Arche Nova

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    • Vorgeschichte und Überblick

      Gut zweihundert Jahre ist es nun her, dass der Große Krieg begann. Längst hat man vergessen, was der genaue Anlass dafür war. Ohnehin werden sich die wenigen überlebenden Historiker später einig sein, dass es diesen Krieg ungeachtet aller tatsächlichen oder vorgeschobenen Rechtfertigungen gegeben hätte.
      Vier Jahre lang kämpften Brüder gegen Brüder, schlachteten Nachbarn einander ab und mordeten ehedem gute Freunde sich gegenseitig. Welle um Welle junger Männer wurden gen die feindlichen Stellungen gejagt und Welle um Welle wurde von MG-Feuer niedergemetzelt oder von Artilleriegranaten zerfetzt. Wo sich früher grüne Äcker erstreckten, gab es nun nur noch Kraterfelder. Dörfer und ganze Städte wurden vom vernichtenden Feuer tausender Geschütze ausradiert. Wie viele Menschen in diesem sinnlosen Gemetzel ihren Tod fanden, ist ungewiss. Es müssen Millionen gewesen sein, und doch sollte das große Sterben erst kommen.
      Harmlos fing es an. Im Frühling des vierten Kriegsjahres traten fast zeitgleich in mehreren Ländern Fälle einer besonders schweren Grippeerkrankung auf. Trotz außergewöhnlich stark ausgeprägter Symptomatik war die Mortalität dieser Frühjahrsgrippe gering. Erst eine zweite Welle im darauffolgenden Herbst brachte den Tod. Besonders dort, wo viele Menschen auf kleinem Raume zusammenlebten - in den großen Städten und der Enge der Schützengräben. Wissenschaftler ihrer Zeit suchten die Erklärung in Miasmen, Geistliche in Plagen Gottes; sei es als Strafe für das sinnlose Morden im Krieg oder das amoralische Leben in den Städten. Niemand jedoch fand eine Heilung. Weder Medizin noch Fürbitten konnten das Siechtum lindern oder gar aufhalten.
      Als letzter Akt der sterbenden Reiche, ehe ihre staatliche Ordnung vollends zusammengebrochen war und ihr Volk gänzlich von der Krankheit dahingerafft, wurde mit dem Bau der Archen begonnen. Gigantische Konstruktionen aus Stahl und Beton. Darin, abgeriegelt von der Außenwelt hinter Luftfiltern und Schleusen, leben bis heute die letzten Bürger jener großen Reiche. Die meisten davon in der Gewissheit zu den Nachfahren der Glücklichen zu gehören, die dem Sterben entkommen konnten. Und doch ist nicht jeder zufrieden mit diesem Glücke, denn das Leben in den Archen ist hart. Die Quartiere sind eng, die Arbeit lang und die Rationen klein. Luxus gibt es nur für wenige, obwohl, so werden vor allem diejenigen, die in Luxus leben, nicht müde zu sagen, in den Archen jeder gleich ist.
      Kaum ein Bewohner der Archen weiß viel über die Außenwelt. Kinder bekommen gelehrt, dass Menschen in der Außenwelt ohne Atemmasken und Schutzanzüge nicht überleben können. Erwachsene ahnen, dass es draußen auch Überlebende ohne Schutzausrüstung gibt; die Wenigsten kämen jedoch auf die Idee, es selbst ausprobieren zu wollen. Zu real erscheinen Geschichten von Arbeitern oder Soldaten, deren Anzüge und Masken auf Außeneinsätzen kaputt gingen und die wenig später in Quarantänestationen der unbekannten Seuche erlagen.
      Tatsächlich überlebte außerhalb der Archen kaum jemand die Krankheit in ihre Folgen. Im Chaos der ersten Jahrzehnte nach Ausbruch der Krankheit wurde die Menschheit bis auf kleine Gruppen beinahe vollständig dahingerafft. Wer nicht einer der Grippewellen erlag, der sah sich mit dem totalen Zusammenbruch jeglicher gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und staatlicher Strukturen konfrontiert. Verzweifelte Städter drängten auf der Suche nach Nahrung und auf der Flucht vor der Enge in die Dörfer. Bauern wurden geplündert und nicht selten, wenn sie nichts mehr hergeben konnten, erschlagen. Soldatenscharen zogen marodierend durch die Länder, schossen und brannten nieder, was sich wehrte. Wer konnte, flüchtete sich in die Wälder, in Höhlen, Festungen oder alte Burgen und lebte von dem, das die Natur noch her gab. Für einige Jahre herrschte in den ehemals so zivilisierten Reichen Anarchie und das Recht des Stärkeren. Doch die längst nur noch als Pest bezeichnete Seuche holte sich letztlich auch die Starken.
      Knapp zweihundert Jahre später sind weite Teile der alten Reiche nach wie vor fast menschenleer. Nur an wenigen Stellen gibt es wieder größere Ansiedlungen. Dazwischen liegt meistens urwüchsige Natur, die schnell die Ruinen der vergangenen Zivilisation überwucherte. Durchbrochen nur hie und da von den eisernen Wegen der Archen, die auf alten Trassen miteinander verbunden sind.
      "The only thing I ever want to give a cat is its name and address to my dogs"
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