[2019-1] destination unknown II

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    Vom 3.5.-6.5. findet das Weltenbastler-Frühjahrstreffen in Arnolds Ferienhof in Oberlauringen (Landkreis Schweinfurt) statt. Zur verbindlichen Anmeldung geht es hier lang.

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    • [2019-1] destination unknown II

      Sex. Hm. So leicht es mir im Alltag fällt über dieses Thema zu reden, so schwer fällt es mir dazu etwas sinnvolles zu basteln und es in das neue Konzept von destination unknown zu integrieren. Hauptsächlich deshalb, weil ich intuitiv keinerlei Inspiration zu einem Dialog oder Sketch in der Richtung habe. Aber vielleicht denke ich zu detailliert, zu bastelorientiert, und zu wenig formorientiert.

      Inhaltlich habe ich folgende grobe Idee: Eines der weltpolitisch bedeutsameren Länder dieser Welt soll in Sachen Sex sehr liberal, aber auch sehr verkopft und unemotional sein. Sex ist ein übliches und geeignetes Thema für jegliche gesellschaftlichen Anlässe, selbst Geschäftsessen oder Familientreffen sind davon nicht ausgenommen - gerade weil es eben sehr unemotional behandelt wird. Nur weil es gesellschaftsfähig ist, ist das Thema aber deswegen nicht überall präsent. Zum Beispiel: sexualisierte Werbeplakate wie bei uns sind eher unüblich, da das Konzept keinen besonderen Reiz hat. Leichtbekleidete Damen bei Sportevents oder in Fernsehshows ebensowenig. Dafür ist es auch viel zu allgemein akzeptiert, dass die wildesten und verschiedensten Vorlieben existieren. Prostitution ist teilweise staatlich subventioniert, da Sex als menschliches Grundbedürfnis angesehen wird. Es gelten aber natürlich diverse Regeln, die noch genauer ausgearbeitet werden müssten. Ansonsten gilt jeder mit jedem, sofern alle Lust drauf haben. Beziehungen haben daher üblicherweise ein für uns sehr ungewohntes Konzept von Treue, das sich nicht an Körperlichkeit sondern an Emotionalität orientiert. Bei all dem gibt es aber natürlich gesellschaftliche Normen und Regeln und es ist eine unaufgeregte Normalität (wenn auch liberal und für uns ungewohnt), kein chaotisches Sodom und Gomorrha.

      So. All das hat in vielen anderen Teilen der Welt den Effekt, dass dieses Land als regel-, tabu-, und grenzenloses Land der triebgesteuerten Lust angesehen wird, wo man alles tun und lassen darf was einem gefällt. Ist natürlich nicht so, insbesondere die gesellschaftlichen Normen von gegenseitigem Einverständnis und Respekt, sowie die unemotionale Herangehensweise sind dann oft ein herber Schlag für solche Sextouristen. So ist denn auch der häufigste Fall von Straftaten, in die Ausländer involviert sind, sexbezogen. Was die Justiz angeht bedingt der gesellschaftliche Umgang mit dem Thema übrigens wirklich drakonische Strafen: Es ist zwar alles extrem liberal, aber klar geregelt. Und wer diese Regeln verletzt wird sehr hart bestraft.

      So viel zur Grundidee, die wirklich recht grob ist. Jetzt zur Form: Was macht man aus einem Thema, das in der Gesellschaft völlig unemotional behandelt wird? Es muss ja für einen Sketch oder einen Dialog einen Aufhänger, einen Kern, irgendeine Form von Konflikt geben. Hm.
      Spontan könnte ich zwei Personen gegenübersetzen und sie über Betrug sprechen lassen, das ist dann aber eher das Thema Beziehung als Sex. Wobei es schon dazu taugen würde die unterschiedlichen Aufassungen von der Rolle und Bedeutung von Sex zu kontrastieren. Ich stelle mir das so vor: das angesprochene Publikum wäre ein durchschnittlicher deutscher Bürger. Ich setze also eine Frau und einen Mann gegenüber und lasse sie beginnen mit "Er hat mich betrogen." und "Sie hat mich betrogen." Der Durchschnitt würde in dem Moment vermutlich immer noch davon ausgehen, dass die beiden was miteinander hatten und es um Betrug zwischen ihnen beiden geht. Es soll ein ganz reduzierter Sketch sein - sie sitzen sich gegenüber, gucken aber leicht aneinander vorbei und sprechen zwar abwechselnd, aber nicht direkt miteinander. Es spricht also nie der Eine den Anderen an. Jeder erzählt sozusagen isoliert seine eigene Geschichte in kurzen Abschnitten, mit Fokus auf die empfundenen Emotionen und das persönliche Schicksal. Plottwist: Einer von beiden spricht über eine den deutschen Durchschnittsnormen entsprechende Heterobeziehung, der andere über eine durchschnittliche Heterobeziehung aus destination unknown. Das soll aber erst im Laufe des Gesprächs klar werden, wenn nach und nach die Unterschiede in den Beziehungskonzepten heraus kommen. Keine Ahnung ob das funktionieren könnte.
      Zweite Idee: Auch ein Sketch, aber ein sehr kurzer. Zwei klassische Sextouristen stehen bei der Einreise in obiges Land an der Zoll-/Pass-/Sonstwaskontrolle und unterhalten sich über ihren Urlaub, den sie sich eben sehr ungezügelt und triebgesteuert vorstellen. Dieser Dialog findet laut statt, die beiden stehen mit dem Rücken zum Publikum. Es ist ein banaler, klischeetriefender, eher unangenehmer Dialog mit entsprechenden Gesten und hohlen Lachern. Daneben/schräg davor steht ein Zollbeamter oder sontwie Beamter der die Einreise kontrolliert, der sich seinen Teil dazu denkt und die beiden still verurteilt. So illustriert er letztlich den tatsächlichen Umgang mit Sexualität in diesem Land. Seine Gedanken werden aber natürlich nicht laut ausgesprochen, sondern vielleicht durch geschriebene Schilder, die neben ihm hochgehalten werden, dargestellt. Oder per Beamer an die Wand, Seite, sonstwo in den Raum projiziert. Vielleicht auch anders dargestellt. Aber auf jeden Fall stumm.

