Weltenbasteln als Umgang mit realer Komplexität

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    • Weltenbasteln als Umgang mit realer Komplexität

      Das wird jetzt vermutlich recht verkopft. ^^

      Wir lieben Geschichten. Wie interpretieren sie. Sie können uns Halt und Orientierung geben. Charaktere können Identifikation, Vorbild, Feindbild, etc. sein. In kurz: Geschichten und allgemein narrative Medien sind nützlich.
      Ich behaupte, dass wir die Welt zu einem großen Teil durch Geschichten verstehen, die Welt jedoch nicht narrativ funktioniert.
      In der heutigen Zeit ist die Komplexität unserer Welt überall und ständig spürbar. Und wir haben Myriaden an Geschichten, die wir uns erzählen. Doch ich behaupte, dass dieses Werkzeug unzureichend (geworden) ist, um mit der Welt fertig zu werden.
      Daher frage ich: Sollte das Weltenbasteln nicht ein Mittel sein sich der Komplexität unserer Welt auszusetzen, sie zu verarbeiten und besser zu verstehen? Sollte uns das Weltenbasteln Halt und Orientierung geben? Ist das möglich ohne auf Charaktere und Narrativen zurückzugreifen?

      Ich will versuchen zu diesem Zweck Welten zu basteln. Doch wie geht das? Wie geht man da heran? Wie muss man denken? Was muss man lernen? Was muss man verlernen?
      Und natürlich: Haltet ihr das Ganze überhaupt für sinnvoll?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tö. ()

    • Den Anspruch, die Welt zu verstehen, hab ich ehrlich gesagt weitgehend aufgegeben.^^

      Allerdings ist das Basteln für mich eine der besten Methoden, mich selbst und meinen Platz in der Welt zu verstehen (und teilweise auch zu konstruieren)

      Viel habe ich dazu sonst nicht zu sagen, fürchte ich. Es ist halt wirklich abstrakt. Vielleicht fällt mir später mehr ein.
      Nights are deep when days are long. / / / Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
    • @Jerron
      Ich spreche von der Realität. Von der Welt in der wir alle leben.
      Es geht mir auch weniger darum die Welt zu verstehen, als sich mehr und bewusster mit Komplexität auseinanderzusetzten und in der Komplexität Halt zu finden, ohne sie zu simplifizieren.

      Edit: Ich habe den Threadtitel geändert, um mich weniger missverständlich auszudrücken.
    • *Hausarbeit hervorkram*

      Erstmal Zustimmung, dass Realitätsverständnis und -vermittlung über Narrative stattfindet. Ich glaube auch nicht, dass wir irgendeinen anderen Zugang zur Welt um uns herum haben (da muss ich auch auch länger drüber nachdenken ob das so stimmt, ich glaub in der Meditation versucht man da auszubrechen und die Sinne ohne Hirnfilter zu gebrauchen, sodass man den Impulsen nicht nachgeben muss und sich in den Hunger/Dursttod meditieren kann). Aber selbst physikalische Versuchsanordnungen mit dem Ziel die Welt zu verstehen gehen über die Sprache der Mathematik an ihre Probleme heran. Jetzt habe ich den Begriff des Narrativs aber so sehr ausgedehnt, dass ich "Ist [unsere Welt besser zu verstehen] möglich ohne auf [..] Narrativen zurückzugreifen?" mit Nein beantworte.

      Zuletzt ein bisschen bekannter geworden ist hier auch der Begriff des "Framings", mit dem eben jede mögliche Wortwahl auch nur eine Perspektive darstellt (Steuerlast vs. Steuerverantwortung). Durch Realitätsvermittlung findet also auch immer Realitätsgestaltung statt. Seien das jetzt politische Reden oder Werbetreibende, die damit Stimmungen vermitteln und ggf. Verhalten beeinflussen.

