, die den Titel "Yusuns Abenteuer" trägt. Yusun war ein mitkanischer Held und ist der Hauptdarsteller vieler Geschichten, ganz besonders für Kinder.]

      Am 25. Tag nach der Regenwende reiste Yusun nach Kunardis. Vom langen Weg war er fußwund und Hunger und Durst plagten ihn. Als er die Stadt betreten wollte, versperrte ihm ein großes Wasser den Weg.

      „Aus dem Weg, du Wasser!“ rief er. „Ich begehre Kunardis zu betreten!“

      Das große Wasser gähnte und antwortete: „Das könnte jeder sagen. Wer bist du überhaupt, Wurm.“

      „Ich bin Yusun, Sohn der Sonne und Abgesandter des größten Reiches, dass diese Welt je gesehen hat!“

      Das Wasser gähnte. „So groß kann es nicht sein. Ich habe es noch nicht gesehen.“

      „Das liegt daran, dass du keine Augen besitzt!“ sagte Yusun.

      „Und doch kann ich sehen. Ich sehe jeden Stein und jede Krume, über die ich fließe. Ich sehe jeden Fisch, der in mir schwimmt und jeden Vogel der auf mir schwimmt. Dich hab ich auch gesehen, als du an mein Ufer tratest.“

      „So lass mich vorbei, wenn du doch siehst, dass ich über dich hinweg will!“

      „Dies ist mein Bett, ich fließe hier. Wie willst du durch mein Bett hindurch, wenn ich doch darin bin?“

      Yusun stritt mit dem Wasser, da es ihm im Weg war. Er drohte dem Wasser, doch es lachte nur. Er flehte das Wasser an, doch es ließ sich nicht erweichen.

      „Wenn du mir nicht weichen willst, muss ich wohl durch dich hindurch!“ rief er schließlich.

      Das Wasser lachte und schwoll und schwoll und schwoll, bis Yusun nichts mehr vor sich sah, als nur Wasser.

      „Warum machst du es mir so schwer?“ fragte er.

      Das Wasser sprach: „Ich mache doch gar nichts. Du willst doch hindurch!“

      „Doch du bist mir im Weg!“

      „Ich bin nur ein Wasser. Ich bin wo ich bin.“

      Yusun stritt mit dem Wasser. Er drohte dem Wasser. Er flehte das Wasser an. Das Wasser wich nicht, fürchtete nicht und hatte kein Mitleid mit ihm.

      Schließlich wurde er müde und wandte sich ab vom Wasser und zurück zum Weg.

      „Warte!“ rief das Wasser. „Du kannst nicht gehen!“ Und es warf sich ihm in den Weg, doch sein Bett lag hinter ihm und es floss dorthin zurück. „Du kannst dort nicht hin!“

      „Siehe, ich kann doch!“ sagte Yusun und ging nach Kunardis.
      Braiiiins.
    • Ich habe meine Interpretation mal in Spoiler gesetzt, damit andere, wenn sie wollen, komplett unbedarft und unbeeinflusst interpretieren können. Natürlich könnt ihr es auch lesen, aber manch einer findet das vielleicht so lustiger. :)

      Spoiler anzeigen
      Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das richtig verstanden habe, denn es wirkt etwas merkwürdig auf mich: Yusun wollte in die Stadt, aber das Wasser war im Weg. Als er sich dann abwandte, wollte es ihm folgen, konnte aber nicht, und floss zurück. Yusun konnte dann aber trotzdem nach Kunardis weitergehen ... Ich glaube, das liegt daran, dass weniger Wasser im Fluss war und Yusun dann die Gelegenheit nutzte, bevor der Fluss wieder ganz voll war. Ich könnte mir vorstellen, dass das eine Lehre für uns ist: Wir können den Naturgewalten nicht mit Bitten und Betteln kommen, sondern müssen sie so nehmen, wie sie sind. In dem Fall konnte Yusun bei Flut nicht hinüber, sondern musste auf Ebbe warten.


