[2019-02] Auch Silaris-Bürger sind schon gescheitert

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    • [2019-02] Auch Silaris-Bürger sind schon gescheitert

      Wie der Titel schon sagt, gibt es hier (vermutlich, wenn es mir zeitlich reicht) verschiedene Episoden über gescheiterte Personen in Silaris und heute mal die erste


      Wie die Phosphormagier der Universität Ergalla um die Drittmittel der Ultiria-AG gebracht wurden

      Nach dem Krieg der Elemente hielten sich die Elementarmagier des Landes, das nun Arunien hieß viele Jahre lang eher bedeckt. Über Jahrhunderte entwickelte sich der Alchimistenzirkel als Ort der Ausbildung Ausgewählter und auch der gegenseitigen Kontrolle. Wer es sich leisten konnte, engagierte Elementarmagier, die ihnen gegen üppige Bezahlung zur Seite standen, doch dies geschah immer nur im kleinen Rahmen.

      Während der Alchimistenzirkel stagnierte, entwickelte sich die arunische Gesellschaft jedoch weiter und neue Erfindungen führten das Land ins Zeitalter der Industrialisierung. Der Alchimistenzirkel wehrte sich vehement gegen eine chemische Industrie, in der er keine Rolle mehr spielte, konnte deren Entwicklung jedoch letztendlich nicht aufhalten. Manche Elementarmagier versuchten ein Stück vom Kuchen abzubekommen und heuerten dort an, andere zelebrierten weiter ihre reine Tradition…

      Die Versorgung der wachsenden Städte im Arunien jener Zeit machte eine Intensivierung der Landwirtschaft nötig. Diese war nicht ohne den Einsatz von Pestiziden möglich und die bisher verwendeten Verbindungen aus Elementen wie Kupfer oder Arsen erfüllten diesen Zweck aus zweierlei Gründen nicht mehr zufriedenstellend. Sie waren zu teuer und belasteten den Boden zu sehr.

      Die erfolgreiche junge Firma Ultiria aus Lacara nahe der altehrwürdigen Universitätsstadt Ergalla sah darin ihre Chance. Sie suchten Forscher, die ihnen Pestizide entwickelten, dafür sollten die großzügige Förderungen für ihre Forschungsprojekte erhalten.

      Der Ergallaer Phosphormagier und Lehrstuhlinhaber Marius Agripetus wollte eigentlich gerne die Liebe zu seinem Element zelebrieren, indem er neue Phosphormodifikationen, filigrane Käfigstrukturen und hochempfindliche Moleküle mit P-P-Mehrfachbindungen entwickelte. Es war jedoch schwierig Gelder für diese Forschung zu akquirieren und so beschloss Marius widerwillig, sich an der Ausschreibung von Ultiria zu beteiligen. Die Herstellung von Substanzen, die dazu gedacht waren zu töten, war ihm eigentlich zutiefst zuwider, aber zumindest die Herstellung eines Herbizids konnte er dann noch mit seinem Gewissen vereinbaren.

      Die praktische Arbeit überließ er jedoch der ehrgeizigen Nachwuchswissenschaftlerin Lucasta Clossiana, die an seinem Lehrstuhl angestellt war. Lucasta stammte aus sehr einfachen Verhältnissen, kannte die Ernährungsprobleme in den Städten aus erster Hand und sah deswegen auch die Notwendigkeit für diese Forschung.

      Während Lucasta den Alchimistenzirkel als erdrückende Institution voller Standesdünkel, Sexismus, sinnloser Feindschaften zwischen den Elementen und noch sinnloseren Grundsatzdiskussionen erlebt hatte, empfand sie die Universität zu diesem Zeitpunkt als Ort des Lernens, Lehrens und der Forschung zum Wohle des Landes.

      Auch Professorin und Stickstoffmagierin Antonia Fabriciana arbeitete mit ihrer Gruppe am Projekt von Ultiria.