      Was du nun anstrebst wird meiner Ansicht nach, ggf. kleiner dimensioniert als du dir das nun vornimmst, auch schon weitläufig als fiktives Beispiel praktiziert. Wenn man jetzt im edutainment ein Video über Solarsysteme anschaut, werden dort auch zur Erklärung von Einflüssen von Sternen und Trabanten "gegeben sei dieses System mit diesen Maßen"-Beispiele gebraucht. Hier wird auch ein fiktionales Verhältnis, also eine Welt, aufgezogen anhand der wir die abstrakten Regeln lernen sollen. Solche Welten werden aber beliebig aufgezogen und verworfen, sobald die Erklärung anhand dieser eben abgeschlossen ist. Sie sind auch recht kompakt indem sie eben nicht mehr Inhalt besitzen als für das Beispiel benötigt wird. Nennen wir sie mal Mini-Welten. Ich weiß nicht, ob dir solche für deine Zwecke ausreichen, oder du aber "richtige" größere Welten konstruieren möchtest, die sich eben auch durch ihren Umfang stabilisieren/immersiv werden oder irgendwie sowas, indem eben hintergründig auch viel los ist.

      Deine Tendenz die Geschichte als nicht mehr unzureichend zu empfinden erinnert mich auch an einen Absatz in "Building Imaginary Worlds" von Wolf. Eine Stufe über den einfachen Geschichten stehen bei ihm die Charaktere, die eben mehrere Geschichten erleben können (griech. Helden, Indiana Jones). Und noch eine Stufe darüber kam die Welt, in der mehrere Charaktere mehrere Geschichten erleben können. Also "transnarrativ" wird dann das DC-Universum oder sowas aufgezogen.

      Woran ich bei deinem Satz zur spürbaren Komplexität der heutigen Zeit denken musste, war eine Bewertung von Markus Plötz: Mit Trump und so gibt es nun eine gefühlte Unsicherheit und Schwierigkeiten in der moralischen Bewertung der Ereignisse.
      In Reaktion darauf können Fiktionen vereinfachend klare Zuordnungen in gut und böse präsentieren, oder aber wie Witcher oder GoT moralische Uneindeutigkeiten thematisieren. Hier wird moralische Komplexität also auch schon erforscht und trifft den Nerv der Zeit.

      Die letzte Frage, die sich mir hier noch stellt, ist welche Komplexität du erkannt hast und framen möchtest. Noch eine tolkiensche Erkenntnis dazu, wie man es nicht machen sollte, ist aber dass das Mittel der Parabel vermieden werden soll, weil die als sehr belehrend wahrgenommen wird. Ich erinnere mich da an ein paar grausige Texte, die irgendwie im Massenmenschhaltungs-Stall beginnen, um dann durch Rollenvertauschung auf Tierrechte aufmerksam machen zu wollen. Wenn der kommende Plot-Twist in der Veganer-Propaganda im dritten Satz deutlich wird ist das auch weniger gewitzt als es sein möchte.. X_X

      Naja, so viel zu meinem Gebrabel.. ich hoffe das trifft das Thema zumindest großteils :P
      > Möchte in Fantasy-Ausrichtung an den Erfolg von Scientology anknüpfen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Eru ()

    • Ich sehe Weltenbasteln auch eher als eine Möglichkeit, Geschichten und Charaktere zu ordnen und zu verknüpfen.
      Wie Eru beschrieben hat, sind wir mit einer Vielzahl von Wahrnehmungen und Informationen konfrontiert werden, die wir mit Narrativen versuchen zu verstehen. Dass das allein nicht (mehr) ausreicht, liegt vermutlich daran, dass es auch viele verschiedene Erklärungsmuster dieser Art gibt.
      Welten als übergeordnete Struktur können da für eine bessere Übersicht sorgen, indem sie Zusammenhänge verdeutlichen oder Widersprüche aufdecken. Eine gewisse Abstraktion kann hier dazu einladen, über verschiedene Erklärungsmodelle nachzudenken.
      Sie kann aber auch dazu verleiten, bekannte Narrative einzufügen, die eventuell der Komplexität einer Thematik nicht gerecht werden. Oft steckt sogar in der Abstraktion selbst die implizite Annahme, dass ein gewisses Modell universell gültig ist.

