Eine Frage der Erzählperspektive

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Eine Frage der Erzählperspektive

      Welche Erzählperspektive bevorzugst du in Romanen? 16
      1.  
        Wechselnde Perspektiven (verschiedene Charaktere/Blickwinkel) (12) 75%
      2.  
        Er/Sie-Erzähler (dritte Person, personal) (11) 69%
      3.  
        Ich-Erzähler (personal) (2) 13%
      4.  
        Etwas anderes ... (2) 13%
      5.  
        Auktorialer Erzähler (allwissend) (1) 6%
      6.  
        Ich-Erzähler (auktorial) (0) 0%
      7.  
        Neutraler Erzähler (keine definierte Person) (0) 0%
      Aus welchen Erzählperspektiven schreibt ihr für gewöhnlich eure Erzählungen/Romane/Kurzgeschichten, und warum?
      Welche Perspektive zieht ihr als Leser vor?
      Wann würdet ihr eine Ich-Perspektive nutzen, wann auf keinen Fall?
      Wenn Ihr die Ich-Perspektive nicht mögt, was nervt euch daran?

      Wie ich gerade darauf komme:
      Ich versuche gerade, meinen vor Jahren begonnenen Ardanea-Roman wieder aufzutauen, an dem ich mit einem Kollegen geschrieben habe. Aus irgendeinem Grund hielten wir es damals für eine gute/passende Idee, einen Ich-Erzähler zu verwenden. Heute bin ich davon nicht mehr so ganz überzeugt. D.h. ich bin unsicher, ob es die richtige Perspektive für diese Geschichte ist. Der Erzähler ist und bleibt definitiv personal, soll also nichts beschreiben können, was er nicht selbst miterlebt hat/mit eigenen Augen beobachten konnte. Und das Buch hat zwar einen Prolog und Epilog aus Sicht eines anderen Charakters, aber da bin ich nicht mal sicher ob ich den nicht am Ende doch weglasse. Das heißt, innerhalb des Romans gibt es keinen Wechsel zwischen verschiedenen Charakteren/Erzählern.
      nobody.

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Yrda ()

    • Als Leserin habe ich da keine eindeutige Präferenz, wobei ich Wechsel zwischen erster und dritter Person eher seltsam fände, wenn du das mit "wechselnde Perspektiven" gemeint hast. Alles andere hängt auch mit dem Stil der Geschichte zusammen und kann alles funktionieren, wenn es gut gemacht wird.
      Wenn ich selber schreibe, nutze ich meistens dritte Person, aber mit Ich-Erzählern habe ich auch schon experimentiert. Für Fantasy-Geschichten mit viel Weltenbastel-Hintergrund finde ich das aber eher schwierig, weil man weniger an Hintergrundinfos hereinbringen kann, jedenfalls wenn der Erzähler in der Welt zuhause ist. In der dritten Person kann man dann doch erwähnen, dass er beispielsweise die aus dem teuren Holz XY gefertigte Treppe hochgeht, um beim Leser ein genaueres Bild zu erzeugen, während die Figur selber vielleicht in dem Moment gar keinen Gedanken an das Holz verschwendet. Wobei ich mir jetzt auf Anhieb gar nicht sicher bin, ob das dann noch "personal" ist, auf jeden Fall wird es aber in der Fantasy öfter so genutzt, auch wenn die Perspektive ansonsten auf die Hauptperson fokussiert und nicht allwissend ist.
      Wenn die Geschichte aber eher charakterzentriert als weltenzentriert ist, kann das mehr Nähe zum Erzähler schaffen.
      Neutral habe ich höchstens mal, wenn ich irgendwelche Nachrichtenberichte oder Zeitungsartikel etc. einbaue, einen wirklichen Roman würde ich so aber nicht schreiben wollen.
    • Mit wechselnder Perspektive meinte ich eigentlich eher sowas wie Wechsel zwischen Charakter 1 und 2 - um das Problem zu umgehen, dass man vielleicht einen personalen Erzähler hat, aber gerne noch mehr vom Geschehen zeigen will. Tatsächlich hab ich aber derzeit beides. :-/

