[2018-10] Insulare Toilettenfragen

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    • [2018-10] Insulare Toilettenfragen

      Klos gehören zur Wasser-/Abwasserversorgung, oder?

      Sie werden überall auf der Insel übrigens duftende Räume genannt, und das ist mir schon so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich es bei der WBO nie erklärt hab. ;D


      Toiletten in Kalarien

      In Kalarien werden Hock-Klos benutzt. Der Boden wird mit speziellen kleinen Fliesen gefliest, die eine Erhebung in der Mitte haben, dadurch hat man eine bessere Rutschfestigkeit, und wenn wo Dreck ist, sammelt sich der zwischen den Erhebungen und man kriegt nicht so dreckige Schuhe ... oder Füsse. Man hockt dann über einem Loch im Boden und lässt raus, was raus muss. Danach wischt man entweder mit Blättern von bestimmten Bäumen nach oder mit nassen Händen oder Tüchern, sofern eben Wasser da ist.
      Es gibt nämlich nicht nur Spülklos sondern auch Kompost-Klos: Da ist unter dem Loch im Boden eine Art Förderband, man legt als erstes etwas Laub ins Loch, macht dann sein Geschäft und kurbelt dann, damit alles in eine Grube fällt - im Idealfall ist das Band wegen des Laubs nichtmal dreckig geworden. Es gibt allerdings Vorschriften, wer diese Kompost-Klos verwenden darf - wenn man letztens Medikamente genommen hat, darf man zum Beispiel nicht, und Kranke, im Speziellen Leute mit Durchfall, müssen auch ein anderes Klo suchen.
      Dann gibt es eben die Spülklos: Die sind die häufigste Klo-Variante auf der Insel. Während man sein Geschäft verrichtet ist noch nirgendwo Wasser. Nachher, zum Saubermachen, läuft ein Becken voll - und genau dieses Becken wird dann als Spülkasten weiterverwendet und spült das Geschäft weg in die Kanalisation. Die Insulaner kennen den Siphon und bauen ihn auch ein.
      Zuletzt gibt es noch Kasten-Klos: Das sind, banal gesagt, Töpfchen, mit Deckel. Sie werden bei Unerreichbarkeit eines Wasserklosetts von den Leuten verwendet, die die Kompostklos nicht verwenden dürfen. Oder auch von Leuten, die zu immobil sind, um ein Klo rechtzeitig zu erreichen, sie stehen also beispielsweise auch oft in Krankenhäusern neben den Betten. Keine Sorge, das sind keine Seuchenherde in den Krankenhäusern - sobald man war, klingelt man und es kommt jemand, den Behälter auszutauschen (und gegebenenfalls die Deckplatte mit dem Loch auch, wenn man eine Sauerei gemacht hat).

      Die spezielle kalarische Besonderheit betrifft nicht das Klo im Sinne von Loch im Boden oder der Räumlichkeit, sondern die rechtliche Situation bezüglich öffentlicher Toiletten. Es ist nicht der Staat und es sind auch nicht die Gemeinden, die öffentliche Toilettenanlagen bauen, sondern es sind Privatpersonen oder Firmen. Man kann nämlich gut erreichbare (also: nicht im hintersten dunklen Winkel) Klos als öffentliche Toiletten anmelden, dann darf da ab jetzt jeder hin - und man kriegt vom Staat eine Reinigungspauschale. Heute vormittag ist mir aufgegangen, dass es eine zweistufige Pauschale ist: Sie ist höher, wenn man auch nachts den Zugang gewährt.
      Natürlich schneit gelegentlich unangemeldet jemand vom Staat rein und guckt, ob es sauber oder total verdreckt ist.
      Eine Liste der öffentlichen Klos einer Gemeinde (und oft auch der Nachbargemeinden) hängt in Ämtern aus und wird regelmässig aktualisiert. Beschwerden über den Zustand einer solchen Toilette können auch in den Ämtern deponiert werden.
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    • Jetzt ist mir klar, warum ich letzte Nacht buchstäblich Scheiße geträumt hab. :schreck: Das Thema kam ja gestern schon im TS auf.^^ Irgendwie würde ich mit keiner der beschriebenen Klo-Arten so richtig glücklich werden, fürchte ich. :schmoll:

      Wie sehr sind denn Klos auf der Insel an unterschiedliche Spezies angepasst?
      Nights are deep when days are long. / / / Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
    • Der anatomische Variantenreichtum ist da nicht so überaus gross. Die einzigen, die nicht gut mit menschentauglichen Toiletten können, sind die Kaeriya und die Lazatha.
      Erstere, weil sie zwei Handbreit gross sind, das heisst, ihre Klos müssen deutlich kleiner sein - die gibt es aber, sie werden aus zwei massengefertigten Spritzgussteilen zusammengesetzt und an Regenrinnen angeschraubt, zum Säubern den Deckel abnehmen und kurz mit dem Gartenschlauch draufhalten (vorher sichergehen, dass kein Kaeriyi drin ist) und passt schon.
      Letztere gehen auf allen Vieren und brauchen mehr Platz ums Loch im Boden, sonst hauen sie sich den Kopf an der Wand an, und mit den speziellen Fliesen sind sie auch nicht gerade glücklich, weil ihre Pfotenballen mitunter zwischen die Erhebungen passen - faktisch sind sie in Kalarien so selten und Kalarien so urwaldreich, dass Kaeriya in Kalarien sich fürs Geschäft am ehesten einfach in den Wald begeben. Wenn einem bei der Einreise in eine kalarische Stadt ein Kaeriyi mit 30-40 Sachen drauf entgegenkommt, dann hat er normalerweise kein Verbrechen begangen und flüchtet jetzt, sondern muss nur einfach aufs Klo.
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    • Es ist einfach doof, wenn man nicht rechtzeitig mit Lesen aufhört. Bei mir gibt es magische Transporter, die das gleich aus dem Körper entfernen, es in duftende Blüten verwandeln und dann verbrennen. Die Asche wird in einer anderen Galaxie aufbewahrt. In hermetisch verschlossenen Behältern. Und darüber zu sprechen ist verboten. ;)

      Ich hab' da eindeutig Grenzen.

      Edit: Das "gefällt mir" gibt es, weil du so abgehärtet bist, so etwas zu schreiben.
    • Hehe... was für eine Interessante Abhandlung. Hat man auch nicht oft, dass man sich darüber mal Gedanken macht.

      Öffentliche Toiletten finde ich ja total interessant. Besonders der Rahmen der Privatssphäre. Köteln Backe an Backe oder doch eher kacken im stillen Kämmerchen? In antiken Rom gibt es ja auch immer das Bild von offenen Toiletten - wobei ich da auch gehört habe, dass Privatssphäre eine Rolle spielt. Heute haben wir ja Kabinen, am besten Schalldicht - wobei auf Männertoiletten die Privatssphäre nicht immer vorhanden ist.

      Und wie schaut es dann mit Privattoiletten aus - gibt es diese? oder nur für Reiche?

      Achja, welche gesellschaftliche Rolle nimmt denn der Toilettengang ein? Raum für Gebete und Handel?

      ​​
      Wo ein Waldgott steht wächst grünes Gras,
      wo ein Waldgott ruht, sprießen Wälder,
      wo ein Waldgott weint, entstehen Sümpfe,
      wo ein Waldgott blutet, ist das Land geheiligt
      und wo ein Waldgott stirbt, wird leben sein.​
    • Das sind Einzelkabinen. Private stellen ohnehin selten mehr als ein Klo öffentlich zur Verfügung (haben ja auch oft nur eines), aber auch Klos von Firmen sind immer voneinander abgetrennt.
      Öffentliche Toiletten sind nicht für Leute, die dort wohnen, sondern für Leute, die aus irgendwelchen Gründen von anderswo kommen: Boten, Touristen, Spaziergänger, Einkäufer, Verkäufer, Strassenkehrer, ... wasauchimmer. Wenn man muss und nicht daheim ist, kann man eine öffentliche Toilette besuchen. Daheim hat jeder eine, das ist kein Luxus sondern grundlegend.
      Gesellschaftlicher Raum ... öhm ... man muss halt und dann geht man, weiter nichts. Toiletten haben auch nichts mit Waschräumen zu tun und es gibt dort abgesehen vom Spülkastenbecken kein fliessendes Wasser - und erst recht keinen Spiegel. Es kommt im übrigen auch niemand auf die Idee, da Geschlechts-Piktogramme auf Türen zu kleben, alle müssen ja gleichermassen. (Zugegeben haben sie auch keine anatomisch begründete unterschiedliche Ausstattung, da einfach gar keiner uriniert.)
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      Toiletten in Lavien

