Limyaael's Fantasy Rants übersetzt

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    • Elfen


      Ein paar weitere Zeilen aus "Tristram von Lyonesse", etwas passend zur heutigen Diskussion.

      Sie suchte und zog den goldenen Becher hervor und lächelte
      Staunte, mit einem so leichten Wunder wie ein Kind
      Das hört von frohem traurigem Leben in magischen Ländern;
      Und trägt es zurück zu Tristram mit reinen Händen
      Haltend die Liebesdürre, die für Flammen sorgen sollte
      Um aus ihnen zu brennen Furcht und Glauben und Scham,
      Und vor den Augen aller ihnen das Leben erleichtern,
      Und sie traurig machen für immer.

      Elfen sind einige der Fantasy-Kreaturen, die am meisten leiden, wenn Autoren ihre Fantasywelten erschaffen. In den meisten Fällen greifen die Autoren nicht auf eine der Varianten aus alten Legenden zurück, sondern auf eine bestimmte Quelle: "Tolkien" und dann auch nur eine blasse Version von Tolkien.

      1. Elfen scheinen immer zart und zerbrechlich schön zu sein.

      Das mag eher aus Vorstellungen von Feen und Fantasybildern hervorgehen als von Tolkiens Elben, da diese stärker waren als das Menschengeschlecht und durchaus in der Lage, schwere Waffen zu schwingen, aber es ist trotzdem alltäglich. Ich weiß nicht warum. Es scheint keinen besonderen Grund zu geben, warum Elfen nicht in der Lage sein sollten, einen Kriegshammer zu heben oder jemand anderen herumzuwerfen, es sei denn, der Grund hat mit Feen-Schmächtigkeit oder RPGs zu tun, wo Elfen schwächer sind als Menschen, so dass Menschen eine faire Chance haben. Aber diese Trope bahnt sich ihren Weg in die Fantasy, die nicht auf Rollenspielen basiert und auch nicht Heimat irgendwelcher Feen ist.

      Wenn du zarte Elfen hast, überlege dir, warum sie so sind. Hat es eine Grundlage in den Wurzeln deiner Welt oder war es nur etwas, das du angenommen hast "denn so sind Elfen?" Wenn Letzteres, dann erkenne, dass es eine Menge von Elfen da draußen gibt, die genau gleich aussehen. Welchem Zweck dient diese Trope? Es macht nicht einmal viel Sinn, wenn du willst, dass deine Elfen Bogenschützen statt Schwertkämpfer sind, da eine Menge Kraft in den Oberarmen und im Körper erforderlich sind, um einen Langbogen zu ziehen.

      2. Elfen haben immer spitze Ohren.

      Dies scheint das wichtigste Elfensignal zu sein. Manchmal scheint es das Einzige zu sein, was Elfen erkennbar zu Elfen macht, weil sie sonst genauso handeln wie Menschen.

      Warum?

      Wenn du deine Elfen unsterblich machst oder ein längeres Leben als Menschen verpasst, wird das sie an sich beeinflussen, wahrscheinlich viel tiefer, als wenn du spitze Ohren hast. Aber das ist das erste, was alle Menschen in der Geschichte die meiste Zeit bemerken, das Hauptsignal wenn Halbelfen entdeckt werden oder sich zu erkennen geben, und etwas fest in der Konzeption von Elfen verankert ist, ohne guten Grund. Frage dich doch, was die spitzen Ohren deiner Elfen dort tun? Sind sie eine evolutionäre Anpassung, und warum? Wenn deine Elfen von anderen Arten von Fey oder Feen abstammen, hatten diese auch spitze Ohren, und warum? Wenn deine Menschen und Elfen gemeinsame Vorfahren haben und die Ohrenform ist eine Abweichung, warum?

      Diese besondere Trope finde ich weniger beunruhigend als die Vorstellung von Empfindlichkeit und Fragilität, aber sie funktioniert immer noch wie eine Hinweis-Karte in vielen Fantasy-Werken: "Gut, sie haben spitze Ohren, sie sind Elfen, und das ist es, was du von ihnen erwarten sollst!" Es ersetzt die Charakterentwicklung, genauso wie jemandem rote Augen und ein schwaches Kinn zu geben, um sie als böse darzustellen.

      3. Elfen sind überwiegend blasshäutig, auch ohne Grund.

      Die einzigen wirklichen Ausnahmen, die mir ohne viel Grübelei einfallen, sind die dunkelhäutigen Drow der Vergessenen Reiche, und sie werden als meist böse dargestellt (rote Augen und so weiter). Das hat wahrscheinlich viel mit Tolkien zu tun; Mittelerde hat offensichtlich nicht viel Vermischung zwischen den Rassen. Dennoch gibt es keinen Grund für Elfen in allen Fantasy-Büchern, "so blass wie Alabaster" zu sein, oder nach welchen Gleichnissen auch immer es den Autor giert. Wenn sie in der Natur mehr zu Hause sind als Menschen, wie fast alle Elfen dargestellt werden, dann schließt das vielleicht auch die Anpassung an ihre Umgebung ein. Warum nicht Elfen, die in Wüsten mit sandfarbenem Fell bedeckte Haut entwickelt haben oder Elfen, die wie die Bäume in Wäldern gefärbt sind, oder wie große Katzen, wenn sie überwiegend Jäger sind? Es ist schwer zu erkennen, in welchen Umgebungen Alabaster-Haut ein großer Vorteil wäre, außer im hohen Norden, und blasshäutige Elfen werden oft als zu zerbrechlich gezeigt, um dort zu überleben.

