Dreiundfünfzigstes Speedbasteln am 23. Juli 2018: Kriegerehre

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    • Der Ethos des Schwarms

      Der Schwarm ist Leben, dein Leben gehört dem Schwarm. So oder ähnlich könnte man die Kriegerehre der Elfen zusammenfassen.

      Die kleinen Dreckskerle rotten sich gerne zu Schwärmen zusammen und verhalten sich dann auch wie Heuschrecken auf Speed. Das soll heißen, sie greifen wirklich alle gleichzeitig und sehr plötzlich an – und verschwinden genauso schnell wieder.

      Es gelang mir, einen ihrer Krieger dazu zu befragen. Wie sich herausstellte, legen Elfen großen Wert auf ihre Ehre. Hier findet sich auch eine Antwort auf die Frage, warum sie sich alle so ähnlich sind: Die Elfen betrachten es als extrem wichtig, sich so ähnlich wie möglich zu sein! „Individualität“ ist für sie etwas, dass der ganze Schwarm besitzt – nicht ein einzelner Elf! Jeder Schwarm für sich ist für sie das, was für uns unsere Persönlichkeit ist. Von der Schwarmpersönlichkeit abzuweichen wird als eine peinliche Charakterschwäche betrachtet. Einzelne Elfen, die sich vom Schwarm abwenden und tatsächlich so etwas wie eine richtige Persönlichkeit nach unserem Verständnis entwickeln, werden für gewöhnlich gemieden und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.

      Kämpfe gehören zu ihrer Kultur. Einzelne Elfenschwärme geraten wiederholt in Scharmützel miteinander oder auch mit größeren Gegnern. Wie in allem muss hier der ganze Schwarm folgen, sobald die Mehrheit eine Entscheidung getroffen hat – und sie tun das auch.

      Wenn der Schwarm beschließt, in den Krieg zu ziehen, stürzen sie sich alle gleichzeitig auf ihr Ziel und attackieren ist mit selbstzerstörerischer Gewalt. Sobald sie beschließen, sich zurückzuziehen, nehmen sie ihre Toten und Verwundeten mit sich, so bleibt nie jemand von ihnen zurück. Angeblich sollen sie sogar soweit gehen, dass sich der ganze Schwarm lieber selbst zerstört, als auch nur einen von ihnen zurückzulassen. Darauf wollte mir mein Interviewpartner allerdings keine Antwort geben.

      Unglaublich, dass sogar diese verrückten Flatterer von Menschen abstammen sollen, nicht wahr?
      Braiiiins.
    • Elatan schrieb:

      Elk weigerte sich hartnäckig, das Thema zu verkündigen! Er hat keine KRIEGEREHRE! Und das ist das Thema!
      Ich bin nunmal kein Krieger!

      °'°'°'°'°'°'°'°'°'°'
      Bei Namen und Bezeichnungen kann es sich um Platzhalter handeln. In diesem Fall können sie sich im Lauf der Zeit ändern.

      Kriegerehre

      „Rekruten! Ihr seid auserwählt, den Jegizheti1 beizutreten! Ihr habt eure Grundausbildung nun hinter euch. Drei Zyklen wurdet ihr auf diesen Moment vorbereitet. Nun müsst ihr euch beweisen! Die Folgenden Saisonen werdet ihr ein spezielles Ausdauer- und Überlebenstraining erhalten. Es werden nur die Besten 30 durchkommen, also strengt euch an! Denn wer nicht weiter kommt, wird der Stadtwache zugeteilt. Seid ihr weiter, steht ihr vor der härtesten Prüfung eures jungen Lebens! Und diese Prüfung entscheidet, ob ihr der Königlichen Garde beitreten könnt, oder ob ihr als Kundschafter ins Feld geschickt werdet. Mitkommen!“

      Die jungen Jegizheti folgen der Zujegi2 über den Kasernenhof in den Vortragssaal und setzen sich. Die Zujegi weist mit einer Handbewegung auf Plakate an der Wand.