      In Lavien ist eher die römische Herangehensweise üblich, sprich: Kein Klo daheim, öffentliche Klos sind, nun, öffentlich. Es sind aber, trotzdem, Hockklos. Noi, die in Lavien häufigste Art, haben dabei den Vorteil von vier Armen und somit vier Händen, die bestens geeignet sind, während der Verrichtung des Geschäfts die Kleidung aus dem Weg zu halten. Lavische Hockklos haben auch vor dem Loch im Boden eine Art biegsames Brett, das dann hinten an den Waden anliegt - so werden Schuhe und ggf. weitere Teile der Kleidung (z.b. Hose bei den Knöcheln) geschützt, ausserdem haben lavische Hockklos eine eingebaute Dusche, man muss sich also nicht umständlich sauberwischen.
      Angeordnet sind die Toiletten im Kreis, wobei zwischen zwei Toiletten eine Sichtschutzwand ist, die den Blick auf den Hintern des Sitznachbarn verwehrt, aber den Blick ins Gesicht nicht. Und ja, natürlich, die Lavier unterhalten sich dort auch eifrig.
      Im Gegensatz zu römischen Toiletten haben lavische Toiletten eine Spülung. Unter der Mitte des Toilettenkreises kommen die einzelnen Rohre zusammen, dort geht es dann in die Kanalisation oder einen Sammeltank.

      Kanalisation bedeutet, dass sich die Anlage in einer Stadt befindet, dort wird das Abwasser in eine Aufbereitungsanlage geleitet, wo es durch eine Kombination von magischen, chemischen und physikalischen Methoden in reines Wasser und feste Abfallstoffe getrennt wird. Sammeltanks werden vor Ort von wandernden Abwassermagiern behandelt, die Ausbeute an reinem Wasser ist aber geringer, weil einige Methoden halt einfach mehr Platz brauchen, zu teuer für kleine Tanks sind, etcetera, und der übrige Abfall ist nicht ganz so trocken. Das Wasser wird dann in die Trinkwasserleitungen geleitet oder einfach in Beuteln verteilt. An manchen Orten gibt es auch das Konzept "Brauchwasser", meist an Flüssen (da wird Flusswasser verwendet) oder im äussersten Osten, wo es gelegentlich regnet (dort wird das Regenwasser gesammelt). Der grösste Teil von Lavien ist aber sehr trocken, sodass Wasser tatsächlich einen Kreislauf in den Siedlungen durchmacht und hunderte Male getrunken wird, bis es irgendwann ausserhalb der Siedlung landet.


      Exkurs ausserhalb des Toilettenthemas:
      In Lavien wird stets unter einem Abzug gekocht. Die Küchenluft wird durch Kühlspiralen geleitet und das Wasser darin kondensiert und ebenfalls wieder dem Trinkwasser zugeführt.
      Diese omnipräsente Wasserrückgewinnung hat zur Folge, dass Lavier das Trinkwasser in vielen anderen Ländern als geschmacklich unzureichend empfinden, weil in Quell- oder Grundwasser mitunter recht viele gelöste Mineralien drin sind, und wenn man das nicht kennt ...
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    • Toiletten in Valeka und dem westlichen Varisaland

