Worldbuilding zwischen cultural appropriation und white-washing

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    • Veria schrieb:

      Was sagst du, Hyks, eigentlich dazu, wenn Diskriminierung in einem Werk mithilfe einer fiktiven Minderheit thematisiert wird? Ein Beispiel, das mir da gern mal einfällt, sind die Telepathen in Babylon 5.
      Babylon 5 kenne ich nicht. Aber ich finde es gut wenn Diskriminierung thematisiert wird um dem Publikum da die Augen zu öffnen und es zu sensibilisieren. Das können sie dann auf die reale Welt übertragen.
    • Hyks schrieb:

      Wie geht ihr mit diesem Problem um?
      Es ist für mich kein Problem.
      Weltgeschichtlich hab' ich bereits mich festgelegt, dass die jetzigen Menschen quasi aus einer Quelle künstlich-evolutionär entstanden und zu viel wenig Zeit verging, um überhaupt großartig Typvariationen entwickeln lassen zu können. Es macht z.B. absolut keinen Sinn, den afrikanischen oder asiatischen Typus einzubauen. Er fällt insofern einfach weg.

      Kulturell habe ich probiert, meine eigenen Stile zu entwickeln - also quasi Patchworkarbeit aus verschiedenen Einzelaspekten von bestehenden Kulturen die auch Sinn ergeben und historische Wurzeln inweltlich haben. Alles ist eine Konsequenz aus dem Vergangenen, wenn sich das plausibel erklären lässt und auch logisch ist, seh ich kein Problem (irgendjemand würd' Vergleiche anstellen - darum mach ich mir aber keine Sorgen).

      Ich mache mir weniger Gedanken den Leuten zu gefallen, macht eh keinen Sinn. Weil es nicht geht.
      Hab' zwar lange nichts mehr gepostet, aber alles - was in meiner Welt zu finden ist - ist in sich geschlossen entwickelt.

      Wichtig ist halt einfach zu vermeiden, Copy&Paste zu betreiben. Wenn einem ein Aspekt gefällt, versuche herauszufinden, warum die inweltlichen Leute diesen Aspekt entwickelt haben. Dadurch entwickelt sich etwas ganz neues, welche Inspirationen zwar vermuten lässt aber nicht gleich als Vereinnahmung gewertet werden kann.
      "Sel'ana... Wir werden bestehen." - Arinai Shuir del'Julinya
    • Akira schrieb:


      Wenn einem ein Aspekt gefällt, versuche herauszufinden, warum die inweltlichen Leute diesen Aspekt entwickelt haben. Dadurch entwickelt sich etwas ganz neues, welche Inspirationen zwar vermuten lässt aber nicht gleich als Vereinnahmung gewertet werden kann
      Toll ausgedrückt - sehe ich exakt genauso! Und dann entstehen auch authentische Zusammenhänge! :)
      Alles, was du sehen kannst,
      hat seine Wurzeln in der Unsichtbaren Welt.
      Es mögen sich die Formen ändern,
      das Wesen bleibt dasselbe.
      - Rumi
    • Aurabytes schrieb:

      Akira schrieb:

      Wenn einem ein Aspekt gefällt, versuche herauszufinden, warum die inweltlichen Leute diesen Aspekt entwickelt haben. Dadurch entwickelt sich etwas ganz neues, welche Inspirationen zwar vermuten lässt aber nicht gleich als Vereinnahmung gewertet werden kann
      Toll ausgedrückt - sehe ich exakt genauso! Und dann entstehen auch authentische Zusammenhänge! :)
      Ach so macht ihr das! Retrosynthese! (Ich werf meistens einfach weiter Kram drauf und hoffe, dass ich seltsame Verknüpfungen finde. ^^)
      Cool. Das muss ich doch gleich mal ausprobieren. :D
      Menschen sind großartig. Wir alle haben unterschiedliche Eigenschaften, Fähigkeiten und Schmerzen. Wir sollten von einander lernen und uns gegenseitig helfen, damit jeder Mensch großartig sein kann.
    • Aurabytes schrieb:

      Ich finde zur persönlichen Freiheit des Bastlers und zur Vielfalt gebastelter Welten gehört auch, dass eine Welt hypersexualisiert, lesbisch, schwul, heterosexuell what ever sein darf. Wenn political correctness jetzt auch noch die Prämisse beim Weltenbasteln sein soll, dann ist früher oder später jeder raus.
      Oh wie sehr du mir aus der Seele sprichst.
      Leider habe ich das gerade selbst erlebt bei unserem Spieleprojekt und meiner Welt, die das Projekt stützen soll.
      Da es sich um eine mittelalterliche Welt handelt ist natürlich auch das Thema gleichgeschlechtliche Liebe ein besonderes. Ich habe hier das, was im Mittelalter passiert ist aufgenommen, denn es war damals nun mal so, dass Homosexuelle Menschen, sobald "geoutet", einfach umgebracht wurden.
      Einer meiner Charaktere wird auch deswegen umgebracht, weil sie öffentlich mit ihrer Partnerin stolziert und für das Recht, das ausleben zu dürfen kämpft.
      Ich habe mit keinem Wort beschrieben, dass das toll ist oder ich der Meinung bin, dass Homosexuelle umgebracht gehören.

