[Charakterdesign] warum die Bösen tun, was sie tun

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    • Ich will hierzu kleinen Exkurs anbringen, nämlich was die klassischen elbischen Philosophen (und die Mythologie) vom Elbenpfad zum Thema "Was ist böse?" sagten. Nämlich, dass Böses aus dem Streben nach Vollkommenheit resultiert. In dieser Welt kann nichts jemals vollkommen sein, deshalb ist das Streben nach Vollkommenheit wider die Natur, und damit böse. Dantaro, der große Widersacher in der elbischen Mythologie, strebte nach Vollkommenheit, und er zerstörte die Werke der anderen Götter, weil er sie für unvollkommen erachtete. In gewisser Weise strebt auch ein gewöhnlicher Straßendieb nach Vollkommenheit, und zwar nach vollkommener Freiheit für sich selbst, die durch kein Gesetz eingeschränkt wird. Ein Rächer strebt nach vollkommener Gerechtigkeit, die es in einer funktionierenden Gesellschaft ebenso wenig geben kann wie vollkommene Freiheit. So lege ich die bösen Figuren in meiner Welt an - sie streben nach einer Vollkommenheit, etwa nach vollkommener Freiheit oder vollkommener Gerechtigkeit, die es nicht geben kann, und deshalb handeln sie böse.
      ... brought to you by the Weeping Elf
    • Oh, oh, oh, WeepingElf, jetzt hast du mein Interesse geweckt ;D Darf ich mit dir als Stellvertreter des Elbenpfades diskutieren?

      Vorwarnung: Bitte sieh mir meine spitzfindigen Fragen nach; ich weiß, dass es so rüberkommt, als würde ich den Elbenpfad kaputtreden wollen, dem ist aber nicht so. Ich bin tatsächlich an den Antworten oder Einsprüchen gegen meine Argumentation interessiert.

      Vollkommenheit bezieht sich ja immer auf ein gegebenes Maß, z.B. "Wir rotten alle Menschen aus" (Orks) oder "Ich will ewig leben!" (Voldemort). Wenn man sich ein solches Maß wählt und dem jeweiligen Ziel näher kommt, darf man sich wohl der (dem gewählten Maß entsprechenden) Vollkommenheit nahe fühlen. Und wer das Ziel erreicht, ist vollkommen im Sinne des gewählten Maßes. Dem Elbenpfad zu Folge ist nicht die Vollkommenheit böse, sondern das Streben danach.

      Wenn der Elbenpfad nun lehrt, dass das Streben nach Vollkommenheit böse ist, so streben die Anhänger des Elbenpfades sicher danach, dies zu vermeiden. Auch dies ist ein Streben folgendem Ziel entgegen: "Streben nach Vollkommenheit vermeiden". D.h. der Elbenpfad wählt sich das Maß "Streben nach Vollkommenheit vermeiden" und strebt diesem Ziel entgegen. Sollte dies einem Anhänger gelingen, wäre dieser im Sinne des Elbenpfades vollkommen. Dies erfüllt aber die Definition des Bösen im Elbenpfad, folglich ist der Elbenpfad als Lehre böse.

      Auch wundere ich mich, wenn Vollkommenheit bedeutet, nach der Erfüllung eines Maßes zu streben und wenn der Elbenpfad lehrt, dass man nicht nach Vollkommenheit streben soll, heißt das ja in Summe, dass die Anhänger des Elbenpfades nicht nach der Erfüllung eines Maßes streben sollen. Aber welchen Maßes? Das Streben gegen welche Maßerfüllung suchen die Elbenpfadler zu vermeiden?

      Weiterhin frage ich mich, an welchem Punkt die Elbenpfadler einen Schlussstrich ziehen. Nehmen wir z.B. das Maß "Freunden in Not helfen". Vollkommen wäre hier, wer jederzeit, jedermann bedingungslos hilft. Wenn nun irgendwo eine Flut über die Ufer tritt und ein Elbenpfadler einen Hilflosen nach dem anderen aus dem Wasser zieht, sagt er dann irgendwann "Du da musst ertrinken, sonst werde ich noch vollkommen!" ?

      Ist der Elbenpfad eigentlich eine Erfindung deinerseits oder aus einschlägiger Elbenliteratur?