      „Dies sind unsere Feinde! Die meisten von ihnen sind körperlich weitaus größer, und manche auch stärker als wir. Bei Feinden der Klasse 1, wie wie sie hier sehen, wirken unsere modernen Waffen allerdings nicht. Manchmal, zum Schutz des Staates, müssen wir eine Waffe einsetzen, die uns angeboren ist. Ihr habt in der Grundausbildung davon erfahren, denn jede von uns, ob Jegi3 oder Jyguni4, hat die Pflicht, diese Waffe zur Verteidigung des Staates einzusetzen, auch wenn es ihr Leben kostet!“

      Eine Jegi kommt durch eine Seitentür und hängt ein weiteres Plakat auf. Danach salutiert sie vor der Zujegi und stellt sich an die Wand.

      „Da ist es. Hier sehen wir den Einsatz unserer Geheimwaffe gegenüber des Feindes der Klasse 1.2 – dieser Verteidigungsangriff endete tödlich für die Jegi, der Feind aber überlebte. Er konnte lediglich in die Flucht geschlagen werden. Hätte ihn ein Bataillon auf diese Weise angegriffen, wäre er vielleicht auch gestorben.

      Es mag vielleicht die letzte Option sein, in einer ausweglosen Situation, doch wird ein solcher Einsatz für die Zuwi5 sicherlich nicht vergessen! Eine Jegi, die ihr Leben für die Zuwi, für den Staat gibt, erhält die größte Ehre, die einer Kriegerin zuteil werden kann! Sie wird, nach Ehrenbeisetzung in den Katakomben und öffentlicher Ehrung ihres Namens, im Nachleben an der Seite der Zuwizheti6 leben!“

      Die Jegizheti sind sichtlich erstaunt.

      „Doch müsst ihr, neben eurem regulären Training, auch den Verteidigungsangriff üben, um die Ehre, die euch nach eurem Tod dann zuteil wird, zu rechtfertigen. Denn ihr wollt, auch wenn ihr den Gegner damit nicht töten könnt, ihm doch den größtmöglichen Schaden geben!

      (Die Höchste Ehre der Jegizheti, Lehrmeinung der zumi’schen Militärakademien)

      °‘°‘°‘°‘°‘°‘°‘°‘°‘°‘
      1 Jegizheti: Soldatinnen, feminin, Plural
      2 Zujegi: Kommantantin, feminin, Singular
      3 Jegi: Soldatin, feminin, Singular
      4 Jyguni: Arbeiterin, feminin, Singular
      5 Zuwi: Königin, feminin, Singular
      6 Zuwizheti: Königinnen (hier: verstorbene), feminin, Plural

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    • Ein Mahl für den Rotmilan

      „Horger*, warum hat der Geschichtenerzähler die Männer Häuptling Arvars als 'Mahl des Rotmilans' bezeichnet?“, fragte der Jüngling seinen Horger während der Geschichtenerzähler eine Pause machte, um seine Kehle für die nächsten Strophen von Arvars Lied mit Mjud zu befeuchten. Der vernarbte Horger verzoge seine Lippen zu einem anerkennenden Lächeln, er schätzte es, wenn seine Schützlinge Neugier zeigten.

      „Der Schlachtengott fliegt in Gestalt des Rotmilans über den Himmel und seine Augen betrachten jede Schlacht, jeden einzelnen Krieger. Wenn die Schlacht vorüber ist und die Raben kommen, um die Seelen der Verstorbenen ins Nebelreich zu tragen, stößt er vom Himmel herab und verscheucht sie von denen, die ehrenhaft waren, um sie mit sich zu nehmen in die Halle der Krieger, wo sie einen Platz beim Heldenmahl erhalten, damit sie sich stärken können, bevor sie in der letzten Schlacht kämpfen werden, wenn sich der Kjahullir aus den dunklen Tiefen erhebt.“

      „Und – und wie ist man ehrenhaft?“

      „Das ist eine gute Frage!“, ertönte die Stimme des Geschichtenerzählers, der schnell den Mjudekrug abstellte und mit wohl intonierter Stimme für alle versammelten Jünglinge die Frage wiederholte: „Wie ist man ehrenhaft?“

      Die Jünglinge des Kriegerhorgers guckten sich fragend an. Hier stammelte einer „Wenn man mutig ist!“, dort einer „Man tötet keine Hilflosen?“. Der Horger selbst schwieg, er kannte die Antwort, dieses Spiel vollzog sich alle paar Jahre erneut, wenn er seine neusten Schützlinge Arvars Lied hören ließ, diese Frage und ihre Antwort stellten die eigentliche Lektion des Abends dar.

