Sprachenbastel-Workshop Teil 1

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Sprachenbastel-Workshop Teil 1

      So, das Sprachbastelprojekt startet endlich.

      Ich hoffe, dass die mitmachen, die es angekündigt haben und auch einige erfahrene Spracherfinder ihre Erfahrungen in Gestalt von Tipps, Anregungen etc. dazugeben. Zweifellos gibt es auch Raum für Korrekturen, doch bitte ich zu bedenken, dass viele Sachen hier sehr vereinfacht sein sollen, um niemanden abzuschrecken. Und Vereinfachungen bedingen nun einmal Fehler, wenn das zu vereinfachende Thema komplex genug ist.

      Nachdem ich schon einiges hier (Sprachenthemen kurz betrachtet) gepostet habe, will ich keine große Vorrede schreiben. Doch eine Sache muss ich noch erwähnen.

      Wenn aus diesem Projekt ein Tutorial entstehen soll, dann brauche ich Rückmeldung. Und auch das Projekt selbst hat seinen Sinn ja in der Beteiligung. Daher bitte ich, zu eurem Basteln zu posten. Ihr müsst ja nicht unbedingt das gebastelte gleich veröffentlichen, wenn ihr nicht wollt, aber zumindest Fragen und Anregungen wären nett. Zwar habe ich es übernommen, Hinweise zu den Einzelnen Schritten zu posten, aber ich muss ja nicht immer das richtige oder einfachste treffen.

      Da nun nicht jeder seine Versuche öffentlich machen will, wird -voraussichtlich morgen- auch eine Konversation mit den Teilnehmern des Projekts als Konversationsteilnehmer eröffnet. Zunächst werde ich diejenigen aufnehmen, die schon Interesse bekundet haben. Wer sonst noch mitmachen will, möge sich melden und er oder sie wird hinzugefügt.

      Es wurde auch angeregt, eine Weltenbastler-Lingua-Franca zu entwerfen. Daher werde ich in den nächsten Tagen auch hierzu einen Thread eröffnen.

      Ich werde versuchen, die Posts kurz zu halten und dafür Doppelposts in Kauf nehmen, da es angenehmer zu lesen ist. Daher folgt der eigentliche Beginn im nächsten Post.
    • 1- Laute

      Es wurde gewünscht, dass ich mich auf die nötigsten Fachbegriffe beschränke. Daher werden die, die ich zwar als nützlich aber nicht notwendig für den Einstieg ins Sprachenbasteln erachte in Spoilern erwähnen. Ebenso ergeht es weiterführenden Informationen und den ebenfalls gewünschten Erläuterungen zu einem Ordnungssystem. Um Spoiler auch zu anderen Zwecken nutzen zu können, ist im Titel ergänzt, wenn es sich um Weiterführendes (", falls es interessiert") oder Ordnungsinformationen ("Ordnung") handelt. Das WB-Sprachtutorial werde ich nicht immer erwähnen. Ich gehe davon aus, dass ihr über diese Möglichkeit jetzt informiert seid.

      Als erstes ist zu fragen, woraus denn eine Sprache besteht. Da kommt man dann in der Regel schnell über Wörter und Silben zu Lauten. Doch ist das nicht ganz korrekt. Denn eine Sprache besteht nicht aus irgendwelchen Lauten, sondern aus Lauten, die bedeutungsunterscheidend sind. In den beiden Wörtern "Turm" und "Wurm" ist leicht zu sehen, dass sie sich nur bei einem Laut unterscheiden. Allerdings trägt dieser Laut selbst keine Bedeutung. Der Name für solche Laute ist 'Phonem' und diese Laute sind es eigentlich, die wir brauchen. Allerdings kann ein und dasselbe Phonem aus verschiedenen Lauten bestehen, indem es mal so und mal so ausgesprochen wird, wie das 'ch' in 'Dach' und 'Dächer'. (Mit dem Unterschied 'a' und 'ä' beschäftigen wir uns ein anderes Mal.)