      Der Text zu dem Charakter aus dem Wiki hierzu lautet lediglich
      "Sie verließ Derim, entsagte ihrer königlichen Abstammung und lebte fortan in Ufen.
      Auch dort bekundigte sie immer wieder öffentlich ihre Sexualität und scheute sich auch nicht, andere Frauen auf offener Straße zu küssen.
      Über die Zeit zog sie sich immer stärker den Unmut der Bevölkerung zu, bis sie schließlich am 5T/9M/156ZM von einem aufgebrachten Mob zusammen mit ihrer Partnerin zu Tode geprügelt wurde."

      Die Grafikerin unseres Projekts (obwohl Hetero scheinbar ein totaler SJW in Bezug auf Homosexualität und Rassismus) ging deswegen auf die Barrikaden, warf mir vor ich sei homophob und meiner Lore, dass sie FÜR die Vernichtung von Homosexuellen steht.
      Egal wie sehr ich es auch argumentierte, dass ich eben nur die Grausamkeit der Menschen einfangen wollte denn auch im echten Leben gab es das (und gibt es immer noch, wenn man mal nach Russland schaut) ... es artete in einen Streit aus.
      Auch habe ich Bordelle in meiner Lore eingebaut und die Prostituierten unter einem eigenen Titel und einem eigenen Hintergrund gesetzt.
      Sie regte sich fürchterlich auf, warum es nur Frauen als "Liebesgardistin" (so der Name in meiner Lore) gibt und warum sie, als die Prostitution entstand gewaltsam dazu gezwungen wurden, als Huren zu arbeiten.
      Auch hier wieder mein Argument -> weil es das auch in der Realität gab und gibt!
      Sie beruhigte sich erst, als ich in meiner Lore einen König einbaute, der sich hier offenherzig und gütig verhielt und ein Gesetz erließ, dass fortan gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen erlaubt sind, und deshalb auch Männer in die "Liebesgarde" eintreten konnten.
      Somit war sie happy, weil es Schwulen und Lesben von da an erlaubt war, zu sein was sie sind, und es auch männliche Prostituierte gab und gibt.

      Obwohl ich strikter Gegner von "Verrenke dich, damit alle zufrieden sind" bin, habe ich mich deshalb gefügt, weil in weiterer Folge vielleicht der eventuelle Erfolg des Spiels, das wir entwickeln, drunter leidet.
      Weil wenn einer sich schon so aufregt, regen sich vielleicht noch viel mehr auf und das schlägt sich leider dann auf die Zahlen nieder.
      Gut ein wenig hat mich auch die Entstehung und das Umdenken der Menschen selbst gereizt, weswegen ich es auch aus eigenem Antrieb heraus erweitert habe.
      Dennoch hats mich in erster Instanz fürchterlich aufgeregt, dass ich die Welt nicht einfach so lassen kann wie ich will
    • Hm ... anstatt sich da zu verrenken und einen Ort, der so unsympathisch sein soll, zu verändern, bestünde natürlich auch die Möglichkeit, andere Länder/Orte mit anderen Sitten auf der Welt zu haben, was das betrifft. Das würde ja auch eine Vielfalt zeigen (welche Welt ist schon überall gleich ... das "europäische Mittelalter" herrschte bei uns ja eben auch nicht auf der ganzen Welt) und hätte auch Potential für Konflikte und spannende Geschichten, wenn Bewohner dieser beiden Welten innerhalb der Welt zusammentreffen. Weil dann auch die Weltbewohner wissen, dass es auch anders geht, oder entsprechende Gespräche führen können. Mit solchen Gesprächen kann man auch innerhalb eines Spiels kommunizieren, wie man zu dieser Problematik steht, und dem eben etwas entgegen setzen.

