Bestandsaufnahmen

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    Es pfeifen die Spatzen schon von den Dächern: die diesjährige Olympiade beginnt in nunmehr weniger als zwei Wochen!
    Das WBO-Orgatool ist hiermit initialisiert. Es mögen sich vor allem für die ersten Kategorien schnell findige Jury-Mitglieder finden.
    Wir wünschen allen viel kreativen Spaß!

    • Bestandsaufnahmen

      Grollend und berstend kracht es, als sich die Mauern des Hauses aus dem Nichts herauskristallisierten und den Raum schufen. Unter qualvollem Knarzen gebiert der Raum nun auch Durchgänge, Nischen, Türen und Fenster. Und die Fenster - manche groß, manche klein - lassen die Grenze des Inneren zum Äußeren durchschaubarer oder undurchsichtiger werden. Auch die Türen und Durchgänge werden zahlreich, denn sie verbinden ja diverse Raumeinheiten miteinander und schaffen eine innere Struktur, fast eine Psyche, deren Manifestationen in Resonanz wuchern und sich unaufhörlich vervielfältigen. Und erst die Wände, die ja das wahre Innenleben des Hauses bestens verbergen: Röhrenförmige Wasserleitungen, die manchmal einen unaufdringlichen Fluss vernehmen lassen und elektrische Leitungen, deren Knistern und zuckendes Glimmen an defekten Stellen zutage treten. Hier und da tropfende Ventile, feuchte Dichtungen und schwarz sich ausbreitende Flecken und unwohle Gerüche, die ja den Blick unweigerlich auf die fauligen Stellen des Hauses lenken. Dort wo sich schmale Nischen geformt haben, ranken Schatten sich Ecken, Wände und Decken hinauf. Sie verbergen ja das, was unsichtbar bleiben muss, um erkannt zu werden. Schmale Flure fließen wie Venen durch das Zentrum des Hauses und siedeln die einzelnen Räume an, wie Früchte an einem hölzernen Ast. Und auch hier zeigt sich ja das organische Fraktal, dessen Ausgangspunkt eine steinerne Schraube ist, die wie ein Rückgrat die vertikale Achse des Hauses bildet und alle Höhen- und Tiefenebenen miteinander verbindet. Am Unteren Ende dieser Achse ein Schacht, der noch tiefer führt. Am oberen Ende das Firmament, dessen Blick in Richtung All wandert und sich dort verlieren mag in einem Himmel voller Sterne. Inmitten all dessen gleicht das Haus einem pulsierenden Organismus, der jene in sich aufnimmt, die in ihm hausen und sich in ihm ausbreiten bis in die feinsten Kapillaren der Außenmauern. Wie ein schützender Wall formiert sich das Haus um seine Bewohner herum und wird von eben diesen geformt. Die Grenzgänge im Inneren des Hauses enden, wenn die Dunkelheit hereinbricht. Und noch niemand hat jemals angenommen, dass ja die Gefahr im Inneren des Hauses lauert.

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    • Wer dachte schon darüber nach, dass die Dimensionen im Inneren des Hauses die des Äußeren maßgeblich übersteigen? Ist dieses Haus nicht prächtig? Ein Palast, eine Höhle und wahrlich eine Festung, die ich unter beachtlicher Anstrengung erschaffen habe. Ich ruhe hier in Frieden und von irgendwoher naht schon der Eindringling heran, der gewillt ist, alles zu zerstören, was ich mühevoll errichtet habe. Schlimmer sind ja noch jene Feinde, die sich im Inneren meines Hauses versteckt halten. Achtsam halte ich die Türen und Fenster geschlossen und lasse niemanden herein. Und stets wahre ich den Schein, den mein Haus nach außen trägt. All die unsichtbaren Markierungen im Inneren, die nur auf mich schließen lassen können - sie machen diese Festung zu meinem Eigen. In Symbiose lebe ich mit meinem Haus, halte mich bedeckt, versteckt, unsichtbar. Nur die Fassaden meiner Festung blicken hinaus und werden erblickt, nicht aber ich selbst, der ich hier hause. Und in den zahlreichen Räumen, verwinkelten Ausrichtungen und sich überlappenden Ebenen fließe ich umher. Von ferner her vernehme ich ja schon schwere Schritte, die sich über die Treppe herauf zu mir schleichen. Sie werden schwerer, träger, dumpfer und ich verliere mich schon in meinem Haus. Immer tiefer bohren sich die Wurzeln dieser Festung in die kalte Erde unter mir. Und meine Gedanken steigen immer höher, entfernen sich von allem. Das Haus lagert aus, was es nicht absorbieren kann und es absorbiert, was es nicht abstoßen kann. Ich schließe die Fenster, weil es regnet und alles in diesen Räumen beginnt zu schweben. Lange dachte ich darüber nach, lange verlor ich mich weiter zwischen all den Fugen und losen Treppenstufen des Hauses, die mittlerweile nur noch klappernden Zähnen gleichen. Ich verstehe, dass dieses Haus zerfallen muss, dass sein Fundament versinken wird im nasskalten Schlamm der äußeren Welt und dass seine Mauern erschütterbar sind und einbrechen werden, dass die Grenzgänge im Inneren des Hauses enden werden, wenn die Dunkelheit hereinbricht und dass diese Dunkelheit niemand anderes als ich selbst sein werde und mein Haus ja nicht anders kann als mir ein permanenter Spiegel zu sein. Aber nicht ein einziges Mal habe ich darüber nachgedacht, dass es vielleicht umgekehrt gewesen sein könnte.

