WB-Adventskalender 2019

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    • WB-Adventskalender 2019

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      Feedback zu den Adventskalendertexten könnt ihr HIER geben. Die Texte sind wie jedes Jahr zunächst anonym, damit ihr - wenn ihr wollt - Autoren raten könnt. Wenige Tage nach Weihnachten wird aufgelöst, welcher Text von wem stammt, dann können die Autoren dort im Thread gesammelt auf das Feedback antworten.
      Wer das liest, ist auch nicht schlauer als vorher.
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      Das erste Türchen kommt etwas verspätet, was allgemein mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen wird. Als es endlich da ist, entpuppt es sich als verlotterte hydraulische Schiebetüre, deren ursprüngliche Farbe wohl rot gewesen ist. Es hat ganz schön beanspruchte Gummidichtungen und ein kleines Fensterchen, durch das man schon erahnen kann, dass auf der anderen Seite dichtgedrängt Leute stehen. Jetzt öffnet sich das Türchen aber endlich und wir finden uns im Tumult des Ein- und Aussteigens wieder.



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      Waggonage

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      Bahn fährt ein, Bahn fährt aus
      Leute rein, Leute raus

      – Halt! –
      Anders herum:
      Bahn fährt ein, Leute raus,
      Leute rein, Bahn fährt aus.
      Pause.

      Anders gesagt:
      Lärm
      Lärm
      Lärm
      Lärm
      Stille.

      Leben macht Lärm, Lärm ist Leben
      Ohne Lärm kann‘s kein Leben geben
      So ist das eben.

      Auf die Mäuler, schreiet schrille
      Sonst holt sie euch . . .
      Die Stille!

      Ok jetzt mal im Ernst: Findet ihr das nicht auch schrecklich? Diesen Moment des Stillstands, wenn alle Leute die Station verlassen oder die Bahn betreten haben und das letzte Gekreische schlecht geölter Räder auf alten Schienen im Tunnel verklingt?
      Das Wort sagt doch alles: Stillstand kommt von Stille!

      Deswegen schenkt euren Liebsten zur Festzeit die neuste Errungenschaft der Technologie:
      Die selbsttönende Vuvuzela!
      Für niemals endenden Lärm! Geräusche für alle! Sorgt mit diesem Krach für schallende Freude zum Fest!
      Jetzt erhältlich in allen Bahnhofskiosks. Kiosken. Kioski. ... Überall!


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      Das zweite Türchen ist so unscheinbar, wie es nur sein kann. Als es sich öffnet, finden wir dahinter ... nichts. Einzig ein verklingendes Echo aus Kampfschreien und Waffengeklirr zeigt uns, dass da nun doch etwas ist in der scheinbar endlosen Leere.



