Sprachenthemen kurz betrachtet

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    Vom 7.-8. März 2020 findet der WELTENWerker Konvent in Gießen statt. Wenn wir bei der Veranstaltung Workshops, Vorträge etc. anbieten wollen, müssten wir diese bis spätestens zum 15. Januar anmelden. Wer mitplanen möchte und konkrete Vorschläge hat, ist eingeladen, sich im Planungsthread zu melden.

    • Die Frage nach dem Sprachenlernen - Teil II: Mnemotechnik für das Sprachenlernen

      Schlüsselwortmethode

      Die Schlüsselwortmethode bei Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Schl%C3%BCsselwortmethode

      Als wichtigste Methode beim Vokabellernen gilt die Schlüsselwortmethode. Bei einem Versuch wurde festgestellt, dass amerikanische Studenten, die Russische Vokabeln lernten und dabei die Schlüsselwortmethode nutzten, nach 4 Tagen noch 72% und nach 42 Tagen noch 43% der Vokabeln beherrschten. Bei der Kontrollgruppe ohne Schlüsselwortmethode waren es nach 4 Tagen 46% und nach 42 Tagen 28%. Bei anderen Sprachen war die Schere noch größer, da es ja unterschiedlich ist, wie gut sich bei verschiedenen Fremdsprachen Schlüsselwörter finden lassen.

      Erklärung der Schlüsselwortmethode

      Bei dieser Methode wird ein anderes Wort einer beliebigen Sprache genutzt, um sich die Vokabel zu merken. Dabei wird die lautliche Ähnlichkeit genutzt. Entweder hilft dann die Bedeutung des Schlüsselworts weiter, oder es lässt sich ein gut merkbares Bild mit ihm formen. Das klassische Beispiel ist die englische 'mouse', bei der die Lösung 'Maus' schon das Schlüsselwort ist. Beim Plural ist es hier schwieriger. Von 'mice' zu Mäusen geht es nicht direkt. Hier hilft der 'Mais' weiter. Denn so ein Maiskolben ist eine viel zu große Mahlzeit für nur eine Maus. Und das wird sich am besten bildlich vorgestellt, um es besser zu behalten.

      (Und auch, wenn die Rechtschreibung nicht im Kopf bleiben will, kann mit Bildern, die man sich vor dem Inneren Auge vorstellt, also visualisiert, nachgeholfen werden: Wer im geschlossenen Brotkasten eine Maus findet, sagt überrascht "Oh! Jetzt muss ich Hungern." und hat das 'o' der englischen Rechtschreibung. Natürlich ist der Brotkasten mit dem Union Jack verziert. Oder ich stelle mir einen Soldaten mit Pickelhaube vor, der die Maus damit aufspießt: "Ah! Hab ich dich!", Während ein englischer Lord seufzt und sagt: "Oh! Und ausgerechnet heute hat der Hausdiener frei. Jetzt muss ich den Kammerjäger selbst rufen!" Bei den Bildern kann einem keiner helfen, da wir alle verschieden sozialisiert sind. Jeder muss sich hier die eigenen Bilder und Assoziationen suchen. Wenn ein irgendwo beschriebenes Beispiel bei einem selbst funktioniert, ist das Zufall.)

      Das Schlüsselwort kann aus einer beliebigen Sprache kommen. Das englische water ist mit dem niederdeutschen Water schnell als Wasser gemerkt. Deep ist quasi eine Kombination von hochdeutsch tief und ostwestfälisch daip. (Hier geht es noch anders: In der Schule haben wir alle von der Zweiten Lautverschiebung gehört. Dabei wurde im Hochdeutschen aus d ein t und aus p ein f. Aber das gehört nicht zur Schlüsselwortmethode.) Und beim Lateinischen arma verhelfen uns die englischen arms, die Waffen zur Bedeutung (oder der leicht veraltete deutsche Ausdruck armiert).

      Klassisches Beispiel für die Schlüsselwortmethode mit einem Bild, ist der französische chien, der Hund: Ein Hund fährt auf Ski (oder, wenn man besser damit klar kommt, eben Skiern) einen steilen Hang hinab. Die Bärenfellmütze der Britischen Gardisten nennt sich busby. Nun stellen wir uns einen Gardisten vor, dem ein frecher Prinz Honig auf die Pelzmütze geträufelt hat, wie er durch die Straßen Londons vor einem großen Schwarm Bienen (engl. bee) flieht, dessen lautes "bzz" schon lange gehört wird, bevor das Schauspiel zu sehen ist. Erst "bzz" dann "bee". Also bzzbee, buzzbee, eben busby. Umgekehrt hilft uns das auch. Wie heißt Bärenfellmütze auf englisch? Soll ihm das Fell abgezogen werden, flieht der Bär so vor dem Jäger, wie ein Honigsammler vor dem Bzz der Bienen. Es gibt hier auch Bilder, die Busse einbinden. Bewegte Bilder merken sich übrigens besser als unbewegte und kurze Geschichten besser als bewegte Bilder.


      Schlüsselwortsuche

      Und natürlich ist nicht zu jedem Lerninhalt leicht ein passendes Schlüsselwort zu finden. Aber genauso natürlich haben sich viele Strategien gefunden, das Problem zu beheben:

      • Teile und herrsche: Ein Wort kann auch in mehrere Bestandteile zerteilt werden. Und jeder dieser Bestandteile fördert vielleicht ein eigenes Schlüsselwort zutage. Beim busby haben wir das schon gesehen.
      • Konzentration auf einen Teil: Manchmal reicht es schon, nur einen Teil eines Wortes zu bearbeiten, um die Merkschwierigkeiten zu beseitigen. Das ist natürlich insbesondere dann sinnvoll, wenn, wie es mitunter vorkommt, sich nur ein Teil eines Wortes dem Merken verweigert und man sozusagen mittendrin stecken bleibt. In anderen Fällen weigert sich bloß der Wortanfang, in den Sinn zu kommen. Wer eine Fremdsprache gelernt hat, kennt in der Regel solche Fälle.
      • Beachtet die Präfixe: Oft gibt es Präfixe, die die Bedeutung verändern. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, wie diese die Bedeutung verändern. Natürlich kann man sie schon zu Anfang lernen und sich damit eine Lernhilfe erarbeiten. Eigentlich gehört das zum Punkt Wortbildungslehre, doch ist es nützlich schon hier darauf hinzuweisen. Da sie mit Fachwörtern in viele Sprachen übernommen wurden, ist es generell eine große Hilfe die altgriechischen und lateinischen Präfixe zu lernen. Wer weiß, dass 'anti-' 'gegen-' heißt, weiß, dass 'antibakteriell' etwas bezeichnet, das gegen Bakterien wirkt. Solche Vorsilben müssen dann natürlich nicht mit verbildert oder 'verschlüsselwortet' werden, was ebenfalls die Suche vereinfacht. Hier versammelt die Wikipedia lateinische Präfixe: de.wikipedia.org/wiki/Liste_lateinischer_Pr%C3%A4fixe und hier die griechischen Präfixe: de.wikipedia.org/wiki/Liste_griechischer_Pr%C3%A4fixe. Unter 'Präfix' werden hingegen deutsche Präfixe wiedergegeben. (de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4fix)
      • Bewusste Fokussierung: Wenn kein Schlüsselwort in den Sinn kommt, kann es helfen sich kurz auf eine bestimmte Sprache oder auf Fremdworte zu konzentrieren und sich nach kurzer Zeit auf eine andere Sprache zu konzentrieren. Dies kann von dem kleinen Misserfolg und eventuellen anderen Ablenkungen ablenken und so zum Erfolg führen.
      • Buchstaben-Jonglieren: Ein bisschen mit dem Schriftbild spielen. Manchmal kommt schon etwas in den Sinn, wenn nur ein Buchstabe umgestellt oder gestrichen wird. Letzteres habe ich oben mit dem busby und dem Bzz-Summen der Bienen gemacht.
      • Die Assoziationen automatisch suchen lassen: Wem keine eigenen Assoziationen einfallen, der kann natürlich auch googeln, um etwas zu finden. Wie das im Folgenden erklärte Nachschlagen im Wörterbuch würde ich das aber eher an das Ende der Versuche setzen.
      • Das Umfeld im Wörterbuch: Schon Leitner empfiehlt, bei hartnäckigen Vokabeln das Wörterbuch aufzuschlagen. Im Umfeld des fraglichen Wortes finden sich oft Wörter, die mit dem zu lernenden verwandt sind oder nur eine ähnliche Bedeutung haben. Durch die Ähnlichkeit dieser Wörter kann dann die Bedeutung der hartnäckigen Vokabel besser gelernt werden. Die aufgefundenen ähnlichen Vokabeln sollten dann gleich mitgelernt werden, weil sie sich in diesem Fall ja gegenseitig stützen, während sich sonst ähnliche Vokabeln im Weg stehen können. Zudem sind sie in diesem Fall ja schon zu einem guten Teil gemerkt. Hier dient gleichsam eine Gruppe von Wörtern als Schlüssel. Die anderen Tricks sind weniger arbeitsam, weshalb dies wie das googeln eher eine Methode ist, den Vokabeln zu Leibe zu rücken, die sich dem Lernen ganz hartnäckig verweigern.


      Wortbildungslehre und Sprachgeschichte

      Sprachgeschichte als Lernhilfe

      Die Sprachgeschichte wurde ja mit der zweiten Lautverschiebung schon erwähnt. In vielen Wikipedia-Artikeln finden sich Hinweise zur jeweiligen Sprachgeschichte. Kennt der Lerner oder die Lernerinn eine verwandte Sprache, erscheinen ganz seltsame Ausdrücke plötzlich altbekannt. Ein beliebtes Zauberkunststück von Deutschlehrern bei dem Thema Sprachgeschichte ist die Demonstration, wie das zunächst seltsame englische 'youth' mit dem deutschen 'Jugend' zusammenhängt. Wie gut so etwas gesehen wird, hängt von der Person aber auch von einer gewissen Übung ab. Dass niederdeutsch 'Pipe' 'Pfeife' und 'Tid' 'Zeit' ist, wird den meisten deutschen Muttersprachlern bewusst sein, weil die Lautverschiebung eben in der Schule zumindest kurz erwähnt wird und es Standardbeispiele sind, die auch im Fernsehen und im Radio vorkommen, um jemanden als Norddeutschen zu kennzeichnen. Dass 'Pape' den 'Pfaffen' meint, ist vielen schon eine kurze Überlegung wert. Das im Westfälischen 'mäggen' 'mähen', 'buwwen' 'bauen', 'bruwwen' 'brauen', und 'säggen' 'sähen' heißen kann, dürfte eher ungewohnt sein, wird aber nach Erklärung der dahinter stehenden Regel zur Hiattilgung schnell automatisch erkannt werden. Die Beispiele sind so gewählt, dass jeder selbst versuchen kann, eine Regel zu finden. (Hiat = Aufeinandertreffen zweier Vokale, die zu unterschiedlichen Silben gehören, in der Rechtschreibung mitunter durch ein 'h' gekennzeichnet)

      EDIT: Vielleicht besser ergänzt, um einen weiteren Fall zu haben: 'friggen' heißt 'freien'.


      Wortbildung durch Zusammensetzung

      Dann hat jede Sprache Regeln, wie Wörter gebildet werden. Es kann z.B. vorkommen, das zwei Wörter zusammengesetzt werden. Ein solcher Fall ist der lat. agricola (dt.: Landwirt). 'agri-' steckt auch in 'Agrar-' und hängt mit lat. ager für 'Acker, Feld' zusammen. 'col-' ist der Stamm des Verbs 'colere' für 'bebauen, bewohnen, pflegen, verehren'. '-a' ist die Nominativ-Endung der a-Deklination. Wer also schon die beiden Wörter 'ager' und 'colere' kennt, der wird kein Problem mit der Vokabel haben. Und umgekehrt.