      Problem bei beiden Ideen: Das sind Aufführungen. Ich liebe ja Lesetheater, also Stücke und Sketche die tatsächlich zum Lesen gedacht sind, und eigentlich ist das auch eher meine Disziplin. Aber diese beiden Ideen funktionieren nur, wenn sie tatsächlich aufgeführt werden. Darin liegt natürlich auch ein gewisser Reiz... Weltentheater auf einem WBT, das wäre doch mal was ;D

      Achso, ich weiß nicht ob meine Idee, wie der Umgang mit Sexualität in diesem Land aussieht, klar genug rüber gekommen ist. Wenn nicht bitte Bescheid sagen, dann versuche ich das noch genauer zu erläutern.
      I would have followed you, my brother. My captain. My king.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Lyrillies ()

    • So, wie mache ich hier weiter? Ich habe zwar gerade Zeit und Lust zu basteln, weiß aber nicht so ganz wie. Naja, das ist wohl Teil der Übung. Also, weil ich keinen Plan habe wie es weitergeht gibt es jetzt einen unkkordinierten, schriftlichen Gedanken-Stream.

      Es ist zwar alles sehr frei und liberal, aber klar geregelt. Wenn ich jetzt nicht in unpassende Beschreibungen abdriften möchte, was denn in dieser großen Freiheit so alles praktiziert wird, könnte ich mich weiter mit der Frage beschäftígen was für Regeln es gibt.

      Als erstes fällt mir da die Hygiene ein. Es ist absoluter Konsens sich vor jeglicher Art von sexueller Handlung gründlich zu reinigen. Das bedeutet aber vermutlich auch, dass es sehr viele öffentliche Waschräume inklusive Duschen gibt (wieder was gelernt!). In der Frage wie strikt diese Norm gelebt wird gibt es aber sicher unterschiedliche Ausprägungen: Die einen spülen sich kurz den Mund aus, wenn sie spontan mit jemandem knutschen wollen, die anderen gehen auch zum knutschen vorher noch zusammen duschen. Zusammen duschen zu gehen ist sicherlich eine der extremsten Ausprägungen diese Norm auszuleben - nicht weil es zusammen erotisch wäre, sondern weil man so kontrollieren kann, dass der jeweils andere sich entsprechend den eigenen Vorstellungen reinigt und nicht geschlampt wird.
      Auch wenn es "nur" eine soziale Konvention ist, ist mangelnde Hygiene straftrechtlich verfolgbar unter der consent-Regel. In dem Kontext kommt es bestimmt häufig zu Streit, wer wie wann und wie deutlich seine Vorausetzungen für einvernehmlichen Sex kommuniziert hat, wie genau damit umgegangen wird weiß ich noch nicht.
      Unter Hygiene fällt auch die Anwendung diverser physischer Barrieren um Flüssigkeitsaustausch und damit den potentiellen Austausch von Krankheitserregern zu verhindern. Ich würde vermuten, dass die Anwendung solcher Dinge Standard ist. Ob das auch in festen Beziehungen der Fall ist weiß ich aber auch noch nicht.

      Ach die wichtigste Regel ist natürlich consent. Das ist so wichtig, dass der gesamte Körperkontakt in dieser Kultur erst nach eindeutigem Einverständnis stattfindet. Händeschütteln zur Begrüßung, jemanden antippen, sich unsanft an jemandem vorbei schieben im Gemenge, all diese Dinge gehen dort nicht. Selbst Umarmungen unter Freunden müssen erst verbal eindeutig vereinbart worden sein. Hm. was bleibt dazu noch zu sagen?

      Ansonsten steckt mein kopf gerade fest, also lass ich es für jetzt mal bleiben. Wird noch weiter ergänzt.
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    • Lyrillies schrieb:

      Darin liegt natürlich auch ein gewisser Reiz... Weltentheater auf einem WBT, das wäre doch mal was
      Warum eigentlich nicht? Macht bestimmt Spaß. :)

      Wow, mangelnde Hygiene ist eine Straftat. Gilt das nur bei Körperkontakt oder wird man angezeigt, wenn in den Dreck fällt und sich nicht sofort wäscht? Wie gehen die Menschen mit Körpergeruch, also z.B. Schweiß um?
      Hm, kann man überhaupt irgendwie verführen, wenn die Einvernehmlichkeit für alles extra ausgesprochen werden muss? Klingt insgesamt recht unerotisch, aber du sagts ja auch, dass die recht unemotional mit Sex umgehen. Gibt es sowas wie Flirten?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tö. ()