      Insgesamt bevorzuge ich es, wenn es in einer konstruierten Welt zumindest eine klare Meta-Narration gibt, in der allerdings gezielt Dinge nur angedeutet sind oder Interpretationsspielräume bieten. Auf dieser Ebene unabhängig von konkreten, expliziten Charakteren und Geschichten zu arbeiten, kann hilfreich sein, interessante Konzepte zu finden, aber für mich ist die erzählerische Ebene immer noch wichtig, um diese Konzepte in eine konkretere, verständlichere Form zu bringen, in der man sie genauer erkunden kann.

      Zum Thema Parabeln: Für mich wirken sie gerade dann als unnötig belehrend, wenn sie für sich allein stehen und es dadurch nur einen oder wenige Verknüpfungspunkte zu nachvollziehbaren Erfahrungen gibt. Ohne zusätzliche Verbindungen verliert die "Welt" an Glaubwürdigkeit, weil ihre konstruierte Natur offensichtlich wird.
      Hier kann auf einer narrativen Ebene für eine zusätzliche Kohärenz zwischen Realität und Fiktion gesorgt werden. Je besser das gelingt, desto glaubwürdiger werden auch die übergreifenden Konzepte.
      "Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen."
      - Douglas Adams, "Das Restaurant am Ende des Universums"

    • Vorzuschreiben, was Weltenbasteln ist führt uns nicht weiter. Das ist Denken des Wilhelminischen oder Viktorianischen Zeitalters. Weltenbau dient vielen Zwecken. Genauso berechtigt könnte gefordert werden, dass der Unterschied im Vordergrund stehen sollte. Ich habe nicht die Zeit dies weiter auszuführen, aber wenn ich sage, dass es nicht gut sein kann, einfach nach eigenem Geschmack, eigener Willkür und eigenem Weltbild -letztlich also unbegründet- einen Aspekt herauszugreifen und ihn zum alleinigen Zweck des Weltenbaus zu erklären, sollte das Gemeinte verständlich sein.

      Den Weltenbau als "ein Mittel" zu betrachten widerspricht auch den gut begründeten Gedanken des Konfuzius** zum Thema Werkzeug und damit auch der Goldenen Regel, mit der ob der Form jene Gedanken oft verwechselt werden. Dies heißt in der Konsequenz, dass ein Ausdrucksmittel nicht nur in einer Funktion und einem Sinn genutzt werden darf. Eine Gewichtung, die Hervorhebung eines Zwecks, ist natürlich unberührt davon. Aber jede Hervorhebung ist gleichberechtigt.

      Die Forderung eine gebastelte Welt immer als Modell der Wirklichkeit aufzufassen, führt zudem ganz konkret zu kolonialistisch-utilitaristisch-imperialistischem Denken wie in der genannten Zeit zurück, da hierdurch eine Weltsicht vorgegeben wird, der gefolgt werden soll, nur weil es nicht als möglich erscheint verschiedene Funktionen und Zwecke gleichberechtigt oder auch nur gewichtet nebeneinander bestehen zu lassen. Etwas anderes wäre zu sagen, dass es eine Funktion des Weltenbaus ist, unserer Welt den Spiegel vorzuhalten und diese Funktion einem selbst besonders wichtig ist. Dies ist ja - ausdrücklich schon bei Goethe und in unserer Zeit ebenso ausdrücklich etwa bei Terry Pratchett- schon lange literarisch geworden, wenn es um fantastische Literatur geht. Es kann sogar gesagt werden, dass es mit der Menschbezogenheit der Götter bei Homer am Beginn der abendländischen Literatur steht. Doch muss dieser Aspekt eben auch immer wieder anderen Ansichten weichen können. Und zwar nicht nur, wenn wir uns entwickeln oder andere nicht ausschließen, nicht stigmatisieren und nicht diskriminieren wollen. Denn im Gegensatz zu früheren Zeiten stehen Unterhaltung und Wissensgewinn gleichberechtigt neben Erziehung und Vermittlung eines Weltbildes. Ja, die Erkenntnis über die Kunstform selbst, gilt als wichtiger. Und auch der Ausdruck von Kreativität an sich wird -etwa bei Grass- durchaus als berechtigter Zweck einer Kunstform gesehen.