      Ein paar Begriffe mehr, falls es interessiert:


      Ein 'Phon' (von altgriechisch Phon, dt.: Stimme, Klang, Laut, Ton) ist in der Linguistik - vereinfacht gesagt - ein Laut: de.wikipedia.org/wiki/Phon_(Linguistik)

      Eine ähnliche Unterscheidung gibt es in der Schrift:
      - de.wikipedia.org/wiki/Graph_(Linguistik)
      - de.wikipedia.org/wiki/Graphem

      Die 'Phonetik' untersucht die Bildung und Akustik von Lauten. Sie beschäftigt sich also mit den "physikalischen, neurologischen und physiologischen Aspekten" der Laute: de.wikipedia.org/wiki/Phonetik

      Die 'Phonologie' beschäftigt sich hingegen mit der Funktion von Lauten in der Sprache. de.wikipedia.org/wiki/Phonologie

      Um herauszufinden, welche Phoneme es in einer Sprache gibt, nutzt man die 'Minimalpaarbildung'. Wir haben das schon bei 'Turm' und 'Wurm' gesehen. Auch 'Kind' und 'Rind' wäre ein Beispiel. So können die minimalsten lautlichen Unterschiede, die eine Bedeutungsänderung bewirken herausgefunden werden. (de.wikipedia.org/wiki/Minimalpaar)

      Hier ist auch der Grund gut zu sehen, warum so ähnliche Wörter wie 'Turm' und 'Wurm' nicht verwandt sind. Laien vermuten in solchen Ähnlichkeiten mitunter eine Wortverwandtschaft, die meist nicht gegeben ist. So wurde der Name 'Colonia (Ulpia) Traiana' für die römische Stadt bei Xanten in Spätantike und Frühmittelalter als Ableitung von 'Colonia Troiana' verstanden, also statt einer Pflanzstadt Kaiser Trajans eine Pflanzstadt der Stadt Troja gesehen, was dann auf Xanten (und auch die dort lebenden Franken) übertragen wurde. Und so haben Siegfried von Xanten und Hagen von Tronje im Grunde dieselbe Herkunft. Im Mittelalter war damit klar, dass die beiden parallele Gestalten, wenn nicht Brüder sind. Den Troja-Mythos haben die Bürger der Stadt in der Antike sogar selbst in die Welt gesetzt, da Rom auch als eine trojanische Gründung galt und sie sich daher eine bevorzugte Behandlung ausrechneten. Und aufgrund u.a. dieser Legende wird den Franken seit ein paar Jahren von einigen Autoren mal wieder eine Herkunft aus Osteuropa zugeschrieben. Doch zumindest an dieser Stelle können wir das widerlegen. Da sich seit der Antike bis zum Mittelalter das 'a' nicht in 'o' veränderte und das 'o' nicht in 'a', hat 'Traiana' trotz aller sonstigen Ähnlichkeit nichts mit 'Troiana' zu tun. Es sind zwei Wörter mit unterschiedlicher Herkunft.


      Woher bekommen wir nun Laute für eine Sprache?

      Da haben wir Glück. Die Wissenschaft hat vorgearbeitet. Und zwar so gut, dass wir uns hier nicht mit ihrer Erklärung, Entstehung und der Terminologie, den Fachaudrücken abmühen müssen: Sie hat das "Internationale Phonetische Alphabet" (IPA) entwickelt. Darin wurden alle relevanten Laute erfasst und ihnen ein Zeichen zugeteilt, da ja die traditionellen Alphabete nicht eindeutig sind. Daher spricht man bei den IPA-Zeichen auch von Lautschrift, da sie tatsächlich so gesprochen wie geschrieben wird. Für die irdischen Laute haben wir also Zeichen, um sie zu schreiben. Und diese Zeichen sind auch im Unicodes-Zeichensatz enthalten.

      Mehr zu Lauten, falls es interessiert:

      Da wurde ja einiges neulich in einem Post erklärt: weltenbastler.net/BB4/upload/i…?postID=351974#post351974
      Und Wikipedia hat die Hintergründe zum IPA: de.wikipedia.org/wiki/Internationales_Phonetisches_Alphabet

      Und es gibt natürlich noch das WB-Sprachtutorial: efc-baum.de/MediaWiki/index.php?title=Hauptseite


      Und warum ist es nicht so wichtig, erst einmal zu lernen, wie die Laute gebildet werden?