      Bücher, die mich bisher am meisten gefesselt haben, waren in personaler dritter Person verfasst, aber ich kann nicht sagen, inwiefern die Erzählperspektive dazu beigetragen hat, dass die Geschichten für mich so gut funktionierten und so spannend waren. Hab auch nicht probiert, wie sie sich gelesen hätten, hätte da zum Beispiel ein "ich" gestanden.
      Allerdings waren die letzten Bücher die ich gelesen habe, auch solche, wo aus Sicht verschiedener Charaktere erzählt wurde, und da wäre eine Ich-Perspektive wohl eher verwirrend gewesen, insbesondere wenn es mehr als zwei Charaktere sind.

      Ich schätze, ich schreibe bzw. bearbeite (an sich ist die Geschichte schon von Anfang bis Ende "geschrieben") wohl erstmal so weiter und entscheide dann ggf hinterher, ob ich alles nochmal umarbeite in die dritte Person. Fühlt sich dann sicher ganz anders an. Hmmm. Tatsächlich ist es derzeit es so, dass der Prolog + Epilog meiner Geschichte in dritter Person geschrieben ist (eines Charakters, der in der Geschichte nicht auftaucht), und die eigentliche Geschichte aus der Ich-Perspektive des Protagonisten. Es wird eben eingeleitet á la "Lass mich dir meine Geschichte erzählen" und im Epilog wird die Geschichte durch diesem anderen Charakter beendet. Ich schließe aber nicht aus, dass ich diesen Prolog und Epilog nicht doch noch ersatzlos streiche.

      Ob die betreffende Geschichte eher charakter- oder eher weltenzentriert ist ... ist eine gute Frage, die ich gar nicht so einfach beantworten kann. Ursprünglich diente sie dazu, ein bisschen was von der Welt zu zeigen. Aber natürlich entwickelt sowas ein Eigenleben und ist schon auf den Protagonisten fixiert. Also ... vermutlich eher ersteres.
      nobody.
    • Ich habe eine Präferenz für Ich-Perspektiven, wenn es um charakterbezogene Geschichten geht. Die Tendenz geht ja ohnehin dazu, auch 3.Person-Perspektiven so zu schreiben, als wären es ich-Erzähler, also deren Gedanken einzubauen.

      Aber für andere Arten Welten/Geschichten/Texte gilt was anderes. Surrealistische Stile können ja sogar ohne klare Perspektive auskommen.^^ Ich habe eine Abneigung dagegen, wenn die Erzählperspektive ständig zwischen verschiedenen Personen herumspringt - aber das liegt eher daran, dass mich die von Cliffhangern getriebenen Plots nerven. (Leider sind halt auch viele gute Geschichten so geschrieben, und funktionieren auch nur so.^^)

      Richtig fasziniert hat mich die Perspektive bei Sternjäger (von Shay/Silph). Weil eine ständig zwischen Protagonisten wechselnde Perspektive, bei denen sich aber trotzdem alle eigentlich immer am selben Ort befinden, hat was ganz besonders. Bin mir nicht sicher, ob ich das sonst wo gesehen habe bis jetzt.
      Nights are deep when days are long. / / / Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
      »Aus den Nacken waren Kehlköpfe geworden.« (2019)
    • Ein Vorteil, den die Ich-Perspektive natürlich bietet, ist vielleicht auch, dass man das Geschlecht des Erzählers nicht zwingend definieren muss. Oder den Leser an der Nase herumführen/überraschen kann, wenn man mit seinen Vorurteilen spielt, was für ein Geschlecht der Erzähler denn hat und überhaupt, was für eine Person es ist. Oder das überhaupt ganz offen lassen.