      Insbesondere wenn die Charaktere, die von dem Problem betroffen sind, zu Sympathie- und Heldenfiguren werden, man mit ihnen mitfiebert und mitleidet, wenn mit ihnen etwas geschieht, ist das doch auch Kritik am Problem. Ob das bei dem von dir genannten Charakter der Fall ist, kann ich natürlich nicht einschätzen.

      Nur so ne spontane Ansicht dazu am frühen Morgen ...
    • Tatsächlich kommt dieser Charakter im Spiel gar nicht vor, da das Spiel etwa 750 Jahre (respektive Zwölfmonde :) ) später spielt.
      Es ist ein Charakter, der einfach die Geschichte der Welt mit trägt.
      Einen anderen Ort hierfür zu entwickeln wäre in diesem Fall nicht gegangen, da der Charakter in einem Land lebt, in dem tyrannische Monarchie herrscht und eine Flucht durch geographische Einschränkung nicht gegeben war.
      Gerade mit diesem Charakter wollte ich die Bösartigkeit dieses einen Landes ein wenig hervor heben.

      Und dieses eine Land stand zu der Zeit mit dem Nachbarland, wo es "friedlicher" zu ging, im Krieg :)
      Aber da müsste ich jetzt SOOOO weit ausholen, um das alles darzustellen hehe
    • Der Thread ist für Leute, die sich fragen, wie sie bewusst mit eventuell problematischen Inhalten in Welten umgehen. Bekundungen, dass daran kein Interesse besteht, sind eher offtopic, würd ich sagen, zumal es hier nicht um Umgang mit Gleichgeschlechtlichkeit in Welten geht. ;) Ich geh - hoffentlich - nicht in einen Thread über Astrophysik, um zu sagen, dass es mich null interessiert, wie physikalisch korrekt mein Paraboloid ist. ;)

      Veria schrieb:

      Aber warum muss ich, wenn eine Figur beim Schreiben oder der Phänotyp in einer Gegend beim Basteln nicht weiss ist, unbedingt jemand Nichtweissen fragen? Müsste es nicht reichen, wenn ich einfach jemand Anständigen frage, der diskriminierungsdebattentechnisch nicht hinterm Mond lebt?
      Hm, in einer idealen Welt würde das bestimmt reichen. Ich glaube aber, dass wir noch nicht wirklich dort sind - ich hab jedenfalls in den letzten Jahren, seit ich überhaupt erstmal mit antirassistischen Aktivist:innen zu tun hatte, sehr sehr deutlich erfahren, dass ich überhaupt keine Ahnung vom Thema hatte - und jetzt aktuell sag ich, hab ich immer noch viel zu wenig Ahnung, um über irgendwas definitive Aussagen zu machen.

      Aber gut, es kommt natürlich auch darauf an, was du konkret bastelst, d.h. wie relevant das Thema überhaupt dafür ist. ;)
      Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable. / / / You're forcing your norms on everyone else: You are normal. I am a freak: I will make you freak out.

    • Das Argument "Das war eben früher auf unserer Welt auch so bzw. ist immer noch so" ist rein weltenbastlerisch ein recht dünnes.
      Alles was in der gebastelten Welt passiert (in dem Fall "Es gibt Homophobie") sollte aus der gebastelten Welt heraus begründet sein und nicht aus unserer Welt heraus.
    • Und wenn mein Grund einfach jener ist, dass ich meine gebastelte Welt auch an die reale Welt "angleichen" möchte und es deshalb auch für meine Welt spannend finde, wenn es eben diese Thematik und Problematik auch dort gibt? Muss ich in meiner Welt immer alles politisch korrekt halten, weil es die reale Welt so "vorschreibt"?
      Bleibt es nicht schließlich beim Bastler selbst, warum er etwas nach seinem eigenen Wunsch formt?
      Deswegen ist er ja der Bastler
      Und wenn die Menschen in der gebastelten Welt das eben aus den selben Gründen wie die Menschen in der realen Welt halten, dann ist das ja auch nicht verwerflich weil es eben in der gebastelten Welt auch einen eigenen Antrieb hat ... der halt zufällig gleich dem der realen Welt ist.

      Wäre es im Umgekehrten Fall auch "schlimm" wenn es Heterophobie wäre?
      Sprich die Welt besteht aus vorwiegend schwulen und lesbischen Menschen und Heterosexuelle werden verfolgt und umgebracht?
      Gerade wenn es um DIESES Thema geht, kommt bei sehr vielen Leuten immer diese Doppelmoral vor :-/
    • Wieso es trägt doch auch etwas zum Thema bei?
      Die Frage war des TE war, wie andere Bastler mit dem Thema umgehen.
      Und meine Meinung hierzu ist, dass es dem Weltenbastler schließlich komplett selbst überlassen ist, wie er so heikle Themen in seiner Welt bedient.

