Geographische und systematische Verteilung von Flora und Fauna in erdähnlichen Welten

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    • Geographische und systematische Verteilung von Flora und Fauna in erdähnlichen Welten

      Das letztmonatige Slowbastelthema mit meinen Systematikbasteleien hat mich dazu gebracht, mal über die verschiedenen Ansätze nachzudenken, wie man an das Basteln von Tieren und Pflanzen auf der systematischen Ebene herangehen kann. Auch ein Ausgangspunkt war, dass ich in einem Video, jemanden sich über eine Fantasywelt habe beschweren hören (ich glaube es war Westeros): "Das ist ja total unrealistisch, dass es da Kartoffeln gibt! Die kommen ja aus der Neuen Welt und die ist da ja noch gar nicht entdeckt!!". Das fand ich etwas absurd, weil es doch nicht so super viel Sinn ergibt, bei einem Planeten mit komplett anderer Geographie davon auzugehen, dass Pflanzen und Tiere analog wie auf der Erde verteilt sind.

      Wie geht eines aber dann nun damit um, wenn eine fiktionale Welt eben nicht dieselbe geographische Konstellaiton und die selbe Geschichte haben wie die Erde? Allein die Tatsache, dass es Säugetiere und Vögel als dominante Tiergruppen gibt rührt ja aus dem Hintergrund, dass es irgendwann mal Dinosaurier gab, diese durch eine Naturkatastrophe bis auf bestimmte angepasste Formen ausstarben und dadurch Säugetiere ihre Nischen besetzen konnten. Diese spezielle Konstellation wird ja nicht auf jeder fiktionalen Welt auftreten. Trotzdem will eines ja auch mit Vetrautem arbeiten und bei vielen Welten würde es schwerfallen oder auch gar nicht zum Bastelfokus passen, sich da eine eigene Evolutionsgeschichte zu überlegen. Von dem her haben die meisten fiktionalen erdähnlichen Welten zumindest dieselben Tierklassen.

      Darunter wird es aber nochmal spannend. Denn schon auf Ebene der Ordnungen und Familien kommen in vielen Welten neue Gruppen dazu. Ganz klassisch sind das Drachen oder Einhörner. Ob die aus Evolution oder mit magischer Hilfe entstanden sind, wird meistens offen gelassen. Spannend fände ich, ob jemand bei solchen Tieren Verwandtschaftsbezihungen à la "Wusstet ihr, dass Einhörner in Wahrheit näher mit Zebras verwandt sind als mit Pferden?" gebastelt hat. Ganze neu gebastelte Ordnungen von Tieren haben wir hier im Forum ja doch sehr häufig, spontan fallen mir Sayelan und Aeyansmóttir ein.

      Auf der Ebene der Arten und Unterarten wird es fast zwangsläufig nötig, eigene zu kreieren, auch wenn es vielleicht nicht immer explizit gemacht wird, denn eine "Westkaukasische Bergziege" macht auf einer Welt, in der es keinen Kaukasus gibt, nicht mehr besonders viel Sinn. Die Ausprägungen von zum Beispiel Löwen werden in vielen Welten an unseren Löwen orientiert sein, ohne dabei festzulegen, Löwen aus welchem Teil Afrikas da jetzt gemeint sind. Es gibt Welten, bei denen sich sehr bewusst überlegt wird, wie sich die Arten der Welten von den Arten auf der Erde unterscheiden, mir fällt da immer Lemna als Beispiel ein. Durch die eigene Geographie kann man den Tieren eigene Verbreitungsgebiete geben. Hier könnte es zu Tierbegegnungen kommen, die auf der Erde so nicht vorkommen, als klassisches Beispiel den Eisbären, der Pinguine frisst.

      Welche Möglichkeiten seht ihr noch, mit der Verteilung von Flora und Fauna umzugehen? Welche Aspekte habe ich vielleicht noch nicht beleuchtet? Bewusst augeklammert habe ich hier mal intelligente Spezies, dazu hatten wir in der Vergangenheit schon Threads. Einschleppung von Arten in Welten mit mehreren Planeten gibt es dann ja auch noch.