      Ganz einfach: Tante Wikipedia hat eine Liste der IPA-Zeichen erstellt und Beispiele, Audiodateien und Erklärungen hinzugefügt:
      de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_IPA-Zeichen

      So wünschenswert es nun erscheinen mag, zu wissen, wie Laute im Mundraum gebildet werden, so wenig ist es doch erst einmal notwendig, um eine Sprache zu entwerfen. Denn wir können uns ja einfach bei den IPA-Zeichen bedienen.

      Nun gibt es da aber ein paar kleine Einschränkungen, die mit der Praktikabilität und mit der Art dieses Projekts zu tun haben:

      • Die IPA-Zeichen repräsentieren keinen konkreten Laut. Sie stehen vielmehr für eine ganze Reihe von sehr ähnlichen Lauten. Denn wir bilden einen Laut nicht immer gleich. Genaugenommen hören wir eine ganze Reihe von Lauten als ein bestimmtes Phonem. Und erst, wenn die Abweichung zu groß wird, hören wir ein anderes Phonem. Und dies kann vom Sprecher der einen Sprache zum Sprecher der anderen Sprache hin etwas variieren. Das wird vom IPA nicht berücksichtigt. Für einen gebastelten Hintergrund kann es aber wichtig sein, dies zu wissen, wenn wir es auch bei der Erstellung einer "Anfängersprache" erst einmal außer acht lassen können. Hier kommt beim Weltenbau hinzu, dass es um ganz verschiedene Wesen gehen kann, denen eine Sprache gebastelt wird. Und andere Spezies mögen auch andere Laute haben.
      • Das bringt uns zum nächsten Punkt: Gebastelte Wesen stehen, wie gesagt, vielleicht Laute zur Verfügung, die wir nicht kennen. Auch da wird es besser sein, zu Beginn nicht zu übertreiben, zumal hier schnell der Punkt erreicht ist, wo eine Auseinandersetzung mit der Lautbildung erfolgen muss. Wer so etwas dennoch basteln will, sollte für uns aussprechbare Ersatzlaute bereithalten, die das Unaussprechliche als Ersatzaussprache sprechbar machen.
      • Laute, die wir nicht aussprechen können, obwohl es menschliche Laute sind, sind ein weiteres Problem. In den ersten Lebensjahren lernen wir das Inventar an Lauten, welches wir nutzen können. Dies später zu erweitern ist in der Regel nicht möglich. Und wo es geht, meist nur unter großen Schwierigkeiten. Und damit sind wir an dem Punkt, dass wir uns bei den Lauten einschränken müssen, um eine gebastelte Sprache auch lesen zu können. Ein Trick hierbei kann wieder sein, sich Laute oder Kombinationen von Lauten zu überlegen, die die problematischen Laute in der Aussprache ersetzen. Im Unterschied zu nichtmenschlichen Lauten ist dies hier natürlich einfacher.
      Für die Zwecke unseres Projekts dürfte es vernünftig sein, erst einmal mit einem überschaubaren Lautsystem zu beginnen. Gleich beim ersten Versuch alles kompliziert zu gestalten, ist ja sowieso meist keine gute Idee. Insbesondere ist es eine gute Idee, sich erst einmal auf Laute zu beschränken, die schon aus der Muttersprache oder einer bereits gelernten Fremdsprache bekannt sind. Laute, die darüber hinaus gehen, sollten erst einmal durch andere Laute oder Lautkombinationen ersetzt werden, wenn sie denn unbedingt benutzt werden sollen.

      Wieviele Laute gibt es nun so in einer Sprache? Falls es jemand interessiert.


      Im Einzelnen streiten sich da oft die Wissenschaftler, so dass es zu ein und derselben Sprache unterschiedliche Angaben geben kann. Im Folgenden ein paar Beispiele:

      • Rotokas (auf der Insel Bougainville): Mit 5 Vokale + 6 Konsonanten = 11 Lauten die Sprache mit den wenigsten Phonemen.
      • Nach anderen Zählungen hat Piraha nur 10 Phoneme.
      • Bzyp-Dialekt des Abchasischen: 2 Vokale + 67 Konsonanten = 69
      • Im Durchschnitt sind es 5 oder 6 Vokale und 22 Konsonanten.
      • Französisch: je nach Zählung 11-16 Vokale und 20-21 Konsonanten
      • Deutsch: um 15 Vokale und um 25 Konsonanten
      • Englisch: je nach Zählung 13-21 Vokale und 22-26 Konsonanten
      • Ubyx, ausgestorbene nordwestkaukasische Srache: 2 Vokale + 81 Konsonanten = 83
      • !Xóo (eine Khoisansprache): 31 Vokale + 77 Konsonanten = 108, was die obere Grenze ist. Nach anderen Angaben sind es hier 141 Phoneme.
      Etwas mehr zu einem realistischen Lautinventar ist im WB-Sprachtutorial nachzulesen: efc-baum.de/MediaWiki/index.ph…_Lautinventar_zusammen.3F



      Was der erste Arbeitsschritt ist, sollte klar sein: Der geneigte Bastler oder die geneigte Bastlerin möge sich aus der Liste der IPA-Zeichen bei Wikipedia die Laute für seine oder ihre Sprache suchen.

      Hinweis zur Schreibung: Es geht hier nicht um eine Schrift oder eine Schreibweise für die gebastelte Sprache. Es geht nur darum, die gewählten Laute zu bezeichnen. Also bitte keine Schrift entwerfen. Davon sind wir noch weit entfernt und für das Thema wäre ein eigenes Projekt angemessen. Lautschrift wird üblicherweise in eckige Klammern gesetzt, um sie als solche zu markieren. Das sollten auch wir tun. Nun sind die IPA-Zeichen teils nicht leicht mit der Tastatur zu erzeugen. Wenn es nicht mehr nur um die Laute geht, liegt es nahe, sich eine Schreibweise mit lateinischen Buchstaben zu überlegen. Aber auch eine eigene Schreibweise ist in diesem Projekt nicht so wichtig. Es kommt eher darauf an, dass die Diskussionsteilnehmer untereinander verstehen. Die individuell gewünschten Schreibweisen können ja genutzt werden, wenn es nicht mehr darauf ankommt, dass der Leser den genauen Laut trifft. Ob ein offenes [ɛ] nun einfacher als ä wie im Deutschen oder è wie im Französischen geschrieben wird, ist deshalb zunächst nicht unwichtig, weil niemand sich 10 unterschiedliche Laut-Buchstaben-Zuordnungen auf einmal merken kann. Um hier im Projekt damit umgehen zu können, brauchen wir also eine gemeinsame Schreibweise. Falls sich das nicht zwanglos ergibt, werde ich Vorschläge machen. Später kann dann natürlich jeder zu seiner bevorzugten Laut-Buchstaben-Zuordnung übergehen.

      Wer hier Inspiration braucht, sei auf den folgenden Spoiler verwiesen:

      Inspiration

      Wikipedia: Einzelsprachen-Kategorie (de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Einzelsprache) - Je nach Definition wird die Zahl der Sprachen auf der Erde anders angegeben. Über 2000 oder gar über 7000 kommen dabei durchaus vor. Und bei jeder gibt es Anregungen.


      Ordnungssystem

      Es wurde im Chat gewünscht, dass bei diesem Projekt immer auch Vorschläge für ein Ordnungssystem gemacht werden. Und bei dem Projekt ist die Übersicht in der Tat nur einzuhalten, wenn wir uns gleich um die Ordnung kümmern. Die Laute einer Kunstsprache sind vergleichsweise schnell beschrieben und festgehalten:

      Zumindest sollte mit dem bevorzugten Schreib- oder Tabellenverarbeitungsprogramm eine Datei angelegt werden. Ob für die Sprache ein Arbeitstitel oder schon der endgültige Name genommen werden kann, ist hier erst einmal egal. Es geht darum, die Laute ordentlich festzuhalten:
      • Form:
        IPA-Zeichen: Beschreibung, die der Bastler/ die Bastlerin selbst versteht
      • Beispiel:
        [e]: 'e' wie in Schnee, nur kurz
      Wer nicht immer die IPA-Zeichen tippen will, kann hier schon den Ersatz notieren und ebenso sollte bei unaussprechlichen Lauten die Ersatzaussprache notiert werden:
      • [ɛ] oder ersatzweise [è]: offenes 'e' wie in kess
      Wer will, kann auch für jeden Laut auch eine Karteikarte anlegen, und es so analog sichern oder sich auf die analoge Form beschränken. Ein Notizbuch oder Heft mit fester Bindung ist ungeeignet, weil es Änderungen geben kann, aber ein Schnellhefter oder Ähnliches kann auch Dienst tun. Wer will, kann es natürlich auch gleich in HTML gießen. Es sollte nur bedacht werden, dass im Laufe des Bastelns vielleich noch eine Änderung gewünscht wird. Auf jeden Fall sollte aber ein digitales Textformat oder ein Schnellhefter angelegt werden, um gleich beim Basteln eine übersichtliche und leicht pflegbare Grammatik zu erstellen.

