Vierundvierzigstes Speedbasteln: Einjahresjubiläumsspeedbasteln am 25.5.2018: Erinnerungskultur

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    • Vierundvierzigstes Speedbasteln: Einjahresjubiläumsspeedbasteln am 25.5.2018: Erinnerungskultur


      Genau am Freitag vor einem Jahr gab es das allererste Speedbasteln und dieses Jahr gibt es eine Jubiläumsausgabe am Freitag um 20:30. Wenn ihr dabei sein wollte, guckt eine halbe Stunde vorher in den Chat oder einfach hier ins Forum!
      Braiiiins.
    • Erinnerungen an die ferne Heimat
      Auszüge aus "Erinnerungen an die ferne Heimat" von Hereches Nekides.

      Die „seriöse“ Wissenschaft wird nicht müde, meine Thesen als unbegründeten Unfug zu verunglimpfen, aber ich werde Ihnen, meinem aufgeschlossenen Leser, in diesem Buch anhand zahlreicher Beispiele zeigen, dass unser Ursprung nicht nur im All liegt, sondern unsere Vorfahren sich sehr wohl daran erinnert haben und wir nur vergessen oder verlernt haben, diese Erinnerung in den alten Bräuchen zu erkennen.[...]

      […] aus dem antiken Iderusa. Der antike Reisende Eristales berichtet in seiner Reisebeschreibung über den Neujahrsbrauch der Bewohner von Bubluna:
      „An diesem versammelten sich die Familien vor ihren Häusern und ich konnte beobachten, wie jeweils einer von ihnen einen kleinen Kasten aus Holz zum Himmel erhob; dieser war je nach dem Wohlstand der Familie bemalt oder mit edlem Metall verziert, mancher war eher grob gearbeitet, mancher fein von eines Meisters Hand. Derjenige, der den Kasten empor hob, legte dann die freie Hand auf sein Ohr und schloss die Augen. Er schwieg, seine Familien schwiegen, für einen Augenblick schwiegen alle Familien, die Stadt schwieg. Beinahe gleichzeitig erhoben die Kastenhalter überall ihre Stimme und verkündeten: Neißa-bhu-responnt. Daraufhin erhoben einige aus den Familien kunstvoll verzierten Hacken, als würden sie die anderen erschlagen wollen, und machten drohende Gesten. Die anderen begannen als dann durch die Straßen zu laufen und wo immer sie auf eine andere Familie trafen, blieben sie stehen und verkündeten: Neißa-bhu-responnt. Dieses seltsame Schauspiel dauerte fast eine Stunde. Dann schlug ein Gong aus dem Tempel und ein reich geschmückter Priester trat aus dem Tempel hervor auf den großen Platz und wiederholte immer wieder und wieder: Der Anbruch eines neuen Tages, das Schicksal einer neuen Welt, erinnere die Heimat, vergiss niemals den vergangenen Tag. Und nach und nach strömten die Menschen mit ihren Familien zum großen Platz, um zwischen jeder Wiederholung des Priesters gemeinschaftlich zu verkünden: Wir erinnern.“ […]

      […] was die ersten Entdecker über die Mahamiter berichten. Der seltsame Brauch wird von den Ethnologen als „Fest der Heimkehr“ bezeichnet, aber wenn wir an die Bilder der Kapsellandungen denken, wird uns sofort deutlich, dass die Ureinwohner der mahulesichen Inseln in ihrem Fest eine uralte Geschichte erinnern: „Das Fest zum Gedenken der Ahnen besteht im Kern daraus, dass die Menschen von den Dächern oder den höchstgelegenen Fenstern eine Kaluma-Frucht herabwerfen, an die durch Fäden ein rundes Tuch gebunden ist. Beim Auftreffen der Frucht auf dem Boden, brechen die Zuschauer in Jubel aus und Rufen: Pelennet-Fohl! Wir sind Zuhause!“ […]

      […] zeugt eine seltsame Eigenheit der norontischen Samba: „Um mit den Verstorbenen zu sprechen, gehen sie in eine spezielle Hütte, die schmal ist und spitz zuläuft und sich so bereits optisch von den halbrunden Häusern unterscheidet. Diese 'Kontakthütten' sind schmucklos, bis auf einen flachen Altar, dessen Oberfläche von rechteckigen Täfelchen bedeckt ist und einem darin steckenden Stab, der sich zur Spitze der Hütte hin streckt. Wenn sie nun also mit den Toten sprechen wollen, dann berühren sie nach und nach unterschiedliche Plättchen auf dem Altar, wobei es scheint, als habe jede Familie ihr eigenes Muster. Dann rufen sie 'Nei-Sa, Nei-Sa, Nei-Sa!' und schließen folgend an, was auch immer sie den Verstorbenen zu sagen haben, um schließlich mit der Formel 'Arstu-Aud' zu schließen.“ Wie Ethnologen und andere „seriöse“ Wissenschaftler dabei nicht an computergestützte Kommunikation und Funksprüche denken können, erstaunt mich immer wieder![...]
    • Erinnerungen auf Tarar

      Jedes große Reich hat ein Vorbild und für Mitka ist das Tarar. Die Insel Tarar ist schon lange ein Teil des Reiches und doch bleibt sie etwas Besonderes. Viele Scholaren reisen dorthin, um die Geschichte dieses geheimnisvollen Ortes zu untersuchen. Die Reichen und Mächtigen wiederum reisen dorthin, um sich die Zukunft weissagen zu lassen, denn das Orakel von Tarar hat einen einmaligen Ruf in ganz Nelander.