      Der Geschichtenerzähler schüttelte den Kopf: „Das ehrenhafteste für einen Krieger ist“, er hob den Zeigefinger, „der Gehorsam. Der Gehorsam gegenüber seinem Hauptmann ist ehrenhaft. Denn die Krieger wählen ihren Hauptmann, weil sie ihn ihm einen tüchtigen und klugen Mann sehen; wenn sie ihm dann nicht gehorchen, stellen sie seine Befähigung in Frage und das kann in einem Kampf allen den Tod bringen.“ Er drückte sich den Daumen an die Kehle, ein Raunen ging durch die Reihen der Jünglinge. Dann fuhr er fort: „Gehorsamkeit ist ein Zeichen des Vertrauens in die Befähigung des Hauptmanns und bildet die Voraussetzung für die nächste ehrenhafte Eigenschaft eines Kriegers: Der Krieger weicht keinem Kampf aus. Das ist, was die außerhalb eurer Hütte 'Mut' nennen. Aber ihr werdet Krieger, ihr werdet im Angesicht des Feindes euren Mut verlieren.“ Aufgeregtheit unter den Jünglingen, der Horger musste mit der Faust gegen einen Balken schlagen, damit wieder Ruhe einkehrte und der Geschichtenerzähler fortfahren konnte: „Den Mut zu verlieren ist gut, denn dadurch werden eure Sinne und euer Geist geschärft, euer Überlebenswille steigt. Doch wenn der Hauptmann den Angriff befiehlt, so muss der Krieger den Kampf suchen. Ihm nicht ausweichen. Kämpfen, bis die Götter ihn holen oder der Feind bezwungen ist. Ja, Kinder, das ist ehrenhafter als Mut: Dem Kampf nicht ausweichen.“ Die Jünglinge blieben unruhig, der Horger ließ sie gewähren, dieser Teil wurde immer am schwersten aufgenommen. Und dieser Geschichtenerzähler war nicht so gut, wie der vor drei Jahren, bei der letzten Gruppe. Er würde diesen Punkt wohl beim Frühstück selbst noch einmal erklären müssen.

      „Härte“, fuhr der Geschichtenerzähler fort, „ist auch ehrenhaft. In Krieg und Kampf geschehen unschöne Dinge und es ist ehrenhaft sie zu tun, obwohl das eigene Gewissen euch anfleht sie nicht zu tun. Der Krieger muss töten, oder er wird getötet. Also muss er im Kampf Härte zeigen, um töten zu können. Härte im Kampf ist ehrenhaft. Doch nur im Kampf, denn der Krieger muss im Haus, bei seinen Schützlingen oder Brüdern keine Härte zeigen, kann auf sein Gewissen hören – würde er hier Härte zeigen, es wäre unehrenhaft.“

      Der Horger schüttelte kaum merkbar den Kopf. Ja, der Geschichtenerzähler konnte gut die alten Lieder wiedergeben, aber für diese Lektionen war er ungeeignet. Er selbst würde es den Kindern besser erklären können, aber die Tradition gebot, dass ein Geschichtenerzähler ihnen die Ehre erklärte. Meist konnten diese das auch gut, doch dieser Junge hatte wohl gerade erst seine Ausbildung abgeschlossen. Hatte noch keinen Kampf, geschweige denn einen Krieg selbst erlebt. Er wiederholte Phrasen und bemühte schlechte Bilder, die er fern des Schlachtfelds auswendig gelernt hatte. Er hörte dem Geschichtenerzähler schon nicht mehr richtig zu, als dieser über Tugenden wie Geduld und Ausdauer redete – er brachte mit seinen schlechten Bildern die Kinder ganz durcheinander. Dabei ist die Ehre des Kriegers, dachte der Horger, ganz einfach zusammengefasst: Wenn du kämpfen musst, kämpfe, aber wenn du nicht kämpfen musst: Sei ein Mensch.