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      Der Pakt

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      Weißt du, wie sich Götter manifestieren? fragte die Leere Sunntyrkis Wynndsongflusskin Gyldfels. Dieser wurde damit aus dem dämmrigen Nebel aus Verwirrung, blinder Panik und dem Gefühl endlosen Fallens gerissen.
      „Was?“, fragte er, unsicher, die körperlose Stimme richtig verstanden zu haben. Er verstand nichts mehr, nicht warum er in dieser Leere war, nicht wie lange er schon in ihr war und erst recht nicht, was mit ihm geschehen war. Wo waren die Berge, der Wald, das viel zu helle Sonnenlicht?
      Die Leere verstand ihn jedoch. Du bist tot, erklärte sie ihm mitfühlend.
      Schock riss Sunntyrs Geist aus seinen Grübeleien. Tot? Er? Aber er war doch gerade erst zwanzig? Er hatte sich nicht einmal seinen dritten Namen gegeben! War es einer der Feinde seiner Mutter gewesen, besorgt, dass er ihr entgegen jeglicher Tradition auf den Thron folgen würde?
      „W-Wie?“, fragte er verzweifelt die körperlose Stimme.
      Das ist irrelevant.
      „Und was geschieht jetzt mit mir? Bin ich ælfisch genug für die Ebene der Gottlosen oder zwærgisch genug, dass meine Seele zu Lava wird?“
      Kam es ihm nur so vor, oder gluckste die Stille als Antwort amüsiert?
      Ist es das, was sie dir erzählt haben? Nein, du hast die Wahl, in einem andern Körper wiedergeboren zu werden oder vor die Götter zu treten, die dein Leben berührt haben. Die entscheiden dann, in wessen Jenseits du gehörst. In deinem Fall wären das nur Eorth und Daldebør beide haben jedoch wenig Lust, eine so vielversprechende Person überhaupt in ein Jenseits schicken zu müssen, deshalb haben sie mich geschickt. Ich bin deine dritte Möglichkeit!
      Sunntyr fixierte das Nichts vor sich mit eben jenem Blick mit dem seine Mutter die stärksten Kämpfer erzittern ließ.
      „Ich höre!“
      Damit wären wir wieder bei meiner Frage: Weißt du, wie sich Götter manifestieren?
      „Nein. Ich fürchte, ich bin- war nicht besonders religiös. Komm endlich zum Punkt!“
      Erneut strahlte die Leere Amüsement aus. Zu spät fiel Sunntyr ein, dass sein Gegenüber zwei der Schöpfergötter persönlich zu kennen schien und er war erleichtert, sie nicht versehentlich beleidigt zu haben.
      „...bitte!“ fügte er verspätet hinterher.
      Götter bilden sich aus Magie oder werden von anderen Göttern geboren. Doch um wirklich mächtig zu werden, brauchen sie weitaus mehr Magie. Deswegen gehen sie Bündnisse mit Sterblichen ein, die ihre Magie mit ihnen teilen. Um jedoch Sterbliche zu rekrutieren, brauchen neue Götter Propheten, die der Welt von ihnen berichten, denn wie sollen die Sterbliche einen Pakt mit jemanden eingehen, von dem sie nie gehört haben. Und da kommst du ins Spiel.
      „D- Verzeihung, Ihr seid also ein Gott. Und ihr wollt mich zum Propheten haben? Sagte ich nicht bereits, dass ich nicht religiös bin?“
      Nur, weil du bisher keinem Gott gefolgt bist, heißt das nicht, dass du das nicht künftig kannst.
      „Und wie sähe diese Zukunft aus?“
      Du gehst einen Pakt mit mir ein. Nicht alle Propheten sind paktgebunden, aber in diesem speziellen Fall muss ich das von dir verlangen, weil mein Plan den Großteil meiner Magie fordern wird und ich im Gegenzug gerne Zugriff auf deine hätte. Es wird dich aber erleichtern zu hören, dass ich noch keine Regeln aufgestellt habe, also musst du dir nicht plötzlich den Kopf scheren oder einmal im Jahr einen Hirsch erlegen oder dergleichen.
      Gerade erst hatte Sunntyr sich genau deswegen Sorgen gemacht.
      Mein Teil unseres Handels wird sein, deinen Körper zu heilen und deine Seele wieder hineinzugeben.
      Sunntyr erschauerte, als ihm etwas einfiel.
      „Bitte sag mir, dass sie mich noch nicht auf ælfische Art bestattet haben!“, rief er aus, erstarrte dann und fügte hinzu „Verzeihung für die Unterbrechung!“
      Jetzt lachte die Präsenz hörbar.
      Du bist erfrischend. Nein, niemand hat dich gegessen. Dein Körper ist noch nicht einmal ganz zu Boden gefallen.
      Dann fuhr der Gott ungerührt mit seinem Vortrag fort: Du hast dann eine zweite Chance, die nur wenigen gegeben wird! Ich werde dann mit dir kommunizieren können auch wenn du nicht gerade stirbst und gemeinsam können wir die Details besprechen, aber im Großen und Ganzen möchte ich nur, dass du der Welt von mir berichtest. Ich will mehr Einfluss auf die Welt haben als nur mit Sterbenden zu sprechen.
      Sunntyr versuchte, sich das Angebot gründlich durch den Kopf gehen zu lassen, aber eigentlich hatte er sich längst entschieden. Sein Leben lang hatte er sich nur treiben lassen und hatte er sich nicht erst letztens gefragt, was er mit seinem Leben anfangen sollte?
      „Wie ist dein Name?“, fragte er die Leere.
      Orthos, die Präsenz nahm an Stärke zu, als hätte sie in seinen Gedanken bereits seine Antwort gesehen – wahrscheinlich entsprach das sogar der Realität.
      „In Ordnung Orthos – Ich, Sunntyrkis Wynndsongflusskin Gyldfels werde dein Prophet sein“
      Wie ein Blitz manifestierte sich die Leere völlig in die Form einer grob humanoiden Gestalt uneindeutigem Geschlechts, die jede und keine Farbe zugleich zu haben schien. Der pure Anblick schmerzte in Sunntyrs Augen.
      Ein gleichzeitig heiß und kalt glühendes Pochen verstärkte seine Pein, als die Gestalt seinen Unterarm fest umgriff. Zum ersten Mal nahm Sunntyr Magie deutlich war. Er spürte den riesigen Fluss aus der Gestalt in ihn und das kleine Rinnsal in die umgekehrte Richtung, noch brennender als selbst Lava wäre. Es steigerte sich mehr und mehr und er schrie und schrie, hilflos in allesumfassender Agonie.
      Dann war er endlich wieder in seinem Körper.
      Und Sunntyr holte Atem.


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      Das dritte Türchen ist eng, hoch und gemauert. Man sieht nicht weit, denn dahinter führt eine gewundene und verwinkelte Gasse. Es riecht nach dem Staub, der auf Büchern liegt, und nach der bitterblauen Farbe, mit der man Bücher füllt. Und natürlich nach gebratenem Feuerlurch.


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      Von brennenden Echsen und Inkompetenten Richtern, Teil 1