      Wenn eure Elfen so von den Göttern erschaffen wurden und nie eine Zeit durchmachen mussten, in der sie nicht in Städten lebten und alle Vorteile der Zivilisation hatten, warum dann? Wollten die Götter der Elfen nicht, dass sie eine evolutionäre Anpassung durchlaufen? Und warum werden Menschen dann in der Regel so dargestellt, als müssten sie durch Etappen klettern, in denen sie in Höhlen oder in einfacheren Häusern lebten, als sie es jetzt haben? Warum sind die Götter des Menschen und der Elfen offenbar unterschiedliche Wege beschritten? Alles interessante Fragen zum Nachdenken und Beantworten.

      4. Elfen werden oft mit der Natur in Verbindung gebracht - aber nur einigen Aspekte der Natur.

      Typische Elfen leben in Wäldern und auch in tja, in Wäldern, wie bereits gesagt. Manchmal haben sie große Städte, aber sie scheinen fast nie Bauern zu sein. (Aber sie essen irgendwie trotzdem gut, und nicht nur die Produkte der Wälder). Es gibt auch manchmal Seeelfen, obwohl Oberflächenbewohner nicht wirklich sehen, wie deren Häuser aussehen. Elfen werden in der Regel auch dargestellt als hätten sie ein stärkeres Bewusstsein für Tiere und Bäume als die Menschen und Technologie ist ihnen ein Horror. Das ist natürlich sehr schön in einer Art New Age, aber es wird nach einer Weile langweilig. Metall ist nicht unnatürlich. Ebenso wenig Feuer oder Eis und Schnee, Tundra und Taiga oder dicke Dschungel. Wo sind die Elfen, die in solchen Gebieten leben? Sie hätten sich wahrscheinlich auf mindestens einer Fantasywelt entwickelt. Aber es scheint die meiste Zeit kein Indiz für deren Existenz zu geben.

      Es könnte einen Grund dafür geben, Elfen nicht mit Metall zu assoziieren, wegen der alten Legende, dass Eisen ihnen schadet. Die meisten Fantasy-Bücher scheinen jedoch nicht auf diese Legende zurückzugreifen. Sie greifen nur auf das Klischee von Elfen als fröhlich tanzende singende Waldkreaturen zurück und sagen nichts über eine tatsächliche Verletzlichkeit oder Allergie gegen Eisen.

      Wenn du Elfen in Wäldern hast, denk versuchsweise darüber nach, warum sie da sind. Menschen leben in den meisten Fantasywelten an verschiedenen Orten. Wenn Elfen längere Leben haben und zu großen Leistungen fähig sind, werden sie dann wirklich zu dumm sein, um Wege zu finden, an Orten zu leben, die Menschen ohne weiteres besiedeln können?

      5. Elfen werden von ihrem längeren Leben betroffen sein.

      Dies ist ein weiterer Grund, sie zu Menschen zu machen, die bloss mit Spitzohren geschmückt sind. Sie sind wahrscheinlich erfahrener als Menschen im Umgang mit Feinden und werden nicht in die Falle der Wiederholung der Geschichte geraten, weil sie Zeitzeugen werden. Sie reagieren möglicherweise nicht so gut auf plötzliche Krisen.

      Das ist jedoch kein Grund, den Menschen jedes Mal als ultimativen Retter der Welt darzustellen. Angeblich wollen Elfen in der Fantasy so tun, als habe sich nichts geändert, und so werden sie von der Weltgeschichte zurückgelassen. Aber das macht keinen Sinn, wenn sie Jahrhunderte durchlebt haben und Zeit hatten zu sehen, wie sich die Welt verändert hat. Tolkiens Elfen versuchen sicherlich, die Zeit mit ihren Elfenringen zu behindern und trauern um das Vergehen der sterblichen Welt, aber das ist zumindest teilweise, weil sie wissen, dass sie dazu verdammt sind, mit dieser Welt zu verblassen oder in ein unsterbliches Land zurückzukehren. Die meisten Elfen in der Fantasy stehen gar nicht vor so einer Wahl.

      Wenn deine Elfen so sind, beantworte dir (und deinen Lesern) eine Frage: Wie haben sie jemals eine große Zivilisation aufgebaut oder sie überhaupt verteidigt?

      6. Elfengesellschaften müssen keine Monarchien sein.

      Die meisten von ihnen sind jedoch genau das, und der König oder die Königin sind in der Regel menschenfeindlich, oder sie leben zurückgezogen von der Welt und sind am verblassen. Gewiss hätten die langlebigen Elfen im Laufe der Zeit die Probleme von Monarchien erkannt und einen Weg gefunden, sie zu vermeiden. Einen minderbemittelten oder verächtlichen Monarchen auf dem Thron zu haben scheint mir ein ausreichend großes Problem zu sein.

