Limyaael's Fantasy Rants übersetzt

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    • Was meine Recherchen so hergeben:

      Menschen können als Zweibeiner schnellen/spurten und kommen zügiger in einen Laufrhythmus, deshalb sind sie auf den ersten Metern schneller als Pferde.
      Sind die Pferde erst einmal im Tritt, ziehen sie am Menschen vorbei.
      Das kippt nach einer Weile wieder, weil Menschen eine viel schnellere Wärmeregulation haben und ihre Gangart viel flexibler wechseln können. Sie müssen auch viel weniger Masse in Bewegung halten, was entscheidend ist, wenn man sich nicht geradlinig-gleichförmig fortbewegen kann.
      Und das wiederum führt dazu, dass das Gelände eine große Rolle spielt. Auf glatter Ebene und gerader Linie kann ein Pferd sehr gut beschleunigen und mit einem Wechsel aus Trab und Galopp jeden Menschen in so ziemlich jeder Zeiteinheit überrunden. Ist die Ebene steinig, ändert sich die Bedingungen komplett.
      Und, ganz wichtig: Pferde liefern sich Wettrennen mit Menschen nicht nach eigenen Ermessen. Sie tragen Reiter, die eine Last sind und deren Kontrolle nicht unbedingt dem entspricht, wie das Pferd sich seine Kräfte selbst einteilen würde.

      Bei Kämpfen in (nicht nur) Fantasy-Romanen werden Kampfsituationen zumeist bunt durcheinander gemischt.
      Nehmen wir zum Beispiel den tödlichen Herztreffer: der ist für einen geübten Kämpfer sogar sehr leicht zu erzielen. Von hinten. Es ist ein Irrglaube, dass sich Massenschlachten ein Getümmel von Zweikämpfen sind. Das Ziel eines Soldaten ist es, die Zahl und Kampfkraft des Gegners zu verringern. Wenn er nicht gerade selbst beschäftigt ist und sieht, dass ein Kamerad gerade mit einem Gegner plänkelt, wird er sich nicht nach einem (neuen) eigenen Gegner umsehen, sondern den abgelenkten Gegner möglichst hinterrücks niederstrecken. Ist die eigene Waffe eine Stichwaffe oder kann gefahrlos der Dolch gezogen werden, garantiert ist ein Stich von hinten unter den Schulterblättern, irgendwelche lebenswichtigen Organe zu treffen: Herze, Lunge, Leber, Milz, Nieren. Alles unbedingt tödlich. Eventuell nicht sofort, aber dieser Gegner kämpft nicht weiter und man hat einen Kameraden freigemacht, der nun seinerseits einen selbst decken und unterstützen kann.
      Dies gesagt: Kämpfe mit Hieb- und Stichwaffen sind, abseits von Duellen unter Beisein von bestellten Zeugen (und häufig selbst dann) grundsätzlich schmutzig, egal ob im Schlachtgetümmel oder Mann gegen Mann. Jede verwundbare Stelle, die sich trotz Parade, Schild und/oder Rüstung auftut, wird auch ausgenutzt, um Verletzungen beizubringen. Die häufigsten Todesursache abseits einer Infektion, der man nach der Schlacht erliegt, sind Verbluten - oft aus vielen kleine Wunden statt einer großen - oder die Folgen stumpfer Gewalteinwirkung.
      Es war nicht unüblich, nach Ende der Schlacht das Feld abzugehen und nach den Verwundeten zu sehen, die nicht aus eigener Kraft da Feld verlassen konnten. Verwundete Feinde wurden üblicherweise getötet, wenn es nicht gerade "verwertbare" Persönlichkeiten waren. Die Grausamkeit wird etwas dadurch gemildert, dass häufig mit eigenen Schwerverwundeten ebenso verfahren wurde. Der sogenannte Gnadenstoß ist unter dürftigen medizinischen Kompetenzen und/oder Kapazitäten sogar eine Erlösung und wurde von allen Beteiligten als Akt der Barmherzigkeit verstanden.

      Die Waffe der Wahl für ungeschulte oder eher rudimentär ausgebildete Kämpfer ist ein vergleichsweise kurzer Spieß. Er hat nur ein spitzes Ende, auf dessen sinnvollen Einsatz sich der Kämpfer konzentrieren kann, eine gute Reichweite und ist gegen jede Art Infanterie einsetzbar. Für alle anderen Waffen ist deutlich mehr Übung erforderlich und ein Schwert aufzulesen dürfte dem zu Höherem bestimmten Bauernburschen nicht weiterhelfen. Dieser sollte, auch wenn es weniger Glamour hat, für die erste heroische Tat bei Ackerwerkzeugen oder diesen zumindest ähnlichen Waffen bleiben. Einmal abgesehen davon, dass es auch heroischer sein kann, einem geschulten Kontrahenten erfolgreich mit Mistgabel oder Sense zu Leibe gerückt zu sein.

      Apropos kurze Spieße. Auch die sind Kavallerie einsetzbar - wobei man schon erhebliche Disziplin bracht, um in einem ordentlichen Spießwall gegen heranstürmende Kavallerie nicht die Nerven zu verlieren. Dafür bieten sich dann auch deutlich längere Spieße an, für deren Führung man dann aber auch wieder mehr Kraft und Übung braucht. Nicht zuletzt deshalb, weil der Spieß nach erfolgreicher Abwehr eines Reiterangriffs üblicherweise in einem Pferd oder einem Reiter steckt und/oder zerbrochen ist. Und selbst wenn nicht, ist er aufgrund seiner Länge gänzlich ungeeignet, um es mit etwaig abgesessener Reiterei oder nachrückender Infanterie aufzunehmen. "Spießbürger" und Pikeniere sind nicht dasselbe; erstere sind mehr oder weniger gut ausgebildete Milizen, letztere gehören zur damaligen Elite.

      Und auch wenn das immer wieder ein Reizthema ist: Fantasy kann und soll historische Rollenbilder abwandeln und auch außen vor lassen. Das bedeutet, dass auch die Damenwelt sich ins Schlachtgetümmel stürzen kann, darf und soll. Allerdings sollten angehende Autor*inn*en den Körperbau der Reckinnen auch entsprechend anpassen.
      Kurz gesagt, wer Rollenbilder modifizieren will, muss das auch mit Schönheitsidealen tun. Wenn nicht gerade magische Verstärker am wirken sind, braucht die kämpfende Dame Muskeln und Sehnen und einen entsprechenden Knochenbau, den man nur erwerben kann, wenn die Protagonistin historische und auch heutige Rollenbilder unserer Welt ins frühester Jugend verlassen hat. Das bedeutet nicht (!), das die streitbare Protagonistin nicht "schön" sein darf. Aber man muss das Schönheitsideal der Fantasy-Welt (und davor ggf. erst einmal das eigene) entsprechend anpassen.
      Amazonen gerne, von Glamazons ist bitte zur Wahrung der Plausibilität abzusehen.
      La locura nunca tuvo maestro / Para los que vamos a bogar sin rumbo perpetuo.
      La muerte será un adorno / Que pondré al regalo de mi vida.
      (Heroes del Silencio: Avalancha)
    • Magie, Teil 1

      Deine geschmeidigen Hände ziehen mich, dein Gesicht brennt durch mich,
      Ich bin schnell daran, Dir zu folgen, erpicht zu sehen;
      Doch der Liebe fehlt’s an Gewalt, mich zu erlösen oder aufzulösen;
      Wie ich gewesen bin, weiß ich, werde ich gewiss sein;

      "Was sollen solche Gesellen wie ich tun?" Indes
      Meine Rolle wär übler, wenn ich mich mitzuspielen entschiede;
      Denn das Schlimmste ist letztlich immer; kennten sie mich,
      Keine Seele auf Erden hätte Mitleid um mich.