      Affixe

      Bedeutungsveränderungen mit Präfixen sind schon oben erwähnt und entsprechend gibt es auch Suffixe am Ende eines Worts. Der Oberbegriff lautet Affix und es gibt noch mehr davon: de.wikipedia.org/wiki/Affix_(Linguistik)


      Wortbildung durch Ableitung

      Wörter können auch durch Ableitung gebildet werden. 'os' ist auf Latein der Mund. '-tium' bezeichnet unter anderem einen Ort. Also ist 'ostium' auf dt. 'Eingang, Mündung' und die Stadt Ostia hat unübersehbar ihren Namen von der Mündung des Tiber. '-culum' ist die Verkleinerungsform im Lateinischen. Dennoch hat kaum ein Schüler oder eine Schülerin Probleme, sich zu merken, dass 'osculum' Kuss heißt. Mit '-are' kann aus einem Substantiv das entsprechende Verb gebildet werden. 'osculare' heißt dementsprechend 'küssen'. ('-um' ist bloß die sächliche Nominativ-Endung der o-Deklination.) 'numerus' ist die Zahl, 'numerare' zählen. '-escere' bezeichnet den Beginn einer Handlung. 'senex' ist der Greis, 'senescere' heißt 'alt werden'. '-arius' und '-alis' bezeichnen Zugehörigkeit, Art, Eigenschaft und bilden ein Adjektiv: 'legio' (Legion) > 'legionarius' (Legions-, der Legion zugehörig), 'natura' (Natur) > 'naturalis' (natürlich). Dass ich diese Beispiele aus dem Lateinischen entnehme ist nicht besonders verwunderlich, da das Lateinische eine vergleichsweise regelmäßige Wortbildung hat. Auch beim Sprachenbasteln kann eine regelmäßige Wortbildung sehr hilfreich sein. Auf der einen Seite bilden sich dann viele Wörter wie von selbst. Auf der anderen Seite kann es den Lernaufwand erheblich reduzieren.

      Warum wird das im Lateinunterricht heute kaum noch genutzt? Da gibt es vor allem drei Gründe. Zum Einen haben so einige Wörter nach der Wortbildung andere Bedeutungen angenommen, so dass hier wie bei den berüchtigten Falschen Freunden Ausnahmen zu lernen sind, so die Bedeutungsgeschichte hier nicht weiterhilft. Falsche Freunde sind Vokabeln, die trotz der Ähnlichkeit zu einem bekannten Wort etwas anderes bedeuten. Besonders berüchtigt ist das italienische 'caldo', dass 'heiß' und nicht 'kalt' bedeutet. Zum Zweiten waren die Pädagogen einst nett zu den Schülern und Schülerinnen und haben auch einige Wörter in die Wortlehren aufgenommen, deren Bedeutung zwar so begriffen werden kann, die etymologisch korrekt aber anders entstanden sind. Und das gefiel natürlich den Sprachwissenschaftlern und den modernen Pädagogen nicht, während jeder, der eine Eselsbrücke zu schätzen weiß, diese Erleichterung wohl dankbar annimmt. Zudem kann man solche Vokabeln sehr leicht im Druck markieren, so dass die Reinheit der Lehre gewahrt bliebe. Der dritte Grund liegt darin, dass heute speziell auf die Grund- und Aufbauwortschätze zum effektiven Lernen gesetzt wird. Doch schließen sich die beiden Methoden nicht aus. Und so ist der berühmte lateinische Grund- und Aufbauwortschatz von Klett (ISBN 3-12-604220-1) so angelegt, dass auch die Lernhilfen der Wortbildungslehre genutzt werden können.

      (In vielen lateinischen Lehrwerken finden sich Hinweise zu verwandten deutschen und englischen, weniger französischen Wörtern, was die Schlüsselwortsuche einerseits erleichtern kann, andererseits aber die Gefahr erhöhen kann, an ein für einen selbst ungeeignetes Schlüsselwort zu gelangen. In Lehrwerken zu anderen Sprachen sind solche Hinweise deutlich seltener angegeben. Es kommt aber auch dort vor.)


      Bedeutungsgeschichte

      Schon erwähnt habe ich die Bedeutungsgeschichte eines Wortes. Gerade in Sprachen mit verhältnismäßig wenig Wörtern wie dem Lateinischen ist dies hilfreich. Denn dort hat ein und dasselbe Wort oft viele Bedeutungen. 'Saltus' bedeutet das 'Springen' und 'Hüpfen' und der 'Sprung', im Mittelalter auch 'Wegetappe'. Aber es bezeichnet auch Gebirge wie unsere Mittelgebirge: das 'Waldgebirge', wie gewöhnlich übersetzt wird, seine 'Waldtäler', 'Pässe' und 'Engpässe', dazu die 'Weiden' und die 'Viehtrifft' im Gebirge. Schließlich auch 'kaiserliche Landgüter', die auf die Viehhaltung spezialisiert waren und noch später unter Umständen auch solche Güter anderer Besitzer. Schließlich auch 'bedenkliche Lage' und ein bestimmtes Stück der weiblichen Anatmie, dass Langenscheidts Großes Schulwörterbuch Lateinisch-Deutsch nur auf Latein erklärt, statt es zu übersetzen. Zu Kaisers Zeiten hat sich Georges noch getraut, "das weibliche Glied" zu übersetzen. Über die kleinen Gebirge kann man schnell hüpfen oder springen und natürlich am besten, wo Pässe, Täler oder Engpässe sind, was auch zur weiblichen Anatomie führt. In Antike und im Mittelalter waren die Höhen solcher Gebirge ganz selbstverständliche Sommerweiden, diese Bedeutung also eine ganz selbstverständliche Ableitung. Eine Armee, die in Reih und Glied für die offene Feldschlacht organisiert ist -wie die römische- befindet sich im Gebirge immer in einer bedenklichen Lage und dort sollte genau auf die Länge der Etappen geachtet werden, die man hinter sich bringt. So bringt eine Geschichte Ordnung in die Bedeutungsvielfalt. Egal ob ausgedacht oder real. Und auch ich habe ein wenig gemogelt. Denn saltus als Sprung kommt von 'salire', 'springen', während das Gebirge mit 'altus', 'hoch' und 'altum', 'Höhe' verwandt sein soll. Das fällt aber nur Sprachforschern auf, weil die Wörter ansonsten gleich sind. (Im archaischen Latein soll es Unterschiede gegeben haben.)

      (Dass kaiserliche Landgüter erst einige Zeit nach Christi Geburt so bezeichnet wurden, ist dann auch ein Beispiel, dass die Sprachgeschichte wichtig sein kann. Dann deshalb kann der "saltus teutoburgiensis", in dem sich laut Tacitus die Varusschlacht zutrug, kein Landgut gewesen sein, was dennoch schon vermutet wurde.)


      Geschlechter und andere Details merken

      Es kann ratsam sein, das richtige Geschlecht und andere grammatikalische Details wie Deklination oder Stammformen (wie gehen, ging, gegangen) sofort mit der Vokabel zu lernen. Denn wir brauchen die entsprechenden Assoziationen beim Sprechen auch genauso schnell wie wir die Vokabel brauchen. Je nachdem kann es natürlich auch nützlich sein, diese Dinge nochmal einzeln zu lernen.

      die üblichen Bilder

      In der Regel geht es dabei nur um eine begrenzte Zahl an Optionen. Auch bei unregelmäßigen Verben sieht jeder Lernende nach einiger Zeit, dass einige Typen unregelmäßiger Verben immer wieder auftauchen. Aber das ist von Sprache zu Sprache unterschiedlich festzulegen.
      Ich betrachte hier nur mal die Geschlechter im Französischen genauer. Das Standardbeispiel sind Erde, Mond und Sonne, deren Geschlechter im Französischen sozusagen genau umgekehrt wie im Deutschen sind. Hier schlagen Lehrer oder Kursleiter in der Regel gleich ein paar Merkhilfen vor. Die bekannte französische Tageszeitung "Le Monde" bewirkt meist, dass nach dem Hinweis darauf, das Geschlecht von 'Erde/Welt' kein Problem darstellt, zumal auf die Parallele der deutschen Zeitung "Die Welt" verwiesen werden kannn. Bei 'la lune' hilft, dass im Deutschen mitunter als "Frau Luna" vom Mond gesprochen wird und für 'le soleil' wird auf den (männlichen) Sonnengott hingewiesen, der zwar im Griechischen Helios, aber im Lateinischen Sol hieß, was in beiden Fällen auch 'Sonne' bedeutet. Wir sehen, dass die Merkhilfe hier in die Schlüsselwortmethode integriert ist.


      Markierungen

      Mnemotechnisch gibt es aber noch eine gute Möglichkeit, die den Vorteil hat, zusätzliche Assoziationen zu bilden. Dabei wird ein Symbol genommen und mit dem Merkinhalt durch ein Bild oder eine Geschichte in Verbindung gesetzt. Bei Anwendung der Schlüsselwortmethode wird es einfach in die Geschichte integriert. Das Symbol steht für das zu Merkende. Für eine Sprache mit zwei Geschlechtern können die traditionellen Symbole Schild und Speer (♂) sowie Spiegel (♀) benutzt werden. Es sind aber auch andere Symbole möglich. Es kommt nur darauf an, ob der oder die Lernende es sich gut merken kann. Ein Hammer für männlich, ein Lippenstift für weiblich. Frau Luna könnte sich schminken und in einen Spiegel sehen. Le monde sich mit Speer und Schild gegen Asteroiden wehren, wie Zeitungen die Demokratie verteidigen und le soleil einen Hammer nutzen, um andere Himmelskörper aus ihrer Bahn zu werfen, wenn er nicht gerade mit Speer und Schild seine Gläubigen beschützt. Auf den ersten Blick erscheint es schwer, solche Beziehungen herzustellen, doch geht es mit etwas Übung recht schnell von der Hand.

      Es ist besser, wenn man bei dem einmal gewählten Symbol bleibt, um nicht durcheinander zu kommen. Allerdings würde ich beim Geschlecht davon abweichen und zwei oder drei, dann aber für einen selbst wirklich eindeutige Symbole für ein Geschlecht auswählen. Die Zahl der Geschlechter ist ja recht beschränkt, während zu jedem Substantiv ein Bild oder eine Geschichte gefunden werden muss. Egal was hier oder woanders beschrieben ist, was traditionell ist oder was politisch Korrekt ist, funktioniert diese Methode nur dann, wenn Symbole gewählt werden, die für einen selbst gut funktionieren.

      In der Mnemotechnik wird hierbei oft von 'Aspekt' gesprochen. Im isolierten Zusammenhang mit Grammatik ist das unklug, da es auch in der Grammatik einen Fachbegriff 'Aspekt' (de.wikipedia.org/wiki/Aspekt_(Linguistik)) gibt. Ich erwähne es, damit dadurch keine Verwirrung entsteht.


      ein weiteres Beispiel für Markierungen

      Im Lateinischen gibt es die konsonantische, die i-, die a-, die o-, die e- und die u-Deklination. Um sich zu merken, zu welcher Deklination ein Wort gehört, wird beim Vokabelnlernen der Genitiv und das Geschlecht mitgelernt. In vielen Fällen reicht das schon, aber es müssen immer noch einige Regeln gelernt werden, um noch mehr abzudecken. Dennoch bleiben einige Vokabeln übrig. Und dennoch ist es ein gutes Beispiel, dass auch Besonderheiten einer Sprache zum Lernen genutzt werden können. Aber hier will ich einmal mögliche Symbole nennen, weil ein paar Beispiele mehr nicht schaden werden. Es sind für mich mögliche Symbole. Wie gesagt, ist das eine individuelle Sache. Eigentlich ist das auch nicht für jede Deklination nötig, aber es geht hier ja um die Übung. Sinnvoll ist natürlich, wenn die Vokabeln im Lateinischen zu der Deklination gehören, für die sie stehen sollen. Für die u- Deklination wäre ein 'Wagen' (lat. 'currum', daher unser 'Karren') mein Symbol. Es ist einfach die Vokabel, an der wir diese Deklination in der Schule gelernt haben. Und zwar so intensiv, dass ich sie immer damit verbinden werde. Für die o-Deklination wäre das 'Schwert' (lat: 'gladius') ein gutes Beispiel, da das grammatische Geschlecht der Wörter der Deklination männlich ist und nur die Baumnamen und ein paar weitere Ausnahmen weiblich sind. Dummerweise darf sich das nicht mit dem Symbol für 'männlich' ins Gehege kommen. 'Magister' gehört auch der o-Deklination an und heißt 'Lehrer'. Vielleicht ist der Lehrer hier doch weiser. Für die a-Deklination wäre 'Magd' (lat.: 'ancilla') sicher eine gute Wahl, da es immer noch als Vorname gebräuchlich, wenn auch sehr selten ist. Wer den Namen nicht kennt, nimmt vielleicht lieber den 'Adler' ('aquila', im lateinischen weiblich). Bei der e-Deklination schlage ich einen Terminkalender vor. Denn bis auf 'dies' (dt.: 'Tag') und 'meridies' ('Mittag'), die männlich sind, sind alle Wörter dieser Deklination weiblich. Allerdings ist Tag in der Bedeutung 'Frist, Termin' ebenfalls weiblich. Da liegt es nahe, diese fiese Ausnahme gleich zum Symbol der Deklination zu machen. Nur ist eben ein Terminkalender besser zu verbildern. Bei der i- und der konsonantischen Deklination ist es schwieriger. Manche Grammatiken setzen da auch noch eine Misch-Deklination ein. Denn da geht es durcheinander. Hier gehört es zum Lernprozess, es selbst zu ordnen. Daher will ich hier niemandem etwas vorwegnehmen. Und natürlich bleibt selbst Erarbeitetes besser im Gedächtnis. Das Prinzip dürfte jedenfalls jetzt klar sein. Nochmals gesagt: Es ist nicht bei jeder Deklination nötig. Ich habe sie nur als Beispiel herangezogen, weil mir das Beispiel mit den Geschlechtern als zu dürftig erschien.


