Sechsundsechzigstes Speedbasteln am 24. Oktober 2018: Gutenachtgeschichten

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    • Gute Nächte


      Hamins duckte sich hinter der Tava-Hecke und zog den grünen Filz des Mantels über seinen Kopf. Zwei Männer gingen den Kiesweg auf der anderen Seite der Hecke entlang und bogen an der Straße links ab. Eine Frau kam über die Straße und folgte dem Kiesweg, bis sie an der Klingelschnur zog und eingelassen wurde. Hamins ließ den Mantelfilz los und machte zwei Striche links auf seinem Blatt - den einen Strich rechts würde er erst machen, wenn die Frau wieder herauskäme. Er sah, wie eine Lichtkugel das Treppenhaus hochgetragen wurde, dann wurde das Zimmer hinter dem dritten Fenster von rechts in der dritten Fensterreihe von unten erst hell erleuchtet und dann in gedimmtes Licht getaucht. Die Silhouette einer Person war kurz vor dem Fenster zu sehen, dann war von heraußen nichts mehr zu erkennen.
      Es raschelte, dann hockte eine braun verhüllte Gestalt neben Hamins nieder. Wenige Augenblicke später war das Gesicht frei und seine Freundin Vidrane grinste ihn an. "Zwei erst?", fragte sie leise.
      "Bin noch nicht so lang da. Eivater wollte, dass ich den Boden fege, und du weißt, was das heißt, wenn ein kleines Geschwister ständig Brotkrümel rumwirft."
      "Hat Padins dabei auch so gelacht wie letztens, als ich bei euch war?"
      "Klar. Man hat den Eindruck, Padins sieht mir gern beim Fegen ... scht." Hamins duckte sich und zog den Mantel über den Kopf, Vidrane tat dasselbe. Zwei Frauen kamen laut lachend den Kiesweg entlang, zogen an der Klingelschnur und wurden eingelassen. Wenig später, gerade als Hamins und Vidrane sich wieder auspacken wollten, kamen in kurzen Abständen drei Männer, klingelten einzeln und wurden einzeln eingelassen. Drei Lichtkugeln wanderten das Treppenhaus hoch, drei Fenster wurden erleuchtet. Hinter einem Fenster umschlangen sich zwei Personen und tauchten dann nach unten ab.
      "Gibt es da drin eigentlich auch Fenster mit Vorhängen?", überlegte Vidrane.
      "Weiß nicht. Ich war da noch nie drin."
      "Ich auch nicht. Will ich eigentlich auch nicht."
      Die Türe ging auf, ein Zwitter kam heraus und ging zur Straße, an den eilig verhüllten Hamins und Vidrane vorbei. Hamins machte einen Strich in der Mitte seines Blattes. "Das war doch Yakarons ... oder?", fragte er leise.
      "Kann sein", gab Vidrane zurück.
      Wieder ging die Türe auf, eine Frau kam heraus und gleich hinter ihr ein Mann. Beide erkannte Hamins als welche, die gerade vorhin ins Haus gegangen waren. Sie gingen den Kiesweg entlang und bogen gemeinsam rechts ab.
      "Du hast die Kapuze vergessen", wisperte Vidrane, "und jetzt mach deine Striche."
      "Sicher? Die waren doch nur ganz kurz da ..."
      "Striche, los!"
      Hamins gab nach und machte einen Strich rechts und einen Strich links. Schon wieder ging die Türe.
      Diesmal kam eine Frau sehr sehr eilig heraus, sie marschierte über den Kies, dass die Kiesel beleidigt sprangen. Hamins und Vidrane verhüllten sich schnell, doch da hatten zwei Hände schon nach ihren Mänteln gegriffen.
      Vidrane entwand sich und rannte ohne Mantel davon. Hamins wandte sich und stellte erschrocken fest, dass er nicht aus seinem Mantel konnte.
      "So du Schlawiner", knurrte die Frau, "Wenn ich dich oder die Mantellose nochmal hier erwische, dann rufe ich die Stadtwache und dann werden eure Eltern davon erfahren. Klar?"
      Hamins fühlte sich, als würde er schrumpfen. "Ja", murmelte er kleinlaut.
      "Schön. Oder willst du, dass später mal ein paar Jugendliche zählen, wie oft du ins Bordell gehst?"
      Das leuchtete Hamins tatsächlich ein. Das wollte er nämlich nicht.

