Limyaael's Fantasy Rants übersetzt

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    Die diesjährige Olympiade beginnt am 19 .7.
    Das WBO-Orgatool ist hiermit initialisiert. Es mögen sich vor allem für die ersten Kategorien schnell findige Jury-Mitglieder finden.
    Wir wünschen allen viel kreativen Spaß!

    • Nun, vielleicht ist meine Erfahrung nicht typisch, aber es ist absolut erstaunlich, wie viele "beschäftigte" Leute, die ich kenne - einschließlich Menschen mit Vollzeitjobs und Kommilitonen [Anm. d. Übs. Limyaael sagt „graduate students“, sic sic]-, die es immer noch schaffen, Zeit zu finden, um ins Kino zu gehen, Computerspiele zu spielen und stundenlang Fernsehen zu sehen. Sie finden in ihren Tagen Zeit für Dinge, die sie gerne tun. Wenn sie gerne schreiben, sollten sie nicht in der Lage sein, Zeit dafür zu finden?

      Das, und der Tipp "Schreib gern!" erinnert mich stark an "Hast du schon mal versucht, nicht traurig zu sein?" an Menschen mit Depression. :fluecht:
      Aber es ist ein wahrer Kern drin, nur sehr ungeschickt formuliert. Die Frage "Was ist konkret zu tun, damit das Schreiben Spaß macht?" wär ja eigentlich eher hinführend. Oder "Woran habe ich beim Schreiben am meisten Spaß?".

      ... schreibt eine Person, die fast nichts mehr schreibt. :pfeif: Aber gut, wenn ich denn wirklich wollte, würde ich mit den Fragen anfangen, ganz bestimmt. :engel:
      Nights are deep when days are long. / / / Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
      »Aus den Nacken waren Kehlköpfe geworden.« (2019)
    • FireTiger_86 schrieb:

      Das zeigt jedenfalls, wie alt die Texte schon sind... damals war GRRM noch "nicht wirklich so groß" und heute gefühlt das Maß aller Dinge auf dem Fantasy-Sektor, auch wenn ich zugegebenermaßen die Entwicklungen auf dem Literatursektor nicht so genau verfolgt habe. Deine Einschätzung scheint den Eindruck aber zu bestätigen.
      Limyaael scheint sich aber spezifisch dran zu stören, wenn Brutalität ausgeblendet wird. Dass es in Fantasywelten brutal zugeht, war offenbar damals schon absolut normal, und sie will, dass es auch dargestellt wird, wie halt z.B. bei Martin.
      Wer das liest, ist auch nicht schlauer als vorher.
    • So viel auf einmal? Da kommt man ja kaum noch hinterher mit den Kommentaren.

      Die Schreibtipps sind für mich jetzt nicht sonderlich originell, sondern alle aus der Kategorie "schon oft an verschiedenen Stellen gehört". Ich finde nicht, dass man Hausarbeiten und Romane bei Themen wie Inspiration so richtig miteinander vergleichen kann. Bei ersteren gibt es ja Fakten, an denen man sich orientieren kann, sodass es auch geht, wenn man nicht wahnsinnig inspiriert und vom Thema begeistert ist. (Dürfte bei verpflichtenden Hausarbeiten öfter der Fall sein. ;)) Ein Roman ist da aber ein anderes Thema und da finde ich die Inspiration schon sehr hilfreich, auch wenn sie nicht unbedingt das ganze Buch lang immer anhält.
      Wie oft ich jetzt schreibe, oder was ich für Ausreden finde, geht meiner Meinung nach schlicht niemanden etwas an. Nennenswert Geld verdienen werde ich damit höchstwahrscheinlich nie und es schadet auch niemandem, wenn ich es mal bleiben lasse, deswegen sehe ich keinen Grund, mich da selbst unter Druck zu setzen, davon habe ich ansonsten genug.
      Trotzdem zähle ich meine Wörter und freue mich, wenn es im geplanten Rahmen bleibt.

      Zu den Fanfictions: Limyaael scheint irgendwie ein Fan von Inzest in FFs zu sein, meins ist das nicht, also lese ich entsprechende Geschichten nicht. Ob sie jemand schreibt, ist mir aber ziemlich egal.
      Die Meinung zu den Mary Sues ist halt auch so eine Standardmeinung, die man irgendwie haben muss(te), ich finde nichts Dramatisches dabei, wenn jemand etwas in die Richtung schreibt und ihre Freundinnen das toll finden.
      Überhaupt sehe ich keinen Sinn darin, mich bei Fanfictions als Oberlehrerin aufzuspielen und anderen deutlich zu machen, wie wenig sie doch noch können.