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    • Die Abläufe in meinem Haus sind fortwährend selbstähnlich und die gleichen. Während ich Wasser zum Sieden bringe, fällt mir aber eine unebene Stelle im Fliesenmuster an der Küchenwand auf. Es ist ja eine kleine, kaum mit dem Auge auszumachende Lücke in der Fuge. Und mit meinem geschärften Blick erahne ich einen Hohlraum, der dahinter liegen muss. Ich nähere mich schon dem Phänomen und muss erkennen, dass sich dieser Hohlraum ja sehr weit in die Wand hinein erstrecken muss. Aber er überschreitet dabei ja die eigentliche Tiefe der Wand, die vielleicht dreißig Zentimeter beträgt. Ich sinniere über diese Welt hinter der Wand, zwischen den Wänden, inmitten der Mauern dieses Hauses. Vielleicht spielt sich dort ein weiteres Leben ab, vielleicht wütet ein Feuer oder es gähnt eine eisige Schwärze, die klirrend sich durch die Lücke in der Fuge fressen will. Hinein in die Innenräume meines Hauses. Wahrscheinlich gibt es noch mehr dieser unebenen Stellen und bröckelnden Furchen. Ich befürchte ja schon Tag um Tag, dass ich mehr davon entdecken werde und dass sich langsam und schleichend die mysteriösen Geschöpfe dieser Zwischenwelten Eintritt in das Innere meines Hauses verschaffen. Ich ahne ja nicht ansatzweise, was sich jenseits meiner Mauern verbirgt. Vielleicht liegen dort prächtige goldene Gärten, die ich zu gegebener Zeit besuchen will.

