Dreiundfünfzigstes Speedbasteln am 23. Juli 2018

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    Vom 28.9.-1.10. findet das Weltenbastlertreffen im Feriendorf am Burgensteig in Nentershausen statt. Zur verbindlichen Anmeldung geht es hier lang.

    Neulinge sind wie immer höchst erwünscht und wir freuen uns euch kennenzulernen!

    • Nharun schrieb:

      Wenn das eine verkleidete Form ist, meinem Text eine Verbindung mit nationalsozialistischer Ideologie zu unterstellen (und die Verwendung eines Euphemismus a la "eine bestimmte Zeit" legt das Nahe), widerspreche ich dem vehement.
      Ich wollte dir keineswegs irgendwas in Bezug auf eine mögliche eigene politische Gesinnung unterstellen. (Ich lasse Vertreter meiner Völker gerne selber fragwürdige Vorstellungen vertreten, deswegen hätte ich das jetzt nicht so unwahrscheinlich gefunden.)
      Da mir das Hintergrundwissen zu deiner Welt fehlt, hätte ja sein können, dass du hier im Zusammenhang mit dem auch schon innerhalb der Geschichte kritisch betrachteten Geschichtenerzähler bewusst solche Assoziationen wecken willst. Das ist offensichtlich nicht der Fall und es tut mir leid, dass ich dich mit der Formulierung vor den Kopf gestoßen habe.
    • Danke für die Entschuldigung, hättest du aber nicht müssen. Ich fand die Antwort völlig okay. Deutlich, aber nicht irgendwie als persönlicher Angriff oder sowas formuliert.
      Ich habe da einfach geschrieben, was mein erster Gedanke war, ohne drüber nachzudenken, wie das vielleicht ankommt. Das sollte ich nach so viel Zeit in Foren eigentlich besser wissen.
    • Amanita schrieb:

      Das sollte ich nach so viel Zeit in Foren eigentlich besser wissen.

      Also ich greife hier und da durchaus mal Gedanken und Ideen aus Nationalsozialismus und Faschismus auf, da sie sich für antagonistische Organisationen oder gar Kulturen erkennbar eignen (wobei ich noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen will, dass ich diese Ideen nicht aus eigener Anschauung teile). Gerade bei den Arbaren versuche ich Bezüge zu den Nazis jedoch nicht absichtlich zu setzen, da die Arbaren als nordische Hünen mit nordisch inspirierter Mythologie eben keine Fantasy-Nazis sein sollen und schon gar keine "Nordischen Arier" oder son Quatsch. Ich glaube, ich habe so ungebührlich reagiert, weil ich eben genau die Assoziation bei diesem Volk verhindern wollte.
      Dass du nur Schnippsel von dem über die Arbaren weißt, was ich erbastelt habe, kann und will ich dir gar nicht zum Vorwurf machen. Ich möchte auch nicht, dass du dich künftig dazu gezwungen siehst, deine Gedanken zu meinen Basteleien selbst zu zensieren (oder gar einzustellen), ich freue mich, wenn du meine Sachen liest und Fragen stellst! :thumbup:
    • @Nharun Das war dann natürlich ein Tritt ins Fettnäpfchen, wenn du solche Assoziationen eigentlich verhindern wolltest. Ich werde natürlich auch trotzdem weiterlesen und Fragen stellen, aber mir hoffentlich angewöhnen in Zukunft etwas länger nachzudenken, bevor ich drauflos schreibe.

      Und hier ist meine etwas sehr verspätete Nachreichung.


      Die ehrenhafte Kriegerin




      Brajana hatte es geschafft. Sie war eine von gerade einmal zwei Frauen, die den Aufnahmetest für die Kampfeinheiten der sarilischen Armee bestanden hatten. Es waren anstrengende Tage gewesen. Zuerst der Sporttest, dann ein Orientierungsmarsch und zum Schluss ein Test für das Durchhaltevermögen, zwei Tage marschieren mit vollem Marschgepäck, aber ohne Wasser. Eine der anderen Kandidatinnen hatte wie ein Tier aus einer schlammigen Pfütze gesoffen und musste sich nun mit einer Verwaltungsstelle begnügen, da gab es schließlich auch genug zu tun.

      Nun saß Brajana zusammen mit den anderen Rekruten in der Rijuna sira Madjana-Kaserne und hörte sich an, was ihnen Ausbildungsoffizier Neralia über die Ehre des sarilischen Soldaten erzählte.