      Was die Brutalität in der Fantasy angeht, scheint sich da wie schon geschrieben wurde einiges in Limyaaels Richtung entwickelt zu haben. Meiner Meinung nach ist das reine Geschmackssache. Ich brauche keine, bis ins letzte blutige Detail beschriebene Folterszenen, sondern finde, dass gerade bei diesem Thema weniger oft mehr ist. Genauso finde ich Beschreibungen von spritzendem Blut und fliegenden Gedärmen meistens verzichtbar, oft hat das auch etwas Voyeuristisches. Wichtig finde ich das höchstens dann, wenn das, was passiert irgendwie ungewöhnlich oder selten beschrieben ist und man nicht erwarten kann, dass der Leser die passenden Bilder selbst parat hat. Gerade bei Folter ist aber weniger oft wirklich mehr und Andeutungen wirken deutlich besser, als lange, detaillierte Schilderungen.
      Grundsätzlich muss eine Fantasywelt für mich aber auch nicht vor Folter, sexualisierter Gewalt und Mord triefen, sondern ich ziehe es vor, wenn es auch helle, positive Aspekte gibt.
    • Veria schrieb:

      2) Brutalität.

      ... kotzt mich langsam an. Was man derzeit an Fantasy vorgesetzt kriegt, badet in Brutalität, ergötzt sich daran. Kann eine Fantasywelt nicht einfach mal halbwegs zivilisiert sein? Ich will keine Fantasywelt, in der Krieg Alltag ist, den Eindruck, wie das ist, krieg ich leider schon aus den Nachrichten, vielen Dank.
      Vielleicht wurde es in diesem Thread bereits angesprochen, aber um zu verstehen, warum diese Brutalität von manchen Leuten (Limyaael eingeschlossen) gefordert wird, muss uns klar werden, dass Brutalität mit etwas anderem verwechselt wird und daher als Lösung eines Problem erscheint. In Limyaaels Fall ist dieses Problem, dieser nicht hinnehmbare status quo eng verbunden mit der Vorstellung von Entertainment, dass Konfrontation scheut.



      Konfrontationen finden in Geschichten jeder Art statt: ein Charakter muss einen Fehler eingestehen oder erkennen, ein Charakter muss sich nicht nur einem Gegner stellen sondern auch irgendwelchen persönlichen Schwächen oder Fehlern, usw. Geschichten konfrontieren indirekt (manchmal auch direkt) uns, das Publikum. In einem meiner ersten Kommentare stellte ich den Vergleich zwischen Geschichten und Fussball an. Wie im Fussballspiel ist der eigentliche Zweck der Geschichte nicht bloss der Sieg (das Tore schiessen, der Triumph der Romanfigur etc.) sondern im Gegenteil, es wird dadurch spannend, das Dinge schiefgehen und je mehr schiefgeht obwohl ein Erfolg irgendwie denkbar scheint, desto spannender ist es.
      Limyaael sieht Geschichten, die zu reibungslos verlaufen und sie spürt ja die Aufregung von Geschichten, in denen so richtig was los ist. Ich kann das deshalb mit Bestimmtheit sagen, weil mir kein Fall bekannt ist, wo dieses Gefühl nicht zumindest einer der Faktoren ist, der Leute dazu bringt, alle Geschichten grob und brutal haben zu wollen. Als die Batman-Filme von Christopher Nolan in die Kinos kamen, war die Werbung voll mit der Botschaft, nun sei endlich eine Adaption gekommen, die Batman von einer realistischen Seite zeige, mit aller Härte. Dabei wurde immer von den Machern unterstellt, dass Batman uns dadurch irgendwie näher geht. Klar war das Quatsch (Dark Knight war nicht deshalb gut, weil es so sehr der Realität ähnelt) aber trotzdem ist da eine Lücke, ein Bedürfnis, das viele Leute haben. Ich glaube nicht, dass Fantasy-Fans wie Limyaael wirklich blutdurstig sind. Ich denke, sie verwechseln einfach positive Erfahrungen mit Geschichten mit Qualität, weil sie spontan keine bessere Erklärung haben, warum die Erfahrung so positiv war als sie von Reisestrapazen, hartgesottenen Umfeldern, gepiesackten Heldenfiguren und Folter lesen mussten. Sie assoziieren quasi das Adrenalin, dass ihnen bei spannenden Geschichten durch die Adern floss mit dieser Abstraktion "oh, das wird die Brutalität der Szene gewesen sein".