      Wenn ich das jetzt komplett falsch verstanden habe: ich bitte zunächst auf keinen Fall um Aufklärung! ;D Ich glaube nämlich, dass grade Missverständnisse zu besonders fruchtbaren Ergebnissen führen. Ich bin mal gespannt, was die anderen dazu sagen.
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    • Elatan schrieb:

      Ich habe meine Interpretation mal in Spoiler gesetzt

      Ich glaub, ich mach das dann auch mal ;D

      Falls du nichts gegen in-eigener-Welt Interpretationen hast - hier ist eine =)

      Eine Analyse aus der Perspektive von Halkein Wolkhal von den Dracheninseln, einem etwas unfreiwilligem Geschichtenweitererzähler, wie er sie mit Notizen machen würde, zu dem Zweck, sie anderen Leuten aus seiner Kultur zu erklären/erzählen zu versuchen:

      Spoiler anzeigen

      Noch ein Mythos?
      Warum ist das überhaupt immer meine Aufgabe, Außenseiterzeugs auseinanderzunehmen und dann für die anderen aufzubereiten? Ich hab mich nicht für die Berufung gemeldet.
      Also gut. Bin da vielleicht irgendwie reingeschlittert, aber es war keine Absicht. Irgendwer musste die ganzen alten Geschichten aus Drakrika übersetzen. Und das Sagenbuch des Vesperianischen Imperiums war ein Geschenk.
      Nehmen wir mal auseinander.

      Offensichtlich können mitkanische Leute nicht fliegen oder haben Verwandte, auf denen sie reiten können; keine Drachen weit und breit. Beim Wiedererzählen unbedingt sicherstellen, dass ich vorher klarstell, dass diese Leute überall hin gehen müssen oder wie sich erdgebundene sonst fortbewegen.

      Yusuns Geschlecht fließt in die Geschichte nicht ein, Vorfahren sei dank. Ich weiß nie, wie ich sowas Drachen klar machen soll...

      Es geht um... Wasser? Das Wasser dorthin fließt, wo es will, und Leute am Weg bleiben sollten?

      Wahrscheinlich, um Kindern klar zu machen, dass Wasser gefährlich ist. Das scheint Sinn zu machen, Flüsse können ganz schön gefährlich sein. Auf den Inseln gibt es nur kleine Bäche, also... hmm, wenn ich die Geschichte ein bisschen umschreibe, kann ich es prima als Warnung verwenden, wieso in großen Flüssen herumtollen und sich gegen Wassermassen stellen eine richtig schlechte Idee ist. Wasser gewinnt immer, wenn du auf dessen Grund dagegen kämpfst. Also geh um das blöde Zeug herum oder flieg drüber. Vergleich mit Stürmen, nur weniger schlimm in der Luft und schlimmer am Boden?


      -Halkein Wolkhal


      Ich will auch noch keine Auflösung, wär aber bereit, noch eine Analyse aus einer ganz anderen Perspektive zu schreiben. Oder eine aus meiner. ;D :festknuddel:

      Einfach sagen? :)
    • Teja schrieb:

      Hihihi, ich glaube ich lass mir mit der Auflösung noch Zeit, es ist viel zu spaßig, eure Ideen zu lesen! Sagen wir, eine Woche? In der Zwischenzeit kann ja noch jemand einen weiteren Thread starten, wenn Lust besteht (ich mag nämlich auch gerne interpretieren).
      Klingt gut! Ich glaube, ich finde auch noch einige Textschnippsel, die ich präsentieren kann, ich warte aber noch etwas, damit keine Konkurrenz entsteht. ;D
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      Die vorliegende Sage "Yusun am Wasser" aus der Sammlung "Yusuns Abenteuer" wurde zu ungenannter Zeit von einem unbekannten Verfasser geschrieben und handelt vom namensgebenden Helden im Streit mit einer Naturkraft.
      Da keine weiteren Informationen zur Überlieferungsgeschichte dieser Sage verfügbar sind und die Lebenszeit des mitkanischen Herrschers "Yusun" mittlerweile mehr als 1000 Jahre zurückliegt, kann nicht abschließend geklärt werden, ob es sich um ein historisches Ereignis handelt, eine allegorische Schilderung oder es sich gar um eine Geschichte handelt, die erst später mit dem in vielen Geschichten auftretenden Yusun verknüpft wurde.
      Das personifizierte Wasser, dass den hochmütigen, selbstbewussten Herrscher zurechtweist und seine Macht überdenken lässt, legt nahe, dass es sich um eine Allegorie handelt, die dem Leser vermitteln soll, dass er - unabhängig seiner tatsächlichen Macht - mit Problemen konfrontiert werden kann, die durch die eigene Macht nicht gelöst werden können. In der Form eines Herrscherspiegels kann diese Sage auch den Hinweis an einen künftigen Herrscher beinhalten, dass die eigene politische Macht sich nur dorthin erstreckt, wo diese Macht auch bekannt bzw. respektiert wird.
      Sollte es sich um ein historisches Ereignis handeln, so kann diese Sage eine Erinnerung an eine Naturkatastrophe sein, bspw. eines Hochwassers, oder - da Yusun in die Zeit der frühen Expansion Mitkas fällt - um die Erinnerung einer Belagerung von Kunardis. In letzterem Fall könnte das personifizierte Wasser die märchenhafte Überlieferung eines Wassergrabens oder ähnlichen Hindernisses darstelllen und die Weigerung des Wassers käme der Weigerung der kunardischen Bevölkerung gleich, die Macht Yusuns zu akzeptieren.