      Rein vom Aussehen des Klos selbst sind Valekische Toiletten den kalarischen Spülklos sehr ähnlich. Es gibt ein Loch im Boden einer Einzelkabine und ein Becken, das sowohl zum Waschen als auch zum Spülen verwendet wird. Anders als in Kalarien haben diese Klos allerdings keine Türen, sondern Vorhänge. Und, ebenfalls anders als in Kalarien, sind Valekische Toiletten üblicherweise von der Küche aus erreichbar, ausser es handelt sich um eine sehr grosse Wohnung oder ein mehrstöckiges Haus.
      Die Sache mit den öffentlichen Toiletten in Valeka ist ebenfalls sehr anders. Es gibt zwar eine Lobbygruppe, die die Kalarische Lösung durchsetzen möchte, aber erfolgreich war sie bisher nicht. In Valeka gibt es private Toiletten, Toiletten in Gaststätten, Ämtern, Museen, ..., und Toiletten in Badehäusern. Letztere sind, da Badehäuser in Valeka nur einen sehr symbolischen Betrag für den ganzen Tag (und zwar alle Badehäuser einer Provinz gemeinsam!) kosten, effektiv öffentliche Toiletten. Und da es Badehäuser fast an jeder Strassenecke gibt, ist das für die allermeisten Valeker auch absolut in Ordnung so.
      Ein bisschen anders ist es im westlichen Varisaland. Richtige öffentliche Toiletten gibt es dort, wie in Valeka, nicht, aber die staatliche Bezuschussung der Badehäuser auch nicht, daher muss jemand, der muss, dort in einer Gaststätte oder einem Amt, oder bis zuhause warten, oder wo zahlen, damit man im Museum/Badehaus/... auch die Toiletten erreicht.
      Sowohl in Valeka als auch in Varisaland sind auch die kleinsten Siedlungen und auch die meisten alleinstehenden Höfe an die Kanalisation angeschlossen.
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    • Toiletten im Varisaländischen Kernland

      Hier kommen wir jetzt in europäischer anmutende Toilettensituationen: Es sind Sitztoiletten. Allerdings sehen diese Sitztoiletten nicht so aus wie unsere. Es handelt sich um einen mitten im Raum stehenden Zylinder mit zweiteiligem ("Brille" und Deckel fürs Auge) Deckel, man kann sich aus jeder Richtung draufsetzen und wenn man das tut, dann baumeln die Füsse, die Toiletten sind also höher als unsere. Die Spülung ist auch nicht direkt eingebaut, sondern es hängt ein Schlauch von der Decke runter.
      Private Toilettenräume sind typischerweise rund und in der Mitte einer Wohnung, es gibt Türen zu jedem angrenzenden Raum, die man aber alle auf einmal verschliessen kann. Fenster gibt es keines, aber einen Luftschacht, oft auch mit Ventilator, gibt es immer. Meistens sind in dem Raum auch eine Dusche und gelegentlich sogar ein Waschbecken. (Damit sind die Kernland-Varisaländer die bislang einzigen Insulaner mit Dusche - alle andern baden.) Nichtprivate Toilettenräumlichkeiten, in dem Fall also welche in Gaststätten, Betrieben, Ämtern, ..., sind dann wiederum, wie wir es kennen, eckig und haben die Tür am einen Ende und das Klo am andern.
      Eine Besonderheit im Varisaländischen Kernland ist, dass es spezialisierte Reinigungsfirmen für die Klobrillen/-deckel gibt. Teilweise haben diese Firmen einen Hol-/Bringdienst: Sie kommen, nehmen den Deckel und geben einem einen sauberen anderen, der bisher verwendete Deckel landet nach der Reinigung bei irgendwem ganz anderem. Bei anderen Firmen trägt man den Deckel in einer Filztasche hin und kommt mit einem anderen, sauberen, Deckel in einer anderen, sauberen, Filztasche heim. Wenn man einen ganz eigenen Deckel hat (bemalt, wasauchimmer), muss man das speziell arrangieren und steht einen Tag lang ohne Deckel da.
      Der Rest vom Klo, also der Zylinder, wird normalerweise nur mit Wasser saubergespritzt. Wenn etwas wirklich übel verkrustet ist, kann man den Ablauf unten zumachen und den Dreck mit einem Reinigungsmittel einweichen. Und wenn es dann immer noch nicht ab ist, wird sandgestrahlt. Ja, ehrlich, Kloputzen mit Sandstrahler.
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