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      Mein lieber Bruder,

      Auf meinen Reisen durch Luzya habe ich unglaubliches gesehen. Ich bin über das Steinerne Meer gewandert, habe mit den Sturmjägern die Nebelwüste durchquert und die Drachen der Breite gesehen.
      Doch Eine Sache, die ich wohl nie vergessen werde, ist die Bibliothek von Daios.
      Wissen ist Macht, sagen die Menschen hier. Und Macht muss man sich erarbeiten. Daios ist wahrlich das Zentrum aller Schriften, das Gedächtnis von ganz Luzya. Alles was Geschah und was in diesem Moment geschehen mag wird von den Schreibern der Stadt festgehalten. Die Feder der Daionischen Schriftsteller ruht wahrlich nie. Vielleicht stimmt es , was man hier sagt. Ja, nirgendwo ist die Macht des Wissens so stark wie in den Archiven der Stadt.
      Der Geruch von Tinte und Papier fließt durch die verwinkelten Gassen, wie Blut durch die Adern eines Menschen. Die Bibliothek selbst ist das Herz der Metropole das diesen Duft durch die Straßen pumpt.
      Man hat beinahe das Gefühl, sie wäre Lebendig, wächst die Bibliothek doch mit jedem Tag an neuen Büchern und Schriften.
      Bunte Fahnen wehen von ihren Mauern herab. Sie alle Tragen das Wappen der Gelehrtengilde, zwei ineinander verschlungene Feuerlurche. Aschgraue Echsen mit funkelnden Augen und langen Schwänzen (die nebenbei gesagt verdammt lecker schmecken). Die Tiere gelten hier als Träger des Wissens und sind ein beliebtes Produkt auf den Märkten von Daios. Einige Verkäufer behaupten, dass man durch ihren Verzehr das eigene Denkvermögen erweitern kann. Berühmte Gelehrte wie Zweistein, Dawin oder Newten sollen sich teilweise ausschließlich von diesen Echsen ernährt haben.
      Es scheint sogar ein Buch von dem großen Dichter Boethe selbst zu geben, in dem er seine 99 Lieblings Feuerluch-Rezepte vorstellt. Alles natürlich gereimt und in Versform verfasst. Doch von dem verschollenen Werk sind nur wenige Zeilen überliefert worden. Ein Händler hat mir beim Verkauf einiger Feuerlurche die wohl bekanntesten Zeilen des Werkes vorgetragen, die ich nun auch an dich weitergeben möchte.

      Allwissend bin ich nicht,
      Doch viel ist mir Bewusst.
      Der Feuerlurche schmeckt
      Am besten mir mit Krust‘

      Mittlerweile gilt dies als alte Weisheit unter den Daionischen Köchen.

      Ja, Daios wird nicht ohne Grund die Stadt der Gelehrten genannt,und auch ich wurde in meinem Wissen bereichert.
      So gibt es zwei elementare Dinge, die ich bei meinem Besuch in dieser unglaublichen Stadt lernen durfte:
      Diese leckeren Feuerlurche sind entflammbar und alte Bibliotheken brennen verdammt schnell. Vor allem dann, wenn sie voll von Jahrhunderte alten Papyrus stecken, das so trocken ist wie Wüstengras.
      Nun, ich muss an dieser Stelle zugeben, dass mein Aufenthalt in dieser Stadt des Wissens nich ganz reibungslos verlaufen ist. Vermutlich war ein Teil des Geschehens, ja ein winziger Teil, auch durch mein Zutun hervorgerufen.


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      Durch das vierte Türchen schlagen lodernde Flammen und es raucht bis in den Himmel hinauf. Dahinter muss wirklich sehr viel Brennbares lagern.



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      Von brennenden Echsen und Inkompetenten Richtern, Teil 2


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      Im Nachhinein kann ich jedenfalls sagen, dass es wohl keine gute Idee war, das Archiv von Daios mit einem Sack voll brennender Feuerlurche zu betreten. Nun, es war nicht mal besonders klug die Tiere überhaupt in einen Sack zu stecken, aber der Verkäufer hatte anscheinend nichts dagegen. Ich möchte zwar bei dieser ganzen Geschichte auf niemanden den Finger zeigen, aber ich muss schon sagen, dass dieser Verkäufer echt Mist gebaut hat.
      Während meinem Aufenthalt in Daions wurde mir sogar die einmalige Ehre einer Audienz bei dem Hohen Rat der Richter der Stadt zuteil. Obwohl ich mich natürlich geschmeichelt fühle, solch wichtige Persönlichkeiten kennen zu lernen, muss ich doch sagen, dass mich deren Inkompetenz verwundert hat.
      Jedenfalls sollte ich vor den Rat treten und das Geschehene vortragen. Also erzählte ich von den Feuerlurchen, von Boethes Gedicht und der wunderlichen Angewohnheit der Echsen, in Flammen aufzugehen.
      Während zwei der Richter sofort in Schockstarre verfielen, wurde ich von dem Rest der Gruppe für eine ganze halbe Stunde angeschrien. Bereits hier zeigten sich erste Anzeichen von mangelnder Kompetenz bei den Anwesenden. Denn, wie wir alle wissen, ist es die Aufgabe eines Gelehrten, stumpf und emotionslos vor seinem Tisch zu hocken und Sachen aufzuschreiben.
      Doch wer hätte gedacht, dass sich unter solch langen Bärten dermaßen mächtige Stimmbänder verstecken könnten. Ja, ist es doch verpönt, als Gelehrter jegliche Zeichen von Leidenschaft und Erregung zu zeigen.
      Ein Bürokrat, ein Stubenhocker, hat sich doch gefälligst zu zügeln.
      Doch die Art, wie diese Gelehrten auf mich eingeschriehen haben, zeugte von der tiefsten und heftigsten Erregung, von einer enormen Leidenschaft. Wenn auch nur der Leidenschaft daran, mich anzubrüllen.
      Nun, nachdem sich der Rat einigermaßen beruhigt hatte, begannen die Verhandlungen über mein weiteres Verbleiben.
      Hier zeigte sich ein weiteres Anzeichen der Inkompetenz. denn anstatt wie normale Gelehrte in eine ewig währende Dikussion über Nutzen und Ethik zu verfallen, waren sich diese Richter bei meinem Todesurteil sofort einig.
      So liegt es natürlich auf der Hand, dass ich diese Männer nicht ernst nehmen konnte.