      Wobei ich ehrlicherweise sagen muss, und das bitte ich nicht als Angriff zu verstehen, dass ich gerade Aurabytes Aussage als die meist zutreffende des gesamten Threads finde
      "Wenn political correctness jetzt auch noch die Prämisse beim Weltenbasteln sein soll, dann ist früher oder später jeder raus."
      Was soll es mich kümmern, ob meine Fantasiewelt politisch korrekt ist. Wenn ich die so bauen will, dann bau ich die so.
      Ich sehe das Problem einfach nicht ... und wie gesagt ich mein das nicht böse, aber ich versteh halt wirklich nicht, wie man mit sich selbst im Zwist sein kann, weil eine Welt, die im eigenen Kopf entsteht halt vielleicht asiatisch anmutende Menschen und deren Kultur drin hat und ich die Kultur selbst aber gar nicht kenne, oder wenn mein Held weiß ist und hetero, oder wenn ich als Mann versuche einen Frauencharakter zu schreiben.
      In meinem Kopf darf ich doch bitte immer noch machen was ich will.

      Will ich meine Welt dunkel, dreckig, rassistisch und frauenverachtend, hat das genau so jedem egal zu sein, wie wenn ich eine Welt kreieren würde, in der Einhörner regieren und Menschen nur als Sklaven halten, oder wie wenn ich eine Welt kreieren würde, in der es nur asexuelle Bazillen gibt, die Pflanzen befallen.
      Würden Weltenbastler sich immer an alles halten, was in der modernen Welt als "Richtig" gesehen wird, wäre z.B ein Witcher nie ein Erfolg geworden.
    • Solange man eine Welt nur für sich bastelt und allenfalls in einem spezialisierten Forum präsentiert, stimme ich der Position zu, dass man tun und lassen kann, was man möchte, ohne auf die aktuelle Politik und entsprechende Reaktionen Rücksicht nehmen zu müssen.
      Sobald man ein Werk als Film, Buch oder eben Rollenspiel anderen Menschen zugänglich macht, vielleicht sogar gegen Geld, sieht das aber etwas anders aus.
      Dann hat man zumindest die Verantwortung sich Gedanken darüber zu machen, welche Botschaft man zu realen Problemen vermittelt und warum.
      Deswegen bin ich grundsätzlich kein Freund von Sexismus usw. als "Dekoelement", das da ist, weil es eben so ist.

      Beim vorliegenden Fall frage ich mich auch, warum die Figur denn ausgerechnet wegen ihrer sexuellen Orientierung gelyncht wurde, wenn es um dieses Thema eigentlich gar nicht geht, sondern ihre wichtige Rolle eine andere ist. Könnte ihr gewaltsamer Tod nicht auch damit zusammenhängen? Oder wenn sie an typisch mittelalterlichen Dingen sterben soll, die nicht direkt mit der Handlung zu tun haben, warum nicht an einer damals noch nicht behandelbaren Infektionskrankheit?
      Du hast dich aber für diese Todesart entschieden, die in eine aktuelle Debatte fällt, was dann automatisch auch als Statement hierzu interpretiert wird, ob einem das gefällt, oder nicht.

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    • Ich finde das Thema sehr kompliziert und konfliktbehaftet und trau mich eigentlich gar nicht so recht, was dazu zu sagen…

      Jedenfalls hat die ganze Problematik neben der eigentlichen Aneignung auch viel mit dem Setting zu tun und mit dem, wofür ich die Welt eigentlich bastle (ich nehme mal an, keine/r von uns ist an der Produktion von Blockbustern beteiligt).

      Mal ein paar lose Gedanken dazu, wirklich klar ist meine Meinung da nicht, es kommt halt in den meisten Fällen darauf an…

      Was will ich überhaupt basteln? Will ich eine Welt, in deralle gleichberechtigt repräsentiert sind und sich nicht durch Klischees oder stereotype Charakterisierung diskriminiert fühlen? Das ist sicherlich ein löblicher Anspruch, mag aber nicht für alle „Zwecke“ brauchbar sein. Vielleicht will ich meine Welt als Romanhintergrund, um Abenteuergeschichten zu schreiben oder als Rollenspielhintergrund – da ergibt sich viel Geschichtenpotential eben gerade erst aus Ungerechtigkeiten, gegen die ein Held/eine Heldin angehen kann.Vielleicht kann ich so ja auch auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen? Und muss ich dafür wirklich selbst zu einer marginalisierten Gruppe gehören, um darüberschreiben zu dürfen?