      ----
      * Horger = ein Ausbilder und Erzieher, der bei den Arbaren an Eltern statt Kinder erzieht, es lässt sich also auch als "Vater" übersetzen
    • Der Krieger aus dem Westen

      Ich traf einen seltsamen Mann auf den Straßen Pînors. Er war in Gewänder gehüllt, die ich in keinem Land Arens je gesehen habe und auch seine Gesichtszüge waren fremd und ähnelten noch am ehesten denen der Nemerer, obwohl sich herausstellte, dass diese Ähnlichkeit wohl rein zufällig sein muss, erfuhr ich schon bald, denn dieser Mann stammte vom weit im Westen liegenden Ilmol-Archipel – und die Steppen der Nemerer grenzen noch nicht einmal an den Ozean.

      Der Mann war recht unbekümmert und scherzte viel mit den anderen Gästen der Taverne, in welcher er sein Abendessen einnahm, doch waren seine Scherze nie grob und ungehobelt wie die einiger anderer Tavernengäste, die mit ihnen versuchten, ihn zu provozieren. Ich beobachtete die Szenerie eine ganze Weile und während der Fremde maßvoll mit dem Wein war, so wurden die anderen Gäste immer ruppiger und fragten ihn, ob er ein Weib wäre und daher Kleider trüge und nur am Becher nippte. Der Fremde ging gar nicht weiter auf diese Kommentare ein, doch bezweifle ich, dass er nicht verstand, wie übel sie nun langsam begannen, ihn zu beleidigen. Als ein Betrunkener ihn aufforderte, noch eine Runde auszugeben, bat der Fremde diesen höflich um Verzeihung und Verständnis dafür, dass er dies nicht könne und sparsam sein wolle. Dies war das, was für die einheimischen Säufer der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte. Sie hatten schon die ganze Zeit danach gegiert, diesem kultivierten Mann, dem sie vorwarfen, sich für etwas besseres zu halten, eine Abreibung zu verpassen. Also wollte einer von ihnen nach dem Schwert des Fremden greifen, das dieser an den Tisch gelehnt hatte. Der Fremde sollte es nach Meinung des Streihammels beim Wirt gegen mehr Wein und Bier eintauschen, denn das sei er ihnen schuldig, da er schließlich in ihrer Stadt so willkommen geheißen wurde. Von da an geriet die Lage recht schnell außer Kontrolle: Ein anderer Pînorer wollte dem Fremden einen Schlag verpassen, doch dieser wich mühelos aus und in der nun entstandenen Schlägerei, in der auch hier und dort ein Messer aufblitzte, machte der Fremde absolut keine Anstalten, sein Schwert aus der Scheide zu ziehen. Stattdessen nutzte er nur seine Hände und Füße, um alle Angreifer in Schach zu halten. Ich mochte mir das ganze nicht mehr lange ansehen und fühlte mich auch in der Pflicht als Sentarier, dem Fremden zu helfen – allerdings war ich ihm wohl eher noch ein Klotz am Bein. Nun, wir schafften es trotzdem, uns aus der Schänke zu schlagen und zu entkommen. Als wir endlich mehrere Straßen weiter zum Stehen kamen, bedankte der Fremde sich bei mir und zeigte sich betroffen, die anderen Tavernengäste so provoziert zu haben. Ich gab ihm aber unmissverständlich zu verstehen, dass es nicht seine Schuld gewesen sei.