      Geschichten und Bilder

      Wie schon gesagt, sind Bilder, bewegte Bilder und Gechichten die wichtigsten Hilfsmittel der Mnemotechnik. Daher auch dazu ein Beispiel. Wer sich das Beispiel nicht merken kann, muss bedenken, dass wir uns hier in einem Bereich bewegen, der sehr individuell gestaltet werden muss, um zu funktionieren.

      die lateinische o-Deklination

      Wie schon gesagt, ist die Lernkartei auch für die Beugung geeignet. Aber natürlich können, wenn es sonst nicht in den Kopf will, kleine Geschichten helfen, die man sich, wenn möglich, auch bildlich vorstellen soll. Hier zur Lateinischen o-Deklination.

      Weil es Usus war, trug der Marcus Toga. Der Hund des Marci, den er immer an seiner Leine mit sich führt ist so häßlich, gräßlich und eklig, dass alle, die ihnen begegnen "ieh" schreien. Als der Hund sich erleichterte, rief einer: "Du, Marce, da ein See!"

      Plötzlich gab dem Marco seine neue Freundin einen Kuss, so dass er erschrocken "Oh!" schreit. Und als sie dabei gegen den Marcum lief, um ihn zu umarmen, fiel er um. Durch den Marco aufgefangen rief die Freundin "Oh, du Held!"

      "Sind alle Marci hie?" "Ja, bei dem Kneiper der Marcorum gibt es doch ooch Rum! Den gibt er den Marcis, die geben dafür Kies." Und als er den Marcos den Geiz vorwirft, sagen die "Oh so ist's also! Nur durch die Marcis, hast du soviel Kies. Ach, wie ist der Wucher mies!"

      Nicht jeder kann sich jede Geschichte gleich gut merken. Darum habe ich drei Geschichten für eine Deklination genommen, damit die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass für jeden etwas dabei ist, was funktioniert und etwas, was nicht funktioniert. Absurdes kann zum Beispiel gut zu merken sein, doch für andere kann es zu absurd sein, um es sich zu merken. Und für einige funktioniert "ooch Rum" für "-orum" und "Oh, so ist's also!" für "-os", andere können es nicht miteinander verbinden. (Bei der Geschichte ist auch ein Problem, dass ich die Deklination ja schon auswendig kann. Und bei Lerninhalten, die man selbst auswendig kann, übersieht man selbst oft naheliegende Hindernisse für Leute, die es erst lernen.)

      Natürlich ist es besser nur eine Geschichte für ein Deklination zu nehmen, aber damit wäre der Post wohl endgültig zu lang.

      (Singular:
      • Nominativ: Marcus (Vokativ, Fall der Anrede, den es nur im Singular der o-Deklination gibt: Marce)
      • Genitiv: Marci
      • Dativ: Marco
      • Akkusativ: Marcam
      • Ablativ (Woher? Wodurch? Wo?) Marco
      Plural:
      • Nominativ: Marci
      • Genitiv: Marcorum
      • Dativ: Marcis
      • Akkusativ: Marcos
      • Ablativ: Marcis)


      fortgeschrittene Mnemotechniken

      Ich will nicht verschweigen, dass es für solche Dinge fortgeschrittene Techniken gibt. Es gibt Leute, die Vokabeln im Geiste auf verschiedene Dörfer verteilen und sich ganze Gedächtnislandschaften schaffen. Schon das hier Vorgestellte reicht aber, um sich ganze Wörterbücher zu merken. Jedenfalls haben es Leute damit und mit etwas Übung bewältigt. Wer sich mnemotechnische Garderoben geschaffen hat, kann das auch so, dass die Stelle der Vokabel mitgelernt wird. Dies ist sogar einfacher, weil es eine Möglichkeit der Kontrolle bei der Wiederholung und eine zusätzliche Assoziation bietet. Wer ganze Wörterbücher lernen will oder Gedächtnislandschaften anlegen möchte, der sollte das oben genannte 'Esels Welt' durcharbeiten.

      Einiges dazu habe ich auch schon mal hier gepostet.



      Individualität

      Hier möchte ich nochmals betonen, dass bei der Mnemotechnik viel sehr individuell ist. Was für den Einen oder die Eine funktioniert, kann schon bei dem Nächsten oder der Nächsten versagen. Darum bringt es nichts, zu viele Beispiele zu geben. Denn jeder muss selbst lernen, Bilder, Assoziationen und Eselsbrücken zu finden. (Und da eklige und versaute Bilder besonders lange im Gedächtnis bleiben, sind solche Bilder oft auch sehr privat.)

      Es ist völlig normal, wenn das zu Beginn schwer fällt. Denn auch dies muss eingeübt werden. Wer aber nicht aufgibt, nach Schlüsseln Aussicht zu halten, wird dies zügig lernen. Es ist wirklich nicht so schwer, wird in der Regel schnell gelernt und zu viele Handreichungen würden nur die Unselbständigkeit in dieser Sache zementieren.

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    • Die Frage nach dem Sprachenlernen III. und letzter Teil

      Allgemeine Tipps

      Lernen im Zusammenhang


      Assoziationen tragen zur Festigung des Gelernten bei. Allerdings können sie auch beim Lernen und Erinnern im Weg stehen, wenn zu ähnliches gelernt wird. Wenn aber der Zusammenhang natürlich erscheint, kann es beim Lernen helfen, Themen abzuarbeiten. Durch einen sinnvollen Text oder ein Thema können Vokabeln leichter zu lernen sein, wenn z.B. einige Farben zusammen gelernt werden. Wie schon angedeutet, ist darauf zu achten, dass das nicht zu einem zweischneidigen Schwert wird.

      Das ist auch der Grund, warum die meisten Grund- und Aufbauwortschätze heute nach Themen der Lebenswelt geordnet sind. Im erwähnten Grund- und Aufbauwortschatz Latein von Klett ist das nur für den Aufbauwortschatz der Fall, weil der Grundwortschatz nach der Wortbildung geordnet ist. Da die jeweils zu einem Grundwortschatz gehörigen Wörter im jeweiligen Teil des Aufbauwortschatzes mit aufgeführt werden, ist es möglich, die wichtigsten Wortstämme und Ableitungsmöglichkeiten durch Suffixe, die im Anhang tabellarisch aufgeführt werden, zu lernen und dennoch die thematische Verknüpfung zu nutzen. Zudem wird im Aufbauwortschatz auch auf verwandte Vokabeln hingewiesen. Der Grundwortschatz von Langenscheidt setzt demgegenüber nur auf die thematische Variante. Die kleinen ablenkende Zeichnungen und 57 kleine Aufgaben sehe ich eher als Kosmetik. (Um bei einem oft bemühten Beispiel zu bleiben.)

      Wie schon gesagt, kann es hilfreich bis lebensrettend sein, Geschlecht, Deklination, Stammformen u.s.w. gleich zusammen mit der Vokabel zu lernen.



      Klippen, die wir uns selbst in den Weg stellen können


      Ähnliche Wörter in größerer Zahl zu lernen, birgt natürlich die Gefahr von Verwechslungen, wenn nicht gute Unterscheidungen hinzu kommen. Zu Vokabeln, die einem Thema angehören ist schon etwas gesagt worden.

      Altbekannt ist, dass wer zu viel lernen will, weniger lernt. Ebenso lernt weniger, wer nur zu einem Thema lernt. Wer also eine Sprache lernen will, tut gut daran, gleichzeitig noch zu einem anderen Thema zu lernen, dass nicht mit Sprache an sich zu tun hat. Hier verweise ich wieder auf Leitner. Je nachdem ist das Schreiben von Texten und sind ähnlich kreative Tätigkeiten natürlich auch als Lernen zu betrachten.



      Vermeidung der Vernichtung


      Ein Problem beim Lernen besteht darin, dass nach einer Prüfung oder nach der Feststellung, dass ein Stoff sitzt, dieses Wissen recht schnell wieder verschwindet. Dafür gibt es zwei Gründe. Natürlich geht immer im Laufe der Zeit Gemerktes aus dem Gedächtnis verloren, aber dies ist hier nicht gemeint. Oft verflüchtigen sich ganze Wissensgebiete schneller als eigentlich zu erwarten.

      Grund 1: unzureichendes Lernen
      Prüfungen finden oft statt, wenn der Stoff noch nicht dauerhaft im Gedächtnis sitzt, während das Lernen an diesem Punkt abgebrochen wird. In Bezug auf die Lernkartei ausgedrückt, lautet die Lösung: lieber ein Fach zuviel als eines zuwenig.
      Grund 2: aktive Löschung der Lerninhalte
      Der zweite Grund ist schwerwiegender. Aus der Mnemotechnik ist bekannt, dass eine Information gezielt aus dem Gedächtnis gelöscht werden kann. Ja, ein guter Teil der Einübung der Mnemotechnik besteht darin, dass "Örter" und "Haken" wieder frei gemacht werden, um sich Neues zu merken. Was hier absichtlich geschieht, kann auch unabsichtlich geschehen, wenn z.B. nach einer Prüfung das Bewusstsein entsteht, dass das diesbezügliche Wissen nicht mehr gebraucht wird. Das Lernen sollte also nicht an bestimmten Terminen enden, sondern eher langsam auslaufen.

      Bei der Lernkartei gibt es eine weitere Klippe. Leitner schreibt, dass die Karten, die das letzte Fach verlassen dürfen, weggeworfen oder verbrannt werden können. Das ist kontraproduktiv: In der Mnemotechnik wird durch die Vorstellung von Zerstörung oder Entsorgung Gemerktes geradezu gelöscht. Es ist besser, die Karten zu sammeln. Das ist nicht einmal Platzverschwendung, da es Möglichkeiten eröffnet.
      Aus der Lernkartei entfernte Karten sollten thematisch und alphabetich eingeordnet werden. Wird dann eine Lücke festgestellt, kann eine Karte sogar nochmals die Lernkartei durchlaufen, wodurch eine Information für uns nur erst einmal und nicht endgültig abgehakt ist. Daneben gewinnen wir eine nützliche Kartei. Bei Lateinvokabeln ist das offensichtlich: Da können mit der Zeit so manche zusätzliche Bedeutungen und Bemerkungen zur Sprachgeschichte hinzukommen. Bei einer Sprache, die nur gelernt wird, um häufig in dem Sprachraum Urlaub zu machen, mag nicht so schnell ein weiterer Sinn gefunden werden. Ich erinnere allerdings an die teils umfangreichen Karteien, die Studenten vor Verbreitung der PCs anlegten. Hier stand nicht nur ein Wissensspeicher im Focus, sondern auch das individualisierte Wissen. Ob also Kartei oder Programm, das Löschen oder Vernichten der Stichworte ist als suboptimal bis katastrophal einzuordnen. Und beim Sprachenbasteln ist eine geordnete Kartei ein tolles Ordnungssystem, dass auf diese Weise ganz ohne Zusatzaufwand entstehen kann.