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    • Seit geraumer Zeit umschwebt mich ja schon der Eindruck, dass mein Haus mir unentwegt Streiche spielt: Des Nachts vernehme ich eindeutig einen seichten Durchzug und manchmal auch das schmetternde Scheppern sich schließender Türen, die ich zuvor geöffnet hatte. Schwer vom Traume erwache ich dann und versuche, die Störgeräusche präziser zu orten. Die Herde dieser zitternden Unruhe bleiben mir verborgen und gewiss schwelen sie im Inneren meiner gewaltigen Festung, nicht etwa außerhalb von ihr. Aber zu gegebenen Zeiten scheint es mir ja so, als stünde ich außerhalb meines eigenen Hauses und ich blicke ja nur ahnungslos auf seine hohen und massiven Mauern, die den Blick in das Innere zuverlässig abwehren. Je mehr es mich auch reizt, hinein zu blicken und meinen Blick noch angestrengter zu schärfen, desto stärker scheint mich mein eigener Palast auszulagern und auszuschließen. Stand ich eben noch inmitten meiner Mauern, so befinde ich mich ja schon längst außerhalb ihrer selbst. Ich habe keinen Zutritt zu meinem Haus und da die Tür ja stets gut verschlossen ist - ich habe sie ja selbst verriegelt und mehrmals geprüft! - dämmert mir, dass ich es bin, der sich hier außgeschlossen hat. Und mein Haus steht fest verwurzelt da, rührt sich nicht und tut keinen Schritt. Je genauer ich hinsehe, desto trüber muten die Fensterscheiben an, die wie blind gewordene Spiegel nichts mehr reflektieren, nicht einmal das einstrahlende Licht der Sonne. Besonders beunruhigend empfinde ich ja auch den Anschein der einzigen Tür, die mich in das Innere meines Hauses hineinführen könnte. Da sie zunehmend mit dem ihr umliegenden Mauerwerk zu verschmelzen scheint, schwindet die Hoffung auf eine Einkehr maßgeblich. Schon bald wird sie ganz verschwunden sein und an der Stelle, wo sie jetzt noch schwach aufflackert, wird das Mauerwerk kränklich überwuchern und bald ja mit der restlichen Architektur meines Hauses zu einer einzigen, hermetischen Wand verschmelzen. So schaue ich von außen auf mein Inneres, auf meine Festung, in der ich mich selbst gefangen halte und aus der ich mich selbst ausgelagert habe. Und vielleicht erlebe ich ihren letzten Atemzug, wenn auch die letzte Tür in ihrem Inneren verschwindet und das letzte Fenster erblindet und mein Haus endgültig ersticken muss. Aber ich frage mich ja höchst entsetzt, wer ich denn ohne mein Haus bin. Über die Frage, wer ich vorher war, habe ich - das muss ich zugeben - noch nicht nachgedacht. Und vielleicht kann ich nicht sein, ohne mein Haus. Was ist das Haus ohne den, der es be-haust, nicht mehr und nicht weniger als eine Ruine, ein artefaktischer Organismus, der absterben muss ohne seinen Wirt und implodieren wird. Aber er hinterlässt ja doch tausend blinde Scherben, die sich im All zerstreuen und verlieren müssen. Man muss sie vielleicht einatmen, um das Äußere nach Innen zurückzubringen. Oder vielleicht war das Haus niemals die äußere Instanz, sondern ja nur die Abbildreproduktion meines eigenen Inneren.
    • Dem Riss gewahr, der sich erst kürzlich an der Wand aufgetan hatte, vergaß ich ja beinahe schon, geeignete Maßnahmen zu treffen. Wachsam ruhe ich, den fokussierten Blick auf die Wand und deren größer werdenden Riss gerichtet, der sich wie eine Grenze von unten beginnend nach oben hinzuziehen schien. Und jedes Mal wenn die Müdigkeit mich überkam und ich schwer erwachte, schien er ja auch tiefer geworden zu sein und auch dunkler. Bedeutsamer. Immer mehr feine Risse zweigten sich von ihm ab, wie feine Kapillaren eines expandierenden Blutgefäßes, das krankhaft aus der Kontrolle geraten war. Welches Ausmaß er wohl annehmen würde? Er durchzieht ja vielleicht schon bald die blanken Wände meines Hauses und breitet sich noch weiter aus, verschmilzt mit all den anderen unebenen und im Schatten vergessenen Stellen und bringt all die Steine zum Fall. Während die Fassade meines Hauses ganz und intakt anmutet, bröckelt sie an den Innenwänden allmählich und offenbart ihr wahres Wesen. Ist diese Fassade nicht eindrucksvoll? Mühevoll habe ich die Mauern errichtet, Stein auf Stein getürmt und wohlwollend alles miteinander verbunden. Jetzt ist alles im Begriff langsam zu zerfallen und mein Haus wendet schon bald sein Inneres nach Außen, unweigerlich. Höchst verunsichert von diesem Geschehen ersuche ich die Rettung meines Hauses und bearbeite alle entstandenen Risse mit einem geeigneten Material, aber eine schwarze Feuchte und Nässe hatten sich ja bereits in der Tiefe des Risses angesiedelt und machten ja nun all meine Rettungsversuche zunichte. Ich befürchte ja schon, dass ich gar nichts mehr bewirken kann und dass nun die Welt zwischen den Wänden endgültig hervorquellen wird und mein Haus vollständig resorbieren wird. Und ich inmitten dieser Wände, die zu beben beginnen und deren Risse tiefer werden, länger, dunkler und immer bedrohlicher. Aber dieses Haus bleibt nicht gleich groß und die Risse nicht gleich tief. Unwahrscheinlich bohrend und eindringlich dehnt sich ja jetzt der Innenraum meines Hauses und macht sich weiter, biegt und krümmt sich unter dem Gewicht seiner unermesslichen Dimension, die jetzt aus den zahlreichen dunklen Furchen heraus quillt und die Fassade meines Hauses mit enormer Krafteinwirkung abschüttelt. Angesichts des Geschehens begreife ich ja nicht einmal, dass ich die Trümmer meines Hauses schon längst in meinen Händen halte, da ja um mich herum nur noch Dunkelheit herrscht. Nicht aber die Dunkelheit einer mondlosen Nacht oder eines abgedunkelten Flures, sondern die Dunkelheit des endlos sich dahin streckenden, sternenlosen Alls.