      Und ich spiele nicht um das Mitleid dieser; Aber du
      Wenn du mit deiner Seele sahst, was Mensch ich bin,
      Du würdest mich zumindest loben, dass meine Seele sich
      Bahnte durch dich, die Leben hassend, welche lügen;

      Die Seelen und Lippen, die gekauft und verkauft werden,
      Das Lächeln aus Silber und die Küsse aus Gold,
      Der Schoßhund liebt das jammern, während er kaut,
      Die kleinen Liebenden, die fluchen und weinen.

      1. Wenn Magie sich auf körperlicher Stärke gründet, sollte das Auswirkungen haben.

      Einer der häufigsten magischen Varianten- mit dem Vorteil, einfach handhabbar zu sein - ist Magie die sich von Ausdauer (und Körperkraft) nährt. Wenn diese Magiequelle nicht begrenzt ist und der Protagonist immer mehr Kraft finden kann, gibt es aber Schwierigkeiten. Und weil viel Fantasy dazu neigt, Fragen zu ignorieren, etwa wann die Charaktere zuletzt Essen oder schlafen konnten, um sich auf das "wichtige Zeug" zu konzentrieren.

      Ein Magier der hundemüde ist, in Tagen nicht gut gegessen hat und riesigen Durst hat und für Magie auf Körperkraft angewiesen ist, hat ein Problem. Hinzu kommt die Schwierigkeit an etwas anderes, egal was, zu denken, nur nicht die volle Blase. Und da mindestens einmal in jedem Fantasy-Buch eine Verfolgungsjagd durch Feinde passiert, müssen solche Helden einiges durchmachen. Manchmal wird flüchtig erwähnt, wie die Charaktere nichts anderes als Beeren zum Essen finden können, aber da ist der Magier, der so stark ist wie eh und je und den Verfolgern Feuerbolzen entgegenschleudert.

      Dies könnte zu einer breiten Regel verallgemeinert werden - die Regeln eines magischen Systems sollten eingehalten werden - aber in diesem konkreten Fall heißt das, wenn der Magier kurz davor ist, umzufallen, dann sollte auch seine Magie umfallen.

      2. Um die Regeln zu brechen braucht es einen ausgezeichneten Grund.

      Ein Beispiel sind Geschichten, die nur drei Wünsche zulassen, wo die Hauptfigur am Ende einen vierten Wunsch bekommt. Meistens scheint dies auf die Vergesslichkeit der Autorin zurückzuführen zu sein, aber ein paar Mal habe ich Rechtfertigungen dieser Art gesehen: "Nun, Syrenna ist die Heldin, also bekommt sie natürlich einen anderen Wunsch!"

      Autoren steht es vollkommen frei, Magie nach willkürlichen Regeln zu konstruieren, die mit – sagen wir – den Gesetzen der Physik nichts gemein haben. Eine Art von Magie ist nur bei Frauen möglich? Großartig. Nur Kinder können blaue Flammen erzeugen, und alle anderen sind auf Rot beschränkt? Feine Sache.

      Aber bitte nicht in der Mitte der Geschichte die Meinung dazu ändern. Die größte kreative Freiheit kommt mit dem groben Entwurf der Geschichte, am Anfang. Später, wenn Deine Meinung sich ändern sollte, solltest Du über alle möglichen Konsequenzen nachdenken - wenn es ein Paar magischer Regeln gibt, die voneinander abhängen, wo das Ändern der einen die anderen verändert – dann muss der ganze Text nochmal durchforstet werden, um die Änderung überall einzusetzen.

      3. Die mächtigste Magie an die Guten zu geben ist keine gute Idee.

      Wenn es den Anschein hat, als wären die bösen Feinde inkompetent und überhaupt nicht mächtig, was ist dann der Sinn, sie zu bekämpfen? Der Leser wird höchstwahrscheinlich gähnen und ein Schläfchen machen, während die spannungsfreie Geschichte weiterläuft. Es wird auch sehr seltsam erscheinen, dass die Guten nicht einfach die magische Abkürzung nehmen und den Krieg beenden können. Der Autor stellt den Helden in der Regel wirklich lächerliche Hindernisse in den Weg, um das ebenso lächerliche Ungleichgewicht zu rechtfertigen.

      Fazit: Wenn der gute Typ die Gedanken der Leute lesen, Feuerbolzen verschleudern und die Toten auferstehen lassen kann, sollte der böse Kerl zumindest in der Lage sein, eine Seuche zu senden.

      4. Schlupflöcher sollten unsichtbar bleiben.

      Ein beliebter Trick der Fantasy ist es, den ewigen Verlierer gewinnen zu lassen, darum gibt es ein Schlupfloch für magische Zauber oder einen Eid, damit der Held die Nachteile umgehen kann. Allerdings gibt es zahlreiche amateurhafte Versuche die Schlupflöcher zu verbergen, die daneben gehen. Gibt es in der Geschichte ein magisches Objekt, dass der Held aufhebt und neben ihm verkündet der alte Weise ihm feierlich, er solle auf dieses Objekt aufpassen? Den meisten Lesern wird sofort klar, dass dieses Objekt wie Chekhov’s Gewehr funktioniert und später dem Helden ein Schlupfloch / Ausweg bietet.

      Das muss nicht sein. Alternativ kann es echten Zufall und echtes Risiko geben: der Held verwendet das magische Amulett mehrmals und ein paar Mal lässt es in im Stich, also kann er nicht sicher wissen, dass das Amulett hilft. Oder die Schurkenseite kann das Artefakt wunderbar benutzen und unser Hauptcharakter muss sich stets sorgen machen, dass es ihm gestohlen und gegen ihn eingesetzt wird. Oder ein nicht ganz treuer Charakter ist zuständig dafür und da der Held die Handlungen des anderen Charakters nicht kontrollieren kann, weiß er nicht, ob ihm diese Person helfen wird.

      Wenn nichts anderes funktioniert, kann der Einsatz eines solchen Amuletts wahre Opfer erfordern. Wenn der Held es benutzt, dann rettet er die Welt, aber er zerstört seine wahre Liebe. So etwas mag als billiges Melodram rüberkommen, kann aber auch dazu führen, dass deine Charaktere zu echten moralischen Entscheidungen gezwungen werden und es nach einem pyrrhischen Sieg aussieht, was viel bessere Aussichten sind als ein gemütlicher Spaziergang durch den Zuckerwatte-Berg.

      5. Keine Unschuldsklischees.

      Dies ist ein weiteres dieser Stilmittel, die ich speziell aussuche, weil ich sie hasse. Ein Unschuldsklischee ist ein Fall, in dem die böse Seite ein bestimmtes Stück Magie oder ein bestimmtes Gerät nicht verwenden kann, weil es nur von "einem wahren Unschuldigen", "der Seite des Guten" oder "dem reinen Herzen" verwendet werden kann. Was für eine faule Ausrede. Da werden Charaktere zu schwarz-weiße Pappausschnitten, es gibt keinen Zweifel daran, wer gut und wer böse ist und nimmt die ganze Spannung weg. Außerdem, welcher smarte böse Kerl, der sein Geld wert ist würde einfach die Magie oder das Gerät in Ruhe lassen, anstatt zu versuchen, es zu zerstören?