      Besonderheiten des Sprachenbastelns

      Hier gehe ich davon aus, dass die gebastelte Sprache auch gelernt werden will, was ja im Prinzip keine Notwendigkeit des Sprachenbastelns ist.
      Beim Basteln einer Sprache, basteln wir die Regeln und Morpheme selbst. Wir durchschauen sie also auch besser. Lernen wir hier die Wortbildungsmorpheme (in etwa Wortbildungselemente), dann die Bestandteile, die die Bedeutung tragen und denken uns schließlich noch ein paar Regeln für Unregelmäßigkeiten und Veränderungen aus, dann können wir die selbstgebastelten Sprachen natürlich sehr einfach lernen. Und in einem Zug sind damit mehrere Sprachstufen zu bewältigen. Aus 500 oder 600 Morphemen können ja durchaus mehrere tausend Vokabeln werden.

      Abschätzungen

      In dem schon erwähnte Grund- und Aufbauwortschatz Latein von Klett ist der Grundwortschatz nach der Wortbildung gegliedert. Das sind 488 durchnummerierte Stichpunkte für 1100 Wörter. Aber wenn mehr Wörter dazu kommen, wird das Verhältnis natürlich günstiger. Und bei einer künstlichen Sprache können wir es noch etwas mehr in die für uns günstige Richtung verschieben. Zur besseren Einschätzung der Zahlen: Im Deutschen gibt es nach unterschiedlichen Schätzungen 3000 bis 7000 bedeutungstragende Morpheme, ca. 100 Wortbildungsmorpheme und 16 grammatische Morpheme. Allein deshalb wird das Erlernen der Vokabeln einer Sprache ab einem gewissen Punkt leichter. Und ebenso auch das Finden von Schlüsselwörtern. Die Häufigkeit eines Morphems, bzw. Stamms ist natürlich deutlich unterschiedlich. Der erwähnte Wortschatz führt viele nur mit einer Form auf, während 'esse' (dt.: 'sein') mit 18, 'ire' (dt.: 'gehen') mit 21 und 'ferre' ('tragen, bringen') mit 23 Ableitungen aufgeführt werden.


      Die Schaffung eines Vokabulars sollte bei solcher Vereinfachung gegenüber dem Lernen der größere Aufwand sein.

      Auch die Schaffung von Endungen und dergleichen bedingt natürlich die bessere Merkbarkeit. Für die erste Sprache sollte das einfach gestaltet werden. Wer dennoch eine flektierende Sprache wie das Deutsche oder Lateinische möchte, sollte sich dabei an seine Intuition halten. Denn dann hat er oder sie schon eine Beziehung zwischen Endung und Bedeutung derselben parat.

      Und bei den Regeln für Unregelmäßigkeiten kann schon Bekanntes helfen. Wer die zweite Lautverschiebung verinnerlicht hat, kann sie auch selbst für einen Sprachwandel benutzen. Oder um gesetzmäßige Unregelmäßigkeiten zu produzieren.

      Insgesamt ist natürlich auch die Disziplin notwendig, sich an das Selbstgebastelte zu halten und es ordentlich festzuhalten.

      Selbstgebasteltes schreiben und sprechen lernen?

      Ein Problem ist hier (wie beim Lateinischen), dass es wohl niemanden gibt, mit dem die Sprache gesprochen wird. Da liegt natürlich die Lösung nahe, zusammen mit einem anderen eine Sprache zu basteln. Allerdings wird dies einen Weltenbastler nicht auf Dauer befriedigen.
      Wer nun seine Sprache lernen will, der muss sich also Übungsdialoge zusammenstellen und wenn ein Gesprächspartner fehlt, zumindest Schreibübungen. Ich will das hier nicht ausführlich darstellen, aber durch diese Übungen wird gelernt, zügig etwas in der Sprache zu formulieren, die Grammatik eingeübt und alles was auswendig gelernt wird, weiter eingeschliffen. Wer sich selbst Übungen entwirft, muss also schon mal darauf achten, nach und nach das zu lernende Vokabular durchzugehen.

      Es hilft auch, sich Übungen und Dialoge in Lehrbüchern und Sprachführern anzuschauen, um Vorbilder zu haben. Dann müssen die jeweils zu übenden Grammatikregeln festgelegt werden. Anhand dieser sind dann mehr oder weniger freie Dialoge zu schreiben. Wenn diese vergessen sind, sind sie zu üben. ;) Okay, das Warten darauf, dass die selbstgeschriebenen Übungen vergessen sind, käme uns sauer an. Für den einsamen Sprachenbastler muss die Übung natürlich in dem Schreiben dieser Übungen liegen. Damit er oder sie dabei möglichst nicht behindert ist, kann es klug sein, erst die Vokabeln und die Formen zu lernen und sich dann erst in der Sprache zu üben.

      Ein Buch, dass die französische Grammatik nach Regeln geordnet in Übungen umsetzt ist:

      Maia Grégoire, Odile Thiévenaz, Grammaire progressive du Francais avec 500 exrcices, Paris 1995 (ISBN 2.09.033854.7)

      Dies Buch ist allerdings komplett in Französisch gehalten, also nicht für Anfänger geeignet, sondern eher als Wiederholung, Vertiefung oder um wieder hereinzukommen.

      Ein Buch, was eine Sprache schreiben lehrt, Kenntnisse der Vokabeln und der Beugung erwartet und entsprechende Übungen zeigt, ist das schon einmal in diesem Thread genannte:

      Richard Ashdowne, James Morwood, Writing Latin - an Introduction to Writing in the Language of Cicero and Caesar, London 2007.

      Wie der Titel zeigt, ist das Buch auf Englisch geschrieben.

      Es sollte auch deutschsprachige Übungsbücher für die deutsche Grammatik geben. Doch möchte ich hier keine Bücher empfehlen, in die ich nicht zumindest einen Blick geworfen habe. Der Buchhandel hilft im Fall der Fälle sicher gerne weiter. Lauft jetzt aber nicht los und besorgt euch solche Bücher. Ich bin sicher, dass die allermeisten sich an entsprechende Übungen aus dem Unterricht erinnern und sich vorstellen können, mit welch einfachen Texten die Grammatik eingeübt werden kann. Irgendwann muss dann natürlich darauf gesehen werden, dass der Satzbau komplizierter wird und dabei elegant ist. Wobei sich elegant nach dem richten soll, was die (fiktiven) Sprecher als elegant oder angemessen empfinden. Nur wem hier wirklich nichts einfällt, der sollte sich Beispiele aus Lehr- oder Übungsbüchern anschauen. Und das müssen nicht die genannten sein. Es sind nur Beispiele, damit mir auch hier nicht vorgeworfen werden kann, die Leser allein gelassen zu haben.


      Wer die Schlüsselwortmethode noch nicht kennt, sollte vielleicht als Vorbereitung einige unbekannte Vokabeln einer schon bekannten Sprache damit lernen, um die Hindernisse klein zu halten. Denn bei grundlegenden Mnemotechniken kann man generell ein paar Wochen mit täglich vielleicht 10 oder 15 Minuten einplanen, um sie so anwenden zu lernen, dass en oder iks nicht in Selbstzweifel gerät, wenn ein Bild oder eine Geschichte oder ein Schlüsselwort gesucht wird. In der weiteren Anwendungen wird es dann automatisch flüssiger und schneller. Je nach Person reichen da wirklich 2-3 Wochen kurzer täglicher Übungen, um hinein zu kommen. Manchen reicht weniger.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Riothamus ()

    • Teja schrieb:

      Riothamus schrieb:

      Hierzulande lernen die Schüler ja nicht mehr schreiben, sondern sollen aus dem Nachmalen von Druckschrift eine eigene Schrift entwickeln.
      What the actual fuck.
      Dazu fehlt etwas Evidenz, aber verkehrt ist die Aussage nicht direkt - wobei das regional natürlich Unterschiede hat. Zumindest hab' ich noch die DIN-Schrift in Erinnerung, die man nachzuzeichnen versuchen sollte - das war zwar in den späteren Jahren des Schulverlaufs, aber habe ich in drei Bundesländern kennengelernt.
      Schreibschrift war dennoch gängig in den ersten Jahren... möglicherweise hat sich das weiterentwickelt, denn - ohne blöd wirken zu wollen - aber Schreibschrift lernen ist kontraproduktiv. Lesbarkeit ist doch wichtiger?
      "Sel'ana... Wir werden bestehen." - Arinai Shuir del'Julinya
    • Na gut, wenn ihr nicht den Geboten von Rio vertrauen wollt:

      1. Zur Einführung der Bildungskatastrophe Nr. 1: de.wikipedia.org/wiki/Schreibs…ändnis_von_Schreibschrift
      2. Zur Kritik daran und dem besseren Lernen: de.wikipedia.org/wiki/Schreibschrift#Weitere_Entwicklung

      Die Belege sind verlinkt.

      Im Artikel wechselt leider der Sinn von Schreibschrift. Ich halte mich da an Bernhard Bischoff und beurteile die Schrift nach dem freien und kreativen Gebrauch, wie bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts üblich. Exaktheit der Schrift gilt dabei als kultureller Niedergang. Aber dafür ist ein Grundschüler noch nicht weit genug. Das kommt doch erst mit der Fähigkeit des Generalisierens. Und daher müsste ebenfalls bei Untersuchungen auch nach dem Alter unterschieden werden.

      Die DIN-Schrift diente dazu nach Abschaffen der Noten für Schönschrift eine lesbare alternative Schrift zu bekommen. Das Problem der Lesbarkeit liegt aber heute weniger beim Schreiber. Denn für das Lesen von Handschrift gibt es heutzutage kaum Übung. Darum hat das mit der DIN-Schrift auch nicht geklappt. Wer das nicht glaubt, sollte sich mal mit Paleografie beschäftigen. Die schönste und ordentlichste Schrift zu lesen, bedarf immer erst der Übung. Meine Großmutter hatte eine wunderschöne und gut lesbare lateinische Handschrift. Ich kenne genug Leute, die es nicht lesen können. Viele können heute nämlich nur noch ihre eigene Handschrift richtig lesen.

      Hinzu kommt, das in Deutschland 18% der Erwachsenen Analphabeten sind. 4% davon sind totale Analphabeten und 14% funktionale Analphabeten. Wird die Dunkelziffer berücksichtigt, gehen einige Schätzungen davon aus, das nochmals die Hälfte dazukommt, es also tatsächlich 27% wären. Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen, vielleicht aber eher 20% als 25%. Wegen dieser Zahlen wird in Deutschland in der Regel nur die Quote der totalen Analphabeten angegeben. Das steht im Gegensatz zu Forderungen der UN, die die funktionalen Analphabeten angegeben haben will. In Deutschland ist zudem ein sehr hoher Anteil der funktionalen Analphabeten hier zur Schule gegangen. In anderen Ländern der EU handelt es sich dagegen heute meist um Einwanderer. Soviel zur Lese- und Schreibausbildung an deutschen Schulen. (Frankreich hat 11%. In Italien wird die Zahl nicht mehr erhoben, da es einst am unteren Ende rangierte. Noch kurz nach der Jahrtausendwende hat Italien sich jedenfalls geweigert, eine solche Erhebung durchzuführen.)

      (Vor einigen Jahren kursierten für Deutschland noch höhere Zahlen, was aber wohl auf einen Fehler zurückging. Den entsprechenden Artikel finde ich gerade nicht.)
    • Wikipedia schrieb:

      handschriftliche – obwohl nicht zwingend schreibschriftliche – Notizen führten in einer Studie der Princeton University und der UCLA zu einem besseren Verständnis und längeren Erinnern von Lerninhalten
      Hervorhebung von mir.