      „Ihr seid stolz darauf, dass ihr diese Prüfung erfolgreich absolviert habt, doch diese Prüfung war nur der Anfang. Im Vergleich zu eurer Ausbildung war sie ein Zuckerschlecken und danach kommt das echte Soldatenleben, wo ihr jeden Tag mit Tod oder Gefangenschaft rechnen müsst. Ihr seid die Beschützer dieses Landes, sein Fortbestehen hängt von eurer Ehrenhaftigkeit ab. Ein ehrenhafter Soldat stellt das Wohl seines Volkes über das eigene Wohl. Selbstsucht und Egoismus haben hier keinen Platz. Wer tapfer kämpft, wird dafür respektiert, doch die Bewunderung der Menge darf nie eure Motivation sein.“

      Brajana bemühte sich weiterhin ungerührt geradeaus zu schauen. Sie war hier, weil sie etwas Ehrenhafteres und Angeseheneres tun wollte als durch Mist zu wühlen, um Dünger zu gewinnen. Sie wollte ihre Tapferkeit unter Beweis stellen, kämpfen und diese rebellischen Arisaja-Elavier töten, statt bestenfalls Ratten zu jagen.

      „Tapferkeit bedeutet, nicht zurückzuschrecken, wenn euch der Tod droht. Der Tod auf dem Schlachtfeld Auge in Auge mit dem Feind ist der ehrenvollste Weg diese Welt zu verlassen, wer so sterben darf, sollte sich glücklich schätzen. Tapferkeit bedeutet auch, als Gefangene eure Ehre zu bewahren. Weder Mensch noch Kreatur kann euch eure Ehre rauben, ganz gleich, was er tut. Entehren kann sich ein Mensch nur selbst. Ein ehrenhafter Soldat bettelt nicht um Gnade, denkt an Veralian, der seinen Folterern bis zum Tod ins Gesicht lachte. Wer seine Kameraden oder sein Volk verrät, hat jede Ehre als Mensch und Soldat verwirkt.“

      Jeder wusste, dass ein Sariler seinem Peiniger mit Tapferkeit entgegentrat, aber Brajana war auch klar, dass niemand wusste, wie er reagieren würde, wenn er wirklich in eine solche Situation geriet. Immerhin hatte sie Mittel und Wege zu verhindern, den Bastard eines Elaviers zur Welt bringen zu müssen.

      „Ein ehrenhafter Soldat steht treu hinter Stammesmutter und Kriegshäuptling und gehorcht ihren Befehlen, selbst wenn er sie nicht versteht.“

      Es gab keine Stammesmutter mehr in Sarilien, sondern einen Staatslenker, den Anführer der einen Partei und einen obersten General. Der konnte vielleicht noch als Kriegshäuptling durchgehen, aber die Stammesmutter suchte man vergeblich. Neralia wusste das so gut wie jeder andere. Nutzte sie nur die alten Worte, ohne darüber nachzudenken, oder dachte sie mehr als irgendeiner der jungen Menschen vor ihr ahnte?

      „Ihr seid die Beschützer dieses Landes und habt euch entsprechend zu verhalten. Vergreift euch niemals am eigenen Volk und seinem Hab und Gut und vergeht euch nicht an Grund und Boden. Wer so etwas tut, hat seine Ehre verwirkt. Gleiches gilt für den, der seine primitiven Begierden nicht im Zaum halten kann. In der Armee gibt es nur Soldaten, keine Männer und Frauen, das muss euch von Anfang an klar sein. Was ihr mit den Frauen eurer Feinde tut, soll mir gleich sein, doch wer sich hier nicht zu benehmen weiß, wird die Konsequenzen zu spüren bekommen.“

      Es gab zwei junge Männer in der Einheit, die Brajana bei den Prüfungen durch besondere Stärke, Ausdauer und Tapferkeit aufgefallen waren. Einer der beiden hieß Orvan, der andere Rejan. Auch vom Körperbau her, brauchten die beiden sich nicht zu verstecken und Brajana war nicht entgangen, dass die beiden über sie wohl Ähnliches dachten. Wenn die Arisaja-Rebellen besiegt waren und sie Mutter werden wollte, konnte sie sich einen der beiden gut als Vater vorstellen, aber bis dahin würde sie sich natürlich an die Regeln halten, sie wollte schließlich nicht in Schande entlassen werden.

      „Für heute könnt ihr euch zurückziehen. Denkt über das nach, was ich euch gesagt habe und vergesst es nicht mehr.“

      Die Rekruten bildeten eine Reihe, um den Versammlungssaal zu verlassen, doch Brajana spürte den Blick ihrer Vorgesetzen auf sich. Offenbar wollte Neralia noch mit ihr sprechen, deswegen reihte sie sich am Ende ein, sodass sie unauffällig zurückbleiben konnte.

      „Rekrutin Brajana, ich weiß, dass du eine dieser Schulen für „Elementarmagie“ besucht hast“, sagte Neralia, als die beiden alleine waren.