      Viel geeigneter ist so ein Objekt in den Händen eines moralisch zweideutigen Charakters. Das sorgt wenigsten für Verwirrung. Oder auf das Stilmittel verzichten, das geht auch.

      6. Wenn Magie auf Seiten des Guten zerstörerische Aspekte hat, sollten sie nicht übergangen werden.

      Der Einsatz schrecklicher Magie durch die Mächte der Finsternis wird oft in allen grausigen Details beschrieben - der Darm rutscht heraus, Leute werden bei lebendigem Leib geröstet, wir bekommen die Schreie mit usw. Wenn dann die gute Seite zum zerstörerischen Gegenschlag ausholt gibt es keine Schreie und kaum mehr als Leichen mit leichten Brandgeruch der keinerlei Übelkeit hervorzurufen scheint. Manchmal wird die Magie der guten Seite sogar als "Säuberung" des Ortes bezeichnet, an dem die bösen Mächte standen, ohne Bezug darauf, dass die Guten gerade eine ganze Menge Lebewesen zerstört haben.

      7. Magie braucht realistische Grenzen.

      Was im Magiesystem von Harry Potter funktioniert (obwohl es manchmal zu einfach scheint) ist wie leicht es ist, einem Zauberer / einer Hexe den Wind aus den Segeln zu nehmen. Auf das blosse Brechen eines Zauberstabs folgt vollkommene Hilflosigkeit, es sei denn, er ist einer der ganz wenigen und spezialisierten mächtigen Menschen (wie ein Animagus). In einer Welt wo Magie durch subtile Gesten mit den Händen oder von arkanen Worten abhängt, kann ein Knebel ein sehr machtvolles Werkzeug sein.

      Doch das scheint vielen Feinden, die mit solchen Magiern konfrontiert sind, nicht aufzufallen. Sie sitzen und gaffen, während der Magier ihre Reihen verwüstet.

      Fazit: Eure Magier sollten niemals allmächtig sein, und sie sollten nicht auf wundersame Weise einen Ausweg aus jeder Situation finden, in der sie schwach sein könnten. Auch wenn Magie von etwas außerhalb des Magiers abhängt, sollte das keine Entschuldigung dafür sein, dass er Berge auf jeden fallen lässt, der sich ihm widersetzt. Zum Beispiel, was sind die physischen Einschränkungen auf der Stromquelle? Wäre der Magier nicht bei größerer Distanz zur Machtquelle schwächer? Es wäre zu hoffen, aber oft (z.B. bei Mercedes Lackey) wird das Problem von vornherein gelöst: wenn in Lackey’s Universum ein Knoten der Macht aufgebraucht wird, kommt oft sofort ein frischer Knoten der Macht daher...

      Magie sollte immer eine gewisse Schwäche haben, sei es eine komplizierte arkane Theorie oder etwas so Einfaches wie das alte Verbot von kaltem Eisen und Salz für Feenzauber.
    • Yerho schrieb:

      Was meine Recherchen so hergeben:
      Um Himmels willen! Der Waschbär kann sprechen! :aah: :)

      Yerho schrieb:

      Kurz gesagt, wer Rollenbilder modifizieren will, muss das auch mit Schönheitsidealen tun. Wenn nicht gerade magische Verstärker am wirken sind, braucht die kämpfende Dame Muskeln und Sehnen und einen entsprechenden Knochenbau, den man nur erwerben kann, wenn die Protagonistin historische und auch heutige Rollenbilder unserer Welt ins frühester Jugend verlassen hat. Das bedeutet nicht (!), das die streitbare Protagonistin nicht "schön" sein darf. Aber man muss das Schönheitsideal der Fantasy-Welt (und davor ggf. erst einmal das eigene) entsprechend anpassen.
      Hm, wenn wir Limyaael's Standards auf Geschichten anwenden ist das sicherlich wahr. Aber in der Praxis sind Geschichten keine Simulationen einer alternativen Realität. Daher ist es nicht notwendig, irgendjemandem in einem Roman Muskeln und Sehnen zu verpassen, nur damit die Figur anderen Leuten im Kampf eins überziehen kann. Eine Geschichte darf ruhig unplausible Machtphantasie sein oder sich auf ganz andere Dinge konzentrieren als die Muskel-Physik/Chemie/Biologie. :)

      Ich bin zwar total dabei, der Protagonistin auf der einsamen Insel das Recht einzuräumen, unsere Schönheitsideale hinter sich zu lassen... aber das wäre imho einfach passende, wirkungsvolle Charakterisierung (und etwas das ich sehen will und was mutig wäre), nicht etwas das in jeder Geschichte unbedingt zwanghaft sein "muss".
    • Magie, Teil 2

      Wo sollen wir anlanden, Süße?
      Auf Wald und Feld befremdender Männerfüße,
      Oder Felder nah der Heimstatt?
      Oder wo die Feuerblumen wehen,
      Oder bei Blumen des Schnees
      Oder Schaumblumen?
      Wir sind heute in Liebe’s Hand.

      Landet mich an, sagt sie, wo die Liebe
      Zeigt nur einen Strahl, eine Taube,
      Ein Herz, eine Hand.
      Ein solches Ufer, meine Liebe,
      Liegt, wohin kein Mensch steuern wird,
      Kein Jungfernland.

      -Auszug aus Swinburne‘s "Liebe auf See"

      1) Wir sollten einige der häufigen Geschichtselemente überdenken, die eigentlich keinen Zweck haben.

      In vielen Geschichten haben Magier Krimskrams wie Kristallkugeln, Schädel und Familiare hatten, ohne je davon Gebrauch zu machen. Dies gilt auch für professionelle Literatur: In HP liefern Eulen die Post, aber Katzen, Ratten und Kröten, obwohl sie als Vertraute erlaubt sind, scheinen ihren Besitzern nicht wirklich zu helfen, Magie zu studieren. Warum sind sie denn da? Wahrscheinlich, um der Welt ein "magisches" Gefühl zu geben. Aber wenn sie in Deiner Geschichte nicht benötigt werden, wäre es wahrscheinlich am besten, diese Sachen zu vergessen. Viele Amateur-Fantasy-Autoren reduzieren sie auf die Ebene des Klischees ohne Bedeutung.

      2) Wissen kann auf innovative Art vermittelt werden!

      Der übliche Weg ist eine Akademie oder Schulstruktur, in der die Schüler von Lehrern und Büchern lernen. Aber das ist nicht der einzige Weg, wie Menschen Wissen erwerben, vor allem in einer mittelalterlichen Gesellschaft, in der viele Menschen nicht lesen können und wahrscheinlich nicht jeder nur wenige Gehminuten von der Akademie entfernt geboren wird. Und wie haben die allerersten Magier, die die Bücher geschrieben haben und keine Lehrer hatten, von denen sie lernen können, ihr Wissen erhalten?

      Möglicherweise können einige junge Magier autodidaktisch Kontrolle erlangen oder sammeln Tipps von einem Elternteil, Verwandten oder Freunden, die auch zufällig Magie oder die Theorie davon haben. Natürlich setzt dies voraus, dass Magie etwas relativ Seltenes ist. Das muss nicht der Fall sein. Wenn Magie üblich ist, wären formale Akademien unnötig, denn Kinder würden Magie so lernen, wie sie andere Dinge gelernt haben (Spracherwerb bei Kindern oder vielleicht Nähen wären analog), und wahrscheinlich wäre Magie nicht von den meisten anderen Teilen ihres Lebens zu unterscheiden.