      Vielleicht will ich auch eine bestimmte Gegend der Welt erkunden, in der nicht alle möglichen Ethnien gleichermaßen durchmischt sind? Wenn die Helden dann alles weiße Männer sind, mag das vielleicht klischeehaft abgedroschen sein und nicht nach jedem Geschmack, aber ich muss doch nicht jeden repräsentieren müssen? Und ich muss ja auch nicht jeder Zielgruppe gerecht werden, wenn ich nur so vor mich hinbastel. Vielleicht begebe ich michja morgen auch in eine Weltgegend, in der keine Weißen sind. Oder keine Männer.

      Natürlich ist es immer eine Frage der Dosis, wenn da nur weiße Herrenmenschen herumlaufen, die die Welt mit ihrer Überlegenheit dominieren und unterjochen, hat das schon einen üblen Geschmack (mag aber auch ein passendes Setting sein für eine Rebellionsgeschichte oder eine Dystopie)... Es ist kompliziert. Kolonialismus, Sexismus, Rassismus, Gewalt gegen Minderheiten sind nun mal Themen, die auf unserer Welt präsent sind und die Eingang in gebastelte Welten finden. Da mag nicht alles bei allen gleichermaßen Gefallen finden, aber das muss es ja nicht. Gegebenenfalls muss man sich auch Gegenfragen gefallen lassen, warum man ein Klischee in diesem Maße benutzt hat.

      Bedenklich wird es aus meiner Sicht, wenn darauf bestanden wird, dass Gewalt/Vergewaltigung/usw. quasi zwingend nötig ist, weil das Setting sonst nicht glaubhaft ist. Weil man sich mittelalterliche Verhältnisse nur mit Schmutz und exzessiver Gewalt vorstellen kann – dann aber Drachen und Magie hat. %-) Soweit reicht die Vorstellung dann. Klar ist es legitim zu sagen,ich will das aber so, das ist meine Vorstellung. Und es ist genau so legitim,wenn jemand sagt, dass er das blöd findet, die Grenzen dürften da individuell unterschiedlich sein. Und wie gesagt, Zielgruppen und Geschmäcker sind verschieden. Bedenklich finde ich es wie gesagt nur, wenn es heißt, das kann gar nicht anders glaubhaft gebastelt werden.

      Das Vermeiden von Cultural appropriation kann aber nicht darauf hinauslaufen, dass jeder nur das macht, benutzt, anzieht, isst, was seine Vorfahren schon immer gemacht haben - dann muss ich mich vermutlich in Leinen kleiden und Getreidebrei essen und auf dem Feld arbeiten. Dann gibt’s keine Entwicklung und Inspiration und das kann auch nicht Sinn der Sache sein. Das widerspricht ja gerade eben einer offenen Weltanschauung und dem Wunsch nach einer bunten Vielfalt. Vielleicht sollte man sich eher an „respektvolle Anleihe“ halten als an „Aneignung“.

      Ich finde allerdings auch, man kann nur bedingt vom Gebastelten auf dieWeltanschauung des Bastlers schließen – aber das Thema „kann/soll man Werk von Künstler trennen“, ist ja auch wieder kompliziert und konfliktbehaftet...
      Mir hatten doch nüscht! Damals, kurz nach dem Krieg!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Vinni ()

    • hattabatatta schrieb:

      Wenn ich die so bauen will, dann bau ich die so.
      Na eh - dagegen sagt ja niemand was. Ich muss sie ja ned lesen. ;)

      Ich will meine Welt so basteln, dass ich mit mir selbst im Reinen sein kann - und da mich diverse politische Themen sehr viel beschäftigen, heißt das, dass ich mir darüber Gedanken machen muss. Da ich nur im kleinen Kreis veröffentliche, mache ich mir über Auswirkungen auf Leser:innen nicht so viel Gedanken, wie darum, wie's mir selber damit geht.

      Was ich mit Offtopic meine ist, dass es hier ja eigentlich um eine bestimmte Problematik geht, nicht einfach darum, allgemein alles machen zu dürfen.

      Threadstart ist eigentlich die Frage: Hey, ich frage mich, wie ich mit diesem Problem noch besser umgehen kann, wie seht ihr das?
      Und nicht: Das ist ein Problem! Bastelt anders!

      Sprich, wen's nicht interessiert, wie mit Cultural Appropriation sensibel umgegangen werden kann, bzw. wo die Problematiken sind - den braucht's ja eigentlich nicht zu kümmern. Ich find das Thema interessant und möchte gerne darüber diskutieren, statt über Politisches beim Basteln generell.