      Bin gespannt, was wir zu dem Thema an Blickwinkeln zusammentragen können :)
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    • Die Kartoffel ist sehr spannend :D - Die ersten städtischen Kulturen waren auch alle auf ihre regionalen Nutzpflanzen angewiesen, und ich hab auch aufgeschnappt, dass Reis da recht energieeffizient ist und so mit hohen Bevölkerungszahlen zusammenhängen könnte (so wie die Kartoffel mit hoher Körpergröße). Momentan ist die Landwirtschaft bei mir unter "Phoenixkorn" fantasiert, wobei auch namenlose Nicht-Körner aufgezählt werden.

      Bin der Fauna fall ich ab und zu in den Gigantismus, etwas größere Eber und Vögel gibt es da. Manchmal anachronistisch mit einem Hauerelefanten in südlicheren Gegenden der Eiszeitlandschaft (als früherer Elefant war der da vermutlich schon ausgestorben). Auch bei den Bezeichnungen hab ich den "Donnerwolf" für den "Direwolf" (der mir zu englisch ist), und den "Steppenbären" für den eiszeitlichen "Kurznasenbären" (der mir zu albern klingt). Ansonsten bin ich der Eizeit, glaube ich, recht treu geblieben. Arktische Riesenkamele (2,7m Schulterhöhe) könnten noch fehlen, aber ansonsten hab ich mich in Eurasien und den amerikanischen Kontienten (Mastodonten, Riesenfaultiere) bedient ohne selbst so eine einschneidende Kontinentaltrennung zu haben.

      Mit den eindeutig fantastischen Kreaturen hadere ich noch, da versuche ich auch entsprechende offensichtlich erkennbare Verwandtschaften zu ziehen.


      Eine Möglichkeit damit umzugehen die mir in Erinnerung geblieben ist, wollte ich aber noch erwähnen: Nharun schrieb mal, dass er fantastische Tiere bastelt, die die gleiche Nische besetzen und auch die gleiche Bezeichnung erhalten wie irdische Tiere. Das spart im RPG Erklärungen, weil die Spieler mit den Kamelen und Delfinen so umgehen können, als wären sie aus unserer Welt. Aber wenn man dann die zahlreichen "richtigen" Abbildungen dieser Tiere sieht, ergibt sich "eine phantastischere Vorstellung der Welt." :)
      > Möchte in Fantasy-Ausrichtung an den Erfolg von Scientology anknüpfen.
    • Alpha Centauri schrieb:

      als klassisches Beispiel den Eisbären, der Pinguine frisst.
      Das ist ein klassisches Beispiel für etwas, das auch auf einer Fantasiewelt nicht vorkommen sollte, falls man einem gewissen Realismus folgen möchte und voraussetzt, dass die Fantasiebären und -pinguine sich nur wenig im Verhalten von irdischen unterscheiden.

      Betrachtet man das Verbreitungs- und vor allem das Brutgebiet von Pinguinen, fällt schnell auf, dass diese nur dort ihre Brutkolonien haben, wo es keine großen Landraubtiere gibt. Auch von seinem nördlichen Pendant, dem Riesenalk, hat man bisher nur Brutplätze auf sehr abgelegenen Inseln gefunden, die vermutlich nicht oder nur sehr selten durch Eisbären oder Polarfüchse aufgesucht werden konnten.
      In allen frühen Expeditionsberichten zur Antarktis wird die absolute Unbekümmertheit der Pinguine selbst im Angesicht einer Meute zähnefletschender Schlittenhunde beschrieben. Taylor schreibt beispielsweise davon, dass sie sich gezwungen sahen, in den ersten Stunden auf dem Eis einen der Hundeführer zur Pinguinselbstmordverhütung abzustellen.
      Warum es Pinguine nur dort gibt, wo es keine Landräuber gibt, wird schnell klar, wenn man sich vorstellt, was für ein Gemetzel ein Eisbär in einer Brutkolonie anrichten würde.
      "»Huch«. machte der Dachs, als er aufwachte. »Heute bin ich aber schlecht gelaunt. So etwas von schlecht gelaunt, ich bin ja richtig gefährlich!«" - Udo Weigelt, Der Dachs hat heute schlechte Laune.
    • Grummeliger Dachs schrieb:

      Alpha Centauri schrieb:

      als klassisches Beispiel den Eisbären, der Pinguine frisst.
      Das ist ein klassisches Beispiel für etwas, das auch auf einer Fantasiewelt nicht vorkommen sollte, falls man einem gewissen Realismus folgen möchte und voraussetzt, dass die Fantasiebären und -pinguine sich nur wenig im Verhalten von irdischen unterscheiden.
      Betrachtet man das Verbreitungs- und vor allem das Brutgebiet von Pinguinen, fällt schnell auf, dass diese nur dort ihre Brutkolonien haben, wo es keine großen Landraubtiere gibt. Auch von seinem nördlichen Pendant, dem Riesenalk, hat man bisher nur Brutplätze auf sehr abgelegenen Inseln gefunden, die vermutlich nicht oder nur sehr selten durch Eisbären oder Polarfüchse aufgesucht werden konnten.
      In allen frühen Expeditionsberichten zur Antarktis wird die absolute Unbekümmertheit der Pinguine selbst im Angesicht einer Meute zähnefletschender Schlittenhunde beschrieben. Taylor schreibt beispielsweise davon, dass sie sich gezwungen sahen, in den ersten Stunden auf dem Eis einen der Hundeführer zur Pinguinselbstmordverhütung abzustellen.
      Warum es Pinguine nur dort gibt, wo es keine Landräuber gibt, wird schnell klar, wenn man sich vorstellt, was für ein Gemetzel ein Eisbär in einer Brutkolonie anrichten würde.

      Das ist wirklich interessant und ich wusste das nicht. Gegenüber Seeraubtieren (ich denke an Seeleoparden) scheinen Pinguine ja zumindest fluchtfähig zu sein.

      Auf einer fiktionalen Welt wäre es allerdings sicher denkbar, dass Pinguine sich evolutionär dahingehend anpassen, auch gegenüber Landraubtieren einen Fluchtreflex zu entwickeln. Äußerliche Änderungen wären da vermutlich auch notwendig, Fluchtreflex nützt ja wenig, wenn ich nicht zumindest ein bisschen Geschwindigkeit aufbauen will. An solche voraussetzenden Verhaltensänderungen hatte ich bei meinem ursprünlichen Post gar rnicht gedacht, fände ich aber super spannend, so was auszubasteln. :thumbup:
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    • Auf Assai soll es eigentlich auch gar keine irdischen Tiere geben. Dafür werden ebenfalls eigene Ordnungen, Gattungen, etc. gebastelt, obwohl die meisten Arten trotzdem als Äquivalente irdischer Tiere beschrieben und von mir oft auch empfunden werden. So gibt es generell meist hexapode Affenähnliche, aber auch ein paar tetrapode, die dann natürlich nur extrem entfernt verwandt sind. Vögel gibt es nur sehr vereinzelt (Tatsächlich sind alle bisher beschriebenen Vögel flugunfähig, wie mir gerade auffällt. ;D ), was daran liegt, dass der Luftraum von Insekten und Flugechsen dominiert wird (Drachenverwandte z.B.)

      Allgemein finde ich es gerade cool, mit der Erwartungshaltung, wo ein Tier oder eine Pflanze anzutreffen sein sollte, zu brechen. Bären im tiefsten Regenwald? Krokodile im Fjord? Immer her damit. Einiges versuche ich zu erklären, aber viel wird auch handgewedelt. Gerade, wenn es um stammesgeschichtlich sehr frühe Phasen geht. Da geht's dann nur um die Basics, wie die Trennung von Hexapoden und Tetrapoden und die Einführung sogenannter Halbsäuger. Das sind Wesen, die Merkmale von Säugern, Amphibien und Reptilien vereinen und hauptsächlich dafür da sind, um die Häufung von Reptiloiden in Polnähe zu erklären... :pfeif: Sowas hat dann natürlich ne Menge Implikationen, aber das ist einem ja als Bastler selbst überlassen, wie weit man die ausbastelt und welche Foki man setzt.