Phonetisches Alphabet als Über-Schrift?

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    • Chrontheon schrieb:

      Was sind Ober- und Unterlängen?
      Das 'p' ragt unter die Zeile, das 'l' ragt nach oben, jedenfalls höher, als ein 'n' das tut. ;)

      Die Idee, sich an einem rein nichtphonetischen, arbiträren Merkmal zu orientieren und damit kreativ zu werden, gefällt mir sehr gut.
      Nights are deep when days are long. / / / Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
    • Oberlängen sind die Teile von Kleinbuchstaben, die nach oben herausragen, Unterlängen dementsprechend die, die nach unten herausragen. Die Buchstaben b d f h i k l ß t haben Oberlängen (bei i nur der i-Punkt), g p q y Unterlängen, j (in machen Schriftarten auch f) beides.
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    • Ich hab mich mal für ein paar Tage mit Sprache beschäftigt und kam dann auf ein knappes Outworld-Alphabet mit 9 Vokalen und 12 Konsonanten.

      Spoiler anzeigen
      9x Vokalfunktion:
      a - ai - i - ie - e - y - u - ua - ue
      [y: Aussprache wie ein i mit zurückgezogener Zunge]

      12x Konsonantfunktion:
      z - s - ts - sh - ph - l - n - m - r - th - p - k
      [z: Aussprache summendes s wie in sieben.]
      [s: Aussprache wie in essen.]
      [ph: Aussprache wie in [Ph]antastik]
      Ich hab nur eine Schriftsprache, die dann aber komplizierter sein soll. Nur bestimmte Konsonant-Vokal-Kombinationen sind erlaubt und bilden eigene Silbenzeichen der Inworld-Schriftsprache. 82 mögliche Silbenzeichen zählt die jetzt. Ich habe mir aber nicht vorgenommen die alle auch darzustellen, das reicht wenn die schriftkundigen Weltenbewohner wissen wie die aussehen. Ein Symbolzeichen hab ich, aber sonst nichts derart.

      Was mich jetzt aber eher bewegt hat hier zu antworten war eine Frage an @WeepingElf, und zwar schriebst du im letzten Beitrag "Dann hätte man wenigstens Verschlusslaute". Ist das "wenigstens" so gemeint, dass man zumindest einige Laute hätte, oder sind Verschlusslaute in einer Sprache herausragend relevant? :-/
      > Möchte in Fantasy-Ausrichtung an den Erfolg von Scientology anknüpfen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Eru ()

    • So weit bekannt, haben alle realen "natürlichen" Sprachen Verschlusslaute. Eine Sprache ohne Verschlusslaute wäre schon recht merkwürdig. Also wenn es um realistische Sprachen geht, sollte man sie haben, zumindest die stimmlosen; Sprachen ohne stimmhafte Verschlusslaute gibt es reichlich. Aber dann sollte man eben nicht Laute aussuchen, indem man Buchstaben ohne oder mit Ober- und Unterlängen auswählt.
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    • Also da fehlt's mir momentan an der Begründung. Ohne die finde ich ein Realismus-Argument nicht stimmig. :-/ Strikt realistisch ist nur, was in der Realität existiert. Wenn man aber darüber sprechen möchte, was möglich ist, gehört auch dazu zu wissen wieso oder wieso nicht.

      Wenn man sagt, Drachen sind unrealistisch, weil alle natürlichen Wirbeltiere Vierfüßler sind ... hilft das dem Drachen nicht.
      Wenn man sagt, die teilen sich zu viele Merkmale mit den Vierfüßlern, sodass ganze Evolutionsbaum nochmal eine Parallelentwicklung mit Hexapoden bräuchte um die Merkmale nachzustellen, ist greifbar begründet, warum der Drache in einer Welt zusammen mit dem bekannten Rind eher unwahrscheinlich ist.

      Selbst im Deutschen findet man Worte wie Sätze Verschluss, daher finde ich schwer jetzt ihre Notwendigkeit in einer realistischen Sprache zu sehen. Bsp.: "Warum soll ich nur noch Fisch essen?"

      Ich hab die Frage grad selbst noch ein bisschen verfolgt. Reddit hatte da ein paar Antworten: reddit.com/r/linguistics/comme…hout_any_stop_consonants/
      - Mit die am einfachsten zu erzeugenden Laute, selbst Säuglinge fangen an die zu brabbeln
      - Ein hoher Kontrast zu Vokalen

      Aber andererseits hab ich wirklich nicht viel mit Sprachen am Hut und bin vlt. einfach nicht über einen nachvollziehbaren Grund zur Notwendigkeit von Verschlusslauten für Sprachen gestolpert.
      Da die verschlusslose Sprache sich ein bisschen vom Gebrabbel der Barbaren abheben möchte, finde ich den Entwurf immer noch sehr passend.