      Jedenfalls wollte ich dich mit meinem Brief warnen.
      Denn nachdem ich den Gelehrten einen Vortag über ihre Unfähigkeit gehalten habe und anschließend einen Feuerlurch nach dem Obersten geworfen habe, erklärte die Stadt Daios uns Oblivianern den Krieg.
      Denn, wie sich herausgestellt hat, besitzen die Bürger Daios nicht nur Bücher, sondern haben auch erschreckend viele Waffen bei sich gehortet.
      An dieser Stelle schlage ich vor, dass wir zuerst angreifen. Lieber Bruder, marschiere mit deinen Truppen immer der Rauchsäule am Horizont entgegen. Die Stadt Daios wirst du nicht verfehlen, denn die Bibliotheken brennen immer noch.

      Bis dahin wünsche ich dir eine angenehme Reise.
      Anbei schicke ich dir noch ein Rezept für Geröstete Feuerlurche mit Wüstengras und Gurken.

      Gezeichnet
      Dein Bruder, Prinz von Oblivion


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      Das fünfte Türchen führt in einen trostlosen Betonklotz, in dem alles grau aussieht, sogar die Farben und die Menschen. Es riecht nach Mutlosigkeit und dem Trott eines Alltags, der alles zu wünschen übrig lässt.



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      Alijans abtrünnige Töchter, Teil 1
      I. Nutzlos

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      „Normalerweise ist der Krieg ein Werkzeug, um ein Volk von den Schwachen, Nutzlosen und den Feiglingen zu reinigen“, sagte Rejan. „Es verblüfft mich immer wieder zu sehen, dass in Alijan genau das Gegenteil geschehen ist. Einige der Besten unseres Volkes sind von uns gegangen und ein Haufen nutzloser Schwächlinge hat überlebt.“
      Carenja hörte sich die Worte des Ausbildungsleiters von Elasvaihja nur mit einem Ohr an. Sie wusste längst, wie er dachte, acht Jahre im Zentrum machten das mit einem.
      „Ihr habt ja jetzt meine Krankmeldung, Doniku“, sagte sie. „Von Donika Brajana unterschrieben.“
      Rejan schüttelte den Kopf. „Bei allem Respekt, Brajana ist anderen Phosphormagiern gegenüber einfach viel zu duldsam. Wie soll das denn besser werden, wenn sie zulässt, dass du dich ständig vor den praktischen Übungen drückst?“
      „So etwas würde sie niemals zulassen“, sagte Carenja. „Ich bin wirklich zu krank dafür.“
      „Geh mir aus den Augen du jämmerliche Pseudophosphormagierin“, sagte Rejan.
      Carenja wandte sich wortlos ab und ging zur Tür. Eine höfliche Verabschiedung wollte ihr einfach nicht über die Lippen kommen. Egal wie oft sie dem Fluormagier gegenüberstand, es wollte nicht leichter werden.
      Rejans Büro befand sich natürlich im obersten Stockwerk und der Fahrstuhl war für Lastentransporte reserviert. Carenja musste sich also die Treppe hinunterkämpfen, wobei runter immerhin etwas besser war als rauf. Nach dem Erklimmen der Treppe hatte sie erst einmal zehn Minuten gewartet, bis sie sich wieder erholt hatte, bevor sie Rejans Büro betreten hatte.
      „Jämmerliche Pseudophosphormagierin“ war wohl eine adäquate Beschreibung für sie. Aus dem Unterricht wusste sie, dass es zwei Magietheorien gab. Eine nannte sich die „Substanztheorie der Elementarmagie“ und beschrieb diese wie der Name schon sagte als eine Art Substanz, die zufällig an manchen Menschen haften blieb und sie dadurch zu Magiern werden ließ. Die zweite war die „Bewusstseinstheorie der Elementarmagie.“ Sie besagte, dass die Magie eines jeden Elements eine lebendige Entität mit eigenem Bewusstsein war, die sich ihre Magier gezielt aussuchte.
      In Carenjas Fall hatte sich die Phosphormagie wohl irgendwann wieder umentschieden und Carenja doch aufgeben. Oder sie wollte nur mit ihr spielen. Die erste Theorie war weniger unangenehm, aber es war allgemein bekannt, dass die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen lag.
      Auf dem Rückweg zu ihrem Zimmer ging Carenja auf der Krankenstation vorbei, um ihre Schwester zu besuchen. Ein gesunder Mensch hätte für diesen Weg nicht einmal fünf Minuten gebraucht, doch bei ihr zog er sich endlos hin. In der Ferne sah Carenja die Zäune, die das Zentrum umschlossen. Seit acht Jahren war sie hier gefangen und stellte sich immer wieder vor, einfach wegzulaufen. Manchmal träumte sie von einer heilenden Pflanze, die sie in den Wäldern finden konnte, um ihre Schwester und sich selbst zu retten. Die schwarzen Beeren, welche die anderen manchmal aus dem Wald mitbrachten, verschafften jedoch nur kurzfristige Linderung und wenn man so wie Erian eine ganze Hand voll davon aß, waren sie tödlich. Genau wie der Tee, den Marian an die anderen verteilt hatte, bevor auch daran ein Junge gestorben war. Seitdem war Marian fort. Carenja wusste nicht wo und sie fragte auch nicht nach. Niemand stellte in Sarilien solche Fragen.
      Sie selbst würde Elasvaihja wohl nie verlassen, denn dafür war sie viel zu schwach. Sie erinnerte sich noch daran, wie sie früher in den Weinbergen hinter Alijan gespielt hatte, heute trugen ihre müden Beine sie kaum noch eine kleine Treppe hinauf.
      Najala lag in ihrem Bett, bleich und mit Schweißperlen auf der Stirn, immer wieder von unerklärlichen Schmerzen geplagt. Carenja konnte nichts tun, außer hilflos an ihrem Bett zu sitzen und ihre Hand zu halten. Sie konnte nichts tun, um ihrer Schwester zu helfen, denn sie war genauso nutzlos, wie Rejan immer sagte.