      Ich würde eigentlich im Moment lieber eine Geschichte einer weiblichen Protagonistin schreiben, aber dafür will ich diese hier erstmal "vom Tisch" haben.

      Bei wechselnder Perspektive habe ich Game of Thrones im Hinterkopf, das natürlich auch von Cliffhangern gelebt hat ... oder Stormlight Archives ... oder Wheel of Time. Und Otherland, wenn ich mich recht erinnere. Ja, irgendwie viele Buchreihen, die wirklich umfangreich sind. Also bei dieser Option denk ich mir zumindest, dass es vermutlich einfacher ist, zu entscheiden, ob die die "richtige" oder "notwendige" wäre.

      Sternjäger habe ich leider noch nicht gelesen. Wird da zwischen Protagonisten in dritter Person gewechselt? Kann mir schon vorstellen, dass das funktioniert, auch wenn sie sich am selben Ort befinden. :) In der Phileasson-Saga ist es auch so, auch wenn es da zwei Gruppen von Charakteren gibt und die wiederum voneinander getrennt sind - also die Perspektiven da natürlich auch mal zwischen diesen beiden Gruppen wechseln.
      nobody.
    • Ich mag Geschichten mit unterschiedlichen Erzählperspektiven eigentlich recht gerne, sowohl als Leser als auch als Schreiber. Dadurch bekommt man nämlich die Möglichkeit unterschiedliche Perspektiven mitzuerleben, was gerade bei Geschichten mit einem größeren Setting sehr hilfreich sein kann.
      Ich finde aber auch, dass man dabei viel falschmachen kann. Gerade Cliffhänger nerven mich auch extrem und es fällt mir auch schwer, mich dann darauf zu konzentrieren wie Protagonistin B ihr Kleid für den Ball aussucht, während ich gerade Protagonistin A in einer lebensgefährlichen Situation verlassen habe. Zumindest bei mir geht bei dieser Form von Erzählstil dann auch einiges unter, weil ich bei der Protagonistin in der weniger prekären Situation dann erstmal nur überfliege.
      Unglücklich finde ich auch, wenn beispielsweise die Perspektive des Mentors kommt, wo er darüber nachdenkt wie talentiert die Protagonistin ist, obwohl er das ihr gegenüber anders darstellt, oder die Perspektive des potenziellen Partners, wo der Leser dann schon erfährt, dass das Interesse auf Gegenseitigkeit beruht, während die Protagonistin das noch nicht weiß usw. Da kann sowas dann auch mal zu viel wegnehmen. Genauso sinnfrei finde ich Teile aus der Sicht des Antagonisten, die nicht zu einer differenzierten Darstellung beitragen, sondern nur zeigen, wie böse er ist. Teile aus der Sicht des Antagonisten können funktionieren, vor allem, wenn er eine nachvollziehbarere Motivation hat, die dadurch dargestellt wird, aber einfach ist es nicht.
    • @Amanita
      Ja, in solchen Fällen nerven mich Cliffhanger auch total. Das führt bei mir manchmal auch dazu, dass ich den anderen Charakter, der dann "dazwischenkommt", insgesamt auch als nerviger empfinde, obwohl er oder sie das eigentlich nicht verdient hat und ja auch nichts "dafür kann". Andererseits wünsche ich mir in Geschichten auch Spannung, und da helfen natürlich auch Cliffhanger ...

      @Veria
      Hihi, das ist ja witzig. Karl May hab ich nie gelesen ... aber ich kann so im Nachhinein (zumindest nach ein paar Jahren) eh selten sagen, ob Bücher die ich gelesen habe, in Ich-Perspektive oder dritter Person geschrieben wurden (ohne nochmal nachzusehen, wie ich es bei Name des Windes getan habe). Hm.
      nobody.
    • Yrda schrieb:

      Sternjäger habe ich leider noch nicht gelesen. Wird da zwischen Protagonisten in dritter Person gewechselt?
      Ja. Interessant auch, dass die Namen der anderen Charaktere teilweise wechseln, weil sie sich nicht alle gleich nennen. (Stehen ja in unterschiedlichen Beziehungen zueinander.)