      /Ed: So gesehen ist es aber vlt. einfach keine natürliche Sprache, wenn eine künstliche Regulierung die Verschlüsse ächtet.
      > Möchte in Fantasy-Ausrichtung an den Erfolg von Scientology anknüpfen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Eru ()

    • Es hat immer wieder Versuche seitens Sprachwissenschaftlern gegeben, nicht triviale Aussagen zu finden, die auf alle menschlichen Sprachen zutreffen, sogenannte "Universalien". Vor allem in der 2. Häfte des 20. Jh. hat sich daran eine heftige Debatte entzündet, die oft als "Universalienstreit" bezeichnet wird (historisch versteht man unter "Universalienstreit" freilich was ganz anderes). So hat etwa Joseph Greenberg 1963 eine Liste von 45 vermeintlichen Universalien aufgestellt, doch hat man wohl mittlerweile zu jeder dieser Aussagen mindestens ein Gegenbeispiel gefunden. Die meisten dieser Regeln gelten aber immerhin für die ganz überwiegende Mehrzahl aller Sprachen.

      Feste Regeln scheint es also nicht zu geben, aber wenn man sich ein einigermaßen abgerundetes Bild von der Vielfalt menschlicher Sprachen gemacht hat, bekommt man ein gewisses Gefühl dafür, was geht und was nicht. (Und wenn man sich konkret an einer Region orientiert, bzw. wie ich die Bastelsprachen in eine bestimmte realweltliche Region einbettet, braucht man sich auch nur die Sprachen dieser Region anschauen, um etwas Passendes zu bauen. Was freilich nicht heißt, dass man nicht woanders doch eine interessante und passende Idee finden kann!)

      Aber letztendlich prallen hier nur verschiedene Bastelstile aufeinander, von denen keiner für sich beanspruchen kann, der einzig wahre zu sein. Ich persönlich halte etwa ISSO für weltenbastlerisches Gaffertape: damit bekommt man im Nu alles Mögliche zusammen, aber gut aussehen tut es nicht, und wie lange es hält, ist eine ganz andere Frage ;)
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    • WeepingElf schrieb:

      Warum nicht? Dann hätte man wenigstens Verschlusslaute: p t k und b d g. Aber nur zwei Vokale, nämlich i und y, wenn man nicht Umlaute oder sonstige Vokale mit diakritischen Zeichen dazunimmt.
      Das bringt mich auf einen interessanten Gedankengang. Wenn nämlich eine Spezies aus anatomischen Gründen keine anderen Vokale als "i"-Laute hervorbringen kann, dann wäre eine solche Verschriftung durchaus angebracht ...

      WeepingElf schrieb:

      Ich persönlich halte etwa ISSO für weltenbastlerisches Gaffertape: damit bekommt man im Nu alles Mögliche zusammen, aber gut aussehen tut es nicht, und wie lange es hält, ist eine ganz andere Frage
      Auch wenn das ein wenig arg ins Off-Topic geht, kann ich das nicht so ganz unterschreiben. Ich nehme als Beispiel Pratchett Scheibenwelt, die anfangs postuliert, dass die Welt eine Scheibe ist, die auf vier Elefanten ruht, die auf einer durchs All schwimmenden Schildkröte stehen, und eine winzige Sonne die Welt umkreist, wobei eine der vier Elefanten regelmäßig ein Bein heben muss, um die Sonne durchzulassen. Reines ISSO (und natürlich persiflierte historische Weltbilder). Darauf aufbauend kann man aber dennoch wunderbar eine stimmige Welt kreieren. Und gut aussehen tut das Ganze definitiv.

      Dennoch ist die Beschreibung "weltenbastlerisches Gaffer-Tape" so großartig, dass ich es mir definitiv merken muss! :D
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      Jedes Tier sollte stolz sein, wie Grillgut auszusehen. Besser als wenn man hinschaut und sagt: "Nette Suppeneinlage." (Mara)
      The limit of the Willing Suspension Of Disbelief for a given element is directly proportional to its degree of coolness.
    • Ja, Pratchetts Discworld hat Klasse, aber eben weil sie eine satirische Welt ist, die gar nicht ernst genommen werden will (und, wie Du sagst, auf historischen Vorstellungen von der Beschaffenheit der Welt basiert). Und schließlich gibt es eben nicht die "eine richtige Art, eine Welt zu bauen". Das ist eben Geschmackssache. Und vom Thema abgekommen sind wir hier sowieso.

      Um also zum Thema zurückzukommen: es gibt gute Gründe, für jede Sprache eine Umschrift zu entwickeln, die den phonologischen Eigenheiten der Sprache angepasst ist, aber auch gute Gründe, alle Sprachen, die man bastelt, nach einem einheitlichen System zu schreiben. In der Tat war ich lange ein Anhänger eines einheitlichen Systems (hatte auch eins, wie ich schon geschrieben habe), bin es eigentlich auch heute noch, aber je vielfältiger die Sprachen sind, desto komplizierter wird eine solche Umschrift, und desto mehr Ballast schleppt man in manchen Sprachen mit. Am Ende hat man dann unter Umständen so was wie die wissenschaftliche Umschrift des Hethitischen, wo die Buchstaben s und h nur mit jeweils einem bestimmten diakritischen Zeichen vorkommen (das manche Autoren dann auch weglassen), weil das nach einem einheitlichen System für alle Keilschriftsprachen transkribiert wird.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von WeepingElf ()

    • Gomeck schrieb:

      Das bringt mich auf einen interessanten Gedankengang. Wenn nämlich eine Spezies aus anatomischen Gründen keine anderen Vokale als "i"-Laute hervorbringen kann, dann wäre eine solche Verschriftung durchaus angebracht ...
      Ja, eine Spezies mit einem sehr breiten Grinsen! ;D
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