Limyaael's Fantasy Rants übersetzt

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    Weltenbastler-Olympiade (WBO) 2021 - Startschuss
    Die diesjährige Olympiade beginnt am 25 .7.
    Das WBO-Orgatool ist hiermit initialisiert. Es mögen sich vor allem für die ersten Kategorien schnell findige Jury-Mitglieder finden.
    Wir wünschen allen viel kreativen Spaß!

    • Gwen schrieb:

      16. Erkenne, dass Sprache in der Politik oft eine sehr spaltende Rolle spielt.

      Schau Dir Quebec an, wo sich Französisch-Sprecher von Englischsprachigen trennen wollen. Schau Dir die Spannungen in den Vereinigten Staaten zwischen Menschen, die denken, dass Englisch die offizielle Sprache des Landes und neuer Einwanderer sein sollte. Schau Dir Spanien an, wo eine Terrororganisation namens ETA für die Unabhängigkeit von Menschen kämpft, die Euskara, die baskische Sprache, sprechen. Sprache kann eine ausgezeichnete Motivation für politische Intrigen sein.
      16b. Erkenne, dass Sprache vor allem Gruppenzugehörigkeit erzeugt.
      Natürlich gibt es Spaltung überall dort, wo zwei Gruppen aufeinander treffen, die sich nicht verstehen, aber es gibt genug Beispiele, die zeigen, dass Sprache verbinden kann. Beispiel Deutschland / DACH: Die deutsche Sprache erzeugt ein Wir-Gefühl bei teilweise recht unterschiedlichen Kulturen, die sich ohne die gemeinsame Sprache wahrscheinlich nicht als gemeinsame Gruppe gesehen hätten.

      ETA setzt sich übrigens nicht für "Menschen, die Baskisch sprechen" ein, sondern für die Basken, unabhängig davon, ob sie Baskisch sprechen.

      Anders ausgedrückt: Sprache ist eine hochpolitische Sache, insofern richtig, aber sie auf den spaltenden Aspekt zu reduzieren finde ich zu kurz gegriffen. Es wäre schön, wenn Sprache tatsächlich häufiger eine Rolle in Geschichten spielen würde, aber das muss nicht immer negativ sein. Wenn sich zwei Rotwelsch-Sprecher getroffen haben, hatte das eher etwas Geheimnisvolles für die Außenstehenden.
      -10,5 23 ∑ π
    • Mir fehlte bisher Geduld und Gelegenheit, mir die ganzen Rants durchzulesen. Aber so grundsätzlich bin ich neugierig, was eigentlich deine (@Gwen) Motivation ist, dir die ganze Arbeit zu machen (auch wenn du sie dir mit automatischen Übersetzungstools erleichterst/effizient gestaltest, was ich auch tun würde). Der Anlass war gomecks Frage.
      Aber ich meine, du kritisierst die Inhalte, die du da übersetzt hast, ja selbst. Warum dann etwas, von dessen Aussagen du selbst nicht (bzw teils alles andere als) überzeugt bist, mehr Menschen zugänglich machen durch die Übersetzung?

      Ich sehe, dir macht das Spaß. Was genau macht dir da Spaß - Aussagen von jemand anderem auseinander zu nehmen? Ein Essay, das du selbst für qualitativ hochwertig und lesenswert hältst, hättest du nicht übersetzt?
      Also ist es die "Lästerei", die motiviert? (fies ausgedrückt - ich meine es nicht so böse wie es vielleicht klingt, ich bin wirklich neugierig! Weil ich meine eigene Motivation bei Projekten, in die ich viel Zeit investiert habe, auch stets hinterfrage)
      Oder einfach nur die Analyse, aus der du vielleicht selbst beim Kommentieren auch noch was lernst? (mir geht das so, wenn ich Werke anderer betrachte und identifiziere, was ich für ungut gelöst halte)

      Mir ist es aktuell einfach noch etwas rätselhaft, weil ich denke, wenn ich mich an so ein Projekt setzen würde, ich mir wohl etwas ausgesucht hätte, was ich "liebe" und dem ich deshalb auch meine Zeit schenken möchte, indem ich dafür sorge, dass mehr Menschen davon erfahren. :) (beispielsweise in Form eines zugänglicheren/benutzbareren Remakes eines alten Computerspiels)
    • Yrda schrieb:

      Warum dann etwas, von dessen Aussagen du selbst nicht (bzw teils alles andere als) überzeugt bist, mehr Menschen zugänglich machen durch die Übersetzung?
      Das hat mehrere Gründe. Vor Jahren war ich mal sehr davon überzeugt und habe hier im Forum dauerhaft von Innovation als notwendigem Aspekt von Weltenbasteln gesprochen. Inzwischen sind meine Aussagen Schnee von gestern, aber ich glaube nicht, dass sich diese Art zu denken aus der Welt verabschiedet hat und wollte durch die kritischen Kommentare eine Ergänzung mitgeben. Als bei mir das Umdenken stattfand wollte ich zuerst nur die Rants kommentieren und "debunken", aber Gomeck sprach mich durch Zufall auf die Tatsache an, dass es keine deutsche Version der Rants gab und das es Leute gab, die das unbedingt lesen wollten. Dann war ich jahrelang verhindert und kam nicht dazu, aktiv am Forum teilzunehmen. Und jetzt habe ich halt ein bisschen Zeit und das scheint eine begrenzte aber auch interessante Aufgabe zu sein. :)

      Also anders gesagt, warum nicht Leuten etwas zugänglich machen, was sowieso schon viele Leute lesen. Mit meiner Kritik zeige ich vielleicht auch, dass es auch andere Ansichten zu diesem Thema gibt und das sich Leute nicht alles vorschreiben lassen müssen. Zumindest hoffe ich, dass ich von jemandem fasziniert sein darf, deren Ansichten ich in keinster Weise teile.




      Yrda schrieb:

      Ich sehe, dir macht das Spaß. Was genau macht dir da Spaß - Aussagen von jemand anderem auseinander zu nehmen?
      Nein, oh Himmel, es ist anstrengend um ehrlich zu sein. Ich gehe an jedes Essay einzeln heran, habe also keine Ahnung, was auf mich zukommt. Ich hoffe, dass die Rants im Laufe der Zeit mir besser gefallen. Oft habe ich keine positiven Kommentare zu den Rants, ich hoffe das nimmt mir niemand übel. Auch da versuche ich einfach Zeit zu sparen...Kritiken erfordern ein bisschen mehr Zeit und Arbeit und so.


      Yrda schrieb:

      Ein Essay, das du selbst für qualitativ hochwertig und lesenswert hältst, hättest du nicht übersetzt?
      Na doch! Wenn du hier alles gelesen hast, dann weisst du doch selbst, dass ich angeboten habe, dass Twilight Essay zu übersetzen! Und ich kann vielleicht auch Film Crit Hulk's Essays mal übersetzen, aber da muss ich vorher um Erlaubnis fragen denke ich. Bei Limyaael ist eben seit mehr als einem Jahrzehnt Funkstille und niemand kann Kontakt aufnehmen. Bei anderen Essayisten muss ich eventuell erst mal ein Einverständnis bekommen.




      Yrda schrieb:

      Also ist es die "Lästerei", die motiviert?
      Das Lästern überlasse ich Lim. Sie ist ziemlich gut darin, findest du nicht? :lol: :)


      Yrda schrieb:

      Oder einfach nur die Analyse, aus der du vielleicht selbst beim Kommentieren auch noch was lernst? (mir geht das so, wenn ich Werke anderer betrachte und identifiziere, was ich für ungut gelöst halte)
      Ich habe seit Jahren ein Problem, mir selbst das Schreiben von Prosa zuzutrauen. Weltentexte, kein Problem. Essays, wunderbar.

      Aber immer wenn ich eine Geschichte schreiben will, leide ich an einer Kombination aus übertrieben hohen, perfektionistischen Ansprüchen, einem Umfeld dem ich mich nicht "intim" anvertrauen will und einem Gefühl, mir selbst oder anderen mit schlecht geschriebenem Kram auf die eine oder andere Art zu schaden (also zum Beispiel indem ich zwar durchs Schreiben besser werde, aber nie gut genug, um das Schreiben zu rechtfertigen. Und scheinbar bin ich nicht davon überzeugt, dass mein eigenes Bedürfnis zu schreiben Grund genug ist, egal wie viele Leute mir das sagen). Ich habe keine Ahnung, ob ich dieses Problem je überwinden kann, aber Limyaael hat in ihren Rants "einfach an alles gedacht." Also nicht wirklich, aber sie hat sich ausgiebig mit der Natur, den Jahreszeiten, den Naturkatastrophen, den Schwierigkeiten beim Reisen, dem Aufenthalt in Dorf und Stadt, dem Umgang mit Proviant und den Strapazen der Reise befasst. Sie hat sich auch ausgiebig mit der Frage befasst, wie Charaktere funktionieren, die auf die eine oder andere Art anders sind als normale Menschen. Ich mag die Ideen von Natur und Wildnis, von Schneesturm und Hurricane, von Ebbe und Flut. Ich will auch wieder lesen, wie sich Limyaael mit "NPCs" auseinandersetzt. Und ich glaube, indem ich die Essays ins deutsche übertrage befasse ich mich mehr damit, als wenn ich nur ein paar einzelne Rants durchblättere und lese. Ich weiss, dass nur Schreiben und mit dem Schreiben anfangen dazu führt, dass ich auch wirklich Schreibe und mich bessere. Aber diese Rants sind mir trotzdem wichtig.