      Denn der Weltenbau muss mit Aristoteles als Kunst gesehen werden, da letztlich der natürlichen Welt entgegensteht, auch wenn er ihn als Kunstform noch nicht kannte. Es handelt sich um eine gemischte Kunstform, die ihren Ausdruck nicht nur in der Literatur findet, sondern auch in Bildern, Musik und was heute noch aufgezählt werden müsste. Und daher sind eben die Regeln der Kunst auch auf den Weltenbau anzuwenden. Insofern stellt sich dann auch die Frage, ob und in wie weit Weltenbau als Modell betrieben werden kann. Da aber das wissenschaftliche Modell an sich ja schon seit seiner Erfindung durch Aristoteles stets in der Diskussion ist und seine Abgrenzung nicht so klar, wie es uns in der Schule präsentiert wird, würde ich hier keine starre Grenze ziehen wollen, wie ja auch die Grenze zwischen Sachtext und Fantasy beim Weltenbau oft verschwindet.***

      * Hier muss ich Jundurg recht geben, dass unsere liebevollere Bezeichnung dieser Tätigkeit bei allgemeineren Betrachtungen unangemessen ist und eine inhaltliche oder den Zweck ausdrückende Trennung von Weltenbau und Weltenbasteln suggeriert.
      ** Auch wenn es eine unterhaltsame und leicht erscheinende Lektüre ist, empfehle ich die Analecta nicht ohne Kommentar oder Einführung zu lesen. Hubert Schleichert, Klassische chinesische Philosophie - Eine Einführung, 2. vollkommen neu bearbeitete Auflage, Frankfurt a.M. 1990 mag als allgemeinere Einführung schon reichen. Die Welt der Konfuzius ist uns einfach zu fremd, als dass er -auch in Übersetzung und trotz aller Bildhaftigkeit- unmittelbar zu verstehen wäre.
      *** Auch an Gegensätze rein innerhalb der Kunst wie die zwischen Kunstformen mag gedacht werden, auch wenn mir gerade nur Literarisches einfällt. Als Beispiel für die Überwindung von Grenzen bei literarischen Kunstformen mag hier Baudolino von Umberto Ecco gelten und ebenso mögen es die zahlreichen Verbindungen zwischen den von Stephen King ersonnenen Welten.

      PS: Ich werde den Text später nochmal überarbeiten, an einigen Stellen gefällt er mir noch nicht. Doch stehe ich gerade unter Zeitdruck.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Riothamus ()

    • Riothamus schrieb:

      Vorzuschreiben, was Weltenbasteln ist führt uns nicht weiter.
      Ich glaube nicht, dass das hier jemand machen möchte. Es geht hier doch darum, einen Aspekt zu betrachten. Ich verstehe den Sinn deines Postings nicht, und glaube, du redest eher am Thema des Threads vorbei, aber...

      Ich werde jetzt nicht Konfuzius, Goethe, Homer, Aristoteles, Grass und Eco lesen, nur um herauszufinden, was du hier eigentlich sagen willst. %-)

      Der Weltenbau als Mittel für etwas widerspricht der Goldenen Regel? Ähhhh??
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    • Ich glaube, eine Welt dafür zu benutzen um komplexe reale Dinge zu erklären, ist schon möglich, aber ich finde, dass Weltenbasteln als Hobby da eher was bringt. Also jemand der aktiv bastelt lernt eher etwas als jemand der sich nur mit gebastelten Welten auseinandersetzt. Und Jundurg muss ich auch irgendwie recht geben. Ich weiß nicht ob Weltenbasteln jetzt so eine Wissenschaft ist dass man dafür erstmal alle Philosophen studieren muss.^^
    • Ehrlich gesagt stelle ich die Prämisse, dass die heutige Welt komplexer geworden sein soll, eher in Frage. Im Vergleich zu wann und wozu eigentlich? Ehrlich gesagt war ich auch vor Trump nie der Meinung, dass die USA die uneingeschränkt Guten sind. Daneben gibt es auch durchaus Argumente gegen die Vorstellung, dass sich die Welt aktuell tatsächlich "verschlechtert" (hat). Ich glaube sogar eher, dass Trump gerade gegenüber Deutschland und Europa eben direkt ausspricht, was andere vor ihm auch schon gedacht haben, aber das ist jetzt wirklich off-topic. ;)
      Fakt ist jedenfalls, dass wir durch die modernen Medien und einfachen Reisemöglichkeiten heute viel mehr mit der Komplexität der Welt und den Problemen in ihren verschiedensten Winkeln konfrontiert werden. Dabei wird auch oft von uns Erwartung, Position zu beziehen und uns verantwortlich zu fühlen, für Dinge auf die wir eigentlich keinerlei Einfluss haben. Wer dies zugibt, gilt dann aber wieder als gleichgültiger, in seiner Blase lebender Wohlstandsmensch...