      Bevor Mitka an die Macht kam war Tarar das mächtigste Reich auf dem Kontinent. Dank ihrer Vorhersagen waren ihre Armeen für Generationen unschlagbar. Es ist unklar, warum sie letztendlich versagten. Vielleicht war es einfach an der Zeit für einen Machtwechsel.

      Die Geschichte von Tarar wird in mitkanischen Schulen immer noch unterrichtet, doch hat diese Version nicht unbedingt etwas mit der zu tun, an die sich die Tarer selbst erinnern.

      Für Außenseiter ist es schwer zu sagen, wie genau die Tarer sich selbst an ihre Vergangenheit erinnern. Sie lassen Fremde genauso wenig daran teilhaben, wie an ihrer Religion.

      Auf der Insel findet man viele Statuen alter Helden- und Götterfiguren, oft mit fast unleserlichen Inschriften. Gruppen von Tarern versammeln sich oft dort, um die alten Geschichten an die jüngere Generation weiterzugeben. Sobald Fremde dazu kommen, zerstreuen sie sich jedoch.

      Wir glauben, dass sie dort ihre alte Größe wiederaufleben lassen. Gerade mit den Unruhen in den letzten Jahren besteht die Gefahr, dass sogar Tarar mit dem Gedanken an Abspaltung spielt. Bisher ist es auf der Insel ruhig, doch das kann sich jederzeit ändern. Wir müssen wachsam bleiben.

      ~ Gwilin Velaton, Behörde für Binnenschifffahrt ~
      Braiiiins.
    • Die Erinnerungskultur

      Die Morgonna-Alge ist ein ganz besonderes Pflänzchen. Ihre feinen Fäden sind nur wenige Zellen dick, können aber unbegrenzt lang werden. Die bei ihren nächsten Verwandten stattfindende geschlechtliche Fortpflanzung kommt bei der Morgonna-Alge natürlich nicht mehr vor, nur im Labor konnte sie mit einiger Mühe verursacht werden. Es wachsen aber von einer zerteilten Morgonna-Alge alle Teile einfach weiter, selbst ein Fadenstück von wenigen Dutzend Zellen kann nach einigen Monaten einen ganzen See bevölkern.
      Was die Morgonna-Alge noch kann, ist, elektrische Signale zu übermitteln oder zu speichern. Tatsächlich tut sie das aus unbekannten Gründen auch in der freien Natur, aber der Mensch hat diese Eigenschaft für sich selbstverständlich nutzbar gemacht: Er benutzt die Morgonna-Alge in biologischen Computern.
      Die grünen Bestandteile solcher biologischer Computer werden umgangssprachlich gerne Erinnerungskultur genannt.

      (Und per PN an Teja mit Leerzeilen.)
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    • Der Tag des Ersten Kontakts

      Jedes Jahr am 25. Mai stehen sämtliche Flaggen auf Halbmast und um genau 12:49 Uhr MEZ wird alle Arbeit für fünf Minuten niedergelegt. Der Verkehr kommt zum Stehen und kein Wort gesagt, keine Musik gespielt. Am gespenstischsten ist dies in den großen Metropolen der Erde. Nach diesen fünf Minuten läuten dann an vielen Orten sämtliche Kirchen- oder Tempelglocken; woanders stimmen Geistliche und Gläubige Klagegesänge an – es gibt viele verschiedene Arten, dieses Schweigen zu brechen, doch nirgendwo sind sie fröhlich. Denn der 25. Mai soll an keinen fröhlichen Tag erinnern: Es ist der Tag des Ersten Kontakts.

      Heute vor etwa 70 Jahren trafen das erste Mal Außerirdische auf uns – nun, eigentlich ist das nicht ganz richtig. Tatsächlich trafen einige unglückliche Bergarbeiter im Asteroidengürtel bereits einige Tage zuvor auf sie, doch am 25. Mai 2141 landeten sie auf der Erde. Schon mehrere Monate zuvor hatten sie angefangen, sich in unsere Netzwerke zu hacken. Wie naiv waren so viele Menschen im späten 21. und frühen 22. Jahrhundert, dass sie sich cybernetischen Veränderungen unterzogen? Tod und Chaos durch diese Cyborgs ebneten den Nephilim (ein viel zu religiös besetzter Name für diese Bestien, wie ich finde) den Weg für ihre Invasion. Dunkle Jahrzehnte folgten, ehe wir Menschen uns endgültig befreien konnten und den Spieß umdrehten.

      An jenem Ort, an dem die Nephilim das erste Mal die Erde betraten, befindet sich heute eine Gedenkstätte, zu der jedes Jahr die Staatsoberhäupter der Menschen kommen, um sich an diesen Tag zu erinnern. Doch soll dieser Tag auch Hoffnung schenken, denn an ihm werden jedes Jahr unsere Elitegardisten an jenem Ort vereidigt, nachdem sie ihre lange und harte Ausbildung auf den unwirtlichsten Planeten unserer Systeme abgeschlossen haben, um zu verhindern, dass die Menschheit sich je wieder einer fremden Macht beugen oder sie auch nur fürchten muss.
      Straße war gestern, du siehst mich im Board
      Ich häng im World Wide Web, das ist kein friedlicher Ort
      Opfer, wag einen Blick auf die oberen Ränge
      Schieb Respekt; ich bin Forenlegende.