      Yrda schrieb:

      Bei wechselnder Perspektive habe ich Game of Thrones im Hinterkopf, das natürlich auch von Cliffhangern gelebt hat ... oder Stormlight Archives ... oder Wheel of Time. Und Otherland, wenn ich mich recht erinnere. Ja, irgendwie viele Buchreihen, die wirklich umfangreich sind.
      Ja, und bei solchen langen Epen nervt mich der Perspektivenwechsel, weil das dann oft zu Doppel- und Dreifach-Cliffhangern führt, und ... manchmal sind die Auflösungen auch noch antiklimaktisch, dann fühle ich mich halt hinters Licht geführt.

      Amanita schrieb:

      es fällt mir auch schwer, mich dann darauf zu konzentrieren wie Protagonistin B ihr Kleid für den Ball aussucht, während ich gerade Protagonistin A in einer lebensgefährlichen Situation verlassen habe. Zumindest bei mir geht bei dieser Form von Erzählstil dann auch einiges unter, weil ich bei der Protagonistin in der weniger prekären Situation dann erstmal nur überfliege.
      This!

      Amanita schrieb:

      Genauso sinnfrei finde ich Teile aus der Sicht des Antagonisten, die nicht zu einer differenzierten Darstellung beitragen, sondern nur zeigen, wie böse er ist.
      Uff, das ist mir neulich erst wieder untergekommen. Szenenwechsel zu EVIL Person, und in der Szene passiert genau gar nichts, außer dass die Person frustriert ist, dass ihr Plan nicht aufgeht, und sie halt weiteres EVIL Zeugs plant, aber auch nicht wirklich konkret, sondern eher so "Ich muss die Protas stoppen !11!!" ;D
      (Aber gut, das entsprechende Buch war eine einzige Achterbahnfahrt aus "so bitte nicht schreiben", da durfte das auch nicht fehlen.)

      Veria schrieb:

      Jeder Ich-Erzähler wird von meinem Unterbewusstsein sofort mit Karl May in Verbindung gebracht.
      Uhm. Hmm. Uh oh. Dann muss ich ja aufpassen mit meinem Ich-Erzähler.^^

      Die Assoziation müsste sich aber eigentlich bald mal überschreiben, wenn du ein paar andere Bücher liest, v.a. in ganz anderem Stil?
      Nights are deep when days are long. / / / Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
      »Aus den Nacken waren Kehlköpfe geworden.« (2019)
    • Ich habe das Gefühl, dass der auktoriale Erzähler etwas zu Unrecht aus der Mode gekommen ist. Eine etwas übergeordnete Erzählperspektive kann auch Spaß machen.

      Wenn nur noch die hochpersonale SiEr-Perspektive für eine Erzählung als angebracht gesehen wird, schränkt das vielleicht doch etwas zu sehr ein. Ich würde jedenfalls gerne mehr auktorial erzählte Geschichten lesen.
      Zwei gesichtslose Tintenfische tanzen in den Tod

      Fragen stellen ist wichtiger als Antworten geben. Meistens...
    • Ich denke, eine auktoriale Erzählperspektive kann unter Umständen schon interessant sein/gut funktionieren. Wenn es eine schöne Erklärung gibt, warum dieser Erzähler alles weiß. Zumindest würde mir das sonst fehlen, wenn es einfach gegeben wäre.