      FireTiger_86 schrieb:

      Das zeigt jedenfalls, wie alt die Texte schon sind... damals war GRRM noch "nicht wirklich so groß" und heute gefühlt das Maß aller Dinge auf dem Fantasy-Sektor, auch wenn ich zugegebenermaßen die Entwicklungen auf dem Literatursektor nicht so genau verfolgt habe. Deine Einschätzung scheint den Eindruck aber zu bestätigen.
      So viele alte Gesichter! Hey hey! :wink:


      Jundurg schrieb:

      Das, und der Tipp "Schreib gern!" erinnert mich stark an "Hast du schon mal versucht, nicht traurig zu sein?" an Menschen mit Depression.
      Aber es ist ein wahrer Kern drin, nur sehr ungeschickt formuliert. Die Frage "Was ist konkret zu tun, damit das Schreiben Spaß macht?" wär ja eigentlich eher hinführend. Oder "Woran habe ich beim Schreiben am meisten Spaß?".
      Verflixt. Ich war zu sehr in mein Zeug vertieft und habe gar nicht hallo gesagt! HI :wink:


      Amanita schrieb:

      So viel auf einmal? Da kommt man ja kaum noch hinterher mit den Kommentaren.
      Und ich dachte, ich tu euch was Gutes und mach drei Rants auf einmal. :fluecht:

      Amanita schrieb:

      Grundsätzlich muss eine Fantasywelt für mich aber auch nicht vor Folter, sexualisierter Gewalt und Mord triefen, sondern ich ziehe es vor, wenn es auch helle, positive Aspekte gibt.
      :klatsch: :klatsch: :klatsch:
    • Gwen schrieb:

      FireTiger_86 schrieb:

      Das zeigt jedenfalls, wie alt die Texte schon sind... damals war GRRM noch "nicht wirklich so groß" und heute gefühlt das Maß aller Dinge auf dem Fantasy-Sektor, auch wenn ich zugegebenermaßen die Entwicklungen auf dem Literatursektor nicht so genau verfolgt habe. Deine Einschätzung scheint den Eindruck aber zu bestätigen.
      So viele alte Gesichter! Hey hey! :wink:
      Ach, jetzt weiß ich erst, wer du früher warst hier im Forum. :D Hab erst gar nicht auf deine exorbitante Beitragszahl geachtet, und musste dann trotzdem in ein paar alten Threads nachforschen. ;D
      War bis vor kurzem noch Pherim!
    • Charakterschwächen in Profilen


      Womit ich Probleme hab:

      1. Fehler, die keine Fehler sind. Entweder sind das die Dinge, die weder dir noch deinem Publikum als Fehler vorkommen – also nicht wirklich Fehler: "Sie ist zu nett!" oder "Er ist zu bescheiden!" - oder Dinge wie: "Nun, sie kaut auf ihren Nägeln rum!" Die erste Sorte „Fehler“ sind umformulierte Vorteile. Die zweite Sorte sind schlechte Gewohnheiten, die überwunden werden können. Und das bringt mich zu
      2. Fehler, die weggebürstet werden können. Ich habe aufgehört zu zählen, wieviele Male ich in einem Charakterprofil Dinge wie "Zurückhaltend, lernt aber, am Ende der Geschichte mutig zu sein" gelesen habe. Und wenn ihr Fehler nicht mehr da ist, was passiert dann mit ihrer Menschlichkeit? Einige veröffentlichte Romane kommen dem nah, indem ihre Charaktere anscheinend durch ihr Leiden Dinge verdienen, aber der Autor ist klug genug, das Buch danach zu beenden, da es bedeuten würde, über eine Figur schreiben zu müssen, die fast perfekt war. Perfekte Menschen, oder diejenigen, die so werden, sind langweilig.
      3. Fehler, die den Charakter keinerlei Unannehmlichkeiten bereiten. Wenn sie nicht gut tanzen kann, aber nie tanzen muss... Tja, was war daran nochmal die Schwäche?
      4. Fehler, die immer als Stärken gespielt werden. Es liesse sich viel faszinierenden zu Dingen wie einem gewitzten Charakter, einem schnellen Temperament oder schnellen Verstand sagen, weil diese Dinge sowohl als Fehler als auch als Stärken funktionieren könnten, aber zu oft hat der Charakter sie nur als Stärken. Mir sind beim Lesen schon Charaktere untergekommen, die ich gerade wegen ihrer gewitzten Wortwahl schlagen wollte, aber alle anderen standen um sie herum und gafften vor Ehrfurcht. In ähnlicher Weise geraten die Charaktere mit schnellen Temperamenten oft nicht in Schwierigkeiten, wo sie die Beherrschung verlieren und die Charaktere mit schnellem Verstand ziehen niemals falsche Schlüsse.
      Was ich empfehle:

      Lasse Deine Charaktere Fehler machen. Das ist etwas, wovor die meisten Amateurautoren und sogar einige veröffentlichte Autoren wirklich Angst zu haben scheinen. Alles, was mit ihrem Charakter geschieht, ist das Verschulden der Eltern, das Verschulden der Geschwister oder ein Fremdverschulden. Die Menschen machen auch selbst Fehler, weisst Du? Lass Deinen Charakter als Ergebnis dessen ändern, was er oder sie tut und auch was in der Außenwelt passiert.

      Gib dem Charakter einige echte Fehler. Ich habe Leute gehört, die sich Sorgen machen, den Charakter unsympathisch zu machen, aber das Publikum hat unterschiedliche Geschmäcker. Manche Menschen sympathisieren wirklich mit Menschen, die über die gewöhnlichen Probleme des Lebens jammern. Ich nicht, aber das bin ich. Und wenn du gut genug schreibst, werden dir die Leute so gut wie alles verzeihen. Einige Fehler, die nicht so einfach in Darstellungen der Tugend zu verwandeln sind, sind:

      • Heuchelei
      • Sorglosigkeit mit Geld
      • Wichtige Dinge vergessen (Geburtstagsdaten, Orte wichtiger Objekte)
      • aggressiv und übermäßiger Schutzinstinkt
      • Herablassend gegenüber Anderen
      • das Gespräch ständig in eins über sich selbst verwandeln
      • hinterm Rücken Anderer beschweren, aber von Angesicht zu Angesicht nett und süß sein
      • darauf bestehen, dass andere ihre Obsessionen teilen
      • Faulheit
      • setzt voraus, dass die Regeln nicht für sie gelten und schreien, wenn sie es doch tun
      • Selbstgerechtigkeit
      • Fanatismus zu einem bestimmten Thema


      All dies ist schwieriger, sich zum Vorteil zu wenden, und natürlich haben die meisten Menschen irgendwie Angst, dass ihre Charaktere magisch unsympathisch werden, wenn sie sie benutzen. Nein, sie klingen wie echte Menschen.

      Manche dieser ich-bin-so-perfekt-Profile funktionieren vielleicht tatsächlich beim Schreiben der Geschichte, aber die meiste Zeit verdreh ich die Augen nur davon, dass ich das Profil selbst lese.
    • Kommentar
      Dieser Rant hat den Nachteil, recycelt zu sein.

      Und die Auflistung am Ende ist witzig, denn viele der Fehler, von denen Limyaael sagt, sie seien schwerer zum Vorteil zu wenden, treffen in gewisser Weise auf den Ton dieser Rants zu.

      Die Rants sind

      • Herablassend gegenüber Anderen
      • Wollen das Gespräch ständig in eins über sich selbst verwandeln
      • Die Rants bestehen scheinbar darauf, dass andere ihre Obsessionen teilen
      • Den Recycling-Aspekt will ich Faulheit nennen
      • Fanatismus zu einem bestimmten Thema ist auch dabei
      Und mehrere Objekte in dieser Liste sind derselbe Charakterfehler, nur umformuliert:

      • Selbstgerechtigkeit
      Und
      • setzt voraus, dass die Regeln nicht für sie gelten und schreien, wenn sie es doch tun
      Sind fast dasselbe.
      • Heuchelei
      Und
      • hinterm Rücken Anderer beschweren, aber von Angesicht zu Angesicht nett und süß sein
      Sind es auch.