      ~ Komm in den Chat. Wir haben Kekse. ~
    • Aliikit lief fröhlich durch Kiranths Straßen, wobei sie immer wieder festlich gekleideten Leuten ausweichen musste. Es gab nicht viele Riten, die alle Bewohner der Stadt gemeinsam begingen, aber der Friedensschluss war einer davon.
      Es war der Jahrestag des Friedensvertrages zwischen den ranschen Kolonisten, den besetzten Einheimischen und dem zuvor vertriebenen Chimärenvolk, dieser Vertrag war es gewesen, der den Grundstein gelegt hatte für die multispezielle und multikulturelle Gesellschaft, die ganz Kir Anthus heutzutage war.
      Es war ein Tag der Erinnerung an die Geschichte, schmerzliche und positive und zum Abend hin würde der Vertrag symbolisch von Vertretern aller Kiranthischen Gruppen erneuert werden.
      Doch noch war Vormittag, die Reden der Vertreter auf dem Platz des Friedens waren noch im vollen Gange und Aliikit wollte zu ihrem Großvater, um gemeinsam die Reden anzusehen.
      Ihr Großvater war uralt, wie alt genau wusste Aliikit nicht, denn es war unhöflich, danach zu fragen. Alt genug war er jedenfalls, um am heutigen Tage zu den Erinnerungen seiner Familie beizutragen.
      Sie fand ihn in der Nish´a´cildva, genau wie sie es erwartet hatte. Wie immer wurde sie überwältigt von der Schönheit des Parks, von den riesigen Bäumen, dem dicken Blätter-und-Moos-Belag des Bodens und von den mysteriös raschelnden Büschen. Sie war keine Wandlerin und doch berührte dieser Ort etwas tief in ihr.
      Sich auf alle Viere hinablassend folgte sie der Geruchsspur des Ahnen, die Nase dicht am Boden. Selbst an diesem heutigen Feiertag waren viele Leute hier gewesen, einige erkannte sie sogar am Geruch. Zum Glück war sie nicht mehr klein, sondern bereits neun und hatte somit keine Probleme, die fremden Gerüche zu ignorieren. Peinlich berührt dachte sie an ihren siebten Geburtstag zurück, an dem sie sich in der Nisha verirrt hatte.
      Sie zuckte mit den langen Ohren und richtete sich schließlich wieder auf, als sie die Stimme des Großvaters hörte. Er mochte es nicht, wenn sie auf allen Vieren lief, obwohl das viel schneller war.
      „So haben sie uns damals über ihre Anwesen patrollieren lassen!“, erklärte er ihr, wenn er sie deswegen zurecht wies „Wie gemeine Hunde. Ich glaube es hat ihnen gefallen, dass wir so wenig menschlich waren, denn dann war es einfacher, uns für Tiere zu halten. Wir sind jetzt frei, wir sollten uns nicht freiwillig wieder in ihre Halsbänder zurück begeben!“
      Natürlich wusste Aliikit, wen er mit „sie“ meinte. Jahrhundertelang hatten Ran mittels Magie oder Technik (keiner wusste das mehr genau) Chimären aus Mensch und Tier erschaffen und sie gezüchtet, um Kampfbestien für ihre Kriege zu haben. Später, als die Technik der Erschaffung bereits vergessen und die meisten Kriege gewonnen waren, wurden Chimären auch im Privatleben zu guten Werkzeugen, zogen Karren, bewachten Anwesen (wie Aliikits Opa), traten zur Belustigung in Arenen gegeneinander an (wie Aliikits anderer Opa, sie hatte ihn nie kennen gelernt). Besonders attraktive Chimärenfrauen leisteten reichen merkwürdigen Herren „Gesellschaft“ (Aliikit wusste nicht, was mit dem Letzten gemeint war und keiner hatte es ihr bis jetzt erklären wollen. Ihr kam es nicht so schlimm wie die Sache mit der Arena vor, aber als sie das vor ihrem Großvater erwähnt hatte, hatte dieser so heftig geknurrt, dass ihr ganz bang geworden war, seitdem vermied sie Fragen darüber).
      Mit ernergischem Kopfschütteln riss sie sich aus ihren Grübeleien und wischte die bekrallten Hände an ihrem Rock ab.
      „Großvater?“, fragte sie zögerlich, denn sie wollte ihn nicht erschrecken. Er erschrak sich leicht, vor allem vor Knallgeräuschen. Irgendwann war er wohl in ein beeindruckendes Gewitter geraten, anders konnte die junge Chimärin sich das nicht erklären.
      Er saß an einem der Tische die am Rande der Nisha aufgestellt waren (in der Mitte waren keine erlaubt, denn eine Nisha sollte ja unberührte Natur darstellen), ihm gegenüber saß ein Wolfswandler den sie kannte, Niouk. Er war nicht wesentlich jünger als ihr Großvater, vernarbt von unzähligen Kämpfen und auf einem Auge blind sowie einen Arm vermissend. Sie hatte nie gefragt, was geschehen war, doch sie wusste, dass auch Wandler in die Arenen geworfen worden waren, wenn sie nicht sofort hingerichtet wurden. Sie fragte sich, wie er Ran entkommen war und es nach Kiranth geschafft hatte.
      Ihr Großvater saß stocksteif aufrecht wie stets, obwohl das seinen langen beweglichen Schwanz empfindlich einklemmte.
      „Ich werde nicht sitzen wie ein Tier!“, hatte er jedes Mal beharrt, wenn sie ihn gefragt hatte, ob das nicht unbequem sei.
      Wieder musste Aliikit sich aus ihren Erinnerungen reißen.
      Aber irgendwie gehört es zum heutigen Tag, sich an unsere Geschichten zu erinnern. Wenn man sich ein Mal im Jahr erinnert, dann wird all das Traurige nicht vergessen und wir können daraus lernen.
      „Aliikit!“, freute der Großvater sich, während Niouk ihr ein freundliches Lächeln schenkte.
      Früher hatte sie ihn unheimlich gefunden, doch inzwischen wusste sie um sein weiches Herz und umarmte ihn fest, nachdem sie sich von ihrem Großvater gelöst hatte.
      „Bereit für die Rede von General Idos?“, fragte Niouk sie. Sie nickte. General Idos war ein bedeutender Mann, ein Mann des Friedens, trotz seiner rein menschlichen, ranstämmigen Ahnen. Sie mochte ihn, doch neugierig sah sie ihren Großvater an.
      „Ich dachte immer du hasst alles aus Ran. Ich war überrascht, als Mama erzählte, dass ich mit dir zu seiner Rede soll.“
      Ein traurig-amüsiertes Läscheln ließ die Reißzähne ihres Großvaters sehen.
      „Er kann genauso wenig was für die Umstände seiner Geburt wie ich, Kind. Wir selbst sind für unser Handeln verantwortlich und die Geschichte kann uns lehren. Es spielt keine Rolle, was oder wer jemand ist, solange er alles versucht, um es besser zu machen als seine Vorfahren!“
      Hüterin der Schrecken, Licht des Nordens, Akolythin des Herrn der Zeit (Zitat Merlin)