      Damit komme ich zu meinem dritten Punkt.

      3) Wenn Magie üblich ist, sollte sie auch für alltägliche Zwecke verwendet werden.

      Es gibt nur wenige Menschen, die nicht den Weg des geringsten Widerstands suchen. Selbst wenn es auf Welt XY komplizierte theoretische Traktate gibt, die erklären, warum wir eigentlich mit Magie kein Feuer machen dürfen wenn wir zu faul sind um aus unserem Stuhl aufzustehen, muss es doch ab und an Regelbrecher geben (auf dieselbe Art, wie hierzulande Leute auch mal bei Rot über die Strasse gehen). Das wird gerade dann besonders wahr sein, wenn Menschen in eurer Welt genug Geld und Zeit haben, um über dem Existenzminimum zu leben und über Wege nachdenken, um ihr Leben noch besser zu machen. In den meisten mittelalterlichen Gesellschaften werden die Adligen zumindest in dieser Lage sein, und wenn die Gesellschaft eher um die Renaissance als um frühmittelalterliche Muster strukturiert ist, kann es auch eine Mittelschicht geben.

      Es gibt keinen Grund, warum gewöhnliche Magie, die relativ billig ist - entweder sind die arkanen Materialien leicht zu haben oder die Kräfte einer Hexe lassen sich simpel durch essen und schlafen wiederauffüllen - nicht die Technologie einer Welt sein sollte. Wenn es einen Magier gibt, der Kopien von Briefen, die er betrachtet, dazu bringen kann, auf einer anderen Seite zu erscheinen, gibt es keinen Grund, Zeit mit dem Kopieren von Manuskripten zu verschwenden oder eine Druckmaschine zu entwickeln. Natürlich könnte dieses besondere Talent selten sein und sich auf diejenigen beschränken, die es sich leisten können, was bedeuten würde, dass andere einen dringenden Grund haben, sich der Technologie zuzuwenden. Aber es gibt keinen besonderen Grund, warum dieses Talent einzigartig bleiben sollte, oder warum der Magier seine Fähigkeiten nicht an den Meistbietenden verkaufen sollte. Wenn ein Adliger ihn sich nicht leisten kann, warum nicht zu einem anderen übergehen?

      Sicherlich kann Magie in eurer Welt etwas seltenes, außerordentliches, sogar heiliges sein und das mit großem Erfolg (Martins Lied von Eis und Feuer hat in den ersten Büchern kaum Magie und doch kommen die Menschen in Westeros sehr gut ohne sie aus). Aber wenn Magie eben häufig und nicht selten ist, warum ihr dann diesen Sonderstatus einräumen? Abhängig von der Technologie staunen die meisten von uns nicht jedes Mal, wenn ein Fernseher eingeschaltet wird, und es gäbe keinen Grund für einen Bauern, jemanden anzugaffen, der Wasser bergauf fließen lassen kann, wenn er das jeden Tag sieht. Er würde viel eher versuchen, herauszufinden, ob das Konkurrenz für seine Mühle ist.

      4) Überdenken Sie die geschlechtergeteilte Magie.

      Das liegt nicht daran, dass es an sich notwendigerweise eine schlechte Idee ist, sondern weil mit ihr immer sehr wenig Neues gemacht wird. Frauen neigen dazu, heilende und defensive Magie zu bekommen, und Männer die gewalttätige Magie, auch wenn die Gesellschaft nicht in traditionelle Geschlechterrollen unterteilt ist. Manchmal wird dies damit erklärt, dass es mit Frauen zu tun hat, die Leben tragen und daher von Gewalt oder so etwas unbefleckt bleiben müssen.

      Die Leute, die dieses Argument vorbringen, haben offensichtlich noch nie eine Löwin, einen Mutterbären oder irgendein anderes weibliches Tier gesehen, das seine Jungtiere verteidigt. Gewalt scheint nichts mit der Fähigkeit zu tun zu haben, Jungtiere auszutragen, und alles, was mit der menschlichen Wahrnehmung zu tun hat, dass es für Frauen irgendwie weniger in Ordnung ist, gewalttätig zu sein.

      Wenn eure Welt geschlechtergeteilte Magie haben, ist es total in Ordnung, Frauen die Möglichkeit zu geben, Feuerbolzen herumzuschleudern, wenn Sie wollen. Es ist in Ordnung, den Männern Magie in Bezug auf das Backen von Brot und Nähen zu geben. Natürlich könnte dies eine völlig geschlechtsspezifische Gesellschaft erfordern, die leicht so langweilig sein könnte wie umgekehrt. So oder so, wenn geschlechtsspezifische Magie vorkommt, ist es besser wenn sie die Rollen in den Gesellschaften widerspiegelt, die diese Magie praktizieren. Warum sollte sich eine Frau, die kein großes Interesse an der Pflege der Kranken zeigt, auf heilende Magie beschränken? Warum sollte ein Mann, der ein Feigling im Kampf ist, Berge auf Menschen fallen lassen müssen? Es könnte interessant sein, diese Fragen aufzustellen und sie zu behandeln, anstatt einfach davon auszugehen, dass alle in diesen Gesellschaften gleich sein müssen.

      5) Wenn Magie in eurer Welt stirbt, gebt ihr einen verdammt guten Grund.

      In Tolkiens Welt gilt: die Elben sind dazu verdammt, vor den Menschen zu vergehen, und ihre "Magie" ist in erster Linie die Reflexion ihres langen Lebens, ihres Wissens und ihrer Fähigkeit, sich auf eine Weise mit der Welt um sie herum in Verbindung zu setzen, die die Menschen nicht verstehen. Wenn die Elben verschwinden, schwindet die Magie auch. Dennoch habe ich von einer Fantasywelt nach der anderen gelesen, in der sie hauptsächlich aus Gründen der Bequemlichkeit stirbt, nicht wegen eines inhärenten Grundes in der Welt selbst.

      Wenn der Plot das erfordert, versucht es zu rechtfertigen. Angenommen eine Geschichte handelt von einem Helden, dessen magischen Kräfte in seiner eigenen Zeit selten sind aber einst, als Magier die Welt regierten, oft vorkamen. Aber was ist der Grund dafür? Es sollte nicht nur da sein, um den Helden als besonders zu kennzeichnen. Ist er der Auserwählte eines Gottes, und warum hat der Gott jetzt die Magie in die Welt zurückgebracht? Braucht er diese Kräfte, um einem mächtigen Feind gegenüberzustehen, der ein Magier ist? Und so weiter.

      6) Schreibt nicht immer im Schatten eines größeren magischen Imperiums.

      Die meisten Fantasywelten haben eine Zeit, in der Magie häufiger und größer war als heute, und die Moderne stolpert herum und versucht, die Artefakte und Wege der Alten zu verstehen. Doch es wird nie (oder zumindest selten) erklärt, warum die Magie verblasst ist und warum alle anderen in den Generationen anscheinend so stumm waren, dass keines der Artefakte zuverlässig verwendet werden kann.

      Warum das? Warum nicht auf dem Höhepunkt des magischen Imperiums schreiben? Warum nicht einen Protagonisten schreiben, der es schafft, herauszufinden, was mit der antiken Welt passiert ist, oder es schafft, das damalige Wissen wiederherzustellen?