      Ich fühle mich langsam unwohl dabei, euch allen diese Essays anzutun. Ich hoffe, die Qualität bessert sich, aber ich habe den Eindruck, es wird noch eine Weile dauern. ☹

      Es hilft nicht, dass ich bei Text-Passagen wie „Einige veröffentlichte Romane kommen dem nah, indem ihre Charaktere anscheinend durch ihr Leiden Dinge verdienen, aber der Autor ist klug genug, das Buch danach zu beenden, da es bedeuten würde, über eine Figur schreiben zu müssen, die fast perfekt war. Perfekte Menschen, oder diejenigen, die so werden, sind langweilig.” Beim Blick auf die englische Fassung als Muttersprachlerin immer noch keine Ahnung habe, was genau der Ratschlag ist. :moeff:
    • Das ist wieder so ein Rant, wo ich grundsätzlich verstehe, worauf Limyaael hinauswill, den ich aber in dieser Absolutheit nicht stehenlassen würde. (Bitte nimm's mir nicht übel, aber ich glaube "(Charakter)-Schwächen" wäre hier auf Deutsch ein passenderes Wort als "Fehler.")
      Jedenfalls hat sie recht, dass manche unerfahrene Autoren das Problem haben, dass sie ihren Charakteren nur gute Eigenschaften und "Pseudoschwächen" geben, die eigentlich auch versteckte Stärken sind.
      Ich selber bin aber grundsätzlich kein Fan davon Listen mit Stärken und Schwächen auszufüllen, sondern habe es lieber, wenn sich das organisch entwickelt (oder sich zumindest so liest) und sich dann anhand der Reaktionen der Charaktere auf die Handlung zeigt, wie sie so drauf sind. Und da kann sich dann durchaus dieselbe Eigenschaft in manchen Situationen als positiv und in anderen als negativ erweisen.
      Die von Limyaael aufgezählten Eigenschaften sind allesamt welche, die die Figur doch sehr unsympathisch machen. Das kann man natürlich machen, Antihelden sind ja auch recht beliebt, ich halte es aber für falsch zu behaupten, dass man es machen muss, um eine gute und interessante Geschichte zu schreiben. Es spricht überhaupt nichts gegen tapfere, ehrenhafte und uneigennützige Protagonisten, wenn die Geschichte dazu passt und es nicht zu dick aufgetragen wirkt. Letzteres ist dann wieder eine Frage der schriftstellerischen Fähigkeiten.
    • Amanita schrieb:

      Bitte nimm's mir nicht übel, aber ich glaube "(Charakter)-Schwächen" wäre hier auf Deutsch ein passenderes Wort als "Fehler."
      Oh, danke!

      Amanita schrieb:

      Es spricht überhaupt nichts gegen tapfere, ehrenhafte und uneigennützige Protagonisten, wenn die Geschichte dazu passt und es nicht zu dick aufgetragen wirkt. Letzteres ist dann wieder eine Frage der schriftstellerischen Fähigkeiten.
      Eben.
    • Anfänge

      1. Absatz mit Action oder Dialog, dann endlose Absätze mit Beschreibung/Exposition.

      Sagen wir, deine Geschichte beginnt so: "Komm her, Beldeira!" rief Syelli leise. "Ich glaube nicht, dass wir gehört werden sollten, wenn wir nicht wollen, dass sie uns die Finger brechen." Ich möchte bitte wissen, was zum Henker Syelli und Beldeira da tun. Ich möchte keine endlosen Beschreibungen des Raumes, in dem sie stehen, wie schön die Charaktere sind, wie der Blick aus dem Fenster so ist und dieser Wandteppich hier, der zeigt, wie die Schlacht von Rockingroll vor zehntausend Jahren gekämpft und von König Avediwhoop gewonnen wurde. Streue kleine Expositions- und Beschreibungskrümel in die Geschichte, anstatt sie alle aufeinander zu stapeln. Nichts ist besser geeignet, um die Action zu bremsen.

      2. Gleich mit einer Szene anzufangen, die uns dazu bringen soll, "awww!" zu sagen.

      Charaktere müssen in der Regel meine Sympathie verdienen. Eine Szene zu konstruieren, in der die Hauptfigur als Kind missbraucht, vergewaltigt oder von anderen Charakteren ohne jeden Grund verachtet wird, ist reine emotionale Manipulation. Beispiel: Siehe Mercedes Lackey‘s Magic‘s Pawn. Der Charakter Vanyel beginnt tatsächlich einen Kampf zu gewinnen, wird sofort niedergeschlagen, ihm wird der Arm gebrochen, und er wird von all seinen Geschwistern verachtet. Das zweite Kapitel besteht ausschließlich aus Jammerei. Keine gute Idee. Sobald die Leserin herausfindet, dass sie emotional manipuliert wird, ist sie viel weniger sympathisch. Auch eine andere schlechte Sache, die dies tut, ist den Helden oder die Heldin als Opfer zu präsentieren, und obwohl es ein einfacher Trick sein kann, um Aufmerksamkeit zu gewinnen, ist es schwierig, den Charakter danach überzeugend in einen Helden zu verwandeln.