      Man kann WBs nicht in Fäkalien aufwiegen (Zitat Alkone)

      Hast du grade einen akustischen Kotz-Smiley gemacht? (Zitat Jundurg)

      Dithmarscher Dänendämon (Zitat Elatan)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Cyaral ()

    • Ich kredenze schonmal gut gereiften Lobsbeerenwein:

      @Nharun Boah, wie genial! Mehr braucht man gar nicht mehr zu sagen. Fallschirmabsprung, Funksprüche, geniale Idee!
      @Veria Niedlich.
      @Elatan Uh, klingt unheimlich. Keine besonders freundlichen Aliens und das Cyberteile gefährlich sind, ist ja sehr beliebt. Mir gefällts!
      @Cyaral Die Geschichte gefällt mir, die hat sowas positives. Aber die Ran werden mir echt unsympathisch!
      Braiiiins.
    • @Nharun: Oh, ich muss sooo breit grinsen. Das ist sehr schön gelöst.

      @Teja: Gefällt mir sehr. Aber warum mahnt ausgerechnet ein Beamter (?) der Behörde für Binnenschifffahrt zur Wachsamkeit? Ist die Behörde für Sicherheit zuständig?

      @Elatan: Mein SF-Herz schlägt höher :) . (Und wenn die Cyborgs brav auf Datenschutz geachtet hätten, dann wären sie nicht gehackt worden ... *duck*)

      @Cyaral: Das sollten sich die Pappnasen von der AfD mal zu Gemüte führen. Fein gelöst.
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    • @Nharun: Sehr cool :thumbup: Wo liegt denn die "ferne Heimat" deiner Leute? Haben diese Sprüche eigentlich besondere Bedeutungen? Außer "respond" habe ich leider nichts erkannt.

      @Teja: Interessant. Verfälscht die Mund-zu-Mund-Überlieferung denn das, was weitererzählt wird?

      @Veria: Cooler Ausreißer, auch eine Möglichkeit, "Erinnerungskultur" zu interpretieren. :lol: Zuerst dachte ich, die Pflanze würde Informationen als DNA speichern (Forscher arbeiten ja daran), aber deine Variante ist noch besser da unerwarteter.

      @Elatan: Irgendwie finde ich es amüsant, dass die Monster Nephilim heißen. Wer war denn da für die Namensgebung verantwortlich? Und haben deine Leute inzwischen friedlichen Kontakt zu anderen Alienarten?


      @Mein Kram:

      Teja schrieb:

      @Cyaral Die Geschichte gefällt mir, die hat sowas positives. Aber die Ran werden mir echt unsympathisch!
      Danke. Die Ran sind irgendwie die Buhmänner von Tervela (wobei ich da vielleicht etwas voreingenommen sind, weil die Alrubio meine Lieblinge sind und die Ran deren Feinde). Ursprünglich war es mal ein respektables Reich, aber Anspruch auf "die einzig wahre Lebensweise" sowie Korruption, Ränkespiele bedeutender Familien und Nepotismus haben dieses Reich in seinem langen Leben ganz schön verdreht. "Modern"Ran ist allerdings gemäßigter, sie halten sich selbst noch immer für die Größten, führen aber keine Kriege mehr und werden in anderen Ländern nicht mehr sonderlich ernst genommen.


      Veria schrieb:

      @Cyaral: Das sollten sich die Pappnasen von der AfD mal zu Gemüte führen. Fein gelöst.
      :lol: Danke. Ich glaube dieses Maß an Einsicht ist physikalisch unmöglich für AfD-Leute. Würden sie irgendwie nach Tervela gelangen, Müsste ich die gesamte Welt desinfizieren würden sie garantiert am nächsten Tag die Alternative für Kir Anthus gründen und "Werwölfe raus" skandieren.

      Edit: Mir ist gerade aufgefallen, dass die "Alternative für Kir Anthus" AfKA heißen würde, lautsprachlich also Afk. Genauso wie die Hirne der Leute der AfD :lol: Jetzt hab ich fast das Verlangen, eine Vereinigung namens Afka in Tervela einzubauen, um mit ihr etwas Gesellschaftskritik/Frustabbau zu betreiben.
      Hüterin der Schrecken, Licht des Nordens, Akolythin des Herrn der Zeit (Zitat Merlin)

      Man kann WBs nicht in Fäkalien aufwiegen (Zitat Alkone)

      Hast du grade einen akustischen Kotz-Smiley gemacht? (Zitat Jundurg)

      Dithmarscher Dänendämon (Zitat Elatan)

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    • Leider habe ich es mal wieder verpasst, aber bei dem Thema muss ich das hier erzählen, deswegen noch eine Nachreichung außer Konkurrenz.

