Dreiundneunzigstes Speedbasteln am 18. Mai 2019

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    • Pleite!


      Kidraku hatte fast überall die Pfoten drin. Von Nahrungsmitteln über Fahrradreifen bis hin zu Türscharnieren. Im Grunde, egal, was man haben wollte, man hatte eine gute Chance, dass Kidraku es herstellte. Kidraku war die letzte der großen Firmen aus der Zeit vor der Währungsreform.
      Das Unglück begann in einer Fabrik für Speisefette, es gelangte ein Schmiermittel ins Fett. Bemerkt wurde es erst, als die Charge bereits in dutzenden weiteren Fabriken derselben Firma in diverse Fertiglebensmittel und Tierfutter verarbeitet war. Der finanzielle Verlust hielt sich zunächst in Grenzen, allerdings wurde Kidraku von vier Staatsgerichten verurteilt, die Prüfkosten der staatlichen Prüfinstitute zu übernehmen - ganz zu schweigen von den Kosten der Bluttests besorgter Bürger - es war zwar tatsächlich wohl nichts Kontaminiertes in den Läden gelandet, aber überzeuge da mal einen besorgten Bürger ...
      Allemal, das war teuer.
      Schweineteuer.
      Und die Umsätze gingen auch noch zurück. Die Teilhaber wollten aussteigen. Keiner wollte ihre Teilhaben kaufen. Die Kreditschwelle (berechnet aus dem Jahresumsatz und den leicht verfügbaren Wertbeständen) fiel unter die Summer der laufenden Kredite, eine halbgebaute Fabrik fiel an die Suieni-Bank, deren Teilhaber damit die (noch immer bestehende) Reifenfirma Kuskapa gründeten.
      Kidraku rotierte, verschob Werte, zerschlug sich geradezu selbst, indem Fabriken in eigene Firmen (die großteils noch immer bestehen) ausgelagert wurden. Der kümmerliche Rest war ... pleite. Die Schulden waren gar nicht so immens, aber durch die laufenden Kosten wuchsen sie immer weiter.
      Eine echte Pleite war seit der Währungsreform ein seltenes Ereignis, aber der Umgang damit war klar: Kidraku wurde verstaatlicht. Da kein Staat das wollte, wurde es im Verhältnis zum Staatsfinanzschlüssel unter den Staaten, in denen Kidraku operiert hatte, aufgeteilt. Die Staaten bezahlten die Schulden und die Angestellten und gründeten einzelne Fabriksfirmen (die auch zum größten Teil noch immer bestehen).
      Und damit war die letzte große Firma aus der Zeit vor der Währungsreform Geschichte.
      Wer das liest, ist auch nicht schlauer als vorher.
    • Einst lebte ein König, der fürchtete sich sehr vor dem Tod. Darum ging er in den Tempel der Tulpana und sprach zur Göttin: "Bewahre mir meine Gesundheit, so will ich dir jeden Tag ein Zeichen meines Dankes geben!" Die Göttin hatte schon viele solche Versprechungen gehört - sie war kein bisschen eitel und daher zuckte sie normalerweise nur mit den Schultern.

      Doch Aralfi, der Gott der List, hatte die Szene mitangehört, und flugs einen Schabernack ausgedacht. So nahm er die Gestalt der Tulpana an und trat vor den König. "Das ist ein großes Versprechen, o König! Kannst du mir denn auch wirklich jeden Tag huldigen?" - "Gewiss, das kann ich." - "So werde ich meine Hand schützend über dich halten, dass deine Gebeine heil bleiben!"

      Der König bestellte neun Minister, einen für jeden Tag der Woche, und hieß sie, dass sie sich an ihrem jeweiligen Tag bei ihm einfinden sollen, ihn zu beraten, was er denn der Göttin schenken könne. Einer der Minister war ein Barde, einer ein Maler, einer ein Schreiber, einer ein Schreiner, und einer ein Schreier, usw.

      Von einer Woche zur nächsten wurde immer ein Plan umgesetzt, sodass an jedem Tag eine Sache fertiggestellt wurde. Aralfi amüsierte sich wunderbar, und Tulpana freute sich über die vielen Gaben, die ihr geweiht wurden, auch wenn sie nicht so recht wusste, was den König denn zu einem so eifrigen Diener ihres Kultes machte.

      Das Ganze lief einige Monde lang, und tatsächlich war es dem König gelungen, jeden Tag der Göttin etwas neues und würdiges darzubringen. Aralfi wurde es nun langweilig. Also begann er, des Königs Pläne zu sabotieren - hielt hier und da eine Lieferung auf, verführte einen Künstler zum Trunk, bis er besoffen am Boden liegen blieb, statt eine Vase zu bemalen, et cetera.

