Fünfzigstes Speedbasteln am 3.7.2018: Esskultur

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    • Evolution der Nahrung

      Wie wir inzwischen wissen, verändern sich die Bewohner von Marisu im Lauf der Generationen. Ich sage bewusst Bewohner und nicht Menschen. Wir stammen zwar alle von Menschen ab, aber wenn ich mich so umsehe, dann sind viele meiner Nachbarn definitiv keine Menschen, auch wenn es ihre Vorfahren einmal waren.

      Abgesehen davon, dass wir auf der alten Erde als Freaks gelten würden, hat das noch weitere interessante Konsequenzen für viele von uns: Das Essen. Genauer gesagt brauchen viele von uns inzwischen andere Nahrungsmittel, als die Neulinge, die oben in der Zitadelle leben müssen. Und damit meine ich nicht, dass wir hier exotische Früchte essen müssen oder sowas. Kurz gesagt: Es ist tatsächlich was dran an dem Gerücht, dass Elfen Mondschein essen. Darum fliegen die kleinen Bastarde auch so gern bei Nacht in der Gegend herum. Zuerst dachte ich, das wäre einfach nur so ihr Ding, aber als Marisu mal wieder beschloss, dass wir bestraft werden müssen und uns eine Woche lang in Dunkelheit hüllte… Da hab ich gesehen, dass viele von denen tatsächlich verhungert sind. Sind einfach vom Himmel gefallen, abgemagert bis auf die Knochen. Ist ja ohnehin nicht viel dran an so nem Elf. Traurige Geschichte.

      Ich hab mich lange gefragt, warum bei Taylors immer diese blau leuchtenden Blumen auf dem Tisch stehen. Natürlich dachte ich, die sind einfach Dekoration. Irgendwann fragte ich Kary Taylor mal, warum ihre Tochter nur so wenig isst und ob sie damit eigentlich verhungern müsste. Da erzählte mir Kary, dass ihre Tochter tatsächlich kaum feste Nahrung braucht, sondern sich offenbar irgendwie von diesen Blumen ernährt. Nicht durch Essen, sondern einfach nur, indem sie in der Nähe ist. Vielleicht hängt das irgendwie mit ihren Kräften zusammen, ich weiß es nicht. Aber hübsch sind die Blumen, jedenfalls besser, als jede andere Tischdeko, die ich hier gesehen habe.

      Es geht aber noch schlimmer. Hier soll es Geschöpfe geben, die andere denkende Wesen auffressen müssen, um selbst zu überleben. Es ist schon schlimm genug, dass wir in diesem Loch zusammengepfercht sind, aber wir müssen uns auch noch Gedanken darüber machen, dass manche von uns so sehr degenerieren, dass sie uns angreifen, genau wie in den alten Schauergeschichten. Vampire, Werwölfe… Sie hat Elfen und Zwerge erschaffen, warum nicht auch die? Das wir letztlich darunter leiden müssen, juckt sie ja nicht.
      Braiiiins.

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    • Das Ritual der Leerung

      Wir sind endlich wieder zurück von Hazantigbiuo, dem dritten Planeten des gleichnamigen Systems, der unserer Erde gar nicht mal so unähnlich ist. Auch die Bewohner des Planeten sind uns Menschen eigentlich recht ähnlich, allerdings sind sie grade nackt nicht besonders hübsch anzusehen, worauf ich gleich eingehen will. Wir hatten nämlich den Auftrag, einen Hazanti zurück zu seiner Heimatwelt zu bringen. Der Mann ist einer der Entwickler der TFY und von dort sollten wir ihn dann auch holen. Ich hatte schon fast Angst, dass die Pytheas mit ihm am Bord gar nicht abgehen würde … so einen Fettsack habe ich wirklich noch nie gesehen! Er war einen guten Kopf kleiner als ich, aber konnte einem Baby-Elefanten durchaus Konkurrenz machen, was das Gewicht und den Umfang anging. Er wollte zurück nach Hazantigbiuo, um dort ein Ritual auszuführen, das im Leben aller seiner Spezies eine ganz besondere Rolle einnimmt, und für dessen Namen es keine wirkliche Übersetzung gibt; er versuchte es mit Trennung oder Lastenabschüttelung, ging aber nicht weiter darauf ein, da er meinte, wir würden es selbst sehen. Taten wir auch. Und ich will es nie wieder sehen. Nie. Wieder.