      Gruß Marcel
    • Das sind tiefgründige Fragen, zu denen ich ehrlich gesagt noch keine Antwort gefunden habe. Ich weiß noch nicht so genau, wie das mit der "Vollkommenheit" genau gemeint ist. Natürlich streben die Elben danach, das, was sie machen, gut zu machen, aber "gut" ist noch nicht dasselbe wie "vollkommen", und nicht jede Art von "Vollkommenheit" ist böse, denke ich.

      Daher hier nur zur letzten Frage: Der Elbenpfad ist eine Erfindung meinerseits, auch wenn ich Anregungen aus anderen Quellen, u.a. Tolkien natürlich, aufgegriffen habe. (Und der Name ist von einem sehr schönen Nightwish-Song inspiriert.) Aber die Elben sind so, wie ich sie habe, meine eigene Kreation, was schon damit anfängt, dass sie, im Gegensatz zu allen Elben/Elfen, denen ich bislang begegnet bin, Menschen sind, ohne jegliche nicht-menschliche oder übermenschliche Eigenschaften. (Was die Frage aufwirft, mit welcher Berechtigung ich sie dann als "Elben" bezeichne. Ganz einfach: Sie sollen den "historischen Kern" der keltischen und germanischen Überlieferungen von Elben darstellen, also die "wahren", ursprünglichen Elben. Und das Wort "Elb" von ihrer Eigenbezeichnung - Elbi, Singular Alba - abgeleitet sein.)

      Das dient zum einem dazu, sie historisch plausibel zu machen (wir wissen nicht sehr viel davon, was in der Bronzezeit auf den Britischen Inseln, wo ich sie verorte, los war, aber ganz sicher, dass dort Menschen wie wir lebten und keine spitzohrigen Unsterblichen oder wer weiß was für'n phantastisches Kroppzeug), vor allem aber mache ich das so, weil ich mit dem Elbenpfad meine persönlichen Ansichten über die Beschaffenheit des Menschen zum Ausdruck bringen will, und das geht eben nur, wenn die fiktiven Personen, mit denen ich das tue, ganz normale Menschen sind. Sonst heißt es ja "Na klar, die sind Elben, die können das, wir aber sind Menschen, und werden das nie können" ;)
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    • Saavedro schrieb:

      Wenn der Elbenpfad nun lehrt, dass das Streben nach Vollkommenheit böse ist, so streben die Anhänger des Elbenpfades sicher danach, dies zu vermeiden. Auch dies ist ein Streben folgendem Ziel entgegen: "Streben nach Vollkommenheit vermeiden". D.h. der Elbenpfad wählt sich das Maß "Streben nach Vollkommenheit vermeiden" und strebt diesem Ziel entgegen. Sollte dies einem Anhänger gelingen, wäre dieser im Sinne des Elbenpfades vollkommen. Dies erfüllt aber die Definition des Bösen im Elbenpfad, folglich ist der Elbenpfad als Lehre böse.
      Mathematiker-Logik. :lol:

      Find das eigentlich gar nicht so ungewöhnlich, die Idee - zu versuchen, Gutes zu tun, aber ohne Perfektionismus - der die Sache unter Umständen korrumpieren würde, oder alternativ selbstzerstörerisch wird. (Leben komplett aufopfern -> Leben kaputt -> Fähigkeit, anderen zu helfen, dahin...)
      Nights are deep when days are long. / / / Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
      »Aus den Nacken waren Kehlköpfe geworden.« (2019)
    • Wenn ich so meine Geschichten anschaue, dann habe ich sehr wenig echte Antagonisten. (Wer ist der Antagonist von Sternjäger? Das Wetter???). Ich bevorzuge eigentlich Plots, wo sich die Protagonisten entweder mit den einen oder anderen Widrigkeiten herumschlagen müssen. Da kann schon mal ein Gegner dabei sein, der den Held mit Absicht behindert/bekämpft, aber im nächsten Abschnitt ist es dann jemand anderes und beim dritten Mal ist es einfach nur Pech. Mir ist halt wichtig, wie der Held mit einer widrigen Situation umgeht, nicht, was sie ausgelöst hat. Und am liebsten mag ich ja Geschichten, wo sich der Held selbst im Weg steht.

      Ich habe aber einen Antagonisten, der diesen Namen verdient. Das ist Herzog Girion und der ist ein einfacher Machtpolitiker. Er verrät seinen König, dem er Treue schuldet, aber der damalige König ist auch inkompetent. Er überfällt Nachbarn, aber das machen die anderen auch. Was ihn von den anderen unterscheidet, ist dass er recht erfolgreich darin ist. Wie Veria schrub: "Eher Napoleon als Sauron".
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?