      Andererseits ... er zählte ja nur, wie viele Besucher der verschiedenen Geschlechter hier waren. Bestimmte Besucher zählte er gar nicht. Er durfte sich nur nicht mehr erwischen lassen!


      Beitrag #2:

      Mogli schrieb:

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      Wer das liest, ist auch nicht schlauer als vorher.
    • Bei den hier verwendeten Namen und Bezeichnungen kann es sich um Platzhalter handeln, die im Lauf der Zeit durch die echten Namen und Bezeichnungen ersetzt werden können.

      Alle angeführten Namen, bzw deren Platzhalter sind spontan entstanden und verweisen keineswegs auf andere Bastler.


      Die Gutenacht-Geschichten

      Hierzulande gibt es viele Geschichten. Glückliche, traurige, wütende, ängstliche, helle und dunkle … ja, man kann sagen, es gibt von allem was. Auch für jede Tageszeit, Jahreszeit, Epoche … Es gibt hunderte Sammlungen an Geschichten, zusammengetragen in Büchern, oft mehrere Bände lang. Zu den bekannteren gehören zum Beispiel die Sagen von Brukk oder – wenn man etwas moderneres liest – die Thaeon Chroniken. Seltener unter die Leute kommen meist Kurzgeschichten von Arnolt oder Pergman. Aber eine Sammlung ist – so wage ich zu behaupten – niemandem unbekannt: Die Gutenacht-Geschichten.

      Die Gutenacht-Geschichten decken beinahe jedes Genre ab, von Fantasy bis Sci-Fi, einschließlich Krimis, Thriller und Horror, sowohl ausschließlich, als auch durchgemischt, gänzlich erfunden oder auf einer wahren Begebenheit basierend. Die Sammlung bietet Lesestoff für ein Leben, wie sie auch ein Lebenswerk Gutenachts war. Geschichten für Jung und Alt, Reich und Arm, Intelligent und … weniger Intelligent – wahrlich für Jedermann!

      Buchkritiker wie Anderson und Scor beschreiben die Romane als fesselnd und inspirierend. Die Geschichten seiend gut ausgearbeitet, man könne sich leicht in die fremden Welten einlesen, ohne schnell den Überblick zu verlieren. Sogar weniger gutenacht-freundliche Kritiker haben es schwer, ausreichend Negativität an die Sammlung zu heften. So meint Paltenberg zum Beispiel, die Geschichten seien einfach so dahin gesetzt und einige der angesprochenen Themen seien uninteressant für den modernen Leser, doch kann auch er nicht bestreiten, dass Gutenacht – der nun einige Jahrhunderte vor uns gelebt hatte – doch einen flüssigeren und einfach verständlichen Schreibstil entwickelte.

      Um Ihnen nun einen Einblick zu geben, was Sie beim Lesen der Gutenacht-Geschichten erwarten könnte, hier ein Ausschnitt aus Band 127 „Elotran“:

      Die Dunkelheit umwob ihn wie das feingespinnte Netz der Seidenspinne. Kein Vorne, kein Hinten, kein Links, kein Rechts. Oben und Unten waren gleich, wie auch Innen und Außen. Wohin er auch rannte, es gab keinen Ausweg – er war gefangen. Gefangen in seinen Ängsten, seinen Albträumen, in seiner letzten Nacht.

      Am steinernen Boden raschelte das Laub, das langsam auf ihn zukroch. Eine kalte Brise streifte seine Wange, und das beklemmende Gefühl, beobachtet zu werden, nahm zu. Sein Atem beschleunigte sich, als er Schritte hörte, und er begann wieder zu laufen. Hinter ihm ertönte der Klang einer leisen, lieblichen Stimme: „Elotran! Elotran! Warte auf mich! Elotran!“ Er konnte es nicht mehr ertragen, er wollte es nicht. Nein, sie war tot, sie konnte ihn nicht rufen! Es war der Moxh, er verfolgte ihn! Er wollte ihn finden, für immer einfangen, behalten.


      Doch Elotran wollte nicht. Die Schritte kamen näher. Die Stimme fing an zu singen. „Elotran, oh Elotran, so komm doch zu mir! Elotran, oh Elotran, so komm doch zu mir …“ Dieses Lied! Dieses Lied hatte sie immer gesungen, wenn sie bei ihm sein wollte! Und er hat zugelassen, dass sie starb! Er konnte nicht mehr weitermachen! Nicht so! Nicht mit der Schuld!