      Gedenken an das Chemieunglück von Enes Tall

      Die beiden Städte Enes Tall und Alijan liegen im Nordwesten von Elavien beziehungsweise im Nordosten von Sarilien und sind im Rahmen des Öffnungskurses der sarilischen Staatslenkerin Anesèja zu Partnerstädten geworden, was sich auch anbietet, denn in Alijan lebt eine recht große elavische Minderheit und in Enes Tall eine sarilische.

      Ungefähr zwei Jahre nach Verkündung der Städtepartnerschaft ereignete sich in Enes Tall ein schweres Chemieunglück in einer Fabrik des arunischen Konzerns Ultiria, dem zahlreiche Menschen zum Opfer fielen. (Ein Zusammenhang wird von manchen Verschwörungstheoretikern vermutet.)
      Auf Anraten der sarilischen Stadtbewohner flohen einige der Verletzten zur sarilischen Grenze und wurden dort von Elementarmagiern des relativ grenznah gelegenen Zentrums Elasvaihja versorgt, wodurch viele Menschen gerettet werden konnten, die sonst wohl dem Gift zum Opfer gefallen wären. Dies verstärkte die sonst eher ungewöhnliche Tendenz die Sariler als Verbündete zu sehen noch mehr.
      Für die Regierung in Somi Dava gehört Enes Tall eher zur Peripherie und sie hat sowieso im ganzen Land mit Ineffizienz und Korruption zu kämpfen. Entsprechend gab es für die Verletzten in Enes Tall wenig offizielle Unterstützung und sie mussten sich selbst helfen. Führerin dieser Bewegung ist eine Dame namens Mandana Damur, die sich zunächst einen Namen machte, indem sie gegen die schlechten Arbeitsbedingungen in einer Spielzeugfabrik in Enes Tall kämpfte und am Ende erreichte, dass die Arbeiterinnen so gut bezahlt wurden, dass ihre Kinder nicht mehr mitarbeiten mussten, sondern zur Schule gehen konnte. Dank ihres Muts, ihres rhetorischen Talents und ihrer Entschlossenheit gelangte sie zu für Frauen in Elavien ganz ungewöhnlichem Ansehen und Respekt und es gelang ihr das Leben der armen Bevölkerung von Enes Tall deutlich zu verbessern.
      Jedes Jahr zum Jahrestag des Unglücks findet in Enes Tall eine große Gedenkveranstaltung statt, die von Mandana und ihrer Organisation organisiert wird. Sie besteht aus dem in Elavien zu solchen Anlässen üblichen Verzehr von Brot ohne Salz und mit bitteren Kräutern und einem gemeinsamen Schweigemarsch, der mit dem weniger schweigsamen Verbrennen von Bildern der Ultiria-Vorstandsmitglieder endet, allen voran Bilder von Vorstandsvorsitzendem Septimius Lebetinus, der für viele Bewohner von Enes Tall der Inbegriff des Bösen ist. (Dass er auch noch Fluormagier ist, was für sie von allen sowieso schlimmen Elementarmagiegaben die schlimmste ist, verbessert sein Ansehen auch nicht.)

      Zwischen Enes Tall und Alijan gibt es eine Zugverbindung, wo zweimal täglich der „Alijan-Enes Tall-Express“ verkehrt und Enes Tall ist eine der wenigen ausländischen Städte, die Sariler ohne aufwändige Genehmigungsverfahren bereisen dürfen, was gerne in Anspruch genommen wird. (Das Regime in Benada geht davon aus, dass Enes Tall mit seinen Hüttenvierteln, seinem vergifteten Wasser und seinem aus sarilischer Sicht extremem Chaos den Bürgern vor Augen führt, wie gut sie es doch zuhause haben.)
      Für die Teenager aus Alijan ist der Besuch in Enes Tall am besten mit dem Kauf eines möglichst bunten Schals als Souvenir eher ein Muss, wenn man zur In-Crowd gehören will, doch die älteren Stadtbewohner besuchen die Stadt auch aus anderen Gründen, schließlich wurden sie selbst zwölf Jahre vor dem Unglück von Enes Tall Opfer eines arunischen Chemiewaffenangriffs, den es offiziell jedoch nie gegeben hat, denn das sarilische Regime würde beim Schutz seiner Bevölkerung nie so versagen und außerdem schweigt ein Sariler über Niederlagen, statt zu klagen und zu jammern, denn erst dann hat der Feind gesiegt… Die Arunier freut diese Politik sehr, denn so können sie es selber auch vertuschen…
      Viele Menschen aus Alijan wünschen sich trotzdem eine Möglichkeit ihrer Trauer und Wut Ausdruck zu verleihen und die finden sie in Enes Tall, wo sie sich regelmäßig an der Gedenkfeier beteiligen. Die meisten anderen Elavier halten dies lediglich für Höflichkeit, auch wenn ihnen manchmal durchaus auffällt, dass die Sariler mit sehr viel Enthusiasmus bei der Bilderverbrennung teilnehmen. Sie gehen (zurecht) davon aus, dass Ultiria auch das für den Angriff auf ihre Stadt verwendete Gift hergestellt hat.
      Mandana und einzelne andere ranghohe Mitglieder der Bewegung wissen jedoch, was in Alijan geschehen ist. Mandana ist auch die einzige, die weiß, dass es sich bei einer regelmäßigen Besucherin um keine Geringere handelt als Brajana sira Ramenka, Leiterin des Elementarmagiezentrums von Elasvaihja, die damals die Rettungsorganisation organisiert hat und der arunische Stimmen die Planung eines Genozids an den Elaviern vorwerfen. In Wirklichkeit gilt ihre Abneigung aber eher den arunischen Konzernen und da sind sie und Mandana vollkommen einer Meinung…
    • Zum Start der neuen Staffel: Rechtzeitig gebastelt, nachgereicht gepostet:

      °'°'°'°'°'°'°'°'°'°'
      Dieser Beitrag wird in einer neuen Welt gebastelt. Namen von Personen, Orten und Ereignissen sind noch nicht festgelegt, an ihrer Stelle wurden Platzhalter verwendet. Diese Platzhalter werden, sollten sie nach Einführung der Namen immer noch nicht passen, durch die neuen Originale ersetzt.