      Ehrlich gesagt habe ich hier wie auch schon in einigen älteren Threads das Gefühl, dass manche Bastler dringend nach irgendeiner (sozial akzeptierten?) Art von höherer Legitimitation für das Weltenbasteln suchen.
      Die brauche ich für mich nicht. Mir reicht als Grund fürs Weltenbasteln und die Beschäftigung mit Fantasy allgemein die Tatsache, dass es eine Möglichkeit ist, meine Kreativität auszuleben und Themen, die mich in irgendeiner Form berührt haben, in einem etwas verfremdeten Kontext zu betrachten.
      Viele Nachrichten und Berichte über historische Ereignisse gehen durch ein Ohr rein und durchs andere raus, aber manches von dem, was man da zu hören bekommt, bleibt. irgendwo hängen und machen etwas mit einem und die landen dann bei mir in irgendeiner Form in Silaris. Zu diesen Themen gehören beispielsweise die Auswirkungen von Kriegen auf die Zivilbevölkerung insbesondere Frauen und Mädchen einschließlich sexualisierter Gewalt, Patriotismus und dessen positive und negativ Folgen für eine Gemeinschaft und eine Welt und soziale Ungleichheit, aber auch Aufstiegsmöglichkeiten und wie die Aufgestiegenen dann damit umgehen. Umweltschutz und Wirtschaftsethik sind auch ziemlich wichtig. Für all das brauche ich dann auch eine "moderne" Welt, die unserer relativ ähnlich ist.
      Dabei plane ich aber nicht vorher, dass ich diese Theman auf eine bestimmte Art darstellen möchte, um eine Botschaft zu verbreiten und ich muss zugeben, dass ich mich auch ganz gerne in Täterköpfe hineinversetze, was bei einem realen Setting wesentlich problematischer wäre. Ein moralisches Urteil fälle ich dabei meistens nicht, sondern überlasse das demjenigen, der über die Welt liest. Da sind der Kriegsvergewaltiger und der Chemiewaffenhersteller überzeugt davon, dass der jeweils andere unterster moralischer Abschaum ist und ich äußere mich nicht dazu, ob ich einen der beiden sympathischer finde, oder ob man sie nicht doch beide vor das lokale Kriegsverbrechertribunal stellen sollte. (Der Chemiewaffenhersteller ist Arunier und sein Land ist der Meinung, dass so etwas nur für die anderen gilt, Ähnlichkeiten mit realen Staaten rein zufällig ;) )
    • @Riothamus: Also ich denke auch nicht, dass es Tö hier wirklich darum geht, ihr neues Ziel oder Konzept beim Weltenbau zum besten oder "einzig wahren" Zweck zu erheben. Ich kann deine Reaktion aber gut nachvollziehen, weil einige Formulierungen durchaus so interpretiert werden können.
      Ich bin selbst jedes mal ein wenig frustriert darüber, wenn ich den Eindruck bekomme, ich müsste mit meinen Basteleien entweder irgendwelche "höheren Erkenntnisse produzieren oder sie in die Schublade belangloser Unterhaltung stecken.

      Was meinen vorherigen Post angeht, ist dieser auch weniger präskriptiv gemeint, als ich es vielleicht formuliert habe. Letztlich beschreibe ich eine Herangehensweise, die ich für mich persönlich für effektiv halte, auch wenn ich das nicht ständig mit Varianten von "meiner Meinung nach" und "damit es für mich funktioniert" qualifiziere.