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      Das sechste Türchen führt in denselben trostlosen Betonklotz, in dem alles grau aussieht, sogar die Farben und die Menschen. Diesmal riecht es nach Veränderung und dem langsam aufbrechenden Trott eines Alltags, der noch immer einiges zu wünschen übrig lässt.



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      Alijans abtrünnige Töchter, Teil 2
      II. Hoffnungsvoll

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      Die folgenden Tage liefen nach dem Muster ab, das Carenja schon seit Jahren kannte. Sie ging morgens zum Fahnenappell, dann gab es Frühstück, danach Unterricht, eine Mittagspause und noch mehr Unterricht. Danach machten die anderen Sport oder Exkursionen, was sie wegen ihrer schwachen Konstitution jedoch nicht mitmachen konnte. Deswegen besuchte sie dann ihre Schwester auf der Krankenstation und verbrachte Zeit allein in ihrem Zimmer, wo sie zum xten Mal die ewig gleichen Bücher las. Sogar das Parteimanifest der Araja Manjia, das die meisten, wie man sich erzählte, nur zur Deko im Zimmer stehen hatten, hatte sie schon mehrmals von der ersten bis zur letzten Seite durchgelesen.
      Carenja bekam nicht viel von der größeren Welt und der Politik mit, doch selbst ihr entging nicht, dass es in Elasvaihja in den folgenden Wochen deutlich unruhiger wurde. „Internationale Kontrolleure“ von einer Organisation, die sich „Organisation für den ethischen Umgang mit Chemie und Elementarmagie“, kurz OECE nannte, wollten das Zentrum besichtigen. Carenja wusste nicht, was diese Organisation machte, oder warum sie Elasvaihja kontrollieren wollten, aber ihr entging nicht, dass die Zentrumsleiterin Brajana deswegen äußerst empört war.
      Lehrer, Quartieraufseher und auch die obersten Magier der verschiedenen Elemente waren ausgesprochen unruhig und forderten ihre Untergebenen auf ordentlich zu putzen, zu fegen, den Müll ordnungsgemäß zu entsorgen und das Unkraut in den Grünstreifen zu jäten. Das alles schien ohne einen expliziten Befehl von Donika Brajana abzulaufen, denn die schaute sich diese Mühen immer äußerst missbilligend an.
      „Halte dich unbedingt von diesen Leuten fern, wenn sie kommen“, sagte die Quartiersaufseherin zu Carenja. „Die bedeuten nur Ärger.“
      „Was wollen diese Leute hier? Und warum bedeuten sie Ärger?“
      „Frag nicht so viel, sondern tu, was man dir sagt.“
      Wie hätte Carenja auch mit einer anderen Antwort rechnen können. Wahrscheinlich war sie den Verantwortlichen peinlich. Sicherlich wollten sie, dass die Leute aus dem Ausland glaubten, alle sarilischen Elementarmagier seien stark und talentiert, nicht so wie Carenja.
      Als sie wieder am Bett ihrer Schwester saß, erzählte sie ihr jedoch von diesem Gespräch und der bevorstehenden Kontrolle.
      „Vielleicht sind wir ihnen wirklich peinlich. Vielleicht geht es aber auch um etwas ganz anderes“, sagte Najala. „Vielleicht kommen sie hierher, um zu kontrollieren, wie hier mit dem Schülern umgegangen wird. Vielleicht würden sie uns helfen, wenn sie es wüssten.“
      Das waren viele „vielleichts“ und Carenja hielt diese Idee ihrer Schwester für alberne Träumerei. Warum sollten ihnen irgendwelche Leute aus dem Ausland helfen, wenn ihre eigenen das nicht tun konnten, oder wollten?
      Trotz ihrer Zweifel gingen ihr die Worte ihrer Schwester jedoch nicht aus dem Sinn. Was, wenn sie doch recht hatte? War das ihre Chance, endlich Hilfe zu bekommen? Was hatte sie schon zu verlieren? Viel schlimmer konnte es doch nicht mehr werden.
      Als Carenja länger darüber nachdachte, fiel ihr einiges ein, was sie verlieren könnte, was diese Fremden ihnen antun könnten. Brajana war eine der wenigen, die es offenbar gut mit ihnen meinte und sie freute sich über diesen Besuch überhaupt nicht.
      Es war sicherlich gefährlich, aber nach acht Jahren wusste Carenja auch, wenn alles so weiterging, wie es war, würde nichts besser werden. Die Anfälle von Najalas Krankheit wurden jedes Mal schlimmer. Wenn sich nicht änderte, würde sie sterben, bevor sie erwachsen wurde und auch Carenja würde es nicht viel länger aushalten. Sie wusste nicht, ob es anderswo Möglichkeiten gab ihnen zu helfen, doch dass es hier keine gab, stand fest.
      Zum ersten Mal seit sie hier in Elasvaihja war, würde Carenja den Befehlen nicht gehorchen. Sie würde sich nicht vor den Kontrolleuren versteckt halten, sondern deren Aufmerksamkeit auf sich lenken. Auf einen Zettel schrieb sie die Worte „Bitte helft mir“ und versteckte ihn in der Tasche ihrer Uniform. Jetzt hieß es warten.