      So wie geschlechtergeteilte Magie oder sterbende Magie, kann diese Idee vom alten Imperium gut funktionieren, die Autoren aber machen sich selten die Mühe machen, das zu erklären. Es gab ein mächtiges magisches Imperium. Sie waren böse. Sie zerstörten sich selbst. Was hat sie so viel böser gemacht als der moderne Mensch? Was geschah mit ihrer Magie? Woher wissen wir, dass sie sich selbst zerstört haben? Auf die die Antwort zu sein scheint: Fragen Sie nicht.

      7) Es ist den Versuch wert, Magie eine metaphysische Basis zu geben.

      Das bedeutet nicht, dass Magie immer so sauber erklärt werden kann, wie Gesetze der Physik (kurzer Einwurf: von einer Akademie langlebiger Magier haben, die nichts als Forschung gewidmet sind, würde ich durchaus Forschung in diese Richtung erwarten). Aber eine Erklärung der Magie, wenn auch nicht immer ein Grund, ist oft schön, auch wenn sie falsch ist.

      Was ist der Unterschied zwischen einer Erklärung und einem Grund? Ich würde einen Grund, warum Magie in der Welt ist, beschreiben als "Die Welt würde ohne sie sterben" oder "Die Götter haben es gesagt." So ein Grund beantwortet das Warum. Eine Erklärung wäre: "Nun, Magie funktioniert so und kommt daraus, aber wir wissen nicht wirklich, warum es in der Welt ist. Warum gibt es Bäume auf der Welt? Warum haben Pferde die Form von Pferden und keine Tanzflecken der Energie? Warum haben sich die Götter dafür entschieden, uns Menschen und nicht Elfen zu erschaffen? Du sagst es mir."

      Eine Erklärung könnte tatsächlich besser als ein Grund funktionieren, denn wenn Magie ein natürlicher Teil der Welt ist, und vor allem, wenn sie üblich ist, warum sollte dann jeder daran klaffen und versuchen, sie mehr zu erklären, als sie versuchen, Bäume und Blumen zu erklären?
    • verspäteter Kommentar zum Sprachen-Rant


      OK ich muss mal meine Kommentare nachholen, denn die letzten Paar habe ich kommentarlos gepostet wegen Zeitknappheit.

      Sprachen:

      Seltsame Namen wie Vhowdi’tisch (habe ich gerade durch Zufall in die Tastatur getippt) sind meiner Meinung nach COOOOL. Glottalstopps und Apostrophe und all diese anderen Eigenheiten sind vollkommen in Ordnung. Das ist sogar sowas wie eine Fantasy-Tradition, sinnlose Buchstabenketten aneinanderzureihen, finde ich. Dabei vielleicht eine Regel zu verfolgen und immer dieselben Buchstaben zu verwenden (und ein paar Buchstaben absichtlich zu meiden) ist denke ich auch schlau, aber letztlich dienen die Namen dem Weltenflair und dieses Flair ist, was Namen angeht, teilweise mithilfe von Internet-Namensgeneratoren zu erreichen. Das ist heutzutage nicht besonders schwer, es sei denn, wir brauchen etwas ganz ganz spezielles.

      Und Limyaael klingt ja auch wie Buchstabensalat. Sie sollte sich definitiv in LImya umbenennen, damit da ein Großbuchstabe drin ist.

      Was die Sapir-Whorf-Hypothese angeht, hat die mit Orksprachen nichts zu tun. Die Sapir-Whorf-Hypothese ist aber sowieso linguistisch diskreditiert, weil sie zu schwammig ist, um sie zu überprüfen.

      Orksprachen hingegen machen nicht die Orks böse, sondern Orks sind böse und ihre Sprache ist davon irgendwie betroffen...und das kann auch subjektiv sein, es kann einfach sein, dass Gandalf und Galadriel sich am Klang des Orkischen stören: aufgrund schlechter Erfahrungen.

      Folgendes amüsiert mich:

      Tolkien wird nicht kritisiert, obwohl er genau das Gegenteil dessen tut, was „gute“ Autoren tun sollen.

      Aber dabei wäre es doch eigentlich ein leichtes gewesen, Tolkien hierfür zu kritisieren?! Ich meine Tolkien’s Herr der Ringe ist nicht in erster Linie wegen seiner Orksprache beliebt.

      Und der Rant gibt keinen Hinweis darauf, warum das bei Tolkien funktioniert, aber ansonsten pauschal abgelehnt werden soll.

      Es ist sicherlich denkbar, dass das einfach nur eine Vergötterung Tolkiens ist. Die Leute ignorieren gerne, dass Tolkiens Herr der Ringe deshalb ein Bestseller war, weil der Kleine Hobbit ein Kinderbuch-Klassiker geworden war. Und den Hobbit haben Leute gekauft, weil Tolkien auf Oxford kam und Oxford einen Ruf für wunderbare Kinderbuch-Autoren hatte (C.S. Lewis und Lewis Caroll). Nicht falsch verstehen, Tolkien ist ein fantastischer Autor... aber die Idee, dass der Herr der Ringe dieses perfekte Gotteswerk ist, das einfach eines Tages vom Himmel fiel und die Fantasy begründete, ist ein bisschen bizarr.

      Aber was mich reizt (im positiven Sinn), ist das Limyaael hier versehentlich ihre eigene Glaubhaftigkeit untergräbt. Ich will eigentlich nicht, dass sie aufhört Tolkien zu vergöttern, weil dadurch, dass Tolkien genau das Gegenteil von ihren Tipps tut und das sogar in ihren Augen gut ist, können wir uns von diesem Modell des guten Schreibens loslösen.

      Was aber die „Common Tongue“, die Hauptsprache angeht, hat Limyaael aus meiner Sicht den richtigen Riecher. Denn wenn Leute sich mit ihren Sprachen befassen wollen und wollen, dass ihr Publikum sich auch dafür interessiert, lohnt es sich auf jeden Fall, wenn die Sprache nicht einfach „da“ ist, sondern die Sprache bestimmter Leute ist und andere Leute eine Meinung zu dieser Sprache haben. In Dungeons&Dragons-Settings gibt es meistens Common und dann Orkisch, Elbisch usw. Ich jedenfalls finde das genau so nervig wie Limyaael, weil es eine Welt suggeriert, die so rassistisch ist, dass die Elben nur mit ihresgleichen sprechen und das alle Sprachen und Dialekte nach irgendeiner Spezies benannt sind, statt nach geographischen Regionen und Provinzen. Falls es überhaupt Dialekte gibt. Und natürlich finde ich es total ok, wenn die Dialekte für ein Mainstream-RPG einfach irdische Dialekte sind, damit die Spieleleiterin nicht irgendwelche historisch entstandenen Lautverschiebungen und Idiome erfinden muss, nur weil die Gruppe mal wieder ein neues Dorf erkundet und dort mehrere neue Mundarten gesprochen werden. Ich finde es auch total ok, dass in Mainstream-RPGs die Gesamtzahl der Sprachen viel kleiner ist als auf der Erde, weil die meisten Leute sich nie die Mühe machen werden, auch nur eine dieser Sprachen zu lernen.

      Aber nicht alles ist ein Fantasy-Pen&Paper-Spiel. Und nicht jede Welt ist für den Mainstream. Und selbst in Mainstream P&P will ich einen Kontext für die Sprache. Ich will imperiale Dokumente, wo die Vasallen ihre eigenen Namen so eintragen mussten, wie das Imperium es wollte. Und mich interessiert eine Sprache deutlich mehr, wenn mir der Name nicht sofort sagt „ah, das ist das gutturale Orkisch“ und ich mich stattdessen Fragen muss „was ist Vhowdi’tisch, wer / wieviele sprechen es? Wie wird es gesprochen? Ist das eine verarmte Provinz und die Sprache gilt als profan oder gilt sie als exotisch?“

      Und auch Limyaaels Punkt zu Sprachen, die langsam auseinander driften ist sinnvoll, finde ich. Ich will in Spielen und Büchern schon das Gefühl haben, dass in anderen Ländern anders gesprochen wird.