      Vermutlich wird nicht jeder Rant mit einem Kommentar versehen. Die grossen Sachen habe ich glaube ich alle schon gesagt(?)....obwohl, wer weiss. Aber nein, beim Kommentieren lerne ich nix.

      Jedenfalls danke für die liebe Nachfrage, Yrda.
    • Ah, danke für die Beleuchtung der Hintergründe!

      Nein, ich habe tatsächlich noch nicht alles gelesen, bin aber interessiert (und jetzt auch interessierter), das nachzuholen. Tatsächlich hatte ich von Limyaael vor deinem Thread noch nie gehört. Aber ich betrachte mich auch nicht als Autorin und kenne daher die Standardseiten für Schreibtipps gar nicht. :)
    • Yrda schrieb:

      Nein, ich habe tatsächlich noch nicht alles gelesen, bin aber interessiert (und jetzt auch interessierter), das nachzuholen. Tatsächlich hatte ich von Limyaael vor deinem Thread noch nie gehört. Aber ich betrachte mich auch nicht als Autorin und kenne daher die Standardseiten für Schreibtipps gar nicht.
      Wie bekannt sie ist weiss ich auch nicht, um ehrlich zu sein. Selbst der Umstand, dass es einige Leute auf Tvtropes mit einer Limyaael-Obsession gibt, muss ja nicht heissen, dass sie dort eine allseits bekannte Grösse ist.
    • Work in Progress (oder: Wenn die Arbeit an der Geschichte im Gang ist)


      Ich bin nicht wirklich sicher, ob dies eher ein Rant zu WIP im Allgemeinen ist oder nur über Werke, die nie fertig werden.

      Irgendwann, nehme ich an, sind die meisten Fanfic-Geschichten (und auch grosse Schmöker) unfertige Baustellen oder "Works In Progress". Ich kann mich mit der Idee anfreunden. Wenn ich eine Handlung und Charaktere mag, möchte ich mehr von ihnen lesen, und nicht gezwungen sein, nach 1 oder 2 Kapiteln mit dem Lesen aufzuhören. Ich kann eine Handlung einfach und glücklich für Monate verfolgen, und ein Kapitel oder Kapitelteil jeden Tag oder Monat oder wie oft es auch aktualisiert wird zu lesen ist eine Freude.

      Aber.

      Es gibt einige Geschichten, die nie enden - und ich meine nicht, dass sie so ermüdend sind, dass sie endlos erscheinen. Die Rede ist hier von der Geschichte, die zuletzt vor einem Jahr aktualisiert wurde und immer noch "WIP" ist. Oder die, in der die Autorin jede Woche oder so eintaucht, um lange Notizen über den Fortschritt ihrer Geschichte zu posten, aber nie das nächste verdammte Kapitel zu posten scheint. Oder die Notizen in FF.net Biographien von vor Monaten, in denen steht: "Für alle, die gefragt haben, arbeite ich so schnell wie möglich am nächsten Kapitel, und es sollte in einer Woche hochgeladen sein!"

      Ich meine, was ist das?

      Möglicherweise gibt es einige Fandoms, die dieses Problem nicht haben. Möglicherweise werden gerade HP und LOTR von unfertigen Geschichten geplagt, vor allem von besonders lang geratenen unfertigen Geschichten, deren Autoren überwiegend kurze Aufmerksamkeitsspannen oder Schreibblockaden oder ein mangelndes Interesse ihre Geschichte zu Ende zu führen. Aber in fast jedem Fandom, das ich mir angesehen habe, gab es mindestens eine lange, legendäre Geschichte, die nach mehreren tausend Wörtern oder sogar mehreren hunderttausend Wörtern aufgegeben wurde, mit nur dem einsamen "Ich werde bald aktualisieren!"-Notizen, um die Hoffnungen der Leser zu vereiteln.

      Ich denke, viele dieser Probleme könnten vermieden werden. In der Tat gibt es viele Autoren denen solche Probleme nie zustossen, indem sie ein paar einfache kleine Dinge tun:

      -Wenn solche Autoren das Interesse an der Geschichte verlieren, erzählen sie das ihren Lesern. Eine einfache gepostete kleine Notiz, die so etwas sagt wie: "Ich habe das Interesse daran verloren, werde nicht mehr schreiben, aber ich überlasse es jedem, der es lesen will" warnt die Leute sofort, dass es wahrscheinlich kein Ende der Handlungsstränge geben wird. Ich habe solche Warnungen selbst gesehen und die Geschichte vermieden oder angefangen, sie zu lesen, abhängig von der Stimmung, in der ich war und wie interessant die Zusammenfassung klang. Ich trage nur selbst schuld, wenn ich von einem Cliffhanger frustriert werde. Zumindest lässt dies die Menschen wissen, dass an dieser Geschichte wohl nicht weiter geschrieben wird.

      -Wenn sie reale Probleme haben, sie am Schreiben zu hindern, versuchen sie, eine Schätzung darüber zu geben, wann sie zum Schreiben zurückkehren können. Die Zeit reicht von Tagen über Wochen bis Monate, aber zumindest weiss jemand, die ungeduldig auf einen Abschluss wartet, wie lange sie darauf warten muss.

      -Wenn sie eine Schreibblockade erleben, sagen sie das. Das mag auch die Leser frustrieren, aber es ist immerhin ein Grund.

      -Sie nehmen unter Umständen ihre Geschichte vom Netz. Dies könnte tatsächlich der vernünftigste Weg sein, wenn klar ist, dass sie nie wieder daran arbeiten werden, und es reduziert das Durcheinander unvollendeter Geschichten, die ums Fandom herum liegen.

      -Sie geben die Geschichte an jemand anderen weiter. Wenn sie mit einem Co-Autor zusammengearbeitet haben, übernimmt manchmal der Co-Autor die Geschichte, oder sie wird von jemandem fortgesetzt, der Interesse daran bekundet hat, sie fortzusetzen. Wahrscheinlich eine Option, die durch die Geduld des Autors und die Anzahl der interessierten Freunde begrenzt ist, aber eine andere gute.

      Ich denke, dass irgendeiner oder alle davon vernünftiger wären, als eine Geschichte zu haben, die nach einem Jahr immer noch 1/? oder 40/? Sind trotzdem "WIP" heissen. Das Ding ist wahrscheinlich tot, nicht "in Arbeit".

      In der Tat bin ich fast sicher, dass diese ganze Sache von einem HP fic inspiriert wurde, den ich mag, dass seit Januar nicht aktualisiert wurde und wahrscheinlich nie weitergehen wird.

      Naja.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Gwen ()

    • Kommentar

      Ok. Ӓhm.
      In diesem Rant gibt Limyaael einige Vorschläge, die ziemlich praktisch sind. Das meine ich nicht als Lob ("Oh wie praktisch") sondern praktisch im Sinne von, "wenn du auch das willst, was Limyaael will, dann ist das hier eine gute Praxis". Zum Beispiel als sie lobend von Autoren spricht, die ihre unvollendete Geschichte an jemanden weitergeben und so. Das sind nette Anregungen.


      Es gibt nicht so viel zu diesem Rant zu kommentieren. Das Einzige, was ich Kritisches zu sagen habe ist, dass es besser wäre, alle Ratschläge als Tipps und Vorschläge zu sehen. Mir war nach glucksen zumute, als ich vom "Durcheinander unvollendeter Geschichten, die ums Fandom herum liegen." las. Aber das Essay ist von VOR 2004, also war das Internet damals noch nicht so unübersichtlich wie heute. Der Traum, überall mitreden zu können, jede Fanfic bei Harry Potter oder Herr der Ringe zu lesen war wohl noch nicht geplatzt. Da war die Informationsflut zumindest für jemanden wie Limyaael noch nicht hereingebrochen und hatte alles überschwemmt, "Alles Ständische und Stehende verdampft". ;)

      Wahrscheinlich war dieser Vorgang (das sich das Internet mit immer mehr Zeug häuft) gerade am passieren, darum klingt der Rant so moralisierend (im Sinne von: der Rant hält seine Adressaten dazu an, sich gegenüber den armen Fantasy-Lesern moralisch zu verhalten, damit die nicht mit einem "Durcheinander unvollendeter Geschichten" zu kämpfen haben). Die Einzelperson ist inzwischen komplett unfähig, diesem Durcheinander etwas entgegenzusetzen, geschweige denn, es zu beseitigen. Da half alles Zuraten und alles Drängen nichts. Jeder Rant kam zu spät und ist nur noch ein historisches Dokument der Hilflosigkeit. (Wir nehmen uns hier sehr ernst in diesen Kommentaren ;) ).

      Als kleines Detail, dass mir am Ende ihres Essays auffiel mag ich es auch, dass Limyaael nicht sicher ist, woher die Inspiration für diesen Rant kommt. Das es irgendwo da draussen eine einzige Fanfic zu geben scheint, die diesen Rant in Gang gesetzt hat ist irgendwie liebenswert.
    • Gwen schrieb:

      Mir war nach glucksen zumute, als ich vom "Durcheinander unvollendeter Geschichten, die ums Fandom herum liegen." las. Aber das Essay ist von VOR 2004, also war das Internet damals noch nicht so unübersichtlich wie heute.
      Oja, huh. ;D

      Allerdings war damals vieles glaub ich andererseits auch unsortierter. Heute lässt sich im Archive of our Own immerhin ganz explizit nach einer Geschichte mit genau den 2 gewünschten Charakteren suchen, und so Kram. Ich weiß nicht, wie es 2004 war, aber könnte mir vorstellen, dass es trotz der Menge heute leichter ist, etwas bestimmtes zu finden. :weissnicht:
      Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable. / / / You're forcing your norms on everyone else: You are normal. I am a freak: I will make you freak out.