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      Auch das siebte Türchen führt in denselben trostlosen Betonklotz, in dem alles grau aussieht, sogar die Farben und die Menschen. Es riecht nach Bohnen.





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      Alijans abtrünnige Töchter, Teil 3
      III. Schützenswert


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      Die Gruppe der OECE-Vertreter bestand aus sieben Personen, zwei Frauen und fünf Männern. Alle trugen Plastikschildchen mit ihrem Namen auf ihrer Kleidung, eine Sitte, die Carenja aus Sarilien überhaupt nicht kannte. Die Besucher wollten sich offensichtlich die chemischen Anlagen im Zentrum anschauen, ein Umstand, der Carenjas Hoffnungen schwinden ließ. Um den Umgang mit den Schülern ging es bei dieser Kontrolle offensichtlich nicht. Trotzdem hatte sie vor den Versuch zu wagen und die Kontrolleure um Hilfe zu bitten. Ganz einfach war es jedoch nicht, in ihre Nähe zu kommen. In den meisten Bereichen, wo sie unterwegs waren, hatte Carenja selbst nichts zu suchen. Davon abgesehen hatte sie ja offiziell die Anweisung bekommen, sich von den Fremden fernzuhalten.
      Die OECE-Vertreter sollten nach den Mitarbeitern des Zentrums im Speisesaal verpflegt werden. Carenja zwang sich dazu, so lang wie möglich am Esstisch auszuharren, obwohl sie wie meistens kaum Appetit hatte und ihr nichts anderes übrigblieb, als den immer kälter werdenden Bohnentopf in sich hineinzulöffeln, aber die Mühe lohne sich.
      Als sie den Gemeinschaftsbau verließ, waren die Besucher draußen vor der Tür versammelt und Carenja musste zwischen ihnen hindurch laufen. Die perfekte Gelegenheit, um das zu tun, was sie geplant hatte. Die OECE-Vertreter unterhielten sich in einer fremden Sprache, Carenja ging davon aus, dass es Arunisch war, da dies immer bei internationalen Veranstaltungen gesprochen wurde. Bei einem der Männer fiel ihr jedoch ein deutlich Akzent aus. Etwas an ihm kam ihr vertrauenswürdig vor. Da sie außer ihrem Bauchgefühl nichts hatte, worauf sie sich verlassen konnte, entschied sie sich für ihn. Carenja tat so, als ob sie ihn zufällig angerempelt hätte und steckte ihm den Zettel in die Tasche. Danach eilte sie davon, bevor jemand etwas mitbekam. Weit ging sie jedoch nicht, denn ihr Plan konnte nur dann funktionieren, wenn sie in der Nähe blieb. Sonst würde er sie niemals wiedererkennen.
      Zunächst glaubte sie nicht, dass ihre Botschaft angekommen war, doch fast zwei Stunden später, begegnete sie ihm wieder auf dem Außengelände des Zentrums, dieses Mal war er alleine.
      „Du hast mir diesen Zettel gegeben, oder?“ Auch auf Sarilisch hatte er einen deutlich Akzent, sprach es aber gut genug, dass Carenja ihn verstehen konnte.
      „Ja, das ist wahr.“
      „Was ist los? Warum bittest du um Hilfe? Ich sehe, dass du Phosphormagierin bist, aber eine äußerst instabile Magie hast. Wie ist das denn passiert? Kann man dir hier nicht helfen?“
      Carenja nutzte diese Gelegenheit, um ihm alles zu erzählen, von sich selbst und ihrer Schwester, dem Tod ihrer Eltern und der Krankheit und dem Unterricht, der einfach nichts besser machte. Nach etwas Zögern zeigte sie ihm auch die Brandmale an ihren Armen, die durch weißen Phosphor entstanden waren, den sie nach dem Wunsch ihrer Lehrer hätte beherrschen sollen, eine Aufgabe, an der sie immer wieder gescheitert war.
      „Ich bin Ruarier“, sagte der OECE-Mitarbeiter. „Auch mein Land hat einmal mit den Aruniern Krieg geführt und wurde damals von einem Regime beherrscht, das den Opfern des Krieges wenig Mitgefühl entgegengebracht hat. Wenn es irgendwie möglich ist, werden wir dir und deiner Schwester helfen. Warte nach dem Abendessen auf mich, so wie du es heute Mittag getan hast.“
      Carenja versprach das zu tun und eilte zu Najala, um ihr zu erzählen, was geschehen war. Danach kehrte sie zurück zum Abendessen und wartete. Die Angst, dass er vergessen würde, was er versprochen hatte, war groß, doch nach dem Essen wartete er tatsächlich auf sie.
      „Ich habe mit der Leiterin des Zentrums gesprochen. Sie bedauert selbst, dass sie nichts für euch tun kann und ist bereit, euch die Chance zu geben, Hilfe von Spezialisten in Ruaris zu bekommen. Ihr habt die Erlaubnis, mit nach Ruaris zu kommen.“
      Carenja konnte es kaum fassen, doch es schien tatsächlich wahr zu sein, wie auch die missbilligenden Blicke der anderen verrieten. Schnell packte sie die wenigen Sachen, die ihrer Schwester und ihr selbst gehörten, um sich am nächsten Tag auf eine Reise ins Ungewisse zu machen.