      Ad Lesbarkeit: Die schlimmsten Schriften haben nach meiner Erfahrung 1. diejenigen, die beim Schreibenlernen die Einzelbuchstabenschreibübungen (d.h. Zeile um Zeile derselbe Buchstabe) geschwänzt haben und 2. Leute über 50, die eher viel mit der Hand schreiben. Bei ersteren ist die Schrift verkrampft und ruckartig, bei zweiteren flüssig, geschwungen, aber ziemlich unlesbar, weil die 26 Buchstaben zu einer Handvoll Meta-Buchstaben verschmelzen (z.B. sehen bei meinem Vater r, e, x, c, s gleich aus, a, o ebenso, und von u, n, m ganz zu schweigen, bei Grossbuchstaben ist es nur wenig besser. Ich kann das nur lesen, weil ich das schon seit meinem sechsten Lebensjahr übe ...).
      Wer das liest, ist auch nicht schlauer als vorher.
    • Die Frage nach den Lauten und den IPA-Zeichen

      Heute geht es darum, einen gewissen Überblick über die Laute zu bekommen und die IPA-Zeichen kennen zu lernen. Dies wurde im Chat mehrfach nachgefragt. Es hat etwas gedauert, dies auf ein akzeptable Kürze für das Forum zu bringen, daher kann ich es erst jetzt zu posten. Wegen der Kürze verweise ich an einigen Stellen ausdrücklich auf die Wikipedia.

      Hier der Wikipedia-Artikel Laut: de.wikipedia.org/wiki/Laut .

      (Die Links zur Wikipedia dienen, wo nicht anders erwähnt, nur der Bequemlichkeit des Lesers, falls dieser später nachlesen will oder eine andere Erklärung lesen möchte.)

      Ich will versuchen, es hier etwas einfacher halten. Allerdings ist bei dem Thema nicht ohne Fachausdrücke auszukommen. Auch wenn es in diesem Post viel davon zu lesen gibt, wird es beim Sprachbastelprojekt wesentlich weniger Fachwörter geben. Und wer will kann sich seine Laute auch ganz ohne diesen Hintergrund suchen. Vom heutigen Post sollte sich jedenfalls niemand abschrecken lassen, da wir bei dem Thema 'Laut' den Begriffen nun einmal wehrlos ausgesetzt sind, wenn wir es näher betrachten wollen.

      Laute schreiben und das Internationale Phonetische Alphabet

      Da die Rechtschreibung von den korrekten Lauten abweicht, zudem die Zuordnung von Laut zu Buchstabe von Sprache zu Sprache verschieden ist, wurde das Internationale Phonetische Alphabet (IPA) entwickelt. Absolut genau ist auch das nicht, aber das ist wegen der Vielzahl von Möglichkeiten auch gar nicht zu erwarten. Nachzulesen hier: de.wikipedia.org/wiki/Internationales_Phonetisches_Alphabet . Und die Liste mit den Beschreibungen der einzelnen IPA-Zeichen, netterweise mit Audiodateien, findet sich hier: de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_IPA-Zeichen

      Diese Liste hilft uns später beim Sprachbastelprojekt sehr, da wir uns die Laute für eine Sprache dort aussuchen können. Dabei liegt es für die erste gebastelte Sprache nahe, sich auf Laute zu beschränken, die wir schon sprechen können. Doch hier geht es erst einmal um andere Dinge. Es sei aber schon mal gesagt, dass die Lautschrift normalerweise in eckigen Klammern geschrieben wird und ein Doppelpunkt hinter einem Laut bedeutet, dass dieser Laut lang ist.

      Und auch mit den IPA-Zeichen selbst müssen wir es auf Dauer etwas einfacher halten. Denn die Zeichen sind nicht alle über die Tastatur zu erreichen. Jedenfalls habe ich noch keinen Weg dazu entdeckt. Hier ist das Ziel, das wir beim Sprachenbasteln eine möglichst einheitliche Lautschrift zur Verfügung haben und alles über die Tastatur eingeben können. Es wäre wesentlich besser, bei den IPA-Zeichen zu bleiben, aber das ist leider meist zu aufwändig, weil es bei einem guten Teil der Zeichen meines Wissens nur über Copy and Paste geht, was in der heutigen Zeit schon ein Skandal sein sollte. Das Problem ist nun, dass zwar jeder für seine Sprache eine andere Schreibweise für die lateinische Schrift entwickeln kann, wir uns dann aber schwer tun, diese unterschiedlichen Schreibweisen für mehrere Sprachen zu handhaben.

      Ich schlage daher vor, dass der, der die IPA-Zeichen ohne Klimmzüge zu verwenden weiß, diese nutzt und wir für das Sprachbastelprojekt sonst eine neue Ersatz-Notation entwickeln. Wie jeder einzelne seine Sprache außerhalb des Projekts in irdischer Schrift schreibt, bleibt ihm oder ihr überlassen. Aber da, wo es beim Sprachbastelprojekt um Laute geht, kommen wir an einem gemeinsamen Standard nicht vorbei, da wir uns sonst schlicht und einfach nicht verständigen können. Wenn jeder seine eigene Notation benutzt, kann das niemand im Kopf behalten und ein gemeinsames Projekt wäre damit nicht möglich. Es ist in diesem Fall einfach eine notwendige Grundlage zur Verständigung.

      Nun kommt nicht jeder mit allen Schreibweisen klar und da nur eine endliche Zahl an Bastlern sich aktiv beteiligen wird, wird es weniger Laute geben als im IPA vorgesehen. Zudem wendet sich das Projekt in erster Linie an Sprachbastelanfänger oder tut zumindest so, auch wenn ein guter Teil der Teilnehmer zumindest schon mal in das Thema hineingeschnuppert hat. Es soll daraus ja ein Tutorial entstehen. Daher werde ich dringend empfehlen, sich zunächst auf wenige und bekannte Laute zu beschränken. Zu einem Großteil könnten wir für eine solche vereinfachte Lautschrift mit Schreibgewohnheiten des Französischen, Englischen, Deutschen und ähnlich bekannter Sprachen klar kommen, was bedeuten würde, dass wir uns weniger Neues merken müssen.

      (Die Lautschrift ist natürlich sehr gut über die Lernkartei zu lernen.)

      (Und natürlich gibt es auch die Möglichkeit einer eigenen Schrift. Aber auch das ist ein so umfangreiches Thema, dass es eines eigenen Projekts würdig ist. Denn, wer eine Schrift glaubwürdig basteln will, muss auch so einiges berücksichtigen, wie Schreibmittel, Schreibmaterial und Beschreibstoff. Hinzu können dann noch solche Dinge wie besondere Anatomie oder Sehfähigkeit kommen. Dies soll hier als Hinweis reichen.)

      Bleiben wir zur Einteilung bei den Begriffen, die wir aus der Schule kennen und kommen zu den Vokalen.


      Vokale

      Die Wikipedia zu Vokalen: de.wikipedia.org/wiki/Vokal
      und zu Nasalvokalen: de.wikipedia.org/wiki/Nasalvokal
      und Umlauten: de.wikipedia.org/wiki/Umlaut#U…ezeichnung_von_Buchstaben.

      Nehmen wir die Laute, die wir unter 'e' fassen können als Beispiel heraus und schauen sie uns nach dem IPA an.

      Hier führt das IPA 6 Lautzeichen an:

      [e] ist das geschlossene e wie in 'Schnee'.
      [ə] ist das Schwa wie in 'Falle'.
      [ɘ] geht im Gegensatz zum Schwa in Richtung o statt Richtung a.
      [ɛ] ist das offene e wie für 'ä' in 'kess' oder das erste e im englischen 'gender' (dt.:'Geschlecht')
      [ɛ̃] ist das nasalierte e wie im frz. 'plein' (dt.: 'voll')
      [ɜ] liegt zwischen dem 'ä' in 'hätte' und dem 'ö' in möchte, wie im englischen 'bird' (dt.:'Vogel')

      (Wer die Beschreibungen nicht versteht, kann sich die in der Liste bei Wikipedia verlinkten Tonaufnahmen anhören. An dieser Stelle ist es angebracht einen Blick in die entsprechende Stelle der Wikipedia-Liste zu werfen: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_IPAZeichen#E Welche Vokale mit den deutschen Umlauten geschrieben werden, wird im oben verlinkten Wikipedia-Artikel zu den Umlauten angegeben.)

      Ich habe hier etwas gemogelt, da hier kurze Vokale gemeint sind. Ein langer Vokal wird im IPA immer durch einen nachgestellten Doppelpunkt dargestellt. Ein langes geschlossenes e wäre also [e:]. Schnee wäre damit, wie aus der Liste bei Wikipedia heraussuchbar [ʃne:].
      Hier sehen wir schon einige Dinge:

      • Es gibt 'nasalierte Vokale', umgangssprachlich werden sie auch Nasale genannt, wobei Verwechslungsgefahr mit den korrekt als 'Nasalen' bezeichneten Konsonanten besteht.
      • Es gibt 'geschlossene' und 'offene' Vokale. Das bezieht sich auf den mehr oder weniger weit geöffneten Mund beim Sprechen. Wie bei dem ganzen Thema, gehe ich davon aus, dass ihr hier selbst Experimente macht und das mal für alle Vokale ausprobiert. So wird es am Besten verstanden.
      • Dann gibt es 'gerundet' als Aussprachemerkmal. Damit ist gemeint, dass die Lippen beim Sprechen des Lauts eine kreisförmige Öffnung bilden. (de.wikipedia.org/wiki/Rundung_(Phonetik))
      • Wir sehen auch schon, dass eine Aussprache in Richtung eines anderen Vokals gehen kann. Da sich das von Sprache zu Sprache etwas unterscheiden kann, sind die IPA-Zeichen etwas ungenau. Um les- und merkbar zu bleiben hat man sich bei der Erstellung beschränken müssen. Da ein Laut nicht exakt getroffen werden muss, sondern ein Bereich von Lauten als richtig empfunden wird, ist das auch ohne größere Probleme möglich.
      • Wichtig ist sodann, ob ein Vokal vorn im Mundraum, in der Mitte des Mundraums oder hinten im Mundraum gebildet wird. Was gemeint ist, kann umständlich erklärt werden. Einfacher ist es, es mit Hilfe des -sogleich erklärten- Vokaltrapez durch Aussprache der Laute im Selbstversuch herauszufinden. Keine Sorge, meines Wissens mussten aufgrund solcher Experimente noch keine Zunge amputiert werden.
      Das Vokaltrapez ordnet die Vokale von geschlossen bis offen untereinander an. Dabei stehen die geschlossenen Vokale oben. Die vorne gebildeten Vokale stehen links, die mittleren in der Mitte und die hinten gebildeten rechts. Abbildungen finden sich hier: de.wikipedia.org/wiki/Vokaltrapez . Weil es im Deutschen nur einen a-Laut gibt, können die deutschen Laute auch in einem Vokaldreieck (de.wikipedia.org/wiki/Vokaldreieck) dargestellt werden. Ich erwähne das Vokaldreieck, damit es nicht zu Verwirrungen kommt, wenn jemand darauf stößt. Die Vokale einer zu bastelnden Sprache können wir uns im Vokaltrapez suchen. (Wobei alle, die gelernt haben, dass "a, e, i, o, u" Vokale sind, das "y" nicht vergessen sollten.) Wer kein Kleinkind mehr ist, kann Laute in aller Regel nur noch schwer und unvollkommen lernen. Bei den Vokalen wird es uns durch das Vokaltrapez wesentlich erleichtert.


      Halbvokale


      (de.wikipedia.org/wiki/Halbvokal)

      Halbvokale vereinen Eigenschaften von Vokalen und Konsonanten. Wie bei Vokalen wird der Luftstrom beim Sprechen nicht blockiert. Andererseits bilden sie keine eigenen Silben wie Vokale, vereinfacht gesagt. Hier hätten wir

      • [j] wie im Deutschen bei 'jäh'
      • [w] wie im Englischen bei 'water' (dt.: 'Wasser') oder im Franzöischen bei 'oui' (dt.: 'ja'). Meist als konsonantisch benutzter u-Laut beschrieben. Während der Laut im Deutschen nur bei zu schneller Ausprache ('Bauer') auftritt, gilt er sonst als die Normalaussprache des Buchstaben w.
      • [ɰ] wie [w], aber ohne Rundung der Lippen.
      • [ɥ] wie im Französischen bei 'nuit' (dt.: 'Nacht'). Der Laut steht zu [y] wie [w] zu 'u' (Die eckigen Klammern sind hier beim 'u' nicht anwendbar, da das Forum das sonst als Unterstreichung interpretiert.). Ich empfehle den folgenden Artikel zu lesen, worin die Bildung genau beschrieben ist: de.wikipedia.org/wiki/Stimmhafter_labiopalataler_Approximant


      Konsonanten

      (de.wikipedia.org/wiki/Konsonant)

      "Pulmonale" Konsonanten werden durch das Ausatmen gegen die Lippen gebildet. (de.wikipedia.org/wiki/Pulmonischer_Laut) Die anderen Konsonanten kriegen wir später.