      Die Neue Kultur

      Tag 3 des 7. Monats im Jahre 4 der Reise.

      Ich staunte sehr, als ich sie sah. Einige kamen mir bekannt vor, doch die meisten waren mir fremd. Manche waren schön, angenehm und freundlich, andere böse, grausam oder traurig. Sie sind unterschiedlich, genau wie die Wesen, denen sie gehören.

      Sie scheinen Besitzer zu haben, doch sind sie nicht auch frei? Manche werden von vielen geteilt, manche gehören wenigen, nicht selten trifft man eine, die nur einem gehört. Erinnerungen. Ein Volk von Gefangenen, doch sind sie nicht frei?

      Erinnerungen, so habe ich bis jetzt gesehen, sind ein Volk, den Gedanken ähnlich. Doch unterscheiden sich diese Völker in einem entscheidenden Detail: Gedanken sind frei, in eine Richtung zu wachsen, die ihnen gefällt, Erinnerungen jedoch sind am Geschichtsverlauf gebunden. Ob sie das weniger frei macht?

      Wie jedes Volk, hat auch das der Erinnerungen seine eigene Kultur. Klar, sie werden durch ihre jeweiligen Herren beeinflusst, doch bestimmen sie sich ihren Lebenslauf weitgehend selbst. Dies kann ich im Folgenden erläutern:

      Eine Erinnerung wird nicht, so wie andere Wesen, durch Eltern der eigenen Art, oder wie die Gedanken, durch ihren Wirt geboren, sondern durch Ereignisse, die den Verlauf der Geschichte selbst beeinflussen. Ereignisse, die so solch gravierendem Einfluss mächtig sind, werden keine Schwierigkeiten haben, Mitglieder eines solch kleinen Volkes zu gebären.

      Dann nimmt das Leben der Erinnerung ihren Lauf. Jung, unangetastet und frisch lebt sie dahin. Wird sie gebraucht, bleibt sie stark, doch wie auch jedes andere Wesen braucht sie soziale Kontakte, um am Leben zu bleiben. Wird sie vergessen, geht sie ein, und stirbt.

      Dennoch bleibt die Erinnerung nicht immer dieselbe. Sie entwickelt sich, verändert sich, lebt ihr leben, heiratet einen Gedanken, bringt weitere Gedanken zur Welt (auf das Volk der Gedanken will ich nun aber nicht eingehen) und am Ende, wenn sie alt wurden, und nicht mehr das sind, was sie einst waren, werden sie meist vergessen. So lösen sie sich dann auf, und die Gemeinde trauert um sie … - oder ist froh, es gibt ja nicht nur gute Erinnerungen!

      Traurig ist es dennoch, wenn ein werter Bürger dieses Volkes in Vergessenheit gerät. So schlossen sich nun ein paar Erinnerungen zusammen, um sich der Aufgabe zu widmen, das Ewige Leben zu erreichen. Ich konnte es selbst kaum glauben, als sie es mir sagten, doch die Erinnerungen der Gemeinde, die ich hier besuche, sind teilweise über 300 Jahre alt! Das ist unglaublich! Wenn ich bedenke, dass ich kaum über 100 Jahre erreichen werde, könnte ich mir vorstellen, mich der Gemeinde einfach anzuschließen und ebenfalls die Unsterblichkeit zu erlangen.

      Doch dann müsste ich wohl meine Forschungen, meine Träume und auch meine Familie aufgeben. Denn das Geheimnis über das Ewige Leben erfordert ein solches Opfer – zumindest für Wesen wie mich!

      Das hat folgenden Grund (und hier komme ich zum eigentlichen Thema der Neuen Kultur, die ich hier unter den Erinnerungen entdeckt habe): Die Erinnerungen pflegen untereinander die lebensnotwenigen sozialen Kontakte, die sie sonst von ihren Wirten bräuchten, die sie jedoch, sehr wahrscheinlich, durch jüngere Gefährten ersetzen. Meistens.

      Die Kultur der Erinnerungen erscheint auf unterschiedlichste Weise. Die Einen treffen sich, um einander anzuschauen, die Anderen hören einander zu, Manche diskutieren, Diese spielen miteinander, Jene betreiben Sport, doch Alle verbringen Zeit miteinander, in den unterschiedlichsten Vereinen, Clubs, Versammlungen, und, das beste an allem, keine Erinnerung wird ausgeschlossen. Das ist oft auch nicht nur aus Freundlichkeit so, sondern hat auch einen praktischen Nutzen: Je größer die Gesellschaft, desto wahrscheinlicher, dass jemand spontan zur Stelle ist, um Zeit mit dir zu verbringen, und so zu verhindern, dass du in Vergessenheit gerätst.

      Was ich hier schon ansprach, und leider unausweichlich ist, ist die physische Anwesenheit in der Gemeinde, wenn man den Vorteil der Unsterblichkeit genießen will. Diese sozialen Kontakte können nämlich nur in nächster Nähe ihre Wirkung zeigen, und so, sollte ich mit meinen hypothetischen 210 Jahren die Gemeinde verlassen, würde ich schnell in Vergessenheit geraten, und sterben – also aus mit Unsterblichkeit.