      3. Anhand einer Rückblende die Gesamte jüngere Geschichte der Figur rekapitulieren.

      Ja, richtig. Zeig uns das mit späteren Erwähnungen in der Geschichte, bitte. Um zu sehen wie solche Erwähnungen GUT funktionieren, seht euch Lois McMaster Bujolds Der Fluch des Chalion an. Der Charakter wird zu Anfang gezeigt, wie er eine Straße entlanggeht, offensichtlich unter Schmerzen für das, was in seiner Vergangenheit passiert ist, aber Bujold geht nicht sofort in eine Rückblende über, um die Vergangenheit und alles was daran grausam und schrecklich ohmeingott war darzustellen. Sie gibt zuerst andeutende Details und erzählt uns, dass Cazaril ein Galeerensklave war, und erst später sehen wir, wie schrecklich es war, wenn andere Charaktere, die die Geschichte nicht kennen, nachfragen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Sympathie des Lesers (oder zumindest meine) für Cazaril engagiert, so wie es nicht bei einer Figur ist, die einen Schritt macht und sofort anfängt, über ihre neun Brüder und Schwestern nachzudenken und darüber nachzudenken, wie sie als Prostituierte für sie malochen muss.

      4. Einen mythologischen Prolog zu haben, der anscheinend nichts mit der darauf folgenden Geschichte zu tun hat.

      Das war originell (denke ich), als David Eddings es tat und Legenden aufstellte, die Relevanz für seine Quest-Objekte haben sollten. Nun scheint es, dass jeder Amateur-Fantasy-Autor mit einer Art Prophezeiung oder Mythos der Götter beginnt. Ich mache eine Checkliste. Sind die Götter die Hauptfiguren der Geschichte? Nein? Dann beginn bitte mit dem Charakter. Ist der Schriftsteller gut im Umgang mit mythologischer Sprache? Nein (meistens die Antwort?) Dann hör auf mit den Versuchen, etwas zu tun, was Du nicht gut kannst. Verwendet der Autor dies als Infodump? Ja (so wie es die meiste Zeit geschieht?) Hör auf.

      5. Keine erkennbarer Blickwinkel.

      Dieser Blickwinkel schwebt von Charakterkopf zu Charakterkopf oder beschreibt sogar Dinge, die kein Charakter wissen könnte, etwa wie oft die Monde seit Beginn der Welt aufgestiegen sind oder wie das Meer die Form des Landes über Tausende von Jahren verändert hat. Laang-weeilig. Dies hat die Probleme der Exposition vervielfacht, da es nicht einmal einen Absatz des Dialogs oder der Action gibt, um uns anzufixen. Einige Autoren streben einen "Film"-Ansatz an, bei dem sie sich zuerst wie eine Kamera einem Schloss oder einer Szene nähern und dann den Charakter auswählen, dessen Wahrnehmung sie teilen. Ich glaube nicht, dass dies sehr gut funktioniert, denn wenn die Techniken aus Büchern sich oft nicht auf den Bildschirm übersetzen, ist das gleiche im auch umgekehrt wahr. Filme sind im Wesentlichen dramatische Medien; Sie zeigen dir visuelle Bilder, so wie Drama die Schauspieler zeigt, und sie zeigen dir, was die Charaktere tun und sagen, anstatt was in ihren Köpfen vor sich geht. Bücher müssen eine gewisse Innerlichkeit haben, oder es ist wirklich schwer zu erzählen, und die Innerlichkeit muss zumindest teilweise konstant bleiben. Ich habe Geschichten gelesen, die alle paar Absätze abprallen lassen oder zwischen Kapiteln springen und dann nie zu bestimmten Charakteren zurückkehren, und es ist wirklich, wirklich ärgerlich. Ich denke, viele Amateur-Fantasy-Autoren versuchen, mehrere Standpunkt-Charaktere zu haben und, dass dies die Art und Weise sei, die sie beim Schreiben wählen müssen, weil sie Epen schreiben. Die meisten Autoren sollten aber wahrscheinlich warten, bis sie einige Übungen mit einzelnen Blickwinkeln gemacht haben und sich in ihnen verwurzeln, bevor sie versuchen, diese Vielfalt zu suchen.
    • Gwen schrieb:

      Anfänge

      5. Keine erkennbarer Blickwinkel.
      Das Gegenargument hier ist eigentlich nur entweder "du kannst das nicht, lass es" oder "das geht nur im Film gut".
      Klar sollte man es nicht übertreiben - aber ein bisschen kann man das schon machen.