    • Ich versuch auch mal. :)

      Spoiler anzeigen

      Jimo Lez-Anjn, Traum- und Weltenreisender, ursprünglich aus dem Te-Merlo des 1.Jhdts, schreibt:

      Ich vermute, dass sich in dieser Geschichte mehrere Ebenen der Bedeutung vereinen. Zum einen die der tatsächlichen Geographie einer Welt, darauf dürften die konkreten Ortsbezeichnungen und die Regenwende bezogen sein. In der Zahl 25 könnte aber bereits eine symbolische Bedeutung stecken. Um das zu klären, müsste ich in die mitkanischen Träume reisen - aber das wäre natürlich ein riesiger Aufwand. Es mag sein, dass die Zahl 5 in dieser Kultur eine Rolle spielt, ich belasse es mal dabei.

      Ich sehe eine Personifikation des Wassers, des weiteren wird der Held Yusun als Wurm bezeichnet - offenbar ist es unehrenvoll, keine Arme und Beine zu haben, also der Aktivität beraubt zu sein, vielleicht steckt dahinter auch ein Arbeitsethos, das Faulheit oder auch Müßiggang stark abwertet - und es findet eine Interaktion zwischen Yusun und dem Wasser statt, in dem die Eigenschaften von Flüssen aus der alltäglichen in eine symbolische Ebene gehoben wird.

      Aus meiner Sicht versuchen die Erzähler*innen dieser Sage zu vermitteln, dass es sinnlos sei, sich gegen eine naturgegebene Macht zu stellen, aber es gleichzeitig auch meist möglich sei, den Mächten aus dem Weg zu gehen. Möglicherweise ist das auch nicht nur auf Naturgewalten bezogen, sondern auch auf Herrscher - "stell dich ihnen nicht in den Weg, geh dorthin, wo sie dich nicht treffen können!" - aber es könnte sich natürlich auch um eine stark schicksalsgläubige Kultur handeln, in der dieses zwar unüberwindbar festgeschrieben ist, jedoch gerade die Hoffnung darauf betont wird, abseits von den Gegebenheiten des Schicksals eine freie Lebensgestaltung zu finden. In diesem Sinne würde die Aussage auf "Akzeptiere die Dinge, wie sie sind, aber finde die Möglichkeiten, dennoch dein Leben zu gestalten!" hinauslaufen. Die Positivität der Aussage wird noch dadurch verstärkt, dass Yusun am Ende doch erreicht, wozu er aufgebrochen ist. Das scheint mir ein wenig paradox, aber - wann war das Leben je nicht paradox? Aus eigener Erfahrung: Nie.

      -

      James Hirry, Magietheoretiker und Wissenschaftsphilosoph, Thiios:

      Der Trend der letzten Jahrzehnte, sich auf alte Müten aller Art zu beziehen, reißt nicht ab. Immer neue Methoden werden gefunden, sich Zugang zu den Geschichten und dem Gedankengut anderer Welten zu beschaffen. Den Einsatz von Technologie in diesem Bereich begrüße ich natürlich - habe ich doch selbst dazu beigetragen - aber der schieren Masse an Erzählungen steht oft nur eine magere und oberflächliche Rezeption gegenüber. Ich stelle mein Bedauern darüber voran, während ich selbst auch nur einen weiteren solchen kurzen Beitrag leiste, der aber hoffentlich anderen eine Tür zu einer ausführlicheren Untersuchung öffnet.

      Die Sage von 'Yusun am Wasser' folgt einem Muster von Widerständen und deren Überwindung. Eine Stadt muss erreicht werden, ein Hindernis steht dem Helden im Weg. Eine Anzahl von Versuchen scheitert, im Aufgeben jedoch wird eine Lösung präsentiert.

      Der Tonfall der Unterhaltung Yusuns mit dem Wasser hat durchaus auch eine komische Komponente. Die Personifikation reicht soweit, dass das Wasser sogar gähnen kann - worin sich auch eine metaphorische Bedeutung verbergen könnte, über die ich nur zu spekulieren wüsste, da das Wissen über die physikalischen Verhältnisse der Welt mir ja nicht gegeben ist.