      Lucasta sah in Antonia, einer anderen Frau und Nichtmetallmagierin in einer eher von männlichen Metallmagiern dominierten Gesellschaft eine Verbündete und vertraute ihr. Die beiden Frauen gingen öfter gemeinsam essen und unterhielten sich, wobei Antonia der jüngeren Kollegin wertvolle Tipps für die Organisation des Labors und den Umgang mit ihren Mitarbeitern gab.

      Lucasta wusste, dass Antonia auch am Projekt von Ultiria arbeitete, allerdings ahnte sie nicht, dass die Stickstoffmagierin ebenfalls versuchte eine Herbizid zu entwickeln und die engen Kontakte zu ihr pflegte, um herauszufinden wie weit Lucasta war, die davon gutgläubig erzählte.

      Für Antonia war dieses Geld nämlich überaus wichtig, damit sie sich in der Forschung einen Namen machen konnte und sie hatte vor es auf jeden Fall zu bekommen und nicht Agripetus mit seiner ihrer Meinung nach sinnlosen Forschung zu überlassen.

      Durch die Gespräche mit Lucasta hörte Antonia jedoch bald heraus, dass die sehr gut vorankam und dass ihr Herbizid nicht nur äußerst wirksam gegen Pflanzen, sondern auch relativ ungiftig für Mensch und Tier war, was auf ihr eigenes Zielmolekül nicht zutraf. Deswegen konnte sie sich denken, dass Ultiria sich für Lucastas Projekt entscheiden würde, wenn bei ihr nichts dazwischenkam.

      Die Hoffnung, dass dies von alleine geschehen würde, erfüllte sich nicht und bald kam die Phase, in der letzte, von den zuständigen Elementarmagiern begleitete Untersuchungen gemacht werden mussten, danach konnten beide ihre Ergebnisse einreichen.

      Antonia hatte jedoch nicht vor dies zuzulassen. Sie lud Lucasta wieder einmal zum Abendessen ein, dieses Mal wurde jedoch ein spezielles Dessert serviert. Antonia bezeichnete es als „Waldbeerencreme“ und diese Bezeichnung entsprach auch der Wahrheit, allerdings enthielt es ein paar ganz spezielle Beeren aus dem Wald und zwar Tollkirschen. Als Stickstoffmagierin, die von der Anwesenheit des Gifts wusste, konnte Antonia sich vor der Wirkung schützen, die ahnungslose Phosphormagierin Lucasta hatte keine Chance.

      Auf dem Heimweg litt sie bereits unter Sehstörungen, Herzrasen, Mundtrockenheit und musste feststellen, dass sie keinen Kontakt mehr zu ihrem Element aufnehmen konnte. Sie schaffte es mit Mühe und Not nach Hause, wo sie eine unruhige Nacht voller Halluzinationen durchlebte. Am nächsten Tag war an Arbeit nicht zu denken, stattdessen rief sie einen Arzt an, der die Atropinvergiftung diagnostizierte.

      Lucasta kämpfte tagelang mit den Folgen der Vergiftung, die auch dazu führte, dass sie ihre Elementarmagie nicht oder nur eingeschränkt nutzen konnte. Deswegen schaffte sie es wie von Antonia beabsichtigt nicht mehr, die nötigen Untersuchungen fristgerecht abzuschließen, sodass Antonias Herbizid angenommen wurde und ihre Gruppe das Geld von Ultiria bekam.

      Lucasta zeigte Antonia zwar an, das Verfahren wurde jedoch aus Mangel an Beweisen eingestellt. Die Stickstoffmagierin unterstellte Lucasta, sie hätte das Gift selbst zu sich genommen, weil sie mit ihrer Arbeit und ihrem Element überfordert war und dank ihres besseren Standings wurde ihr mehr geglaubt.

      Lucasta musste mit der Enttäuschung ihres Chefs klarkommen, der auch davon ausging, dass sie überfordert gewesen war und ein schlechtes Gewissen hatte, weil er ihr zu viel abverlangt hatte.

      Lucasta war nun klar, wie naiv ihre bisherige Einstellung zur Universität und den dortigen Mitarbeitern gewesen war und sie wusste, dass sie in Zukunft wesentlich verschwiegener sein musste, was ihre Arbeit anging.
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