[Blumenwiese] Duft und Blüten

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    • [Blumenwiese] Duft und Blüten

      Ich will wieder basteln, am liebsten viel und ausgelassen. :)

      Ich warte zwischen kleine Lagerhütten aus Sperrholz und gewachstem Stoff, die sich um eine lange Halle zingeln, aus deren vier niedrigen Backsteinschronsteinen dünner Rauch in den heiteren HImmel qualmt. Für einen Militärindustiestandort finde es ziemlich friedlich, dennoch sind mir die Außenmauern mit den großen gelben Katzenaugen suspekt.
      Ein graziles Gittertor schwingt hinter mir auf und meine heutige Betreuerin Imke, eine lange, sehr dünne Frau, stürzt heraus. Sie ist leicht außer Atem und stützt sich auf ihren Knie ab. "Entschuldigung, dass ich zu spät bin." Die Katzenaugen beobachten uns genau als sie mir die aufgerollten Wabenbänder in den Lagern zeigt. Ich verstehe warum das hier das Wächserviertel ist: Rosenbienenwaben mit leicht rosafarbenen Wachs, dichtzusammengestauchte Dronenwaben aus denen viel Wachs gewonnen werden kann und Gifthummelwaben mit großen quardatischen Löchern die leicht zusammenklappen.
      Vor der langen Halle hört man schon das muntere Gelächter darin, doch auf die feuchte Hitze und den pikant-dominanten Geruch beim Eintreten, war ich nicht gefasst. Die Halle war dunkel und nur von Kerzenlicht und dimmer Glut beschummert. Viele flache Kessel, Wachswarben und Säcke standen umher. Nachdem ich nett begrüßt wurde und Imke mit ein paar KollegInnen scherzte, zeigte sie mir ihren Arbeitsplatz. Sie setzte sich an einen Kessel, schob ihn in die Glut und band sich ein weißes Tuch um den Kopf. "So, jetzt können wir anfangen." sagte sie nach einer guten Weile. Sie füllte den Kessel wieder bis zur Markierung mit Wachs und warf Nachtblaues Pigment aus einem Sack hinein. Dann wog sie drei "Gewürze" ganz genau auf einer kleinen Messingwaage ab und trug die Werte in ein Büchlein ein, bevor sie die Pulver auch in den Kessel warf. Schließlich begann sie mit dem Kerzenziehen. Sie erklörte mir, dass die Würzung kuminarisch-magisch ist und jede hier gefertigte Kerze einen Wirkung hat. Ich war verwirrt. Sie grinse und entzündete eine der frischen Kerzen. Offensichtlich hatte sie sich darauf schon gefreut. Als sie die Kerze auf den Boden setzte gab der Boden nach, als wär sie auf ein Kissen gestellt worden. Noch bevor ich meine Verdutztheit überwunden hatte, merkte ich wie auch ich einsank wie auf einer Bettdecke. Imke lachte beim Anblick meines sicher sehr lusitgen Blicks. "Ein Nachtlicht, damit die Soldaten auch ohne Lager sicher und weich schlafen können", erklärte sie. Der beruhigende Geruch und die Wärme sollen wohl auch zum Schlaf beitragen, aber hier drin konnte ich nichts feines riechen und warm war es ohnehin.
      Ich bedankte mich bei Imke für die Führung, doch bevor ich mich verabschieden konnte, band sie mir eines der weißen Kopftücher um. Sie meinte, dann wüssten die Offizierten mit wem sie es zu tun hätten. Tatsächlich wurde meine Kopfbedekung komisch beäugt als ich die Mauern verließ und auf Untermissonara Kirling wartete. "Ich sehe sie haben die Manufaktur besucht." sagte sie ohne mich zu Begrüßen. Sie wusste offensichtlich genau wer ich war; die Pupillen der Katzenaugen waren diebische Schlitze. Sie führte mich zu einem Kasernengelände einige Minuten entfernt. Dort befahl sie einem Soldaten den Grobert zu holen.
      Grobert schlurfte heran wie ein Schrank, naja vielleicht eher wie zwei Komoden. Seine kleinen Augen waren von Brauen umkranzt und das schüttere Haar gab eine fleckige Stirn preis. Er wirke wie ein stiller, aber freundlicher Geselle mit viel Erfahrung. Er sei ausgebildeter Pionier und hätte schon mehrere Kriegseinsätze erlebt, wurde mir gesagt. Ich wurde zur Rüstkammergebracht wo Grobert seine Ausrüstung anlegte und die Frau Untermissionara mir dieser erklärte. Ich sah auch einige minzgrüne Kerzen, die sicherlich von Imke und ihren Kolleg*innen gefertigt wurden.
      Bei einem Übungsgelende angekommen, wurde Grobert befohlen zu zeigen was er kann. Stahlmesser in beiden Händen schlägt er sich durch Holztüren und Geäst, erklimmt eine Etage in Windeseile. Oben angekommen steckt er seine Messer weg und entpackt eine aprikofarbene Kerze, die er entzündet und in beiden Händen hält. Er schleicht vorsichtig um ein paar Ecken. Langsam, langsam. Und plötzlich stößt er seine Lippen zur Kerzenflamme und ein höllisches Inferno sprüht aus seinen Mund. Ich zucke zurück, selbst von 20 Metern Entfernung spüre ich die Hitze. Der Raum vor ihm brennt lichterloh und die Pappaufsteller sind umgestoßen von dem heißen Luftstoß. "Drachenfeuer", sagt meine Führerin knapp. Ich sehe zu wie der Raum verkohlt.
      Frau Kirling begleitet mich noch zur Kantine. Sie bezahlt mir das Essen mit einem Onyx-Taler und wir schweigen. Ich nehm das gar nicht richtig wahr. "Ja, das ist die Armee", denke ich mir und nehme das weiße Kopftuch ab.