      Was die „konsistenten“ Namen angeht ist das ja auch Quatsch, das wurde bereits von Skelch gut gesagt!
      Und was Limyaael an Wortspielen auszusetzen hat, verstehe ich nicht.


      verspäteter Kommentar zum Nebencharakter-Rant
      ich habe im Moment keine Gedanken dazu (die nicht schon in anderen Kommentaren stehen) und will mich nur entschuldigen, dass diese Rants manchmal so schlecht übersetzt sind. Scheint niemand etwas gesagt zu haben, aber hm


      verspäteter Kommentar zum Religionen-Rant
      siehe mein Kommentar direkt unter dem Rant


      verspäteter Kommentar zum meistgehasste Ideen-Rant
      Hier sind meine Kommentare als Fussnoten im Text selber eingeflochten


      verspäteter Kommentar zum Tod und Waffen-Rant
      Diesen Kommentar schreibe ich am Sonntag, den 4. April und das heisst, dieser Kommentar ist auch eine Reaktion auf User-Kommentare, die weiter unten in diesem Thread stehen. Ist verwirrend, ich weiss. Bin eben spät dran mit den Antworten.
      Was Limyaael in diesem Rant gut getroffen hat sind Tipps für sehr finstere, gewalttätige Fantasy. Dort muss der Tod riechen, dort muss das Pferd sterben und dort ist den Fans dieses Genres oft wichtig, ob Pikeniere Pferde aufhalten oder nicht. Ob diese Tipps gut oder schlecht sind, solltet ihr besser selbst recherchieren und euch nicht auf Limyaael verlassen. Aber der Anstoss ist ganz nett.

      Die Erschöpfung der Pferde stellt eine Ausnahme in diesem Rant dar, weil das ein guter Hinweis für jede Art von Fantasy ist. Wenn eine Reise lang und beschwerlich ist, sollte das sich beim Pferd zeigen. Und wer Fantasy mit Pferde-Reisen schreibt tut gut daran, ein Mindestmass an Recherchen zu dem Thema zu demonstrieren (das gilt auch bei Schiffsreisen usw.). Das muss nicht 100% realistisch sein, aber es erleichtert das Lesen, wenn vermittelt wird "unsere Pferde mussten Rast machen". Es ist aber nur ein guter Rat, kein Zwang und keine Notwendigkeit.

      Ganz anders dagegen die stinkenden Leichen oder geworfenen Schwerter. Stinkende Leichen will nicht jeder lesen und solange niemand von fabelhaft riechenden Schlachtfeldern schwärmt, wird niemand fragen stellen. Geworfene Schwerter ärgern manche Schwert-Kennerinnen wie Limyaael, aber das muss nichts heissen. Ich kenne viele sehr beliebte Videospiele, in denen ich Schwerter werfen darf. Ich finde darin keinen Coolness-Faktor, aber es ist auch kein Problem. Wirfste halt das Schwert, Physik hin oder her.
      Wenn die Pferde nie Rast machen, ist das eigentlich auch kein Problem. Aber eine Reise ohne Strapazen quer durch den Kontinent ist eventuell langweilig. Ein geworfenes Schwert ohne die "Strapazen" der Gravitation ist halt irgendwas, was in dieser Geschichte passiert...nicht unbedingt spannend, aber kein grosser und seltsam unpassend wirkender Teil der Geschichte.


      Die Kommentare unten kommen noch, ich hab nur gerade Zeitknapptheit. :fluecht:


      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Gwen ()

    • Gwen schrieb:


      Hm, wenn wir Limyaael's Standards auf Geschichten anwenden ist das sicherlich wahr. Aber in der Praxis sind Geschichten keine Simulationen einer alternativen Realität. Daher ist es nicht notwendig, irgendjemandem in einem Roman Muskeln und Sehnen zu verpassen, nur damit die Figur anderen Leuten im Kampf eins überziehen kann. Eine Geschichte darf ruhig unplausible Machtphantasie sein oder sich auf ganz andere Dinge konzentrieren als die Muskel-Physik/Chemie/Biologie. :)
      Ich bin zwar total dabei, der Protagonistin auf der einsamen Insel das Recht einzuräumen, unsere Schönheitsideale hinter sich zu lassen... aber das wäre imho einfach passende, wirkungsvolle Charakterisierung (und etwas das ich sehen will und was mutig wäre), nicht etwas das in jeder Geschichte unbedingt zwanghaft sein "muss".
      Das sehe ich anders. Denn, wie du so wunderschön oben zu den Regel der Magie darlegst, muss die innere Logik erhalten bleiben. Wenn die designierten Helden mit körperlich offensichtlich überlegenen Gegnern jonglieren, dann ist die zentrale Frage weniger, warum sie das können, sondern vielmehr, warum genau *die* das können, während die drölfzigtausend anderen Bauernburschen/-mädels, ausgesetzten Königskinder etc. froh sein können, wenn sie mit dem Leben davonkommen oder in entsprechend dramatisch-tragischen Szenen abgemurkst werden, weil sie sich der Gefahr nicht erwehren können, obwohl sie sich - soweit es die Erzählung hergibt - durch nichts von den Protagonisten unterscheiden.
      Sonst müsste man sich analog ja auch nicht die Frage stellen, warum der Magier,der seine Zauberkraft aus Körperkraft bezieht, diese unbegrenzt anwenden kann, obwohl er körperlich geschwächt ist. Die Überlegenheit ist entweder - because of reasons - einfach da, oder eben nicht. Und wenn nicht, dann braucht es einen Hintergrund.

      Und wie ich ja schon schrieb, ist es gerade in Fantasy eine valide Erklärung, dass sie auserwählt, gesegnet oder mit entsprechendem magischen Equipment bedacht wurden, meinetwegen das Qi anzapfen oder in ihrer Ahnenreihe Drachen und ähnlich potentes Getier zu suchen ist. Die einzig nicht akzeptable Erklärung für die herausragenden Fähigkeiten von Protagonisten ist gar keine Erklärung. Zumindest ein paar Andeutungen sollte man also im Laufe der Geschichte einflechten, damit plausibel wird, warum Hänsel oder Gretel nicht nur die Zauberin austricksen und in den Ofen schubsen, sondern auch ihre explizit als ungemein stark beschriebenen und für physische Auseinandersetzungen vorgesehenen Handlanger vermöppeln können. ;)