      Wer es kann, kann auch eine akustische Aufnahme jeden Lauts einbinden, ob nun selbst aufgenommen, im Netz gefunden oder künstlich erzeugt. Damit dürfte, was Ordnung und Darstellung betrifft, bei den Lauten schon mehr erreicht sein, als das, worauf der durchschnittliche Bastler dabei abzielt.


      Hier könnte noch viel mehr erklärt werden. So kommen Laute, die leichter auszusprechen sind, häufiger in Sprachen vor. Beim irdischen Menschen kommen a, p, t, m und n in fast allen Sprachen vor. Das Schwa [ə] soll sogar in keiner Sprache fehlen. Da kann, wie schon gesagt, jeder selbst abseits des Weges, der hier vorgeschlagen wird, nach Inspiration suchen und seine Kenntnisse auch später erweitern. Sprache kann generell ein Leben lang studiert werden, ohne dass an ein Ende gelangt wird.

      Und nun seid ihr dran. Postet eure Laute, Fragen und Anmerkungen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Riothamus ()

    • Wenn man mit Lauten rumtesten will, ist dieses IPA-Text-to-Speech recht nützlich: itinerarium.github.io/phoneme-synthesis/
      Man kann die Seite auch runterladen und offline verwenden.
      Don't diagnose and drive.

      Dieser Bastler hat sich freiwillig dazu verpflichtet, ab sofort je Woche einen wertvollen Bastelpost mehr zu verfassen als bisher. Er möchte damit das Forum zu mehr Aktivität anregen. Hilf ihm und mach einfach mit!
    • Riothamus schrieb:

      Das Schwa [ə] soll sogar in keiner Sprache fehlen.
      Das hat mich dran erinnert, dass ich letztens gelesen hatte:

      Wikipedia schrieb:

      Anstelle der im bundesdeutschen Deutsch üblichen Schwa-Laute [ə] (für /-e/) und [ɐ] (für /-er/) tritt im österreichischen Deutsch üblicherweise ein kurzes [ɛ] bzw. ein kurzes [a] auf, also für <Mitte> ['mitɛ] statt ['mɪtʰə] und für <Winter> ['ʋinta] statt ['vɪntʰɐ].
      Wenn nicht an den Stellen, wo würde der Schwa denn noch auftreten?
      Don't diagnose and drive.

      Dieser Bastler hat sich freiwillig dazu verpflichtet, ab sofort je Woche einen wertvollen Bastelpost mehr zu verfassen als bisher. Er möchte damit das Forum zu mehr Aktivität anregen. Hilf ihm und mach einfach mit!
    • Das Programm kann noch nicht alles, habe ich leider festgestellt. Englisch geht gut, bei anderen Sprachen nicht ganz so.

      "Gelaufen" artikuliert der Österreicher typischerweise mit [ɛ]. "Verloren" übrigens mit [a]. Dort also auch kein Schwa.
      Don't diagnose and drive.

      Dieser Bastler hat sich freiwillig dazu verpflichtet, ab sofort je Woche einen wertvollen Bastelpost mehr zu verfassen als bisher. Er möchte damit das Forum zu mehr Aktivität anregen. Hilf ihm und mach einfach mit!
    • "Gelaufen" artikuliert der westfälische Hochdeutschsprecher mit [e], wenn er es bewusst spricht, um darauf zu achten, wie es gesprochen wird.

