Urbane Fantasy - Charakterisierung von (realweltlichen) Städten

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    • Urbane Fantasy - Charakterisierung von (realweltlichen) Städten

      Ein Thema, das mir immer wieder mal durch den Kopf geht, aber ich meistens bald wieder beiseite lasse - es ist ja nicht so, als ob ich zuwenige Welten hätte.

      Aber es ist halt auffällig, dass es von einigen Großstädten enorm viel Fantasy gibt, die in diesen spielt, und von einigen weniger. Das ist natürlich nichts ungewöhnliches, immerhin ist Fantasy im englischsprachigen Raum einfach mehr verwurzelt und daher gibt es Bücher, die in London spielen, zuhauf. So viele, dass sich vermutlich zumindest ein bisschen Ideen herausentwickelt haben, was denn in London besonders magisch ist.

      Ich finde es aber schwierig, herzugehen und mich an Städte in meinem Umkreis heranzumachen. Klar hab ich ein paar Ideen für Wien, wenn ich schon ne ganze Weile hier wohne, aber sie gehn mir auch ziemlich schnell wieder aus. Ich habe wenig Lust auf eine Recherche, die weit in die Geschichte zurückgeht (tja okay, könnte eins sagen, das ist dann mein Problem, wenn ich da keine Lust habe.^^). Mir scheint das auch nicht immer so ergiebig.

      Die wenigen in Wien angesiedelten urbanen Fantasytexte sind unterschiedlich herangegangen. Ein Buch hat sich auf K&K-Zeit spezialisiert und macht Witze über eine überbordende unüberwindliche Bürokratie, und bringt den Aspekt des Vielvölkerstaates hinein. Ein Text spielt in der Jetztzeit und benutzt wenig spezifische Eigenheiten der Stadt, aber bringt einige Orte hinein, die bekannt sind, wenn du in Wien wohnst, etwa den Wienfluss und die düsteren Stellen wo dieser unterirdisch verläuft.

      Und natürlich gibt es früher oder später die fehlende U-Bahn U5.^^ Dieses Plotelement wird allerdings dadurch zunichte gemacht, dass sie jetzt mittlerweile im Bau ist.

      Ich weiß nicht, wie das bei anderen Städten so ist. Aber ich würde halt doch gerne mehr Texte lesen, die in Wien, Berlin, München, usw. spielen. ABER natürlich auch in einer Weise, dass es nicht nur für die verständlich ist, die dort wohnen. Das heißt, es gilt auch, Eigenheiten einer Stadt auf selbsterklärende Weise zu verwenden, als Flair. Ich muss nicht jede Anspielung verstehen in einem Buch, das in London spielt - im Gegenteil verstehe ich sehr wenige wohl, aber ich finde es trotzdem reizvoll.

      Und ich hätte einfach Spaß daran, Fragen zu stellen wie "Wenn in Wien eine Magieschule wäre, dann wo?" (Wenn nicht in Wien, sondern weiteres Umfeld, dann steht das Waldviertel eh ohne Konkurrenz da.^^)

      Ich hab jetzt als Beispiel natürlich erstmal Wien zur Hand, weil ich halt hier lebe. Aber mich interessiert auch, ob ihr allgemeinere Ideen habt, die über das Recherchieren von Sagen o.ä. hinausgehen. Vielleicht Inspiration durch Zeitungen? Straßenzeitungen? Tagespolitische Ereignisse? (Ich nehme mal an, dass für Berlin der Flughafen ein Thema wäre...) Oder einfach auch die lokale Bevölkerung, und deren Zusammensetzung. Typische Nachnamen (slawische für Wien, z.B.). Wichtig auch, welche Vorurteile existieren außerhalb der Stadt über diese?
      Neverwhere ist in der Londoner Unterwelt (mit U-Bahn) angesiedelt und nimmt ja auch etliche Inspiration daraus, besonders aus Stationsnamen. Das ist vielleicht ein Schema? Also Namen hernehmen und umdeuten...