      Zögernd blieb er stehen und drehte sich zu dem Moxh um. „Dann komm doch! Hol mich! Ich habe es nicht anders verdient! Ich hätte sie nicht alleine lassen sollen, ich weiß! Sie wäre heute noch am Leben, wenn ich bei ihr geblieben wäre!“ Der Moxh blieb wenige Schritte vor Elotran stehen. Seine Gestalt zeigte Sinaria. Tränen traten in Elotrans Augen. „Ich … ich hätte nicht gehen sollen! Du warst nicht sicher. Ich hätte dich nicht allein lassen sollen … bitte … vergibt mir!“ Sinaria streckte ihre Hand aus, und berührte Elotrans Stirn. Langsam wurde wieder alles schwarz, und er stürzte zu Boden.

      ‘‘‘

      Als Elotran aufwachte, blickte er ins Angesicht seines Begleiters Lirion. „Ist alles in Ordnung?“, fragte er. „Als ich dich im Nebel verlor, hatte ich mir Sorgen gemacht!“ Elotran schaute sich um. Er war am Rand des Sumpfes, da, wo der Nebel sich verdichtet hatte, bevor es dunkel geworden war. „Ja“, meinte er. „Alles in Ordnnug.“ Und in der Tat, das war es.


      (Die Gutenacht-Geschichten [Band 1-314], Georg von Gutenacht,* Liro-Verlag; Einführungstext im Buchhandel)

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      * gesprochen Guten-acht
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    • Die Geschichte von Alureng und Talhon

      Bei den Arbaren erzählten die Horger ihren Schützlingen oft Geschichten vor dem Schlafen. Darin ehrten sie Vorfahren und machten die Kinder mit den Gestalten des Glaubens bekannt; doch bildete dieses allabendliche Ritual vor allem einen entspannenden Abschluss nach einem langen Tag des Lernens. Die folgende Geschichte, ist ein Beispiel für eine solche Erzählung.


      Nicht weit von der Stadt Ailar entfernt wohnte einst ein mächtiger Mann, der mit allerei Gütern gesegnet war. Nicht nur ein großer Teil des Umlandes war sein, sondern auch zahllose Herden, die dort weideten und ein großes Gefolge und eine große Menge Diener.

      Er hatte in seiner Obhut einen einzigen Sohn, der Alureng hieß, von dessen Schönheit der Ruf weit und breit ging. Die vornehmsten Horger des Landes warben um ihn, aber keiner hatte Glück mit seiner Bewerbung; wer voll Vertrauen und Hoffnung einzog, verließ den Ort still und traurig.

      Der mächtige Mann, der glaubte, sein Sohn wähle so lange, um den Besten heraus zu wählen, ließ ihn gewähren und erfreute sich seiner Klugheit; doch als schließlich die Reichsten und Vornehmsten, vergeblich, wie die Anderen, ihr Glück versucht hatten, so geriet er in Zorn. Er sah seinen Jungen an und sprach: „Bis nun habe ich dir freie Wahl gelassen, aber da ich sehe, dass du jeden ohne Unterschied abweist, und der beste Horger dir noch nicht gut genug scheint, so will ich nicht länger Nachsicht mit dir haben. Mein Ruhm schmälert sich mit jedem Tag, den du nicht in die Obhut eines Horgers gehst – es ist doch wohl bekannt, dass Kinder bei ihren Eltern nichts lernen können. Ich will dir deinen Sinn brechen! Bis zur Rauchnacht gestatte ich dir Frist, hast du dann keinen Horger erwählt, so will ich dich schon zwingen, mit dem zu gehen, den ich dir bestimme!“

      Alureng bewunderte einen Mann, der Talhon hieß, und eben so schön war, wie tapfer und edel. Er wollte lieber sterben, als mit einem anderen Horger zu gehen, als diesem Krieger. Weil er aber ein Traller war und gezwungen am Hof des Vaters zu dienen, so musste er seinen Wunsch geheim halten; denn sein Vater war zu stolz auf Macht, Ruhm und Reichtum, als dass er seine Einwilligung gegeben hätte, diesen frei zu machen und ihn als Horger zu dulden.