      Brajana wunderte sich nicht über den Inhalt, das war schließlich kein Geheimnis, aber über den Tonfall. Neralia sagte das, als ob es etwas Schlechtes wäre und als ob sie versucht hätte es zu verheimlichen. Gut, sie trug kein Elementsymbol, aber das war in der Armee auch nicht üblich.

      Rejan war auch Elementarmagier und verzichtete auf dieses sichtbare Zeichen. In der Armee waren sie alle gleich.

      „Dir eilt ein gewisser Ruf voraus“, fuhr Neralia fort. „Die mit dem Gift tanzt, nennen sie dich.“

      Brajana unterdrückte einen Seufzer. Geschwätzig war er offenbar auch noch, dieser unfähige oberste Phosphormagier von Elasvaihja, der wohl nicht ertrug, dass sie manches jetzt bereits besser beherrschte als er.

      „Im Stamm gab es diejenigen, die den Bogen nahmen und diejenigen, die durch die Wälder streifen, um Tollkirschen und Fliegenpilze zu sammeln“, sagte Neralia. „Diejenigen, die beides tun, gab es nicht und gibt es auch heute nicht. Magie und Gift haben auf dem Schlachtfeld nichts verloren. Ich habe euch bereits viele Beispiele für Ehrlosigkeit genannt, doch keiner ist ehrloser als jener, der so etwas tut.“

      „Das weiß ich Donika“.

      Glaubte sie wirklich Brajana wolle sich ins Lager der Elavier schleichen und deren Essen vergiften? Sie hatte doch bewiesen, dass sie so etwas nicht nötig hatte, sondern richtig kämpfen lernen konnte.

      „Schau mir in die Augen.“

      Brajana gehorchte. Neralias Augen waren tiefbraun und ihr Blick durchdringend. Sie musste sich Mühe geben nicht wegzuschauen und irgendwann gelang es ihr nicht mehr.

      „Gut. Unsere Ahnen hielten nichts davon, die Welt in Elemente zu zerteilen, ich hoffe, dass du auch dazu fähig sein wirst, das Ganze zu sehen.“

      Mit dieser rätselhaften Aussage ließ sie Brajana zurück.
    • Chrontheon schrieb:

      *Lobsbeerenessig hinstell (extra-Portion fürs Nachreichen)*
      Danke

      Chrontheon schrieb:

      Trotz der Unterschiede sehe ich Ähnlichkeiten zu meinem Beitrag.
      Also außer dass es sich in beiden Fällen (auch) um kämpfende Frauen handelt und sie vorher eine harte Prüfung bestehen müssen, sehe ich jetzt nicht so viele Ähnlichkeiten, dass ich mir Plagiatssorgen machen würde. ;) Wenn wir gerade schon dabei sind, hätte mich da noch genauer interessiert, was es mit dieser angeborenen Waffe auf sich hat, wie sie wirkt und warum ihr Einsatz den Kriegerinnen den Tod bringen kann. Da war meine erste *Achtung, spontane Assoziation* eine Biene, die ihren Stachel verliert, wenn sie ein Säugetier sticht.


      Chrontheon schrieb:

      dass Elementarmagie im Krieg nichts verloren hat.
      Theoretisch sind sich da alle einig. Praktisch hält sich aber keiner dran. Und natürlich fangen immer die anderen damit an.

      OT: Ich habe endlich das Zitatsystem kapiert. :hops:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Amanita ()

    • Amanita schrieb:

      Also außer dass es sich in beiden Fällen (auch) um kämpfende Frauen handelt und sie vorher eine harte Prüfung bestehen müssen, sehe ich jetzt nicht so viele Ähnlichkeiten, dass ich mir Plagiatssorgen machen würde.
      Naja, Ausbildungskommandantin hält Vortrag.. :pfeif: Allerdings würd ich dich eh nicht des Plagiats beschuldigen.

      Amanita schrieb:

      Wenn wir gerade schon dabei sind, hätte mich da noch genauer interessiert, was es mit dieser angeborenen Waffe auf sich hat, wie sie wirkt und warum ihr Einsatz den Kriegerinnen den Tod bringen kann. Da war meine erste *Achtung, spontane Assoziation* eine Biene, die ihren Stachel verliert, wenn sie ein Säugetier sticht.
      Ok, da es spätestens beim nächsten Vergleich zu offensichtlich sein würde: Jede bisherige Assoziation mit Bienen war ein Treffer ins Schwarze.

      Amanita schrieb:

      Theoretisch sind sich da alle einig. Praktisch hält sich aber keiner dran. Und natürlich fangen immer die anderen damit an.
      Natürlich, wie könnte es anders sein! :) Hält sich Brajana dran?