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      Das achte Türchen führt endlich nicht mehr in denselben trostlosen Betonklotz, in dem alles grau aussieht. Es sieht tatsächlich dem ersten Türchen etwas ähnlich und dahinter riecht es nach Aufbruch.





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      Alijans abtrünnige Töchter, Teil 4
      IV. Frei


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      Bereits am nächsten Morgen begann die Zugfahrt, die vielleicht in ein völlig neues Leben führen würde. Zum letzten Mal waren Carenja und Najala Zug gefahren, als man sie von Alijan nach Elasvaihja gebracht hatte. Jetzt ging es in ein fremdes Land, weit fort, von dem sie allenfalls im Geographieunterricht kurz gehört hatten.
      Carenja erfuhr, dass der Mann, der ihr helfen wollte, Arzt für Patienten mit elementarmagischen Problemen war und Alvar Keriak hieß. Er war selbst Phosphormagier, vielleicht war das der Grund, warum Carenja sich ausgerechnet an ihn gewandt hatte. Die anderen waren teilweise Arunier, was Carenja Angst einjagte, auch wenn sie das nicht zugeben wollte, um nicht unhöflich zu sein. Noch weniger wollte sie das bei den Dageyranern, die ihr nur wegen ihrer sehr dunklen Hautfarbe unheimlich waren, obwohl sie den Sarilern nie etwas getan hatten. Sie war aber erleichtert, als die Arunier und Dageyraner am Bahnhof der Hauptstadt Benada in andere Züge umstiegen und sie alleine mit ihrer Schwester, Alvar und einer anderen Ruarierin weiterfuhr.
      An der Grenze wurden sie länger aufgehalten, doch am Ende konnte Alvar alles Wichtige klären und die beiden wurden in sein Krankenhaus in Ruaris gebracht. Carenja und Najala teilten ein Zimmer und bekamen Medikamente, die zum ersten Mal wirklich halfen. Ein bisschen wie der Tee von Marian, aber ohne Bauchweh und Herzrasen.
      Sie mussten mehrere Wochen im Krankenhaus bleiben, danach wurden sie zu einer Pflegefamilie gebracht und bekamen Unterricht bei Alvar Keriak.
      Schon im Krankenhaus kam eine Frau zu Besuch, die mit ihnen Ruarisch lernte. Die Sprache war ziemlich schwer und ganz anders als Sarilisch, jede Sache hatte ein eigenes Geschlecht und viele Wörter waren unterschiedlich, je nachdem, ob es um einen Mann oder um eine Frau ging. Das alles gab es auf Sarilisch nicht, aber Carenja und Najala hatten viel Zeit zum Üben und das taten sie auch, schließlich wollten sie die Menschen, bei denen sie nun lebten, auch verstehen.
      Am Anfang hatte Carenja Angst vor ihren Pflegeeltern und vor dem Unterricht. Warum sollten sich diese Fremden um sie kümmern? An Unterricht, in dem sie gut behandelt wurden, war sie sowieso nicht gewohnt. Wie sollte Najala bloß den Unterricht schaffen? In Sarilien war Carenja schon immer dadurch krank geworden und ihrer Schwester ging es noch viel schlechter.
      Bald stellte sie jedoch fest, dass der Unterricht von Alvar ganz anders war als der von Rejan und den anderen Ausbildern in Elasvaihja. Sie fingen mit ganz einfachen Dingen an, die sie irgendwann tatsächlich ausführen konnte und lernten langsam, schwierigere Dinge mit ihren Gaben zu bewirken.
      Auch das Ehepaar Orliss gab sich alle Mühe, den beiden so viel wie möglich über das Leben in Ruaris beizubringen und gesundes Essen für sie zu kochen. Anscheinend hatten sie sich schon öfter um Kinder und Jugendliche gekümmert, deren Eltern nicht mehr da waren, oder die das nicht mehr konnten.
      Langsam kehrte die Kraft zurück, aber was noch viel wichtiger war, zum ersten Mal seit acht Jahren hatte Carenja den Eindruck, dass es Menschen gab, denen es wichtig war, wie es ihnen ging und die ihnen wirklich helfen wollten.
      Für die Sariler waren sie Verräterinnen, daran gab es keinen Zweifel. Carenja schämte sich dafür jedoch nicht. In Sarilien hatte man keine Gelegenheit ausgelassen ihr deutlich zu machen, wie nutzlos sie war. Folglich konnte man davon ausgehen, dass die Sariler froh darüber waren, sie los zu sein. Sie wusste endlich, dass sie an einem Ort waren, wo man sie nicht verachtete und wo man ihnen nicht wehtun würde. Sie waren endlich frei.