    • Eigene Charaktere in Fanfiction

      Weil ich das Bedürfnis verspüre, pompös und deklamatorisch zu sein.

      -Mach eigene Charaktere, wenn sie benötigt werden um Lücken in der Geschichte zu füllen. Zum Beispiel brauchst du vielleicht in einer Harry-Potter-Geschichte einen Lehrer in „Verteidigung gegen die dunklen Künste“ und vielleicht passt keiner der kanonisch etablierten Charaktere zu deiner Vorstellung davon, der so eine Position ausfüllt (oder der kanonische Lehrer wird durch etwas im Kanon daran gehindert, den Posten anzunehmen, etwa Lupin durch sein Werwolf-Problem). Deinen Charakter pausenlos "den neuen VgddK-Professor" zu nennen, würde ärgerlich werden, so dass er/sie wahrscheinlich einen Namen braucht.

      -Mach nicht deinen neuen Charakter zum Mittelpunkt der Geschichte, es sei denn, du willst sowohl Mary Sue-isierung riskieren und eine bestimmte Teilmenge deiner Leser vor den Kopf stossen. Viele Fanfic Leser, einschließlich mir, werden sich vielleicht bei Erwähnung eines neuen Charakters verkrampfen, sind aber wahrscheinlich bereit, der Geschichte eine Chance zu geben. Ich habe vor kurzem zwei HP-Geschichten gesehen, die neue VgddK-Professoren hatten, sowohl weibliche als auch beide hübsche, aber gute Geschichten blieben, indem sie sich auf die Kanon-Charaktere konzentrierten und gut geschrieben waren. Ich gehöre zu der Untergruppe Fans, die eine wilde Flucht ergreifen, wenn sie sehen, dass die neue Figur zum Mittelpunkt der Geschichte wird oder dass sie die Figur mit all den Antworten ist und obendrauf eine mysteriöse Vergangenheit hat. Falls du bereit bist, das Risiko einzugehen, dann werde dir bewusst, dass du einige Leser verlieren wirst.

      -Mach nicht so ein Gequengel darüber, dass die Menschen deinem mächtigen, schönen, ängstlichen selbsterfundenen Charakter eine Chance geben sollten. Du musst sie von der Art und Weise überzeugen, wie du schreibst, um dem Charakter eine Chance zu geben, und nicht nur denken, dass sie es aus der Güte ihres Herzens heraus tun sollten.

      -Mach, das dein Charakter wie eine echte Person geschrieben ist. Gib ihr gewöhnliche Momente der Frustration, Ungeduld, Unbehagen, Unheil und Lachen, sowie die Extreme des Terrors, der Trauer, der Verzweiflung und der Liebe auf den ersten Blick. Dies ist ein Problem, das ich bei vielen neu erfundenen Figuren sehe; sie hätten direkt einem Roman oder Gothic Novel entsprungen sein können, wo Liebe auf den ersten Blick und unterirdische Passagen und Schwarz-Weiß-Charakterisierung einfach dazugehören, und jeder ist dramatisch (was ans Melodramatische grenzt). Zeig mir deinen Charakter beim Lachen mit den anderen Charakteren über etwas, das jemand gesagt hat, oder klemme ihr den Finger in eine Tür und lass sie darüber fluchen. Das hilft, eine Grundlage der Sympathie für die Figur zu schaffen, im Gegenteil zu langatmigen, unter Schluchzern erzählten Vorgeschichten, in denen ihre Eltern beide bei einem Autounfall ums Leben kamen.

      -Gib ihr keine ängstliche Vergangenheit. Bitte. Fast alle Fan-Charaktere in Harry Potter sind zum Beispiel Waisen. Fast alle Halbelf-Fan-Charaktere in LOTR sind ausgestoßen und verachtet für ihr gemischtes Blut (trotz der kanonischen Tatsache, dass Halbelfen, abgesehen davon, dass sie sehr selten sind, als Helden verehrt wurden: Elrond, Earendil, Elwing). Der Figur dabei zuzuhören, wie sie von niemandem verstanden wird, wie alle sie hassen oder wie alle Mädchen eifersüchtig auf ihre Schönheit sind, beraubt mich jeder Sympathie für deinen Charakter; es weckt in mir das Begehren, sie über einem langsamen Feuer zu rösten.

      -Mach sie einigermaßen aktiv - in Maßen. Viele Sues fallen in eins dieser drei Lager:

      • Die unglaublich intelligente/intuitive/arschkickende Sue, die alles tut, weil die Hauptcharaktere aus dem Original, an deren Seite sie steht, zu dumm/schwer von Begriff/schwach dafür sind.
      • Die mutige Sue, die durch den Zufall der Geburt oder durch überhörte Gespräche zum Schlüssel der Handlung wird. [Anm. d. Übs.: im Original schreibt Limyaael auch von Charakteren, die Nancy Drew nachempfunden sind, aber bei der Detektivarbeit nicht überzeugend sind...wenn jemand hier im Forum Nancy Drew kennt und mir auch nur im Ansatz sagen kann, welchen Tipp Lim uns hier geben will, bitte sagt bescheid. Ich habe keine Ahnung.]
      • Die passive, hilflose Sue, die sich die ganze Zeit selbst bemitleidet oder stöhnt und Dinge einfach passieren lässt.


      All dies sind selten Menschen, denen wir begegnen, weder im wirklichen Leben noch als vollwertige Charaktere. Mach deine originellen Charaktere mutig und klug genug, um auf eigene Faust auf Antworten zu stossen, aber nicht so mächtig, dass sie jedes Problem, jeden Schurken, jedes Rätsel, jede Rettung an Stelle der kanonischen Charaktere lösen. Lass die Kanon-Charaktere die Führung übernehmen und fixier dich ab und zu auf etwas außer ihr. In einem Forgotten Realms Fanfic, ist dein neu eingeführter Charakter vielleicht der erste, der entdeckt, dass die Drow wieder hinter Drizzt her sind, aber würde wirklich sie all seine Feinde im Alleingang bekämpfen, wenn Drizzt einer der besten Schwertkämpfer in den Reichen ist und extrem mächtige Verbündete hat? Wohl nicht.

      -Mach nicht endlose Beschreibungen der Schönheit deines Charakters. Lass uns wissen, wie sie aussieht, wenn du musst oder wenn es wichtig für die Geschichte sein wird, aber hark nicht dauernd drauf rum. Vergleiche den Unterschied zwischen:

      "Jetzt möchte ich eure Aufmerksamkeit", sagte Professor Morgana Fleur-de-lis in ihrer sanften Stimme wie das Läuten der silbernen Glocken. Alle Schüler schauten sie an, und die Jungs bewunderten ihre fließenden silbernen Haare, ihre sanften und von altem Kummer verfolgten himmelblauen Augen und ihre so anmutigen Bewegungen, dass selbst Einhörner beschämt wurden. Die meisten Mädchen waren eifersüchtig.

      "Jetzt möchte ich, dass Sie endlich aufpassen", schimpfte Professor Morgana Fleur-de-list über ihre Studenten. Sie schob sich die silbernen Haare aus den blauen Augen und richtete einen finsteren Blick auf die Reihen des Zauberer-Nachwuchses, dabei dabei auf- und abschreitend. "Du, Weasley. Sag mir, wie man einen Boggart besiegt."

      Der Name und die Haarfarbe würden mich immer noch "AARGH!" sagen lassen, aber ich würde weiterlesen. Im ersten Beispiel würde ich sofort aufhören zu lesen.

      -Mach dir Gedanken zu einer Perspektive und bleibe dabei, es sei denn, du hast klare Unterbrechungen zwischen den Charakter-Perspektiven wie etwa Rückblenden oder ein neues Kapitel. Nichts ist ärgerlicher - und das zeigt sich auch in jenem ersten Beispiel, das ich oben geschrieben habe - als die Autorin, die aus der Sicht ihrer Sue schrieb, außer wenn die Perspektive woanders hin springt, um zu zeigen, wie traurig andere Charaktere für sie sind, wie sehr sie über sie herfallen, oder wie eifersüchtig sie auf sie sind oder wie die Schurken planen, sie zu zerstören. Wenn Professor Fleur-de-lis keine Telepathin ist, wird sie nicht wissen, was die Studenten über sie denken. Sie mag es erraten und von der Vorstellung irritiert, geschmeichelt oder gleichgültig gegenüber sein, aber es ist nur nachlässiges Schreiben, mithilfe einer schwebenden, sich permanent ändernden Perspektive Informationen zu vermitteln, die normalerweise mit Introspektion und Charakterisierung gemacht werden.