      @Amanita: Ich schätze, mein Ansatz ist deinem insgesamt recht ähnlich. Zu allem einen bestimmten Standpunkt vertreten müssen, besonders weil er gerade "politisch korrekt" ist, möchte ich auch nicht. Allerdings würde ich pauschale Vorwürfe, einen Standpunkt nur deswegen zu vertreten, ebenfalls als einschränkend empfinden, wenn ich es doch tue. Aber das führt jetzt langsam von eigentlichen Thema weg.
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      - Douglas Adams, "Das Restaurant am Ende des Universums"

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von PolliMatrix ()

    • Tö. schrieb:

      Das wird jetzt vermutlich recht verkopft. ^^

      Wir lieben Geschichten. Wie interpretieren sie. Sie können uns Halt und Orientierung geben. Charaktere können Identifikation, Vorbild, Feindbild, etc. sein. In kurz: Geschichten und allgemein narrative Medien sind nützlich.
      Ich behaupte, dass wir die Welt zu einem großen Teil durch Geschichten verstehen, die Welt jedoch nicht narrativ funktioniert.
      In der heutigen Zeit ist die Komplexität unserer Welt überall und ständig spürbar. Und wir haben Myriaden an Geschichten, die wir uns erzählen. Doch ich behaupte, dass dieses Werkzeug unzureichend (geworden) ist, um mit der Welt fertig zu werden.
      Daher frage ich: Sollte das Weltenbasteln nicht ein Mittel sein sich der Komplexität unserer Welt auszusetzen, sie zu verarbeiten und besser zu verstehen? Sollte uns das Weltenbasteln Halt und Orientierung geben? Ist das möglich ohne auf Charaktere und Narrativen zurückzugreifen?

      Ich will versuchen zu diesem Zweck Welten zu basteln. Doch wie geht das? Wie geht man da heran? Wie muss man denken? Was muss man lernen? Was muss man verlernen?
      Und natürlich: Haltet ihr das Ganze überhaupt für sinnvoll?

      *shameful disclaimer* *Die anderen langen Beiträge nicht gelesen habe*

      Um auf deine Fragen einzugehen: Warum sollte ausgerechnet Weltenbasteln ein Mittel sein, sich der Komplexität zu stellen? Und warum sollte das sinnvoll sein (müssen)?

      Nur für mich sprechend:
      Ich finde es unmöglich, ohne Charaktere und Narrative zu arbeiten. Analogie zum Fernsehen: Selbst Naturdokus haben Erzählerstimmen und Tiere als Protagonisten, Landschaften als sinnstiftende Erzählzusammenhänge etc.
      Freilich kann man sich fragen, was und wer alles als Charakter taugen kann. Aus gesellschaftlicher Sicht heißt es halt, umso ungewohnter die Wahl der Charaktere ist, umso weniger Leute werden davon angesprochen. Aus individueller Bastlersicht ist das vollkommen egal und muss folglich nicht beachtet werden. Möchte man etwas veröffentlichen, ist es allerdings relevant und man muss sich eine Position dazu überlegen.

      Um mit der Welt/Realität klarzukommen, finde ich persönlich das Bündel an Wissenschaften hilfreich, um Verstehen zu erlangen.
      Um mich in der Welt zu orientieren und Dinge sortieren/bewerten zu können, finde ich Wertvorstellungen/Menschenbilder hilfreich.
      Um mich in der Welt auszudrücken, finde ich das Weltenbasteln und dabei verwendete Medien/Künste hilfreich.

      Wissenschaft und Weltenbau sind für mich die deskriptie und die produktive Seite der Medaille. Inwiefern durch ein "sollen" da ein ethischer Anspruch reingebracht werden darf/kann/soll, erschließt sich mir nicht. ???