      Pulmonale Konsonanten

      Bei den pulmonalen Lauten müssen wir darauf achten, wodurch und wo sie gebildet werden.

      Beim Wo schauen wir uns die Abbildung dazu im Wikipedia-Artikel Konsonant an, wenn wir auf einen der Fachbegriffe stoßen. Was dann noch unklar ist, sollte durch Lesen der in der Tabelle zu den pulmonalen Konsonanten in der ersten Reihe verlinkten Artikel geklärt werden können. Ich würde es hier doch nur mehr oder weniger nacherzählen.

      Die Unterscheidung stimmhaft (de.wikipedia.org/wiki/Stimmhaftigkeit) und stimmlos (de.wikipedia.org/wiki/Stimmlosigkeit) dürfte zwar durch den Schulunterricht bekannt sein. Aber die einfache und viel vergessene Erklärung ist, dass bei den stimmlosen Konsonanten die Stimmbänder nicht an der Bildung des Lauts beteiligt sind. Spätestens, wer sich die Liste der IPA-Zeichen daraufhin anschaut, weiß, was gemeint ist. Ich erinnere nochmal daran, dass das Hören der Tonaufnahmen aus jener Liste und Ausspracheversuche generell beim Verstehen von Lauten helfen.

      Kommen wir zum wie. Wodurch wird der Laut erzeugt? Die Artikel dazu sind über die erste Spalte der Tabelle der pulmonalen Konsonanten im Wikipedia-Artikel zu erreichen. Es gibt:
      • Plosive, die dadurch gebildet werden, dass Luft beim Ausatmen gestaut wird, die dann explosionsartig entweichen darf. Daher auch der Name (vgl. "explosiv"). Beispiele sind p und b, die an der Lippe (bilabial) gebildet werden, t und d, die an den Zähnen (dental) gebildet werden und k und g, die am Hintergaumen (velar) gebildet werden,
      • Nasale, die zum größten Teil durch die Nase gesprochen werden, z.B. unser n und m,
      • Vibranten, die durch zeitlich ganz kurze Verschlüsse und Öffnungen an der Stelle der Bildung gebildet werden, insbesondere das 'gerollte' r (es sei auch an "Brrr" bei Käle gedacht),
      • Taps / Flaps, bzw. dt. 'geschlagene' Laute, die durch einen ganz kurzen Verschluss, wie ein kurzes Antippen gebildet werden, wie beim niederdeutschen 'wedder' oder dem englischen 'letter' (dt.: 'Brief'),
      • Frikative oder Reibelaute, die durch eine Engstelle, die die ausströmende Luft verwirbeln lässt, gebildet werden, wie z.B. die deutschen s, f und sch, und
      • Approximanten, die durch recht ungehindert den Mund verlassende Luft gebildet werden, wie das deutsche L.
      ('Lateral' bezieht sich auf die seitliche Bildung der Laute im Mundraum.)

      (Bei 'Affrikaten' geht ein Plosiv direkt in einen Frikativ über. Dies wird im IPA durch einen Bogen über den beiden Lautzeichen wiedergegeben, der allerdings oft weggelassen wird, wohl, weil andere - wie ich auch - nicht wissen, woher sie den Bogen nehmen sollen. Im Deutschen wäre tz [ts] zu nennen.)


      Die anderen (korrekt: nichtpulmonalen) Konsonanten


      (de.wikipedia.org/wiki/Nichtpulmonaler_Laut)

      Diese werden in
      • Klick- oder Schnalzlaute, die durch das Schnalzen mit der Zunge gebilde werden, wie z.B. bei uns das missbilligende dreimalige Schnalzen an den Vorderzähnen, dass in der Schrift oft mit 'TsTsTs' [|||] wiedergegeben wird (de.wikipedia.org/wiki/Klicklaut),
      • Implosive, die ich auch nicht besser erklären kann als die Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Implosiv) (wenn jemand im übertragenen Sinne 'etwas herunterschluckt' und dies akustisch verdeutlicht wird, ist dies oft ein Implosiv und kein Schluckgeräusch) , und
      • Ejektive, die ich ebenfalls nicht besser erklären kann als die Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Ejektiv),
      eingeteilt.


      Diphthonge

      (de.wikipedia.org/wiki/Diphthong)
      und Triphthonge (de.wikipedia.org/wiki/Triphthong)

      Diphthonge sind Doppellaute aus zwei verschiedenen Vokalen in einer Silbe, wie in 'Haus'. Dabei kann das Hauptgewicht auf den verschiedenen Teilen eines Diphthongs liegen. Es wird wie folgt unterschieden:

      • Bei steigenden Diphthongen liegt das Hauptgewicht der Aussprache auf dem zweiten Teil. ('Loire')
      • Bei fallenden Diphthongen liegt das Hauptgewicht der Aussprache auf dem ersten Teil. ('Auto')
      • Bei zentrierenden Diphthongen endet die Aussprache bei einem Mittelzungenvokal. ('Caesar', in klassischem Latein ausgesprochen)
      • Bei schwebenden Diphthongen verläuft die Aussprache horizontal über die Zunge. ('Pfui!')
      • Es kann lange und kurze Diphthonge geben.
      Im Gegensatz zu den Diphthongen stehen nebeneinander befindliche Vokale, die verschiedenen Silben angehören. Dabei wird von 'Hiat' gesprochen. Dieser wird im deutschen Schriftbild mitunter durch ein 'h' gekennzeichnet. (Im Westfälischen kam es zu einer Hiattilgung: z.B. von 'mähen' zu 'mäggen'.)

      Es gibt auch Triphthonge. Also Silben aus drei Vokalen. Um für uns als eine Silbe aussprechbar zu sein, muss dabei ein Halbvokal sein. ('jauchzen')



      Über das Erwähnte hinausgehende IPA-Zeichen

      Bei den IPA-Zeichen gibt es auch noch Zeichen für Betonung, Länge, Liaison, Tonhöhe und Behauchung. Auch die oben erwähnten Verschiebungen eines Lauts in eine Richtung gegenüber dem Standard-IPA-Zeichen kann gekennzeichnet werden. Beispiele für Sprachen, bei denen die Tonhöhe eine Rolle spielt sind das Chinesische und das Altgriechische. Mit Liaison ist die gebundene Aussprache zweier eigentlich eigenständiger Wörter gemeint, wie sie etwa im Französischen (de.wikipedia.org/wiki/Liaison_(Sprachwissenschaft)) auftritt.


      Wer sich für das Thema interessiert, wird mit der Zeit noch mehr entdecken.

      Nichtmenschliche Laute

      In einer erfundenen Welt kann es verschiedene sprachbegabte Spezies geben. Diese erzeugen auch nichtmenschliche Laute. Die Funktionsweise und der entsprechende Klang bleiben dem jeweiligen Weltenbastler überlassen und es kann natürlich auch eine Sprache mit solchen Lauten gebastelt werden. Erläuterungen zu den physikalischen Grundlagen würden hier zu weit führen. Doch sei zumindest der Hinweis auf die in Fauna, Flora und unbelebter Natur zu findenden Laute gegeben. Diese können bei glaubhafter Erzeugung durch einen glaubhaften Artikulationsapparat als Grundlage für nichtmenschliche Laute genutzt werden.

      Will jemand eine Sprache mit solchen Lauten sprechen, muss natürlich eine Ersatzaussprache festgelegt werden, bei der der von uns nicht zu artikulierende Laut durch einen anderen ersetzt wird, der an den Stellen, wo eigentlich der andere Laut vorkommt gesprochen werden kann. Um sicherzustellen, dass die Aussprache der Ersetzung immer möglich ist, kann natürlich eine Lautkombination, eine Silbe etwa genutzt werden.

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    • Die Frage nach speedgebastelten Sprachen: Instantsprachen

      Ja, man kann auch ganz schnell Sprachen basteln, indem man Bekanntes darüber gießt. Es muss nicht mal kochen, nur sicheres Wissen sein. Bei diesem Post habe ich mir nicht soviel Mühe gegeben. Es geht um Improvisation und darum, dass nicht immer ausgearbeitetes gebraucht wird. Statt immer in Wörterbücher und Kurzgrammatiken obskurer Sprachen wie des Etruskischen oder Sumerischen zu schauen, geht es auch mit Pulver in die Tasse, heißes Wasser drauf, umrühren. Nur steckt dann auch nicht viel dahinter.

      Ersetzungsmethode


      Die Ersetzungsmethode ist schon etwas, dass, wenn es sorgfältig gemacht ist, nicht so schnell auffällt. Einfach Wörter basteln und mit denen einer anderen Sprache gleichsetzen. Artikel sind leicht wegzulassen und, wenn gebeugt werden soll, geht das auch regelmäßig ebenfalls durch die Ersetzung, nur das die Endung durch eine anderslautende ersetzt wird. Hier brauche ich nicht viel erklären. Beim Sprachbastelprojekt seht ihr schon das dazu Nötige. Aber gut überlegte Ersetzungen sind eben ein sorgfältiges Austauschprogramm und keinesfalls ein Instantprodukt. Es ist das, was jemand macht, der keine Ahnung von Sprachen hat und es dabei belassen möchte, aber eine Sprache basteln will. Das Ergebnis ist dann auch keine eigenständige Sprache, sondern, vereinfacht gesagt, die den Änderungen zugrunde liegende Sprache mit einer anderen Lautung. Also keinesfalls befriedigend. Aber es kann ein guter Weg sein, schnell eine Sprache zu improvisieren. Und es kann helfen, einem Leser eine große Sprachenvielfalt vorzugaukeln oder Sprachbeispiele zu allen Sprachen einer Welt zu geben, wenn nicht jede Sprache gebastelt werden kann, was wohl in den meisten Fällen illusorisch ist.


      Holterdiepolter


      Hier geht es um Improvisation und die Verwendung von Wissen, das nur leicht verdreht wird, um es sich besser merken zu können und so weniger Fehler zu machen. Je nachdem wie schnell das gebastelt wird, lassen sich Fehler aber nicht ausschließen. Wie Bob Ross in seiner Serie 'The Joy of Painting' es tut, sollten auch wir so etwas nicht als Fehler, sondern als 'happy accident', zu deutsch 'glücklicher Unfall' oder 'glücklicher Zufall' sehen. Denn dann kann auch eine solche Holterdiepolter-Instant-Sprache etwas mehr Individualität gewinnen. Denn wir können das mit etwas Kreativität für Unregelmäßigkeiten, Ausnahmen, Besonderheiten wie doppelte Wortbedeutungen (accident = Unfall, Zufall) und weiteres mehr benutzen. Doch ist dies eben nur ein willkommener Zufall, den wir ausnutzen.

      Denn im Grundsatz geht es, wie gesagt, darum etwas zu improvisieren, dass wir für einige Sätze nutzen können ohne ständig Fehler einzubauen. Und ich habe das dumpfe Gefühl, dass die meisten Weltenbastler dies Vorgehen so oder so ähnlich kennen.

      Ich habe das z.B. hier (weltenbastler.net/BB4/upload/i…?postID=351793#post351793) beim Speedbasteln gemacht:

      "Kranz ar gar nardar! Nos ar drahar, as miemre. Bo wi dnich nadar?"

      Was habe ich da gemacht?