      -Mach nicht Kanon-Charaktere ganz anders als im Original nur damit sie deiner Sue Komplimente, Kriecherei oder Gemeinheiten mitteilen. Der Versuch, einen Fan-Charakter in eine romantische Beziehung mit Snape einzubinden, wird die meisten Leser abschrecken, wenn man ihn als wirklich weich und sanft darstellt, der nur andere Leute anschnappt, weil sie ihn nicht so verstehen wie Ashleigh Catherine Caitlin Amanda. Nie wurde er im Kanon so dargestellt, und selbst wenn man argumentiert, dass er unter der Fassade freundlich sein könnte, sollte es viel mehr Mühe erfordern, diese Fassade zu durchbrechen, als nur ein paar Kapitel von Ashleigh Catherine Caitlin Amanda, die mit den Wimpern auf ihn einschlägt.

      -Mach dir klar, dass nicht alle wie Teenager handeln. Wenn dein Fan-Charakter eine Erwachsene ist, mach nicht Hormone für jedes ihrer Probleme verantwortlich, oder die verständnislosen Eltern und meide erst recht, wenn sie sich verliebt, Verhalten das nur bei verknallten Teenies stattfindet. Wenn sie ein Teenager ist, versuche dennoch, die Klischees zu vermeiden; die wirken mittlerweile einfach lächerlich. Teenager-Protagonisten sind immer todsichere Kandidaten für Mary Sue, weil die Autorin, die sehr wahrscheinlich selbst ein Teenager ist oder altersmäßig nah dran, einfach nicht widerstehen kann, ihre eigenen Beschwerden über ihre Eltern und das Schulleben und so weiter auf der MS auszuschütten - natürlich in übertriebener Form.

      Ich denke, das ist pompös und deklamierend genug.
    • Spoiler anzeigen

      OK, verflucht. Ihr wisst, dass dieses Projekt gross ist. Dass die Rants sich oft wiederholen. Dass Limyaael oft die gleichen Annahmen wiederholt und in die selben Fettnäpfchen tritt. Ich will mich darüber nicht lustig machen oder beschweren. Aber ich habe eigentlich den Eindruck, wer meine Kommentare bis hier her gelesen hat, kann was ich dort sagte auch hier anwenden.

      Dieser Rant hat mal wieder das, was Limyaael "deklamatorisch" nennt: sie schreibt Dinge vor. Und dieser Rant ist besonders schlimm, da hier die Forderungen und Verbote fett gedruckt sind. Ist vielleicht einprägsamer so aber ich komme mir trotzdem vor wie im Kindergarten.


      Dieser Rant hat auch wieder dieses Geschlechter-Ding am Laufen. Gerade weil Englisch viele Substantive nicht mit grammatikalischem Geschlecht bezeichnet, ist es erstaunlich und oft absurd, wie oft in diesen Rants Frauen das Objekt (nicht ein Objekt, das Objekt) der Kritik sind.

      Dieser Rant sticht auch dadurch hervor, dass manche Vorschläge gar nicht erklärt sind. Eine "hilflose Sue" die "Dinge passieren lässt" wird kritisiert...aber warum es schlimm sein soll, dass eine Sue (also ein Charakter, der ständig eingreift und die Welt rettet) passiv geschrieben ist (also andere Charaktere mal was machen) das erklärt hier niemand. Es ist denkbar, dass es eine gute Erklärung gibt aber sie steht hier nirgends.

      Was diesem Rant fehlt ist absurderweise eine Sache, die der Autorin doch eigentlich wichtig ist: das Neue, Unklischeehafte! Hätten wir den gesamten Rant ignoriert, wären wir jetzt genauso schlau. Hier steht doch nichts Neues. Ich will fast schon einen Disclaimer schreiben "Liebe Weltenbastler, mit diesem Rant vergeudet ich eure Zeit. Lest auf eigene Gefahr." ;D

      Jedenfalls mag ich Professor Morgana Fleur-de-lis besser im ersten Beispiel. :lol:
    • Jundurg schrieb:

      Allerdings war damals vieles glaub ich andererseits auch unsortierter. Heute lässt sich im Archive of our Own immerhin ganz explizit nach einer Geschichte mit genau den 2 gewünschten Charakteren suchen, und so Kram. Ich weiß nicht, wie es 2004 war, aber könnte mir vorstellen, dass es trotz der Menge heute leichter ist, etwas bestimmtes zu finden.
      Hm.
      Ok, mein Gedanke basierte auf diesem Absatz:

      Limyaael schrieb:

      Möglicherweise gibt es einige Fandoms, die dieses Problem nicht haben. Möglicherweise werden gerade HP und LOTR von unfertigen Geschichten geplagt, vor allem von besonders lang geratenen unfertigen Geschichten, deren Autoren überwiegend kurze Aufmerksamkeitsspannen oder Schreibblockaden oder ein mangelndes Interesse ihre Geschichte zu Ende zu führen. Aber in fast jedem Fandom, das ich mir angesehen habe, gab es mindestens eine lange, legendäre Geschichte, die nach mehreren tausend Wörtern oder sogar mehreren hunderttausend Wörtern aufgegeben wurde, mit nur dem einsamen "Ich werde bald aktualisieren!"-Notizen, um die Hoffnungen der Leser zu vereiteln.
      Ich bilde mir das wahrscheinlich nur ein, aber auf mich wirkte es halt interessant, dass sie so eine grosse Unterscheidung zwischen HP / LOTR und allen anderen Fandoms macht. Und wieviele ewig lange legendar lange abgebrochene Fanfics gibt es heutzutage pro Fandom? Ist die Zahl nicht unermesslich gross?
      Sicherlich kann ich Limyaaels Rants auch alle als Hybris einstufen. Das sie in Fanfiction die Spreu vom Weizen trennen will und mithilfe von ein paar Aufsätzen zum Thema gutes Schreiben die gesamte gewaltige Fantasy-Fanfiction-Szene verändern will, klingt masslos überzogen.

      Aber was, wenn damals HP und Herr der Ringe die grossen Fandoms waren und die einzigen Fandoms, bei denen es öfter mal abgebrochene Projekte gab, einfach weil sie so gross waren. Doctor Who, war das damals eine riesige Fanfic Community? BTS war definitiv noch nicht existent. Gab es damals Unmengen an Shadowhunters Fanfic? Wie viele Urban Fantasy-Serien gab es im US-Fernsehen...ich meine da war Buffy und vielleicht Charmed und...? Supernatural gab es da noch nicht. BBC Sherlock auch nicht. Homestuck ist von 2009, das kann's auch nicht gewesen sein. Vielleicht (je nachdem, ob das Essay von 2003 oder sogar davor ist) vielleicht machte Fluch der Karabik von sich reden.

      Der älteste Rant den Limyaael noch hostet ist Rant Nummer 107, datiert auf 2004 und zwischen Rants hat sie sich Zeit gelassen. Wir sind bei Rant Nummer 16 und der ist eventuell viel älter! Da Herr der Ringe offenbar in Fanfiction-Kreisen ein grosses Ding war ist dieser Rant vielleicht von 2003, weil da der dritte Film in die Kinos kam. Aber da rate ich rum.

      Wenn wir uns in eine Zeit versetzen als Yahoo Groups und Livejournal die einzigen sozialen Netzwerke waren, als YouTube nicht nur kein Google-Produkt war, sondern noch nicht einmal existierte...dann ist es denkbar, dass Leute damals nicht ahnen konnten, dass Fanfiction kurz darauf zur "Massenware" explodieren sollte.

      Um auf deine Frage zurückzukommen: Ja, heutzutage sind Suchfunktionen besser und deswegen ist die Suche nach spezifischer Fanfic leicht. Aber was nicht leicht ist, ist Gewissheit zu haben, dass wir alle gute Fanfic zu einem Thema kennen. Uns entgeht sicherlich einiges, egal wie gut wir suchen. Mich erstaunt immer wieder, was im Internet alles bereits existiert. Da sind so viele Websites die irgendwas unglaublich cooles tun oder anbieten und wir können unmöglich alle kennen!

      Ich meine, bis vor Kurzem war die Existenz von BTS mir vollkommen unbekannt und dabei sind sie 2018 die zweiterfolgreichste Band der Welt gewesen. Ich lebe nicht unter einem Stein...aber das es diese Leute gibt und das ihre Fans seit Jahren Unmengen an Fanfiction produzieren ist an mir 100% vorbeigegangen.

      Jemand wie Limyaael, der irgendwo zwischen 1999 und 2003 Mitglied von Fanfic-Communities war, wird diesen Wandel, diese stete Zunahme an Geschichten nicht nur, wie sie selbst es formuliert, als "Durcheinander" erlebt haben, sondern so jemanden konnte dieser Wandel komplett kalt erwischen. Es kam so schnell neue Fanfic raus, dass sich Qualität nicht mehr immer herumsprach. Die Mitglieder der Fanfiction-Community kamen nicht mehr nach und so senkten sich die Standards. Limyaael hatte vielleicht mehr Zeit als andere Leute in diesen Communities, musste aber die meisten neuen Fanfics selber lesen um zu sehen, ob es gut oder schlecht war. Und somit war sie permanent Geschichten ausgesetzt, die mittendrin abgebrochen wurden und dergleichen.