      Wahrscheinlich ist kein Regierungssystem perfekt, und es könnte einen legitimen Grund für Elfen geben, Monarchien zu haben, vielleicht weil das historisch so gewachsen ist. Aber oft scheinen sie alle Nachteile eines langen Lebens in ihren Zivilisationen zu haben - umständliche Traditionen und unwillige Veränderungswillen - ohne die Vorteile - vergangene Erfahrungen und die Einsicht, die aus dem eigentlichen Leben durch die Geschichte entsteht, während andere Spezies zu schnell sterben, um die langfristigen Folgen ihrer Entscheidungen zu sehen. Versuche beides zu zeigen, nicht nur die langsam abnehmenden und sterbenden Gesellschaften, die die Norm zu sein scheinen, während Elfen herumstehen und ihre Hände ringen und nicht wirklich wissen, was sie tun sollen.

      7. Elfengesellschaften müssen auch nicht der Inbegriff von Empfindlichkeit sein.

      Wenn sie in Städten leben, scheinen Elfen dazu neigen, in Minarette und zarten Türmen und Kuppeln zu leben, oder Baumdörfer, die durch Holzstege miteinander verbunden sind. Doch egal, wo sie leben, sie sind nie schmutzig, sie produzieren keinen Müll, und es scheint keine Elfennachttöpfe oder elfische ungewaschene Leinen zu geben.

      Das ist nicht realistischer als eine menschliche Gesellschaft, die auf die gleiche Weise funktioniert. Der Unterschied ist, dass Autoren, die menschliche Gesellschaften in der Fantasy schreiben, manchmal in Richtung Realismus blicken und einen Nachttopf oder Müll auf den Straßen mal erwähnen. Elfengesellschaften werden jedoch immer noch in antiseptische Visionen verwandelt, und das alles ohne den Nutzen von Antiseptika.

      Es könnte Spaß machen, zu versuchen, Erklärungen dafür zu erfinden. Haben die Elfen ein fließendes Wassersystem? Ist jedes Stück Müll, das sie produzieren, nicht vom Material ihrer Gebäude zu unterscheiden? Haben sie unsichtbare Diener, die die Wäsche waschen und die Nachttöpfe leeren, oder sind sie vielleicht zu verstopft, um Nachttöpfe zu brauchen? (Dies scheint ein häufiges Problem der Fantasyelfen zu sein). Es gibt Antworten, die zum Bild einer gut entwickelten Gesellschaft passen könnten, wenn auch vielleicht nicht zum Bild einer völlig natürlichen. Versuche sie zu finden.

      8. Schwing dich nicht ins entgegengesetzte Extrem, um aus Elfen die Retter zu machen.

      Das ist etwas seltener, als die Menschen zu Rettern zu machen, weil sie nicht verblassen, aber kommt es vor. Elfen sind so weise und besonders und wunderbar OhmeinGott, dass die anderen Rassen als ihre Kinder dargestellt werden. Diese Elfen sind Gurus, Weisen und Älteste und selbstgefällige Lehrer, die alle schlimmsten Stereotype von wissenden Hohenpriestern oder Mönchen passen. Die anderen Rassen haben praktisch nur Ehrfurcht vor ihnen und schwanken bei ihrem Anblick.

      Hör damit auf.

      Diese Elfen sind genauso nervtötend -oder mehr noch- als die schüchternen Vegetarier, die in ihren Wäldern kauern und sich die Hände ringen. Einige Leute würden zumindest wahrscheinlich Neid und Groll auf sie empfinden, oder durch ihre Lehre gelangweilt fühlen und weggehen oder zumindest einige der Lehren auf eigene Faust entdecken (besonders, wenn du andere langlebige Rassen wie Drachen oder Zwerge in deiner Welt hast). Doch das scheint nie zu geschehen. Einer der Gründe, warum ich es unmöglich finde, die Mithgar-Bücher von Dennis McKiernan zu lesen, ist, dass seine Mithgar-Elfen so sind. Ich habe Lust, sie zu erwürgen.

      Es muss wenigstens einige Elfen geben, die sich irren, die dumm sind oder die unterrichten können, ohne sich selbstgefällig zu verhalten. Perfekte Elfen sind spaßiger als die ineffektiveren Varianten.

      Es ist erstaunlich, wie wenige Menschen versuchen, Elfen zurück zu den ursprünglichen Legenden zu bringen, oder mit ihren eigenen Wendungen kommen, oder einfach etwas anderes tun, als zu imitieren.
    • Ich muss sagen, dass ich den von @Jundurg verlinkten Kommentar zur Mittelalterthematik sehr spannend fand. Ich habe mich auch schon öfter gefragt, warum so vielen Leuten Schmutz und Sexismus für "realistische" Darstellungen des europäischen Mittelalters so wichtig sind, während niemand fordert, dass es ein sorgfältig bebasteltes Äquivalent zur Katholischen Kirche geben muss, die das Mittelalter eben grundlegend mitgeprägt hat.
      Während es früher einmal die Annahme gab, dass Religion zwingend erforderlich ist, um Moral in eine Gesellschaft zu bringen, herrscht heute gerade bei den "aufgeklärten" Religionsskeptikern eher die gegenteilige Meinung vor, dass Religion die Wurzel allen Übels auf der Welt ist besonders die Katholische Kirche ist ausgesprochen unbeliebt und wird gerne auf Pseudomoral predigende, geld- und machtgierige Pädophile reduziert. Dass die Kirche und der Glaube wie in dem Beitrag beschrieben im Mittelalter tatsächlich einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet haben, dass moralische Prinzipien respektiert wurden, fällt dabei gerne an den Tisch.