      ~

      Somit also. :)

      Meine Welt Xooi habe ich vor 12 Jahren relativ schematisch angelegt; dabei habe ich mich aber komischerweise mehr an europäischen Ländern orientiert. Es gab ein Pseudofrankreich, ein Pseudospanien, ein Pseudoenglischdeutschland... und Chalan-Goy, was irgendwie doch deutlich südost-)asiatisch angehaucht ist, vor allem sprachlich. Was daran liegt, dass ich vietnamesischsprechende Familienmitglieder habe und mit der Sprache daher viel im Kontakt. Kulturell hab ich wenig bis keinen Bezug eingebaut, soweit ich weiß.

      Mist gebaut hab ich allerdings ganz im Süden. Da hab ich mich ursprünglich leicht von den Fremen von Dune inspirieren lassen, und ein Wüstenvolk hingesetzt, dass sehr sehr monotheistisch ist (im Gegensatz zu 0 Religion überall sonst), und Glaubenskriege führt. %-) Es ist wohl kein Zufall, dass ich die Gegend nie richtig bebastelt habe - ich hatte einfach grundlos dieses Klischee, ohne dass es wirklich je Sinn gemacht hätte für die Welt.

      Oh, und mir fällt gerade auf, ein Pseudoschwarzafrika hatte ich da auch noch. Das noch dazu teilweise von den Wüstenbewohnern unterjocht war. %-)

      Das ist jetzt alles eh schon längst obsolet, weil's überhaupt nicht mehr in die Welt passt.

      ~

      Ngiana. Erdähnliche Welt, daher viiiiel mehr Kulturen.

      Hier komm ich glaub ich nicht darum herum, zu klauen. Die Frage ist eher, von wo, und wie. Als ich mit 14 die Weltkarte gebastelt hab, gab's noch ein Pseudo-Ostasien (allerdings sehr klein), ein Gebiet mit Nordamerikanischen Natives, und ein Gebiet, dass sich auf ner Karte vllt mit "Terra incognita. Here be Africans." bezeichnen hätte lassen. Das war, wie gesagt, mit 14.^^

      Wie die Welt jetzt angelegt ist, ist der Nordkontinent eine Art Europa + Vorderasien + Ägypten. Die anderen Kontinente sind noch kaum bebastelt. Die Frage ist, welche Rolle die Orks einnehmen - mir war wichtig, sie nicht als technologisch rückständig zu basteln (im Gegensatz zum "Europakontinent"). Allerdings ist es mir bislang nicht so ganz gelungen, sie kulturell weiter zu differenzieren. Das liegt daran, dass ich mich darauf konzentriert habe, was die Unterschiede zu Menschen sind.

      Was Rassismus angeht, weiß ich nicht wirklich, wie ich damit auf dieser Welt umgehe. Es ist teilweise sehr düster, und das war es immer schon - es gibt Weltkriege und dabei passieren auch mehrere Genozide. Die Neuzeit Ngianas kennt definitiv Faschismus; wie genau "das Andere" konstruiert ist, das als Feindbild erzeugt wird, ist mir selbst nicht so ganz klar. Teilweise durch Religion, teilweise Ethnizität, Sprache? Jedenfalls hat es nichts mit Orks/Menschen zu tun. Und auch nicht mit Queerness, das wäre mir wiederum zu einfach und muss aber halt auch nicht sein. (Die Religion, die mit den Faschisten kooperiert, erlaubt seit der Antike schon alle sexuellen Orientierungen.)

      Ehrlich gesagt hab ich allerdings seit langem nicht wirklich Lust, Faschismus zu basteln. Haben wir IRL genügend davon. ;)

      Hyks schrieb:

      Ich will keine White-World und ich will keine Welt, in der ich mich einfach bereichere an den großartigen Kulturen dieser Welt.
      Hmmm. Das wichtigere Problem ist, so weit ich das jetzt verstehe, dass die genommenen Klischees nicht wieder zurück-interpretiert werden können. Also, wenn ich mich jetzt von Roma inspirieren lasse zu einem "fahrenden Volk" - ja häufig in der Fantasy - und dann aber auch Klischees nehme, wie die Wahrsagerin, oder dass dieses Volk hauptsächlich Diebe sind, oder sowas ... dann dürfte das zurückverefolgbar sein auf unsere Welt. D.h. jemand, der das liest, sieht hier Klischees, die einem realweltlichen Volk zugeordnet werden können, und die auch in unserer Welt immer noch wirken.

      Das ist also ein Beispiel dafür, was ich besonders vermeiden wollen würde - negative Klischees.