      Wir redeten noch eine ganze Weile miteinander und er erzählte mir von seiner Heimat und dass er ein großer Krieger war (ich muss dazu sagen, dass er sich selbst nicht so bezeichnete und über alle Maßen bescheiden war, doch seine Erzählungen und das, was ich während der Schlägerei gesehen hatte, ließen darauf schließen). Ich sagte ihm, dass er das Schwert hätte ziehen sollen, denn dann wäre den Schlägern die Freude sehr schnell vergangen, doch er antwortete mir, dass man eine Waffe nur dann ziehen sollte, wenn man bereit wäre, sie auch bis zur letzten Konsequenz zu nutzen, und er dies nicht war. Er sagte mir, dass es unehrenhaft für ihn gewesen wäre, gegen betrunkene Narren seine vollen Fähigkeiten einzusetzen. Ich fragte ihn, wann er dies denn wäre und im Nachhinein fand ich diese Frage sehr unangebracht, doch ich hatte auch ein wenig getrunken …

      Er erzählte mir dann, dass er zuletzt in seiner Heimat sein Schwert richtig benutzt hatte, um sein Dorf vor einem Räuber zu verteidigen. Für gewöhnlich setzten Krieger wie er, wenn sie das Schwert zogen, ausschließlich die Breitseite ein und niemals die scharfen Schneiden, wie ihre Vorfahren es getan hatten. Er aber hatte sich, so sagte er, nicht völlig unter Kontrolle gehabt und schließlich den Räuber doch getötet. In Aren hätte jeder dafür Verständnis gehabt, in Ilranuh war das Entsetzen über diese Tat jedoch so groß gewesen, dass er sich schließlich dazu entschlossen hatte, seine Heimat mit einem der wenigen Schiffe zu verlassen, die hin und wieder aus Aren kamen. Zehn Jahre hatte er nun in Aren verbracht und den Kontinent bereist, um nun hier von Pînor aus, der Stadt, die er als erste damals betreten hatte, wieder zurückzureisen. Er lächelte mich an und sagte mir, dass dies eigentlich sein Plan gewesen sei, doch selbst ihn als Krieger nun der Mut verlassen hatte, tatsächlich nachhause zurückzukehren.
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    • Das Urteil