      Dazu kommt diese Überzeugung, dass es seit dem Mittelalter mit Renaissance, Reformation und Aufklärung einen stetigen, moralischen Aufwärtstrend in der Gesellschaft hin zu mehr Freiheit, Demokratie und Gleichberechtigung gab. Richtig ist zwar, dass in diesen Perioden philosophische Grundlagen für unsere heutigen Moralvorstellungen gelegt wurden, aber der Weg dorthin war keineswegs so leicht und immer nach vorne gerichtet. Eher im Gegenteil, mit dem Wegbrechen der alten Glaubensgewissheiten kam es zu einem massiven Mehr an Gewalt, was sich dann beispielsweise im Dreißigjährigen Krieg entladen hat. Auch die immer so gerne dem Mittelalter zugesprochenen Hexenverfolgungen haben eigentlich später stattgefunden und im Mittelalter wurde die Existenz von Hexen noch als Aberglaube abgetan. Die Entwicklung von Konzepten wie Menschenrechten, Autonomie und Freiheit ging zunächst einmal damit einher, dass man sie manchen Menschengruppen ganz selbstverständlich vorenthalten wollte.
      Und wie in dem Beitrag auch angeklungen ist: Gerade das 19.Jahrhundert, das eigentlich schon so nah an unserer Gegenwart ist und in vieler Hinsicht schon so ähnlich, war eine Periode, wo der Sexismus besonders stark war. Auch im Wissenschaftsbereich wurden Frauen gerade durch die zunehmende Institutionalisierungen Zugangswege über private Ausbildung genommen, die es früher zumindest für die Oberschicht durchaus noch gab. Viele der konservativen Vorstellungen und Ideale von Geschlechterrollen und Familie haben sich in dieser Zeit erst so entwickelt, wie wir sie heute kennen, weil die Sphären von Erwerbstätigkeit und Haus erst da so klar getrennt wurden. Auf dem Bauernhof oder im handwerklichen Familienbetrieb war klar, dass die Frau auch mitarbeitet und das hatte erstmal nichts mit Gleichberechtigung zu tun.
      Und auch der Rassismus hat in dieser Phase bekanntlich einmal eine Blütezeit erlebt.

      Zu den Elfen habe ich nicht wirklich was zu sagen, weil ich die eigentlich nie bastle...
    • Zwerge

      Ich denke, Zwerge haben andere Probleme als Elfen. Sie haben Eigenschaften, mit denen sie einzigartig und interessant werden könnten, aber sie dürfen sie nur selten zur Schau stellen. Ich gebe die Schuld den Leuten, die in die Idee von Elfen verliebt sind.

      1. Wenn Zwerge Technologie haben, gib ihnen eine Chance sie zu nutzen.

      Die einzigen Dinge, die Zwerge jemals zu machen scheinen, sind Waffen, Rüstungen und manchmal Dekorationen, die in den Häusern anderer Rassen auftauchen. Es wird verschiedentlich gemunkelt, dass sie Ingenieure, Pioniere und erfahrene Technologienutzer sind, aber wo sind diese Erfindungen? Fantasy-Autoren scheinen sich zu scheuen, sie zu zeigen.

      Dies ist voll und ganz die Schuld der Elfen-Liebe.

      Ich denke, aus dem selben Impuls beschreiben so viele Autoren ihre Elfen als glückliche, naturverehrende Ludditen. Das eskapistische Element der Fantasy beinhaltet oft einen Horror der modernen Welt und postapokalyptische Geschichten, Science Fiction und Fantasy finden die Schuld bei der Maschine. Was ja schön und gut wäre, aber wenn Zwerge bei dir Technologie verwenden, um ihren Mangel an Magie zu kompensieren, dann zeige sie doch mit ihren Erfindungen, gerade weil das Nicht-Zwergen nicht leicht zugänglich ist. Ich denke, die Höhe der Zwergerfindungen, die ich in der Fantasy gesehen habe, war eine Art Aufzug, und aber nicht selten gibt es generell Aufzüge (ohne das der Aufzug zwergisch wäre). Warum nicht die Zwerge eine Rolltreppe erfinden lassen?

      2. Und was ist falsch daran, dass Zwerge Magie haben?

      Vielleicht möchtest du wirklich nicht über Technologie schreiben oder hast nicht genug Informationen, um akkurat darüber zu schreiben. Also gut. Was ist also mit Zwergen, die Magie haben? Es scheint in vielen Fantasy-Werken geradezu "unnatürlich" zu sein, aber dann neigen diese Werke auch dazu, sich auf die üblichen Verdächtigen wie Zauberstäbe und murmelnde Beschwörungen zu verlassen, von denen sie sagen, dass Zwerge nicht genug Zeit haben, um sie zu erlernen.