      Ist dies nun also ein Stoff, den ich im Theater sehen möchte? Ich würde sagen, ein Potential dafür ist gegeben. Möglichweise lässt sich daraus ein struktureller Kern entwickeln, und darum herum ein weiteres Gerüst von symmetrischen Handlungssträngen aufbauen, das dann mit gewitzten Dialogen befüllt würde. Den großen Namen des Theaterlebens traue ich das natürlich zu - aber vielleicht auch einigen Nachwuchskünstlern, die sich daran versuchen wollen. Wenn ich es mir herausnehmen darf, diesen etwas zu empfehlen, dann wäre das, beim Bedienen an Mütologie nicht zu nahe am Ausgangsmaterial zu bleiben. Was uns die Technologie an Material heranträgt, muss immer durch den Filter des Einzelnen perzeptiert werden, damit es für uns Relevanz erlangt.

      (Hirry ist primär Naturwissenschaftler, aber ... halt aus Thiios, wo sich eh alles um Literatur und Theater dreht, und berühmt genug, dass z.B. Zeitungen ihn zu im Prinzip jedem Thema was fragen würden.^^)

      Nights are deep when days are long. / / / Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
    • Ich mach noch eine Interpretation. :hops:

      Dieses mal aus der Sicht von Quirin Eberhard Daumer, zur Auffindung durch einen Kollegen, der dazu neigt, sich von anderen "inspirieren" zu lassen.

      Spoiler anzeigen

      Die studierte Geschichte unbekannten Namens aus der Sammlung "Yusuns Abenteuer" handelt vom mitkanischen Helden Yusun, wie er einen Fluss überquert.

      Aus den simplen Fakten der Geschichte ist zu schließen, dass Yusun und Mitkaner i.A. erstaunlich groß sind, vermutlich sogar über einen Meter: Kreaturen einer vernünftigen Größe könnten einem Fluss nicht standhalten. Dies wird außerdem normalisiert - zu den "kleinen Völkern" haben Mitkaner sehr wahrscheinlich nie Kontakt gehabt.

      Das Wasser, trotz des Titels der Sammlung, ist hier eindeutig der Held der Geschichte: Es wird von Yusun auf eigenem Grund und Boden angegriffen; seine Verteidigung scheitert letztendlich an Yusuns Benutzung des Weges, wo es nicht hin kann: Eine klare Referenz an eine historische Belagerung, bei der der Feind durch einen Geheimweg in eine Stadt kam.

      Yusun hingegen ist ein äußerst stereotypischer Feind: Er protzt und prahlt, gebiert und kämpft und tritt des Wassers Rechte mit den Füßen; schlussendlich siegt er durch List.

      Die besagte Belagerung spielte sich wahrscheinlich in der Zeit ab, in der Yusuns Geschichte angesiedelt ist - Notiz: Betreibe Recherche zu mitkanischer Geschichte.

      [Quirin würde "definitiv echte mitkanische Geschichtsbücher" in Reichweite dieses Kollegen liegen lassen.]


    • Zeit für eine Auflösung!

      Yusun ist nach über 1000 Jahren ein Konglomerat aus mehreren historischen Persönlichkeiten und die Geschichten haben wenig mit der Realität zu tun.

      Die Geschichte "Yusun am Wasser" im speziellen ist eine Allegorie, die im 8. Jahrhundert zum ersten Mal auftaucht. Die Moral aus der Geschichte ist im wesentlichen, nicht alle Probleme lassen sich auf offensichtliche Weise lösen und manchmal kann man das scheinbare Problem auch einfach umgehen.

      Die Stadt Kunardis existierte tatsächlich einmal, sie war eine Küstenstadt am Kalten Meer, die zwischen dem 4. und 5. Jahrhundert wiederholt von Mitka geplündert und schließlich zerstört wurde. Zu dieser Zeit war der/die historische Yusun jedoch schon lange verstorben. Anfang des 8. Jahrhunderts kam es in Mode ihn/sie als Held/Heldin für eine Reihe von Heldensagen und Allegorien zu verwenden, die oft schon lange mit anderen Personen erzählt worden waren. Historiker vermuten, dass dies auf den damaligen Kaiser Kesan zurückgeht, der eine historische Heldenfigur zu erschaffen suchte, um dem Reich eine stärkere kulturelle Identität zu geben.