      Und vielleicht ist auch eine wichtige Frage, welche Aspekte du lieber weglässt - also was für Außenstehende unverständlich ist. Oder wie so etwas dann doch noch eingebaut werden kann, ohne zu stören. Ich will ja so ein Buch durchaus auch so lesen, dass ich ein bisschen etwas von dem Flair einer Gegend mitnehme. Und das muss auch keine Stadt sein, nur klingt rural fantasy jetzt nicht so berauschend, bzw. hat sich halt nicht so eingebürgert.^^

      Naja. Ich stelle das mal so hin, vielleicht hat ja jemand Lust, darüber nachzudenken. :)
      Nights are deep when days are long. / / / Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
      »Aus den Nacken waren Kehlköpfe geworden.« (2019)
    • Jundurg schrieb:

      Das ist natürlich nichts ungewöhnliches, immerhin ist Fantasy im englischsprachigen Raum einfach mehr verwurzelt und daher gibt es Bücher, die in London spielen, zuhauf. So viele, dass sich vermutlich zumindest ein bisschen Ideen herausentwickelt haben, was denn in London besonders magisch ist.
      Ich kenne mich mit Urban Fantasy nicht aus. Ich gehe aber stark davon aus, dass insbesondere London primär deshalb so oft Schauplatz sein könnte, weil London meines Wissens nach zum einen recht lange ein angesagter "Szeneort" für allerhand wissenschaftliche Thematiken jeglicher Coleur war. Zum anderen waren Spiritismus und Esoterik während des viktorianischen Zeitalters in ungefähr so angesagt, wie heutzutage in einen berliner Starbucks einzukehren und dort das neuste iPad- oder iPhone-Modell möglichst exponiert zur Schau zur stellen, während zeitgleich ein Foto des Kaffeebechers samt Inhalt auf Instagram landet.
      Wobei das inzwischen nicht mehr so sein muss. Damit kenne ich mich noch weniger aus als mit Urban Fantasy.

      Mir fällt da vor allem der in London ansässige Hermetische Orden der Goldenen Dämmerung ein, in dem unter Anderem auch Aleister Crowley und einige andere Gestalten Mitglied waren und der sich dann anfang des 20. Jahrhunderts in zig andere - ebenfalls eher fragwürdige - Vereine aufgespalten hat. Die ganzen anderen "Geheim"bünde bzw. Logen, die zu damaliger Zeit auch relativ oft dort rumsaßen (und jedem bekannt waren, obwohl sie so geheim sind), lasse ich mal außen vor.

      Wenn ein Autor sich das mit entsprechendem Zeitabstand aus der Ferne anschaut und dann unter Anderem noch Vorfälle wie die mit Jack the Ripper einbezieht, dann ist das magisch-fantastische Kopfkino verhältnismäßig schnell und einfach herzustellen. Um nicht zu sagen, gerade London springt einem insbesondere bei der Thematik der literarischen "Realworld"-Fantastik buchstäblich ins Gesicht.

      Aber was das eigentliche Thema angeht bin ich überfragt. Spontan würde ich einfach sagen, dass zunächst einmal nachgeforscht werden könnte, ob die ausgewählte Stadt auch so etwas ähnliches hat, oder ob es zumindest irgendwelche ungeklärten Vorkommnisse gab. Das müssen nichtmal Mord und Totschlag oder irgendwelche verschwörerischen Logen sein. Es hängt eben davon ab, was genau denn erzählt werden soll bzw. was das eigentliche Ziel des Autors ist. Vor allem, ob denn überhaupt Wert auf Magie gelegt wird.
      Bin mir nur nicht sicher, ob das ohne Magie dann überhaupt noch Urban Fantasy ist. Das ist einfach meinem fehlenden Wissen in diesem Bereich geschuldet.

      Ich wüsste jetzt zum Beispiel spontan nicht, was genau an Kiel magisch sein könnte, da das so eine Stadt ist, die ich hauptsächlich mit Meeresbiologie, Schiffsbau und eben generell Schiffen (und auch dem alten Uboot-Hafen) verbinde, weshalb sie sich meines Wissens eher für Geschichten ähnlich "Der Schwarm" von Frank Schätzing anbietet. Was aber eben auch wieder kein Urban Fantasy ist.