      Huch, eigentlich wollte ich nur ein Imperium, dass auf Honig aufbaut, basteln. Ist irgendwie sehr narrativ und honigarm geworden. ^^
      Schön wieder zu basteln.
    • Ich muss ja zugeben, dass ich mir unter dem Titel ein bisschen was anderes vorgestellt hatte.
      Sehr surrealistisch, aber das sind deine Welten ja glaube ich immer.
      Sind die die "quardatischen Löcher" eigentlich etwas Weltspezifisches, oder doch nur ein Tippfehler? Das Wort klingt irgendwie interessant, aber ich kann mir auf Anhieb nichts darunter vorstellen.
    • Also, dass mehr über Wachs als über Honig geschrieben wird, ist mir auch aufgefallen und ich fände es spannend zu wissen, welche Rolle Honig nun in der Welt spielt. Andererseits finde es auch schön, wenn Bastler*innen gewisse "Markenzeichen" haben, und Wachs scheint ja eines von Tö zu sein.

      Von den visuellen Eindrücken finde ich die Beschreibungen auch sehr schön, aber bei dem Titel hätte ich auch noch erwartet, das man noch etwas mehr über die Gerüche erfährt.
      "Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen."
      - Douglas Adams, "Das Restaurant am Ende des Universums"

    • Irgendwie stelle ich mir als Protagonisten einen jungen Menschen (m/w/d) vor. Diese Person scheint eine höhere Stellung zu haben, wie eine Prinzessin oder ein junger Adeliger. Die Wachen haben Katzenaugen, vielleicht eine Art Katzenmenschen?

      Blumenwiese als Weltenname bei dir? Hm, Honig. Aber auch Wachs. Ich hab's - Wax ;D
      Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht doch hinter dir her sind! (Frei nach Terry Pratchett)

      Meine Welten und Geschichten
      Rollenspiel-Anekdoten
    • Ich dachte auch im ersten Moment irgend wie geartete Katzenaugen an Wänden. Doch dann die Augen erscheinen an zwei Stellen:

      Tö. schrieb:

      Für einen Militärindustiestandort finde es ziemlich friedlich, dennoch sind mir die Außenmauern mit den großen gelben Katzenaugen suspekt. [...]


      Sie [Untermissionara Kirling] wusste offensichtlich genau wer ich war; die Pupillen der Katzenaugen waren diebische Schlitze.

      Daher vermute ich, dass Katzenaugen schlicht ein Synonym für Wächter / Aufpasser sein könnte.
      Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht doch hinter dir her sind! (Frei nach Terry Pratchett)

      Meine Welten und Geschichten
      Rollenspiel-Anekdoten
    • Auf den ersten Blick surrealistisch, auf den zweiten auch noch, nach ein paar Absätzen nicht mehr.

      Die Einleitung gefällt mir sehr und macht Lust auf mehr.