      Pirion schleppte sich mit letzter Kraft zu seinem Schwert. Er umklammerte den Griff und versuchte sich so gut es ging aufzurappeln. Blut rann ihm in die Augen und nahm ihm die Sicht, seine Knie zitterten. Zahlreiche Wunden übersäten seinen Körper, das Schwert seines Gegners hatte seine Rüstung durchschnitten wie ein Blatt.
      Das war es, es gab kein Entkommen mehr. Er hatte sein Schicksal angenommen. Diesem Feind hatte er nichts mehr entgegenzusetzen. Doch immer noch kochte in Pirion unbändige Wut.
      „Du Feigling!“, schrie er. Pirion wischte sich das Blut aus den Augen und erkannte verschwommen die Gestalt, die nur wenige Meter vor ihm stand. „Kein Krieger darf im Duell Magie nutzen oder seinen Gegner unnötige Qualen zufügen!“
      „Ich sagte dir bereits, deine Vorstellungen von Ehre und Ritterlichkeit interessieren mich nicht“, entgegnete die Gestalt ausdruckslos. „Mein Meister trug mir auf dich auf diese Weise zu töten.“
      Pirion konnte immer besser sehen. Die Miene seines Gegenübers war versteinert, kein Gefühl lag in seinen Zügen. Er war tatsächlich kein Krieger, wie er es am Anfang ihres Kampfes gesagt hatte. Eine Klinge, nichts weiter. Eine kurze Bewegung mit der Hand und Pirion brach zusammen. Ein Gewitter aus Nadelstichen ließ ihn aufschreien, das Schwert glitt ihm aus der Hand. Urplötzlich hörte der Schmerz auf, doch er konnte sich nicht mehr bewegen und blieb benommen liegen.
      „Dein Meister …“, stammelte Pirion. „Er ist ebenso ehrlos … wie du.“
      „Mein Meister tut, was richtig ist.“, belehrte sein Feind ihn. „Die Ehre eurer Kaste ist für ihn nicht von Belang. Und ein verurteilter Mörder hat ohnehin kein Recht seinen König als ehrlos zu bezeichnen.“
      Der Feind drückte ihm seinen Stiefel in den Hals. Pirion würgte und keuchte, doch der Stiefel ließ nicht locker. Was wusste dieses Tier schon von Ehre?, dachte Pirion wutentbrannt. Kraftlos griff er nach dem Stiefel. Der Hund des Königs, wie konnte ein Hund schon von solchen Dingen wissen. Pirion spürte, wie die Klinge seines Gegners langsam seine Hand aufritzte. Er versuchte nicht einmal die Hand abzuschütteln.
      Langsam ging Pirion die Luft aus, verzweifelt schlug er gegen das Bein. Plötzlich ließ der Stiefel von ihm ab und Pirion griff nach seinem Hals. Er hustete und versuchte gleichzeitig Luft zu bekommen, als sein Gegner ihm in die Magengrube trat. Pirion übergab sich.
      „Pirion Ivarie aus der Kaste der Krieger von Numien“, sprach sein Feind. „Ich, Anglycor, überbringe dir das Urteil unseres unsterblichen Königs Sangarion. Für deinen Mord an drei Beamten der Stadt Nume und deine anschließende Flucht aus dem Gefängnis verdienst du den Tod in der unehrenhaftesten Weise, die deine Kaste vorsieht.“
      Anglycor steckte sein Schwert in die Scheide, die an seinem Gürtel hing. Anschließend formte er mit den Fingern ein Zeichen vor seiner Brust. Pirion verlor jegliches Körpergefühl.
      „Dieser Zauber wird dich langsam dahinraffen“, erklärte Anglycor. „Dein Name und dein Andenken sollen für immer verschmäht und verachtet werden.“
      Mit diesen Worten drehte sich Anglycor um und ließ Pirion alleine zurück.
      "Archäologie ist die Suche nach Fakten. Nicht nach der Wahrheit. Wenn Sie an der Wahrheit interessiert sind, Dr. Tyries Philosophiekurs ist am Ende des Ganges. Also vergessen Sie diese Geschichten von verborgenen Städten und die Welt umzugraben. Wir folgen keinen alten Karten, entdecken keine vermissten Schätze und noch nie hat ein X irgendwann irgendwo einen bedeutenden Punkt markiert."

      - Prof. Dr. Henry Jones Jr.
    • Und hier kommen meine Lobsbeeren:

      @Chrontheon Ich sehe, auch du hast ein Insektenthema. Gefällt mir! Ich mag so Staaten!
      @Nharun Mir gefällt vor allem der Abschluss. Das ist sehr schön zusammengefasst!
      @Elatan Das klingt einleuchtend und ich bin sehr beeindruckt von den Fähigkeiten dieses Kriegers!
      @Salyan Uh, eine Hinrichtung die gleichzeitig auch noch ein Tiefschlag für die Ehre ist! Gefällt mir! Was war das denn für ein Assassine?
      Braiiiins.
    • @Teja: Ich wollte grade schreiben "Ich mag deine Elfen!", andererseits will ich den Drecksviechern nicht begegnen. ;D
      @Chrontheon: Auch ein feiner Beitrag!
      @Nharun: Ein wirklich schön geschriebener Beitrag!
      @Salyan: Urgh, das ist ja keine schöne Art, den Löffel abzugeben ...
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    • *Lobsbeerenessig verteil*

      @Teja: Schlimme Leute, diese Elfen!

      @Nharun: Schon logisch, was der Horger sich am Ende denkt. Nur schade, dass der Geschichtenerzähler so schlecht ist!

      @Elatan: Ein sehr ehrenhafter Herr!

      @Salyan: :O Das ist ... auf welcher Stufe steht die Kriegerkaste eigentlich?

      °'°'°'°'°'°'°'°'°'°'

      Teja schrieb:

      @Chrontheon Ich sehe, auch du hast ein Insektenthema. Gefällt mir! Ich mag so Staaten!