      Bei Berlin wiederum habe ich das Gefühl, dass sich die Stadt eher für reine Komik eignet. Mein Kumpel musste sich unter Anderem mal einen sich um Monate hinziehenden Termin beim Rathaus geben lassen, um dort einen anderen Termin aushandeln zu können. Das darf man genauso verstehen, wie es hier geschrieben steht. Dieser eine Termin war nur für die Vergabe eines anderen Termins gedacht und ist nur eines von vielen anderen irrsinnigen Beispielen.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Eisenteddy ()

    • Jundurg schrieb:

      Ich hab jetzt als Beispiel natürlich erstmal Wien zur Hand, weil ich halt hier lebe.
      Ich war zwar noch nicht in Wien, aber ich könnte mir Wien sehr gut als Handlungsschauplatz für Urban Fantasy vorstellen. Alleine, wenn man nach den Tropes von Wien sucht, stößt man auf so viel Material, das man verwerten kann. Es gab mal einen Cthulhu-Regionalband über Wien, den ich leider nicht habe - aber vielleicht muss ich mir mal das PDF holen.
      Sei's drum. War nur so ein Gedankenblitz.

      Es ist eigentlich schade, dass viel Urban Fantasy immer mehr im englischsprachlichem Raum stattfindet (London, New York). Dabei gäbe es doch auch viele alte Städte in Europa (Paris, Wien, Berlin, Moskau, Hamburg, usw.) die sich als Spielplatz fantastischer Geschichten eignen.
      Paris erzeugt z.B. bei mir ähnliche Bilder im Kopf wie Wien: Alt, dekadent, geheimnisvoll. Bei Paris denke ich dann sofort an elfische Absinthbars im Stil des Art deco, aber auch an nekromantische Riten in den Katakomben unter der Stadt. Ich denke an Künstlern in ruinösen Dachwohnungen, die nachts schreckliche Träume von schwarzen Städten am Boden des Meers erleben und Theatergruppen, welche das Stück "Le Roi en jaune (The King in Yellow)" aufführen und dadurch ein Portal nach Carcosa öffnen. Und das sind jetzt nur ein paar spontane Gedanken, die ich ohne Einarbeitung in das Thema "Paris" hatte.

      Eisenteddy schrieb:

      Bei Berlin wiederum habe ich das Gefühl, dass sich die Stadt eher für reine Komik eignet. Mein Kumpel musste sich unter Anderem mal einen sich um Monate hinziehenden Termin beim Rathaus geben lassen, um dort einen anderen Termin aushandeln zu können. Das darf man genauso verstehen, wie es hier geschrieben steht. Dieser eine Termin war nur für die Vergabe eines anderen Termins gedacht und ist nur eines von vielen anderen irrsinnigen Beispielen.
      Interessante Sichtweise. Bei Berlin denke ich auch mehr an eine dunkle Stadt. Skurril, ganz ohne Frage, aber irgendwie verkommen und dreckig. Gut, ich war auch noch nie dort - *mirascheüberdenkopfwerf* - aber daher verbinde ich vielleicht auch mit Berlin zu viele Klischees oder Tropes. Vielleicht war auch Pilgers Bärenburg mit dran Schuld. Hinzu kommen dann noch solche Bilder, wie ich sie durch diverse Serie (aktuell BEAT oder Babylon Berlin) im Kopf habe.


      Persönlich lebe ich ja in einem Kaff mit 3.500 Einwohnern im Kern (ca. 6.000 mit Eingemeindungen). Da funktioniert Urban Fantasy nur gering...wobei... :kopfkratz:
      Dafür haben wir eher den Folk Horror. Mellrichstadt hat eine Vielzahl von Sagen (Der Mellrichstädter Sagenkranz), eine Pflichtlektüre als Schulkinder. Dadurch verfügen wir über Geister, einen Teufelsbrunnen, schwarze Hunde (mind. 2), einem Drachen und auch einem Noekk (Wassermann). In Mellrichstadt muss man sich eher überlegen, wo die Hexen hausen und dass man des Nächtens nicht dem Reiter ohne Kopf begegnet.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Logan ()

    • Ja, gerade auch am Land angesiedelte "Urban" Fantasy würde mich auch interessieren. Ich nenne es ja nur so, weil es so ein geläufiger Begriff ist - wenn auch nicht wirklich definiert, aber das finde ich auch nicht notwendig.

      Und ... naja, auch Magie muss nicht sein. Irgendetwas eben, dass über die reale Welt hinausgeht, sie erweitert. Doctor Who ist auch Urban ... irgendwas, in dem Sinne, wenn die Handlung in London (mal wieder) stattfindet.

      Dass es TV-Tropes-Artikel zu Städten gibt, wär ich nie draufgekommen. :o Das muss ich mir ja mal angucken, danke!