      Auf Hazantigbiuo wurde der Entwickler, Jodik Xedefel, sogleich von seiner Familie und Freunden empfangen. Und da fiel mir auch etwas auf; alle, die in seinem Alter waren (etwa 40 Jahre) oder besser gesagt, etwas jünger, waren in etwa ebenso fett wie er. Sein älterer Bruder und dessen Sohn, der knapp über 20 sein mochte, waren dagegen recht dünn. Dafür kam seine Nichte wieder ganz nach ihrem Onkel … Xedefel bestand darauf, dass wir mit zu dem Ritual kamen, da wir uns auf der Reise recht gut verstanden hatten, und er wollte, dass wir mehr über seine Kultur kennenlernten. Hätte ich bloß nein gesagt. Hätte. Ich. Bloß. Nein. Gesagt.

      Wir verbrachten zwei Tage im Haus der Familie und das erste, was mir auffiel, war, dass sie gar keine Toilette hatten. Man entschuldigte sich bei uns dafür, dass man nicht unsere Bedürfnisse bedacht hätte, und besorgte uns eine Art Camping-Klo. Ich sagte abends noch zu Mia, dass die Hazanti wahrscheinlich so fett wären, weil sie nie scheißen gehen würden. Wie dumm ich war. Wie. Dumm.

      Am dritten Tag unseres Aufenthaltes ging es nach einem wirklich stattlichen Festmahl, nach dem ich mich nicht mehr wunderte, wie die Hazanti solche Umfänge erreichten, zu einem großen, stufenkegeligen Gebäude, das wir zunächst für einen Tempel hielten. Das Innere des … nun, ich nenne es einfach mal weiter so … Tempels erinnerte an das Kolosseum in Rom; von oben und aus riesigen Fenstern strahlte Licht in die Mitte, um die sich herum Zuschauertribünen erhoben, auf denen wir mit der Familie platznahmen, während der Entwickler sich auf das Ritual vorbereiten gehen wollte. Wir hatten eine Menge Fragen, aber dummerweise sprach niemand unsere Sprache und Dreyfuss musste an diesem »heiligen« Ort draußenbleiben und konnte daher auch nicht als Übersetzer dienen. Die Ränge füllten sich nach und nach und schließlich wurde eine Gong geschlagen und ein dürrer Greis trat in die Mitte, um die herum viele kleine Schemel standen, um eine Rede oder Predigt zu halten. Als der Gong noch einmal schlug, kamen viele enorm dicke Hazanti, unter ihnen auch Xedefel, nur in weiten weißen Gewändern bekleitet, hinein und setzten sich auf die Schemel.

      Ich will nicht genauer darauf eingehen, was dann geschah. Es war furchtbar. Wenn man so etwas tatsächlich nur alle zwanzig Jahre tut, wie die Hazanti, dann staut sich eine Menge auf. Und für sie ist das dann eben keine alltägliche Nebensächlichkeit, die man stillschweigend verrichtet, sondern eine ganz großen Sache. Wortwörtlich. Es dauerte eine schiere Ewigkeit und wie hätten wir rausgehen sollen? Mit was für einer Entschuldigung? Dass wir mal kurz aufs Klo müssen? Es war einfach nur furchtbar.

      Nach diesem »Ritual der Leerung« gab es anderenorts ein gewaltiges Festmahl, aber wir aßen keinen Bissen. Wir hatten genug damit zu tun, das, was wir noch vom Frühstück drin hatten, nicht beim Ritual durch den gleichen Weg loszuwerden, durch den es schon in unsere Mägen gewandert war und nun stand uns der Sinn wirklich nicht mehr nach Essen, auch wenn es rückblickend wirklich das wohl beste Mahl gewesen wäre, das wir je für umsonst bekommen hätten.

      Als wir zwei Tage später wieder zurück nach Trappist flogen, war Xedefel ein richtiger Hänfling geworden. Als er auf dem Flug aber einmal Spaßeshalber sein Gewand hob, aus dem daraufhin gewaltige Hautlappen lugten, und meinte, dass er nun wieder zwanzig Jahre hätte, sie zu füllen, beschloss ich, nie wieder Hazanti zu chauffieren. Nie. Wieder.