      Leider weiß ich gar nicht, ob ich überhaupt mal einen Roman gelesen habe, der auktorial erzählt war. Hätte da jemand ein Beispiel? Alpha? Mich würde da ja vor allem der Fantasybereich interessieren. :D
      nobody.
    • @Jundurg, ich lese Ich-Erzähler durchaus gelegentlich, aber ich muss mich dann bewusst gegen die Verknüpfung wehren. Passt nicht so ganz, wenn z.B. Ephraim Kishon seiner dbEva mit Bärentöter und Henrystutzen gegenübersteht. ;D Und ich lese Kishon ganz gern.
      Und deinen namenlosen Ich-Erzähler lese ich auch ganz gern.
      Okay, nicht-mögen ist etwas harsch formuliert. Aber ich bevorzuge die dritte Person, im Übrigen, @Alpha Centauri, gerne auch mal auktorial, aber Yrda liess nur zwei Sachen anhakeln.
      Wer das liest, ist auch nicht schlauer als vorher.
    • Jundurg schrieb:

      Richtig fasziniert hat mich die Perspektive bei Sternjäger (von Shay/Silph). Weil eine ständig zwischen Protagonisten wechselnde Perspektive, bei denen sich aber trotzdem alle eigentlich immer am selben Ort befinden, hat was ganz besonders. Bin mir nicht sicher, ob ich das sonst wo gesehen habe bis jetzt.
      Das... äh... :o Danke! :D

      Bei Sternjäger hat sich das mit den wechselnden Perspektiven einfach so ergeben, weil das ganze als Projekt entstand, zwei unabhängige Texte zu einem zu vereinen. Aber auch bei den Sachen, die ich allein geschrieben habe, wechsle ich gerne so die Perspektiven. Es gibt einfach zu viele interessante Menschen auf meiner Welt, um bei einer zu bleiben. ;)
      Normalerweise wird ein Perspektivenwechsel oft dadurch erzwungen, weil einfach nicht immer alle Personen am Ort des Geschehens sind. Das war bei Sternjäger anders. Wie Jundurg geschrieben hat, sind unsere vier Erzähler eigentlich immer beisammen - und außer den vieren gibt es praktisch keine Personen. Bei Sternjäger war es eher so, dass jeder der vier eben eine andere Sicht auf die Welt hat. Manche Szenen hätte man schon aus jeder Sicht schreiben können, aber sie hätten einen anderen Fokus gehabt, oder andere Informationen enthalten. Und andere Szenen gingen nicht aus alles Sichten. Eine lyrische Beschreibung von Mondlicht auf dem nächtlichen Meer kann ich nicht aus Sicht von Firas schreiben - der ist so romantisch wie ein Stück Knäckebrot.
      Mal ein Beispiel: als sie das Schiffswrack finden, entdecken sie dort eine Tafel mit Schriftzeichen.
      Dándrren: kennt die Schrift, kann sie lesen, weiß was da steht und weiß, dass er es vor den anderen geheim halten muss
      Eirik: kennt diese Schrift nicht, aber er kann lesen und schreiben in einer anderen Schrift. Er vermutet, dass das Schriftzeichen sind, hat aber keinerlei Assoziationen dazu.
      Shay: kann nicht lesen und schreiben. Er hat diese Schrift in etwas anderer Form schonmal gesehen ohne sich genau daran zu erinnern. Er erkennt die Zeichen nicht als Schrift, hat aber eine dumpfe Assoziation.
      Firas: kann nicht lesen und hat die Schrift noch nie gesehen. Für ihn ist es einfach eine Verzierung.
      Ich kann die Szene aus jeder Sicht schreiben, aber sie hat immer einen völlig anderen Inhalt. (Ok, Shay und Firas sehen im Buch die Schrift nicht, aber man hätte es so einrichten können).