      Es muss ja auch der Fokus nicht notwendigerweise so lokal sein. Es kann ja auch gefragt werden, wo in Europa welche Art von Magie sitzt... oder warum Hogwarts z.B. in Schottland ist.^^

      Prag vermisse ich irgendwie als Stadt mit einiger magischer Geschichte oft, aber ich spreche halt auch keine slawische Sprache. Bei Wien bin ich mir nicht so sicher, es wäre halt ein Schmelztiegel, war ja für eine zeitlang eine der größten Städte der Welt. Da würde Magie also primär durch Immigration hinkommen.
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    • Oh, bei Prag denke ich sofort an die Alchemisten Rudolfs II. und natürlich den Golem und die jüdische Stadt. Düster und morbide und magisch kann ich mir da auch sehr gut vorstellen.

      Lokale Mythologie/Folklore ist das eine, Geschichte das andere und auch, wie gut man die Stadt zu kennen meint. Ich glaube, deshalb ist London so populär, weil jeder die Stadt kennt bzw. zu kennen glaubt und die Stadtgeschichtenerfindung schon 150 Jahre Vorsprung hat
      Mir hatten doch nüscht! Damals, kurz nach dem Krieg!
    • Logan schrieb:

      Interessante Sichtweise. Bei Berlin denke ich auch mehr an eine dunkle Stadt. Skurril, ganz ohne Frage, aber irgendwie verkommen und dreckig. Gut, ich war auch noch nie dort - *mirascheüberdenkopfwerf* - aber daher verbinde ich vielleicht auch mit Berlin zu viele Klischees oder Tropes.
      Es hängt davon ab, um welchen Bezirk es gehen soll. Zum einen hat man immer noch gewisse infrastrukturelle Unterschiede zwischen Ost- und Westberlin, wodurch es einem eventuell schon vorkommen kann, als wäre man plötzlich in einer ganz anderen Stadt. Das ansich ist ja generell schon ein sehr interessanter Ansatz, um eine Geschichte zu schreiben. Dann hast du in spezifischen Bezirken Driveby-Shootings und die DHL weigert sich, dort auszuliefern, weil deren Lieferwagen ständig überfallen werden.

      Ich weiß nicht, wie viele deutsche Autoren es in der Urban Fantasy gibt, aber im Grunde genommen würden sie in Berlin größtenteils alles finden, was New York auch hat. Einziger Unterschied wäre die Größe, weshalb ich einfach mal davon ausgehe, dass es NY wird - wenn nicht London - weil trendy und hip und anders, da weit weg.

      Im Kontrast dazu hat man dann eben einen BER, der nicht fertig wird, weil die Stadt sich nicht einig wird, das Projekt an Fachleute zu übergeben, weshalb sie es lieber selbst versuchen. Oder Fahrradwege im Zickzack, die eher dazu gedacht sind, die Bäume am Straßenrand zu schützen, dafür aber eben nicht von Radfahrern benutzt werden können.

      Am Ende kommt es aber eben auch drauf an, wie es verpackt wird. Wenn ich so drüber nachdenke, wäre ich schon interessiert daran, ob jemand den Irrsinn Berlins in eine Cthulhu-Geschichte verpacken könnte. Vermutlich würde ich das sogar lesen.

      Jundurg schrieb:

      Und ... naja, auch Magie muss nicht sein. Irgendetwas eben, dass über die reale Welt hinausgeht, sie erweitert. Doctor Who ist auch Urban ... irgendwas, in dem Sinne, wenn die Handlung in London (mal wieder) stattfindet.
      Interessant. Ich schau generell wenig Serien und damit auch kein Doctor Who, aber ich habe das bisher immer für Mystery oder sowas gehalten. Wieder was gelernt.
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    • Eine Stadt, die eine U-Bahn, labyrinthartige Bunker-Anlagen und seltsame Gebäude wie das ICC hat, ist halt auch einfach interessant. Diese Unterwelt, Stadt unter der Stadt, fasziniert. Ich frage mich gerade ob ich die Kleinstadt aus der ich komme, auch als urbanes Fantasysetting interessant beschreiben könnte. HM. Da lohnt es sich natürlich, mal einen Blick in die Geschichtsbücher zu werfen. Ich mag urbane fantasy dann am liebsten, wenn sie auf tatsächlichen Mythen und Sagen oder historischen Ereignissen der Stadt basiert und nicht aufgesetzt ist. Denke schon, dass jeder Ort da was zu bieten haben könnte. Könnte auch was für ein Gemeinschaftsprojekt sein ... :)
      nobody.
    • Es müssen ja auch nicht nur Sagen und Legenden sein, sondern vielleicht einfach Besonderheiten, bei denen man eine alternative Erklärung anbietet. Ich meine, dass der BER das Werk eines verärgerten Dämonen ist, ist ja logisch, oder? Wobei man in dem speziellen Fall dann wohl eher in Richtung Good Omens abdriftet.

