Sprachenbastel-Workshop Teil 2 - Silben

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    • Sprachenbastel-Workshop Teil 2 - Silben

      Weil ich krank bin, geht es schon heute und nicht erst morgen weiter.

      Es gibt einen neuen Thread, da so auch in der Zukunft mit dem Sprachbasteln begonnen werden kann. Jedenfalls, solange es im Forum einige gibt, die Fragen beantworten. Zur Zeit haben wir ja noch die Konversation für die Teilnehmer. Die dortigen Erkenntnisse arbeite ich später in die Projektthreads ein.

      2- Silben

      Aus den Lauten setzen sich die Silben zusammen und aus den Silben bekanntlich die Wörter. Nun sei gleich gesagt, dass sich die Wörter auch aus Morphemen zusammensetzen, aber die interessieren uns heute nicht. Wir kriegen sie später.

      Die Silben machen einen großen Teil des Charakters eine Sprache aus. Darum gewinnt eine gebastelte Sprache, wenn dieser Zwischenschritt vollzogen wird, bevor Wörter gebildet werden.

      Für die Bildung von Silben gibt es Regeln, die uns das Sprachenbasteln erleichtern. Jedenfalls wenn wir dabei nicht zu sehr in die Tiefe gehen. Und dank der Regeln gibt es auch Programme, die uns einen großen Teil der Arbeit abnehmen. Aber dazu später.

      Wie könnte eine Silbe beschrieben werden?

      Silben könnten als die Zusammenstellungen von Lauten beschrieben werden, die der Sprecher einer bestimmten Sprache gewohnt ist, in verschiedenen Wörtern zusammen auszusprechen. Eine Bedeutung hängt an den Silben nicht.

      Wie sieht nun eine Silbe aus?

      Nun, es könnte gesagt werden, dass eine Silbe aus zwei Rändern und einem Kern gebildet wird. Das ist natürlich vereinfacht und entspricht nicht ganz dem, was die Wissenschaft dazu sagt, was aber jeder selbst bei Wikipedia und an anderen Orten recherchieren kann, wenn es ihn oder sie interessiert.

      Der linke oder vordere Rand wird Silbenkopf genannt (engl. Onset). Der rechte oder hintere Rand wird Silbenschwanz oder Koda genannt. (Kern und Schwanz gemeinsam werden auch als Silbenreim bezeichnet.) Also könnte man sagen:

      • Silbenkopf + Silbenkern + Silbenschwanz = Silbe.
      Woraus besteht der Silbenkern?

      In der Regel aus einem Vokal. Aber es kommen auch 2 Vokale als Diphthong oder 3 als Triphthong vor. Als Silbenkern sind selten auch Nasale (M und N) und Fließlaute (R und L, auch Liquida genannt) möglich. (Und "Pssst!" oder "Pscht!" klappt natürlich auch.)

      Woraus besteht der Silbenkopf?

      Aus einem oder mehreren Konsonanten. Ein Beispiel mit 3 Konsonanten im Silbenkopf ist "springst".

      Woraus besteht der Silbenschwanz?

      Aus einem oder mehreren Konsonanten. Ein Beispiel mit 4 Konsonanten im Silbenschwanz ist "springst".



      Gibt es Regeln, nach denen die Silben aus diesen Bestandteilen gebildet werden?


      Ja:
      • Es gibt Sprachen, in denen es bei jeder Silbe einen Silbenkopf gibt, aber keine Sprache, bei der bei jeder Silbe ein Silbenschwanz vorhanden ist.
      • Und es gibt Sprachen, in denen es keinen Silbenschwanz gibt, aber keine Sprache, in der kein Silbenkopf vorkommt.


      Daher können die irdischen Sprachen in folgende Typen eingeteilt werden:

      • Es gibt nur Silben mit Silbenkopf, die keinen Silbenschwanz besitzen, kurz dargestellt CV.
      • Alle Silben haben einen Kopf, aber nicht alle Silben haben einen Schwanz, kurz CV und CVC.
      • Keine Silbe hat einen Schwanz, kurz CV und V.
      • Alle Silbentypen sind erlaubt, kurz CVC, CV, VC und V.