      Was ist mit Magie durch Felsen, Metalle oder Edelsteine? Erdmagie könnte unglaublich stark sein, wenn man darüber nachdenkt. Stell dir einen Zwergmagier vor, der die Kraft hat, ein Erdbeben zu verursachen, wenn er irritiert ist, oder eine Kluft in der Erde zu reparieren, wenn er sich wohlwollend fühlte. Vielleicht könnten Zwerg mit Wünschelrute nach Metallen und Edelsteinen statt nach Wasser suchen. Sie würden wahrscheinlich unglaublich reich dabei werden. Andere mögliche Formen der Magie sind Schlammlawinen, die Schaffung von Tunneln als Fluchtwege (etwas, das viele Adlige und Royals in der Fantasy ständig brauchen), vulkanische Ausbrüche verursachen oder sie daran hindern, Bäume schnell zu fällen, indem sie Umwälzungen in der Nähe ihrer Wurzeln verursachen und so weiter. Es scheint, als ob Zwergmagier entweder sehr hilfreich sein oder eine Menge Chaos verursachen könnten, aber sie sind dazu verdammt, in ihren Höhlen zu sitzen und erst herauszukommen, wenn die Autoren wollen, dass sie barsch werden oder so etwas.

      Und das ist noch eine Sache:

      3. Wo sind all die Zwerge mit mehr als einer Persönlichkeitsfacette?

      Alle Zwerge sind grimmig (mit Ausnahme von Peter Jacksons Gimli, der einfach nur seltsam ist). Barsch und freundlich oder grimmig und griesgrämig, aber stets grimmig. Ich denke der einzige Autor, der seinen Zwergen Variationen gibt, während er die Grimmigkeit glaubhaft beibehält ist Guy Gavriel Kay in seinen Fionavar-Büchern. Tolkien hat ein wenig mehr Abwechslung im kleinen Hobbit, aber da Gimli mit der einzige Zwerg ist, den wir in HdR selbst sehen, denke ich, dass die Leute dazu neigen, ihn als Prototyp für all ihre Zwerge auszuwählen.

      Dasselbe gilt für Zwerge wie bei Elfen. So wie es irgendwo dumme Elfen geben muss (auch wenn die höflicheren sie eingesperrt halten, wenn Gäste vorbeikommen), muss es irgendwo offene Zwerge, feige Zwerge, weinerliche Zwerge und Zwerge mit einem frechen Sinn für Humor geben. Ich denke, es könnte einen großen Unterschied machen und Lesern und Autoren helfen, wenn wir uns von Zwergen als Klischeegerüst entfernen, um diese Vielfalt einzuführen.

      4. Wo wir dabei sind, was ist mit weiblichen Zwergen?

      Ich habe sehr wenige davon in Fantasy-Büchern gesehen, aber meistens für Comedy verwendet. Fantasy-Autoren scheinen Tolkiens Beispiel dabei sklavisch zu folgen; er gab an, dass weibliche Zwerge sehr selten waren und nicht oft das Haus verlassen. (Das war die Hauptursache für das Verschwinden der Zwergenrasse, da sie nicht genug Kinder hatten, um ihre Zahlen hoch zu halten). Wenn weibliche Zwerge genau wie die Männer aussehen, könnten sie wahrscheinlich ihre Heimat verlassen und ohne Erkennung oder Schaden kämpfen oder auf die gleiche Weise Abenteuer unternehmen. Und wenn sie nicht genau wie die Männer aussehen – wie es Frauen anderer Fantasy-Rassen tendenziell nicht tun –, dann könnte es noch interessanter sein.

      Terry Pratchett benutzt die Zwerge auf der Scheibenwelt, um darauf hinzuweisen, dass die Balz sehr heikel ist; sie müssen genau herausfinden, welches Geschlecht der andere Zwerg unter all den Kettenhemden hat. Die Zwergengesellschaft wird auch von Skandalen erschüttert, wenn weibliche Zwerge beschließen, Lippenstift zu tragen und keinen Med zu trinken. Es ist sehr witzig, aber es provoziert auch ein Zusammenzucken, wenn man wieder zu typischen Fantasy-Büchern übergeht und merkt, wie oft und wie extrem Pratchett mit dieser Persiflage ins Schwarze trifft.

      5. Für einen Zwerg wäre Kurzsein normal.

      Mehr noch als Vergleiche zwischen kurzlebigen, schnell denkenden Menschen und langlebigen, langsam denkenden Elfen zeigen die Vergleiche zwischen Menschen und Zwergen den anthrozentrischen Blickwinkel, den viele Fantasy-Werke einnehmen (auch wenn sie angeblich von Nicht-Menschen erzählt werden). Die meisten Fantasy-Menschen können nicht darüber hinwegkommen, wie kurz Zwerge sind. Es ist angeblich niedlich in irgendeiner Weise- oder zumindest seltsam- und Menschen scheinen nie darüber nachzudenken, wie sie aus der Sicht der Zwerge aussehen.

      In einer Welt, in der Mitglieder verschiedener Rassen seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten Seite an Seite leben, ist es wahrscheinlich, dass sie anfangen würden, Dinge aneinander zu bemerken, die nicht bloss mit Körpergröße zu tun haben. Selbst wenn es eine Welt ist, wo Menschen nicht oft Elfen oder Zwerge sehen, dann ist die Fremdheit verständlicher, aber du kannst trotzdem versuchen, dich auf etwas anderes jenseits der Körpergröße der Zwerge zu konzentrieren.