      Elatan schrieb:

      @Chrontheon: Auch ein feiner Beitrag!
      Danke!
    • Es ist zu warm, deshalb sind die Lobsbeeren leider so matschig wie mein Kopf:

      @Teja Fiese kleine Gesellen! Aber ich mag diesen Take im Bezug auf Elfen, besonders weil es diese kleinen Geflügelten sind. :thumbup:
      @Chrontheon Interessante Darstellung, ich möchte jetzt aber wissen wie diese Kriegerinnen bzw. ihre Spezies aussehen, und was sie für Feinde haben! :thumbup:
      @Elatan Schön erzählte Geschichte, bei der Vieles, was man als "Ehre" wahrnehmen kann vor allem erstmal zwischen den Zeilen deutlich wird, bevor die unehrenhafte Tat ein Schlaglicht auf etwas wirft, was man mit Kriegern normalerweise nicht so verbindet. :thumbup:
      @Salyan Eine schöne Geschichte, die Lust auf mehr macht. :thumbup:
    • Statt Lobsbeeren gibts heuten Ehrenbeeren!

      @Teja: Wie kommt es denn, dass manche Elfen eine eigene Persönlichkeit entwickeln? Klingt nach ziemlich aggressiven kleinen Viechern, vielleicht tut denen eine Flache Raid! ganz gut?^^
      @Chrontheon: Witzig, gleich zwei Beiträge mit Bienen-Symbolik :-D Wie wird mann den auserwählt, um eine Kriegerin zu sein und keine Arbeiterin o-ä.?
      @Nharun: Gutes Personal ist halt schwer zu finden ;) Wie siehts denn mit Menschlichkeit auf dem Schlachtfeld aus? Was passiert, wenn man einen Gegner am Leben lässt?
      @Elatan: Man sollte halt nicht nur auf das Äußere schauen^^ Heißt das in Ilranuh gibt es keine Notwehr oder so? Warum schleifen sie dann die Schwerter überhaupt noch?


      Teja schrieb:

      Uh, eine Hinrichtung die gleichzeitig auch noch ein Tiefschlag für die Ehre ist! Gefällt mir! Was war das denn für ein Assassine?
      Danke =) Das war Anglycor, von dem hab ich mal im Chat erzählt. Seine Magie ist tödlich für jeden in seiner Nähe, weshalb er vom König so gerne eingesetzt wird. Außerdem ist Anglycor, seit er für den König arbeitet, immer weiter abgestumpft, was auch seine indifferente Haltung gegenüber Pirion erklärt.

      Elatan schrieb:

      Urgh, das ist ja keine schöne Art, den Löffel abzugeben ...
      Nicht wirklich, aber genau so war es leider auch geplant^^

      Chrontheon schrieb:

      :O Das ist ... auf welcher Stufe steht die Kriegerkaste eigentlich?
      Eigentlich ziemlich hoch, ich würde sagen im oberen Drittel einer Gesellschaftspyramide, die ich noch nicht ausgearbeitet hab^^. Sie sind auch sehr angesehen bei der normalen Bevölkerung. Umso höher ist der Fall, den Pirion hingelegt hat.

      Nharun schrieb:

      Eine schöne Geschichte, die Lust auf mehr macht.
      Danke =)
      "Archäologie ist die Suche nach Fakten. Nicht nach der Wahrheit. Wenn Sie an der Wahrheit interessiert sind, Dr. Tyries Philosophiekurs ist am Ende des Ganges. Also vergessen Sie diese Geschichten von verborgenen Städten und die Welt umzugraben. Wir folgen keinen alten Karten, entdecken keine vermissten Schätze und noch nie hat ein X irgendwann irgendwo einen bedeutenden Punkt markiert."