      Als Alureng des Vaters finsteres Antlitz sah und seine zornigen Worte hörte, wurde er leichenblass, denn er kannte seine Art und zweifelte nicht, dass er seine Drohung wahr machen würde. Ohne ein Wort zu erwidern, ging er zurück auf seine stille Kammer und dachte und dachte, wie er das dunkle Wetter abwenden könne, das über ihm herzog, doch er dachte vergebens. Die Rauchnacht rückte näher und näher und mit jedem Tag wuchs seine Angst.

      Endlich entschlossen sich Alureng und Talhon zu Flucht. „Ich kenne einen sicheren Ort“, sagte Talhon, „ wo wir unentdeckt so lange verweilen können, bis dass man nach alter Väter die Hunval akzeptiert.“

      In der Nacht, als Alles im Schlaf war, führte Talhon Alureng hinaus in die Berge. Der Feuerdieb leuchtete ihnnen auf dem Weg und die Ahnen lächelten auf sie nieder. Sie hatten ein paar Kleider und Tierfelle genommen, so viel als sie tragen konnten. Sie stiegen die ganze Nacht, bis sie zu einem einsamen, von hohen Felsblöcken eingeschlossenen, Ort gelangten. Hier führte Talhon den müden Alureng zu einer Höhle, deren Eingang kaum bemerkbar war. Ein enges, niedriges, schwarzes Loch im Gestein, das aber bald zu einer großen, tief in den Berg hineinreichenden Halle wurde. Alureng fürchtete den in der tiefe lauernden Kjahullir, doch verflog die Angst, als Talhon die Ruckgabe entfachte und der warme Schein den Wänden den Schrecken nahm. Und so saßen sie dort, in tiefster Einsamkeit, auf den Tierfellen ruhend, fern von aller Welt.

      Talhon hatte diese Höhle, von der ich auch heute noch weiß, wo sie ist, zuerst entdeckt, und da damals noch niemand sonst davon wusste, waren sie vor den Nachforschungen des Vaters sicher. Sie brachten Tag um Tag, Woche um Woche und Monat um Monat in der Abgeschiedenheit zu. Talhon ging auf die Jagd und Alureng hütete das Feuer. Manchmal stieg er hinauf auf die Felsspitzen, aber sein Auge schweifte, so weit es nur reichen konnte, nur über die menschenverlassenen Hänge des Berges.

      Der Winter kam und ging und mit dem Frühling wurden die Wiesen grün und die Blätter entfalteten ihre Pracht an den Bäumen. Da kam eines Abends Talhon mit der Nachricht, dass er die Mannen von Alurengs Vater in der Ferne erkannt habe und er ihren Augen schwerlich unbemerkt geblieben sei. „Sie werden diese Gegend umringen“, sagte er, „und nicht Ruhe geben, bis sie uns gefunden haben. Ohne zu zaudern müssen wir unsere Zuflucht verlassen.“

      Sie stiegen an der anderen Seite des Berges hinab und erreichten den Strand eines Sees, wo sie glücklicherweise ein Floß fanden, dass einige Jäger dort abgelegt hatten. Talhon stieß ab und das Floß trieb hinaus auf den See. Sie waren ihren Verfolgern entkommen, doch wohin sollten sie sich wenden? Hinter ihnen lag das Land von Alurengs Vater und vor ihnen und zu ihren Seiten nur die karge Leere der Grenzen von Schneevaters Land. Auf dem See konnten sie nicht bleiben, denn bald würde der Kjahullir sie bemerken und mit seinen Armen aus der Tiefe heraus nach ihnen greifen.

      So trieben sie, ziellos und planlos, die ganze Nacht auf dem See. Und wie der Tag anbrach, war der Strand um sie verschwunden und auch die Berge, sie sahen nichts, als den Himmel oben und das Wasser unten und die Wellen, die auf- und abstiegen. Sie hatten in der Eile keinen Bissen Nahrung mitgenommen und Hunger und Durst begannen, sie zu quälen.

      Einen Tag, einen zweiten und noch einen dritten schwebten sie in dieser Not und Alurengs Ermattung war so groß, dass er den Kiebitz zu hören glaubte.

      Am Abend des dritten Tages entdeckten sie endlich eine Insel, von ziemlicher Größe, sie war von einer Anzahl kleinerer umringt. Talhon stak das Floß sogleich darauf zu, doch, als er ihr ziemlich nahe gekommen war, erhob sich ein plötzlicher Sturmwind und die Wellen warfen sich ihnen Schildwällen gleich entgegen. Er kehrte um, in der Absicht, sich von einer anderen Seite zu nähern, aber es gelang nicht besser. So oft es herankam, wurde das Floß, wie von einer unsichtbaren Gewalt zurückgeschleudert.