      Logbucheintrag der Pytheas vom 3.07.2218
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    • Der Aufschwung eeiescher Esskultur im Merian der 200er Jahre

      Eine Zusammenfassung von Geehrter Grünrobende Kaauuiirva´eshi Aejraid vom Schwarm der rauschenden Wellen für den Liorettempel von Eshi

      Eeie war zu teren Zeiten eine sehr polarisierende Figur in Merian. Geboren als freier Skarrak zog ter in terer Jugend mit der familiären Handelskaravane mit und lernte so schon früh die verschiedensten Kulturen unseres schönen Kontinents kennen.
      Eeies größte Faszination waren schon früh die unterschiedlichen Speisen und Gewürze, ein wahrhaft merkwürdiges Interesse für ein Skarrak, die ja bekanntermaßen einen Großteil ihrer Energie aus Sonnenlicht beziehen und bei denen die Tätigkeit des Essens in manchen Kulturen genauso eine große Peinlichkeit ist wie Geschlechtsverkehr in vielen menschlichen Kulturen (Anmerkung: hätte ich so wenige Federn, wäre mir die Balz vermutlich auch peinlich).
      Kaum war ter erwachsen, machte sich Eeie deshalb auf die Reise, bei seinen liebsten Völkern die Feinheiten der Speisezubereitung kennen zu lernen. Auf dieser Reise besuchte ter das Neue Reich und Allica, doch die größte Faszination hatte ter für Merian, weshalb ter sich auch nach terer Wanderschaft dort niederließ und tere erstes Speisehaus eröffnete, das Silberne Blatt. Dieses Haus ist noch heute eines der angesehensten in Eshi und viele Barden und Adelige speisten dort bereits. Eeie gab stets als Grund für die Eröffnung an, dass ter Merian liebte, aber merisches Essen hasste.
      Im damaligen Merian war das Hauptgewürz lediglich Salz und gegessen wurde fast nur Fisch, Algen und Kartoffeln, oft als eine einzige Pampe vermengt. Eeie importierte Basilikum, Thymian, Oregano und Lavendel aus dem Neuen Reich und Karotten, Galkà und Knoblauch aus Allica und begann sogar, diese Exoten selbst im Garten hinter dem Gasthaus anzubauen.
      Ter hatte keinen leichten Stand, denn die Menschen standen teren neuem Essen skeptisch gegenüber, während die anderen Skarrak Eshis, fast alle der merischen Ethnie entstammend, den Fremdling aufgrund teren Interesse am Essen und teren Andersartigkeit mieden.

      Nach und nach jedoch wurde das Silberne Blatt bei den Reisenden nach Eshi beliebt, die hier ein Stück (wenngleich fröhlich variierte) Heimat fanden. Diese Beliebtheit weckte allmählich die Neugier der Bürger von Eshi und langsam, fast widerstrebend wurden auch sie Freunde von Eeies Variationen. In 235, 10 Jahre nach der Eröffnung des Silbernen Blattes, eröffnete Eeie ein zweites Speisehaus, die Brechende Welle (Anm. einige der Menschen fanden den Namen unfassbar komisch) und auch dieses gedieh. Eeie musste sogar weitere Köche in teren speziellen Form des Kochens unterrichten, um die Nachfrage zu decken und allmählich boten auch andere Speisehäuser und Gaststätten diese Art des Essens an.
      In den 240ern hatte schließlich das „Eeiesche Essen“ die merische Kochkunst an Beliebtheit überholt und heutzutage ist es die vorherrschende Kost in ganz Merian.
      Eeie kehrte 276 ins Meer, wie es teren Spezies am Ende des Lebens zu tun pflegt, doch teren Einfluss auf Merian wird wohl ewig wären.
      "Asexuality
      I know what you think
      but it’s not celibacy
      You call me a liar
      For I have no desire
      But this is the way I was meant to be"
      ( youtube.com/watch?v=QBg3ufZJR4c)
    • @Elatan Das war großartig. Ich hab mich schon beim ersten Absatz gefragt, wo das noch hinführt und es war einfach großartig. Einfach. Großartig. Ich hab so gelacht.

      @Cyaral Jetzt hab ich Hunger. Wie komm ich denn in dieses Silberne Blatt und gibts da noch freie Tische? Bei dem Essen, dass in der Gegend vorher üblich war, wundert es mich nicht, dass das so ein durchschlagender Erfolg war.
      Braiiiins.