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      Durch das neunte Türchen bricht sich das Licht, dass es in allen Farben schimmert und glitzert.





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      Tanári


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      Sie alle fragen mich, was ich in den Kristallen höre, wie ich mit ihnen spreche. Denn sie hören im Wasser, Feuer, im Wind, der Erde oder den Pflanzen. Manchmal auch im Metall. Und einige können auch sprechen. Aber außer mir vermag niemand das Singen der Kristalle zu hören oder gar in sie einzudringen. Niemals zuvor gab es eine Kristallsprecherin.

      Ich will versuchen, es zu beschreiben. Für mich ist jeder Kristall, jede Facette ein Fenster in eine andere Welt. Wie könnte es das auch nicht sein? Halte ich sie ans Licht, lasse ich meine Finger darüber gleiten, so gleicht keine Kristallfläche der anderen. Mein Blick ist schneller als meine Finger, streicht von einer zur anderen. Irgendwann gelingt es einer, ihn festzuhalten. Meist, weil ich dahinter wundersame Strukturen erkenne, die sich unter der glatten Oberfläche auftun. Meine Gedanken erkunden sie, zeichnen sie innerlich nach, und irgendwann dringen sie ins Innere des Kristalls ein, während die Welt um mich herum langsam verblasst.

      All meine Wahrnehmung ist nun gefüllt von diesen Farben, Strukturen, Reflexionen. Sie sind alles, was ich um mich herum sehe. Aber nicht nur das. Ich kann sie riechen, fühlen, hören … und gar schmecken. Ja, auch der Geschmack in meinem Mund ändert sich … als wäre alles von hauchdünnem Glas überzogen. Mit all diesen Bildern um mich herum erkunde ich nun diese Welt, ohne irgendein bestimmtes Ziel, einfach in die Richtung, in die es mich treibt … in die mich cetei veyahin bringt. Denn ich bin nun völlig eingetaucht in diese Urgewalt, die alles Leben auf unserer Welt durchzieht. All die Eindrücke während dieser Reise, Farben, Lichter, Formen … versuche ich genau zu behalten, denn aus ihnen gilt es die Antwort auf die Fragen zu bestimmen, mit denen im Kopf ich den Kontakt begonnen habe.

      Wäre ich nur Kristallhörerin, so würden am Ende meiner Reise all diese Eindrücke verblassen und mein Geist würde langsam in die unsere Welt zurückkehren. Und so mussten auch wohl meine ersten Kontakte gewesen sein, als ich, so erzählte man mir, als Kleinkind im Garten meiner Großmutter saß und die Kristalle studierte, die dort erst vor kurzem zum Schmuck angebracht worden waren. Alle anderen Sprecher meinten schließlich, dass sich die Fähigkeit zum Sprechen meist erst später im Leben zeigt. Doch soweit ich mich zurückerinnern kann, vermochte ich schon immer auf den Verlauf der Reise durch cetei veyahin Einfluss zu nehmen. Sagen wir, ich bewege mich im Geist auf eine Struktur im Kristall zu, und es sieht so aus, als gäbe es zwei Richtungen, in die man weitergehen kann. Wenn ich mir nun mit jeder Faser meines Körpers wünsche, es möge doch bitte in eine bestimmte der beiden Richtungen weitergehen, so tut es das meist auch. Und wenn nicht, hat das auch eine Bedeutung. Das ist es wohl, was Sprecher von Hörern unterscheidet. Die einen können auf die Reise durch cetei veyahin Einfluss nehmen, die anderen nicht.

      … So viele Worte, und doch vermögen sie nicht annähernd zu beschreiben, was sich in meinem Geist auftut, wenn ich in cetei veyahin eingetaucht bin. Und es erfüllt mich mit Wehmut, dass es außer mir niemanden zu geben scheint, mit dem ich mich über diese Erfahrung austauschen kann. All die anderen Elementsprecher haben versucht, mir zu beschreiben, wie sie cetei veyahin wahrnehmen. Und bei allen ist es sehr unterschiedlich. Ich glaube, die Einzige, die ähnliche Dinge sieht wie ich, ist Atúni, nur sieht sie sie eben im Erz. Manche Metalle bilden ja auch Strukturen aus, die etwas an meine Kristalle erinnern. Aber sie lassen das Licht nicht hindurch, und so vermag ich nicht nachzuvollziehen, wie Atúni darin Dinge sehen oder gar mit ihrem Geist in sie eintauchen kann. Doch so ist die Natur von cetei veyahin, der unbeherrschbaren Urkraft allen Lebens, die uns allen immer nur einen flüchtigen Einblick in einen kleinen Teil ihres wahren Wesens gewährt – auf dass wir uns zusammenfinden und sie gemeinschaftlich besser zu verstehen versuchen, um unsere vergängliche Welt ein wenig mehr in ihrem Sinn zu gestalten.




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