      Dennoch ist es mir eine Freude, Zeit mit den Erinnerungen zu verbringen, denn sie konnten mir auch viel beibringen. Ziemlich viel über bestimmte Personen sogar! Und alte Freunde konnte ich wieder sehen, Freunde, die ich verloren zu haben geglaubt hatte. Ich verbrachte besonders viel Zeit mit ihnen, da ich, sollte ich die Gemeinde wieder verlassen, keine Verbindung mehr zu ihnen haben würde. Leider mussten auch sie, um das Ewige Leben zu erhalten, ihre Verbindung zu ihrem Wirt (also mir) abbrechen.

      Wir sitzen hier, am Abend meiner Abreise, am Lagerfeuer, während ich diesen Eintrag verfasse, und reden unter Einnahme von Tee* noch über vergangene Zeiten, gemeinsame Erlebnisse, und die Ereignisse, die sie gebaren. Morgen werde ich weg sein, doch ich bin froh, noch Zeit mit ihnen gehabt zu haben.

      (Eintrag im Tagebuch von Han Sen Min, Forscher der Welten und Expediteur, am 3/7 des Vierten Jahres seiner I. Expedition nach Abschluss an der Akademie für Meta-Wissenschaften: Über die Neue Kultur)

      °'°'°'°'°'°'°'°'°'°'
      *"Und dann tranken wir Tee." - Vorgeschlagen von 'Teja'
    • *nachreich* Loben kann ich vermutlich erst morgen früh oder morgen spät abends. :fluecht:


      Der Schleier der Vergangenheit

      Fast das gesamte Dorf war gekommen.
      Alle hatten sich zwischen den Steinringen versammelt, die nicht weit entfernt des Dorfes auf einem aus der flachen Landschaft herausragenden Hügel errichtet worden waren. Die Steinringe waren uralt, viel älter als das Dorf und niemand wusste so recht, wer sie erbaut hatte. Es waren tonnenschwere behauene Brocken, die hier in mehreren Kreisen aufgestellt worden waren. Einige von ihnen waren schon umgefallen, doch niemand hatte sich getraut sie wieder aufzurichten. Manche behauptete, dass die Steine von Elben oder Riesen erbaut worden waren. Doch wer auch immer es war, er hatte diesen Ort vor langem verlassen.
      Anuc wartete, bis die letzten endlich angekommen waren. Schließlich hatten sich alle eingefunden und standen zwischen den Ringen, die gemurmelten Gespräche verstummten und alle Blicke waren auf ihn gerichtet. Anuc schloss die Augen und senkte den Kopf. Was nun geschah, würde viel Kraft erfordern. Ihre Kraft. Er atmete tief und gleichmäßig, sog die eiskalte Luft dieser Winternacht ein. Auf seiner Haut spürte er einzelne Eiskristalle, die durch den Wind aufgewirbelt wurden. Langsam ließ er seine Magie fließen. Behutsam durchdrang sie diesen Ort, der wie geschaffen für ihre Nutzung war. Sie durchdrang jeden einzelnen seiner Gemeinschaft und vorsichtig griff er nach ihrer Magie. Sorgsam darauf bedacht, nicht zu viel zu nehmen. Bei manchen war sie nämlich stärker ausgeprägt als bei anderen.
      Als Anuc nun mit jedem verbunden war, öffnete er die Augen und blickte sich um. Zwischen dem Schein der Fackeln konnte er nicht viel erkennen. Doch bei denen, die ihm am nächsten standen, konnte er Schweiß auf der Stirn sehen. Der Griff nach ihrer inneren Magie war nicht spurlos an ihnen vorbei gegangen, doch lächelten sie, trotz der Anstrengung.
      „Die dunkelste Stunde ist nah.“, rief er mit seiner tönenden Stimme. „Das Licht des Tages ist fern und über uns erscheint der Schleier der Vergangenheit.“
      Er blickte nach oben und streckte dabei seine Arme aus. Über ihnen tanzten grün-blaue durch die Nacht. Sie verbargen die Sterne und tauchten die schneebedeckte Landschaft in ein unheimliches Licht.
      „Lasst uns diesen Schleier zerreißen.“
      „Um in die Zukunft zu gehen.“, erklangen die Stimmen der umstehenden Menschen im Chor.
      Anuc griff mit seiner Magie in den Himmel und fand schnell wonach er suchte. Mit Geduld zog er daran und langsam senkte sich der Schleier auf die Erde. Es war nur ein kleiner Teil, der sich da aus der Lichtern löste, doch er kam der Gemeinschaft immer näher. Plötzlich waren die Steinkreise mit blauem Licht durchflutet. Anuc konnte sich der Macht, die er gerufen hatte, kaum erwehren. Es kostete seine ganze Konzentration, nun den Strom nicht abbrechen zu lassen und gleichzeitig auf den Beinen zu bleiben.
      In den Reihen der Dörfler um sie herum hörte er einzelne erstaunte Ausrufe, Schluchzen und Lachen. Jeder war nun mit jedem verbunden und jeder sah, hörte und fühlte nun mit den anderen. Bilder, Geräusche, Düfte…das vergangene Jahr zog nochmal an ihnen vorbei, doch nicht ihr eigenes, sondern dass ihrer Mitmenschen. Manche fielen sich die Arme, mit Tränen in den Augen und entschuldigten sich für Taten, die sie besser nicht begangen hatten. Selbst die Kinder, die sich gegenseitig das ganze Jahr über gehänselt hatte, zeigten Reue. Wieder andere lachten nochmal über den selben Witz oder dieselbe Geschichte. Nur Anuc blieb außen vor. Er lenkte den Strom nur, er war kein Teil davon. Und doch der wichtigste.
      Nach einigen Minuten spürte Anuc, wie sich seine Arme verkrampften. Die ohnehin schon kalte Nacht wurde ihm noch kälter. Eiskristalle bildeten sich in seinen Haaren und auf seiner Kleidung. Lange konnte er den das Licht nicht mehr halten. Es war Zeit, das Jahr zu beenden.
      „Die dunkelste Stunde ist an uns vorbeigezogen.“, rief er. „Der Schleier ist zerrissen, der nächste Tag erwartet uns.“
      „Er strahlt heller als zuvor.“, stimmte die Gemeinschaft mit ein.
      Langsam, um niemanden zu überfordern, zog er seine Magie aus den Menschen zurück. Das Licht wurde schwächer und schwächer und schließlich ließ er den Strom abbrechen. Das schwache, blaue Leuchten wanderte wieder gen Himmel und vereinigte sich mit dem tanzenden Schleier. Es hatte all die gesammelten Erinnerungen des letzten Jahres gesehen und verwahrte sie nun, wo sie niemand erreichen konnte. Den Dörflern blieb nur ihre eigene Erinnerung.
      "Archäologie ist die Suche nach Fakten. Nicht nach der Wahrheit. Wenn Sie an der Wahrheit interessiert sind, Dr. Tyries Philosophiekurs ist am Ende des Ganges. Also vergessen Sie diese Geschichten von verborgenen Städten und die Welt umzugraben. Wir folgen keinen alten Karten, entdecken keine vermissten Schätze und noch nie hat ein X irgendwann irgendwo einen bedeutenden Punkt markiert."