      Und als überzeugter Seitenschläfer, der auf Isomatten und ähnlichen Konstrukten selten ein Auge zu bekommt, brauche ich UNBEDINGT eine von diesen Nachtlicht-Kerzen! ;D

      Überhaupt, alles was einen Soldaten ausgeruht an die Front bring, hat automatisch einen riesigen militärischen Wert.


      Kommen wir als nächstes zu den Imkern und den Bienenstöcken? Ich bin gespannt.
      Entropy... is a such a lonely word.
    • Ich mach jetzt erstmal was ganz anderes.
      Ich will Ruralpunk (das gleichnamige Rollenspielsystem ist schon auf der Liste).
      Ich habe in meiner Kindheit das Wochenende oft auf dem Land verbracht und ich möchte mir dies zurückholen. Ich möchte einen Bauernhof und eine Familie und kilometerweit entfernte Nachbarn und selbstgedengelte Erntemecha!!! Sowieso ist mir das Tüfteln und Zusammenschrauben wichtig und auch so eine "Redneck"-Ästhetik. Dabei muss es natürlich auch queerfreundlich sein. Aber es darf darin zögerlich, ungeschickt, verletzlich und vorsichtig sein. Also eine weltgewordene gute Outing-Erfahrung. :) Ich glaube auf diese Art, kann ich das mit der konservativen Wertevorstellung, die ich aus meiner Familie kenne, verknüpfen. Ob das dann noch Ruralpunk ist?... fraglich.
      Ich hab noch keine Ahnung wie ich da ne Welt rausbaue (Alpha, kann ich das in die Nähe von Klein-Quakenbrück setzen?), aber Hauptsache ich kann mal wieder meine Gedanken im Ländlichen schweifen lassen. <3
    • @Apollo-Soyuz
      Danke, der Kommentar kam genau zu richtig Zeit. Jetzt weiß, dass ich heute den Abend bastelnd verbringen will! :D

      Ich werde mal wagen etwas aus meiner Hauptwelt zu entfernen und hier einzubauen, so kann die Fantasie endlich wirken und geht nicht mehr unter.


      Ruralpunk

      Heute kommt das Eis nur noch im Winter zu Besuch, aber als noch Riesen die Welt bewohnten, kroch die Kälte mit Gewalt über die Welt. Sie schob Hügel auf, zerquetsche den Boden und leckte das Land. Als die Kälte verschwand legte sie zum Abschied noch ein paar Findlinge auf den gequälten Rücken und ließ die Landschaft erschöpft zurück. Diese blieb liegen in all ihren Hebungen und Verrenkungen bis der Schlaf sie überkam. Doch daran erinnern sich nur die Steine und kichern heimlich. Manchmal wundern sich die Bäume über das Gekicher, doch tuen es ab, als eine Verrücktheit der Alten.
      Seither haben die Menschen, schon immer eifrig und kurzsichtig in ihrem Schaffen, die Hügel mit Äckern überzogen und auf Wiesen Obstbäume gepflanzt. Doch noch stehen die Wälder. Stumme Soldaten ohne Komando, ohne Reih und Glied, nur ein stures Bangen. Eine totgeweite Armee von Nutzflächen umzingelt. Sie stehen und schützen ihr Heiligtum: die Senken voll stehendem Wasser, die Moore, die die Menschen meiden. Wo der basische Boden ihre Stärkepflanzen tilgt, wo Schnecken die Getreidebrut fressen, wo die Flüche toter Hexen lungern. Hier liegt eine große Macht und jeder der nicht so blind ist wie die Menschen erkennt es ohne Zweifel. So kommt es vor, das manch ein Mensch sich doch zu den Gewässern verirrt, ohne zu bemerken, dass er unerwünscht ist. Die meisten finden verängstigt nach Hause. Sie erzählen von Gesängen und Schreien und manch einer schwört die Köpfe von Frauen aus der Oberfläche ragen zu sehen. So verteufeln die Menschen die Tiefe und die Dunkelheit des Waldes. Matsch und Schleim gilt ihnen als unrein und schlecht. Gottlos nennen sie das Moor und die Schnecken. Auch hierüber kichern die Steine.
      So geht es nun seit Generationen, doch während die Wälder sich in ihrer Position verwurzelten hatten, hatten die Menschen getüfelt. Es waren nun weniger Menschen, aber die Verbliebenden stapfen in stählernden Abbildern ihrer selbst durch die Landschaft. Diese Roboter, betrieben aus den schwarzen Seen ferner Tiefen, schnitten nun das Korn, und pflügten das Land. Und auch ein Baum war in Windeseile zerhackt. So lichteten sich die Wälder und die Menschen rückten langsam näher ans Moor.
      Hier beginnt die Welt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tö. ()