      Gerade in bei beginnenden Autor*inn*en bemerke ich das oft. Sie sind erklärlicherweise davon beeindruckt, wie bei ihren literarischen Vorbildern selbst in einzelnen Kampfsituationen das vermeintlich schwache Gute über das vermeintlich starke Böse triumphiert, übersehen jedoch, wodurch das bei den Profis plausibel gemacht wird. Selbst die sehr abstrakt gehaltene "Reinheit des Herzens"aus dem traditionellen Märchen ist immer noch besser, als einfach vorauszusetzen, dass Informatiker-John und Next-Topmodel-Jane (oder vice versa) das einfach hinbekommen, weil es gerade so schön ist. Denn es impliziert immerhin, dass es eine höhere Macht gibt, der diese Reinheit wohlgefällt und daher Stärke und Schutz verleiht.
      La locura nunca tuvo maestro / Para los que vamos a bogar sin rumbo perpetuo.
      La muerte será un adorno / Que pondré al regalo de mi vida.
      (Heroes del Silencio: Avalancha)
    • Noch ein kleiner Nachtrag zur Sprache:
      Bei den Namen scheint sich Limyaael nicht grundsätzlich an unterschiedlichen Namenstypen in einem Setting zu stören, sonst hätte sie wohl auch etwas dagegen, wenn sich ein Jon und eine Daenerys die Geschichte teilen. ;)
      Es soll eben irgendwie begründet sein und Sinn ergeben, was ich durchaus auch wünschenswert finde. Für mich hängen es jetzt nicht davon ab, ob ich ein Setting mag, aber fehlende Mühe bei den Namen findet sich dann häufig auch anderswo wieder.
      Die Sache mit der bösen Sprache ist für mich dagegen etwas, was zu Tolkiens Weltenbau passt, in andere, moderne Settings aber eher nicht. Ob man eine Sprache als wohlklingend empfindet hängt doch sehr von der eigenen Prägung ab und bei mir haben die Sprachbeispiele aus dem Herrn der Ringe ihre Wirkung auch nicht so erzeugt. Interessanterweise hatte für mich die Elfensprache etwas Keltisch-Britisches, während die Ork-Sprache eher nach anderen Quellen klang, die Tolkien vielleicht als unschön, ich als Süddeutsch geprägte Sprecherin aber eher nicht.
      Überhaupt wird ja Deutsch (und Russisch) aus englischsprachiger Perspektive gerne ein böser Klang zugeschrieben und außereuropäische Sprachen entsprechen öfter nicht unseren Vorstellungen von Wohlklang, was den Sprechenden sicherlich völlig anders geht.

      Aber jetzt noch zu meinem Lieblingsthema, Magie.
      Beim ersten Teil stimme ich ihr grundsätzlich zu. Das sind alles ganz sinnvolle Tipps, die helfen zu vermeiden, dass sich Leser über nervige Entwicklungen ärgern müssen. Ehrlich gesagt fällt mir auf Anhieb aber kein Fantasybuch ein, wo die Guten die einzigen mit mächtiger Magie sind. Dass das nicht zur Spannung beiträgt, finde ich ziemlich offensichtlich.
      Die „Unschuldsklischees“ stören mich jetzt nicht grundsätzlich, wenn es gut gemacht ist. Das ist aber auch ein Element, das in letzter Zeit eher aus der Mode gekommen zu sein scheint.
      Den zweiten Teil sehe ich kritischer.
      Punkt 1: Ich finde durchaus, dass die Ästhetik dieser Dinge einen Wert an sich für die Geschichte haben kann, liegt aber vielleicht auch daran, dass ich ein großer Freund von Kristallen bin, wenn auch vielleicht anders als Limyaael sich das vorstellt. Magische Haustiere ohne besondere Plotbedeutung stören mich aber auch nicht und bei HP hatten sie die ja soger,
      Punkt 2 ist für mich okay und Punkt 3 stimme ich auch zu, Punkt 4 soweit auch. Wobei ich sowieso ein Fan von männlichen Heilern mit nichts ganz blütenreiner Weste bin. Ich verstehe sowieso nicht, warum die in der Fantasy so oft als gut, langweilig und hilflos dargestellt werden, dazu gibt es aber noch einen eigenen, ganz netten Rant.
      Ich selber habe ja teilweise auch geschlechtsspezifische Magieklischees, die aber eine Folge der Rollenklischees sind und keine objektiven Wahrheiten.
      Punkt 5 stimme ich auch soweit zu, wobei ich sterbende Magie sowieso nicht mag, aber bei 6 bin ich anderer Meinung. Natürlich muss man nicht immer ein untergegangenes magisches Imperium haben, aber ich finde, dass es eine sehr nützliche Idee sein kann, mit der man viel machen kann. Im Vergleich zum bestehenden magischen Imperium hat das den Vorteil, dass der Leser mit dem Prota zusammen Neues über die Magie lernen kann, was zumindest für mich immer zu den reizvollsten Elementen von Fantasygeschichten gehört.
    • Yerho schrieb:

      Das bedeutet, dass auch die Damenwelt sich ins Schlachtgetümmel stürzen kann, darf und soll. Allerdings sollten angehende Autor*inn*en den Körperbau der Reckinnen auch entsprechend anpassen.
      Kurz gesagt, wer Rollenbilder modifizieren will, muss das auch mit Schönheitsidealen tun.
      Ich störe mich am "muss" hier, denn beim Basteln gibt es grundsätzlich die Freiheit, sich um solche Dinge nicht zu kümmern. Wie Gwen auch schon meinte, begrüße ich coole muskulöse Frauen, ja bitte, und Schönheitsideale hinterfragen auch, da gibt es so viel zu dekonstruieren. Ich vermute aber, dass die Diskussion um realistische Muskeln, wenn es um männliche Krieger geht, gar nicht erst aufkommt. Die Forderung nach Realismus wird unverhältnismäßig oft gestellt, wenn es darum geht, Frauen stark zu machen, während sonstwo gewohnheitsmäßig Augen zugedrückt werden. Das ist, denke ich, gut, im Hinterkopf zu behalten. :)

      Yerho schrieb:

      Amazonen gerne, von Glamazons ist bitte zur Wahrung der Plausibilität abzusehen.
      Plausibilität ist nur ein möglicher Maßstab beim Basteln, und nicht allgemeingültig. Für viele ist die Rule of Cool wichtiger, oder eben sich persönlich auszudrücken, und das ist genauso legitim. :)
      Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable. / / / You're forcing your norms on everyone else: You are normal. I am a freak: I will make you freak out.

    • Yerho schrieb:

      Das sehe ich anders. Denn, wie du so wunderschön oben zu den Regel der Magie darlegst, muss die innere Logik erhalten bleiben. Wenn die designierten Helden mit körperlich offensichtlich überlegenen Gegnern jonglieren, dann ist die zentrale Frage weniger, warum sie das können, sondern vielmehr, warum genau *die* das können, während die drölfzigtausend anderen Bauernburschen/-mädels, ausgesetzten Königskinder etc. froh sein können, wenn sie mit dem Leben davonkommen oder in entsprechend dramatisch-tragischen Szenen abgemurkst werden, weil sie sich der Gefahr nicht erwehren können, obwohl sie sich - soweit es die Erzählung hergibt - durch nichts von den Protagonisten unterscheiden.
      Ah, das kommt darauf an, was du mit "offensichtlich überlegenen Gegnern" meinst. Wenn der Text suggeriert, dass die Gegner richtig stark sind und dann jonglieren die Helden mit ihnen und es wirkt so, als habe jemand vergessen, dass die Gegner als richtig stark beschrieben wurden, dann untergräbt das unser Vertrauen in den Autoren. Es wirkt, als sei das Erzählte inhaltlich vollkommen austauschbar und jede Erwartungshaltung an den Text sinnlos. Also bringt es nichts, auf irgendetwas zu hoffen.