      Mir hat es einen Riesenspaß gemacht, eure Interpretationen zu lesen!
      Braiiiins.
    • Jerron schrieb:

      Was es mit dem Meer auf sich hat, wird in der Erklärung aber nicht deutlich. :hmm:
      Hö? Das Meer wird doch in der Geschichte nicht einmal erwähnt, warum sollte es da erklärt werden?
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    • Dr. Uthaljen, Professor der Philosophie, interpretiert in seinem Wahl-Kurs "Philosophie in der Literatur" ein Werk einer Sammlung, die ihm vom Landesschulrat empfohlen wurde [der Text in den Klammern ist von seinen Schülern gesprochen]:
      Spoiler anzeigen

      "Yusuns Abenteuer" ist das Thema unserer heutigen Stunde. Genauer, eine Kindergeschichte aus der gleichnamigen Sammlung. Mal schaun ... es gab eine Regenwende, einige Tage später begann die Reise des Helden. Regenwende bedeutet in dem Fall, dass entweder der Regen eingesetzt oder aufgehört hat.

      Dann erwähnt der Erzähler, dass Yusun durch die Wanderung erschöpft ist, hungrig und durstig. Und dann versperrt ihm Wasser den Weg. Wie praktisch. Dann kann er ja trinken! Aber was tut er? Nein, er löscht nicht seinen Durst wie jeder normale Wanderer, sondern fordert das Wasser auf, zu verschwinden. Und was sagt uns das?

      ["Das er das Wasser nicht trinken konnte?"]

      Genau! Denn das Wasser ist kein Wasser, sondern eine Metapher. Wofür kann Wasser in der Philosophie stehen?

      ["Reinheit."] ["Geduld."] ["Macht!"] ["Ein Hindernis - in dem Fall."]

      Das stimmt, das stimmt, ihr alle habt Recht - wenn man das Thema allgemein betrachtet. Im Fall Yusuns steht das Wasser für ein Unüberwindbares Hindernis, an dem er, am Ende der Geschichte, doch noch vorbeikommt. Das weist darauf hin, dass das Wasser eine große Prüfung in Yusuns Leben darstellen soll.

      ["Kann es nicht auch etwas anderes sein? Ein mächtiger Gegner, den er besiegen muss? Die einst mächtige Stadtmauer der Stadt Kunardis?"]

      Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Betrachten wir zunächst die Konversation zwischen dem Helden und seinem Hindernis: Er befiehlt dem Wasser zu weichen, doch es beleidigt ihn. Auf die Prüfung bezogen können wir davon ausgehen, dass Yusun den leichten Weg gewählt hat, und daran versagte. Dass er als Wurm bezeichnet wird, sagt aus, wie schwer die Prüfung ist - er ist klein, schwach und machtlos gegenüber der Prüfung. Dass er sich als "den Großen" bezeichnet, ändert auch nichts daran. Daraus lernen wir, dass Angeber, die nichts leisten können, besser ihr Mundwerk verschließen, da sie sich sonst leicht die Zähne ausbeißen können.

      Das Wasser kennt seine Position, und macht es dem Helden auch nicht leicht. Erst als er eine List anwendet, besteht er die Prüfung und erreicht sein Ziel. Der Autor wird am Ende zwar etwas unklar, was die Handlung betrifft, doch die Botschaft kommt klar rüber: Egal wie klein und schmächtig man im Angesicht einer großen, mächtigen Prüfung ist, es gibt immer einen Weg, sie zu bestehen, man muss ihn nur finden.

      Natürlich beschreibt die Sage die Prüfungen des Lebens und soll euch auf keinen Fall dazu ermuntern, bei den Prüfungen der Schule zu schummeln!
    • Elatan schrieb:

      Jerron schrieb:

      Was es mit dem Meer auf sich hat, wird in der Erklärung aber nicht deutlich. :hmm:
      Hö? Das Meer wird doch in der Geschichte nicht einmal erwähnt, warum sollte es da erklärt werden?
      Ja. Hier. Dings. Wasser halt, das zurückgeht. Ich hab dabei einfach mal angenommen, dass es sich um ein Meer handelt.

      Was es also mit diesem aus für mich aus keinem nachvollziehbaren Grund sich dann doch noch zurückziehenden Wasser auf sich hat, wird aus der Erklärung nicht klar.
    • Jerron schrieb:

      Ja. Hier. Dings. Wasser halt, das zurückgeht. Ich hab dabei einfach mal angenommen, dass es sich um ein Meer handelt.
      Hihi, mir, wo ich fast mein ganzes Leben in nem Binnenland zugebracht hab, ist nicht mal die Idee gekommen, dass es sich dabei um ein Meer handeln könnte.^^
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