      Erst wenn der Sprachwissenschaftler hinterhältigerweise normale Sprache aufnimmt, stellt sich heraus, dass da ein Schwa gesprochen wird, statt, dass es deutlich, klar und richtig ausgesprochen wird, wie es früher sogar an der Schule hieß. (Ganz abgesehen von der Zeit, als jüdische Laute tunlichst vermieden werden sollten. Ich kannte und kenne so einige Leute, die in der Schule gelernt haben, dass das Schwa gänzlich ungermanisch sei und davon bis heute überzeugt sind. Ich kann mich gut daran erinnern, wie uns noch in den 80er im Gymnasium ein Vortrag gehalten wurde, dass das Schwa schon vor 45 in der deutschen Sprache vorkam. Unser Grundschullehrer -im 2. Weltkrieg bei der FlaK gedient- hatte das anders gesehen. Bei solchen Behauptungen wäre ich also per se etwas vorsichtig.)

      Wenn 'gelaufen' schnell ausgesprochen wird, spricht jeder notwendigerweise zwischen 'f' und 'n' ein Schwa, weil es beim direkten Übergang von selbst entsteht, wenn nicht der Luftstrom unterbrochen, also eine Pause beim Sprechen gemacht wird. Eine Sprache ohne Schwa ist nicht bekannt und oft hat es eine wichtige oder vielfältige Funktion. Daher ist es der einzige Laut mit einem Namen.

      Die uneinheitliche Aussprache des Standarddeutsch ist aber altbekannt und steht auch im Duden, da sie Auswirkungen auf die korrekte Rechtschreibung hat.
    • @aeyol :

      de.wikipedia.org/wiki/Umlaut#A…_in_der_deutschen_Sprache

      Unsere Rechtschreibung ist keine Lautschrift. Daher ist die Laut-Buchstabenzuordnung nicht eindeutig und auch mit 'ä' werden verschiedene Laute bezeichnet:

      "ä [.mw-parser-output .IPA a{text-decoration:none}ɛ], auch [æ] oder [e]" aus dem angegebenen Artikel. Die langen Laute haben sie da weggelassen.
    • Riothamus schrieb:

      Wenn 'gelaufen' schnell ausgesprochen wird, spricht jeder notwendigerweise zwischen 'f' und 'n' ein Schwa, weil es beim direkten Übergang von selbst entsteht, wenn nicht der Luftstrom unterbrochen, also eine Pause beim Sprechen gemacht wird.
      Wenn 'gelaufen' schnell ausgesprochen wird, ist zwischen f und n beim typischen Österreicher gar nichts. Das n ist der Silbenkern. Wenn der typische Österreicher 'gelaufen' schnell ausspricht, reduziert sich auch das erste e auf gar nichts. Folge: glaufn.
      Don't diagnose and drive.

      Dieser Bastler hat sich freiwillig dazu verpflichtet, ab sofort je Woche einen wertvollen Bastelpost mehr zu verfassen als bisher. Er möchte damit das Forum zu mehr Aktivität anregen. Hilf ihm und mach einfach mit!
    • Nein, das kommt dir nur so vor. Wenn du die Buchstaben ohne Pause sprichst, ist ein Schwa dazwischen. Anders ist es anatomisch und physikalisch nicht möglich.

      Deine Zunge bewegt sich kurz durch die Position, die sie beim Schwa einnimmt, während Luft frei darüber strömt. Es entsteht, ob du willst oder nicht ein (sehr kurzes) Schwa.

      Es sei denn, du stoppst den Luftstrom und machst dadurch eine Pause beim Sprechen.
    • Riothamus schrieb:

      @aeyol :

      de.wikipedia.org/wiki/Umlaut#A…_in_der_deutschen_Sprache

      Unsere Rechtschreibung ist keine Lautschrift. Daher ist die Laut-Buchstabenzuordnung nicht eindeutig und auch mit 'ä' werden verschiedene Laute bezeichnet:

      "ä [.mw-parser-output .IPA a{text-decoration:none}ɛ], auch [æ] oder [e]" aus dem angegebenen Artikel. Die langen Laute haben sie da weggelassen.
      Es sei hierbei zu erwähnen, das ä bei der Transkription auch als simpler a-Laut gelten kann.
      "Sel'ana... Wir werden bestehen." - Arinai Shuir del'Julinya
    • Ich hab jetzt mal meinen WIP-Thread gestartet: [Ardanea][Sprachentwicklung] Sprache der Asar (Work in Progress)

      Dabei habe ich versucht, ein paar der untippbaren IPA Zeichen sinnvoll zu ersetzen. Zeichen für geschlossene/offene Vokale habe ich jetzt mal versucht zu vereinheitlichen, also í, ì und so weiter.