      Gibt es weitere Regeln?


      Ja, jede Sprache hat Regeln, was in Silbenkopf, -kern und -schwanz erlaubt ist. Im Spanischen gibt es z.B. keinen Silbenschwanz mit mehreren Konsonanten und im Finnischen keinen Silbenkopf mit mehreren Konsonanten, während das Deutsche beides erlaubt. Auch die Anzahl der vorkommenden Konsonanten ist festgelegt. Das kann mit entsrechend vielen C als Formel dargestellt werden, z.B. CCVCC, CCCVC oder CCV.

      Gibt es bei der Anhäufung von Konsonanten etwas zu beachten?

      Ja. Die Laute sind in sogenannte 'Sonoritätsklassen' eingeteilt. Im Silbenkopf steigt die Sonorität in der Regel an, während sie im Silbenschwanz in der Regel fällt. Es gibt aber auch Ausnahmen (wie in Stimme oder Streit). Wer das berücksichtigen möchte, der findet hier eine Tabelle und weitere Erklärungen:
      de.wikipedia.org/wiki/Sonorit%C3%A4tshierarchie
      (Bitte fragen, wenn etwas unklar ist.)

      Legen die einzelnen Sprachen noch mehr fest?
      Ja, es kann für jeden Laut, festgelegt werden, wo er in einer Silbe vorkommen kann. Ein bestimmter Konsonant mag z.B. nicht im Silbenkopf stehen dürfen.
      Stoßen zwei Silben mit demselben Konsonanten auseinander, dann können sie, wie im Deutschen (z.B. in 'Matte') nach kurzem Vokal auf einen Konsonanten reduziert werden.
      Es kann, wie in einigen asiatischen Sprachen, auch melodische Akzente geben, die sonst gleiche Silben unterscheiden.


      Was ist ein melodischer Akzent?


      In einigen Sprachen variiert die Tonhöhe beim Sprechen. Die Tonhöhe verändert dabei die Bedeutung der Silben, bzw. Wörter, und bestimmt die Satzmelodie. Beispiele sind etwa das Altgriechische und die chinesischen Sprachen. Im Mandarin gibt es z.B. vier Töne:

      • 1.Ton: Er ist konstant und hoch. (mā, dt. Mutter)
      • 2.Ton: Er ist ansteigend. (má, dt. Hanf ) (ähnlich einer Frage im Deutschen)
      • 3.Ton: Er fällt vom mittleren Niveau und steigt wieder an. (mǎ, dt. Pferd)
      • 4.Ton: Er ist fallend und abgehackt-kurz wie ein Befehl im Deutschen. (mà, dt. schimpfen)



      Das Kantonesische besitzt sogar neun Töne.


      Es ist umstritten, ob schon das Altchinesische eine Tonsprache war, oder, ob sich die Töne in Mittelchinesischer Zeit entwickelten. Vom Altgriechischen hingegen wissen wir, dass die Sprache im 3. Jahhundert v. Chr. die Töne verlor. Eine Sprache kann also im Laufe ihrer Geschichte zu einer Tonsprache werden, aber diese Eigenschaft auch verlieren.

      Wer mehr wissen will:
      de.wikipedia.org/wiki/Tonsprache



      Wieviele Silben braucht eine Sprache?


      Das kann sehr unterschiedlich sein. Dass Silbenschriften so ca. 70 / 80 Zeichen haben, ist ein netter Hinweis für den faulen Weltenbastler. Die chinesische Sprache verfügt nur über ca. 400 Silben. Wegen der 4 melodischen Akzente kommt es aber auf ca. 1600 unterschiedliche Silben. Das Chinesische war -zumindest zeitweise- eine 'monosyllabische' Sprache. Das heißt, dass ein Wort nur aus einer Silbe bestand. Richtig, das wären dann nur 1600 Wörter mit ganz vielen Bedeutungen, was die große Bedeutung der 40.000 Schriftzeichen erklärt. Mitunter benötigen Chinesen diese, um klar zu machen, was sie mit dem Gesagten meinten. Im Laufe der Zeit haben sich zwar auch chinesische Wörter mit mehr Silben entwickelt, dennoch gibt es eine große Bedeutungsvielfalt der einzelnen Wörter. Das Beispiel möge zeigen, dass auch absurd scheinende Basteleien nicht unrealistisch sein müssen.