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    • Salyan schrieb:

      @Teja: Wie kommt es denn, dass manche Elfen eine eigene Persönlichkeit entwickeln? Klingt nach ziemlich aggressiven kleinen Viechern, vielleicht tut denen eine Flache Raid! ganz gut?^^
      Jetzt musste ich tatsächlich laut lachen. "Raid!" ist nämlich auch so ein Running Gag in unserer Shadowrun-Runde, seit einem Run gegen einen Termitenbau... ja, Elfen haben irgendwie einen einen gemeinsamen Koller. Aber sie müssen so aggressiv sein, immerhin verkaufen manche Leute ihre Körperteile als Drogen!
      Individualität entsteht halt hin und wieder mal, wenn sich ein junger Elf zu sehr mit Bodenkrabblern beschäftigt. Das ist dann sehr bedauerlich.
      Braiiiins.
    • Salyan schrieb:

      @Chrontheon: Witzig, gleich zwei Beiträge mit Bienen-Symbolik :-D Wie wird mann den auserwählt, um eine Kriegerin zu sein und keine Arbeiterin o-ä.?
      :D Die Auswahl, durch die die Gesellschaftsschicht bestimmt wird, in der eine Zumizhe eingestuft wird, ist in der Reifeprüfung inbegriffen.
    • Leider hab ich's verpasst.
      @Nharun Ist es eigentlich Absicht, dass der Ehrbegriff bei dieser Kultur doch sehr an eine bestimmte Zeit der deutschen Geschichte erinnert? Wobei ich jetzt nicht behaupten will, dass das anderen Armeen fremd war bzw. ist, aber dann noch die Kombination mit den sehr nordisch klingenden Jenseitsvorstellungen.
    • Salyan schrieb:

      Heißt das in Ilranuh gibt es keine Notwehr oder so? Warum schleifen sie dann die Schwerter überhaupt noch?
      Ah, ich wusste doch, dass ich irgendwo fälschlicherweise Ilranuh schrieb ... streich das, es muss "Ilmol" heißen. Notwehr gibt es prinzipiell schon, allerdings ist das Töten eines Menschen unter egal welchen Umständen etwas zutiefst furchtbares, was unbedingt vermieden werden soll. Die Schwerter werden hauptsächlich noch aus traditionellen Gründen geschliffen, zudem werden in Wettkämpfen zwischen wirklich erfahrenen Schwertmeistern scharfe Klingen verwendet, um noch einmal das Können unter Beweis zu stellen, mit einer so gefährlichen Waffe einen Gegner, ohne ihn ernsthaft zu verletzen oder gar zu töten, außer Gefecht setzen zu können.
      Straße war gestern, du siehst mich im Board
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    • Amanita schrieb:

      @Nharun Ist es eigentlich Absicht, dass der Ehrbegriff bei dieser Kultur doch sehr an eine bestimmte Zeit der deutschen Geschichte erinnert? Wobei ich jetzt nicht behaupten will, dass das anderen Armeen fremd war bzw. ist, aber dann noch die Kombination mit den sehr nordisch klingenden Jenseitsvorstellungen.
      Wenn das eine verkleidete Form ist, meinem Text eine Verbindung mit nationalsozialistischer Ideologie zu unterstellen (und die Verwendung eines Euphemismus a la "eine bestimmte Zeit" legt das Nahe), widerspreche ich dem vehement. Ähnlichkeiten mag es geben, sie sind aber nicht beabsichtigt. Gehorsam und sich nicht vor einer Schlacht drücken sind meiner Meinung nach, die als Kriegsdienstverweigerer sicherlich nicht die fundierteste ist, durchaus keine schlechten Eigenschaften für Soldaten und schon gar keine rein nationalsozialistisch geprägten.

      Salyan schrieb:

      Wie siehts denn mit Menschlichkeit auf dem Schlachtfeld aus? Was passiert, wenn man einen Gegner am Leben lässt?
      Kommt stark auf die Situation an. Es gibt keinen Zwang überwundene Gegner zwangsweise zu töten. Es gibt durchaus Traditionen besiegte Gegner als Geiseln zu nehmen, die entweder von ihren Verwandten freigekauft werden konnten, einen Leben als Sklaven vor sich hatten oder (zumindest in der Antike) lebendig begraben wurden, um Orte zu weihen (in der Klassik vollzieht sich ein Wandel über Tieropfer zu Stoffpuppen).