      - Prof. Dr. Henry Jones Jr.
    • Auch für die Nachreicher gibts noch Lobsbeerenwein:

      @Amanita Da sind viele verschiedene Aspekte verwoben, gefällt mir! Macht alles noch viel lebendiger. Ich wusste gar nicht, dass deine Welt so modern-kapitalistisch angehaucht ist. Gerade die Bildverbrennung von Vorständen ist witzig.
      @Chrontheon Das ist eine echt coole Idee! Wie sieht denn so eine Gemeinde von Erinnerungen aus? Ich habe erst vor kurzem gelesen, dass sich Erinnerungen dadurch verändern, dass man sich an sie erinnert. Darum sind Zeugenaussagen so schwierig. Und ich freue mich, dass du meinen Vorschlag eingebaut hast!
      @Salyan Wah, das ist ja cool. Und unheimlich. Das fördert sicher die Gemeinschaft und klingt auch mehr als nur ein wenig nach Hivemind. Hat das denn noch Nachwirkungen?

      Das waren wieder alles tolle Texte und im nächsten Jahr gibts hoffentlich noch mehr davon!
      Braiiiins.
    • @Teja Hmm, ja, das klingt schon konspirativ, was deine Tararer da treiben. Gut, dass die Behörde für Binnenschifffahrt da ein Auge drauf hat. Womit wir auch beim mich am meisten interessierenden Punkt sind: Wie und warum kam es, dass der Geheimdienst von Mitka „Behörde für Binnenschifffahrt“ heißt – gibt es da einen anderen Grund als „Unauffälligkeit“ für?

      @Veria Ui, organische Computer. Eine interessante Pflanze, die du da gefunden hast. Ich frage mich, warum die Pflanze auch in freier Natur elektrische Signale übermittelt, da steckt doch bestimmt eine spannende Geschichte hinter, wirst du uns noch mehr davon erzählen?

      @Elatan Fiese Alieninvasoren! Allerdings auch ziemlich geschickt, erstmal zu hacken. Wie lange dauerte die Besetzung? Wie gelang es der Menschheit sich gegen die Besatzer aufzulehnen? [Möchten Sie mehr wissen?] *Click*

      @Cyaral Eine schöne Geschichte, auch wenn sie an ein dunkles Kapitel der Geschichte erinnert, deutet sie doch in eine bessere Zukunft; insofern finde ich das moralisierende Ende auch passend.

      @Amanita Danke fürs Nachreichen! Ein schöner lebendiger Text, der Spaß zu lesen macht, ein bisschen zum Nachdenken anregt und erheiternde Momente enthält – ein tolles Gesamtpaket!

      @Chrontheon Diese neue Welt, die du da entdeckt hast, klingt interessant und spannend! Ich möchte mich Tejas Frage nach dem Aussehen so einer Gemeinde anschließen, das interessiert mich auch.

      @Salyan Danke fürs Nachreichen! Ein toller Text, ein bisschen unheimlich, gerade das Aufgreifen ihrer „inneren Magie“ klingt schlimm, aber sehr interessant zu lesen!


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      Teja schrieb:

      @Nharun Boah, wie genial! Mehr braucht man gar nicht mehr zu sagen. Fallschirmabsprung, Funksprüche, geniale Idee!

      Veria schrieb:

      @Nharun: Oh, ich muss sooo breit grinsen. Das ist sehr schön gelöst.

      Cyaral schrieb:

      @Nharun: Sehr cool Wo liegt denn die "ferne Heimat" deiner Leute? Haben diese Sprüche eigentlich besondere Bedeutungen? Außer "respond" habe ich leider nichts erkannt.
      Danke für die Lobsbeeren! Die Sprüche haben eine Bedeutung, bzw. hatten irgendwann mal eine. Sie sind mehr oder weniger starke Verballhornungen, die in den sie verwendenden Kulturen eigentlich niemand mehr versteht.

      Übersetzungen

      Neißa bhu responnt = NASA antwortet nicht
      Pelenett-Fohl = Planetfall = Ladung der ersten Kolonisten
      Nei-Sa, Nei-Sa, Nei-Sa [...] Arstu-Aud = NASA, NASA, NASA [...] Erde-2, Ende