      Du kannst Logik verwenden, um dieses Problem zu finden, aber das Problem ist in sich durch Logik nicht zufriedenstellend erklärt.
      Es ist doch absolut denkbar, dass eine Figur sich einen Namen macht, weil sie superstark ist, obwohl es keinen logischen Grund gibt, dem die Schuld gegeben wird. Dann unterscheiden sich die Dorfburschen und Mädels nicht offensichtlich vom Helden, ausser das der Held durch seine Taten bekannt wird und irgendwie besser ist als sie. Das braucht keinen Grund. :)



      Yerho schrieb:

      Sonst müsste man sich analog ja auch nicht die Frage stellen, warum der Magier,der seine Zauberkraft aus Körperkraft bezieht, diese unbegrenzt anwenden kann, obwohl er körperlich geschwächt ist.
      Ok. Wenn du Konflikt als Simulation bezeichnest, hast du Recht. Ein Magier hat eine bestimmte Zauberkraft und muss mit ihr haushalten und dieses hin und her ist ein simples Konfliktmodell, das lässt sich literarisch simulieren. Aber das ist keine Simulation einer alternativen Realität, sondern eine Simulation von Spannung (eine sTimulation von Spannung im Leser :pfeif: jaja, is ja gut, schlechtes Wortspiel, sorry :pfeif: ).
      Die Aspekte der Lore / des Weltenbaus sind in dieser Simulation nicht entscheidend / nicht notwendig, sondern sind nur der Anlass, um den Spannungshahn aufzudrehen oder die Spannung runterzuschrauben.
      Beim Weltenbasteln ist es schwer in Ordnung, Dinge simulieren zu wollen und sich z.B. mit Umlaufbahnen von Planeten zu beschäftigen. Das liegt daran, dass beim Weltenbasteln genau diese Aspekte der Welt Detail verleihen und ein Indikator für Aufwand und Arbeitsmühe sind. Beim Geschichtenschreiben ist das zwar auch eine gute Sache (Recherche-Aufwand und Themenverständnis ist idR beeindruckend) aber z.B. Lesefluss und oft auch dramatischer Aufbau sind entscheidender.



      Yerho schrieb:

      Die einzig nicht akzeptable Erklärung für die herausragenden Fähigkeiten von Protagonisten ist gar keine Erklärung. Zumindest ein paar Andeutungen sollte man also im Laufe der Geschichte einflechten, damit plausibel wird, warum Hänsel oder Gretel nicht nur die Zauberin austricksen und in den Ofen schubsen, sondern auch ihre explizit als ungemein stark beschriebenen und für physische Auseinandersetzungen vorgesehenen Handlanger vermöppeln können.
      Wie gesagt, wenn die Charakterisierung der Gegner ein Hindernis suggeriert und die Helden das Hindernis einfach ignorieren, dann ist das ein schlecht geschriebener Konflikt, weil unsere Aufmerksamkeit auf ein aus der realen Welt entlehntes Element gelenkt wird (die Kraft der Handlanger) und dieses Element dargestellt wird, als sei es wichtig (es muss Impakt haben, eine Schwierigkeit darstellen) und wenn dann die Auseinandersetzung komplett unproblematisch läuft kann es zwar kontextuell gerechtfertigt sein (vielleicht lesen wir eine Parodie? vielleicht dient die Leichtigkeit, mit der die Handlanger verdroschen werden irgendeiner Lektion, die die Geschichte vermittelt?) aber wenn am Ende gar nichts kommt, haben wir den Eindruck, dass unser Interesse missbraucht wurde, weil ein interessanter Konflikt "versprochen" wurde und wir dann nie diesen Konflikt zu sehen bekommen haben. "Ich schwöre, das sind harte Gegner" wirkt nicht besonders einleuchtend, wenn die Gegner sofort platt am Boden liegen.

      Aber wie gesagt, das ist etwas, das auf einer Gefühlsebene im Leser passiert. Dir wurde versprochen, dass es hier hart auf hart kommt, dass Gretel und Hänsel mächtig aus der Puste kommen weil die Schurken Superkräfte haben. Und dann wurden die Schurken zur Seite geschubst und die Gefahr hat sich als Nicht-Gefahr entpuppt.

      Das liegt nicht an der mangelnden Erklärung. Der Autor kann dir das haarklein und superlogisch erkären. Wärst du denn zufriedener, wenn im Text auf einmal unvermittelt der Satz steht "und an diesem Tag waren magische Kreaturen schwach, also verloren die Diener der Hexe sofort den Kampf gegen die Kinder". Hm, ich glaube wenn das alles wäre, was da steht, wär das ein bisschen antiklimaktisch. Der Autor macht die Niederlage absolut plausibel, aber er macht es den Kindern nicht schwer genug. Das ist kein verdienter Sieg.
    • Jundurg schrieb:


      Ich störe mich am "muss" hier, denn beim Basteln gibt es grundsätzlich die Freiheit, sich um solche Dinge nicht zu kümmern.
      Du hast recht, das war unglücklich ausgedrückt. Was ich eigentlich meinte: Wenn man das Fass aufmacht, dass [in der fiktionalen Welt] Kampftauglichkeit (und ggf. auch Zauberei) mit der Physis der Charaktere zusammenhängen/skalieren, sollte man auch den Becher drunterhalten, so lange was rausläuft.

      Klar, man kann dann immer noch den bösen Antagonisten als Hünen beschreiben, der aufgrund seiner Stärke bis dato unbesiegbar geblieben ist, bis ihm ein halbverhungerter Bauernbursche - um mal kurz wieder von Rollenmodellen wegzukommen, es darf aber auch ein Bauernmädel sein - im Vorbeigehen den Hals umdreht. Das Topos ist nun wirklich nicht neu; David gegen Goliath erzählt man sich ja beispielsweise nicht erst seit gestern. Aber David hatte Gott und eine Steinschleuder auf seiner Seite, und Goliath war überheblich und ahnungslos. Die Geschichte wäre auch ohne diese Details erzähbar, aber sie wird mit diesen Details doch deutlich besser. :)

      Gwen schrieb:

      Du kannst Logik verwenden, um dieses Problem zu finden, aber das Problem ist in sich durch Logik nicht zufriedenstellend erklärt.Es ist doch absolut denkbar, dass eine Figur sich einen Namen macht, weil sie superstark ist, obwohl es keinen logischen Grund gibt, dem die Schuld gegeben wird. Dann unterscheiden sich die Dorfburschen und Mädels nicht offensichtlich vom Helden, ausser das der Held durch seine Taten bekannt wird und irgendwie besser ist als sie. Das braucht keinen Grund. :)
      Nur weil ich wie ein sprechender Waschbär aussehe, weiß ich doch nix von Logik. Kann man die essen? :lol:

      Spaß beiseite, selbstverständlich gibt auch noch den allseits akzeptierten Zufall. Beispielsweise erklimmen zwei gleichermaßen erfahrene Bergsteiger einen Gipfel, aber nur einer kommt lebend zurück. Alles schon vorgekommen, daher wird es akzeptiert. Und zwar genau so lange, wie man es berichtet; die Leerstelle ist dann Bestandteil, man darf spekulieren und niemand ist böse, wenn Details nie ans Licht kommen. Sowohl in der Geschichte als auch unter deren Lesern kann sich jeder die eigene Geschichte spinnen.

      Wenn man jedoch den Weg der beiden Bergsteiger detailliert vor den Lesern ausbreitet und einer ist zwischen Frühstück und Pinkelpause plötzlich weg und wird nie wieder erwähnt, dann wird der gemeine Leser stutzig und blättert zurück, ob er was überlesen hat oder ob Seiten fehlen.
      La locura nunca tuvo maestro / Para los que vamos a bogar sin rumbo perpetuo.
      La muerte será un adorno / Que pondré al regalo de mi vida.
      (Heroes del Silencio: Avalancha)