      6. Die Unterscheidung von Zwergen nach Kultur ist eine gute Möglichkeit, sie auf andere Weise zu differenzieren.

      So wie Elfen die meiste Zeit herumzusitzen scheinen, um sich die Hände zu ringen oder melancholische Lieder zu singen, scheinen Zwerge Rüstung und Waffen zu schmieden und zu kämpfen [hier bitte den bösen Feind der Woche einzufügen]. Aber es gibt sicherlich andere Teile ihres Lebens. Wenn du eine Geschichte mit einem Zwergencharakter schreibst, warum nicht Musik, Kunst, das Kochen, Waffentraining (etwas, das auch nicht oft auftaucht), Unterricht der Kinder, Verhandlungen oder Liebesangelegenheiten? Manchmal scheint es, als ob Menschen die einzige Rasse in der Fantasy sind, die sowas haben.

      Der gemeinsame Einspruch gegen diese Idee ist, dass das Zeigen von Zwergen oder Elfen oder einer anderen Fantasy-Rasse sie zu nahbar und menschlich machen würde. Doch wenn man bedenkt, wie oft Zwerge Stereotype sind oder einfach kurze Menschen mit Bärten, denke ich, dass es Platz dafür gibt, diesen Effekt der Unnahbarkeit dadurch zu erzielen, dass die Zwergenkultur so seltsam wie möglich rüberkommt.

      7. Zwerge hätten auch eigene Schönheitsstandards.

      Vielleicht ist einer der Gründe, warum viele Fantasy-Autoren eine schwierige Zeit damit haben, Zwerge zu schreiben der, dass Zwerge nicht so ansehnlich wie Elfen oder Drachen sind, zumindest nach der Art und Weise, wie Fantasy-Leser idR denken. Dies ist eine weiteres Problem, das in Luft auflösen würde, wenn der Blickwinkel des Texts nicht mehr aus menschlichen Augen schaut. Wenn diese Augen ausschließlich menschlich bleiben, oder ausschließlich die Augen des "allwissenden" Autors, der in menschlichen Parametern urteilt, dann ja klar, ist es wahrscheinlich, dass das vermeintliche Problem der Hässlichkeit bestehen bleibt.

      Das mag meine rein persönliche Meinung sein, aber ich denke, es gibt zu viel Konzentration auf äußere Schönheit in der Fantasy. Die bösen Kreaturen sind überwältigend hässlich, die guten Charaktere überwältigend schön, und nur wenige, wenn überhaupt, sind gewöhnlich und durchschnittlich. Wenn die Menschen und Elfen der Inbegriff der Schönheit bleiben müssen und die Orks oder Kobolde der Inbegriff von Hässlichkeit bleiben müssen, dann könnten die Zwerge vielleicht der Durchschnitt sein. Oder vielleicht können sie auf eine ganz andere Art und Weise schön sein. Stärke kann ebenso schön sein wie Schlankheit. Wenn Zwerge in der Nähe von Fels und Stein sind, könnten sie so schön sein wie es Berge sind oder wie Steinsäulen sind. Diese sind nicht einmal schlank, aber Autoren können über sie rhapsodisieren. Warum nicht ab und zu über Zwerge Rhapsodien singen, vor allem, wenn du aus ihrer Sicht heraus schreibst?

      Irgendwann möchte ich immer noch ein Zwergen-Epos schreiben, alles aus ihrer Weltsicht heraus, und wenn ich das tue, werden die Menschen die seltsamen sein.
    • Schurken

      Zuerst einer meiner liebsten (und einfachsten) Verse aus Swinburne, aus "Hertha".

      Ich sage dir aber: sei;
      Ich brauche nicht zu beten;
      Ich brauche dich frei
      Wie deine Münder meiner Luft;
      Damit mein Herz größer in mir sei, meine Frucht fair zu urteilen.

      Einiges davon habe ich schon gesagt, aber meistens an anderen Orten verstreut, nicht in einem einzigen Rant.

      Mehr Einräumen von Vorurteilen meinerseits: Ich denke, dass Fantasy ohne Teilung der Welt in Dunkel und Licht perfekt auskommen kann, und dass es den besten Autoren, die ohne sie schreiben- Kay, Martin, Berg, Pratchett, Brust - auch gelingt, ihre "bösen" Charaktere zu verkomplizieren und uns mit ihnen sympathisieren zu lassen (manchmal mehr als mit den Helden). Aber es hat große Anziehungskrauft, die Welt aufzuteilen und ich denke, es kann gut gemacht werden.

      Ich wünschte nur, die Leute würden diese Dinge meiden:

      1) Scheinbar sind hässliche Schurken eine Notwendigkeit.

      So denken zumindest die dunklen Herrscher mit ihren Schwärmen von Orks und Trollen und Goblins über die Sache. Das ist ein billiger Trick um dem Publikum seine Sympathien vorzuschreiben. In den seltenen Fällen wenn ein guter Charakter schlecht aussieht haben sie stattdessen „innere Schönheit“, aber niemand sucht nach innerer Schönheit von Orks. Drachen sind die einzige Ausnahme, die mir einfällt bzw. es gibt auch Glen Cook’s Dark Lady (die in der 1. Trilogie viel mehr als Illusion als in echt vorkommt) und manche Schurken tragen falsche Schönheit um die guten auszutricksen. Aber in Wahrheit sind sie hässlich.