      Amanita schrieb:

      OT: Ich habe endlich das Zitatsystem kapiert.
      Yay! :hops:
    • Ein intelligentes, bienenartiges Volk? Hört sich auf jeden Fall interessant an. Ich glaube, das mit dem Vortrag bietet sich hier bei der Fragestellung auch irgendwie an. Jedenfalls wenn es (relativ) schnell gehen soll und man dann keine Zeit dafür aufwendet, sich eine kreativere Art und Weise auszudenken, den Ehrbegriff rüberzubringen.

      Chrontheon schrieb:

      Hält sich Brajana dran?
      Sie nimmt es sich fest vor und solange sie gegen die Arisaja-Elavier kämpfen, tut sie es auch strikt. Später steigen dann aber noch die Arunier in den Krieg ein und dann wird's kompliziert.
      In der silarischen Jetztzeit, also ungefähr 25 Jahre später hat sie dafür gesorgt, dass Sarilien in den Besitz eines umfangreichen Chemiewaffenarsenals kommt und gilt bei den Gegnern der Sariler als Inbegriff des Bösen. Sie hat aber nicht vor, das wirklich im großen Stil anzuwenden, ihr geht's eher um Abschreckung. Allerdings hat sie damit gezielt einen arunischen General umbringen lassen. Dazu habe ich mal vor einiger Zeit was in der Weltenliteratur geschrieben.
    • @Amanita: So, bevor ich es vergesse; Nachreicher werden natürlich auch gelobst wie sich das gehört!

      Ein schöner Beitrag, den du da geschrieben hast. Ich habe aber eine Frage: Woran liegt es, das so wenige Frauen diese Kriegerlaufbahn einschlagen? Gut, ist bei uns und der Bundeswehr ja nicht so viel anders, aber in deiner Welt kann es ja durchaus anders sein. Ich finde in dem Zusammenhang auch interessant, dass du schreibst, es gäbe keine Stammesmütter mehr. Es scheint mir fast, als ob die Rolle der Frauen sich also verschlechtert hätte. Stimmt das und wenn ja, warum?
      Straße war gestern, du siehst mich im Board
      Ich häng im World Wide Web, das ist kein friedlicher Ort
      Opfer, wag einen Blick auf die oberen Ränge
      Schieb Respekt; ich bin Forenlegende.


      ~ Komm in den Chat. Wir haben Kekse. ~
    • Danke für deinen Kommentar

      Elatan schrieb:

      Ich finde in dem Zusammenhang auch interessant, dass du schreibst, es gäbe keine Stammesmütter mehr. Es scheint mir fast, als ob die Rolle der Frauen sich also verschlechtert hätte. Stimmt das und wenn ja, warum?
      Das ist eine interessante Frage. Die Sariler waren ursprünglich eine matrlineare Stammesgesellschaft mit matriarchalischen Elementen (also Stammesmutter). Diese wurden dann aber phasenweise recht stark von den zentralistisch und auch tendenziell eher patriarchalisch orientierten südlichen Nachbarländern Arunien und Ruaris beeinflusst, hauptsächlich wirtschaftlich und es kam zu einer Vereinigung zu einem Staat Sarilien. Die Regierung war aber recht schwach und die Situationen sehr unsicher.
      Das änderte sich durch die ebenfalls im Militär aktive Rijuna sira Madjana, nach der auch die Kaserne benannt ist. Im Verlauf eines Bürgerkriegs gelang es ihr den Großteil des sarilischen Gebietes unter ihren Einfluss zu bringen und mithilfe ihrer Anhänger der Organisation Araja Manjia ein totalitäres System zu errichten, das versucht die Ideale der Stammesgesellschaft auf einen zentralistischen Staat zu übertragen. Den südlichen Teil des Territoriums konnte sie aber nicht gewinnen, und der wurde zu einem anderen Staat, Tessmar, das weiterhin mit Chaos, Kriminalität und freier Marktwirtschaft lebt. ;)
      Rijuna hat sich dann als "Stammesmutter des gesamten sarilischen Volkes" dargestellt, nach ihrem Tod kam in der Araja Manjia jedoch ein Mann an die Macht, der zur Zeit dieses Textes sarilischer Machthaber ist.
      Arunier und Ruarier sind inzwischen gleichberechtigungstechnisch auf einem ähnlichen Stand wie wir, aber das sarilische Regime ist vor allem den Aruniern ein Graus, vor allem aber wegen der wirtschaftlichen Vorstellungen. Die Elavier sind nach wie vor sehr patriarchalisch organisiert, was einer der Gründe dafür ist, dass es mit der elavischen Minderheit in Arisaja nicht gut geht.