      So, aber jetzt zu meinen Vorlieben.
      Ich hasse Romane in der Ich-Person. Ich glaube aber nicht, dass das an einer Prägung durch Karl May liegt - auch wenn die bei mir durchaus gegeben wäre. Mein Problem ist eher, dass ich ein Leser bin, der sich mit der Hauptfigur des Romans nicht identifizieren will, sondern ich will sie anschmachten. Deswegen mag ich auch keine Frauen als Hauptfiguren. Ich steh halt einfach auf Männer.
      Es gibt zwei Bücher, denen ich den Ich-Erzähler verziehen habe und witzigerweise sind beides Artus-Romane. Das eine ist "Sword at Sunset" von Rosemary Sutcliff. Das andere sind die (nicht veröffentlichten) Tafelrundengeschichten von Silph. Letzteres ist auch das einzige Buch, das ich kenne, das wechselnde Ich-Erzähler hat und das nicht zu knapp. Damit man sich da nicht völlig verirrt, tragen da die einzelnen Abschnitte keine Kapitelüberschriften sondern den Namen des Erzählers, also Artus - Kai - Merlin - ...

      Am einfachsten tue ich mich mit personalen Erzählern der 3. Person. Gegen Wechsel im Erzähler habe ich nichts einzuwenden. Aber wenn die Handlung zu einem anderen Strang wechselt, kann mich das schon draus bringen. Allerdings weiß ich auch, dass einem bei komplexeren Erzählungen oft nichts anderes übrig bleibt.
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • Sehr interessante Sichtweise, Shay!

      Hm ... aber warum fällt es schwerer, einen "Ich"-Erzähler anzuschmachten? Nur mal angenommen, er wäre sympathisch - kann man ihn nicht auch anschmachten, wenn man das Gefühl hat, er würde direkt nur einem selbst eine Geschichte anvertrauen/erzählen?

      Andererseits klar, mit einem "Ich"-schreiber würde ich mich eher identifizieren, als wenn ständig von einem benannten "Er" die Rede ist. Aber dann wieder ... ich weiß ja, dass *ich* das was da steht, nicht erlebt habe.


      Abschnitte deutlich Charakteren zuzuordnen, indem sie entsprechend betitelt sind, ist eine gute Idee. Bei den Stormlight Archives gab es sowas in der Art bei den Kapiteln, die hatten jeweils eine eigene Vignette passend zum jeweiligen Charakter.
      nobody.
    • Yrda schrieb:

      Hm ... aber warum fällt es schwerer, einen "Ich"-Erzähler anzuschmachten? Nur mal angenommen, er wäre sympathisch - kann man ihn nicht auch anschmachten, wenn man das Gefühl hat, er würde direkt nur einem selbst eine Geschichte anvertrauen/erzählen?
      Ich bin halt so gepolt. Wenn das Ich nicht in wörtlicher Rede auftaucht, dann ist meine erste Assoziation ich als eben ich. Und mich selber kann ich nicht anschmachten. Dann habe ich immer den zusätzlichen Transfer, dass ich mich daran erinnern muss, dass das ich in dem Roman ja nicht ich bin und das macht es einfach anstrengend. In so ein Buch kann ich nur sehr schwer "abtauchen".
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • Yrda schrieb:

      Ich denke, eine auktoriale Erzählperspektive kann unter Umständen schon interessant sein/gut funktionieren. Wenn es eine schöne Erklärung gibt, warum dieser Erzähler alles weiß. Zumindest würde mir das sonst fehlen, wenn es einfach gegeben wäre.

      Leider weiß ich gar nicht, ob ich überhaupt mal einen Roman gelesen habe, der auktorial erzählt war. Hätte da jemand ein Beispiel? Alpha? Mich würde da ja vor allem der Fantasybereich interessieren. :D
      Spontan fällt mir Wolf Haas aus dem Krimigenre ein. Ein Meister im Spielen mit dem Leser und Andeutungen machen. Auf seine Wiese ist der Ich-Erzähler dort auch eine Person, die nimmt aber nicht am Geschehen teil (mit einer Ausnahme in einem Buch)
      Zwei gesichtslose Tintenfische tanzen in den Tod