      Damit kommen wir zu den Arbeitsschritten bezüglich der Silben. Ich formuliere es heute mal wie in der Schule, aber ein bisschen herumzuexperimentieren ist sicher auch nicht verkehrt:

      • Erstelle einen Regelsatz zur Silbenbildung für deine Sprache und halte ihn in deiner Grammatik fest. Zusätzlich können Karteikarten genutzt werden. Bilde dabei Silben, so dass du für alle Regeln Beispiele hast. Wieder sei auf mögliche Sprachaufnahmen hingewiesen.
      • Eine Liste der möglichen Silben wird später nützlich sein. Wenn kein Programm zur Verfügung steht, bildet zumindest 100 Silben als Vorrat, besser gleich 300. Mehr geht auch. :D
      • Es ist eine gute Idee, die Liste mit den als Silbe übernommenen tatsächlichen Silben als Anhang der Grammatik der gebastelten Sprache aufzubewahren. Bei Sprachen sind auch Karteikarten immer nützlich. Bei den Silben könnten diese z.B. genutzt werden, um durch zufälliges Ziehen von Karten Morpheme festzulegen oder zu bilden, deren Grenzen, wie wir noch sehen werden, allerdings nicht immer mit Silbengrenzen übereinstimmen müssen.
      • Widerstehe der Versuchung, gleich Wörter zu bilden. Dazu fehlt noch etwas. Und das, was fehlt, ist die Bedeutung. Und damit die hinzukommt, brauchen wir Morpheme. Dazu kommen dann noch die Regeln für die Wortbildung und wir müssen auch wissen, was für Wörter gebraucht werden. Das wird dann alles im nächsten Teil auf uns zukommen.



      Ich hatte schon gesagt, dass es Hilfsprogramme zum Sprachenbasteln gibt. Eines findet sich hier: coffeebot.net/conlang/


      Der nächste Teil kommt dann in einer Woche, wahrscheinlich erst zum Wochenende hin, weil ich im Stress und jetzt auch noch krank bin. Aber da sich Experimente lohnen, um zu sehen, welch unterschiedliche Silben entstehen können, es auch bei der ersten Sprache sicher günstig ist, nicht alle Silben durch ein Programm bilden zu lassen, könnt ihr die Zeit gut nutzen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Riothamus ()

    • Neu

      Einfach, weil sich hier so gar nichts tut, ein Hinweis, dass im Hikntergrund doch etwas passiert. :)

      Ich habe es bei mir so gemacht, dass ich tatsächlich jede mögliche Konsonanten-, bzw. Vokalkombination für Onset, Nukleus und Koda definiert habe. Das funktioniert in Nakhün ganz gut, weil die Silben nicht allzu komplex sind und die jetzige Liste erhebt auch keinerlei Anspruch auf Endgültigkeit, aber für ein recht einfaches System ist es eine tolle Lösund, wie ich finde. Was meint ihr? Habe ich damit einen Fehler begangen? Etwas übersehen?

      Hier könnt ihr die Liste sehen:
      [Assai][Sprachentwicklung] Nakhün (WiP)
    • Neu

      Ich hatte schon im Chat gesagt, dass ich die Grippe habe. Daher halte ich mich gerade notgedrungen zurück.

      Ich werde den 3. Teil auch nicht so wie geplant posten können, sondern ihn aufteilen. Dann müsst ihr nicht darauf warten, bis ich alle Teile fertig habe.

      Und wie ich schon schrieb, kann es sich lohnen, mit den Silben auch etwas zu experimentieren.
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