      Mal überlegen, was mir zu Stuttgart einfällt:
      - der Nesenbach (Stuttgart liegt nicht am Neckar, sondern am Nesenbach, Bad Canstatt liegt am Neckar) hat im Oberlauf ein paar sehr romantische kleine Wasserfälle, ist im eigentlichen Stadtgebiet aber komplett verdohlt. Vielleicht ein Wohnort für mittlerweile sehr heruntergekommene Wassernymphen?
      - Die Vampire treffen sich Nachts am Daimlerstern auf dem Hauptbahnhof
      - Die unzähligen Stäffele (Fußgängertreppen) eignen sich sicher für irgendwelche Geister, die dort nachts ihr Unwesen treiben

      Rural Fantasy finde ich dagegen schwierig. Die Urban Fantasy lebt ja davon, dass es irgendwelche wiedererkennbaren Strukturen gibt. Die Wahrzeichen von Hintertupfingen kennt aber keiner. D.h. man müsste dann mehr auf archetypische Besonderheiten sein, und das archetypische Besondere am Land ist es ja eher das, was eben nicht zur modernen Welt passt, sondern mehr Überbleibsel aus vergangenen Zeiten, und dann landet man schnell in Richtung klassische Fantasy.

      Das London in der Urban Fantasy so präsent ist, liegt meiner Meinung nach auch daran, dass insgesamt die viktorianische Zeit in dem Genre ein recht starkes Gewicht hat und in der Zeit war London die größte Stadt der Welt
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • Shay schrieb:

      Rural Fantasy finde ich dagegen schwierig. Die Urban Fantasy lebt ja davon, dass es irgendwelche wiedererkennbaren Strukturen gibt.
      Hmm. Also wiedererkennbare Orte gibt es am Land schon auch genügend - natürlich nicht überall. Ich könnte das Kinderbuch Der Schatz im Ötscher als Beispiel heranziehen, da wurden alle möglichen Sagengestalten aus der Region (und auch von weiter weg, bis Tirol) herangezogen, und das übergeordnete Thema ist Umweltzerstörung (deswegen sind die ganzen Monster in einen Berg geflüchtet).

      Wenn ich an mein Heimatkaff denke, fällt mir ein, dass es technically ein Wallfahrtsort ist, was aber praktisch niemand so wirklich mitkriegt. Aber jedes Jahr kommen ein paar Leute aus der Landeshauptstadt und pilgern zu einem abgelegenen Marterl, um der Rettung vor der Schwarzen Pest zu gedenken. o_O

      Shay schrieb:

      Die Vampire treffen sich Nachts am Daimlerstern auf dem Hauptbahnhof
      Okay, jetzt interessiert mich Kontext.^^

      Shay schrieb:

      Das London in der Urban Fantasy so präsent ist, liegt meiner Meinung nach auch daran, dass insgesamt die viktorianische Zeit in dem Genre ein recht starkes Gewicht hat und in der Zeit war London die größte Stadt der Welt
      Und Wien mal die viertgrößte.^^
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    • Shay schrieb:

      Ich meine, dass der BER das Werk eines verärgerten Dämonen ist, ist ja logisch, oder?
      Und was ist dann Stuttgart 21?

      Da ist es doch durchaus möglich, dass man dabei versehentlich irgendwas altes, böses, unaussprechliches ausgräbt...
    • Musste gerade über das Ruhrgebiet nachdenken und als erstes fiel mir der Bergbau ein, dessen Spuren und geheimnisvolle unterirdische Stollenwelten unter all diesen vernetzten Städten ruhen. Es gibt in Bottrop ein tolles Kunstwerk, das "Lichtfossil"; abends glüht es dann aus dem Inneren dreier quadratisch perforierter Quader - das Glühen symbolisiert den Wachstum, der ehemals durch Kohleabbau erfolgte und auch die Energie.