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    • Essen in Zentrallavien


      Im zentrallavischen Tagesverlauf gibt es vier Mahlzeiten:
      ~ Eine sehr kleine Mahlzeit aus gesalzenen Keksen und Trockenobst gleich nach dem Aufstehen, aber noch vor dem Anziehen. Diese Mahlzeit wird mit den Fingern gegessen und noch vor der Nacht bereitgelegt.
      ~ Zu Sonnenhöchststand wird eine nahrhafte Suppe getrunken. Auch diese Mahlzeit kommt also ohne Besteck aus.
      ~ Zu Dämmerungsbeginn findet das Dämmermahl statt, bei dem entweder Pfannengerichte aus Gemüse und mitunter Fleisch oder aber Aufläufe aus Gemüse und Mehlschwitze gegessen werden. Getrunken wird dabei mit Gewürzen versetztes, gekühltes Wasser. Das typischerweise verwendete Besteck sind ein Löffel, ein Schieber und ein Messer. Der Löffel wird dabei stets in der rechten vorderen (oder der einzigen rechten, falls der Essende kein Noi ist) Hand gehalten, Schieber und Messer werden links gehalten, vorne oder hinten. In vielen Gegenden ist auch üblich, den Trinkbecher ausschließlich rechts zu halten.
      ~ Das Nachtmahl wird etwa eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen gegessen, zumeist gibt es salzig-sauer abgemachte Gemüsestücke und Tee. Dafür wird ein Löffel benutzt, und zwar mit der rechten vorderen (oder auch der einzigen rechten) Hand.
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    • *lobs*

      @Teja: Interessant, was auf dort so alles gegessen werden kann/muss.

      @Elatan: Huch ... na das ist ja mal, äh, interessante Biologie.

      @Cyaral: Ja, da würde ich auch lieber die neue Art Speise essen.
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    • @Teja: Uh, das klingt interessant! Und Marisu ist echt eine garstige Alte ...
      @Cyaral: Essen Skarraks denn gar nichts und Eeie wusste daher gar nicht aus eigener Erfahrung, ob das zubereitete denn schmeckt?
      @Veria: Praktisch, wenn man so viele Hände für Besteck hat.
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    • @Teja: Die Welt ist sehr interessant. Ich mag die Blumen. Haben die für dieses Mädchen denn einen Geschmack?

      @Elatan: :rofl: Ich liebe diesen Beitrag. Man merkt richtig den Schock des Erzählers :diablo:

      @Veria: Jetzt hab ich Hunger :pfeif:

      @Mein Beitrag:

      @Teja: Wenn du rechtzeitig reservierst bekommst du vielleicht einen Platz.

      @Elatan: Tatsächlich müssen alle Skarrak essen. Die meisten verschlingen heimlich und verschämt rohes, ungewürztes Fleisch oder Anthropoden (ihre natürliche Nahrung - die Photosynthese vermindert ihren Nahrungsbedarf, kann ihn aber nicht ganz decken. Gerade Stickstoff muss über das Essen aufgenommen werden, wofür chitinhaltige Lebewesen super sind). Eeieei war deshalb so ein "Freak" weil ter offen über Nahrung gesprochen und es regelrecht zelebriert hat und jeder wusste, dass ter isst. Für Skarrak ist das Eingestehen der Nahrungsaufnahme eigentlich ein Zeichen der Schwäche, weil es heißt, dass teren Photosynthese nicht ausreicht- nur reicht sie eben nie aus :pfeif:
      Eeieei war durch die ganzen Reisen eher menschlich-vakkurrisch geprägt und hat nie verstanden, warum das ein Tabuthema ist.

      @Veria: Verstehe ich :lol: Das Volk von Merian stammt von einer eher praktisch orientierten, teilsnomadischen Seefahrernation ab und nach der festen Ansiedlung hatten sie die traditionellen Speisen beibehalten.
      "Asexuality
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      but it’s not celibacy
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      But this is the way I was meant to be"
      ( youtube.com/watch?v=QBg3ufZJR4c)
    • Cyaral schrieb:

      @Teja: Die Welt ist sehr interessant. Ich mag die Blumen. Haben die für dieses Mädchen denn einen Geschmack?
      Hm, eine interessante Frage. Hat Sonnenlicht einen Geschmack für Pflanzen? Die reine Gegenwart der Blumen ist genug, um sie zu "ernähren". Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass es verschiedene Qualitäten dieser Blumen gibt und diese dann auch unterschiedlich "schmecken".
      Braiiiins.

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