      Vielleicht lassen sich, wie gesagt, die Abgrenzungsversuche auch durch Ego gut erklären. Aber es ist zumindest denkbar, dass wenn Limyaael sagt, dass "du nur Fanfic hochladen sollst, wenn du weisst, dass sie mithalten kann" sie noch irgendwie versucht, der Lage herr(in) zu werden. Wer weiss. :)
    • Ich weiß, das hat nur am Rande mit dem Thema zu tun ;), aber das Lob für die Suchfunktion von Archive or our Own kann ich so gar nicht unterschreiben. Es ist dort kaum möglich, Geschichten über Nebenfiguren der Hauptgeschichte zu finden, weil leider unzählige Leute alles taggen, was irgendwie in ihrer Geschichte vorkommt und wenn es nur ein Nebensatz ist. Darüber könnte man heutzutage einen Rant schreiben, wenn man denn wollte. ;)
      Ansonsten habe ich zu den Rants über Fanfiction nicht so viel zu sagen. Nennt es Hybris, aber ich behaupte von mir, dass meine Fähigkeiten dafür gut genug sind, schließlich habe ich in meiner HP-Fanzeit x Diskussionen darüber geführt, wie man Mary Sues vermeidet und was es sonst noch gibt. Natürlich war das aber dieselbe Zeit, aus der offenbar die Rants stammen, deswegen war das damals vermutlich alles auch noch wesentlich neuer.
      Und wie schon gesagt sehe ich auch nichts Verwerfliches dabei, diese Möglichkeit zu nutzen, um sich ohne Anspruch auf Perfektion auszuprobieren. Wenn es einem sprachlich oder sonstwie zu schlecht ist, gibt es eine einfache Möglichkeit, die ich in dem Fall immer nutze: Nicht (weiter) lesen. Gerade sprachlich oder vom Aufbau her merkt man das auch sehr schnell.

      Ich bin aber mal gespannt, wie die späteren Rants jetzt rüberkommen. So was wie: "How to handle a large cast of view" und "How to choose your view-point character" fand ich damals nämlich wirklich gut und denke, dass da wirklich hilfreiche Sachen dabei waren.
    • So, da wären wir. Kuckuck! Ich habe eigene Hauptpersonen in Fanfictions!

      Ausserdem wechsle ich die Perspektive durchaus mal mitten in einer Szene. Quasi wie ein Kameraschwenk von einer Person zur anderen. Wird im Fernsehen oft gemacht, markiert keineswegs immer einen Szenenwechsel.

      Wie immer sehe ich es so: Salz in der Suppe - zuviel ist schlecht, aber ein bisschen geht immer.
      Man kann gar nicht so rundum stromlinienförmig sein, dass es nicht irgendeine Pappnase gibt, die irgendetwas auszusetzen hat.
      - Armin Maiwald
    • 10 Ratschläge für das Schreiben

      Wenn ich zehn Schreibtipps geben könnte (an jemanden, der gerne schreibt - nicht an die Mehrheit meiner Schüler [Anm. d. Übs. Es könnten auch Studenten sein, die Wortwahl ist ambig], denen ich ganz anderen Rat geben würde und die ihn sowieso ignorieren würden), würde ich sagen:

      1. Schreibt jeden Tag.

      Und ja, auf der Trommel poche ich dauernd rum, weil ich höre, dass das als schlechter Rat geschmäht wird und ich nicht glaube, dass es das ist. Ich denke, die meisten Leute könnten dem nachkommen. Die übliche Idee der Kritiker ist, dass Leute einen Job/Hausaufgaben/eine Familie/Hobbys/ein Leben hätten und es schwer sei, Zeit für das Schreiben inmitten alldessen zu finden.

      Nun, vielleicht ist meine Erfahrung nicht typisch, aber es ist absolut erstaunlich, wie viele "beschäftigte" Leute, die ich kenne - einschließlich Menschen mit Vollzeitjobs und Kommilitonen [Anm. d. Übs. Limyaael sagt „graduate students“, sic sic]-, die es immer noch schaffen, Zeit zu finden, um ins Kino zu gehen, Computerspiele zu spielen und stundenlang Fernsehen zu sehen. Sie finden in ihren Tagen Zeit für Dinge, die sie gerne tun. Wenn sie gerne schreiben, sollten sie nicht in der Lage sein, Zeit dafür zu finden?

      (Und das gilt auch ohne meine persönliche Meinung zu berücksichten, dass viele Leute besser schreiben könnten, wenn sie aufWiederholungen, die sie bereits zehnmal gesehen haben, zugunsten des Schreibens verzichten würden).

      2. Entmystifiziert die Idee.

      Ein Grund, warum ich das Konzept von Musen und Plot-Hasen nicht mag, ist, dass es die Idee fördert, dass "Inspiration" eine gottähnliche Kraft auf der Höhe ist, die nur auf den Schriftsteller fällt, wenn sie sich danach fühlen. Unsinn, und ich würde wetten, dass das nicht die ganze Zeit wahr ist, auch für Leute, die denken, dass es so sei. Menschen können "uninspiriert" sein und trotzdem gut schreiben, wenn sie wissen, dass sie im Unterricht durchfallen, wenn sie es nicht tun, oder wenn sie jemand anderem etwas versprochen haben. Kein Professor, den ich je kannte, würde "Aber ich fühle mich nicht inspiriert!" als Ausrede für eine Essayprüfung akzeptieren. Wenn also die gottähnliche Kraft nicht ungewöhnlich auf Fristen reagiert, dann denke ich, dass die Vorstellung, dass sie völlig außerhalb der Kontrolle des Schriftstellers liegt, bestenfalls ein Irrglaube ist.

      Schreibt also, wenn ihr es könnt. Wenn ihr wirklich eines Tages schreiben wollt und wisst, dass ihr nur eine Stunde Zeit habt, das aufgrund von Besprechungen und Klassen und so weiter zu tun, dann macht euch bereit, in dieser einen Stunde zu schreiben.

      3. Erkennt, dass es Zeit braucht.

      Ich hatte mehrere Freunde, die für ein paar Wochen oder Monate schrieben und dann aufgaben. Sie wollten sofort gut sein.

      Ich weiß nicht, warum so viele Leute den Begriff der "Zeit" ärgern, gut mit dem Schreiben zu werden, wenn sie nicht erwarten, dass sie in der Lage sind, einfach einen Pinsel zu nehmen und wie Van Gogh sofort zu malen. Doch sie ärgern sich darüber, wenn sie nicht wie Virginia Woolf beim ersten Versuch schreiben können.

      Ich denke gern, dass ich ein guter Schriftsteller bin. Aber wenn ich von der Zeit an rechne, als ich eine Romangeschichte beendete, bin ich seit zehn Jahren und mehr dabei. Es zahlt sich aus, aber es kam sicherlich nicht sofort.

      Zeit und harte Arbeit. Warum denken so viele Leute, dass diese nicht auf das Schreiben zutreffen?

      4. Sammelt die ganze Zeit Ideen.

      Ich bekomme Ideen aus Zeilen in Liedern; zufällige Dinge, die Leute sagen; Ideen in Büchern, von denen ich denke, dass sie besser hätten funktionieren können; eine Zeile in einem Gedicht falsch gelesen oder hypothetische Situationen in meinem Kopf geschaffen. Dies ist eine Art kostenloses Spiel für meinen Geist, aber es ist, woher Geschichten für mich kommen. Ich denke, wenn die Anzahl der Ideen das Problem ist - oder das Herumsitzen und von der Inspiration erwarten, dass wie ein Donnerschlag welche vom Himmel herabschlägt - dann ist dieses Spiel beste Weg, wie ein Schriftsteller es tun kann. Seid kein passives Gefäß. Geht aktiv ans Spielen.

      5. Erkennt, dass nicht jede Geschichte beim Schreiben Spaß macht.

      Es gibt mindestens zwei Bücher, die ich geschrieben habe, die ich mit Leidenschaft verabscheue, und andere, die ich nicht so sehr mag. Das zwingt mich nicht, sie hinauszuwerfen. Ich habe es geschafft, ein paar Ideen von ihnen zu kannibalisieren, und selbst wenn sie mir nicht viel gutes bieten, waren sie zumindest Praxis.

      Entweder die Ansicht zu vertreten, dass alles, was du schreibst, perfekt sein muss und du alles zerstören solltest, was nicht gut genug ist, oder dass du unmöglich etwas schreiben kannst, wenn du nicht leidenschaftlich an jeder Zeile interessiert bist, ist selbstzerstörerisch und deine Zeit nicht wert.

      6. Erkennt, dass einige davon rein mechanisch sind.

      Selbst wenn du jemand bist, der es schafft, auf reiner "Inspiration" zu laufen, wird es einen Punkt in der Geschichte geben (vor allem, wenn die Geschichte Romanlänge hat), ab dem dieser Impuls sich ausspielt, und dir bleibt etwas übrig, was sich wie klobige Charaktere und Plottwists anfühlt. Ja, das passiert. Nein, ich glaube nicht, dass irgendein Buch jemals den gleichen reinen Impuls durchfährt, es sei denn, der Autor hat großes Glück und das Buch ist sehr kurz.

      Aufgrund dieser Ansicht, die ich oben erwähnt habe, dass der Autor immer an jeder Zeile der Geschichte interessiert sein sollte, sind die Leute zu geneigt, eine Geschichte aufzugeben, wenn sie nicht so funktioniert, wie sie wollten, oder das Gefühl, dass sie keine "echten Schriftsteller" sind. Nun, ich denke, echte Schriftsteller sind Leute, die schreiben, und ob sie es tun, weil sie die Geschichte mitschleppt, wenn sie unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen will oder weil sie auf dieser (mythischen, ich vermute) Inspiration mittanzen, sie sind immer noch besser als jemand, der denkt, dass jede Zeile, die sie schreibt, "inspiriert" sein muss, und in dem Moment aufgibt, wo das nicht mehr so ist.

