[2019-11] Xooi - die großen Fragen

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    • [2019-11] Xooi - die großen Fragen

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      Huschhusch!
      Schnelle Bewegungen im Slowbastelforum? So eine Frechheit! :fluecht: ... naja, aber das Dezemberthema ist noch nicht da, also kann ich ja noch schnell schnell das Novemberthema angehen? :arbeit:

      . . .

      Philosophische Strömungen zu basteln, das ist im Moment nicht so meines... ich blick ja schon nicht mehr durch, bei den ganzen verschiedenen Denkweisen die ich schon mal gebastelt und zur Hälfte wieder verworfen habe. Aber was ich erkunden möchte, ist das Lebensgefühl... und die Fragen, welche die Menschen plagen, die ihren Fuß auf die frische Welt Xooi setzen.

      ẞ ẞ ẞ

      Wo sind wir?

      Eine simple Frage. Deceptively simple. Welten scheinen so umfassend und unzerstörbar, wenn eins das ganze Leben in einer verbringt. Wer viel gereist ist, weiß jedoch, dass sie auch fragil sein können. Nein, es geht nicht um die großen Katastrophen - eher das Gefühl unscheinbarer Falschheit, das sich nach vielen Jahren einschleicht, und dann so erscheint, als wäre es immer schon da gewesen. Wie eine ausgrauende Freundschaft, oder das Alter, das irgendwo bereits auf einen wartet, mit zittrigen Fingern und zahnlosem Lächeln. Ehe eins sich versieht, ist die bekannte Welt fort und durch eine unbekannte ersetzt. Eine Straße, die nirgendwohin mehr führt. Eine Geschichte mit offenem Ausgang. Fun fact: Weniger als eine unter einer Million Geschichten des Multiversums werden jemals beendet.

      Es gibt keine Sicherheit, in keinem Augenblick. Dyun-Lü ist weiter gereist als alle anderen Gründer*innen, aber sie hat gar nicht das Vokabular, zu beschreiben, was sie erlebt hat, wie es sie verändert hat, ... oder wer sie selbst überhaupt war, bevor sie aufgebrochen ist. Identität ist schon in einer festen Welt ein äußerst fragiles Konzept, und auf der Reise zwischen den Welten löst sie sich gänzlich auf, wenn sie nicht mit aller Kraft durch etwas zusammengehalten wird. Hier ein Traum, dort eine weltumspannende Saga, da ein schneller Gedanke - es gilt der Versuchung zu widerstehen, Teil von der Geschichte einer anderen Person zu werden. Aber wenn es keine Interaktion gibt, bleibt eine Geschichte über die Einsamkeit zurück.

      Also eine Gruppe, ein Team, ein gemeinsames Ziel? Eine Illusion! Es sind grundverschiedene Ziele, die einander widersprechen und sich gegenseitig zerfressen. Dyun-Lü sieht das alles im ersten Augenblick, aber es spielt keine Rolle für sie. Sie hat kein Ziel, außer vielleicht irgendwann doch noch anzukommen. Und vielleicht, nur vielleicht ist sie die einzige, deren Ziel tatsächlich erreichbar ist. Aber das kann niemand wissen...


      So etwas wie eine Welt, sagt die berühmte Magietheoretikerin Mego Low Tamll, gibt es eigentlich gar nicht. Was wir sehen, ist Täuschung, geboren aus dem Wunsch, ein zusammenhängendes Narrativ zu bilden, um unser Leben als Geschichte zu verstehen. Auf einer viel fundamentaleren Ebene ist eine Welt bloß eine Anhäufung von einzelnen Erlebnissen, Träumen gleich, voller Widersprüche, ineinander verwoben und verschmolzen zu einer Masse, die gewichtig und unbeweglich scheint, die es in einer gewissen Weise auch ist - das gewaltsame Fortschreiten der Geschichte kümmert sich um die kleinen Details nicht.

      Und Magie? Wäre die Welt wirklich fest, unbeugsam, so gäbe es gar keine, sagt Tamll. Im Umkehrschluss heißt das, dass wir uns nicht im Kern der Realität befinden, wo alles starr ist. Vielleicht sogar zu starr, um Leben zuzulassen. Wir hingegen schwimmen in einer Weltenflüssigkeit, im Fruchtfleisch, wo alles noch weich und formbar ist, wo unsere Gedanken eine Rolle spielen dürfen. Leben und Magie bedingen sich gegenseitig, auch wenn das nicht immer ersichtlich ist - denn Magie ist letztlich nichts anderes als der Ausdruck vom Willen des Lebendigen, seine Umwelt zu gestalten.

      Die Magie, von der hier die Rede ist, von der die Magietheorie spricht, hat kaum etwas gemein mit dem, was allgemein (etwa im Genre der Fantasy) darunter verstanden wird - es geht nicht darum, die Gesetze der Physik außer Kraft zu setzen, es geht nicht darum, irgendwelche Fähigkeiten zu haben oder auszuüben. Jede Handlung ist magisch, denn sie verhandelt die Spannung zwischen Außen und Innen; aus einer bloßen Idee wird in den Händen der Handwerkerin ein materieller Gegenstand, aus einem Konzept wie Freundschaft eine Abbiegung in einer Geschichte. Bereits ein Blick beinhaltet etwas Magisches: "Hier bin ich, die schaut, und dort ist es, das ich sehe." Aus dem Zwiegespräch zwischen dem Sehen und dem Gesehenen bildet sich erst die Identität...