      „Ruck!“, rief er, und segente sich und blickte auf den armen Alureng, der vor seinen Augen zu verhungern schien. Kaum aber war der Ausruf über seine Lippen gekommen, so hörte der Sturm auf, die Wellen legten sich und das Floß landere ungehindert. Talhon sprang ans Ufer und einige Muscheln, die er auf dem Strand auflas, stärkten underquickten Alureng, so dass er bald im Stande war, das Floß zu verlassen.

      Die Insel war mit Gebüsch bewachsen und schien unbewohnt zu sein. Doch, als sie bis zur Mitte hin gekommen waren, entdeckten sie eine Hütte, die nur halb über die Erde emporragte und halb unter der Erde zu stehen schien. In der Hoffnung, Menschen und Beistand zu finden, gingen sie näher. Sie horchten, aber es herrschte die Stille. Talhon öffnete endlich die Tür und sie traten ein, aber wie erstaunt waren sie da: Alles zum Bewohnen war völlig eingerichtet, obwohl sie kein lebendes Wesen erblickten. Das Feuer brannte, ein Kessel mit Fischen hing darüber, der nur auf sie zu warten schien, die Bettstatt war gemacht und bereit sie zu empfangen.

      Talhon und Alureng blieben eine Zeitlang zweifelnd und mit Scheu da stehen, doch Hunger und Müdigkeit überzeugten sie doch einzutreten und sie holten die Speise und sättigten sich und legten sich in die warmen Felle des Bettes.

      Auch in der Folge zeigte sich niemand, die Hütte als seine zu nennen, als habe die unsichtbare Macht das Haus für sie bereit gestellt. Sie verlebten den folgenden Sommer in vollkommener Glückseligkeit und die Insel gab ihnen, was sie brauchten.

      Als es Herbst wurde und Alureng von Talhon bereits das Handwerk des Kriegers gelernt hatte, setzte sich auf den Esstisch eine große Ratte. Ihre Augen funkelten und zum großen Erstaunen begann sie zu sprechen. „Fürchtet euch nicht“, sagte die Ratte, „ich bin der Eigentümer dieses Hauses und danke Euch, dass ihr es so reinlich und wohl gehalten habt, und ich alles in solcher Ordnung bei euch finde. Gerne wäre ich früher gekommen, aber es war nicht eher möglich.“ Da schüttelte die Ratte sich Ruß aus dem Fell und fuhr fort: „Es ist nun an der Zeit, dass ihr die Insel wieder verlasst. Ihr habt der alten Vätersitte genüge getan. Steigt morgen auf euer Floß und kehrt heim.“ Daraufhin löste sich die Ratte in einem Rauchschwall auf und so überzeugt von der Rechtschaffenheit ihres Gastgebers, taten Talhon und Alureng, wie ihnen der Verhüllte geboten hatte.

      Das Floß brachte sie zurück auf den See in den Bergen und sie fanden ihren Weg nach Ailar bald. Wie der Feuerdieb es ihnen gesagt hatte, nahm man sie in der Gemeinschaft auf und Talhon wurde zum Horger, denn er hatte die alte Sitte geehrt. Alurengs Vater versöhnte sich bald mit den beiden und gab ihm eine Halle und Austattung. Und als Alureng ganz ausgelernt hatte, waren die beiden für viele Tiner die Horger und noch heute ehrt man sie.

      Und nun, meinen Kleinen, geht zu Bett und ehrt die Horger, in deren Halle ihr schlaft und deren Geschichte ihr nun kennt.
      Besuch doch mal
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    • Miko Vierfinger und ihr Linch