      Muss das sein?

      Ich glaube nicht. Klar, die bösen Charaktere wunderschön zu machen löst nicht alles, aber so lange Fantasyleser auf Äusserlichkeiten fokussiert bleiben ist es ein Schritt in die richtige Richtung – die da wäre, den Lesern einfache Sympathien wegzunehmen und sie ein bisschen denken zu lassen. Wenn es einfach ist Goblins zu hassen aber nicht Elfen, dann macht die Elfen böse und guckt, was passiert.

      2) Gib ihnen auch ein bisschen erfolgreiche Intelligenz

      Es ist nicht sonderlich sinnvoll, wenn nur Leute mit nichts in der Birne die Welt erobern. Entweder sind Schurken in Wahrheit insgeheim intelligent bis der Held erscheint, wo ihnen plötzlich nichts intelligentes mehr einfällt oder ihre Erzfeinde, die in den Jahrhunderten zuvor das Böse bekämpften waren monumentale Idioten. Der Held scheint oft nicht nur klüger als sein Erzfeind zu sein, sondern deutlich intelligenter.

      Wie ist es dann gekommen, dass der Erzfeind dann der Erzfeind wurde?

      Denk das durch. Wenn die dunklen Herrscher der Fantasy in ihren Plänen ständig miserabel scheitern, wie es bei ihrer Konfrontation mit den Helden passiert, müsste ihre Herrschaft eigentlich schon vor Jahrhunderten geendet sein, als sie beispielsweise ein großes offensichtliches Problem in ihren Plänen übersahen, sodass die Gegenseite diese Schwachstelle ausnutzen konnte. Ein Mangel an Intelligenz macht sie zu Clowns. Und die Spannung in der Geschichte wird zu Wackelpudding. Niemand wird sich bedroht fühlen, niemand sollte sich bedroht fühlen, von jemandem der dem Helden all seine Pläne erklärt und dann scheitert.

      Oh und wo wir dabei sind...

      3) Vermeide die generischen Signale, die als blinkende Neonzeichen das BӦSE ankündigen.

      Einschließlich aber nicht beschränkt auf: hämisches Gelächter, sich am Unglück weiden, überall und immer schwarz tragen, Leute einfach so aus Spass foltern, vor einer Hinrichtung die eigenen Pläne dem hinzurichtenden Helden haarklein erklären, den Helden auf eine Weise "testen"die ihm die Flucht erlaubt, und im Grunde eine Reihe von anderen Dingen auf der Evil Overlord Liste. Wenn du keine Parodie schreibst, ist das geradezu albern und im besten Fall kommt des als herbeigezwungener Plot rüber und unterbricht den reibungslosen Fluss deiner Geschichte.

      Natürlich kann es genauso die Geduld eines Lesers zermürben, wenn man zum anderen Extrem geht und die Guten schwarz tragen. Versuche stattdessen, einzigartige Schurken zu schaffen. Hey, das machst du für die Helden, ok? Wenn du die Geschichte eines Helden von Anfang bis Ende kennst und dir Zeit genommen hast, um dessen Persönlichkeit zu verstehen, warum nicht dasselbe für einen Bösewicht tun? Allzu oft konzentrieren sich die Kapitel, die aus der Sicht eines Schurken geschrieben wurden, darauf, wie böse er ist oder die Kapitel sind nur da ist, um als "Fliege an der Wand" auf das zu schauen, was die Mächte der Finsternis tun, während sich die Kapitel der guten Charaktere auf sie als Menschen konzentrieren. Um ganz kitschig zu sein: Schurken sind auch Menschen.

      4) Wenn die Helden abgedrehte mächtige Magie bekommen, sollte der Dunkle auch abgedrehte mächtige Magie bekommen.

      Ich bin immer verwirrt, wenn ich eine Fantasy-Geschichte lese, in der die Helden magische Schwerter praktisch aus der Luft zu ziehen scheinen, während der Dunkle Herr eine immense Menge an zeitaufwändiger Forschung und gefährlichen Ritualen durchmachen muss, um eine Waffe zu bekommen, deren Macht sich nie wirklich materialisiert, bevor die Helden ihn töten. Es ist noch schlimmer, wenn es eine halbarschige "Rechtfertigung" gibt wie einige Waffen, die nur durch reine Herzen blah blah blah nutzbar sind. Viel besser ist, den Helden einen wirklichen Grund zu geben, den Dunklen Herrn zu fürchten. Hätte Sauron keine anderen Waffen gehabt, um den Krieg in HdR zu führen als den einen Ring, wäre er eine erbärmliche Figur gewesen. Stattdessen gab Tolkien ihm den Nazgúl und machte den Ring zu etwas, das noch mehr Schrecken verursachen würde, wenn Sauron ihn in den Griff bekäme, nicht zur einzigen Quelle des Terrors.

      Das ist das Problem, Dunkle Herrscher als immense Schattenfiguren zu haben, eine Bedrohung als Potenzial statt in der Realität. Wenn sie noch nichts getan haben, warum haben die Helden dann so viel Angst?

      5) Mach die Pläne des Dunklen Herrn nicht durch Zufall rückgängig.