      Ich brauchte ein paar Sätze, die der "Dolmetscher", der das Thema des Speedbastelns war, übersetzen konnte. Sie sollten sich etwas wild, barbarisch oder orkisch anhören. Also schrieb ich ein paar Buchstabenkombinationen mit dem richtigen Klang hin, um schon mal den Sound zu haben:

      'Karnz sar gar nardar!' --- Auf deutsch sollte das heißen: 'Ein Opfer steht vor der Tür!'

      Es ist in solchen Fällen hilfreich, Hilfsverben wichtige Rollen zuzuschanzen. Weniger zu merken, weniger Fehler. Also heißt die wörtliche Übersetzung schon mal: 'Ein Opfer ist vor der Tür.' Und Artikel sind auch überbewertet. Weil es schön einfach ist, und wir es aus dem Englischen kennen, nehmen wir (ich und mein Bauch) als Satzbau SPO wie im Englischen: Subjekt, Prädikat, Objekt. Das ist natürlich eine kleine Abweichung von der Ersetzungsmethode. Aber eine sinnvolle, da wir uns durch den festen Satzbau die Beugung sparen können, da durch die Wortstellung die Funktion klar ist. Damit hätten wir:

      karnz = Opfer
      sar= ist/sein
      gar=vor
      nardar=Tür

      Bei sar strich ich dann das 's', damit ich mich in der Hektik des Speedbastelns nicht vertue. Denn dann hat es Ähnlickeit mit dem englischen 'are' für 'bist, sind, seid'. Also:
      ar=ist/sein

      Richtig los geht das dann beim zweiten Satz, wenn der wichtige erste Eindruck schon auf den Leser wirkt.

      Jetzt plündern wir unsere Sprachkenntnisse. Es soll heißen: 'Wir sind da wie immer.' Sein wäre ar, Konjugieren schenken wir uns. Plündern wir ein Wort aus einer Sprache, die wir kennen. Wir könnte 'nos' heißen, wie 'wir' im Lateinischen. Der Klang passt irgendwie. Man kann es zischend endend lassen, wie eine orkiche Schlange. Schreiben wie mal auf:

      "Nos ar da, wie immer."

      'Immer' können wir durch umstellen verfremden: mimer. Noch eine Drehung für den richtigen Klang: mimre. Und, damit es nicht auffällt, noch ein Dehnungs-e: miemre.
      Nach Englisch und Latein eine andere Sprache für das 'wie'. Niederdeutsch as oder os. Ich nehme 'as' und muss dann eine Stunde später mit den Augen rollen, weil es im Englischen nur anders ausgesprochen wird. Ans da hängen wir für noch ein grollendes Rollen, ein 'r':

      "Nos ar dar, as miemre."

      Das dar gefällt mir später nicht und wird noch verfeinert. Ich hatte den Tag zuvor beschrieben, was ein Hiat ist, also dahar. Das war mir aber zu irdisch, 'r' wollte ich viele, sind wir bei drahar:

      "Nos ar drahar, as miemre."

      Im folgenden kürze ich die Beschreibung etwas ab:

      "Willst du durch die Tür?"
      Die Tür haben wir schon.
      -> "Du willst durch nadar?"
      Laute beim Du ersetzen, Konsonant zu Konsonant und Vokal zu Vokal (natürlich auch umgekehrt möglich.)
      -> "Bo willst durch nadar?"
      Das willst kürzen wir einfach, wird schon keinem auffallen.
      -> "Bo wi durch nadar?"
      Der Tippfehler, den ich gleich nutzte, lautete dinch, was mir zu glatt klang. Also wurden die Buchstaben gedreht.
      -> "Bo wi dnich nadar?"

      "Das Opfer ist freiwillig."
      Es wird eingesetzt, was wir schon haben.
      -> "Karnz ar freiwillig."
      Bei sein = sar hatte ich auch an ei=a gedacht. Noch gekürzt und es passt.
      -> "Karnz ar frawi."

      "Der Höllenhund ist hungrig."
      'ar' haben wir schon, der Höllenhund war aus Gründen des Chats gesetzt. Da habe ich umgekehrt überlegt, was der Corgi hier für ein Hund ist.
      -> "Corgi ar hungrig."
      Umstellen der Silben hatten wir noch nicht.
      -> "Corgi ar grighun."
      Zu auffällig. Buchstaben streichen. (Eigentlich wohl nicht zu auffällig, aber beim Speedbasteln hatte ich diesen Eindruck.)
      -> "Corgi ar grihu."

      "Komm herein!" (Bei Barbaren-Gnomens natürlich als Befehl: "Du herein!")
      Es wird eingesetzt, was wir schon haben.
      -> "Bo drahar!"
      (Kurz vor der Abgabe bemerkte ich, dass ich hier 'drahar' ('da' im örtlichen Sinn) und 'dnich' (zu 'durch' sollten 'hindurch' und dann auch 'herein' kommen) verwechselt hatte. Das war auch der Grund für die um eine Minute verspätete Abgabe beim Speedbasteln. Aber statt zu ändern, beschloss ich den 'happy accident' zu behalten und so gibt es jetzt, vereinfacht gesagt, eine allgemeine Ortsangabe, die auch die Ansicht des Sprechers berücksichtigt. Der Angesprochene soll hier also dahin, wo er sein sollte.)

      "Mist!"
      Ins Französische übersetzt und etwas gekürzt.
      -> "Erd!"

      "Schon wieder zu groß!"
      Ganz große Zeitnot stellte sich ein - immerhin war es Speedbasteln und das dauert nur 60 Minuten! Immer haben wir schon. Klingt wohl bei Barbaren-Gnomen eleganter.
      ->"Miemre zu groß!"
      Ganz schnell die restlichen Wörter spiegeln.
      "Miemre uz Sorg!"

      Ich denke, es ist klar zu sehen, warum ich das Holterdiepolter-Methode nenne. Es ist eine schnelle Version der Ersetzungsmethode, bei der für jedes Wort der Muttersprache einfach ein gebasteltes Wort geschrieben wird. Nur nehmen wir hier bekanntes und drehen es zur Not einfach durch den Wolf, damit es schneller geht. Aber nur soweit, dass wir den Überblick nicht verlieren.

      Wenn es schnell gehen muss und die Gefahr besteht, nochmals Ähnliches zu brauchen, ist es eine Möglichkeit, die natürlich zur Not später verbessert und verfeinert werden kann. Die Übersetzung wäre zur Sicherheit aufzuschreiben. Und ebenso die Verdrehungen, die für sich selbst nicht offensichtlich sind. Und dann noch alphabetisch geordnet und es wäre auch schon alles geordnet festgehalten, was wissenswert ist, wenn diese 'Sprache' nochmals gebraucht wird. Der Nachteil ist, dass die Methode recht offensichtlich ist.

      In meinen Augen etwas für das Speedbasteln und ähnliche Gelegenheiten. Mit etwas mehr Zeit gibt es Feineres.


      Wenn es noch 5 Minuten köcheln darf


      Hierbei werden die Wörter einer Sprache nach festen Regeln geändert. Die zweite Lautverschiebung und die westfälische Hiattilgung (brühen -> brüggen/bruggen) habe ich ja schon erwähnt. Es ist quasi die geordnete Variante des oben unter Holterdipolter beschriebenen Chaos. Die Spielsprachen, die man Kindern im Kindergarten beibringt, sind ein Beispiel hierfür. Damit es realistisch wirkt, muss eine bekanntere Sprache schon sehr verändert werden, während bei einer exotischen Sprache wenige Veränderungen reichen dürften. Wenn einige Sprachen gebraucht werden, aber nicht alle ausgearbeitet werden sollen, weil es zuviel Aufwand für die Bedeutung bezüglich des Narrativs oder des Schwerpunkts ist, kann es eine gute Lösung sein. Mit nur ein wenig mehr Mühe, vielleicht zwei oder drei Regeln mehr als bei Spielsprachen gibt es schon glaubwürdige Ergebnisse.

      Es gibt sogar ein Beispiel aus der Realität: Ein Hochdeutschsprecher kann recht leicht eine Art 'Niederdeutsch light' simulieren, indem er beim Sprechen die zweite Lautverschiebung rückgängig macht und sich an ein paar weitere Besonderheiten hält. Selbst auf dem Westfalentag wurde solches schon gehört, wenn Leute, die kein Plattdeutsch können, zum Sprechen dieser Mundart genötigt werden. Mit ein bisschen Konzentration funktioniert das recht zügig und ist ob des vielfältigen Sprachgebiets mitunter auch für gute Plattsprecher kaum zu bemerken. So etwas ist also wirklich keine Zauberkunst.

      Im Grunde ist das nicht die Ersetzungsmethode, sondern die systematische Veränderung einer bekannten Sprache, aber es kann natürlich kombiniert werden.

      Links:


      Alte Sprachen


      Einige wenig bekannte oder alte Sprachen sind mitunter für spezielle Aufgaben geeignet. Die vom etruskischen bekannten Wörter stammen aufgrund des Zufalls der Überlieferung aus den Bereichen Grabinschriften, Kultvorschriften, Verwandtschaftsbeziehung, Titel, Kalender, Götter und ein klein wenig zu Prophezeiungen. Wenn ein paar Fetzen einer Sprache gebraucht werden, um Gräber eines Volkes mit Inschriften zu versehen, hat man mit der Liste der bekannten Wörter und einer Kurzgrammatik des Etruskischen alles, was man braucht. Konsistenter als die Ersetzungsmethode, egal ob mit mehr oder weniger Chaos und dabei effektiver, als sich selbst eine Sprache auszudenken. Wer jetzt sagt, er sei schließlich Weltenbastler und möchte als ordentlicher Demiurg alles selbst basteln, der soll es tun. Aber die Mehrheit wird es eher interessant finden, wenn darauf hingewiesen wird, dass diese oder jene kurzen Texte dem Etruskischen, klassischen Maya oder Sumerischen entnommen sind.



      Anmerkungen zu Schriftsystemen


      1- Silbenschriften verfälschen oft die wiedergegebene Sprache. Ein Beispiel ist da etwa die Linearschrift B, in der die Mykenische Sprache, die älteste überlieferte Sprachstufe des Griechischen, geschrieben wurde.

      Ein solcher Effekt kann natürlich auch zur absichtlichen Verfremdung einer Sprache genutzt werden.

      2- Beim Sprachenbastelprojekt würde es zu weit führen, auf Schriften einzugehen. Aber einen kleinen Hinweis möchte ich hier geben. Die Entzifferung der Hieroglyphen und der Maya-Schriftzeichen wurde lange auch dadurch aufgehalten, dass es Beschreibungen von anscheinend informierten Personen gab, die aber falsch oder zumindest sehr missverständlich waren. Warum das falsche System nicht mal anwenden. Hier die Beschreibung der Maya-Glyphen durch Diego di Landa (de.wikipedia.org/wiki/Diego_de_Landa):

      upload.wikimedia.org/wikipedia…/2f/De_Landa_alphabet.jpg

      Erst als seine Fehler erkannt waren, hatte diese Beschreibung der Schrift noch seinen Nutzen.

      (Der Bericht Landas über Yukatan ist übrigens eine tolle Lektüre und Inspiration für Weltenbastler:

      Diego de Landa, Bericht aus Yucatán. Übers. Ulrich Kunzmann, mit einem Aufsatz v. Linda Schele u. Mary E. Miller, Abb. Hg. u. Nachw. v. Carlos Rincon; Reclam, Leipzig 1990, ISBN 3-379-00528-2; Stuttgart/Ditzingen 2007, ISBN 978-3-15-020528-0.)


      Nachwort

      Um es nochmal zu sagen: Das ist natürlich kein echtes Sprachenbasteln, sondern eine Sprachspielerei, die uns dort weiterhilft, wo es dem Bastler nicht effektiv erscheint eine ganze Sprache zu basteln.

      Zum Abschluss des heutigen Posts möchte ich nochmals auf die etruskische Sprache hinweisen. Es sind nur 500-600 Wörter bekannt, von denen 200 gedeutet sind; zu weiteren Wörtern gibt es Vermutungen. Auch die Grammatik ist nur in Teilen bekannt. Für eine alte und schlecht überlieferte Sprache ist sie damit recht gut bekannt. Und schlecht überliefert ist die Sprache nur im Gegensatz zu Latein, Griechisch, Hebräisch und einigen anderen extrem gut überlieferten Sprachen. Von weit mehr Sprachen haben wir weniger oder Nichts. Was will ich damit sagen?