      Die Fragen brechen in sich zusammen: Aus "Wo sind wir?" wird "Wir?", verkürzt gesagt "Ich und ...?", und das führt schnell zu "Und ich?". Denn sobald niemand mehr wissen kann, wo en ist, weiß auch niemand mehr, wer en ist. Bin ich nicht mehr durch meine Umgebung eindeutig bestimmbar, könnte auch jemand anderes ich sein, und meine Perspektive die einer dritten.

      Nicht alle der Gründer*innen waren mit dem Werk von M.L. Tamll vertraut. Aber auch viele diejenigen, denen es fremd war, fühlten sich aus der Erfahrung ihres Lebens dazu hingezogen - ganz besonders Dyun-Lü. Die Reise führt nirgendwohin, also stehenbleiben? Oder doch es dem Zugvolk gleichtun und das Reisen selbst zum Ort transformieren?


      Aber es gibt ja auch noch andere Fragen. Und wer von "Wo sind wir?" schon geplagt wird, kann schlecht zu diesen fortschreiten. Also gilt es, so zu tun, als ob wir wüssten, wo wir sind. Wir geben unserer Unbestimmtheit einfach einen Namen und einen Eintrag in einer offiziellen Kartei. Xooi, hier sind wir! Wir sind die, die da leben...


      Ẍ Ẍ Ẍ

      Was ist zu tun?

      Angesichts der umfassenden Allheit des Multiversums kann eins das einzelne Leben für unbedeutsam halten. Ja, sogar, die einzelne Welt ist nur ein Funkeln auf einer nassen Oberfläche, im einen Moment da, im nächsten weg. Nichts ist neu, alles schon einmal dagewesen. Jeder Gedanke hat sein Pendant im Unendlichen...


      Der Utopie blickt Imigmo Lez-Anjn Duvilo mit Abscheu entgegen. Das Gute, das Glück, das erfüllte Leben! Alles schon einmal dagewesen. Natürlich wäre es bequem, sich zurückzulehnen und zu genießen. Aber wenn es nichts mehr zu tun gibt, was zählt das Glück noch? Dystopie? Das Leid macht es kein bisschen besser. Dann verbringen wir unser ganzes Leben im Kampf, sich ihm zu entziehen, und jegliche anderen Gedanken werden abgetötet, gehen unter in der Gleichförmigkeit, in die das Übel die Menschen formt. "Weg der Mitte" klingt zu billig, es geht nicht um Mäßigung - nein, wir müssen im rechten Winkel von diesen Gedanken abbiegen, sagt Imigmo Duvilo. Die Ästhetik kennt das Glück nicht., und sie schöpft aus sich unablässig neue Probleme - keine Metaebene, die sie nicht umfassen kann. Wenn wir also danach unser Leben ausrichten, brauchen wir keine Konflikte mehr, kein Streben nach einem erfassbaren Ziel, sondern wir streben einem unerfassbaren Ziel entgegen, das nie erreicht werden kann, aber zu dem die Reise sich doch stets lohnt.

      Imigmo Duvilo ist kaum daran interessiert, Kunst zu machen, er will Kunst sein. Das erzeugt Konflikte mit den anderen Gründer*innen, und letztlich überwiegt die Meinung derer, die meinen, um Kunst und Philosophie zum Erblühen zu bringen, braucht es den festen Boden einer guten Gesellschaft. Und viele konzentrieren sich dann zunächst darauf. Nicht auf die Suche nach einer Utopie - damit wäre niemand so recht glücklich - aber nach etwas, das funktionieren kann. Vor allem auch etwas, das Menschen davon abhält, sich in der Suche selbst zu zerstören, wie es Dyun-Lü fast ergangen wäre auf ihren Reisen.

      Ein halbwegs oder sogar ziemlich gutes Leben und ein Suchen nach dem unerreichbaren Ziel des Schönen, des ästhetischen Fortschritts? Sign me up! Und wer mit dem einen oder dem anderen nichts anfangen kann, dem stehen keine Blockaden im Wege, etwas anderes zu versuchen. Zwar mag es sein, dass in den unendlichen Weiten der möglichen Welten alles mal da war, und alles schon mal erforscht wurde - der Technologiebaum bis in die letzten Blätter hinauf erschlossen - aber das heißt nicht, dass hier alles erforscht und erklärt ist. Dennoch blicken die Philosoph*innen auf die Wissenschaft mit einer skeptisch gerunzelten Stirn: Wäre es nicht erst einmal wichtig, zu fragen, wozu ihr das eigentlich wissen wollt?
      Nights are deep when days are long. / / / Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
      »Aus den Nacken waren Kehlköpfe geworden.« (2019)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Jundurg ()