      7. Lernt zu tippen.

      Ja, einfach, aber wenn du erstmal weisst, wie man schnell und gut tippt, ohne auf der ganzen Tastatur jagen und hacken zu müssen, ist die Zeit, die es spart, enorm. Und du musst keine Schreibklassen mitmachen. Dies ist eine weitere Sache, die Zeit und ständige Praxis für dich tun wird. Sage ich, aus eigener Erfahrung sprechend.

      8. Seid ehrlich mit euch selbst über Ablenkungen.

      Musst du wirklich das Chaos aufräumen, das du schon stundenlang sitzen gelassen hast? Hast du wirklich nur noch eine Stunde, bevor du zum Unterricht gehen musst, und kannst du daher nicht schreiben? Ausreden zu erfinden, um sich vom Schreiben fernzuhalten, ist völlig normal, aber wenn man nicht lernt, sie zu erkennen und das Schreiben über Dinge zu stellen, die man vor allem als Ablenkung davon schätzt, dann wird deine Arbeit höchstwahrscheinlich nicht vorankommen.

      9. Entwickelt einen Sinn für Ziele.

      Ich habe ein nörgelndes Gewissen, das will, dass ich jeden Tag eine bestimmte Menge schreibe, und Geschichten von den meistwichtigen bis zu den wenigstwichtigen priorisiert. Es ärgert mich nicht, wenn ich es nicht schaffe, an den unwichtigen voranzukommen; es überfällt mich, wenn ich mit der wichtigsten Geschichte durchstarten kann. Ja, oft macht es nicht viel Spaß, mir Sorgen darüber zu machen, wie viel ich erreichen kann, und sorgfältig mein Schreiben zu manipulieren, um zu vermeiden, mit anderen Verpflichtungen, die ich habe, zu überschneiden. Aber es gibt niemanden, der mit einer Peitsche über mir steht und mir befielt zu schreiben, was bedeutet, dass ich die Peitsche verinnerlichen muss. Ich spiele nie, oder zumindest sehr selten, mit dem, was mein Gewissen von mir will, aber ich tue viel mehr, als wenn ich nur von Zielen geträumt und mir sie nicht gesetzt hätte.

      Und schließlich...

      10. Liebt das Schreiben selbst.

      Wieder ganz offensichtlich, aber etwas, das viele Menschen nicht hinbekommen. Sie träumen davon, ihren Namen in gedruckter Form zu sehen, über die Filmdeals, oder darüber, wie sehr die Leute einen bestimmten Charakter lieben werden, oder darüber, wie ein Buch sein wird, wenn sie es beenden. Sie lieben die eigentliche Arbeit nicht. Das scheint mir der absolut erbärmlichste Mangel zu sein, den jemand haben kann, der Schriftsteller sein will. Ja, wie ich anmerkte, ist vieles davon Mechanik und Disziplin, aber das bedeutet nicht, dass etwas dich nicht in der Mitte des Buches überrascht und dich laut lachen lässt oder anfangen lässt zu weinen. Und Träume, so schön sie auch sind, sind nichts, um die Worte aus den Fingern zu ziehen.

      Ja, ausreichend deklamierend, denke ich.
    • 10 Unbeliebte Fandom-Meinungen

      Meistens für LOTR/Silmarillion, teilweise auch von HP.

      1. Inzest ekelt mich nicht an. Gar nicht. Ich habe Beschwerden zur Art und Weise, wie die Fics geschrieben werden oder wie einfach die Beziehung gehandhabt wird, aber nicht "OMG INCEST NEEEINN!!!1einself" Reaktionen.
      2. Ich nehme alle Fanfic als Fantasy (mit den sehr geringen Ausnahmen von rigoros ausgearbeiteten AU oder Kanon-Lückenfüller-Geschichten). So kann ich Slash lesen, gen, het, was ihr wollt, kein Problem. Ich glaube nicht, dass Aragorn/Legolas Slash je im Kanon passieren würde, aber es hindert mich nicht daran, es als harmlose Fantasy zu genießen. Wenn es mich langweilt, gehe ich.
      3. Während wir uns mit dem Thema beschäftigen, glaube ich nicht, dass Schriftsteller moralisch verantwortlich sind für das, was ihr Publikum aus ihren Fics schöpft. Inzestfics inspirieren also nicht Inzest und so weiter. Wenn jemand von einer fiktiven Geschichte beeinflusst wird, sowas zu tun, hat er oder sie ein Problem, Fantasy von Realität zu unterscheiden, das über Fanfiction hinausgeht.
      4. Die Draco-Trilogie langweilt mich zu Tränen.
      5. Poesie-Krankheit ist lächerlich. Das ist die Art Sache, wo Autoren Sätze schreiben wie: "Arwens Herz ist eine Glasschüssel, die mit dunklem Wasser gefüllt ist und sich manchmal mit ihren Emotionen verschiebt." Wenn ich nicht sagen kann, worum es bei dem Fanfic geht, oder wenn es darum geht, die "Kunstfertigkeit" des Autors zu präsentieren, dann denke ich generell, dass der Autor klares Schreiben üben muss.
      6. Probleme mit Fanfic zu predigen (Christentum, Safe Sex, Feminismus, Homosexuellenrechte) ist doof. Schreibt Broschüren, wenn ihr so etwas tun möchtet; Ӓndert nicht einen kanonischen Charakter von Grund auf, nur um pompöse Rhetorik hervorsprudeln zu lassen.
      7. Menschen, die persönlich beleidigt sind, wenn jemand kundtut ein bestimmtes Fanfic-Genre nicht zu mögen, sollten etwas Besseres mit ihrer Zeit anstellen. (Dieser Bann sei aufgehoben, wo die andere Person die Schreiber besagter Fanfic mit mit Hitler oder den Piloten vom 11. September vergleicht [Anm. d. Übs.: der Rant ist also nicht 1999 oder 2000 entstanden sondern später]).
      8. Harry Potter ständig "den smaragdäugigen Jungen" oder "den rabenhaarigen Jungen" oder "den Gryffindor" zu nennen, Ron Weasley ständig "den Rotschopf" zu nennen und Draco Malfoy ständig als "den coolen Blonden", "den silberäugigen Jungen" oder "den Slytherin" zu bezeichnen, ist nervtötend. Schriftsteller, die es tun, sollten dazu gebracht werden, mindestens 2000 Wörter Fanfic zu schreiben, in denen sie konsequent nur Eigennamen und Pronomen verwenden dürfen.
      9. Menschen zu verehren, die Mary Sues schreiben, wenn diese Leute deine Freunde sind, ist blöd. Was macht deine Mädchen-wird-in-Mittelerde abgesetzt Geschichte so sehr anders? Die Shitstorms sind unnötig, aber ich sehe nicht, warum sich die Meinungen wie Ebbe und Flut ändern, nur weil jemand den Schriftsteller kennt.
      10. Es gibt SO starke weibliche Charaktere in Tolkien und HP. Die Leute wollen sich einfach nicht die Mühe machen, die Informationen über sie aus dem Kanon zu pflücken.
    • 1. Schreibt jeden Tag.

      Nö, ich hab nicht jeden Tag Bock drauf. Und wenn ich keinen Bock hab, dann schreib ich halt nicht, ausser ...

      6. Erkennt, dass einige davon rein mechanisch sind.

      ... der Text ist grad Knochenarbeit und ich würde ihn ohne leichten Selbstzwang nicht mehr aus der Schublade holen. Dabei sind ja immer meistens nur einzelne Szenen solche Knochenarbeit, danach geht es bei mir eh wieder locker flockig weiter. (Knochenarbeits-Beispiele: Eine Gerichtsverhandlung mit Haufen von laharischem Gerichtskrams; eine Raumschlacht mit Tonnen von Kursberechnungen und Übersicht über Schiffsbeschädigungen, die sich fast sekündlich ändern; eine Folterszene, die ich nur mit den Fingerspitzen anfassen wollte)

      8. Seid ehrlich mit euch selbst über Ablenkungen.

      Wenn ich mich so ablenken lasse, dann habe ich wohl grad keinen Bock aufs Schreiben. Da brauche ich mir nix vormachen. Dann mache ich halt was anderes, der Haushalt bleibt eh normalerweise viel länger liegen als er vernünftigerweise dürfte.
      Man kann gar nicht so rundum stromlinienförmig sein, dass es nicht irgendeine Pappnase gibt, die irgendetwas auszusetzen hat.
      - Armin Maiwald
    • Was zeichnet gute Fantasy aus

      Die Fantasy-Werke, die ich mag, scheinen alle etwas gemeinsam zu haben - vor allem die meiner fünf Lieblingsautoren Guy Gavriel Kay, George R. R. Martin, Terry Pratchett, Steven Brust und (inzwischen) Carol Berg.

      Also dachte ich, ich würde eine Liste machen, denn abgesehen von Pratchett sind diese Autoren nicht wirklich so groß und haben viele Kritiker, und versuchen zu weissagen, was ich an ihnen mag.

      1) Gewaltsam graue Charakte.