      Gwen schrieb:

      Filme sind im Wesentlichen dramatische Medien; Sie zeigen dir visuelle Bilder, so wie Drama die Schauspieler zeigt, und sie zeigen dir, was die Charaktere tun und sagen, anstatt was in ihren Köpfen vor sich geht. Bücher müssen eine gewisse Innerlichkeit haben, oder es ist wirklich schwer zu erzählen, und die Innerlichkeit muss zumindest teilweise konstant bleiben.
      Das ist vermutlich das Häufigste. Aber mir kann keiner erzählen, ein Film könne partout nicht rüberbringen, was diversen Köpfen vorgeht. Und Texte können andersrum durchaus bestens darauf aufbauen, was sichtbar passiert. Meistens ist es ohnehin ein Zwischending. Und es variiert innerhalb eines Werkes, das ist keineswegs konstant.
      Beispiel aus sehr viel SF, u.a. meinem Teil: Die Raumschlacht enthält nur sehr wenig, was in Köpfen vorgeht, dafür verdammt viel, was sichtbar passiert - beim Wundenlecken danach ist es andersrum.
      Wer das liest, ist auch nicht schlauer als vorher.
    • Kommentar


      Nur ein paar kleinere kritische Bemerkungen

      Zu Punkt 2
      Das emotionale Manipulation ein normaler Bestandteil von Geschichten ist, habe ich bereits in einem Kommentar erwähnt. Anhand von Butterfly Effect hatte ich auch Limyaael in gewisser Weise recht gegeben: da ist was Falsches dran, Charaktere einfach zu quälen, damit das Publikum sie mag. Aber das "reine emotionale Manipulation" zu nennen ist, denke ich, die falsche Reaktion. Das Publikum wird eben gerade nicht manipuliert... siehe dort.

      Das Mercedes Lackey‘s Magic‘s Pawn erwähnt wird ist interessant, denn das ist eindeutig keine Fanfiction. Hoffen wir, das Limyaael mehr kommerzielle Fantasy (die sie nicht mag) beim Namen nennt.

      Zu Punkt 4
      David Eddings muss irgendwas richtig gemacht haben, vermute ich. Ich denke nicht, dass diese Prologe deshalb so doof sind, weil sie inzwischen so oft kopiert wurden. Ich denke, oft hat der Prolog wenig mit der eigentlichen Geschichte zu tun.

      Götter sind auch ein interessanter Punkt. Oder Limyaael's Götter-Verdruss, besser gesagt. Um es kurz zu machen: wahrscheinlich sind Götter meist wirklich eine schlechte Idee, einfach weil sie im Leben der Charaktere zumeist kaum eine Rolle spielen. Hier hilft es, wenn es zum Beispiel eine einzige Geschichte gibt, die uns einen kleinen Einblick in das mythische Geschehen gibt -- zum Beispiel eine Geschichte, wo eine mythische Figur eine Autorität darstellt und ein Verrat stattfindet. So liesse sich etwas zu Macht in der Gesellschaft sagen, die sich diese Geschichte erzählt? Keine Ahnung, es gibt bestimmt zig Variationen. Aber ein kleiner Einblick in die Welt oder das Leben der Götter regt die Phantasie der Leser oft viel mehr an als ein "Brockhaus Mythologie" oder so.

      "Hör auf mit den Versuchen, etwas zu tun, was du nicht gut kannst" ist das Gegenteil von einem guten Ratschlag. Lasst die Leute probieren und lernen!

      Zu Punkt 5
      Hier hat Veria das Richtige gesagt: es ist absolut kein Problem, den Blickwinkel permanent zu wechseln und rumzuschweben. Die Szene muss nur auf etwas hinauslaufen, muss quasi eine Kurzgeschichte sein.

      Als das Wort "Drama" benutzt wird, ist klar, dass Limyaael unter Drama nicht eine Form des Schreibens versteht, sondern ein Bühnendrama.