      Eine neugierige Frage: Wie kommst du zu dem Eindruck, dass Narrative unzureichend sind, um mit der Welt fertig zu werden? (was heißt "fertig werden"?)
      Weil Inspiration von oben kommt und Arbeit von unten.
      -Elk (20.10.18, 23:02)



      Plan. Act. Reflect. Repeat 'til finish.
    • Für mich ist Weltenbasteln eine Möglichkeit, meine Gedanken und Empfindungen über die Welt und die Natur des Menschen auszudrücken. Die Elben des Elbenpfades beispielsweise sind konzipiert als eine Kultur, die auf meiner persönlichen Philosophie basiert. Im Projekt "Globaler Frühling" befasse ich mich mit Möglichkeiten, eine friedlichere, freiere, sozial gerechtere und umweltfreundlichere Lebensweise zu erreichen.
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    • Ich finde, dass man das Weltenbauen für solche Zwecke verwenden kann.

      Ich denke, man hat so ziemlich alles erzählt, und wenn man nicht gerade das Rad neu erfindet, muss man sehen, inwiefern man stattdessen seinen Fokus auf etwas Anderes legen kann.
      Da ist das Weltenbauen sehr sinnvoll und nützlich.

      Ich schätze aber auch, dass die Literatur und die Unterhaltungstechnik sich dahin bewegen wird, dass die Interaktivität immer weiter steigern wird. Auch mit dem Aufstieg von KI wird eine solche Entwicklung deutlich einfacher, aber auch die Interaktionsmöglichkeiten extrem komplexer.
      Vielleicht wären die Menschen irgendwann in der Lage, in Simulationen ihren Gelüsten nachzugehen oder dort vollständige Geschichten zu erleben.
      Aber das wäre wieder SF ;)

      Aber ja, das Weltenbauen kann durchaus nützlich sein, um die Welt besser zu verstehen.
      Ich mache das selbst, um mich in etwas zu fliehen, also etwas Eskapismus, aber auch, um eine neue Perspektive zu schaffen
      Ich denke, ein gewisser Aspekt des Weltenbauens ist die Vision
      Die Vision von einer Wunschwelt, in der man seine Zeit verbringen möchte
      oder in der man ganz leben will, wie es bei mir der Fall ist ...
    • WeepingElf schrieb:

      Im Projekt "Globaler Frühling" befasse ich mich mit Möglichkeiten, eine friedlichere, freiere, sozial gerechtere und umweltfreundlichere Lebensweise zu erreichen.
      Ich weiß, bisschen off-topic, aber ich wollte doch gerne mal sagen, dass ich es sehr erfreulich finde, wenn neben den ganzen Dystopien auch mal jemand eine positive Zukunftsvision bastelt.
      Dieses ewige Negativdenken, gerade bei Menschen, denen es eigentlich zumindest materiell sehr gut geht, ist etwas, was mich ein bisschen befremdet und das, obwohl ich mich tendenziell auch eher als Pessimist betrachten würde. Ehrlich gesagt konsumiere ich aber auch keine Dystopien, auch wenn ich bei einer für mich besonders interessanten Prämisse eine Ausnahme machen würde. ;)
    • Genau so ist es. Es gibt viel zu viele Dystopien, von denen die meisten noch nicht mal auf wirklichen Problemen wie der Klimakrise aufsetzen, sondern sich um Alien-Invasionen, Zombieseuchen oder sonstigen apokalyptischen Quas drehen; und wenn es doch mal um ein wirkliches Problem geht, wird das völlig unrealistisch dargestellt, mit Auswirkungen, die mit dem real zu Befürchtendem wenig bis gar nichts zu tun haben. Ideen, wie wir die Dinge in den Griff bekommen können, gibt es zuhauf, nur schlummern sie in Sachbüchern und wissenschaftlichen Arbeiten, die anscheinend kaum jemand liest außer den Autoren weiterer gleichartiger Sachbücher und wissenschaftlicher Arbeiten, vor sich hin, und es gibt so gut wie keine Bücher, Filme, Spiele etc., die diese Lösungswege in Form spannender Geschichten darstellen - ich kenne jedenfalls keine, also schreibe ich sie (die Bücher bzw. Stories; Filme und Computerspiele liegen jenseits meiner Möglichkeiten, bei P&P-Rollenspielen sieht es da schon anders aus) selbst!
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