      Eine Weile lang improvisierte der König noch - statt eines Gemäldes gab es eben einen Blumenstrauß, statt erlesenem Räucherwerk musste es ein bisschen bunter Dampf auch tun. Doch irgendwann plagte ihn das Gewissen, und er stieg wieder hinauf zum Tempel.

      "Tulpana, ich habe mein Versprechen nicht eingehalten! Fordere nun meine Schulden ein - welche Krankheit mich auch plagen soll, ich werde sie ertragen, doch zürne nicht meiner Angeberei!"

      Die Göttin merkte, dass ihr da etwas entgangen war, doch sie war noch nie rachsüchtig gewesen, und sie sagte "Sieh, du hast den Lauf des Lebens betrügen wollen, und daher werde ich deines bald nehmen... wenn der Zeitpunkt gekommen ist. Neun Krankheiten werden dich befallen, und neunmal sollst du geheilt werden - denn ich werde deinem Volk neun Pflanzen zeigen, die gegen diese Krankheiten Heilung bringen. Deinem Volk, dass mir so fleißig gehuldigt hat, soll die Narretei ihres Königs kein Schaden sein!"

      ~

      Mir ist nicht wirklich was eingefallen.^^
      Nights are deep when days are long. / / / Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
      »Aus den Nacken waren Kehlköpfe geworden.« (2019)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Jundurg ()

    • @Kidraku

      Hmm, dass ein Herstellungsfehler gleich nen Weltkonzern zerlegt, scheint mir ganz schön heftig - da würde ich (wenn ich das mitverfolgen würde) eher darauf tippen, dass da schon einige Faktoren schief lagen, so im Verteckten.
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    • @Jundurg: Das ist eine nette Idee, dass ein Gott jemanden überlistet, einem anderen Gott zu huldigen. Du hast gesamt aber ziemlich sympathische Götter da, gell?

      Bei Kidraku kommen einige Sachen zusammen, die nicht direkt am Konzern liegen. Zunächst einmal die Währungsreform, seit der es nicht mehr sinnvoll ist, Wert auf der Bank zu horten, entsprechend tut man das auch als Weltkonzern nicht - und das rächt sich natürlich, wenn man plötzlich viel Geld braucht. Das viele Geld braucht man unter anderem deswegen, weil der "gefühlte Wert" der Firma seit der Währungsreform nicht mehr da ist - all die Big-Player von davor haben einen eher schlechten Ruf, was den Umgang mit Werten angeht, z.B. sind sie wegen überproportionaler Ausschüttungen an die Teilhaber verschrien, obwohl sie das gar nicht mehr machen (können). Entsprechend ist die Allgemeinheit recht froh, eine Gelegenheit zu haben, es der Firma mal so richtig zu zeigen => jeder wirft Kidraku Steine in den Weg. Die Staaten finden multinationale Konzerne (die sich, je nach staatlicher Streichelei, aussuchen, wo sie Steuern zahlen) auch nicht gar so prickelnd.
      Im Endeffekt ist jeder gegen Kidraku und Kidraku säuft mitten unter feixenden Zuschauern ab.
      (Und ja, das ist genau das, was ich diversen irdischen Riesenkonzernen wünsche.)
      Wer das liest, ist auch nicht schlauer als vorher.
    • Veria schrieb:

      Das ist eine nette Idee, dass ein Gott jemanden überlistet, einem anderen Gott zu huldigen. Du hast gesamt aber ziemlich sympathische Götter da, gell?
      Öhm... huh.^^
      Ich hatte echt voll den Speedbastelstress, in ner halben Stunde nen Plot zu fabrizieren; hab dann irgendwie angefangen und relativ planlos geschrieben bis zur Deadline. Das Ergebnis ist ... naja.^^

      Aralfi ist aber natürlich wieder ein weiterer Name für Relapi, und dieser Trickster-Gott ist wohl in allen Legenden irgendwie chaotic-neutral, und soll weder besonders böse, noch besonders lieb daherkommen. In dem Fall ist mir halt kein besserer Schabernack eingefallen, das ist tatsächlich ein bisschen zu nett.^^

      Veria schrieb:

      jeder wirft Kidraku Steine in den Weg. Die Staaten finden multinationale Konzerne (die sich, je nach staatlicher Streichelei, aussuchen, wo sie Steuern zahlen) auch nicht gar so prickelnd.
      Im Endeffekt ist jeder gegen Kidraku und Kidraku säuft mitten unter feixenden Zuschauern ab.
      Sehr schön. ;D
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