      Ich fragte mich, welche Wesen hier wohl verborgen leben könnten. Waren die Bergbauarbeiter wirklich menschlich? Oder haben wir es mit einem außerordentlichen Steinvolk zu tun, das seine Seele dem lodernden Feuer verschrieben hat, das in den Öfen und Schmelzen glüht? Ich denke, sie sind eins mit dem Feuer und beherrschen es.

      Jetzt sollen die Stollen geflutet werden; das gefällt ihnen nicht und deshalb machen sie Aufstände, demonstrieren und bekennen sich zu dem, was sie wirklich sind: Wesen des Feuers, der Erde und des Steins. Geboren in Kohlenasche und tiefgelegenen Stollen.
    • Also, obwohl ich die Kombination von Fantasy mit gegenwärtiger Technologie und Gesellschaft eigentlich mag, liegt mir typische Urban Fantasy mit "realen" Schauplätzen eher nicht so. Ich bin wohl einfach nicht der Typ, der sich besonders mit irgendwelchen Orten identifizieren kann, oder wenn doch, dann sind sie fast nie wirklich bekannt, sondern eher solche, die eher eine persönliche Bedeutung für mich haben.

      Wo aber gerade das Ruhrgebiet und Bergbau angesprochen wurden, frage ich mich, wie sehr die Zwerge und ihre oft unterirdischen Bauwerke in meiner Welt dadurch geprägt sind. Vielleicht ist es ja so, dass ich "umgekehrte" Urban Fantasy bastle, in der reale/realistische Elemente in eine fantastische Welt einfließen statt umgekehrt. Aber wie gesagt sind das meist Dinge, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie für andere einen wirklichen Wiedererkennungswert hätten.
      "Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen."
      - Douglas Adams, "Das Restaurant am Ende des Universums"

    • Ich muss da gerade voll an Dortes Harzsilber-Vierteiler denken :D Zwerge im Harz. So von wegen ländlicher Raum und so.

      Wobei das Setting ja im Endeffekt global ist und es klassisch um eine (bzw. mehrere) weitere, versteckt lebende Spezies auf unserer Erde geht, die unerkannt unter uns weilt.
      Æýansmottír-Blog - Mysterion-Blog - Deviant - Mysterion - Æýansmottír (provisorisch) - Bloubbuji

      Jedes Tier sollte stolz sein, wie Grillgut auszusehen. Besser als wenn man hinschaut und sagt: "Nette Suppeneinlage." (Mara)
      The limit of the Willing Suspension Of Disbelief for a given element is directly proportional to its degree of coolness.
    • Es muss ja nicht immer Fantasy sein. :kopfkratz:

      Als ich an meiner Welt Dorhag bastelte, nahm ich mir die Landkarte vor und nutzte für meine Geschichte örtliche Landmarken. Was heute ein Badesee ist, kann in der chaotischen SciFi-Zukunft ein begehrtes Trinkwasser-Reservoir sein. Verlassene Tunnel reaktiviert mit neuen Funktionen. Wie verändern sich die Strassen, wenn die halbe Stadt bis ins Stadtzentrum unter Wasser (Nordsee) steht. Usw.
      Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht doch hinter dir her sind! (Frei nach Terry Pratchett)

      Meine Welten und Geschichten
      Rollenspiel-Anekdoten
    • Nemedon schrieb:

      Es muss ja nicht immer Fantasy sein.
      Absolut.^^ Urban Fantasy ist halt so ein etablierter Begriff. Urban Somethingsomething ist nicht ganz so griffig.

      (Btw, schön, dich mal wieder zu lesen. :) )

      Finde aber, dass es schon interessant ist, zu überlegen, was eigentlich zum Bekannten dazukommen kann. Im Fantasy-Fall ist es ja oft eine Umdeutung von Bestehendem, ohne viel an der Zeit zu rütteln (oder wenn, dann in die Vergangenheit, vllt sogar mit Zeitreisen o_0). Ein real existierendes Gebäude existiert weiterhin, ist aber gleichzeitig magisch.

      In dem von dir gebrachten Fall ist das, was dazukommt, zunächst mal eine Menge Zeit, und dadurch eine andere Situation; vom Gegebenen existiert noch etwas, aber eben noch und eben nur etwas und nicht alles.^^

      kA, ob dieser Gedanke noch irgendwohin weiterspinnbar ist. Vllt dann auch noch die Frage, was wird weggelassen? Hmm. Oder was muss verändert werden, um nicht zu stören... naja, bin gerade eher zu müde zum weiterverfolgen.
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