      Eine Sache, die mich über viele Fantasy-Werke irritiert, ist, wie die graue Charakterisierung dazu neigt, sich auf die "gute" Seite zu beschränken. Es ist in Ordnung für den Helden, ein wenig Seelenforschung anzustellen - natürlich wird die Spannung verringert, weil er immer die "richtige" Entscheidung am Ende trifft - aber der Himmel verbietet, dass dein Antagonist komplex sein sollte. Da ist Robert Jordans Dunkler Herr, der die Welt übernehmen will, weil, äh, ich weiß nicht, die Welt ist da und es bietet sich an? Da ist Terry Goodkinds Darken Rahl, der Kinder schlachtet und quält, nur damit du weißt, dass er schlecht ist (als ob der Name dir nichts sagen würde). Da sind Lynn Flewellings Nekromanten, die böse sein müssen, weil sie mit den Toten arbeiten!

      Nein. Ich will keine Seiten, wenn möglich. Ich möchte überall moralisch graue Figuren. Kay und Martin tun dies in ihren historischen Fantasy-Werken, wo es wahrscheinlich einfacher ist, über Welten ohne einen dunklen Herrn zu schreiben, weil unsere eigene Welt keinen dunklen Herrn hat. Auch heute trauen sich historische Fantasy-Autoren nicht, wie Martin eine (sympathische!) Figur mit einer inzestuösen Beziehung zu seiner Schwester zu haben, oder Kays kühner Schritt in Tigana, der den angeblich bösen Zauberer Brandin vielen Lesern beliebter macht als die verzweifelten Helden. Das sind nicht nur Charaktere, die ein kleines bisschen über das zögern, was sie sowieso tun werden; das sind Menschen, die handeln, wo es wirklich unmöglich ist, richtig von falsch zu trennen. Das ist der Grund, warum ich sie liebe.

      Pratchett macht die Dinge ein wenig anders, was klar sein muss, da viele seiner Fantasy-Werken ein Element der Parodie oder des Humors haben. Aber seine Schurken dienen immer noch keinen dunklen Herren. Am nächsten kommt er dem durch die Dinge aus den Dungeon-Dimensionen der ersten Bücher. Meistens sind seine Schurken entweder tatsächlich gute Menschen, die nicht wissen, was sie tun (sie lassen das Böse in die Welt, aber wollten nur einen Kinofilm drehen) oder Mörder, die aus persönlichen Gründen töten (Teatime in Hogfather, Carcer in Night Watch). Dummheit ist der Feind in den meisten von Pratchett, nicht dunkelstes Übel.

      Brusts Held Vlad Taltos ist amoralisch, ein Attentäter/Kriminalboss/Besitzer von Bordellen und illegalen Spielen, und es ist ihm egal, wer es weiß. Selbst als ihm ein Gewissen wächst, tut er es nicht, um jemand anderem zu gefallen; das Nörgeln anderer Menschen, wie seine Frau, neigt dazu, ihn weiter von ihnen abzukoppeln. Und er macht dumme, unglaublich riskante Dinge mehrfach und das spricht nicht deswegen für ihn, weil er ein strahlender Held des Lichts ist, sondern weil er so gottverdammt cool ist. Die Vlad-Bücher sind sarkastisch, sehr noir und aufgeblasen. Und wieder gibt es keinen dunklen Herrn.

      Carol Bergs Rai-Kirah-Saga, von der ich vor ein paar Beiträgen schwärmte, scheint zunächst eine unkomplizierte Charakterisierung zu haben: der arme Sklave, der bösartige und beleidigende Herr. Aber der bösartige und beleidigende Herr ist eigentlich jemand, der dazu bestimmt ist, die Welt zu retten, und es ist die Aufgabe des armen Sklaven zuzusehen, dass er dahin kommt und dabei die Dämonen überlebt. Und dann entpuppen sich die Dämonen als anders, als er sie sich dachte, während der Sklave zum Helden wird und immer mehr moralisch zweideutige Transformationen durchläuft. Es wäre schwer, Seyonne einen Helden zu nennen - er tut meistens Dinge, die niemand sonst von ihm erwartet, aber er folgt einer inneren Pflicht und er macht die ganze verdammte Zeit Fehler. Und das endet viele Male in seiner Verunsicherung, ob er wirklich das Richtige getan hat. Wunderbare Bücher.

      Wie gesagt, andere Fantasy-Werke mit ihren jammernden Helden, die plötzlich ein Rückgrat wachsen, weil ihre Konfrontationen näher rücken und die dortigen seelenlosen dunklen Herren können sich einfach nicht damit messen.

      2) Brutalität.

      Sie zucken nicht vor den schlimmsten Aspekten ihrer Welt zusammen, sondern präsentieren sie ohne Zurückhaltung. Das ist etwas, was Fantasy-Werke eigentlich öfter tun sollten, da so viele von ihnen auf dem mittelalterlichen Modell basieren, sich aber selten dafür entscheiden, dem zu folgen. Stattdessen gibt es einige vage Gerüchte über Kriege und Verwüstung oder der Schaden wird dem Land und nicht den Menschen oder der Gesellschaft angetan. Vielleicht ist der Anblick von zerbrochenen Bäumen leichter zu ertragen als der Anblick von gebrochenen Menschen.

      Alle diese Autoren außer Pratchett stellen sicher, dass Leser verstehen, was Krieg kostet. Martin ist wahrscheinlich der brutalste, und seine Serie A Song of Ice and Fire hat Charaktere, die vergewaltigt, geschlagen, verstümmelt, gefoltert, links und rechts getötet, ihrer Familien beraubt werden und bedeutungslos sterben. Dir wird nie möglich zu vergessen, welchen harten Tribut der Krieg der Könige den hilflosen Bauern von Westeros abfordert, da du mittendrin bist.

      Kay‘s Credo scheint nicht nur zu sein Schlechte Dinge Passieren Guten Leuten, sondern Sie Passieren Andauernd. Selbst seine "leichteste" Fantasy-Serie, Fionavar Tapestry, lässt die Welt die besuchenden Erdenkinder packen und sie wie Spielzeug schütteln. Seine späteren Bücher sind besonders tragisch, mit einem Gefühl der Unvermeidlichkeit: es mag eine schwache Chance gegeben haben, den Konflikt abzuwehren, aber nun ist es zu spät. Und was in diesen Konflikten zerstört wird - ein geliebtes Land, gute Männer und Frauen, Kunstwerke - wird voll betrauert.

      Pratchetts Bücher sind in dieser Hinsicht wieder leichter, aber er hält nicht zurück, wenn es darum geht, die Übel der Religion (Kleine Götter) oder Dummheit (Monströses Regiment) zu zeigen. Tatsächlich neigen seine Bücher dazu, im weiteren Verlauf brutaler zu werden und die Dinge auf die Schuld der Dummheit zurückzuführen. "Und niemand hat das Recht, dumm zu sein", wie er in seinem neuesten Buch sagt.

      Bergs Bücher sind nichts für schwache Nerven. Sklaverei, Brandmarkerei, Hunger, Folter, Trauer, hektische Suche, mehr Folter, Folter durch Freunde, Verrat, Vergewaltigung, hilflose Trauer, ein Tod nach dem anderen - sie ähnelt Martin, obwohl es in gewisser Weise noch persönlicher geht, weil Seyonne, der die Geschichte in der ersten Person erzählt, viel davon zustösst. Ich musste das zweite Buch ein paar Mal weglegen, weil alles zu intensiv auf mich einwirkte.

      Brust foltert auf sehr minimalistische Weise. Selbst wenn Vlad dem Tod nahe ist, bekommt man nicht wirklich viel Einblick in die Folter; es ist mehr in der Art, dass er plötzlich schreit, wenn er es nie tut, wodurch kalte Schauer meinen Rücken auf und ab wandern.

      Andere Fantasy-Werke neigen dazu, Folterszenen zu überspringen oder sie nur dem Helden zustossen zu lassen. Weicheier.

      3) Geist und Verstand.

      Erkennst du, wie wenige Fantasy-Helden ihre Gegner im Denken übertreffen? Sie sind besser wegen überlegener magischer Feuerstürme, die mühsam zu lesen sind (ja, ich schaue euch beide an, Jordan und Goodkind), oder sie sind mystisch vom Schicksal gewählt (ja, ich schau in deine Richtung, Lynn Flewelling), oder sie haben die richtigen Genitalien (ja, jetzt schaue ich zu euch, Mercedes Lackey, Marion Zimmer Bradley und Anne McCaffrey).

      So ist es erfrischend, dass alle meine Lieblingsautoren Geist und Verstand in ihre Geschichten bringen und Charaktere haben, die tatsächlich intelligent sind. In Martins Fall neigen seine intelligenten Charaktere natürlich dazu, meistens Chaos anzurichten, aber wenn die andere Seite sie nicht überlisten kann, verdienen sie nicht alle, was sie bekommen? (Gut, also natürlich nicht, denn er hat immer mindestens eine Stimme auf jeder Seite, die unsere Sympathie verdient, aber manchmal fühlt es sich so an).

      Brusts Vlad widmet sich dem Überlisten seiner Gegner. Draegarans, die mächtigen Nichtmenschen, die ihn umgeben und seit Jahrtausenden leben, können oft immer noch nicht mit der Art und Weise mithalten, wie sein Geist die Puzzleteile zusammenstellt. Und er löst oft das Geheimnis im Herzen der Vlad-Geschichten oder hilft zumindest, es aufzubrechen.