      Es war einmal eine kleine Elfe in einem kleinen Dorf im Wald. Miko hieß sie. Ihre Familie kannte sie nicht. Immer streunte sie durch die Straßen. Das jedoch nie allein. Immer war ihr treuer Linch Reos bei ihr. Seit sie denken konnte war er bei ihr gewesen. Ihr Linch war alles für sie. Er war die einzige Familie die sie hatte. Die anderen Dorfbewohner schimpften nur mit ihr. Eines Tages wurde sie von einem Händler zusammen geschrien, weil ihr kleiner Gefährte seine Ware durchstöbert hatte. So erschrocken brach Miko in Tränen aus und rannte heulend aus dem Dorf, ihr Gefährte Reos rannte ihr natürlich hinterher. Damit beschäftigt sich die Tränen aus den Gesicht zu wischen, huschte sie durch die dunklen Areale des Waldes. Sie setzte sich auf einen Hügel in einer Lichtung im Wald. Reos tapste auf ihren Schoß und leckte ihr die Tränen aus dem Gesicht. Es war so dunkel, sie konnte nicht mal einen Baum erkennen, doch hören konnte sie. So hörte sie das Rascheln in einem Busch auf der anderen Seite der Lichtung. zögernd stand Miko auf und beäugte den Busch mit kritischem Blick als plötzlich ein riesig erscheinender Wolf aus dem Gebüsch sprang. Langsam bewegte er sich auf Miko zu, sein Gebiss knirschend und schäumend. Doch davon ließ sich Reos nicht beeindrucken. ohne zu zögern hopste er schützend vor Miko. Der Wolf sprang mit einem Mal auf die beiden zu. Reos, nun auch scharf knurrend, wurde von einem einfachen Wischen des Wolfs zur Seite geworfen. Miko stand dort wie versteinert. Nie hatte sie ein so großes Tier gesehen. Sie hörte bloß das leise knacksen, das wohl vom Aufprall des Linch-Körpers auf die Baumrinde erzeugt wurde. erschrocken kneifte sie ihre Augen zu. Sie sank auf die Knie. Verzweifelt vergrub sie ihren Kopf in ihre von Tränen genässten Hände. Als sich ihre Augen wieder öffneten und sie mit ihren Händen ein Stück Gras ergriff, war ihr Blick bloß verschwommen. Doch sie konnte Reos mit einem Bein zuckend und wimmernd neben dem Baum erkennen. Der Wolf näherte sich weiter, als er dann mit einem großen Hieb zu Miko ausholte schrie sie laut aus. Sie hörte ein Pfeilzischen, fiel vor Schreck jedoch in Ohnmacht.

      Als Miko wieder aufwachte spürte sie etwas feuchtes, dass immer wieder ihre Augen berührte. Immer und immer wieder. Irgendwas kam ihr bekannt vor. langsam öffnete sie ihre und nahm sofort das Gesicht von Reos war. Sie umklammerte ihn mit ihren kurzen Armen und brach in Tränen aus. Sie dachte sie hätte ihn verloren und fühlte sich schuldig. Sie sah einfach zu und heulte, während ihr Linch fast zu Tode gekommen wäre. Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und schaute ihrem Linch entgegen. Irgendwas stimmte nicht. Es dauerte, bis sie bemerkte, dass ihr Linch nur drei Beine hatte. Mitleidig sah sie ihren Gefährten an, der bloß den Kopf zur Seite streckte, als wäre er beschämt gewesen. Nichts konnte das entschuldigen, es war gerade zu unverzeihlich. Miko erhob sich aus ihrem Liegen, ihre Kleidung war voller Gräser gewesen. Ihre Unterlippe fing an zu beben, als sie wütend über sich selbst gegen das frische Gras hämmerte auf das sich gelegt hatte. Sie sah auf die Leiche des Wolfs vor sich. Wie hatte sie das eigentlich überlebt. Vorsichtig tapste sie an den Leichnam heran, um ihn besser zu beäugen. Ein Pfeil. Von wem ? Sie vernahm ein lautes Atmen hinter sich und drehte ihren Kopf um. Ein großer Elf erhob sich von einer Hocke aus dem Stand. Ein grünes Gewand bedeckte seinen Körper. Sie sah ihm verstrahlt entgegen, während ihr Linch sich an sie lehnte. Sie schaute zu ihrem Gefährten runter und verzog schon fast wieder in ein Heulen ausbrechend ihr Gesicht. Sie schüttelte ihren Kopf und ging auf den Fremden zu. Ehe er sich versah hatte sie schon sein Jagdmesser unter seinem Gewand hervorgehoben. Der Elf versuchte noch danach zu greifen, aber es war bereits zu spät. Der Ringfinger Mikos fiel auf den grasigen Boden unter ihnen. Verstört verzehrte der Fremde sein Gesicht, während Mika bloß nickte. Es scheint fast so als wollte sie Buße tun. Der Fremde hockte sich hin und Mika in die Augen. "Lass mich dich verarzten, Kleines". Miko streckte ihren Finger widerwillig dem Fremden entgegen. Sie sprach bloß ein Wort: "Buße".