      Fragen stellen ist wichtiger als Antworten geben. Meistens...
    • Ich experimentiere immer gerne, da ich eh nie Geschichten habe die ich erzählen möchte, sondern halt irgendwas schreibe.
      Zum Beispiel schreibe gerne in der 2. Person. Da kann ich mich am besten in den Charakter reinversetzen, denn ich spiel den dann quasi.
      Aber ich probier auch anderen Kram: Im letzten Text, den ich geschrieben habe, gab es sieben Frauen, die alle einmal mit Namen genannt werden, aber im fortlaufenden alle immer nur mit "sie" bezeichnet werden. Dadurch muss man ständig erraten oder entschlüsseln wer gerade wer ist. ;D
    • @Alpha Centauri'Hui, muss ich mir mal merken. :)

      @Tö
      Ah, interessant ... wenn ich nen Charakter spiele im Pen&Paper, dann spiele ich den immer in der Ich-Form (und die meisten meiner Mitspieler auch). Einer rutscht hin und wieder ins "er". Ich glaube das ist wohl auch von Rollenspielrunde zu Rollenspielrunde unterschiedlich, ob man die Handlung des eigenen Charakters aus der dritten oder ersten Person beschreibt. Die erste Person fand ich für sowas wiederum total natürlich und ich hatte da gar nicht drüber nachgedacht, es anders zu machen.

      Dein Experiment mit der Entschlüsselung und Rätselei klingt interessant! :)

      Ich hatte mal vor einigen Jahren probiert, eine Weiterschreibgeschichte mit ein paar Leuten in einem Forum zu schreiben, die keine Personalpronomen für den/die Protagonisten/in kannte. Aber eben auch nicht in ich-Perspektive geschrieben war. Die Protagonist-Person trug nur einen möglichst "neutralen" Namen. Das Experiment war recht reizvoll, spannend, weil es manchmal eben gar nicht so einfach war, nicht immer wieder auf die selbe Weise zu formulieren, oder Sätze nicht komisch und hakelig klingen zu lassen, bemüht ... hat aber auch Spaß gemacht.


      Mir fiel grad auch die Unendliche Geschichte wieder ein, bei der ich mir gar nicht so ganz sicher bin, wie die Erzählperspektive da eigentlich einzuordnen ist. Das Buch mag ich sehr gern und irgendwie muss ich es mal wieder lesen ... ich meine, da wird zwischen verschiedenen Perspektiven gewechselt (ist da was auktoriales dabei?), aber das passt da eben auch total gut zur Geschichte.
      nobody.
    • Ich bin auch mehr der Er/Sie-Erzähler- bzw. Wechselnde Perspektiven-Fan.

      Aber - und dass ist der Grund, warum ich hier was schreibe - ich habe zuletzt ein Buch gelesen, wo Passagen aus der Du-Perspektive geschrieben wurden. Sprich: Der Leser wurde direkt angesprochen und damit in die Szene versetzt. Dadurch war das Gefühl, dass man beim Lesen hatte, ein sehr merkwürdiges aber auch sehr intensives. Gerade auch deswegen, weil diese Du-Passagen ziemlich grob, hart und eklig waren. Es war nicht so, dass eine andere Person da gerade das alles durch machen musste, sondern man war selber der Protagonist. Und es fühlte sich - meiner Meinung nach - intensiver an, als wie bei der Ich-Form.
      Diese Du-Form hatte auch bis dato noch nirgendwo sonst gesehen und muss sagen, dass ich den Wechsel von der dritten Person in diese Du-Erzählung sehr seltsam, verwirrend aber letztendlich doch interessant fand. Geht wahrscheinlich nicht überall, aber es ist eine Technik, die man sich mal merken sollte.
      "Barbarism is the true nature of mankind. Civilisation is unnatural!" - Conan
      "Das ist KEIN Müll! Das ist MEINE WELT!" - Rilli
      Gaia | Cimorra | Brainfarts
      Deviant Art | Logan's Fantastische Welten