      Wenn ich dann doch ein fahrendes Volk habe, das für Diebstahl bekannt ist (weil es in-world einfach zum Überleben notwendig ist in ner miesen Situation), dann würde ich versuchen, die Gründe dafür hervorzuheben, d.h. ihre Marginalisierung, dass ihnen nicht genügend zum Überleben gelassen wird, usw. Ob das dann gut funktioniert, weiß ich nicht. Es ist vor allem ja dann auch noch nicht klar, welche Klischees ich unterbewusst auch noch übernehme. Von daher ... erfordert es vermutlich einiges an Recherche, und eben auch darüber, welche Form der Rassismus dieser Gruppe gegenüber heute so annimmt.
      Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable. / / / You're forcing your norms on everyone else: You are normal. I am a freak: I will make you freak out.

    • Ich finde, es ist durchaus legitim, Welten zu basteln, in denen Probleme wie Rassismus, Sexismus, Homophobie usw. thematisiert werden. Solange es eben für eine zu erzählende Geschichte von Bedeutung ist und sich aus der Welt selbst heraus begründen lässt. Daraus sollte man nicht schließen, dass wer auch immer so was in die gebastelte Welt einbaut selbst so denkt. Wenn es so wäre, dass schlimme Dinge nicht mehr thematisiert werden dürften, weil sonst Werk und Autor gleichgesetzt würden, dann könnte man gleich die gesamte menschliche Kulturgeschichte in die Tonne treten.
    • Ich frage mich gerade, wie hart die Grenze zwischen "rassistisch schreiben" und "Rassismus beschreiben" ist, also wo das eine aufhört und das andere anfängt.

      Und ich fragte mich, wie viele PoC man fragen muss, um ein ausreichendes Meinungsbild zu haben, ob etwas eine Kultur nun angemessen darstellt. Ich meine wenn jemand mich fragt, wie ich "die deutsche" Kultur beschreiben würde, könnte ich darauf nicht vollumfänglich objektiv antworten und würde mich dabei vermutlich noch über Bayern lustig machen und sie anders darstellen, als ein Bayer es täte ... :-/
    • Schwieriges Thema. Ich stelle jetzt einfach mal meine Meinung in den Raum. Das soll nicht heißen, dass ich andere Meinungen falsch finde, sondern das ist einfach das, was ich mir so über die Jahre zurecht gelegt habe.

      Cultural Appropriation
      Es gibt immer wieder Werke, wo man klar erkennen kann, das ein erfundenes Volk von einem irdischen Volk inspiriert ist. Als cultural appropriation empfinde ich das nicht, sondern als kreatives Armutszeugnis. Denn eine erfundene Welt soll ja per se etwas anderes sein, als unsere Welt und wenn sie das nicht ist, dann hat der Bastler in dieser Hinsicht versagt.
      Etwas anderes ist es natürlich, wenn eine Welt explizit als ein Spiegel unserer Welt angelegt ist (z.B. wenn man durch ein Dimensionstor in eine alternative Version unserer Welt kommt). Dann ist die Referenz zur Erde gewollt und dann müssen Kulturen unserer Welt auch angemessen repräsentiert sein. Wobei ich schon der Meinung bin, dass man nicht zu einer Gruppe gehören muss, um sie in einem Werk verwenden zu können. Und ja, als Außenseiter macht man da vielleicht gewisse Fehler. Aber solange man respektvoll mit fremden Gruppen umgeht, finde ich das ok, wenn mal nicht alles so ist, wie es ein Mitglied der Gruppe selbst vielleicht dargestellt hätte. Anders herum finde ich es aber auch nicht ok, wenn ich als EIN Mitglied einer Gruppe meine entscheiden zu können, wie meine Gruppe dargestellt werden MUSS. Denn vielleicht gibt es ja ein anderes Mitglied meiner Gruppe, das das ganz anders machen würde als ich? Wie gesagt, solange der Respekt vor anderen Gruppen da ist, ist aus meiner Sicht alles ok.
      Beim Thema Whitewashing in Hollywood geht es ja auch darum, dass z.B. weiße Schauspieler in Rollen für Farbige besetzt werden und farbige Schauspieler deswegen schlechtere Berufschancen haben. Aber keine meiner Romanfiguren nagt am Hungertuch, wenn ich sie nicht besetze. (Die müssen eher Hunger leiden, WENN ich sie besetze :diablo: )