      Seyonne- nun, sagen wir einfach, dass es eine lange Zeit her ist, seit ich jemanden wie Bergs Helden gelesen habe, mit seiner liebenswerten Mischung aus richtigen und falschen Entscheidungen, so dass er mal etwas tut, was dumm erscheint, aber sich als intelligente Masche herausstellt, oder etwas, das brillant erscheint und dann als schlecht geplanter Unsinn explodiert.

      Pratchetts Intelligenz ist natürlich überall, und seine Hauptfiguren machen kurzen Prozess aus den Dummen, sogar ohne den Mund aufzumachen.

      Kay hat blendend clevere Charaktere, obwohl er sich von den anderen Autoren darin unterscheidet, da er uns nicht zeigt was sich in deren Kopf abspielt und uns im Nachhinein herauszufinden lässt, was später passiert ist. Aber es spielt keine Rolle. Seine Intrigen sind sehr gut, und seine Charaktere verdienen zu leben, denn Sie Sind Klüger Als Wir. Und wenn sie es nicht sind, ist es sehr, sehr schwer zu ertragen.

      4) Ein starkes Gefühl für Setting.

      Ich möchte an diese Orte gehen und sie sehen. So wenige Fantasy-Werken tun das - und in der Regel liegt es nicht daran, dass dem Autor eine beschreibende Sprache fehlt, sondern weil der Autor sich damit begnügt, Dinge wie Kleidung statt dem Setting zu beschreiben (ja, ich spreche wieder mit dir, Lynn Flewelling).
      Kays Welten sind verdammt echt. Es ist oft das Setting selbst, das bei Kay der Charakter ist, zumindest in dem Sinne, dass das Setting diese wunderbaren Menschen enthält und der Grund ist, warum sie kämpfen. In Die Löwen von Al-Rassan, basierend auf dem mittelalterlichen Spanien, sind die Ashariten (= Mauren) bereit, für ihr Land Al-Rassan zu kämpfen, obwohl es in Ruhm gefallen ist, weil sie es so sehr lieben. Die Jadditer (= Christen) sind auch bereit zu kämpfen, weil die ganze Halbinsel einst ihre war, und sie werden gewinnen, wenn sie die Ashariten ins Meer treiben müssen. Kay lässt dich beide Seiten sehen, was eines der wunderbaren Dinge an ihm ist.
      Martins Westeros ist auch real, die realste der mittelalterlichen Welten, die ich durchquere. Der Krieg in anderen Fantasy-Werken fühlt sich falsch an im Vergleich zu ihm, nur eine Bequemlichkeit, die eindringt, wann immer der Autor es will. Martin lässt den Krieg den Handel stören und Kinder dazu bringen, jung zu lernen, wie man tötet. Die Menschen sind die ganze Zeit von dem Land betroffen, in dem sie leben.
      Pratchett wird mit seiner Beschreibung immer besser. Borogravia, der Schauplatz seines letzten, monströsen Regiments, ist ein neuer Ort für ihn, aber er ließ mich sehen, wie der Krieg ihn gezeichnet und geformt hatte und warum er aufgehalten werden musste. Es ist ein Ort, der langsam zum Stillstand kommt, da alle jungen Männer im Krieg sterben und Flüchtlinge von den Feldern fliehen. Die Beendigung des Krieges wird für Borogravia zu einer wahren Notwendigkeit, nicht nur Teil der Handlung des Buches.
      Berg zeichnet sich durch die Beschreibung sowohl der natürlichen als auch der übernatürlichen Welt aus. Und obwohl sie ein bewaldetes Land in ihrer Welt hat, verbringt sie erstaunlich wenig Zeit darin; viele ihrer Szenen kommen direkt aus der Wüste oder dem Herzen des Winters in einer gefrorenen Welt. Und alle Komplikationen, die sich daraus ergeben, wie Wassermangel, machen Seyonnes und Aleksanders Leben schwer(er).


      Brusts Draegara wird oft spärlich beschrieben. Was es Schicht für Schicht aufbauen lässt, sind all die beiläufigen Erwähnungen, die er mitten in etwas anderem ablegt, wie dies die Art und Weise ist, wie ein bestimmtes Tier sich verhält oder, dass dies einmal eine Klippe war, bevor sie ins Meer stürzte. Nach neun Vlad-Büchern und insgesamt vierzehn Büchern, die in Vlads Welt spielten, habe ich das Gefühl, dass ich Draegara sehr, sehr gut kenne, auch wenn nur sehr wenige, wenn überhaupt, mit einer Karte kommen.

      Nun, das ist sicherlich länger geworden, als ich erwartet hatte. Hat aber reichlich Spass gemacht.
    • Veria schrieb:

      So, da wären wir. Kuckuck! Ich habe eigene Hauptpersonen in Fanfictions!

      Ausserdem wechsle ich die Perspektive durchaus mal mitten in einer Szene. Quasi wie ein Kameraschwenk von einer Person zur anderen. Wird im Fernsehen oft gemacht, markiert keineswegs immer einen Szenenwechsel.

      Wie immer sehe ich es so: Salz in der Suppe - zuviel ist schlecht, aber ein bisschen geht immer.
      Klingt sehr sinnvoll!


      Veria schrieb:

      1. Schreibt jeden Tag.

      Nö, ich hab nicht jeden Tag Bock drauf. Und wenn ich keinen Bock hab, dann schreib ich halt nicht, ausser ...
      Das ist fast schon brutal, wenn jemand mit eindeutigen Schreib-Schwierigkeiten empfiehlt "schreib jeden Tag" und dann Veria sagt "Nö" und besser im Schreiben ist. ;D


      Veria schrieb:

      ... der Text ist grad Knochenarbeit und ich würde ihn ohne leichten Selbstzwang nicht mehr aus der Schublade holen. Dabei sind ja immer meistens nur einzelne Szenen solche Knochenarbeit, danach geht es bei mir eh wieder locker flockig weiter. (Knochenarbeits-Beispiele: Eine Gerichtsverhandlung mit Haufen von laharischem Gerichtskrams; eine Raumschlacht mit Tonnen von Kursberechnungen und Übersicht über Schiffsbeschädigungen, die sich fast sekündlich ändern; eine Folterszene, die ich nur mit den Fingerspitzen anfassen wollte)
      Hey, danke für das kostenlose Aus dem Nähkästchen plaudern. :)


      Limyaael schrieb:

      Also dachte ich, ich würde eine Liste machen, denn abgesehen von Pratchett sind diese Autoren nicht wirklich so groß und haben viele Kritiker, und versuchen zu weissagen, was ich an ihnen mag.
      Ok ich glaube dieses Zitat ist das letzte Mal, dass ich auf Limyaael's Hybris dezent hinweise, weil das ist beim Lesen hilfreich zu wissen, aber wer es auch jetzt nicht als Faktor mit einberechnet hat, wird es nie mit einkalkulieren. Und ich finde das zwar amüsant, aber mein Ziel ist echt nicht, hier das Gegenstück zu YouTube Drama Channels oder so 'nem Quark zu machen, wo sich Leute an der Hybris anderer Menschen ergötzen.


      Inhaltlich kann ich dem letzten Rant in vielen Punkten beipflichten. Störend finde ich nur Punkt 4 mit dem Setting -- ich wünschte mir da konkrete Vorschläge von Limyaael. Z.B. hat der Algorithmus das Wort "Setting" mit Einstellung übersetzt. Den Titel (4) Ein starkes Gefühl für Setting.) hatte ich bereits übersetzt und dann tauchte überall im Text das Wort Einstellung auf. In so Zusammenhängen wie "eil der Autor sich damit begnügt, Dinge wie Kleidung statt der Einstellung zu beschreiben". Ein paar Momente dachte ich "juhu, uns wird geraten, Kulturen zu basteln, die Einstellungen zu Dingen haben" und Meinungen / Einstellungen deuten ja auch auf Beziehungen hin, also auf Situationen, Dynamik, auf aktive Charaktere usw. Und dann erkannte ich, dass der Satz eigentlich lautet "Kleidung statt dem Setting zu beschreiben" und war sehr enttäuscht. Aber hey.
    • 2) Brutalität.

      ... kotzt mich langsam an. Was man derzeit an Fantasy vorgesetzt kriegt, badet in Brutalität, ergötzt sich daran. Kann eine Fantasywelt nicht einfach mal halbwegs zivilisiert sein? Ich will keine Fantasywelt, in der Krieg Alltag ist, den Eindruck, wie das ist, krieg ich leider schon aus den Nachrichten, vielen Dank.
      Man kann gar nicht so rundum stromlinienförmig sein, dass es nicht irgendeine Pappnase gibt, die irgendetwas auszusetzen hat.
      - Armin Maiwald
    • Veria schrieb:

      2) Brutalität.

      ... kotzt mich langsam an. Was man derzeit an Fantasy vorgesetzt kriegt, badet in Brutalität, ergötzt sich daran. Kann eine Fantasywelt nicht einfach mal halbwegs zivilisiert sein? Ich will keine Fantasywelt, in der Krieg Alltag ist, den Eindruck, wie das ist, krieg ich leider schon aus den Nachrichten, vielen Dank.
      Das zeigt jedenfalls, wie alt die Texte schon sind... damals war GRRM noch "nicht wirklich so groß" und heute gefühlt das Maß aller Dinge auf dem Fantasy-Sektor, auch wenn ich zugegebenermaßen die Entwicklungen auf dem Literatursektor nicht so genau verfolgt habe. Deine Einschätzung scheint den Eindruck aber zu bestätigen.
      War früher mal Pherim!