      Eine Sprache muss nicht immer ganz gebastelt werden. Meist reicht es, sie fragmentarisch darzustellen. Denn sonst könnten wir ja nichts anderes als Sprachen basteln. Das führt uns schon mal zu der Erkenntnis, dass der Bastler festlegen sollte, wie weit er eine Sprache basteln will und was er von dieser Sprache basteln möchte. Wessen Passion künstliche Sprachen sind, wird das natürlich anders sehen. Aber ich habe hier ein ausgewogeneres Basteln vor Augen.

      Und natürlich kann 'eine Sprache ganz basteln' hier nicht 'vollumfänglich' heißen. Denn schon bei der Vokabelliste werden wir uns beschränken müssen.

      Insgesamt dürfte also, wenn jemand eine Sprache basteln will, notwendig sein, sich zu überlegen, wie ausgearbeitet diese Sprache sein soll und welche Stellung diese Sprache bei der Darstellung der Welt, um die es geht hat. Es soll natürlich auch Welten geben, die nur als Hintergrund für eine Sprache entstanden. Aber hier habe ich, wie gesagt, ein ausgewogeneres Basteln vor Augen, bei dem das Sprachenbasteln nur ein Aspekt von vielen ist.
    • Riothamus schrieb:

      Ersetzungsmethode
      Nach dieser Methode habe ich mein Idersusisch gebastelt, auch wenn ich da etwas fauler war ;) Idersusisch sollte ähnlich wie Latein klingen, weil die Iderusen eben meine Pseudorömer sind, aber bei meinem üblichen Herangehen habe ich nichts zustande gebracht, was mir gefiel. Also habe ich einfach angefangen (mit Hilfe von lyreword) Vokabeln zu basteln und munter ein neues Vokabular für die lateinische Grammatik, die ich weitestgehend unverändert übernommen habe (es gibt aber bspw. noch eine o-Konjugation), zu setzen. Das Resultat klingt ziemlich lateinisch, wie es auch soll:

      cequis ud laqua omatura an alliore viorene sertione camare muisse hil altanot atit mea inatoribus arsonis
      Du suchst einen Ort an dem es um dein Hobby, den Weltenbau geht und nicht um sinnlose Dikussionen? Besuch doch mal
      ~•~ Das Imaginarium ~•~
      ~ Der Ort für jene, denen unsere Welt nicht genügt ~
    • Die Frage nach Büchern und Infos aus dem Netz

      Vor Beginn des Sprachbastelprojekts möchte ich noch auf einige Webseiten und Bücher verweisen. Gut, das wurde eigentlich nicht nachgefragt, aber ich wollte mit der Überschrift niemanden aus dem Konzept bringen. Ich hoffe, dass vielleicht auch andere noch empfehlenswerte Links posten.

      Deutsches

      Beim Sprachenbasteln ist es zweifellos nützlich, verschiedene Sprachen zu kennen. An erster Stelle steht dabei die Muttersprache, die für die meisten Mitglieder dieses Forums wohl Deutsch ist. Hier liegt es nahe, sich etwas mehr mit der Sprachgeschichte zu beschäftigen als in der Schule üblich, da es zur Muttersprache leichter nachvollzogen werden kann. Zudem dürfte es nicht schädlich sein, die Grammatik nachschlagen zu können:
      • Der Grammatik-Duden mag vielen schon zu wissenschaftlich erscheinen, doch gibt es auch andere Bücher dazu. Hier kommt es einfach auf die individuelle Lesegewohnheit an und der Buchhandel ist hier ein besserer Tipp als es eine Titelangabe wäre.
      • Zur Sprachgeschichte sei ein Arbeitsbuch empfohlen, dass sich sowohl mit dem Althochdeutschen als auch dem Mittelhochdeutschen beschäftigt und auch einen kurzen Blick auf das Altsächsische wirft: Rolf Bergmann, Peter Pauly, Claudine Moulin, Alt- und Mittelhochdeutsch - Arbeitsbuch zur Grammatik der älteren deutschen Sprachstufen und zur deutschen Sprachgeschichte, Göttingen 2004. (ISBN 3-525-20836-7)
      • Den Bastler mag auch eine Wortkunde interessieren. Schon älter, aber vielleicht günstig zu bekommen wäre vielleicht Schirmer, Mitzka, Deutsche Wortkunde - Kulturgeschichte des deutschen Wortschatzes Berlin 1965 (5. Auflage). Wie der Untertitel schon vermuten lässt ist das dünne Büchlein wenig technisch gehalten.
      • Zu allen deutschen Dialekten kann ich hier keine Literatur empfehlen. Da im Rahmen dieses Threads das Niederdeutsche schon ausführlich als Beispiel diente, will ich zumindest nochmal auf Jan Goossens (Hrsg.), Niederdeutsch - Sprache und Literatur, Band 1: Sprache, Neumünster 1983 verweisen. (Ein Digitalisat findet sich auf den Seiten der Westfälischen Mundartkommission mundart-kommission.lwl.org/de/ Eine Tiefenverlinkung funktioniert irgendwie nicht.)
      • Zu den weiteren deutschen Dialekten und den älteren Sprachstufen des Deutschen sind Grammatiken und Wörterbücher auch über die Angaben unter Fremdsprachen zu finden.


      Von Anderswo

      Die Kenntnis von Fremdsprachen ist natürlich auch nicht nutzlos und zumindest das Stöbern in entsprechenden Werken kann zu Inspirationen führen:

      • Eine Liste von online zugänglichen Grammatiken (auch zu deutschen Dialekten und älteren Sprachstufen) findet sich hier: de.wikisource.org/wiki/Grammatiken
      • Ebenso eine Liste von Wörterbüchern: de.wikisource.org/wiki/W%C3%B6rterb%C3%BCcher
      • Auch das Lehrwerk zum Selbststudium des Altgriechischen, der Zuntz ist online zu finden. Besseres dazu gibt es nicht. Die drei Bände sind über den Wikipedia-Artikel dazu in der Bayrischen Staatsbibliothek zu finden: de.wikipedia.org/wiki/Griechischer_Lehrgang
      • Zu Latein habe ich bereits einiges geschrieben. In diesem Zusammenhang muss ich eine Grammatik ergänzen: Wer eine Grammatik sucht, dem empfehle ich Rubenbauer, Hofmann, Lateinische Grammatik. Von verschiedenen Verlagen in zahlreichen Auflagen zu finden. Bevor die Verlage begannen, Systemgrammatiken zu ihren Lehrwerken herauszubringen, war es die deutsche Schulgrammatik für Latein. Heute wird es eher für Uni-Kurse benutzt.
      • Eine gewisse Bekanntheit im Netz hat die Seite von Franz Josef Mehr. Dort werden Kurse zum Selbststudium von nicht weniger als 19 Sprachen angeboten. Dabei ist jede Lektion als einzelne PDF-Datei herunterzuladen. Die mitunter sehr steile Lernkurve und kleinere Fehler, die wohl mangels Lektorat durchgegangen sind, werden einen stöbernden Sprachenbastler nicht stören. Von alten Sprachen wie Sanskrit, Hebräisch, Altgriechisch und Latein über gängige Sprachen wie Spanisch, Italienisch und Französisch reicht die Auswahl bis hin zu Exoten wie Tupi, Khmer und Thai. instructioneducation.info/indexspr.html
      • Nicht unterschlagen will ich die künstliche Sprache Toki Pona - angeblich die einfachste Sprache der Welt und mit nur 120 Vokabeln. Wikipedia-Artikel: de.wikipedia.org/wiki/Toki_Pona und die offizielle Seite der Sprache: tokipona.org/
      • Interessant dürfte auch das Widsith, das angeblich älteste altenglische Gedicht, das einen Überblick über das Sagenrepertoire eines fiktiven Sängers gibt und dabei zahlreiche Völker- und Personennamen altenglisch verballhornt, sein. Denn viele dieser Namen sind bekannt und ihre Veränderung kann eine Inspiration sein:


      Listen und Überblicke

      Sehr effektiv sind natürlich Überblicke, Vergleichslisten und ähnliche Dinge. Heute helfen da vor allem Wikipedia und das Netz weiter, während man früher zu Sprachatlanten griff, in denen Kurzüberblicke über Sprachen gegeben wurden. Es ist zwar schön, so etwas im Bücherregal zu haben, da diese Werke in der Regel systematisch aufgebaut sind, aber das Netz bietet wie so oft vielfältigere Informationen:

      Bei der Wikipedia kann man teils auf erstaunliche Listen treffen, wenn sie auch oft unvollständig sind:



      Professionellere Seiten

      Kommen wir zu einigen professionelleren Seiten aus dem Netz:

      • Die UNESCO bietet einen Atlas bedrohter Sprachen: unesco.org/languages-atlas/
      • Der Ethnologue listet über 7000 Sprachen auf und bietet grundlegende Informationen und bietet Links zu den Einträgen in den Open Language Archives. Die Anzahl der kostenlos einsehbaren Seiten ist allerdings beschränkt. sil.org/
      • Die Nutzung der eben erwähnten Seite der Open Language Archives Community (OLAC) ist hingegen frei: language-archives.org/
      • Der World Atlas of Language Structures (WALS) aus Leipzig sollte ebenfalls frei nutzbar sein: wals.info/


      Anregung zum Googeln

      Natürlich gibt es auch richtig toll zu verbastelnde Sprachen. Und überhaupt Seitem zu einzelnen Sprachen. Ich nenne hier nur als Beleg, da ich nicht alle Sprachen berücksichtigen kann:

      • Die durchaus selbstironische Seite etruskisch.de/ . Dort wird das gedeutete Vokabular des Etruskischen vorgestellt und eine Übersicht zur Grammatik gegeben. Wer sich über die Sprache der Wahrsager schlechthin informieren will, die zum Schluß nur noch zu diesem Zweck gelehrt worden sein soll, der kann natürlich auch noch auf anderen Seiten schauen, wie hier einige verlinkt sind: de.wikipedia.org/wiki/Etruskische_Sprache#Weblinks . Das Netz bietet eben jeder Wissenschaft ihre Nische. Da die meisten etruskischen Inschriften aus Gräbern stammen, wäre hier die Sprache eines Volkes gut anlehnbar, das nur in seinen Gräbern erhalten ist, wenn nicht gleich das Etruskische für so einen Zweck übernommen wird. Da es sich um eine isolierte Sprache mit starken Einsprengseln bekannter Sprachen handelt, ist eine Mischung von Fremdem und von Dingen, die einem bekannt vorkommen, garantiert. Genaugenommen wird mittlerweile eine Verwandtschaft mit dem Lemnischen und Rätischen vermutet, aber das ändert nichts am hier im Focus stehenden Aspekt.
      • Links zum Sumerischen (auch mit einem Wörterbuch, wie es, wie ich mich zu erinnern meine, mal im Forum gesucht war): de.wikipedia.org/wiki/Sumerische_Sprache#Weblinks
      Es dürfte sich also lohnen zu googeln.



      Der Höhepunkt der Links ist natürlich die angefangene und nie vollendete Weltenbastler-Anleitung zum Sprachenbasteln:


      efc-baum.de/MediaWiki/index.php?title=Hauptseite

      Das Wiki hat einen höheren Anspruch als das für Dezember angekündigte Sprachbastelprojekt. Während ich das Konzept eines leichten Einstiegs für Anfänger habe, wäre die weitere Bearbeitung des Wikis toll als weiterführende Lektüre für alle, die Blut geleckt haben. Wer es also genauer wissen will, kann dort schauen, wenn es dort zum Thema einen Artikel gibt.

      Es gibt natürlich zahllose weitere hilfreiche Links und ich hoffe, dass andere Bastler weitere davon Posten. Ich habe mich hier auf Seiten und Titel beschränkt, die Anregungen geben können und eher verständlich als wissenschaftlich gehalten sind. Zusätzliche Links nehme ich gerne auf.

      Abschließend noch ein Warnhinweis: Zum Basteln mögen dünne Sprachführer mehr Anregungen geben als 3bändige Lehrwerke.