      Rassismus, Gewalt und andere bad vibes
      Eine Welt, in der es keinerlei negative Erscheinungen gibt, erscheint mir ziemlich unrealistisch. Die müsste verdammt gut gebastelt sein, damit ich das dem Bastler abnehme. Warum ist das so? Ganz einfach: weil es keine Kultur unserer Welt bis jetzt geschafft hat und auch in der Tierwelt sind Dinge wie Ehebruch, Kindstötungen, Diebstahl und sogar Mord weit verbreitet. Ich weiß nicht, ob mir so spontan auch nur eine Tierart einfallen würde, die wirklich komplett PC ist.
      Auch in der (Welt-)Literatur gibt es perfekte Welten eigentlich nur im Sinne einer Utopie und die dient immer dazu, der Realität den Spiegel vorzuhalten. Eine eigenständige Utopie ist meiner Meinung nach langweilig. Aber ich lasse mich da gerne eines besseren belehren. Das soll nicht heißen, dass es nicht legitim ist, Welten zu basteln, die "besser" sind als unsere. Das kann ja auch mit der Message sein "Schaut her, wenn wir einfach alle ein wenig netter wären, wäre das doch für alle gut". Das ist so der Star Trek-Ansatz.

      Ich lasse mich eigentlich von drei Thesen leiten:
      1. Menschen neigen dazu, sich über Gruppenzugehörigkeit zu definieren und fremde Gruppen zu verteufeln
      2. Helden brauchen Widrigkeiten, um sich beweisen zu können
      3. Arschlöcher gibt es überall

      Meiner Meinung nach ist es relativ einfach, bei einem Werk zu erkennen, ob jemand eine gewisse Erscheinung (z.B. Gewalt gegen Frauen) kritisch darstellt, oder ob er es verherrlicht. Und klar ist es erlaubt, negative Erscheinungen darzustellen, um sich kritisch damit auseinanderzusetzen.

      Wie ist das auf Aurhim
      Der Kern von Aurhim entstand aus einer Gruppe Zeitreisender auf unserer Welt. Eirik WAR ein Wikinger, Alessa aus Byzanz und Rafalo und Bewin aus dem Wilden Westen. Als ich diese Gruppe damals nach Aurhim verpflanzt habe, musste ich ihnen natürlich ein geeignetes Habitat bieten. Manchen dieser Völker sieht man ihr Erbe auch leider heute noch recht stark an. Dann aber meistens, weil ich mich beim Eigenwelttourismus nicht viel in diesen Gegenden herumgetrieben habe.
      Dann habe ich noch ein Land (das auch keine allzu große Rolle spielt), das schon etwas nach China riecht. Das ist aber eigentlich eher Easter-Egg-Country und auch wenn es chinesisch aussieht, ist vieles eher schwäbisch. So heißt das Land Mai Hoi Ne (Mei Hoimed = Meine Heimat), die Hauptstadt Kiap Sho (Kirsch-Apfelsaft-Schorle), die Stadt mit der Universität der Historiker Waish Nô (Weisch no = Weißt du noch) und die Stadt mit dem entlegensten Hafen heißt Blo Xeng (Plochingen = letzter schiffbarer Hafen am Neckar).
      Dank Silph haben wir aber auch ein Land, in dem die perfekte Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern herrscht, was nicht heißen soll, dass dort alles prima ist. Rassismus, Fremdenhass etc gibt es da schon. Nur eben das Geschlecht ist wurscht.
      Überhaupt mag ich es, Leute aus verschiedenen Kulturen auf einander los zu lassen und sie dann über die jeweiligen Vorurteile stolpern zu lassen. Wobei ich denke, Vorurteile hat jeder. Wenn er gut ist, ist er sich dessen bewusst und handelt aktiv dagegen, aber vorhanden sind sie nun mal. Und weltenbastlerisch finde ich es interessant, mal andere Vorurteile "auszuprobieren". Z.B. habe ich eine Figur, die eigentlich ein übler Chauvi ist, nur spielt das biologische Geschlecht in seiner Kultur keine Rolle, sondern nur das freiwillig ausgewählte gender. Er kann gegenüber weiblich-gender Personen echt fies arrogant sein. Dafür akzeptiert er "männlich-gender" Frauen völlig selbstverständlch. Solche Figuren sind für mich schon auch ein Weg, um zu zeigen dass dieses ganze in Gruppen-Denken eigentlich bullshit ist, weil letztendlich alle Gruppeneinteilungen willkürlich sind.

      Aber als Schlusswort noch: solange es keine menschenverachtenden Denkweisen verherrlicht, muss ein künstlerischer Werk von mir aus keine PC-Message ausstrahlen. Es kann auch einfach nur eine spannende Geschichte sein.
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?