    • Ich bin auch gespannt, wie sich deine Welt weiterentwickelt und wenn ich deine Beschreibungen so lese, bekomme auch schon wieder etwas Lust, meine eigene mal etwas bildhafter zu beschreiben.
      "Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen."
      - Douglas Adams, "Das Restaurant am Ende des Universums"

    • PolliMatrix schrieb:

      wenn ich deine Beschreibungen so lese, bekomme auch schon wieder etwas Lust, meine eigene mal etwas bildhafter zu beschreiben.
      Das ist super! Ich würd mich sehr freuen das zu lesen. Mir selbst ging es mit der Lust genau so als ich Auras Beitrag vor Kurzem gelesen habe. Ich fänds super wenn dieser Impuls sich weiterentwickelt.


      Alpha Centauri schrieb:

      Da fragst du noch? <3 Nur zu! Du musst nur damit leben, dass U78-Charaktere immer mal wieder eine seltsame Referenz auf die Punks machen werden.
      Wunderbar! Dann bring ich mal ein bisschen Leben in das Umland. ^^
      Über die Referenzen müssen wir allerdings reden. Das Ganze ist sehr lokal und nicht kosmopolit, demnach funktioniert das für mich überhaupt nicht wenn Personen oder ähnliches Bekanntheit hätte. Es könnte sein, dass eine Person von dem Hof den ich basteln will mal mit der U78 reist. Die sechszehnjährige Tochter die mal zum Tanzen in die Stadt fährt, oder so. ^^ Oder du könntest Feste/Rituale die nicht nur lokal sind referenzieren. Oder Wesen und Mythologie die ich bastel. Wir finden schon was, nur das Lokale/Heimliche darf nicht gestört werden durch die Referenz.



      Ich glaub ich sag das jedes Mal, aber ich bin froh wieder gebastelt zu haben. Insbesondere auch wieder liebende Frauen. <3
    • Das nächstgelegende Dorf der Bauernhöfe ist Klein-Quakenbrück. Ursprünglich wurde es von unzufriedenen Artländern gegründet, die aus ihrer Heimat in diese Welt eingewandert sind. Klein-Quakenbrück liegt in einem Urstromtal mit vielen Feuchtwiesen auf denen reichlich Pferde und Schafe grasen. Es besitzt eine trostlose Haltestelle die von der Linie 7 angefahren wird und eine kleine, aber hochverzierte Kirche, die von zwei verfeindeten Pastoren und einem streitschlichtenden Küster geleitet wird. Der ansäßige Fußballverein trifft sich Mittwochsabends, in einer diesigen Kneipe, um alle 8 Spieler der Herrenmannschaft abzufüllen. Die Damenmannschaft, auch wenn sie weniger Beachtung im Ort findet, besitzt hingegen eine volle Startelf mit Auswechselspielerinnen und spielt sogar in der Kreisliga mit. Es herrscht eine noch junge Rivalität zu den Tippelsteinerinnen, die sie vor zwei Jahren mit einem 6:2 vernichtend besiegten. Ansonsten gibt es noch die Dorfbäckerei, die von einer sehr freundlichen jungen Dame geleitet wird und einen guten Schuss Maidcafe in sich trägt, was es verwunderlicherweise zum feinsten Lokal des Dorfes macht. Es ist sehr üblich Sonntags nach der Messe dort Brötchen oder Kuchen zu kaufen. Die Besitzerin hat vor kurzem hinter der Bäckerei eine Kältekammer eingerichtet in der ein Schließfach gemietet werden kann, um Lebensmittel kalt zu Lageren. Darin sieht es etwas gruselig aus mit viel Lammfleisch und man muss aufpassen, dass man sich nicht versehendlich einsperrt. Zumindest fürchten sich einige alte Waschweiber davor.
      Das aktuelle Aufregerthema in Klein-Quakenbrück ist eine handvoll Goth-Jugendlicher die Nachts auf dem Friedhof anzutreffen sind. Von mir aus sollen sie das gerne tun, aber ich bin nicht ihretwegen hier. Nein. Opa Hannes wird heute beerdigt.