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      Linch: Ein Linch ist eine fuchsartige Kreatur mit weiß-braunem Fell.

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    • Schildkröten zählen wie ein Zwerg

      "Papa, Papa erzähl doch noch eine Geschichte!"

      "Na gut! Aber nur noch eine! Und eine kurze! Drei hatten wir heute schließlich schon."

      "Da war mal eine kleine Schildkröte, die ganz langsam auf einen Kohlkopf zulief, den sie vor einer Stunde entdeckt hatte. Noch lange hatte sie ihn nicht erreicht, da ging es plötzlich in die Höhe. Und dann wurde sie gedreht und blickte einem Zwerg ins Gesicht. Erschreckt zog sie sich in ihren Panzer zurück.

      'Kommt mal alle her, das Tier hier müsst ihr euch ansehen!' rief der Zwerg und lief ein Stück auf andere Zwerge zu: 'Ein Tier, dass seine eigene Höhle mit sich trägt.'

      'Kein Wunder. Bei den ganzen Gefahren der Oberfläche ist es seltsam, dass sich andere Tiere nicht so schützen.' sagte ein anderer Zwerg.

      Noch ein anderer: 'Ja, dass haben unsere Biologen vorausgesagt, dass es hier solche Tiere geben muss, die sich gegen die Gefahren der Oberfläche durch mitgeführte Schutzdächer schützen. Das müssen wir berichten. Und da drüben sind mehr. Auf dem Rückweg müssen wir einige Exemplare sammeln.'

      Und ein weiterer: 'Und wenn sie bis dahin weg sind?'

      Darauf der zweite Andere: 'Dann muss ein Wächter hierbleiben.'

      Der Zwerg mit der Schildkröte erschrak: 'Allein zurückbleiben? An der Oberfläche? Auf einer Ebene, wo einem alles auf den Kopf fallen kann? Was, wenn Adler kommen?'

      Der zweite Andere beruhigte: 'Es wären doch nur zwei Tage, in denen wir sowieso ohne Schutz wären."

      Der erste Andere seufzte: 'Gut, ich bleibe hier!'

      Erleichtert setzte der Zwerg vom Anfang die Schildkröte zu Boden. Direkt neben einen schönen Kohlkopf, wie die Schildkröte freudig bemerkte, als sie sich traute, ihren Kopf wieder aus dem Panzer hervorzustrecken.

      Als die anderen Zwerge weg waren, hörte sie, wie der Zwerg zählte:

      'Eine Höhlenträgerin, die einen Kohlkopf frisst, zwei Höhlenträgerinnen, die einen Kohlkopf fressen, drei Höhlenträgerinnen, die einen Kohlkopf fressen, ...'

      Schließlich hörte die Schildkröte ein lautes Schnarchen.

      Nach ein paar Tagen mehr, als eigentlich geplant, kamen die anderen Zwerge zurück. Der Wächter entschuldigte sich: 'Leider sind die Höhlenträgerinnen fort.' und er behauptete 'Irgendwann musste ich ja schlafen, nachdem ihr nicht zurückkamt!'

      Einer der anderen Zwerge seufzte: 'Es ist zwar nicht dasselbe, aber wir konnten billige Schildkrötenfiguren -Schildkröten werden wörtlich übersetzt die Tiere mit den Höhlen genannt- aus schlechtem Eisen kaufen. Es schien, als ob der Priester sie heimlich los werden wollte. Er hat uns eine Menge über die Tiere erzählt. Du hattest übrigens Glück: Es gibt auch Vampirschildkröten. Er sagte zwar, sie seien harmlos, aber an der Oberfläche verlasse ich mich lieber nicht darauf.'

      Darauf der Wächter: 'Da habe ich ja Glück gehabt. Aber ein passender Name. Die Höhle schützt die Kröte im Innern vor allem, was herabfällt, wie der Schild uns gegen Schläge mit der Axt und gegen Streiche mit dem Schwert.'

      So, und jetzt zähle Schildkröten wie ein Zwerg und schlaf gut. Mehr Geschichten gibt es heute nicht."

      "Papa, darf ich auch Vampirschildkröten zählen?"

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