      Dies kommt alles zurück auf das Hinterlassen von den oben erwähnten Schlupflöchern, aber geht über dumme Pläne hinaus. Es gibt einige Pläne, die so klingen, als ob sie funktionieren würden - außer dass der Dunkle Herr etwas vergisst, was jeder andere auf der Welt weiß, etwa ein Kind, das zu einer bestimmten Zeit geboren wird, um ihn zu entthronen, oder sonst versäumt er es, eine bestimmte Person oder Handlung zu stoppen, obwohl du denkst, dass er alles in seiner Macht stehende in Bewegung setzen würde, um die Konsequenzen zu vermeiden.

      Hätte jemand wirklich tausend Jahre lang regieren und ein dunkles Imperium aufbauen können und dann diese unbequeme Prophezeiung vergessen können, die besagt, dass das kleine Mädchen, das am ersten Apriltag um Mitternacht geboren wurde, eines Tages ihren Zauberstab schwenken und ihn wegblasen wird? Einfach nicht auf die Kinder achten, die an diesem Tag geboren wurden, und sie alle töten, egal was es kostet? Der Dunkle Herr wird die meiste Zeit als rücksichtslos dargestellt, aber irgendwie ist er nie rücksichtslos genug, wenn es um solche Umstände geht.

      Wenn dem Herrscher diese Prophezeihung verschleiert wurde kann das einen möglichen Ausweg bieten, aber je länger das Geheimnis erhalten bleibt, desto offensichtlicher ist die Skala zu Gunsten des Guten gekippt. Könnte eine Prophezeiung wirklich tausend Jahre lang geheim bleiben? Es wird mit jedem Jahrzehnt unwahrscheinlicher,würde ich sagen oder sogar jedes Jahr. Das gilt vor allem, wenn die Guten in einer viel kürzeren Zeitspanne in Erfahrung bringen, was der Schurke plant.

      Lasse die Schurken wirklich eine Bedrohung sein, gib ihm in Eisen gekleidete Pläne, gute Spionagenetzwerke, intelligente und komplexe Notfallplän. Eure Helden werden härter arbeiten müssen, um das zu bewältigen und das böse zu besiegen, aber es wird so aussehen, als hätten sie ihren Sieg verdient.

      6) Lass deine Schurken sich nicht als böse betrachten.

      Fantasy scheint voll von Bösewichten zu sein, die sich darin erfreuen, niederträchtig zu sein, die sehnlichst darüber nachdenken, all das Gute in der Welt zu zerstören, die in der Lage sein sollten, die die lange Erfolgsbilanz des siegreichen Guten betrachten sollten und darum zögern, aber es scheint ihnen egal zu sein.

      Das erinnert mich an das Argument, dass Atheisten wirklich an Gott glauben und wissen, dass sie in die Hölle geschickt werden, aber trotzdem weiter gegen Gott sind. Beides Greifenscheiße. Wer würde sich gegen eine Kraft wenden, von der sie wussten, dass sie gewinnen würde? Es muss Raum für ehrliche Zweifel geben, welcher Kurs am besten ist - in den Köpfen der Schurken, wenn nirgendwo sonst. Und so viel wie möglich sollten die Schurken glauben, dass das, was sie tun, richtig ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn...

      7) Die moralischen Standards ohne ersichtlichen Grund schlampig sind.

      Irgendwie sind Aktionen, die das Gute ergreift, in Ordnung, auch wenn diese Aktionen Folter oder die Tötung von Kindern beinhalten. Die Guten mögen eine Weile ängstlich sein, und manchmal - nicht sehr oft - gibt es eine böse Folge oder zwei, aber alles ist gerechtfertigt, weil es "zum größeren Guten" oder "für das Ungeborene" oder für die gesichtslosen, amorphen Massen (die Massen, deren Rettung so viele Aktionen in der Fantasy rechtfertigt) getan wird.

      Wenn der Bösewicht eine Person quält, ist das das Ende. Es gibt kein Zurück mehr, und es gibt keine Entschuldung.

      Ich möchte diese Philosophie vom höchsten Turm, den ich finden kann, runterwerfen lassen. Was in Conan’s Namen geschieht hier? Wie können moralische Standards für die Guten relativistisch sein, aber für die Bösen absolut?

      Oh, wartet, ich weiß es. Die Guten sind es, mit denen der Autor sympathisieren möchte. Daher sind die Ängste und die grauen (Un)taten für die "Charakterentwicklung" notwendig, aber sie dürfen meine Meinung über die Guten in keiner negativen Weise beeinflussen. Daher die ganzen Rechtfertigungsversuche.

      Persönlich denke ich, dass es albern ist, der Ordnung eines Universums einen moralischen Kodex zu unterstellen und, dass Rechtfertigungen und moralische Standards in den Köpfen der Charaktere existieren sollten, aber nicht darüber hinaus. Aber wenn du nach moralischen Standards im Universum streben willst, dann um Himmels willen sei konsequent damit, auf wen sie zutreffen. Folter, Mord, Vergewaltigung oder Sklaverei sollten nicht aufhören, falsch zu sein, nur weil die Helden es tun.

      Es ist erstaunlich, wie oft in letzter Zeit meine Zähne beim Gedanken an die Guten knirschen.