      Für die drei unterschiedlichen "r"s die ich habe, habe ich jetzt mal

      r' für einfach gerollt,

      r'' für "mehrfach" gerollt und

      r fürs ganz normale deutsche r probiert.


      Was mir aktuell fehlt, wären passende schreibbare Zeichen für:

      ch (wie in ich),

      sch (wie in Schal),

      tsch (wie in tschüss) und

      z (ts).
      nobody.
    • @Rio

      Wenn ich das richtig verstehe, ist "glaufn" ohne Schwa unmöglich, weil "g" ein stimmhafter Konsonant ist? Ich meine "klaufn" müsste möglich sein, wenn ich das "n" stimmlos mache (was zugegebenermaßen auch irgendwie geschummelt ist).

      Beinhalten Laute wie "n" oder "m" (ich nehm jetzt keine Lautschrift, du weißt schon, was ich meine) automatisch ein Schwa, sobald sie mit irgendwas verbunden sind?

      Theoretische Frage, die nichts mit dem Deutschen oder Österreichischen zu tun hat. ;)

      Wenn es tatsächlich eine Sprache ohne Schwalaute gäbe, dürfte es kein Aufeinandertreffen von stimmhaften Konsonanten irgendwo geben, oder? Noch Einschränkungen?
      Nights are deep when days are long. / / / Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
    • Jundurg schrieb:

      Wenn es tatsächlich eine Sprache ohne Schwalaute gäbe, dürfte es kein Aufeinandertreffen von stimmhaften Konsonanten irgendwo geben, oder? Noch Einschränkungen?
      Hm...ich frage mich - wenn wir gelaufenn mit Doppel-N am Ende schreiben,müsste sich das Schwa nicht neutralisieren und stattdessen zum e umwandeln?
      "Sel'ana... Wir werden bestehen." - Arinai Shuir del'Julinya
    • Ich bin gerade richtig fertig. Ich habe heute bestimmt 1 bis 2 Stunden an einem Inhaltsverzeichnis-Thread für Sprachen gearbeitet. Und der wurde gerade beim Abschicken getiltet.

      Ich mache heute nur noch eine Tabelle für Laute fertig.

      Ich finde es toll, wie engagiert ihr seid. Fünf Teilnehmer haben sich schon ihre Laute gesucht. Bei 10 Interessenbekundungen sind das 50%! Eine gute Quote. Und Veria hat sogar einen empirischen Ansatz des Entwerfens von Kunstsprachen entwickelt. Aber das soll sie selbst erklären, wenn sie soweit ist.
    • Chrontheon schrieb:

      @aeyol: 'ch' wird im IPA als 'x' geschrieben.
      *klugscheiß* Nicht ganz. Das "ch" wie im standarddeutschen "ich" wird im IPA so geschrieben: [ç]. */klugscheiß*


      Wenn hier schon über phonetische Feinheiten diskutiert wird (zu sehr off-topic?), möchte ich einmal nach etwas fragen, dass mir seit langem auffällt.
      Zumindest in meiner nordostdeutschen Aussprache wird reden, haben oder legen nicht [ʁe:d(ə)n], [ha:b(ə)n], [le:g(ə)n] ausgesprochen, sondern eher [ʁe:?n], ha:?m] und [le:?ŋ], wobei das ? für einen Plosiv am Übergang zwischen Rachen und Nasenraum steht, dessen Luft durch die Nase entweicht. Besser kann ich's grad nicht erklären... Weiß jemand, was ich meine?
    • Naja, das IPA-[ç] hatte ich schon, aber es ging mir jetzt darum, es durch etwas zu ersetzen, was auf meiner Tastatur ohne Umwege schreibbar ist. Deshalb fand ich das [x] nicht schlecht.

      uäh, aber dann wäre das wohl tatsächlich als "ach"-ch zu verstehen. Mist.

      Hm ... dann vielleicht dafür ein c ... hm... oder [c'] oder [c,] oder sowas.
      nobody.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von aeyol ()